Verlag: Gmeiner-Verlag Kategorie: Abenteuer, Thriller, Horror Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2014

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E-Book-Beschreibung Mörderische Weihnachten - Friederike Schmöe

Weihnachten ist die Zeit der Besinnung, der Stille und der Dankbarkeit. Dass es an diesen Festtagen auch ganz und gar nicht besinnlich zugehen kann, zeigt Friederike Schmöe eindrucksvoll in ihren vier Weihnachtskrimis. Ein frostiger Schauer ist garantiert, wenn die Topseller-Autorin eiskalte Verbrechen unter festlich geschmückten Weihnachtsbäumen beschreibt. Das Paket zum Sonderpreis enthält: Süßer der Punsch nie tötet Lasst uns froh und grausig sein Still und starr ruht der Tod Schaurige Weihnacht überall

Meinungen über das E-Book Mörderische Weihnachten - Friederike Schmöe

E-Book-Leseprobe Mörderische Weihnachten - Friederike Schmöe

Impressum

Personen und Handlung sind frei erfunden.

Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen

sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Besuchen Sie uns im Internet:

www.gmeiner-digital.de

Gmeiner Digital

Ein Imprint der Gmeiner-Verlag GmbH

© 2014 – Gmeiner-Verlag GmbH

Im Ehnried 5, 88605 Meßkirch

Telefon 0 75 75/20 95-0

info@gmeiner-verlag.de

Alle Rechte vorbehalten

Lektorat: Claudia Senghaas, Kirchardt

E-Book: Mirjam Hecht

Umschlaggestaltung: U.O.R.G. Lutz Eberle, Stuttgart unter Verwendung der Fotos von © xRaDx / sxc.hu und © ctechs /sxc.hu (Süßer der Punsch nie tötet); © xRaDx / sxc.hu und © ultramarin / Fotolia.com (Lasst uns froh uns grausig sein); © ultramarin – Fotolia.com (Still und starr ruht der Tod); © Gortincoiel / photocase.com (Schaurige Weihnacht überall); Zusammenführung: Simone Hölsch

ISBN 978-3-7349-9272-8

Friederike Schmöe

Süßer der Punsch nie tötet

Lasst uns froh und grausig sein

Still und starr ruht der Tod

Schaurige Weihnacht überall

Süßer der Punsch nie tötet

1. Dezember

Privatdetektivin Katinka Palfy stülpte sich ihre Kapuze zum Schutz gegen den Nieselregen über den Kopf und trabte über die Obere Rathausbrücke Richtung Fußgängerzone. Vor den Glühweinständen tummelten sich wie jeden Abend unzählige Leute; so viele, dass selbst zu Fuß kaum durchzukommen war. Katinka boxte sich durch die Menge.

»He, Frau Privatdetektivin! Unterwegs auf heißer Spur?«

Katinka drehte sich um. Aus einem unscheinbaren Stand, der sich schüchtern zwischen den Glühweinschenken duckte, grinste ihr ein bekanntes rundes Gesicht entgegen: Claudius Gefell, der fränkische Kochbuchmatador. Klein, spillerig, mondgesichtig. Dick eingemummelt gegen die Kälte.

»Grüß Gott! Sind Sie nicht auf großer Fernsehtour?«

»Oberfranken-TV hat abgesagt. Erst wollten sie eine ganze Serie zum Thema Weihnachtsmenüs mit mir abdrehen, aber dann …«

Schon bitter für einen selbsternannten 5-Sterne-Koch, dachte Katinka und verkniff sich ein Grinsen. Im Fränkischen Tag war Gefell groß porträtiert worden. Immerhin hatte er sieben Kochbücher mit fränkischen Rezepten herausgegeben. Hardo mochte die deftige Kost, doch für sie selbst kam genauso gut etwas Leichtes, Mediterranes infrage. Sie sagte Gefell besser nicht, dass sie auf dem Weg zur Konkurrenz war: Kochen mit Caro Terento, der italienischen Superköchin aus den Hochglanzmagazinen, die in diesem Advent ganz Franken mittels Kochkursen in die Geheimnisse ihrer Kunst einweihte. Die lokalen Zeitungen schrieben über nichts anderes mehr. Katinka musste sich beeilen: Ihr Kurs würde in wenigen Minuten beginnen.

»Wie läuft es mit den Gewürzen?«, fragte sie und wies auf die Regale hinter Gefell.

»Größtenteils eigene Mischungen. Brauchen Sie was? Haben Sie sich schon für ein Weihnachtsmenü entschieden?«

»In der Küche bin ich nicht gerade die Krönung.« Aus Höflichkeit kaufte sie ihm ein Tütchen Chiliflocken ab, steckte es in ihren Rucksack und machte sich auf den Weg.

Tatsächlich blieben ihr die Instant-Nudelsuppen und Bratkartoffeln mit Spiegelei mittlerweile im Halse stecken. Weil Weihnachten vor der Tür stand, hatte sie sich zum Kochkurs bei Caro Terento angemeldet, der nicht weit von ihrer Wohnung in einem Küchenstudio stattfand. Sie hatte Hardo vorsichtig angespitzt, aber er wollte nicht mitmachen. Ihm reichte es, wenn einer von ihnen beiden Salatblätter zupfte oder Saltimbocca briet. Katinka hatte geahnt, dass eine Beziehung zu einem Polizeihauptkommissar nicht leicht war, aber sie beide waren fest entschlossen, es dennoch zu versuchen. Mein Beitrag zu Weihnachten wird also ein italienisches Menü sein, überlegte Katinka und betrat das Studio.

Caro Terento war eine große, kräftig gebaute Frau in den Fünfzigern mit lauter Stimme. Das graue Haar war kurz geschnitten, sie trug Jeans und ein Männerhemd. »Um Mode geht es hier nicht«, sagte sie, kaum dass der letzte Teilnehmer aufgekreuzt war. »Auch in der Küche habe ich mich noch nie einem Trend unterworfen. Entscheidend ist der eigene Stil.«

Das gefiel Katinka. Sie begann den Abend mit Spaghetti Bolognese, allerdings mit selbstgemachter Hackfleischsoße, rührte gemächlich im Topf und beobachtete dabei die anderen Kochschüler. Halb Männer, halb Frauen; der Kurs war gut durchgemischt.

»Die Jungs haben wahrscheinlich eine sexy Sizilianerin erwartet«, flüsterte Katinkas Herdnachbarin, eine dralle Frau, die sich an Saltimbocca alla romana versuchte. »Mein Ex würde nie einen Kochkurs machen! Und deswegen mache ich jetzt einen.« Trotzig schnitt sie ein großzügiges Stück Butter ab.

PLOPP! Die Bolognesesoße war am Explodieren. Hastig rührte Katinka im Topf, drehte die Hitze zurück. Sie gab etwas von Gefells Chili­flocken in ihre Soße. Kurz darauf übergoss sie die Pasta mit dem blubbernden Sugo.

»Schmeckt es?«, fragte Caro Terento, als sie an Katinkas Platz vorbeikam. Ungeniert probierte sie direkt aus dem Topf. »Überzeugend, Signorina, überzeugend. Etwas zu pikant für meinen Geschmack, aber überzeugend.«

Katinka aß heißhungrig zwei große Schüsseln Nudeln, testete das Risotto eines anderen Teilnehmers und überlegte, welches Gericht sie als Nachspeise auswählen sollte, als ein Miauen sie aufschreckte.

Sie fuhr herum.

Die dralle Frau, die neben ihr am Herd gestanden hatte, hüpfte auf allen Vieren im Kreis und miaute. Sie schwang den Kopf hin und her, schrie jämmerlich auf, warf sich gegen das Bein eines Mannes, der es sich gerade mit seinem Hähnchenbrustfilet alla barbaresca gemütlich gemacht hatte. Eine Cherrytomate plumpste ihm von der Gabel, direkt vor die Nase der kleinen Frau, die mit dem Mund danach schnappte, die Tomate schluckte, aufkeuchte und mit einem Stöhnen am Boden liegen blieb.

»Madonna!«, schrie Caro Terento und kniete sich neben die Frau. »Rufen Sie einen Arzt, schnell! Sie atmet nicht mehr.«

Alle Teilnehmer standen mucksmäuschenstill da, wie versteinert. Dann endlich kam Bewegung in die Truppe, mehrere zückten gleichzeitig ihre Handys. Katinka hockte sich zu Caro Terento und tastete nach dem Pulsschlag. »Nichts«, sagte sie, nachdem ihre Finger mehrere Sekunden lang über den Hals der drallen Frau gewandert waren, die eben noch ihre Show abgezogen hatte.

»Madonna!«, wimmerte die Terento und warf die Arme in die Luft.

Katinka wählte Hardos Nummer. Ein Arzt würde hier nicht mehr helfen können.

»Was ist los?«, bellte Hardo in den Hörer. Er war wie immer total überarbeitet. Katinka stellte sich vor, wie er erschöpft über seinen kahlen Kopf strich.

»Mord im Kochkurs.«

»Du machst Witze!«

»Mach ich nicht. Schickt jemanden vorbei.« Sie trank Wasser direkt vom Hahn an der Spüle. Gefells Chili hatte es in sich.

2. Dezember

»Der Klassiker aus dem Mittelalter«, sagte Polizeihauptkommissar Harduin Uttenreuther. Sie saßen im Cador und tranken Chaipur, und Hardo sah in dem In-Café mit den weißen Lederstühlen irgendwie deplaziert aus. Sein Bierbauch klemmte hinter der Tischkante, und seine großen Finger schienen den feinen Löffel zerquetschen zu wollen, während er in seinem Tee rührte.

