6,99 €
Nepomuk – Sammelband II vereint zwei vollständige Abenteuer des frechen kleinen Drachen und seiner Freunde – warmherzig, witzig und voll Magie. „Die Rettung des Weihnachtszaubers“ Im Feendorf wird es plötzlich still: Der funkelnde Glanz der Weihnacht droht zu verlöschen. Nepomuk, Trixi (die Blumenfee) und Fips (der neugierige Hase) folgen der Spur des verschwundenen Lichts in die verschneiten Berge. Zwischen Sturmwinden, eisigen Höhlen entdecken sie, dass wahre Wärme aus Freundschaft und Mut entsteht. „Die große Schatzsuche“ Eine alte Karte, ein Rätsel – und schon beginnt die Jagd: durch duftende Wälder, über Felsenpfade und in geheimnisvolle Kammern. Kobold Krims sorgt für turbulente Überraschungen, doch am Ende zeigt sich: Der größte Schatz glänzt nicht aus Gold, sondern im Zusammenhalt. Diese Geschichten sind liebevoll erzählt, spannend, aber nie zu düster – ideal zum Vorlesen und für geübte Erstleser. Kinder erleben Humor, Herz und kleine Heldenmomente; Erwachsene bekommen eine märchenhafte Welt, die Werte wie Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Verantwortung spielerisch vermittelt. Perfekt für gemütliche Winterabende – und das ganze Jahr über für alle, die Drachen, Feen und funkelnde Abenteuer lieben. Für wen? Für Familien, Kitas und Grundschulkinder – Vorlesen ab ca. 5 Jahren, Selberlesen ab ca. 8 Jahren. Zwei komplette Bücher in einem Band: mehr Lesefreude, mehr Sternenlicht!
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2025
Es war ein friedlicher Morgen im Feendorf, und die ersten Sonnenstrahlen tauchten die Blumen in ein sanftes Licht. Überall blühten farbenprächtige Pflanzen in voller Pracht, und der warme Wind trug den süßen Duft der Blüten durch die Luft. In diesem Dorf schien es nie zu verblassen. Hier, am Fuße der Berge der Dracheninsel, war es immer Frühling, und kein kalter Wind wagte es, diese Oase zu stören. Die Blumenfee Trixi schwebte elegant von Blüte zu Blüte und streute stellenweise ein wenig Feenstaub auf die Blätter, um sie noch strahlender zu machen.
Fips, der kleine Hase, lag im Gras und knabberte an einer besonders knackigen Möhre, die er gerade in den Gärten gefunden hatte. Er blinzelte in der Sonne und genoss die Ruhe des Morgens. Nepomuk, der kleine Drache, hingegen konnte nicht still sitzen. Er saß auf einem großen, flachen Stein am Rand des Dorfes und wippte ungeduldig mit den Beinen. Seine smaragdgrünen Schuppen funkelten im Licht, während er in die Ferne starrte – genau dorthin, wo sich die schneebedeckten Gipfel der Berge erhoben.
„Langweilig!“, rief Nepomuk plötzlich und ließ sich dramatisch auf den Rücken fallen. „Wie kann es hier so schön und ruhig sein, wenn da oben ein ganzes Abenteuer auf uns wartet?“ Er zeigte mit einer seiner Krallen in Richtung der schimmernden Bergspitzen.
Trixi, die gerade auf einer riesigen, pinkfarbigen Blume gelandet war, kicherte. „Nicht schon wieder, Nepomuk! Du hast doch vor ein paar Tagen erst gesagt, dass du das Dorf wunderschön findest.“
„Ja, ja, das Feendorf ist ja auch ganz nett“, brummte Nepomuk, während er sich wieder aufrichtete. „Aber wir haben Weihnachten vor uns! Und Weihnachten ohne Schnee? Pff! Was ist das für ein Weihnachten, wenn man keine Schneemänner bauen oder mit Schnee herumwerfen kann?“
Fips, der die letzte Hälfte seiner Möhre genüsslich kaute, sah Nepomuk skeptisch an. „Du redest von Schnee, als wäre er das Beste überhaupt. Aber hier blühen die schönsten Blumen der Welt, und das ganze Dorf bereitet sich auf das Weihnachtsfest vor. Wozu brauchen wir da Schnee?“
Nepomuk setzte sich mit einem lauten Seufzer auf und verschränkte die Arme vor der Brust. „Schnee ist magisch, Fips! Er macht alles still und geheimnisvoll. Außerdem kann man ihn zu Schneebällen formen und durch die Gegend werfen! Blumen kann man nicht werfen. Und überhaupt, das wahre Weihnachtsgefühl kommt nur mit Schnee.“ Er grinste breit. „Hast du schon mal, was von einer Blumenballschlacht gehört? Ich nicht.“
Trixi schwebte näher zu ihren Freunden, ihre zarten Flügel glitzerten im Sonnenlicht. „Hier im Feendorf ist es immer warm und blumig. Und genau das macht unser Dorf so besonders! Wenn ich das Dorf verlasse, muss ich dicke Sachen anziehen, sonst erfrieren meine Flügel.“
Nepomuk hob eine Augenbraue und schaute Trixi herausfordernd an. „Ach, du beabsichtigst, mir zu sagen, dass du als Fee keine Lösung für kalte Flügel hast? Feen sind doch immer so clever. Na gut, ich verstehe, wenn du nicht mit uns in die Berge willst, weil es zu kalt für dich ist. Es ist bestimmt nicht leicht, als kleine Fee in so einem kuscheligen Dorf zu leben und die Kälte zu fürchten.“
