Inhaltsverzeichnis
Buch
Autorin
Danksagung
Liebe Leserin, lieber Leser
Kleine Mudra-Kunde
Wie wirken und was bewirken Mudras?
Mudras für die körperliche Ebene
Handreflexzonen
Mudras für die mentale Ebene
Mudras für die emotionale Ebene
Zuordnung von Charaktereigenschaften zu den Fingern
Copyright
Buch
Während Gertrud Hirschi in ihrem ersten Mudra-Buch (»Mudras - FingerYoga für Gesundheit, Vitalität und innere Ruhe«) vor allem auf die Mudras eingeht, die Gesundheit und körperliches Wohlbefinden unterstützen, stellt sie in diesem zweiten Band eine Reihe weiterer Mudras vor, die speziell die Bedürfnisse des modernen Menschen im Alltag zwischen Berufsstress, Beziehungsproblemen, Entspannung und Sinnsuche ansprechen.
Unter den 64 Mudras dieses Buches gibt es beispielsweise eine Loslass-Mudra, die bei Liebeskummer hilft, die Auftritts-Mudra für Selbstsicherheit, die Be-cool-Mudra gegen hemmende Ängste, die Gedächtnis-Mudra für ein gutes Erinnerungsvermögen oder die Schutz-Mudra, die bei Mobbing und Problemen am Arbeitsplatz Unterstützung bringt. Mit ihrem herzlichen, einfühlsamen Ton holt Gertrud Hirschi ihre Leserinnen und Leser dort ab, wo sie mit ihren Alltagsaufgaben und Problemen stehen. Ihre Anleitungen präsentieren eine einfache und wirkungsvolle Selbsthilfemethode, die jeder ohne großen Aufwand nutzen kann. Der Index zum Finden der richtigen Mudra verzeichnet alle Mudras dieses sowie auch des ersten Bandes.
Autorin
Getrud Hirschi unterrichtet seit über 20 Jahren Yoga in ihrer eigenen Yogaschule in Zürich und gibt Seminare in der Schweiz und in Deutschland. Ausgehend von den traditionellen östlichen Heilweisen, bringt sie stets die neuesten medizinischen Erkenntnisse in ihre Arbeit ein. Ihre Bücher sind praktische Ratgeber, in denen sie theoretische Lehren auf kreative Weise in einfache Übungen umsetzt. Zu ihren wichtigsten Veröffentlichungen gehören: »Yoga für Seele, Geist und Körper«, »Innere Kräfte entdecken und nutzen« »Sieben Wege, glücklicher zu werden« sowie »Lust auf Yoga«.
Von Gertrud Hirschi ist bei Goldmann außerdem erschienen:
Mudras - FingerYoga für Gesundheit, Vitalität und innere Ruhe (21661)
Dank
Allen, die an diesem Buch mitgearbeitet haben, möchte ich von ganzem Herzen danken: Erika Schuler-Konietzny für ihre immer währende Unterstützung und Aufmunterung, Ito Joyoatmojo für die schönen Zeichnungen, Sylvia Schaible, die dem Text den letzten Schliff gab, Karin Jerg, die aus dem Buch eine kleine Schönheit gemacht hat, Gabriele Kilian, die es herstellerisch betreut hat, und natürlich Erwin Singer als dem Verlagsleiter.
Ein großes Dankeschön geht an Sylvia Vetterli, die mich von der Hausarbeit entlastet, und - last, not least - an meinen Mann für seine großartige Unterstützung.
Liebe Leserin, lieber Leser
Reichen Sie mir die Hand, und lassen Sie sich in das Land der tausend Sonnen führen.
Vor vier Jahren habe ich mein erstes Mudra-Buch geschrieben. Seither ist einiges passiert. Viele Menschen haben mir bestätigt, wie sehr ihnen die Mudras geholfen haben: Sie wurden auf diese Weise von körperlichen Beschwerden befreit oder haben gelernt, besser damit zu leben. In jedem Fall haben die Mudras ihr Leben im positiven Sinn verändert.