»Erzähl!«, bat Katinka.

»Marga Ofenstaller, die Frau aus deinem Kochkurs, starb an Mutterkorn. Schon mal gehört?«

»Nicht direkt.« Katinka zerbrach sich den Kopf, ob in einem ihrer Fälle jemals jemand mit Mutterkorn umgebracht worden war, aber an Giften waren ihr bislang nur Ricin und Curare untergekommen. Niederträchtig genug.

»Mutterkorn ist ein Pilz, der Getreide befällt. Im Mittelalter war dagegen noch kein Kraut gewachsen. Es gab eine Menge Vergiftungen mit bizarren Symptomen. Nonnen, die sich in wildem Tanz dem Teufel darboten.«

»Auch irgendwie verständlich.«

»Katinka!«

Sie zuckte die Schultern. »Auch Nonnen haben Bedürfnisse. Wo kam das Mutterkorn her? Trägt man ja nicht gerade in der Handtasche herum.«

»Im Küchenstudio ist nichts Verdächtiges gefunden worden. Unsere Leute haben sämtliche Ingredienzien unter die Lupe genommen. Nichts. Nur in Ofenstallers Essen war Mutterkorn. Und zwar in einer so extrem hohen Dosierung, dass ich mich wundere, warum sie nicht sofort umgekippt ist. Ohne Veitstanz.«

Sehnsüchtig sah Katinka auf die Kuchenvitrine. Etwas mit Schokolade wäre ihr jetzt recht.

»Laut Obduktion war Marga Ofenstallers Herz nicht mehr das Beste. Mutterkorn bewirkt Gefäßkrämpfe und stört die Durchblutung. Sie bekam so eine Art epileptischen Anfall. Als in ihrem Gehirn ein Gefäß platzte, war es aus. Ein Superschlaganfall. Sie hatte ohnehin Bluthochdruck.«

»Was glaubt ihr, woher kam das Mutterkorn?«

»Spuren davon sind in einem Zellophantütchen im Mülleimer gefunden worden. Keine brauchbaren Fingerabdrücke außer die des Opfers selbst.«

»Also hat sie das Gift selbst mitgebracht, um sich theatralisch im Kochkurs umzubringen?« Katinka winkte der Kellnerin.

»Schwer vorstellbar.« Hardo trank seinen Chaipur aus.

»Was darf’s denn noch sein?«, erkundigte sich die Bedienung.

»Ein Stück Schokoladenkuchen«, antwortete Katinka. »Für den Herrn Hauptkommissar auch?«

»Nein, verdammt.« Er rührte im Bodensatz in seiner Tasse herum. »Ich muss abnehmen.«

Katinka grinste. Auf seine abendlichen Bierchen mochte Hardo nicht verzichten, dann versagte er sich lieber etwas Süßes.

»Schokolade ist gut für die Nerven.«

»Mag ja sein.« Er zeigte in seine Tasse. »Weiß man, was in diesen Mixturen so genau drin ist? Ich fürchte, man weiß es nicht, auch wenn man die Zutatenliste genau studiert. Meine Leute versuchen, die Herkunft dieses Zellophantütchens zu orten.«

Eine Viertelstunde später trennten sie sich. Katinka quetschte sich an den Glühweinständen vorbei, ignorierte als Nikoläuse getarnte Faltblattverteiler, sah kurz sehnsüchtig in die Schaufenster des Reisebüros gegenüber der verwaisten Schiffsanlegestelle und schlängelte sich dann in die Hasengasse. Seit eine gewaltige Holzkonstruktion direkt vor dem Zugang zu der schmalen Gasse ein Universitätsgebäude vor dem Zusammenbruch bewahrte, geriet ihr Weg ins Büro seit Monaten zum Hindernislauf. Außerdem verrichteten nicht mehr nur Hunde ihr Geschäft im Schutz des Gerüstes.

›Katinka Palfy – Private Ermittlungen‹ stand auf dem Türschild. Seit einigen Jahren schon führte Katinka ihr Business, hatte eine Reihe von verzwickten Fällen gelöst und war dadurch in Franken als Privatdetektivin zu einer bekannten Größe geworden. Ihre Geschäftsräume muteten bescheiden an: Schreibtisch, zwei Besuchersessel, Kleiderständer, Regale mit juristischen Nachschlagewerken. Die Einrichtung hatte sich in all der Zeit kaum verändert, nur alle paar Monate wechselte Katinka das Poster an der hinteren Wand aus. Gerade durften ihre Klienten das Werbeplakat zu einer Klimt-Ausstellung in Wien bewundern. Sie hatte das Plakat aus alter Liebe zu ihrer Geburtsstadt aufgehängt. »Obwohl ich mir längst nicht mehr vorstellen kann, dort zu leben«, murmelte sie und warf ihre Schlüssel auf den Schreibtisch.

Der Rechner flimmerte noch. Um wenigstens ausreichend Nervennahrung zur Hand zu haben, hatte sie sich in diesem Jahr einen mit Schokolade gefüllten Adventskalender aufgestellt. Und vergessen, dass sie seit gestern Türchen öffnen durfte. Genussvoll aß sie beide Pralinen auf einmal. Dann checkte Katinka das Telefonbuch nach Marga Ofenstaller und notierte sich die Adresse. In Facebook fand sie das Profil der Frau, die sie allein vom Foto her sofort wiedererkannt hätte. Marga stellte sich als passionierte Köchin vor, die seit fünf Jahren geschieden war und neuen Männerbekanntschaften gegenüber nicht abgeneigt war. »Du liebe Zeit«, murmelte Katinka, fuhr den Rechner herunter und machte sich auf in die Nürnberger Straße.

Hardos Leute hatten Margas Wohnung im ersten Stock eines neu hergerichteten Mietshauses genauestens unter die Lupe genommen, aber Katinka war neugierig. Mit Schlössern seit dem Beginn ihrer Karriere als Detektivin auf du und du stehend, trat sie nach knapp 24 Sekunden in die Wohnung der jüngst Verstorbenen. Es gab ein paar Fotos an den Wänden, die Marga in Gruppen von lachenden und schäkernden Frauen ihres Alters zeigten. In ihrer Küche stapelten sich die Kochbücher. Katinka ging die Schränke durch. Kein einziges Gewürz, kein Tee, kein Kaffeepulver. Kein Zweifel, um die Zusammensetzung sämtlicher Pülverchen kümmerte sich gerade die Kriminaltechnik. Katinkas Handy klingelte in die Stille der Wohnung hinein.

»Katinka? Hardo hier.«

»Salut!« Sie versuchte, nicht schuldbewusst zu klingen.

»Wo bist du?«

Katinka räusperte sich. »In der Stadt.«

»Du hast es gut. Hör mal, am Alten Kanal ist eine Gondel geklaut worden.«

»Holla!«

»Der Besitzer schwört Stein und Bein, sie gestern ordnungsgemäß festgemacht zu haben. Gegenüber vom Hotel Villa Geyerswörth.«

»Und so eine Gondel trägt man ja nicht mal eben an der Uhrkette zu sich nach Hause.«

»Hast du irgendwas mitgekriegt?« Er spielte auf Katinkas Talent an, die Gerüchte, die in der Stadt kursierten, schnell und effektiv zu bündeln.

»Habe ich nicht. Aber ich höre mich um und gebe dir Bescheid, wenn …«

»O. k.« Hardo hatte schon aufgelegt. Das war wirklich kein Zuckerschlecken mit einem Liebhaber, der bei der Polizei arbeitete. Noch dazu bei der Mordkommission. Und Marga Ofenstallers Tod war Mord. So viel stand fest. Blieb nur die Frage nach einem Motiv, und die Antwort war wohl, wie immer, in den Beziehungen des Opfers zu suchen.

Als Katinka Marga Ofenstallers Wohnung verließ, hörte sie Fußgetrappel von oben. Sie zog so leise wie möglich die Tür hinter sich zu und lief los. Als sie schon auf dem Gehsteig stand, wurde sie von einem jungen Mann eingeholt, der ein Notebook unter dem Arm trug. Er musterte Katinka lauernd, ging dann aber Richtung Bahnhof, ohne ein Wort zu sagen. Katinka sah ihm nach. Er schaute zweimal zurück.

3. Dezember

Katinka streute gerade etwas Chili auf ein Sandwich und wollte entspannt hineinbeißen, als ihr Handy klingelte. Hardos Signalton.

»Fährst du mit nach Coburg?«

»Äh …«

»Deine Italienerin hat heute bei den Protestanten einen Kochkurs gegeben. Und wieder ist jemand umgekippt.«

»Mutterkorn?« Katinka schlüpfte schon in ihre Jacke.

»Noch unsicher. Kollege Schilling hat sich an uns gewandt. Die Zeitungen überschlagen sich bereits. Klick mal im Internet auf ›www.infranken.de‹.«

»Ich kann’s mir denken. Holst du mich ab?«

Sie brausten in Hardos Golf über die A 73. Katinka säbelte mit einem Schweizer Taschenmesser an ihrem Sandwich herum und teilte es mit Hardo. Seit die Autobahn fertiggestellt war, ersparte man sich die unersprießlichen Überholmanöver auf der Bundesstraße. 35 Minuten nach Abfahrt standen sie auf dem Parkplatz der Coburger Polizeidirektion. Katinka erinnerte sich nur zu gut an Hauptkommissar Wolf Schilling, mit dem sie einen verwickelten Fall in einer Werbeagentur gelöst und eines eisigen Winterabends Hardos Leben gerettet hatte.