Trixi zog die Augenbrauen hoch und verschränkte ihre Arme vor der Brust. „Fürchten? Ich? Keine Sorge, Nepomuk. Ich komme mit dir in die Berge. Ich werde mir nur meinen dicken Mantel anziehen. Und wenn du am Ende bibberst und frierst, dann wirst du sehen, wer hier die Kälte besser verträgt.“
Fips sah zwischen seinen beiden Freunden hin und her und schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist. Wir haben doch gerade solch ein schönes Weihnachtsfest im Dorf geplant. Außerdem gibt es hier die besten Möhren der Insel. Was könnten wir da oben im Schnee schon finden?“
„Schnee-Karotten!“, platzte Nepomuk mit einem breiten Grinsen heraus und sprang auf. „Die schmecken doppelt so gut wie deine Möhren hier unten!“
Fips hob eine Augenbraue. „Schnee-Karotten? Was ist das denn für eine Erfindung?“
„Tja, das wissen nur die mutigsten Abenteurer“, antwortete Nepomuk, als wäre es die selbstverständlichste Sache der Welt. „Aber wenn du es nicht herausfinden willst, bleib einfach hier und knabbre weiter an deinen Blumenkarotten.“
Fips sah Nepomuk mit zusammengekniffenen Augen an. „Ich wette, du denkst dir das nur aus, damit ich mitkomme.“
Nepomuk zuckte unschuldig mit den Schultern. „Vielleicht. Vielleicht auch nicht.“
Trixi schwebte vor ihm auf, und sah ihn ernst an. „Du solltest besser keine Geschichten erzählen, Nepomuk. Aber gut, wenn du wirklich in die Berge willst, dann komme ich mit. Aber ich nehme meinen dicken Mantel mit, damit meine Flügel nicht einfrieren.“
Nepomuk schüttelte den Kopf, doch ein freches Grinsen spielte auf seinen Lippen. „Wie du willst, Trixi. Aber du wirst sehen, ich brauche keinen Mantel. Ein Drache wie ich kann den Schnee mit bloßer Willenskraft schmelzen!“
„Natürlich“, antwortete Trixi trocken, und zog die Augenbrauen hoch. „Und falls das nicht funktioniert, kannst du ja immer noch Rauch aus deiner Nase pusten.“
„Ha!“, rief Nepomuk, und spuckte spielerisch einen kleinen Rauchkringel in die Luft. „Siehst du? Ich bin der geborene Schneebezwinger!“
Fips schnaufte, und stand langsam auf. „Na schön. Aber wenn ich keine Schnee-Karotten finde, dann will ich auf der Stelle zurück in das Dorf. Ohne Diskussion!“
„Deal“, rief Nepomuk, und breitete seine Flügel aus. „Auf geht’s, ihr Frostbeulen! Die verschneiten Berge warten auf uns!“
Und so machten sich die drei Freunde, angeführt von einem übermütigen und vorlauten Nepomuk, auf den Weg in die verschneiten Berge der Dracheninsel. Während die Blumen des Feendorfes hinter ihnen langsam außer Sicht gerieten, fühlte Nepomuk bereits die prickelnde Aufregung eines neuen Abenteuers in seinen Flügeln. „Schnee-Karotten“, murmelte er leise zu sich selbst und grinste. „Ich sollte wohl hoffen, dass es die wirklich gibt.“
Die Sonne stand bereits hoch am Himmel, als Nepomuk, Trixi, und Fips das warme, blühende Feendorf verließen, und sich auf den Weg in die schneebedeckten Berge machten. Trixi schwebte knapp über dem Boden, und wickelte sich ihren dicken Schal fester um den Hals, während Fips missmutig durch das herabgefallene Laub der Bäume stapfte. Nur Nepomuk lief mit erhobenem Kopf, und aufgeplustertem Stolz voraus, als hätte er schon die größte Entdeckung des Tages gemacht.
„Ich sag’s euch, oben auf dem Berg wartet das echte Weihnachtsabenteuer auf uns!“, rief er, ohne sich umzudrehen. „Schnee, soweit das Auge reicht und vielleicht sogar ein paar geheimnisvolle Kreaturen!“
„Schnee?“, schnaufte Fips, und zog seinen dicken Schal bis über die Ohren. „Das klingt eher nach kalten Pfoten, und einer Erkältung. Ich vermisse jetzt schon die warme Wiese.“
Trixi kicherte leise, und zog sich ihren Mantel noch enger um ihren schimmernden Körper. „Fips, du wirst sehen, es wird bestimmt lustig. Und wenn uns kalt wird, können wir immer noch umkehren, und zurück ins Dorf gehen.“
„Zurück?“, rief Nepomuk empört, und drehte sich mit einem breiten Grinsen um. „Zurück ist nur was für Leute, die Abenteuer scheuen! Wir haben gerade erst angefangen! Und außerdem …“ Er trat näher zu Fips, und flüsterte verschwörerisch: „Vielleicht finden wir ja diese sagenhaften Schnee-Karotten. Die schmecken angeblich zehnmal besser als normale.“
Fips’ Augen weiteten sich. „Schnee-Karotten? Gibt’s die wirklich?“
„Natürlich!“, log Nepomuk mit einem schelmischen Grinsen. „Und ich wette, sie wachsen nur an den höchsten, geheimsten Stellen des Berges.“
„Na gut“, murmelte Fips, während er sich vorstellte, wie köstlich diese Karotten wohl sein könnten. „Aber wenn ich erfriere, bist du schuld.“
Die Freunde setzten ihren Weg fort, während der beginnende Schnee unter ihren Füßen immer tiefer wurde. Die Luft wurde kühler, aber für Nepomuk fühlte sich das alles wie ein großes Spiel an. Immer wieder machte er Sprünge, ließ sich mit seinen kleinen Flügeln ein Stück in die Luft tragen, und landete dann mit einem triumphierenden Lachen im weichen Schnee.