Als ich letztes Jahr nach einem Unfall, der eine größere Operation erforderlich machte, über drei Monate im Krankenhaus lag, habe auch ich die Wirkung der Mudras auf eine neue und noch intensivere Art erfahren. Ob ich mit ihrer Hilfe schneller genesen bin, weiß ich nicht. Dass ich aber dank der Mudras und der Philosophie, die dahinter steckt, trotz der misslichen Umstände immer wieder schöne Minuten, Stunden und sogar Tage erleben konnte, ist mir heute klar. Damit konnte ich nicht nur den Schmerzpegel niedrig halten, sondern auch meine Stimmung positiv beeinflussen. Ich entwickelte eine fast unerschöpfliche Geduld und Gelassenheit und schaffte es, immer wieder neue Zuversicht aufzubauen. Außerdem konnte ich mich sehr gut ablenken, also meine Gedanken mühelos von Negativem auf Positives, von Unwesentlichem auf Wesentliches und - ganz wichtig - von Unschönem auf Schönes lenken.
So habe ich mit Hilfe der Mudras in dieser Zeit viel Gutes erleben dürfen, wofür ich sehr dankbar bin. Ich bin dem Sterben ein bisschen näher gekommen und musste mich neu für das Leben entscheiden (oder besser gesagt, ES hat sich dafür entschieden). Damals hatte ich auch viel Zeit, darüber nachzudenken, was ich mit dem Rest meines Lebens machen wollte. Dass ich ein weiteres Mudra-Buch schreiben würde, war mir schon bald klar. Es gibt einfach noch zu viele wunderschöne Mudras, die ich bisher nicht beschrieben habe. Sie haben mir körperlich, geistig und seelisch sehr geholfen und werden sicher auch anderen Menschen eine große Hilfe sein.
Ich glaube, dass ich nach all den neuen Erfahrungen, die ich machen musste oder durfte, jetzt viele Menschen mit ihren Sorgen, ihren Ängsten und ihren Gefühlen der Ohnmacht oder der Trauer noch besser verstehen und ihnen auch helfen kann.
Aber keine Angst, es ist kein düsteres Buch geworden, denn trotz allem habe ich meinen Humor nicht verloren. Manchmal unter Zähneknirschen habe ich es sogar eine Zeit lang mit einer Lachtherapie versucht - es war »grauenhaft lustig«. Ist es nicht immer so: Je ernster die Lage wird, umso nötiger brauchen wir den Humor!
Es würde mich freuen, wenn Sie, wo immer Sie im Moment auch sein mögen, von den Mudras enorm profitieren, mächtig Erfolg haben und ganz viel Freude empfinden würden - vom Scheitel bis in die Zehen- und Fingerspitzen. Ich wünsche Ihnen auch, dass Ihnen immer mehr bewusst wird, wie Sie Ihr Leben in jeder Lage - egal, wie fatal sie zur Zeit sein mag - nach Ihren ureigenen Bedürfnissen selbst gestalten können. Sie haben unzählige Möglichkeiten, um das Beste (und noch ein bisschen mehr) daraus zu machen. Ich drücke Ihnen dafür beide Daumen!
Herzlichst Ihre
Kleine Mudra-Kunde
Die Hände sollen die Diener eines edlen Geistes und die Boten eines liebenden Herzens sein.
Der Begriff Mudra stammt aus dem Sanskrit und bedeutet Siegel. Wenn man das Wort in Silben aufgliedert, steht die Silbe mud sinngemäß für »Freude« und ra für »auslösen«. Salopp ausgedrückt heißt das: Eine Mudra ist ein Siegel, das Freude bringt. Mudras sind Gesten der Hände und Finger, die man seit Urzeiten auf der ganzen Welt kennt. Alles, was Menschen denken und fühlen, drücken sie mit entsprechenden Gesten aus - sei es nun im Alltag oder während der Meditation bzw. während des Gebets. Es gibt zwar auch Körperhaltungen, Zungen- und Augenstellungen, die im Yoga als Mudras bezeichnet werden. Darauf werde ich in diesem Buch jedoch nicht eingehen.
Im östlichen Kulturkreis werden die Mudras schon seit unzähligen Jahren zu Heilungszwecken eingesetzt. Innerhalb der Familien werden sie von Generation zu Generation weitergegeben. Auch die alten Völker von Nord-, Mittel- und Südamerika kannten die heilenden Handstellungen und -massagen. Das Mentaltraining, die Kinesiologie und das Brain-Gym (Gehirngymnastik) hierzulande verwenden ebenfalls Mudras zur Beeinflussung geistiger und seelischer Prozesse - sei es zur Aktivierung oder zur Entspannung des Gehirns. Von großer Bedeutung sind die Mudras auch bei den sakralen Tänzen im Hinduismus. Hier werden durch die Hände ganze Dramen dargestellt - jede Geste ist eine klare Aussage und drückt das entsprechende Gefühl aus.