»Grüß Gott«, sagte Schilling. »Die Frau Privatdetektivin ist auch dabei? Arbeiten Sie an dem Fall?«

»Bis jetzt nicht. Ich war dabei, als das erste Opfer umkippte.«

»Kochkurs?« Schilling lächelte spöttisch. Katinka griff nach seiner ausgestreckten Hand, die in einem cremefarbenen Lederhandschuh steckte, und musterte verstohlen Schillings matt violett changierenden Wintermantel. Genau wie Hardo, der in einem zerfledderten Parka und – wie sollte es anders sein – Turnschuhen seinen Dienst versah, hatte Schilling seinen individuellen Stil in den vergangenen Jahren weiter perfektioniert.

»Jennifer Katz, 24. Bricht zusammen und ist tot. Die Starköchin hat einen Nervenzusammenbruch erlitten und wird im Klinikum behandelt.«

»Woran ist das Opfer gestorben?«

»Der rechtsmedizinische Bericht müsste jede Minute reinkommen. Ich habe den Pathologen gebeten, ihn aufs Fax zu legen, unsere PCs sind zurzeit lahme Enten.«

Er führte Katinka und Hardo in sein Büro, in dem ein nadelndes Adventsgesteck mit blinden roten Kugeln auf dem Tisch stand. Eine blonde Kollegin lächelte ihnen zu und winkte fröhlich. Katinka erkannte Carolin Metze wieder, die bei dem Fall in der Werbeagentur mitermittelt hatte.

»Hier sind ja die Daten.« Schilling zog mit spitzen Fingern einige Blätter aus dem Fax, als handelte es sich um vergammelten Fisch. Sie setzten sich um das Adventsgesteck. »Ach du liebe Zeit. Sie ist an Nikotin gestorben.« Er breitete die Papiere vor sich aus, fluchte, als er an das Adventsgesteck stieß und ein ganzer Nadelregen sich über den rechtsmedizinischen Report ergoss. Entnervt griff er nach den geschmückten Zweigen und schleuderte sie in den Papierkorb. »Ich weiß nicht, wie Sie es mit Weihnachten handhaben, aber für mich ist das Privatsache.«

»Unbedingt«, sagte Katinka, während Hardos graue Augen in gewohnter Geschwindigkeit über die Seiten wanderten.

»Jennifer klagte über plötzliche Sehstörungen, während die Gruppe schon das schmutzige Geschirr wusch und sich mit dem Dessert befasste. Dann bekam sie heftige Krämpfe, verlor das Bewusstsein. Der Notarzt traf sie lebend an, aber es war zu spät, sie noch zu retten.« Schilling wies auf die Papiere.

»80 mg Nikotin«, zitierte Hardo mit zusammengekniffenen Lidern. »Da hat es jemand ganz genau wissen wollen. 40 bis 60 mg gelten schon als tödliche Dosis.«

Er braucht eine Lesebrille, dachte Katinka. Immerhin ist er nicht mehr der Jüngste. Ab Mitte 50 …

»Jetzt erklären Sie mir mal, wie das Nikotin auf Jennifers Mahlzeit kam.« Schilling zog einen Aktendeckel zu sich heran. »Sie bereitete gefüllte Paprika zu. Vegetarisch mit Ricotta-Käse, Emmentaler, Eiern, frisch geriebenem Pfeffer …«

»Hat noch jemand anders von den Paprikas gegessen?«, fragte Katinka.

Schilling zog die Augenbrauen hoch. Es fiel dem Beamten sichtlich schwer, die freiberufliche Kollegin mit Informationen zu versorgen.

»Eben nicht. Niemand hat von Jennifers Essen probiert. Denn zeitgleich kochte Caro Terento irgendein anderes Gericht, hier, warten Sie, genau, Moussaka mit Zucchini, und darauf waren alle scharf. Außerdem hat irgendein eilfertiger Teilnehmer Jennifers Teller gespült, weil sie über Unwohlsein und Sehprobleme jammerte.«

Vermutlich war Jennifer sehr hübsch, dachte Katinka, was die Beflissenheit der Hobbyköche in null Komma nix erklärt.

»Haben Sie den Mann befragt?«, wandte sie sich an Schilling.

»Was denken Sie denn! Aber wir haben keine einzige Aussage, die etwas hergibt. Nicht einen Hinweis.«

»Gewürze, sonstige Zutaten?«, bohrte Hardo nach.

»Hier war wohl ein weiterer Teilnehmer etwas übereifrig«, antwortete Schilling. »Er sagte aus, den übervollen, stinkenden Mülleimer in den Hof getragen zu haben. Die Tonnen sind am späten Nachmittag geleert worden.«

Da haben Ihre Leute den Tatort ziemlich schlampig gesichert, dachte Katinka, verkniff sich jedoch einen Kommentar.

Carolin Metze streckte den Kopf herein. »Gerade kam ein Anruf von der Zeitung. Unser Weihnachtsjunkie verkauft auf seinem Gartengrundstück einen sogenannten Todespunsch.«

Schilling verdrehte die Augen, während er schon seinen Mantel vom Bügel nahm. »Kommen Sie mit, das müssen Sie sich anschauen.«

Der Mann, den Carolin Metze ›Weihnachtsjunkie‹ nannte, besaß ein Haus auf dem der Veste Coburg gegenüberliegenden Berg mit einer atemberaubenden Sicht auf die Stadt. Sein Eigenheim war klein und alt, zwischen hohen Birken und Fichten gelegen. Seine unansehnliche und renovierungsbedürftige Fassade verbarg sich unter Zehntausenden von Glühbirnchen in allen Farben. Elche und Hirsche aus Lichterketten grasten im Garten. Blinkende Nikoläuse krabbelten die Fassade hinauf. Seine Garage hatte der Besitzer zu einer Glühweinbude umfunktioniert. Hardo, Schilling und Katinka stiegen aus dem Streifenwagen, der sie hergebracht hatte.

»Ach, Besuch von der Polizei. Es hat alles seine Ordnung. Alles ist angemeldet, ich stelle sogar eine Toilette zur Verfügung!« Der Initiator der Kitschorgie wies auf ein handgemaltes Schild mit zwei Nullen drauf.

»Darum geht es nicht«, entgegnete Schilling knapp. »Was ist das?« Er wies auf die Speisekarte, eine alte Schiefertafel. »Todespunsch?«

»Ein kleiner Spaß. Ein Witz, verstehen Sie?«

»Dann dreimal Todespunsch«, bestellte Katinka. »Was mixen Sie denn rein?« Sie folgte dem Gastgeber zu seiner improvisierten Bar.

Vertraulich beugte er sich vor. »Eine extra Portion Kardamom, Koriander und Chili, außerdem Nelken für die intensive Würze.« Er goss aus einer Megathermoskanne drei Becher voll. »Wohl bekomm’s.«

»Einen vierten, bitte.« Schilling war hinter sie getreten. »Zum Mitnehmen.« Kurz darauf balancierte er den mit einem Plastikdeckel verschlossenen Becher zum Wagen und wies die Streife an, das Gesöff unverzüglich ins Labor zu bringen.

4. Dezember

Katinka saß in ihrem Büro, futterte die Schokofüllung des 3. und 4. Dezembers und brütete über einem Stalkingfall. Eine junge Frau wollte ihren Peiniger verfolgen und auf diese Weise einschüchtern, nachdem alle offiziellen Hilfestellungen versagt hatten. Sara Kaiser hatte auf der Sandkirchweih, Bambergs wildester und beinahe weltberühmter Sause, eine heiße Nacht mit einem Kerl verbracht, der ihr nun nachstieg, anstatt sich willig entsorgen zu lassen.

Rollkommando zu spielen, war nicht ganz im Rahmen des Gesetzlichen. Seit Katinka mit Hardo zusammen war, konnten aus solchen Kleinigkeiten komplizierte Geschichten erwachsen. Nachdenklich betrachtete sie Sara Kaisers Foto. Langes, blondes Haar, das in perfekten Wellen über ihre Schultern fiel, feminine Figur, was soviel hieß wie Hungerhaken, Blazer, superenge Jeans. Der Mann, mit dem sie nach einigen Caipirinhas am Grünhundsbrunnen in die Kiste gestiegen war, hatte ihr noch nicht einmal seinen richtigen Namen hinterlassen. Es war Sara nie gelungen, ihn aufzuspüren. Alles, was Katinka wusste, war, dass der Stalker unregelmäßig in der Nähe von Saras Wohnung in der Willy-Lessing-Straße herumlungerte, ihr beim Joggen am Kanal über den Weg lief, nie sprach, sondern ihr einfach eine Weile folgte, bis sie die Nerven verlor. Ein einziges Mal hatte sie es geschafft, den Typen mit dem Handy zu fotografieren. Doch die Aufnahme war so miserabel, dass außer einem verschwommenen Profil nicht viel zu sehen war. Katinka hatte Sara gebeten, sie sofort anzurufen, wenn der Stalker wieder aufkreuzte, aber bislang hatte ihre Klientin sich nicht gemeldet. Manche Probleme lösten sich quasi von selbst.

Katinka beschloss, im Café am Kranen einen Milchkaffee und einen Muffin zu holen. Der Tag war grau. Der Nieselregen machte alles noch dunkler und trüber.

Als sie mit ihren Sachen vor das Café trat, bemerkte sie ein versprengtes Grüppchen von gegen den Regen eingemummelten Gestalten, die vor der Schiffsanlegestelle herumstanden und selbstgemalte Transparente hochhielten.