„Seht euch das an!“, rief er plötzlich, und blieb abrupt stehen. Vor ihnen lag eine kleine Lichtung, auf der einige große Felsen von Schnee bedeckt waren. „Perfekt für einen Schnee-Drachen!“
„Schnee-Drachen?“, fragte Fips, während er sich fröstelnd neben Nepomuk stellte. „Was soll das denn sein?“
„Na, pass auf!“, rief Nepomuk begeistert, und schaufelte mit seinen Krallen den Schnee zusammen. Mit flinken Bewegungen begann er, einen großen Haufen Schnee zu formen. „Ein Schnee-Drachen ist wie ein Schneemann, nur cooler. Siehst du, ich mache erst den Körper …, und dann … die Flügel!“
Fips, und Trixi beobachteten Nepomuk, wie er eifrig einen schneebedeckten Drachen formte. Seine Augen funkelten vor Freude, während er den Schneehaufen immer weiter gestaltete. „Da! Ein echter Schnee-Drache!“ Nepomuk klopfte stolz auf seinen schneebedeckten Nachbau, der aussah wie eine etwas plumpere Version von ihm selbst.
Trixi konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. „Nepomuk, dein Schnee-Drache sieht wirklich … einzigartig aus.“
„Pff“, machte Nepomuk, und stemmte die Hände in die Hüften. „Einzigartig ist nur ein anderes Wort für ‚fantastisch‘. Das ist mein Meisterwerk!“
Doch bevor Nepomuk sein Werk weiter bewundern konnte, hörte er ein leises Kichern hinter sich. Er drehte sich schnell um und blinzelte überrascht. Dort, hinter einem der großen Felsen, tauchten plötzlich kleine Gestalten aus dem Schnee auf. Ihre Körper waren fast vollständig weiß, und ihre Köpfe hatten winzige, leuchtende Augen, die neugierig in ihre Richtung blickten.
„Wer seid ihr denn?“, fragte Nepomuk, und ging einen Schritt auf die kleinen Wesen zu.
Die Gestalten sahen sich gegenseitig an und lachten fröhlich. „Wir sind die Schneeflöckchen!“, rief eines der Wesen mit einer Stimme, die wie ein leiser Wind klang. „Was macht ihr hier in unserem Revier?“
Nepomuk grinste. „Ich bin Nepomuk, der größte und mutigste Drache auf der ganzen Dracheninsel! Wir sind hier, um die besten Abenteuer zu erleben –, und vielleicht ein paar Schnee-Karotten zu finden.“
„Schnee-Karotten?“, kicherte eines der Schneeflöckchen. „So etwas gibt es hier nicht.“
Nepomuk spürte, wie Fips ihn von der Seite misstrauisch ansah. Er kratzte sich verlegen am Kopf. „Äh, na ja … vielleicht wachsen die weiter oben! Aber trotzdem … was macht ihr so? Schneeflöckchen, was für ein Name! Habt ihr schon ein richtiges Abenteuer erlebt?“
„Natürlich!“, rief das größte der Schneeflöckchen stolz. „Wir fliegen mit den Schneeflocken, tanzen auf den höchsten Gipfeln, und rutschen auf den schneebedeckten Felsen! Das ist unser Revier, und wir haben jede Menge Spaß!“
Nepomuks Augen begannen zu leuchten. „Rutschen? Auf den Felsen? Das klingt genau nach meinem Ding!“
Ohne lange nachzudenken, rannte Nepomuk auf einen der Felsen zu, der glatt und schneebedeckt war. Er kletterte hinauf, half mit seinen kleinen Flügeln flatternd nach, und stand schließlich triumphierend oben. „Seht her! So rutscht ein echter Drache!“
Mit einem kräftigen Sprung ließ er sich von der Felswand gleiten und rutschte auf dem Bauch den Abhang hinunter, den Wind in seinen Ohren und ein breites Grinsen auf den Lippen. Die Schneeflöckchen lachten laut, und auch Fips konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, als Nepomuk am Ende des Hügels mit einem plumpen Aufschlag im Schnee landete.
„Okay, das war beeindruckend“, gab Fips zu. „Aber was machen wir jetzt? Den ganzen Tag rutschen?“
Nepomuk stand auf, schüttelte sich den Schnee von den Schuppen und grinste frech. „Na klar! Es gibt nichts Besseres, um sich auf ein echtes Abenteuer vorzubereiten. Und wer weiß, vielleicht finden wir ja noch etwas anderes Spannendes, wenn wir weiter hinaufgehen.“
Trixi, die immer noch ein wenig fröstelte, lächelte und sah Nepomuk an. „Du wirst wohl nie müde, Nepomuk, oder?“
„Müde?“, rief Nepomuk und streckte die Arme weit in die Luft. „Das Wort kenne ich nicht!“
Und so setzten die Freunde ihre Reise fort, während die Schneeflöckchen fröhlich um sie herum tanzten. Der Schnee wurde tiefer, die Luft kälter, und das Abenteuer versprach, noch aufregender zu werden.
„Irgendetwas stimmt hier nicht!“, sagte Fips, während er vorsichtig durch den Schnee stapfte. „Der Schnee ist … na ja, er glitzert nicht!“ Er blieb stehen und betrachtete skeptisch eine Schneeflocke, die auf seiner Pfote landete. Sie war weiß, aber matt, ganz ohne den Glanz, den Fips gewohnt war.