Auch Bilder und Skulpturen stellen Buddha, die indischen Götter, Christus und die Heiligen oft mit zu Mudras geformten Händen dar. Sie zeigen Lehr- und Schutzgesten oder Handstellungen, die Segnung, Vergebung, Zuneigung und Sammlung symbolisieren. Mudras geben sakralen Handlungen, die Priester im Osten wie im Westen ausführen, Kraft und Ausdruck. Aber auch wir können unsere Gebete mit Mudras unterstreichen und ihnen damit mehr Gewicht geben, um innere Leichtigkeit und Heilung zu erlangen.
Mudras spiegeln unsere Gefühle und Gedanken wider. Umgekehrt können wir mit den Mudras aber auch unsere Gedanken und Gefühle im positiven Sinn beeinflussen.
Interessant ist, dass Mudras oft ganz unbewusst gemacht werden - und zwar genau die richtige Mudra zur richtigen Zeit. Es scheint, als ob dem Körper eine autonome Weisheit innewohnen würde, die immer die beste Ausdrucksmöglichkeit sucht und findet. Und noch etwas ist bemerkenswert: Wenn wir unsere eigenen unbewussten Gesten und Handstellungen oder die anderer Menschen einmal genau beobachten, während wir miteinander kommunizieren, erkennen wir auch ohne viel psychologisches Wissen, welche Gedanken uns selbst oder anderen gerade durch den Kopf gehen und welche Stimmung vorherrscht. Die Hände lügen nicht. Sie »verraten« uns oder unsere Gesprächspartner, wenn das Äußere nicht mit dem Inneren übereinstimmt. Achtsamkeit unseren Handgesten gegenüber kann uns also auch helfen, einer unbewussten Selbstlüge auf die Schliche zu kommen. Dann können wir uns der Wahrheit stellen, entsprechend »handeln« und mit uns selbst einen neuen »Handel« abschließen.
Wie wirken und was bewirken Mudras?
Das Gute liegt auf der Hand!
Jede Mudra wirkt auf Körper, Geist und Seele ein. Da jede Körperfunktion auch Einfluss darauf hat, was wir empfinden, wie wir uns fühlen und was wir denken, profitieren alle drei Ebenen davon. In der chinesischen Medizin ist schon lange bekannt, dass die einzelnen Organe Gefühle und Gedanken beeinflussen können. Ob die Energie eines Organs schwach oder stark ist, wirkt sich auf das Fühlen und Denken des Menschen aus. Umgekehrt können jedoch auch unsere Gedanken und Gefühle unseren Organismus stärken oder schwächen. Daher sollten wir immer wieder unsere Denk- und Verhaltensweisen überprüfen.
Mudras für die körperliche Ebene
Mudras wirken hauptsächlich auf der energetischen Ebene auf den Körper ein, und zwar über jene Energiebahnen, die in Indien Nadis und in der chinesischen und japanischen Medizin Meridiane genannt werden. Da die wichtigsten Meridiane in die Hände und Finger (bzw. Füße und Zehen) verlaufen und hier ihre Anfangs- bzw. Endpunkte haben, kann also tatsächlich jedes Organ durch das Massieren und Drücken des entsprechenden Fingers oder Handbereichs behandelt werden.
Handreflexzonen
Im Folgenden möchte ich Ihnen drei Systeme der Handreflexzonen vorstellen. Sie werden sehen, dass die Zuteilung der Zonen in jedem System etwas unterschiedlich gehandhabt wird. Das heißt jedoch nicht, dass das eine System besser ist als das andere, sondern besagt nur, dass die Massage oder der Fingerdruck auf verschiedenen Energiefrequenzen wirkt.
Die taoistische Zuteilung der Organe und Körperbereiche
Jeder Bereich des Körpers und jedes Organ findet im taoistischen System der Handreflexzonen in der Hand seine Entsprechung.