»Was ist denn hier los!«, entfuhr es Katinka. Vor Überraschung schwappte der Kaffee über. Sie entzifferte die Plakate. ›Auch Frankens Küche ist es wert!‹ – ›Ab nach Hause, Caro!‹ – ›Franken:Idalien 1:0‹

»Eine Demo!« Ein junger Typ mit Nickelbrille und Skimütze saß in eine Decke gekuschelt vor dem Café, geschützt von einem zerfledderten Sonnenschirm, und rauchte. »Ich wette, das ›d‹ in ›Idalien‹ ist Absicht!«

»Da wäre ich mir nicht so sicher«, erwiderte Katinka, die, seit sie in diesem beschaulichen Landstrich lebte, gegen die Verhohnepiepelung ihres Namens als ›Kadinga Balfy‹ kämpfte.

»Ich bitte Sie!« Er lachte, nahm die Skimütze ab und kratzte sich an seinem mit schütterem Flaum bewachsenen Kopf. »Die fahren im Sommer alle nach Bibione! Müssen doch wissen, wie sich ihr Urlaubsland schreibt.«

Katinka setzte sich zu dem Mann an den Tisch und stellte Kaffee und Muffin ab. »Mir war bisher nicht klar, wie weit es mit dem fränkischen Selbstbewusstsein gehen kann!«, sagte sie. »Wenn der Volksstamm jetzt schon Pro-bleme mit Pizza und Pasta hat …«

»Sie sind Katinka Palfy, oder?«

»Wer will das wissen?«

»Dante Wischnewski. Dante, nicht Dande. Auch nicht Tande. Fränkischer Tag.«

»Ich fasse es nicht!« Katinka lachte. »Sie sind der neue Volontär.«

»Genau. Nicht Volondär.«

Allmählich könnte er das mal wieder sein lassen, dachte Katinka. »Meine beste Freundin hatte den Job vor Ihnen.«

»Britta Beerenstrauch, ich weiß. Sie ist jetzt beim Fernsehen.«

»Gut informiert, Herr Wischnewski!«

»Exakte Pressearbeit. Nennen Sie mich Dante!«

»Berichten Sie über die Demo?« Katinka zeigte auf die Protestler und die beiden Streifenwagen. Die Polizisten wussten nicht recht, ob sie den Auflauf von etwa 100 Leuten ernst nehmen sollten.

»Bericht ist schon im Kasten.« Er klopfte auf ein Notizbuch vor sich auf dem Tisch. »Sie wissen doch, wir haben ja ausführlich berichtet: Die italienische Starköchin Caro Terento gibt Kochkurse in ganz Franken. Und diese Herrschaften hier sind Fans der fränkischen Küche. Mit Konkurrenz kommen sie nicht zurecht.«

»Das kann doch nicht der Grund sein, eine Demonstration anzumelden!«

»Sind ein paar militante Leute dabei. Die werden ganz rattig, wenn’s nicht fränkisch genug ist. Einer, der sich Ice Cube nennt, hat sogar ein Blog im Internet. Titel: ›Die reinste Kulinarik‹. Die Doppeldeutigkeit ist beabsichtigt. Polemisiert gegen die Verwässerung des fränkischen Geschmacks durch neue Kochtrends. Wie der Mann mit bürgerlichem Namen heißt, habe ich noch nicht rausgefunden.«

»Völliger Blödsinn!«

»Möglich«, entgegnete Dante und zündete sich eine neue Zigarette an. »Möchten Sie?«

Katinka nahm eine. »Danke.«

»Die Leute regen sich über alles Mögliche auf. Über den Verfall der deutschen Sprache zum Beispiel, über die Landesgartenschau, obwohl sie erst 2012 hier stattfindet, über abgeholzte Streuobstwiesen, abgeschaffte Parkplätze.«

»Ist auch ein ziemlicher Irrsinn, die letzten Stellflächen im Zentrum zu verbieten«, ging Katinka dazwischen.

»Alles absolut ideologisiert«, gab Dante zu. »Warum also nicht sich über Essen aufregen? Nahrung ist wichtiger als Parkplätze.«

»Auch wieder wahr. Haben Sie mit den Demonstranten gesprochen?«

Dante senkte den Kopf und sah Katinka verschmitzt an. »Was denken Sie denn?«

»Ist einer von denen fähig, Leute zu ermorden, um der italienischen Konkurrenz zu schaden?«

»Sie fragen wegen der Morde in Caros Kochkursen? Wenn Sie mal Bedarf haben – ich habe einen guten Draht zur Rechtsmedizin.«

»Ich komme darauf zurück.« Katinka hatte gelernt, Informationsangebote nie auszuschlagen. »Ich habe den ersten Mord hautnah mitgekriegt.«

»Wie – Kochkurs?« Dante lupfte die Augenbrauen.

»Bei Signora Terento.«

»Lassen Sie das bloß keine von diesen Nasen wissen«, warnte Dante grinsend mit einem Blick auf die Demonstranten. »War’s lecker?«

»Bis mir der Appetit vergangen ist, schon.«

Katinka verabschiedete sich und ging zurück ins Büro. Dort klickte sie im Internet herum, bis sie Ice Cubes Blog gefunden hatte. Außer Polemik und dürftigen Begründungen gab es auch eine Menge fränkischer Rezepte in den drei Kategorien ›saueinfach‹, ›middel‹ und ›sauschwer‹. »Und so einer nennt sich Ice Cube«, murmelte Katinka. Sie schickte Hardo den Link per Mail. Sollte er die Identität von diesem fränkischen Eiswürfel ermitteln und ausforschen, ob der Mann etwas mit den Morden zu tun hatte.

5. Dezember

»Dante Wischnewski hier.«

Verschlafen drückte Katinka das Handy an ihr Ohr.

»Sie wissen noch, wer ich bin?«

»Ein übereifriger Volontär bei der Zeitung.« Katinka setzte sich im Bett auf. Es war halb acht, draußen klebte Nebel vor den Fenstern. Der Himmel hätte um Mitternacht nicht dunkler sein können.

Dante lachte.

»Ich habe gestern ein bisschen recherchiert.«

»Ich auch. Ice Cube und Söhne.«

»Den meine ich nicht. Die Coburger Polizei hat den Lichterkettenfritzen gefilzt. Er hat da eine Palette Glühweingewürz in seiner Garage.«

»Aber das besteht nicht aus Nikotin, oder?«

»Nein. Und aus Mutterkorn auch nicht.«

Woher weiß er das mit dem Mutterkorn?, wunderte sich Katinka. Das ging doch noch gar nicht an die Presse.

»Jedenfalls«, beeilte sich Dante, und Katinka hörte im Hintergrund hektische Stimmen, »fanden sie erhöhte Mengen an Chemikalien, Pestiziden und – Lackresten! Die Gewürze werden irgendwo in Bulgarien oder so auf lackierten Rosten getrocknet und nehmen die Substanzen aus den Lacken auf.«

»In gesundheitsgefährdenden Mengen?«, fragte Katinka, während sie aus dem Bett stieg und in die Küche tappte.

»Es ist genug Gift drin, um das Zeug aus dem Verkehr zu ziehen. Aber so direkt dran sterben würde man erst mal nicht.«

»Woher haben Sie das?«

»Ich habe vor, demnächst Medizin zu studieren.« Dante räusperte sich. »Bin sozusagen angehender Wissenschaftsjournalist. Der Fränkische Tag ist nur eine Zwischenstation.«

»Auf dem steilen Weg nach oben. Trotzdem danke für den Tipp. Und halten Sie sich mit Glühwein zurück.«

»Von dem Zeug kriegt man sowieso den Glimmer!«

Sie legten auf. Katinka trank zwei Tassen Milchkaffee, zog sich an und stieg in ihren Beetle. Sie hatte nichts Besonderes zu tun, und eine Fahrt nach Coburg wäre eine willkommene Abwechslung vom üblichen Standard.

Der Weihnachtsjunkie saß in seiner Garage auf seinem Berg und blickte trübsinnig vor sich hin.

»Sie auch schon wieder?«, begrüßte er Katinka. »Allmählich habe ich genug von kriminalisierenden Besuchern.«

»Guten Morgen, Herr …«

»Bergmann. Helmut Bergmann.«

»Herr Bergmann. Da haben Sie ja ganz schön …«

»… tief ins Klo gelangt. Woher soll ich denn wissen, dass mein Glühweingewürz mit Lack verseucht ist! Ich beziehe das seit Jahren. Da hat nie einer auch nur ein Stäubchen beanstandet. Möchten Sie einen Chai?«

Katinka sagte »ja«, weil ein kleines Entgegenkommen bei Getränken oft den Redeschwall des Gegenübers beschleunigte. »Wo kaufen Sie denn Ihre Gewürze?«

»Die bestelle ich schon seit 1996 über Claudius.« Bergmann setzte seinen Wasserkocher in Betrieb und gab drei Löffel ockerbraunes Pulver in einen Becher.

»Wie?« Katinka wurde hellhörig. »Claudius Gefell?«

»Klar, kennen Sie ihn?«

Katinka nickte und dachte an das Chili, das sie gestern Abend großzügig in ihre Suppe gestreut hatte.

»Ist ein alter Kumpel von mir. Er hat auf dem Coburger Weihnachtsmarkt einen Stand und …«

»Moment. In Coburg auch?« Sie dachte an die geduckte Bude in der Bamberger Innenstadt.