„Ach, Fips, jetzt übertreib nicht!“ Nepomuk war ein paar Schritte voraus und drehte sich zu seinem Freund um. „Es ist eben Schnee. Was erwartest du? Ein Feuerwerk?“
Trixi, die kluge kleine Fee, flatterte neben Fips und nickte nachdenklich. „Fips hat recht, Nepomuk. Es fühlt sich wirklich anders an, dieses Jahr. Normalerweise sind die Schneeflocken doch viel heller und … magischer.“
Fips schnüffelte. „Und die Karotten schmecken auch nicht mehr so süß wie früher. Ich habe eine probiert – trocken und hart!“ Er schüttelte sich. „Wenn selbst die Karotten nicht schmecken, dann ist etwas faul!“
Nepomuk rollte mit den Augen. „Karotten, Karotten, immer nur Karotten! Vielleicht hast du ja einfach nur zu viel von diesen Dingern gegessen.“
„Niemals!“ Fips war empört. „Man kann nie genügend Karotten haben. Aber das ist nicht der Punkt, Nepomuk. Es fühlt sich einfach … komisch an.“
Die drei Freunde gingen weiter durch den schneebedeckten Wald, doch die Fröhlichkeit, die sonst die Winterluft erfüllte, war spürbar gedämpft. Kein fröhliches Lachen der Waldtiere, keine funkelnden Lichter in den Bäumen. Sogar die Tannenbäume schienen trüber und weniger grün.
„Seht euch das mal an!“, sagte Trixi plötzlich, und zeigte auf den Boden vor ihnen. Ein paar zerdrückte Weihnachtsplätzchen lagen halb im Schnee vergraben.
Nepomuk starrte auf die Plätzchen. „Wer wirft denn so etwas Leckeres einfach in den Schnee?“
„Ich weiß nicht …“, begann Trixi, doch in diesem Moment wehte eine kalte Brise durch die Luft, und eine seltsame Stille legte sich über den Wald. Fips schnupperte erneut in die Luft.
„Seht ihr? Es riecht auch nicht nach Weihnachten!“, sagte er aufgeregt. „Immer kurz vor Weihnachten riecht der ganze Wald nach Weihnachten, aber heute – nichts!“
Nepomuk lachte laut auf. „Es gibt keinen Grund, sich aufzuregen. Vielleicht hat nur jemand die Plätzchen fallen lassen und ist weitergegangen.“
Trixi flatterte unruhig vor sich hin. „Ich weiß nicht, Nepomuk. Fips hat recht, es fühlt sich alles so … leer an. Es ist, als ob die Weihnachtsstimmung verschwunden ist.“
„Pah! Weihnachtsstimmung! Die ist doch nur in euren Köpfen!“, erwiderte Nepomuk, und hob stolz den Kopf. „Wir sollten uns lieber darauf konzentrieren, etwas Spaß zu haben! Vielleicht eine Schneeballschlacht oder so!“
Doch bevor Nepomuk auch nur einen Schneeball formen konnte, geschah etwas Seltsames. Ein helles, glitzerndes Licht erschien plötzlich über den Baumkronen. Es bewegte sich schnell, und leuchtete in kräftigen Farben, wie ein kleiner Stern, der über den Himmel flitzte.
„Was ist das?“ Trixi kniff die Augen zusammen, um das Licht besser sehen zu können. „Es sieht aus wie … ein Stern? Aber Sterne fliegen doch nicht einfach so!“
Nepomuk, der normalerweise dafür wenig Geduld hatte, hielt plötzlich inne. Auch er konnte nicht leugnen, dass das Licht ungewöhnlich war. „Na ja, vielleicht ein Stern, der zu Weihnachten besonders viel Energie hat?“
Fips schüttelte den Kopf. „Nein, das ist kein normaler Stern. Es ist … es kommt auf uns zu!“
Und tatsächlich wurde das Licht größer und näherte sich rasend schnell den drei Freunden. Nepomuk trat vorsichtig einen Schritt zurück, als das Leuchten schließlich vor ihnen schwebte. Es funkelte und strahlte, bis es schließlich sanft auf dem Boden landete.
„Das ist … eine Nachricht!“, rief Trixi aus, als sich das Licht in einen kleinen, funkelnden Brief verwandelte, der im Schnee lag.
„Eine Nachricht? Für uns?“ Nepomuk war neugierig und trat näher heran. Vorsichtig hob er den Brief auf und las laut vor:
„Lieber Nepomuk, Trixi, und Fips, ich brauche eure Hilfe. Weihnachten ist in Gefahr. Der Weihnachtszauber ist verschwunden, und ohne ihn kann Weihnachten nicht stattfinden. Ich bin krank, meine Rentiere sind unruhig, und die Elfen schaffen es nicht, alles rechtzeitig fertig zu machen. Ich weiß, dass nur ihr mir helfen könnt. Bitte kommt zum Nordpol. Euer Weihnachtsmann.“
Fips’ Augen wurden groß. „Der … der Weihnachtsmann? Uns? Er braucht uns?“
„Pah, bestimmt nur eine kleine Erkältung“, spottete Nepomuk, und versuchte, die Situation herunterzuspielen. „Was kann da schon schiefgehen? Ein bisschen Glitzer, und ein paar magische Plätzchen – der Weihnachtsmann bekommt das schon allein hin.“
Doch Trixi sah besorgt aus. „Nepomuk, das klingt ernst. Der Weihnachtszauber ist verschwunden! Ohne ihn gibt es keine Weihnachten. Keine Geschenke, keine Lichter, keine Karotten!“
Bei dem Wort „Karotten“ horchte Fips auf. „Keine … Karotten? Oh nein! Das klingt nach einer echten Katastrophe!“ Er schaute zu Nepomuk. „Wir müssen ihm helfen!“
Nepomuk seufzte tief. „Also gut, wenn ihr darauf besteht. Aber ich sag’ euch: Der Weihnachtsmann ist bestimmt einfach nur ein wenig schlecht gelaunt, weil er zu viele Plätzchen gegessen hat.“
Trixi schüttelte den Kopf. „Ich glaube, es ist mehr als das, Nepomuk. Etwas ist wirklich nicht in Ordnung. Wir müssen sofort los.“
Und so beschlossen die drei Freunde, sich auf den Weg zum Nordpol zu machen, um dem Weihnachtsmann zu helfen und den verschwundenen Weihnachtszauber zurückzubringen. Nepomuk grinste schelmisch und sagte: „Na gut, ich schätze, es wird doch nicht so langweilig, wie ich dachte. Vielleicht bringe ich dem Weihnachtsmann ein paar meiner eigenen Tricks bei.“
Trixi, und Fips schauten sich an, unsicher, was das Abenteuer bringen würde. Doch eines war sicher: Ohne Nepomuks frechen Humor, Trixis kluge Magie, und Fips’ unerschütterliche Liebe zu Karotten würde dieses Weihnachten alles andere als normal werden.