Die Fünf-Zonen-Lehre
Auch die Fünf-Zonen-Lehre zeigt auf, dass der ganze Körper in der Hand angelegt ist. So können die Heilmassagen entsprechend eingesetzt werden. Ähnlich wie der Globus in Längen- und Breitengrade aufgeteilt wird, legt die Fünf-Zonen-Lehre eine Art Raster mit Längs- und Querzonen über den Körper. Alle Zonen beginnen in einem der fünf Finger bzw. Zehen. Körperbereiche und Organe, die sich innerhalb einer Zone befinden, reagieren auf die Massage des entsprechenden Fingers oder Handteils bzw. Zehs oder Fußteils.
Die erste Querzone (A) umfasst am Körper den Kopf und den Halsbereich, in der Hand die Finger und die Fingergrundgelenke. Die zweite Querzone (B) bezieht sich am Körper auf den Brustund Oberbauchbereich, in der Hand auf die Mittelhand. Die dritte Querzone (C) umfasst am Körper den Bauch- und Beckenbereich, in der Hand das Handflächenende und die Handwurzelknochen. Auf der Handrückseite finden wir zusätzlich den Hüft-, Bein- und Kniebereich bei den Handwurzelknochen.
Die Längszonen werden gemäß den Fingern eingeteilt. Zone eins verläuft längs des Daumens zur Körpermitte hin. Zone zwei umfasst den Zeigefinger, Zone drei den Mittelfinger, Zone vier den Ringfinger und Zone fünf den kleinen Finger.
Reflexzonen nach Dr. Devendra Vora
Die beiden Illustrationen auf Seite 18/19 zeigen Ihnen ein System der Handreflexzonen, das dem der Fußreflexzonen entspricht. Eine Behandlung nach diesem System wird neuerdings sogar in einzelnen Krankenhäusern in der Schweiz angeboten. Als Begründer der modernen Reflexzonen-Therapie gilt Dr. William H. Fitzgerald (1872-1942). Seine Forschungsarbeit beruht u.a. auf Funden von beschrifteten Steintafeln der alten Inkas und Mayas. Dr. Devendra Vora aus Bombay hat sich in Indien ebenfalls ausgiebig mit dem altüberlieferten Wissen um die Reflexzonen befasst und konnte damit bereits bei vielen Krankheiten erstaunliche Heilungserfolge erzielen. Jedem Organ ist in der Hand eine bestimmte Zone zugeordnet, die durch Massage oder durch die Haltung einer Mudra stimuliert wird; so kann die Energie des entsprechenden Organs neu aufgebaut und aktiviert werden. Die Methode von Dr. Vora wird in dem Buch Hände gut - alles gut von E. Th. Tschoepke (Ch. Falk Verlag) vorgestellt.
Wie Sie auf den Abbildungen sehen, gibt es neben den Organzonen auch Punkte für die endokrinen Drüsen und die Nervenzentren, die sowohl für unsere Gesundheit als auch für unser Wohlbefinden eine große Rolle spielen. Die Organe der rechten Körperseite sind an der rechten Hand und die Organe der linken Körperseite an der linken Hand vertreten. Alle zentral angeordneten Organe, Drüsen und Körperbereiche (Magen, Solarplexus, Rückgrat, Nacken, Nerven) haben an beiden Händen ihre Entsprechung und werden an beiden Händen gleich lang massiert.
Reflexzonenmassage
• Massieren Sie die Hände mit leichtem Druck, als würden Sie sie waschen oder eincremen.
• Reiben Sie die Innenflächen der Hände kräftig aneinander, danach die Handkanten innen und außen und zum Schluss die Handwurzeln.
• Legen Sie die flache Daumen- oder Zeigefingerkuppe auf den entsprechenden Punkt und machen Sie eine »pumpende« Bewegung (ca. 50 mal). Der Druck braucht nur so stark zu sein, dass Sie ihn auch spüren.
• Wollen Sie einen Drüsen- oder Nervenpunkt massieren, dann drücken Sie mit der Spitze des Daumens bzw. des Zeigefingers und halten den Druck länger, da diese Punkte etwas tiefer liegen.