»Claudius ist ein cleverer Geschäftsmann. Big Business in Gewürzen. Ist in ganz Franken präsent. Glauben Sie, dass er von der Kocherei leben kann?« Das Wasser brodelte, und Bergmann übergoss Katinkas Chai.

»Wahrscheinlich nicht.«

»Eben.« Er schäumte Milch in einer Stempelkanne auf. »Daher die Gewürze.«

»Haben Sie das auch der Polizei erzählt?«

»Ich fürchte, die nehmen Claudius die Bude auseinander. Und die Studenten auch, die sich für ihn den Arsch abfrieren.«

Katinka fuhr in die Innenstadt und sah sich auf dem Weihnachtsmarkt um. Überall dasselbe: Lichter und Kerzen und Trallala, Holzspielzeug, Lametta, Pyramidenkerzen. Sie hatte nicht viel für diesen süßlichen Adventsverschnitt übrig. Ein Stand war verschlossen. Auf das rot-weiße Band hatte die Polizei verzichtet. Gefells Weihnachtsbude war ja kein Tatort.

Katinka fuhr nach Hause, steckte ihr Chilipäckchen in eine Plastiktüte und wollte das Haus wieder verlassen, als ihr ein Gedanke kam. Sie schaltete ihren Laptop ein und gab ›Gewürze‹ und ›Claudius Gefell‹ als Suchbegriffe ein. Sekunden später blinkte die Zeile ›Claudius Gefell – Hot Spicy Business‹ auf ihrem Bildschirm.

»Hätte mich auch gewundert, wenn er sich das Internetgeschäft entgehen ließe«, murmelte sie, fuhr das Gerät herunter und machte sich auf den Weg zur Polizeidirektion.

6. Dezember

»Vom Internet habe ich wirklich die Schnauze voll.« Hardos graue Augen leuchteten, als die Bedienung ihm ein Rauchbier hinstellte. »Prost!«

»Zum Wohl!« Katinka hob ihren Krug. »Was ist jetzt mit den Gewürzen?«

»Gefell ist sauber. Außer im Glühweingewürz haben wir nirgendwo was gefunden. Auch nicht in deinem Chili. Alles unter den Grenzwerten.«

Katinka sah sich um. Sie saßen im ›Spezial‹ in der Königstraße. Am Nikolaustag hockten einige Spaßvögelchen mit Nikolausmützen inklusive blinkendem Zipfel am Stammtisch. Ansonsten war alles wie immer. Dicht gedrängt, laut, voll, das Essen deftig, das Bier ein Gedicht.

»Also eine falsche Spur.«

»Vermutlich. Du kennst doch Floriane?«

»Deine Cousine zweiten Grades bei der Zulassungsstelle?«, unkte Katinka. Hardo hatte kaum Verwandte. Dennoch achtete er peinlich genau auf die exakte Bezeichnung des Verwandtschaftsgrades.

»Sie ist mit Gefell in die Schule gegangen. Die beiden waren sogar mal ein Paar.«

»Ich breche zusammen.«

Hardo sah Katinka scheel an. »Wie bitte?«

»Ich meine, vor Hunger.« Katinka lachte. »Gefell verkauft im Internet. Hot Spicy Business.«

»Von irgendwas muss der Mensch leben. Von seinen Kochbüchern kann er sich definitiv nicht ernähren.« Hardo senkte die Stimme. »Wir haben seine Einnahmen diskret unter die Lupe genommen. Mit den Büchern verdiente er im letzten Jahr exakt 124,37 Euro.«

»Bombig.«

Die Bedienung knallte ihnen zwei Teller mit Schnitzel vor die Nase. Hardo hatte schon sein Besteck in der Hand.

»Wovon lebt er dann?«, erkundigte sich Katinka.

»Von seinen Kochkursen. Beim TV hätte er auch nicht den großen Reibach gemacht. Das sieht alles immer so grandios aus. In Wahrheit hungern sich die Leute von A nach B.«

»Aber er kocht doch auch«, warf Katinka ein. »In Gasthöfen in der Region.«

Hardo zuckte die Schultern. Die Hälfte seines Schnitzels hatte er schon verschlungen.

»Und wie sieht’s mit dem persönlichen Umfeld der Opfer aus? Hat sich da was ergeben?«

»Nichts, was irgendwie aussagekräftig wäre. Motive sind da, aber keine ausreichend starken. Außerdem ist das größte Rätsel einfach die Mordwaffe.«

»Im Netz kannst du dir alles beschaffen.«

»Nicht nur im Netz.« Hardo schob sich eine Gabel voll Pommes in den Mund und war für eine Weile beschäftigt.

Katinka sah zur Tür. »Der kann aber schon weit gucken«, murmelte sie.

Ein Mann mit glasigem Blick tapste durch die Gaststube. Er hatte Schlagseite wie ein lecker Fischerkahn und fixierte Hardos Teller.

»Ich glaube, da will jemand was von dir«, sagte Katinka.

»He, Kommissar X«, sagte der Mann, blieb vor ihrem Tisch stehen und stützte die Hände auf die Platte. Er stank nach Schnaps und Zigarettenrauch. Seine Finger waren rot von der Kälte. Scheint Spaß zu machen, den halben Abend draußen zu verbringen, um zu rauchen, dachte Katinka.

»Muss man euch eigentlich erklären, wie ihr eure Arbeit machen sollt?«

Hardo aß ungerührt sein Schnitzel fertig. Beim Essen ließ er sich ungern stören. Außerdem wusste Katinka nur zu genau, wie viele Spuren ihr ›Kollege‹ von der Kripo gerade in Wirtshäusern aufsammelte. Freiwillig und unfreiwillig.

Der Mann kramte in seiner Hemdtasche und förderte ein mehrfach gefaltetes DIN A 4-Blatt zutage. »Hier. Böse Geschichte, was?«

Katinka griff nach dem Zettel. Ein Ausdruck aus dem Internet. Gedruckt am 28.11. Verdammte Kontrolle, dachte sie.

»24 Tote bis Weihnachten. Wir sagen euch, das wird ein Spaß. Eure Anarchisten.« Sie las die URL. Süddeutscher Anarchistentwitter. Sie reichte Hardo den Zettel. »Was ist das denn?«

»Ich sag’s ja: Der Steuerzahler muss für euch noch die Arbeit erledigen.« Schwankend ließ der Informant die Tischplatte los und wäre um ein Haar auf Hardo gekippt. Er fing sich gerade noch, machte ein paar taumelnde Schritte rückwärts, hob die Hand zum Gruß und ging.

Katinka trat an den Tresen, wo ein Typ in gestreiftem Hemd Bier zapfte. »Wer war’n das?«, fragte sie.

»Max Rauhut. Wer will das wissen?«

»Katinka Palfy.«

»Ach, Hardos neue Flamme?«

Katinka tippte mit dem Zeigefinger gegen das gestreifte Hemd. »Keine Fragen zum Privatleben gestattet.«

Er zuckte die Achseln. »Max ist ein Junkie. Qualmt, säuft und hängt im Internet ab. Sein Hobby sind Verschwörungstheorien. Die Schweinegrippe ist eine außer Kontrolle geratene Biowaffe und die Amis haben ihre Türme selbst in Schutt und Asche gelegt. Den kann man nicht ernst nehmen.«

Vielleicht doch, dachte Katinka und ging zurück zu Hardo. Er hatte ihren Schnitzelrest gleich mit vernichtet.

»Ich muss ins Büro«, sagte er, während er sich den Mund abwischte und seine Brieftasche zückte. »Da schauen wir doch mal nach.«

»Ich begleite dich.«

Hardo verzog das Gesicht. Eine Grimasse zwischen einem Lächeln und einem hilflosem ›Das-habe-ich-mir-gedacht‹.

7. Dezember

»Ödnis, soweit das Auge reicht«, bemerkte Dante Wischnewski und nippte an seinem Heidelbeerglühwein. »Puh, von dem Zeug gehen einem die Haare hoch.«

Davon hast du ja nicht mehr viele, dachte Katinka. Sie hatte ihren Punsch nicht angerührt. Nieselregen, Pfützen, Filzhausschuhe und Plastiktischtücher waren nicht gerade das, was ihr Herz begehrte. Dantes Einladung, sich auf dem Weihnachtsmarkt zu treffen, war sie nur deshalb gefolgt, weil sie sich auf keine andere Arbeit konzentrieren konnte und sich immer noch nicht sicher war, ob sie den Stalker als Ein-Personen-Rollkommando einschüchtern oder lieber keinen Ärger riskieren sollte. Sara Kaiser hatte sich auch nicht wieder gemeldet. Offenbar war ihr die Sache nicht wirklich wichtig.

»Der Nikolaus ist aber spät dran«, sagte Ka­tinka und deutete auf den guten Onkel im roten Kostüm.

»Osterhasi«, piepte Dante im Versuch, Gerhard Polt zu imitieren, was ihm nicht schlecht gelang.

»Ich werde verrückt.« Katinka lachte auf. »Das ist doch Claudius Gefell!«

Dante hatte schon seine Kamera gezückt und lief dem Nikolaus nach. Der Kochbuchautor wandte sich um, lächelte in die Kamera und winkte mit seiner neuesten Veröffentlichung im Arm. Katinka kniff die Lider zusammen, um den Titel lesen zu können: ›Verschärfte Weihnacht!‹

»Ist das eine PR-Aktion, um Ihr Kochbuch bekannter zu machen?«, fragte Dante emsig, ein Notizbuch und einen Stift aus seinem Rucksack angelnd.