Die drei Freunde standen noch immer im verschneiten Wald, als plötzlich ein leises, magisches Klingeln die Luft erfüllte. Es kam von überall, und doch nirgendwo, wie das Flüstern von kleinen Glöckchen, die sanft im Wind schwebten.
„Hört ihr das?“, fragte Trixi, während sie die Luft mit ihren kleinen Flügeln durchstieß, um besser lauschen zu können. „Das klingt wie … Weihnachtsglocken!“
„Oder vielleicht ist es nur Fips’ Magen, der nach Karotten schreit“, sagte Nepomuk mit einem schelmischen Grinsen.
„Sehr witzig, Nepomuk!“, rief Fips, und schüttelte den Kopf. „Das war nicht mein Magen. Aber offen gestanden … könnte ich tatsächlich einen kleinen Karottensnack vertragen.“ Seine Nase zuckte aufgeregt, als er versuchte, den Ursprung des Klingelns auszumachen.
Plötzlich wurde das Geräusch lauter, und aus der Ferne tauchte ein seltsamer Schatten auf. Erst war es nur ein kleiner Punkt am Himmel, doch er wuchs rasch. Ein prächtiger Schlitten aus funkelndem Eis, gezogen von zwei schneeweißen Rentieren, kam direkt auf sie zugeflogen. Der Schlitten funkelte im schwachen Winterlicht, als ob er aus reinem Schnee und Sternenlicht gefertigt wäre.
Nepomuk machte große Augen. „Na, das sieht nach einem echt coolen Gefährt aus!“
Trixi flatterte begeistert in die Luft. „Das muss der Schlitten des Weihnachtsmanns sein! Er schickt uns eine magische Abholung!“
Das Schlittenpaar setzte sanft zur Landung an und glitt elegant durch den Schnee, bis es direkt vor den drei Freunden anhielt. Ein kleiner, gut gelaunter Elf, mit roten Bäckchen und einer grünen Zipfelmütze, sprang vom Schlitten. In seiner Hand hielt er einen langen Zuckerstangenstab, der ebenso magisch funkelte wie der Schlitten selbst.
„Hohoho! Hallo, Freunde!“, rief der Elf, und grinste breit. „Ich bin Barnaby, einer der Elfen des Weihnachtsmannes. Er hat mich geschickt, um euch zum Nordpol zu bringen.“
„Barnaby?“, fragte Fips neugierig. „Ich hoffe, du hast vielleicht auch ein paar Karotten für die Reise?“
Barnaby lachte, und klopfte Fips auf den Rücken. „Natürlich habe ich Karotten dabei! Es gibt sogar einen ganzen Vorrat im Schlitten – wir Elfen wissen, was gut ist.“
Fips’ Augen leuchteten auf. „Das wird die beste Reise überhaupt!“ Er hopste gleich auf den Schlitten, und schnupperte neugierig in die Luft.
„Na los, keine Zeit zu verlieren!“, rief Barnaby. „Steigt ein! Es ist eine lange Reise bis zum Nordpol, und wir müssen schnell los. Der Weihnachtsmann wartet schon!“
Trixi, und Nepomuk zögerten nicht lange. Mit einem eleganten Schwung setzte Trixi sich neben Fips, während Nepomuk – weniger elegant – mit einem kräftigen Satz auf den Schlitten sprang. Er landete ein wenig zu schnell, und brachte den Schlitten zum Wackeln.
„Ups!“, lachte Nepomuk. „Ein wenig zu viel Drachen-Power!“
Barnaby zwinkerte ihnen zu, und sprang wieder auf den Kutschbock. „Festhalten! Der Nordpol wartet nicht!“
Mit einem leichten Klaps auf die Zügel setzten die Rentiere sich in Bewegung. Sie glitten durch den Schnee, und hoben bald darauf sanft ab, hinauf in den klaren Winterhimmel. Die Schneelandschaft unter ihnen wurde kleiner, während der Schlitten immer höher, und schneller wurde.
„Wow, das ist unglaublich!“, rief Trixi begeistert, und flatterte aufgeregt neben dem Schlitten her. „Schau dir diese Aussicht an!“
Nepomuk lehnte sich zurück und grinste. „Nicht schlecht, aber ich hätte gedacht, dass wir ein paar Drachenflügel gebrauchen könnten. Fliegen ist eigentlich mein Spezialgebiet.“
„Ja, ja, wir wissen alle, dass du fliegen kannst“, antwortete Fips, und nahm sich derweil die Karottenvorräte vor. „Aber ich glaube, ich werde bei dieser Karottenlieferung doch lieber mit dem Schlitten reisen.“
Sie flogen durch die weiten, verschneiten Ebenen, vorbei an schneebedeckten Tannenwäldern und gefrorenen Seen. Die Welt unter ihnen funkelte und glitzerte, und selbst Nepomuk musste zugeben, dass es wunderschön aussah – auch ohne Drachenflügel.
