Nemesis - Philip Roth - E-Book

Nemesis E-Book

Philip Roth

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Beschreibung

Eine schreckliche Epidemie bedroht im brütend heißen Sommer von 1944 die Einwohner von Newark: Polio. Der Sportlehrer Bucky Cantor kümmert sich hingebungsvoll um seine Schüler. Nach Ausbruch der Krankheit versucht er, in einer von Angst, Panik und Leid gezeichneten Situation die Ruhe zu bewahren, doch vergeblich. "Nemesis" ist die Geschichte eines jungen Mannes in Amerika mit besten Absichten, der einen aussichtslosen Kampf führt. In seinem neuen Meisterwerk zeichnet Roth mit bestechender Präzision und großer Einfühlungsgabe jeden Schritt von Cantors Weg in die persönliche Katastrophe.

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Hanser E-Book

Philip Roth

Nemesis

Roman

Aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren

Carl Hanser Verlag

Die amerikanische Originalausgabe erschien 2010

unter dem Titel Nemesis bei Houghton Mifflin in Boston.

I’ll Be Seeing You. Musik und Text: Sammy Fain/Irving Kahal

© 1938 by Marlo Music Corp.

Rechte für Deutschland, Österreich, Schweiz:

EMI Music Publishing Germany GmbH.

ISBN 978-3-446-25123-6

© Philip Roth 2010

Alle Rechte vorbehalten

Alle Rechte der deutschen Ausgabe:

© Carl Hanser Verlag München 2011/2015

Umschlag: © Peter-Andreas Hassiepen

Satz: Satz für Satz. Barbara Reischmann, Leutkirch

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Datenkonvertierung E-Book: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

Für H. L.

1 Äquatorial-Newark

DEN ERSTEN POLIOFALL in jenem Sommer gab es Anfang Juni, kurz nach dem Memorial Day, in einem armen italienischen Viertel auf der anderen Seite der Stadt. In unserem jüdischen Viertel Weequahic im Südwesten von Newark hörten wir nichts davon, ebensowenig wie von dem nächsten Dutzend Fälle, die in praktisch allen Vierteln außer unserem auftraten. Erst nach dem 4. Juli, als es bereits vierzig waren, erschien auf der Titelseite der Abendzeitung ein Artikel mit der Überschrift »Gesundheitsamt warnt Eltern vor Polio«, in dem Dr. William Kittell, der Leiter des Gesundheitsamtes, Eltern aufforderte, ein Auge auf ihre Kinder zu haben und unverzüglich einen Arzt aufzusuchen, wenn ein Kind Symptome wie Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Übelkeit, Nackenstarre, Gelenkschmerzen oder Fieber zeigte. Er räumte zwar ein, dass vierzig Fälle so früh im Sommer mehr als doppelt so viel seien wie sonst, betonte jedoch, angesichts einer Einwohnerzahl von 429.000 könne man keineswegs von einer Poliomyelitis-Epidemie sprechen. In diesem wie in jedem anderen Sommer gelte es, achtsam zu sein und angemessene hygienische Vorbeugungsmaßnahmen zu treffen, doch bestehe noch kein Grund zu einer »durchaus verständlichen« Unruhe wie vor achtundzwanzig Jahren. Damals war es zu der größten bekannten Epidemie dieser Krankheit gekommen: Bei der Poliowelle, die 1916 durch den Nordosten der Vereinigten Staaten gegangen war, hatte es über 27.000 Fälle und 6000 Tote gegeben, in Newark allein 1360 Fälle und 363 Tote.

Selbst in einem Jahr mit einer durchschnittlichen Anzahl von Infektionen, in dem das Risiko einer Ansteckung weit kleiner war als 1916, bereitete eine Krankheit, die bewirken konnte, dass Kinder gelähmt und ihr Leben lang behindert blieben oder nicht imstande waren, außerhalb eines als »Eiserne Lunge« bekannten Metallapparats zu atmen, eine Krankheit, die manchmal durch Lähmung der Atemmuskulatur unausweichlich zum Tod führte, den Eltern in unserem Viertel täglich erhebliche Sorgen. Auch den Kindern, die den Sommer über schulfrei hatten und den ganzen Tag bis in die lang anhaltende Dämmerung hinein draußen spielen konnten, verdarb sie die Ferienstimmung. Die Angst vor den schlimmen Folgen einer Ansteckung mit Polio wurde zusätzlich verstärkt durch die Tatsache, dass es keine wirksame Behandlung gab und ein Impfstoff, der zuverlässigen Schutz geboten hätte, noch nicht gefunden war. Polio – oder Kinderlähmung, wie die Krankheit genannt wurde, als man dachte, sie befalle in erster Linie Kleinkinder – konnte aus heiterem Himmel jeden treffen. Obwohl hauptsächlich Kinder unter sechzehn darunter litten, konnten sich auch Erwachsene infizieren, wie zum Beispiel der Präsident der Vereinigten Staaten.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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