Gefell, dessen Mondgesicht unter Bart und Nikolausmütze kaum zu erkennen war, murmelte eine Antwort und drehte sich von Dante weg.

Was hat der denn?, dachte Katinka. Hat er Schiss vor der Presse?

»Wie gehen Sie mit den polizeilichen Ermittlungen in Ihrem Gewürzhandel um?«, bohrte Dante.

»Ich bin mir keiner Schuld bewusst«, erwiderte Gefell. »Meine Ware ist immer absolut sauber gewesen.« Er hielt sein Buch hoch. »Ich verderbe mir doch nicht selber das Geschäft. ›Verschärfte Weihnacht‹ – pikante Rezepte zu Weihnachten. Basieren auf meinen eigenen Gewürzmischungen. Das ist meine Spezialität: Mach das Kochen einfach, indem du Gefells Würzmixe verwendest.«

»Kann ich ein Rezensionsexemplar kriegen?«

»Klar.« Gefell strahlte, als hätte ihm eben jemand 100 Exemplare abgekauft.

Dante steckte dem fränkischen Starkoch seine Visitenkarte in die Manteltasche und kam zurück zu Katinka. »Brrr, kalt schmeckt das Zeug überhaupt nicht.« Er schob seine Punschtasse weg.

»Das schmeckt weder kalt noch warm«, entgegnete Katinka. »Aber ich glaube, jetzt kriegen wir etwas Exklusives zu sehen.«

Ein Mann, rotes Strubbelhaar, fast zwei Meter groß und untersetzt, mit Ohren wie Rhabarberblätter, löste sich vom Tresen einer Bratwurstbude und ging hinter Gefell her. Packte ihn am Mantel, zerrte ihn herum. Gefell war so überrascht, dass er sich nicht einmal wehrte, als der Riese ihm sein Buch aus der Hand riss, damit in der Luft herumfuchtelte und es schließlich in die nächstbeste Pfütze schleuderte. Katinka machte einen Schritt auf ihn zu, aber Dante packte sie am Ärmel. »Warten Sie, bis es interessant wird.«

»Bist du nicht ganz dicht?«, beschwerte sich Gefell, aber Katinka sah ihm an, dass er Angst hatte. Seine Augen wurden ganz rund, und der Schweiß rann ihm in den silbernen Kunstbart.

»Verschärfte Weihnacht – so ein Quatsch. Du solltest dich lieber mal verschärft für unsere Sache einsetzen!«

»Ich bin Koch. Euer Gezänk ist mir zu albern.«

Inzwischen hatten sich etliche Weihnachtsmarktbesucher umgedreht und verfolgten gebannt die Auseinandersetzung. Das war etwas anderes als Plätzchenformen und Kugelkerzen, wie man sie jedes Jahr seit Menschengedenken kaufen konnte.

»Eben weil du Koch bist!« Der Riese trat so nah an Gefell heran, dass Katinka dachte, er würde ihn zermalmen. »Und du weißt, wir vergeben jedes Jahr Frankens goldenen Kochlöffel. Wenn du dich ranhältst – ach, vergiss es.«

Gefell taumelte ein paar Schritte rückwärts und kullerte gegen eine Frau, die einen Rollator inklusive sich selbst durch die Budenreihen schob. Sie geriet aus dem Gleichgewicht und wurde von einem Punk mit Nietenjacke aufgefangen.

»Sorry, Oma!«, sagte der.

»Lass mich in Ruhe, du … du …«, plusterte Gefell sich auf.

»Ein Preis wäre deine Rettung«, polterte der Zwei-Meter-Mann. »Dann würde man dich wenigstens mal wahrnehmen. Tu was für Franken!«

Katinka stieß sich vom Tisch ab. »He, mach langsam«, sagte sie und drehte dem Riesen den Arm auf den Rücken. Ein paar Tricks beherrschte sie aus dem Effeff, und üblicherweise hatte sie als zierliche Frau den Überraschungseffekt auf ihrer Seite.

»Spinnst du, du Schlampe?«

»Genau der richtige Ton, um ordentlich Ärger zu kriegen.«

»Das ist privat hier«, tobte der Riese, aber der Schmerz in seinem Arm hielt ihn davon ab, seinen wütend hervorgestoßenen Verwünschungen Taten folgen zu lassen.

Dante würde in der nächsten Ausgabe des Lokalteils berichten, wie die von aufgeregten Passanten herbeigerufene Fußstreife den Streit schlichtete und den Riesen mit Ermahnungen zurück in die Weihnachtskultur schickte.

Katinka jedenfalls wischte sich die Hände an den Jeans ab. »Haben Sie die Ohren von dem Kerl gesehen?« Die neugierigen Blicke der Leute um sie her ignorierend, stellte sie sich wieder zu Dante an den Tisch.

»Sie gehen ja ran.«

»War das wieder so ein militanter Heimatpfleger?«

»Sieht so aus.« Dante klickte auf dem Display seiner Digitalkamera herum. »Sie sind richtig fotogen.«

»Unabhängig davon – ich muss arbeiten gehen!« Katinka nickte ihm zu.

»Es gibt kein Muss in der Kunst, denn die Kunst ist frei.« Dante grinste breit.

»Wo haben Sie das denn her?«

»Kandinsky.«

»Na, wenn Sie sonst keine Probleme haben … ich ernähre mich jedenfalls nicht von Kunst.«

»Lebenskunst«, rief der Jungvolontär und angehende Wissenschaftsjournalist ihr nach, »ist auch eine Kunst!« Doch Katinka war schon Richtung Heumarkt auf und davon.

8. Dezember

Dante erwies sich als zuverlässig und mailte Katinka seine schönsten Fotos vom gestrigen Zweikampf auf dem Weihnachtsmarkt. Katinka leitete den Anhang an Hardo weiter. Anschließend machte sie sich im Internet auf die Suche. ›Frankens goldener Kochlöffel‹ wurde von einem Verein vergeben, der sich ›Stamm der Franken‹ nannte und mit dem Preis ein außerordentliches Engagement für das Brauchtum der Region honorierte. Allerdings war der Preis undotiert. »Armer Claudius«, sagte Katinka laut zu sich selbst. Der Verein schien nicht allzu viele Mitglieder zu haben, was niemanden besonders erstaunen konnte. Katinka klickte auf ›Vorstand‹. Der Rotschopf mit den Rhabarberohren grinste in die Kamera, sein Name stand unter dem Foto: Elmar Kraut. »Na bitte.« Glucksend vor Lachen schickte Katinka den Link an Hardo. Dann schloss sie die Detektei und machte sich auf zur Oberen Brücke.

Gefell wuselte in seinem Stand umher. »Ach, Frau Palfy! Gestern konnte ich mich gar nicht bedanken. Mann, hat mir der Knallkopf einen Schreck eingejagt!«

»Sie verkaufen wieder?«

»Mein Glühweingewürz hat der Staatsanwalt beschlagnahmt. Aber irgendwie muss es ja weitergehen.«

Es gibt kein Muss in der Kunst, überlegte Katinka und lächelte.

»Sie haben gut grinsen! Wissen Sie, wie ich, wie wir«, er holte mit dem Arm aus, »auf das Weihnachtsgeschäft angewiesen sind? Ab Januar will ja keiner mehr Geld ausgeben.«

»Kein Wunder, wenn man in Elchmützen mit roten Nasen und allerhand anderen Quatsch investiert.«

»Sie sagen es.« Gefell griff unter den Tresen und schob Katinka ein Exemplar ›Verschärfte Weihnacht‹ zu. »Persönlich von mir signiert. Für Ihr beherztes Eingreifen gestern.«

»Danke bestens. Sagen Sie, haben Sie mit Elmar Kraut öfters zu tun?«

Gefell wurde weiß um die Nase. »Woher kennen Sie …?«

»Berufskrankheit.«

»Stamm der Franken! Irgendwie haben die alle einen an der Waffel, Frau Palfy. Ich meine, ich esse auch lieber fränkisch als italienisch.« Er machte eine Kunstpause. In die Stille hinein klingelte Katinkas Handy.

»Hallo?«

»Wenn Sie wollen, schauen Sie doch mal am Schönleinsplatz vorbei«, säuselte Dante in den Apparat. »Da ist allerhand los.« Er legte auf.

»Entschuldigen Sie die Unterbrechung.« Katinka steckte das Handy weg.

»Schon recht.« Gefell schien den Faden verloren zu haben. »Brauchen Sie noch eine Würzmischung?«

»Ich studiere erst mal Ihr Buch«, wiegelte Katinka ab und blätterte den Band auf. ›Für Katinka Palfy mit den herzlichsten Grüßen, Ihr Claudius Gefell.‹ »Danke noch mal!«

Sie navigierte durch die Menschenmassen in der Langen Straße. Diejenigen mit den dicken Tüten wirkten weniger genervt als diejenigen ohne Tüten. Wahrscheinlich, weil sie ihre Geschenke schon beisammen haben, dachte Katinka. Selbst hatte sie immer noch keine glorreiche Idee, was sie Hardo zu Weihnachten unter den Baum legen sollte.

Die lebensgroße Krippe am Schönleinsplatz war pünktlich zum ersten Advent aufgebaut worden. Umtost vom Verkehr standen der Verkündigungsengel und Maria einander gegenüber, beschirmt von einem gewaltigen Weihnachtsbaum und aus der Ferne kritisch beäugt von Johann Lukas Schönlein. Die Büste von Bambergs berühmtem Arzt residierte im Winterhalbjahr unter einem schützenden Überbau mit Glasfront, der an ein futuristisches Vogelhäuschen erinnerte. Allerdings sah Maria heute ziemlich verändert aus.