„Sag mal, Barnaby“, fragte Trixi, die neugierig neben dem Elf herflog, „wie lange dauert die Reise zum Nordpol?“
„Normalerweise nicht lange“, antwortete Barnaby, und wischte sich eine Schneeflocke von der Nase. „Aber heute ist alles ein bisschen anders. Der Weihnachtszauber ist schwächer geworden, also müssen wir vorsichtig sein. Man weiß nie, was da draußen lauert, wenn der Zauber nachlässt.“
„Lauern?“ Fips hörte auf, an seiner Karotte zu knabbern, und sah sich nervös um. „Was meinst du damit?“
„Ach, macht euch keine Sorgen!“ Barnaby lachte und zwinkerte. „Es gibt nichts, womit wir nicht fertig werden. Aber haltet die Augen offen – die Magie des Himmels ist manchmal eigenwillig.“
Und gerade, als er das sagte, begann der Schlitten plötzlich zu ruckeln. Die Rentiere blieben stehen, und schüttelten verwirrt ihre Köpfe. Barnaby zog die Zügel straff, und blickte nervös in die Ferne.
„Oh nein“, murmelte er. „Das sieht nicht gut aus.“
„Was ist los?“, fragte Trixi alarmiert.
„Seht dort drüben“, sagte Barnaby, und zeigte auf einen dichten Nebel, der plötzlich vor ihnen aufgetaucht war. „Das ist kein normaler Nebel. Das ist verzauberter Schnee.“
Nepomuk blinzelte. „Verzauberter Schnee? Was soll das denn sein?“
„Manchmal, wenn der Weihnachtszauber schwächer wird, fängt der Schnee an, sich selbstständig zu machen“, erklärte Barnaby ernst. „Er kann uns in eine ganz andere Richtung führen, wenn wir nicht aufpassen.“
„Klingt nach einem tollen Abenteuer!“, sagte Nepomuk begeistert, und schwang seine Drachenflügel aus. „Lass mich das mal machen! Ich werde den Schnee einfach wegpusten!“
Bevor jemand ihn aufhalten konnte, nahm Nepomuk einen tiefen Atemzug und blies kräftig in Richtung des Nebels. Doch anstatt den Schnee wegzupusten, wurde der Nebel noch dichter. Plötzlich begann der Schlitten zu wackeln, und der Nebel umhüllte sie völlig.
„Oh nein! Nepomuk, was hast du getan?“, rief Fips, als er versuchte, sich am Schlitten festzuhalten.
„Äh, ich glaube, ich habe es ein bisschen schlimmer gemacht“, gab Nepomuk zu, und kratzte sich verlegen am Kopf.
Der Nebel war nun so dicht, dass sie kaum noch etwas sehen konnten. Der Schlitten schien zu schwanken, und die Rentiere scharrten nervös mit den Hufen.
„Alle festhalten!“, rief Barnaby. „Das könnte holprig werden!“
Plötzlich tauchten im Nebel seltsame, wirbelnde Schneeflocken auf. Sie tanzten um den Schlitten herum, und schienen ihn in alle Richtungen zu ziehen. Trixi hob ihre Hände, und ließ einen leuchtenden Lichtblitz auf den Nebel los, um ihn zu vertreiben.
„Trixi, schnell! Deine Magie könnte uns helfen!“, rief Fips.
Mit einem entschlossenen Nicken breitete Trixi ihre Flügel aus, streute ihren Feenstaub um den Schlitten und ließ ihn sanft leuchten. „Schweben lassen, Feenstaub los!“, rief sie. Und tatsächlich begann der Schlitten ruhiger zu werden, und der Nebel lichtete sich langsam.
„Wow, das hat funktioniert!“, rief Nepomuk begeistert. „Na ja, fast …“
Sie hatten den Nebel hinter sich gelassen, aber das Abenteuer war noch nicht vorbei. In der Ferne sahen sie bereits die schimmernden Lichter des Weihnachtsdorfs am Nordpol, doch sie wussten, dass sie noch viele Herausforderungen vor sich hatten.
„Gut gemacht, Trixi“, sagte Barnaby und sah erleichtert aus. „Ihr seid wirklich eine großartige Truppe. Aber wir müssen uns beeilen. Der Weihnachtsmann braucht uns, und es ist nicht mehr viel Zeit bis Weihnachten.
Nepomuk, Trixi, und Fips nickten entschlossen. Die Reise war noch lange nicht vorbei, und der Weihnachtsmann zählte auf sie. Was auch immer sie am Nordpol erwartete, sie waren bereit – auch wenn Nepomuk sich schwor, das nächste Mal ein bisschen weniger Drachenatem zu verwenden.
Als der Schlitten langsam landete, wurden die Lichter des Weihnachtsdorfs deutlicher. Doch anstatt der üblichen fröhlichen Geräusche und dem Duft von frisch gebackenen Plätzchen schien das Dorf in einem ungewöhnlichen Chaos zu versinken.
„Das ist das Weihnachtsdorf?“, fragte Fips skeptisch, als der Schlitten auf einem rutschigen Eisweg aufsetzte. „Irgendwie habe ich es mir … na ja, fröhlicher vorgestellt.“
Der sonst so majestätische Anblick des Dorfes am Nordpol wirkte plötzlich merkwürdig bedrückend. Die schneebedeckten Dächer der Elfenwerkstatt waren nicht mehr funkelnd weiß, sondern von Schneehaufen bedeckt, die wie riesige schwarze Kohlenhaufen aussahen. Die Lichterketten, die normalerweise in allen Farben strahlten, flackerten schwach oder fielen ganz aus. Und der Klang von Hämmern und Weihnachtsmusik – den man sonst aus der Werkstatt hörte – war einem ständigen, nervösen Murmeln gewichen.