Mudras für die mentale Ebene
Es ist spannend zu entdecken, was wir mit den Händen alles für unseren Denkapparat, unser Gehirn, tun können. Die ersten Mudras habe ich schon vor 35 Jahren als Fingerspiele für Kleinkinder und lernbehinderte Kinder kennen gelernt und eingesetzt. Je geschickter und beweglicher die Hände sind, umso differenzierter ist zumeist auch das Denken (es gibt natürlich Ausnahmen). Weiteren Handstellungen bin ich in der Kinesiologie, im Mentaltraining für Manager und im Brain-Gym (Gehirngymnastik) begegnet.
Diese Handstellungen zu praktizieren und zu spüren, wie schnell ich dadurch geistig wieder fit werde, macht mir besonders viel Spaß. Wenn ich diese Tricks dann in Kursen weitergebe, ist das positive Echo immer groß.
Achten Sie einmal auf die Hände der Menschen, denen Sie begegnen. Sind die Hände stark, beweglich und geschickt, dann zeichnet sich zumeist auch der Geist durch ein gutes Erinnerungsvermögen, Klarheit, Beweglichkeit, Intelligenz und Logik aus. Bei uns in der Schweiz werden im Rahmen der Altenbetreuung sogar entsprechende Tests mit älteren Menschen gemacht, um herauszufinden, ob sie geistig noch fit sind.
Kleiner Tipp Pflegen Sie ein Hobby, bei dem Fingergeschicklichkeit und starke, bewegliche Hände gefragt sind (Haus-, Gartenoder Handarbeit eignet sich ideal dafür) oder spielen Sie ein Instrument. Das hält Sie zugleich auch geistig frisch.
Jetzt möchte ich Ihnen eine kleine Blitz-Massage (90 Sekunden) vorstellen, die Sie im Büro auch einmal schnell zwischendurch machen können, wenn Sie geistig fit sein müssen.
Fingermassage für geistige Frische
• Umfassen Sie den Daumen mit den Fingern der jeweils anderen Hand und machen eine Drehbewegung, als wollten Sie den Zapfen aus einer Flasche ziehen. Dasselbe machen Sie mit den anderen Fingern.
• Nun massieren Sie mit dem Daumen in 6 Kreisbewegungen die Wurzelglieder der Zeige-, Mittel-, Ring- und kleinen Finger beider Hände.
• Massieren Sie nun den unteren Teil beider Zeigefinger (je ca. 6 Sekunden), danach den oberen Teil und die Spitze.
• Zum Abschluss massieren Sie den oberen Teil der beiden kleinen Finger.
Mudras für die emotionale Ebene
Während der langen Zeit meiner Genesung habe ich die Mudras hauptsächlich praktiziert, um mich »bei Laune zu halten«, wie man so schön sagt. Ich weiß nicht, wie ich diese vielen Wochen, die ich ausschließlich in der Rückenlage verbringen musste, sonst überstanden hätte. Dank der Mudras konnte ich mich jedoch jederzeit neu »stimmen« wie ein Instrument, und dementsprechend war dann auch die Musik. Wir können tatsächlich auf unsere Stimmungen einwirken, wir sind ihnen nicht hilflos ausgeliefert - ist das nicht wunderbar?
Viele negative Stimmungen (Depressionen, Aggressionen, Angst, Müdigkeit) sind ein Anzeichen für zu wenig Bewegung, zu wenig Ruhe und zu flachen Atem. Nehmen wir uns Zeit für eine Mudra und konzentrieren wir uns auf den vertieften Atem, werden wir bald merken, wie sich auch unsere Stimmung verändert: Eine kraftvolle Ruhe breitet sich in uns aus, woraus sich eine ruhevolle Kraft aufbaut. Während wir eine Mudra halten, finden wir vielleicht auch endlich die Zeit und die Ruhe, einmal über unseren Alltag, unsere Arbeit, unsere Verpflichtungen oder unsere Beziehungen nachzudenken. Dann können wir die »not-wendigen« Veränderungen vornehmen.
Selbst wenn negative Stimmungen häufig von äußeren Umständen ausgelöst werden, dürfen wir nicht vergessen, dass unser Wohlbefinden auch maßgeblich von unserer inneren Chemie abhängt. Es würde den Rahmen dieses Buches sprengen, wenn ich aufzeigen wollte, welche Substanzen und Hormone der Körper ausschütten muss, damit wir uns leicht und beschwingt statt schwer und deprimiert fühlen. Sollten Sie sich für dieses Thema interessieren, können Sie in dem Buch Körpereigene Drogen von Josef Zehentbauer Näheres dazu erfahren.