»Ich sage Ihnen was: Sie ist es gar nicht«, raunte Dante, wie aus dem Nichts aufgetaucht, Katinka ins Ohr.

»Ihnen rast wohl der Kittel! Müssen Sie mich so erschrecken?«, fauchte sie ihn an.

»Ich dachte, nichts und niemand könnte Ihnen Angst einjagen. So wie Sie den Riesen mit den Ohren unschädlich gemacht haben …«

Katinka drängte sich durch die Schaulustigen. Statt Maria hielt eine Sexpuppe eine Unterredung mit dem Engel. Sie war nackt bis auf den Hauch einer roten Korsage aus Samt, die knapp über den Brüsten und am Slip mit weißem Kunstpelz besetzt war. In ihren Armen hielt die Puppe ein Schild: ›Achtet die Würze des Lebens!‹

»Toll gemacht, was? Soll ich Ihnen wieder eine Fotostrecke zuschicken?«

»Sie nerven, Wischnewski!« Katinka hatte Polizeiobermeisterin Sabine Kerschensteiner entdeckt. Die beiden Frauen waren seit Langem dicke Freundinnen. Erst vor Kurzem war Sabine befördert worden. Jetzt schmückten drei Sterne ihre Uniformjacke. »Sabine!«

»Mensch, Katinka! Weihnachten ist immer eine Rammelbude, aber dieser Advent übertrifft alle Erwartungen.«

»Irgendwie sieht das ja witzig aus.«

»Sag das bloß nicht zu laut. Sonst haben wir auch noch demonstrierende Katholiken am Hals.« Die Polizistin strich sich ein paar blonde Strähnen aus dem Gesicht. »Hardo kommt gleich. Wir können eine Verbindung zu den Mordfällen nicht ausschließen.«

»Nur wegen eines Wortes? ›Würze‹?«

Sabine zuckte die Achseln und begann, die Neugierigen von der Krippe wegzudrängen, damit ihre Kollegen den Tatort absperren konnten.

»Das ist ein Scherzkeks«, sagte Katinka zu sich selbst. »Ein Trittbrettfahrer, einer, der Weihnachten nicht mag oder einfach witzig sein will.«

»Bin der gleichen Meinung.« Dante spross wie Spargel neben Katinka aus dem Boden. »Habe ich Sie wieder erschreckt?«

Katinka verdrehte die Augen.

»Zigarette?« Er hielt ihr die Schachtel hin.

»Danke.«

»Gern. Kaufen Sie sich doch einfach mal selber welche.«

9. Dezember

Katinka lag noch im Bett, als Hardos Klingelton ihr Handy vibrieren ließ.

»Morgen, Hardo!«

»Eine dritte Tote. Gestern auf dem Kochkurs in Haßfurt.«

»Warum hast du nicht längst angerufen?«

»Kollegin Ruth Stein bearbeitet den Fall«, erwiderte Hardo. »Sie hat mich vorhin erst verständigt. Und warum liegst du noch im Bett? Nichts zu tun?«

»Schweinegrippe.«

»Spinnst du?« Er hörte sich tatsächlich ein klein wenig besorgt an.

»Nenn es Elefantengrippe, Vogelgrippe oder SARS. Nein, ich bin nur müde und bereit für den Winterschlaf.«

»Damit wird es so schnell nichts werden. In fünf Minuten stehe ich vor deiner Tür und hole dich ab.«

Während Katinka in ihre Jeans sprang und einen dicken Pulli überstülpte, fragte sie sich, warum Hardo sie zurzeit so bereitwillig in die Ermittlungen einbezog. Es hatte Zeiten gegeben, in denen er sich mit Händen und Füßen gewehrt hätte, sie zu einem Tatort mitzunehmen. Jede klitzekleine Information hatte sie ihm aus dem Kreuz leiern müssen.

Ruth Stein, die resolute Hauptkommissarin in Männerhemd und Cordhosen, streckte erst Katinka, dann Hardo die Hand hin. Ihr krauses Haar stand wie Stacheldraht in alle Richtungen davon. »Mysteriös. Wieder dasselbe Muster. Die Starköchin ist zusammengesackt. Wir haben sie ins Klinikum geschafft.«

»Die kommt auch nicht mehr aus dem Krankenhaus raus«, sagte Katinka.

»Im Augenblick spinnt ohnehin jeder.« Ruth Stein hob einen Ordner vom Tisch und ließ ihn wieder auf die Platte krachen. »Setzen Sie sich. Kaffee? Sie waren doch kaffeesüchtig, wenn ich mich recht erinnere.« Ihre türkisblauen Augen scannten Katinka wie eine Überwachungskamera.

»Das kann man so sagen«, antwortete Hardo an Katinkas Stelle und legte ihr die Hand auf die Schulter. Ruth Stein blinzelte kurz, dann machte sie sich an einer Kaffeemaschine zu schaffen.

Sie weiß alles, dachte Katinka resigniert. Dass Hardo und ich versuchen, ein Paar zu sein. Nicht zusammenleben, die Nächte nur sporadisch miteinander verbringen, aber ohne einander nicht mehr können. Ruth Stein verdiente eine Eins mit Stern im Fach Menschenkenntnis.

»Das Opfer heißt Hilde Fromm, knappe 80 Jahre, aus Haßfurt. Im Ort bekannt als passionierte Köchin. Sie hat sogar schon selber an der VHS Kochkurse gegeben. Vor einem Jahr hat sie damit aufgehört. Sie wollte sich schonen, sagt ihre Tochter, weil sie seit Längerem mit Herzrhythmusstörungen laborierte.« Ruth Stein stellte drei Tassen auf den Schreibtisch. »Außerdem litt Hilde Fromm an einem Symptom, das wohl ziemlich viele Menschen in ihrem Alter mal erwischt.«

»Nämlich?« Hardo sah irritiert zur Kaffeemaschine, die zu fauchen begann, als kröche ein über die Jahrtausende vergessener Drache aus seiner Höhle.

»Ihr Geschmackssinn verabschiedete sich. Vielleicht ist es wie mit dem Hören. Immer mehr Frequenzen schalten einfach ab.«

»Ganz schön ungünstig für eine leidenschaftliche Köchin«, warf Katinka ein.

»Exakt.« Ruth Stein klappte den Ordner auf und wühlte darin herum wie ein Maulwurf. Katinka erwartete, Papierfetzen durch die Luft wirbeln zu sehen, aber nichts dergleichen geschah. Ruth Stein tastete über den Schreibtisch, während sie versuchte, ein Blatt zu entziffern. Die Kaffeemaschine gab ein letztes Ächzen von sich und verstummte.

»Hier ist Ihre Lesebrille«, sagte Katinka sanft und reichte der Kommissarin ein quittengelbes Nasenfahrrad, das auf ihrem Schreibtischstuhl gelegen hatte. Hardo grinste.

»Danke. Nehmen Sie sich Kaffee.«

Katinka bewegte sich nicht von der Stelle. Schließlich ging Hardo, holte die Kanne und goss die drei Tassen voll.

Katinka und Ruth Stein tauschten ein kon­spiratives Grinsen aus, bevor die Kommissarin zu weiteren Erklärungen anhob: »Das Ergebnis aus der Rechtsmedizin: Vermutlich hat Hilde Fromm ein bisschen zu viel Digitalis verschluckt. Sie bekam Medikamente gegen die Herzrhythmusstörungen.«

»Moment«, wandte Hardo ein. »Sie hat ihre Medizin falsch dosiert?«

»Ihre Tochter hält das für unwahrscheinlich, denn Hilde Fromm war keineswegs weich im Hirn. Sie hatte ihren Kram unter Kontrolle.«

»Also hat ihr jemand das Digitalis untergemischt.« Katinka nippte am Kaffee. Er schmeckte wie der letzte Atemhauch einer vergifteten Ratte.

»Wir haben die Medikamentenbestände bei Hilde Fromm durchgesehen. Zusammen mit ihrer Tochter. Hilde ist mit ihren Tabletten nicht gerade ordnungsliebend umgegangen. Hier eine angebrochene Schachtel, dort eine halbvolle Dose …«

»Sie können also nicht sagen, ob von den Medikamenten eine relevante Menge fehlt.« Hardo schnitt eine Grimasse, als er den Kaffee probierte, und stellte die Tasse auf der Fensterbank ab. »Mit Verlaub, Frau Kollegin, das Zeug kann man nicht trinken.«

»Dann lassen Sie es halt stehen.«

»Was ist mit den Zutaten, die im Kochkurs verwendet wurden?«, wollte Katinka wissen.

Ruth Stein trank ihren Kaffeebecher in einem Zug leer. »Wirklich nicht der Hit, diese Röstung. Die Zutaten aus dem Kochkurs sind sauber. Aber im Müll haben wir eine Büchse mit Bärlauchpesto gefunden. Selbstgemachtes.«

»Igitt«, sagte Katinka.

»Ich mag das schleimige Zeug auch nicht, aber Hilde Fromm war nach Aussage ihrer Tochter verrückt danach.«

»Hat Hilde Fromm das Pesto im Kurs verwendet?«

»Hat sie. Laut Labor war eine ziemlich hohe Konzentration Fingerhut in der Paste.«

»Also Digitalis.«

»Genau, Frau Privatdetektivin.«

Die Tür sprang auf.