„Oh-oh“, sagte Barnaby besorgt, als er die Lage im Dorf überblickte. „Das ist schlimmer, als ich dachte. Der Weihnachtszauber hält wirklich alles zusammen, und jetzt bricht alles auseinander.“
„Ich dachte, hier wäre immer alles perfekt und magisch“, sagte Trixi leise, als sie vom Schlitten schwebte und sich umsah. „Wo sind die Elfen? Warum ist hier niemand fröhlich?“
„Die Elfen sind da“, erklärte Barnaby, „aber sie haben alle Hände voll zu tun. Ohne den Weihnachtszauber funktioniert einfach gar nichts mehr. Geschenke können nicht verpackt werden, die Maschinen in der Werkstatt laufen nicht richtig und … na ja, sagen wir, die Rentiere sind auch nicht gerade in Bestform.“
Nepomuk hob den Kopf und schnüffelte in die kalte Luft. Sein Magen knurrte laut, was ihm ein paar schiefe Blicke von Trixi und Fips einbrachte. „Was?“, fragte er unschuldig. „Ich habe Hunger!“
„Jetzt ist wirklich nicht der richtige Zeitpunkt, Nepomuk“, sagte Trixi ernst. „Wir müssen herausfinden, wie wir dem Weihnachtsmann helfen können.“
Doch Nepomuk hörte schon gar nicht mehr zu. Er hatte etwas gerochen, und es roch köstlich. „Mmm … Zimt, Vanille … Plätzchen!“
Mit einem Satz sprang Nepomuk los, seine Flügel flatterten aufgeregt, während er dem verlockenden Duft folgte. Trixi und Fips sahen sich an und seufzten.
„Oh nein“, murmelte Fips. „Nicht schon wieder.“
„Wir sollten ihm folgen, bevor er noch mehr Chaos anrichtet“, sagte Trixi, und flatterte hastig hinter Nepomuk her.
Nepomuk stürmte derweil auf die große Werkstatt zu. Dort drinnen herrschte ein wildes Durcheinander: Die Elfen rannten hin, und her, während Spielzeugteile durch die Luft flogen, Geschenke halb verpackt auf Tischen lagen, und riesige Maschinen, die normalerweise die Weihnachtsgeschenke verpacken sollten, statt sanft zu surren, laute, qualmende Geräusche von sich gab.
„Was für ein Durcheinander!“, rief Nepomuk begeistert, und sprang auf eine Kiste mit Weihnachtsgeschenken. „Aber wo sind die Plätzchen?“
„Nepomuk, nein!“, rief Trixi, doch es war zu spät. Mit einem kräftigen Flügelschlag brachte Nepomuk ein Regal mit Geschenken zum Kippen, und bunte Pakete stürzten scheppernd zu Boden. Elfen schrien auf und versuchten, das Chaos zu bändigen, doch Nepomuk stolperte in seinem Versuch, den umgefallenen Paketen auszuweichen, direkt in eine Schüssel mit Plätzchenteig.
„Mmmh … lecker!“, sagte Nepomuk, und tauchte seine Tatze in den Teig. „Endlich was zu essen!“
„Hey! Das war für die Rentierkekse!“, rief ein aufgebrachter Elf und rannte zu Nepomuk hinüber. „Du kannst doch nicht einfach unseren Plätzchenteig stehlen!“
Doch Nepomuk war zu hungrig, um darauf zu hören. Er nahm einen großen Bissen und leckte sich zufrieden die Lippen, während sich die Elfen immer mehr um ihn versammelten und versuchten, das Chaos zu kontrollieren.
„Nepomuk, hör auf!“, rief Trixi und flatterte verzweifelt um ihn herum. „Du machst alles noch schlimmer!“
„Was?“, sagte Nepomuk unschuldig, mit vollem Mund. „Ich helfe nur, den Teig zu testen. Und offen gestanden … er könnte ein wenig mehr Zucker vertragen.“
In diesem Moment ertönte ein lautes, schrilles Pfeifen aus der Mitte der Werkstatt. Eine der vielen Maschinen, die Geschenke verpacken sollten, hatte sich überhitzt. Ein gigantischer Rauchschwall stieg auf, und die Elfen liefen in alle Richtungen.
„Nicht schon wieder!“, schrie einer der Elfen. „Die Maschine ist schon wieder außer Kontrolle!“
Nepomuk drehte sich um und blinzelte durch den aufsteigenden Rauch. „Oh-oh“, murmelte er. „Vielleicht habe ich das ein wenig unterschätzt.“
Trixi flog hektisch umher und versuchte, mit ihrem Feenstaub die Dinge zu beruhigen, doch das Chaos schien außer Kontrolle zu geraten. Fips hatte sich unter einem Tisch versteckt und hielt eine Karotte fest umklammert, während überall um ihn herum Geschenkpapiere und Spielzeuge durch die Luft flogen.
„Das ist eine Katastrophe!“, rief Fips. „Nepomuk, du machst alles nur schlimmer!“
„Ich … äh, wollte nur etwas essen“, murmelte Nepomuk, und wich einem fliegenden Spielzeugauto aus.
In diesem Moment ertönte eine tiefe, brummende Stimme aus der hinteren Ecke der Werkstatt. „Was ist hier los?“
Alle Elfen blieben abrupt stehen, und selbst die Maschinen hörten plötzlich auf zu rattern. Eine dicke, in rote Decken gewickelte Gestalt trat langsam aus dem Schatten hervor. Sein weißer Bart zitterte leicht, und seine Augen funkelten müde, aber immer noch streng. Es war der Weihnachtsmann – aber er sah alles andere als fröhlich aus.