Neben der Finger- und Handstellung spielen auch Atmung, Imaginationen und Bejahungen eine wichtige Rolle. Was beim Halten der entsprechenden Mudra noch beachtet werden sollte - beispielsweise unsere innere Einstellung, die neu überdacht werden sollte - und kleine Tipps habe ich bei der Beschreibung der einzelnen Mudras aufgeführt.
Jede Mudra hat im Zusammenhang mit dem optimalen Atem einen positiven Einfluss auf die Ausschüttung der körpereigenen Drogen. Wir haben eine Art innere Schaltung, die darauf angelegt ist, dass wir uns wohl fühlen. Oft ist durch unsere Lebensweise - Stress, ungesunde Essgewohnheiten, Mangel an Flüssigkeit, Luft, Sonne und Bewegung - diese innere Schaltung jedoch einfach überstrapaziert. Mit den Mudras haben wir es buchstäblich selbst in der Hand, wieder ins Lot zu kommen. Im Tao-Yoga werden den Fingern folgende Gefühle zugeordnet:
Daumen: SorgeZeigefinger: Trauer Mittelfinger: Ungeduld, Rastlosigkeit Ringfinger: Ärger, Wut Kleiner Finger: Angst und Furcht
Ich möchte Ihnen jetzt eine wunderbare Mudra für Kraft im Herzen, Zufriedenheit, Liebe und Zuversicht zeigen:
• Stellen Sie sich mit leicht gegrätschten Beinen und leicht gebeugten Knien hin.
• Halten Sie die Arme so, als wollten Sie einen Baum umarmen (10 bis 30 Sekunden).
• Bejahung: Ich liebe die Welt, und die Welt liebt mich.
• Danach halten Sie die Hände mit gekreuzten Fingern vor die Brust (60 bis 90 Sekunden).
• Bejahung: Meine Hingabe an das Göttliche, das mich geschaffen hat und mich liebt, gibt mir unerschütterliche Zuversicht in allem.
Zuordnung von Charaktereigenschaften zu den Fingern
In der Hand spiegeln sich die tiefsten Gründe von Geist und Seele.
Die Kunst, aus der Hand zu lesen, ist weit verbreitet. Charakterstärken und -schwächen zeigen sich in den Händen, und sogar der Lebensverlauf soll dort weitgehend vorgezeichnet sein. Um seine eigenen Schwächen und Stärken besser kennen zu lernen, kann die Handlesekunst ein vorzügliches Mittel sein - als Zukunftsorakel halte ich sie jedoch eher für gefährlich. Die Zuordnung der persönlichen Eigenschaften zu den einzelnen Fingern ist allerdings sehr interessant:
Daumen: Willenskraft, Durchsetzungsfähigkeit, Triebhaftigkeit, Intuition
Zeigefinger: Selbstwertgefühl, Eigenständigkeit, Geltungsanspruch, Ehrgeiz, Autorität, Selbsteinsicht, Verstand, Inspiration, Zukunftsorientierung
Mittelfinger: Tatkraft, Materialismus, Rationalismus, Beharrlichkeit, Verantwortung, Gewissenhaftigkeit, Verpflichtung, Stabilität, Zurückgezogenheit, Besinnung, innere Balance
Ringfinger: Schönheitssinn, Kreativität, Sinnlichkeit, Idealismus, Herzlichkeit, Genussfreude, seelische Bindungsfähigkeit, Bezug zur Umwelt
Kleiner Finger: Kommunikation, Rhetorik, Wissensdrang, Gewandtheit, Geschäftssinn, Hellsichtigkeit, Anpassung, Sexualität, Spiritualität
Die Originalausgabe erschien erstmals 2001 unter dem Titel »Neue Mudras von Gertrud Hirschi« im Verlag Hermann Bauer, Freiburg i. Br.
Umwelthinweis:
Alle bedruckten Materialien dieses Taschenbuches sind chlorfrei und umweltschonend.
Neuausgabe Juni 2003
© 2003 Wilhelm Goldmann Verlag, München in der Verlagsgruppe Random House GmbH
Umschlagfoto: Tertia Ebert Verlagsnummer: 21675 WL · Herstellung: WM
eISBN : 978-3-641-01140-6
www.goldmann-verlag.de
1. Auflage
Leseprobe
www.randomhouse.de