»Frau Stein?« Ein Uniformierter sah zu ihnen herein. »Am Main wurde eine Gondel gefunden. Mit einem toten Baby.«

»Baby?« Ruth Stein stülpte eine Baskenmütze über ihren Kopf.

»Babypuppe.«

»Moment, Gondel?«, fragte Hardo. »Vielleicht unsere Gondel?«

Ruth Stein sah zwischen Hardo und dem Uniformierten hin und her. »Ihre Gondel? Wollen Sie nach Venedig emigrieren oder was?«

»In Bamberg ist eine Gondel geklaut worden«, half Katinka aus.

»Man muss schizophren sein, um nicht verrückt zu werden«, sagte Ruth Stein.

10. Dezember

Katinka saß am frühen Morgen an Hardos Küchentisch und ließ den vergangenen Tag Revue passieren. Der rote Kirchturm draußen verschwamm im Nebel. Statt winterlichem Weiß kündigte der Tag Trübnis und Regennässe an. Abgesehen von dem prickelnden Abend, den sie und Hardo ohne nervige Unterbrechungen durch Telefon und Handy verbracht hatten, gab der 9. Dezember Katinka mehr Rätsel auf als ein Sudokuheft. Tatsächlich hatten sie am Main die Gondel wiedergefunden, die in Bamberg vermisst wurde. Nun war zu klären, wie sie dorthin gekommen war, ohne irgendjemandem aufzufallen. Über die Autobahn? Unwahrscheinlich, dachte Katinka und strich sich ein Honigbrötchen. Viel zu aufwendig. Also übers Wasser.

Die nackte Babypuppe, die auf den roten Samtkissen gelegen hatte, gab nicht weniger Anlass zur Sorge. Jemand hatte mit einem schwarzen Edding ›Die Landesgartenschau – ein Millionengrab‹ auf den Bauch der Puppe geschrieben.

Katinka blätterte durch die Zeitung auf der Suche nach einem Artikel von Dante Wischnewski. Schon seit Monaten stand die Stadt kopf wegen der im Jahr 2012 bevorstehenden Gartenausstellung. Wie üblich ging es dabei ums Geld, aber auch um Busparkplätze in Wohnstraßen, neu anzulegende Weinberge, zerstörte Streuobstwiesen, zum Abriss freigegebene alte Fachwerkhäuschen, die dem Architekten im Wege standen, und zu guter Letzt um einen Treidelpfad, dessen Wiederbelebung offenbar in die Millionen ging.

»Vielleicht hat einer die Gondel nach Haßfurt getreidelt«, sagte Katinka in die Stille von Hardos Küche hinein. »Hier haben wir ja was.« Der mit dem Kürzel DaWisch unterzeichnete Artikel hieß ›Fackeln fürs Flussbad‹; wieder ein Seitenhieb auf den Bamberger Stadtrat. Es ging um Katinkas Lieblingsbad im Hain, das obendrein zu Deutschlands ältesten Flussbädern gehörte. Katinka liebte es, in den Sommermonaten den Tag mit einem Bad im Fluss zu beschließen – oder zu beginnen, nach Lust und Laune. Gegen das Badeverbot, das urplötzlich aus fadenscheinigen Gründen radikal umgesetzt werden sollte, hatte sich die Bevölkerung mit Fantasie und Witz zur Wehr gesetzt.

Dante deutete in seinem Beitrag eine Verschwörungstheorie an, wonach gewisse Kreise in der Stadt die Liegenschaft an der Regnitz in 1 A-Lage dem Volk und seinem sommerlichen Badevergnügen zu entziehen trachteten, um mit potenten Geschäftspartnern Big Business zu machen. »Na, lange ist der talentierte Jungreporter nicht mehr bei der Zeitung«, seufzte Katinka und las weiter: ›Die Initiative zur Rettung des Hainbades lädt zum abendlichen Fackelschwimmen am Fluss ein‹, schrieb Dante. ›Mitmachen darf, wer möchte. Startschuss ist um 17 Uhr am Alten Kanal.‹

Katinka stand kurz vor fünf abends am Treffpunkt. Die Zuschauer drängten sich entlang des Alten Kanals unter den Brücken, die die Bürgerstadt mit dem klerikalen Bamberg verbanden, und standen ebenso dicht an dicht am gegenüberliegenden Uferweg, der das Rathaus Geyerswörth umrundete. Winterschwimmer in Neoprenanzügen ließen sich ganz relaxt zu Wasser. Manche hatten Nikolausmützen mit blinkenden Zipfeln über ihre schwarzen Kapuzen gezogen.

»Na, ich kann mir Schöneres vorstellen!«, sagte eine Frau neben Katinka.

»Aber zuschauen wollen Sie, oder?«, gab Katinka zurück.

»Sagen Sie, sind Sie nicht …«

»Das Busenwunder aus der Werbung. Nein, bin ich nicht.« Katinka ging es auf den Geist, dass sie in der Stadt immer wieder als ›die Privatdetektivin, die so oft in der Zeitung ist‹ erkannt wurde. Sie stieß sich vom Geländer ab und ging ein Stück weiter Richtung ›Weinfass‹ am Kanal entlang. Die Schwimmer plauderten und lachten, während sie auf das Startsignal warteten.

»Wie weit schwimmt ihr?«, rief sie in das dunkle Wasser, in dem sich an die hundert Fackeln spiegelten.

»Bis zur Konzerthalle. Wollen Sie mit?«

»Heute nicht.«

Zwei Schwimmer spannten ein Transparent zwischen sich auf: ›Wir verteidigen das Hainbad‹. Katinka sah einen Fotoreporter vom Fränkischen Tag am anderen Ufer herumstromern, wo sich das Land zu einer Insel verdickte und bis weit unter die Obere Rathausbrücke reichte. Ein paar Enten flogen auf und landeten wütend schnatternd im Wasser.

Jemand sprach durch das Megafon: »Willkommen, alle miteinander. Unsere heutige Aktion drückt den Willen der Bamberger Bevölkerung aus, unser Hainbad in seiner heutigen Form zu erhalten und das völlig absurde Badeverbot ein für alle Mal auf den Schrottplatz zu werfen.«

Applaus. Fotoapparate blitzten. Der Redner machte noch eine Weile weiter, während einige Schwimmer einen mit einer Gummiente geschmückten Plastiksarg, auf dem ›Badeverbot‹ stand, in Position rückten.

Katinka beschloss, sich das Spektakel von der Markusbrücke ein Stück den Fluss runter aus anzusehen. Sie drängte sich durch die Menge und lief die Kapuzinerstraße entlang. Als sie zur Markusbrücke kam, befanden sich die Schwimmer bereits auf halbem Weg. Die alten Fischerhäuser im romantischen Klein-Venedig waren allesamt mit Lichterketten und Weihnachtsdekoration geschmückt.

»Kitschig, aber schön, oder?«, fragte jemand neben Katinka.

»Dante Wischnewski. Wie bewegen Sie sich in der Stadt fort, flutschen Sie aus den Gullis?«

Er lachte. »Es gilt, sich die besten Plätze rechtzeitig zu sichern.«

»Wenn Sie so weiterschreiben, sägen Sie sich den Zweig ab, auf dem Sie balancieren.«

»Hübsch gesagt. Aber ich bleibe ohnehin nicht lange beim FT. Sie wissen ja, die Wissenschaft ruft mich«, erwiderte Dante Wischnewski. Er trug eine Mütze mit Ohrenklappen und sah einfach verrückt aus.

»Mir schlottert das Trommelfell«, entgegnete Katinka.

Die ersten Schwimmer hatten die Brücke beinahe erreicht und wurden mit großem Hallo empfangen.

»Was treibt der denn da!« Katinka sah gebannt auf einen Mann, der zum Ufer hinuntertaumelte, gekrümmt, eine Hand vor den Bauch gepresst, die andere ausgestreckt, als suche er Halt.

»Da stimmt was nicht! Dante!« Katinka löste sich aus der Menge, rannte von der Brücke und bog rechts zum Ufer ab. Der Mann hatte die Wasserlinie beinahe erreicht. Er übergab sich, stolperte jedoch weiter, als wolle er in den Fischerkahn springen, der knappe zwei Meter vom Land entfernt festgemacht war und in der Strömung trieb.

»Halt, warten Sie!«, schrie Katinka. Hinter sich hörte sie Dante die Böschung herunterschlittern.

Der Mann reagierte nicht. Er richtete sich kurz auf, keuchte, ließ ein durchdringendes Stöhnen hören und kippte dann in den Fluss, mit dem Gesicht nach vorn.

Katinka ruderte mit den Armen. Sie stand schon im Wasser, winkte den Schwimmern, ihr zu helfen, den leblosen Körper an Land zu ziehen. Dante tauchte an ihrer Seite auf. Gemeinsam mit einem der Schwimmer, der aus dem Wasser gestiegen war, versuchte er es mit Mund-zu-Nase-Beatmung. Doch ohne Erfolg. Der Mann war tot. Dante schloss ihm die erstaunten Augen. Aus Richtung Löwenbrücke hörte Katinka ein Martinshorn. Frustriert und zitternd vor Kälte kletterte sie die Böschung zur Straße hinauf.

11. Dezember

»Karl Spree ist ermordet worden.« Hardo betrachtete Katinka skeptisch. »Bist du o.k.?«

»Ja, klar. Bisschen viel Morde in letzter Zeit.«

»Und kalte Füße.« Hardo wog eine Akte in der Hand. »Wieder Digitalis. Außer Punsch und Fingerhut hatte das Opfer nicht viel im Magen.«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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