„Ach nein“, murmelte Nepomuk, als er den Weihnachtsmann sah. „Jetzt bin ich dran.“
Der Weihnachtsmann stapfte langsam zu Nepomuk und den anderen hinüber, seine Augen blitzten unter den buschigen Augenbrauen hervor. „Nepomuk, Nepomuk, Nepomuk“, seufzte er. „Ich hätte wissen müssen, dass du früher oder später auftauchst und alles noch schlimmer machst.“
„Ähm … Hallo, Weihnachtsmann!“, sagte Nepomuk, und versuchte, seine Verlegenheit zu überspielen. „Ich dachte, ich helfe hier ein wenig … mit den Plätzchen, weißt du …“
„Mit den Plätzchen?“, brummte der Weihnachtsmann und verschränkte die Arme vor seiner breiten Brust. „Du hast nur noch mehr Chaos angerichtet. Die Elfen arbeiten schon Tag und Nacht, weil der Weihnachtszauber verschwunden ist. Und du … du isst einfach den Teig weg!“
Nepomuk scharrte verlegen mit der Tatze auf dem Boden. „Es war nur ein kleiner Bissen …“
Der Weihnachtsmann seufzte erneut und ließ sich schwer auf einen Stuhl sinken. „Ich weiß, dass ihr helfen wollt. Aber so … so wird das nichts.“ Er hustete leicht, griff nach einem Taschentuch und schnäuzte sich lautstark. „Ich bin krank, der Weihnachtszauber ist verschwunden, und das ganze Dorf fällt auseinander.“
Trixi trat vorsichtig nach vorn. „Weihnachtsmann, wir sind gekommen, um dir zu helfen. Wir möchten den Weihnachtszauber zurückbringen. Aber wir wissen bis jetzt nicht, wie wir das anstellen sollen.“
Der Weihnachtsmann sah sie müde an. „Es ist das Glöckchen des Weihnachtszaubers“, sagte er leise. „Es ist verschwunden. Ohne das Glöckchen funktioniert nichts. Die Magie, die den Schnee, die Rentiere und die Geschenke antreibt, ist in ihm eingeschlossen.“
„Wo hast du das Glöckchen zuletzt gesehen?“, fragte Fips, der neugierig unter dem Tisch hervorlugte.
„Im Weihnachtswald“, antwortete der Weihnachtsmann. „Ich wollte den großen Weihnachtsbaum schmücken, aber als ich zurückkam, war das Glöckchen verschwunden. Seitdem geht alles schief.“
Nepomuk, der inzwischen seine Lektion gelernt hatte, trat nachdenklich nach vorn. „Dann müssen wir das Glöckchen finden. Das klingt nach einem Job für uns. Stimmt’s, Trixi? Fips?“
Trixi nickte. „Ja, wir schaffen das. Aber wir müssen sofort los, bevor das Chaos hier noch schlimmer wird.“
Der Weihnachtsmann nickte schwach und deutete in Richtung des verschneiten Waldes. „Ihr seid meine letzte Hoffnung“, sagte er mit müder Stimme. „Aber passt auf. Der Weihnachtswald ist magisch, und ohne den Zauber des Glöckchens können dort … seltsame Dinge passieren.“
Nepomuk grinste breit. „Kein Problem! Ich hab’ alles im Griff.“
Trixi, und Fips sahen sich skeptisch an. „Das sagt er immer“, murmelte Fips leise.
Doch eins war klar: Das nächste große Abenteuer wartete auf sie –, und sie mussten den Weihnachtszauber zurückbringen, bevor es zu spät war.
Die Bäume des Weihnachtswaldes standen still und mächtig vor ihnen. Jeder von ihnen war mit einer dicken Schneeschicht bedeckt und an ihren Ästen hingen kleine, funkelnde Eiszapfen, die das schwache Licht des Himmels reflektierten. Es wäre ein wunderschöner Anblick gewesen, wenn nicht dieses seltsame Gefühl von Unruhe in der Luft gelegen hätte.
„Also gut, dann mal rein in den Wald“, sagte Nepomuk, und stapfte mutig voran. „Dieses Glöckchen wird sich ja wohl kaum von allein finden.“
Trixi flatterte dicht neben ihm her. „Vorsicht, Nepomuk. Der Weihnachtsmann hat gesagt, dass die Magie des Waldes durcheinander geraten ist. Wir müssen auf alles gefasst sein.“
„Ach, mach dir nicht so viele Sorgen“, winkte Nepomuk ab. „Ein bisschen Schnee hat doch noch niemandem geschadet.“ Doch in dem Moment, als er das sagte, rutschte er auf einer eisigen Stelle aus und landete plump im Schnee.
„Siehst du?“, murmelte Fips, der vorsichtig hinter ihnen her hüpfte. „Manchmal schadet ein bisschen Schnee sehr wohl.“
Der Wald wurde immer dichter, je tiefer sie hineinmarschierten, desto merkwürdiger wurde die Atmosphäre. Es war, als würde der Schnee selbst flüstern und kichern, als ob unsichtbare Wesen sie beobachteten.
„Hört ihr das?“, fragte Trixi leise. „Es klingt, als würde der Wald … sprechen.“
Nepomuk hielt inne, und spitzte die Ohren. Tatsächlich kamen aus allen Richtungen leise, wispernde Stimmen, als ob der Schnee lebendig wäre. Doch bevor jemand etwas sagen konnte, schoss plötzlich eine Schneekugel durch die Luft, und traf Nepomuk direkt auf die Nase.
„Heeey! Wer war das?“, rief Nepomuk, als er sich die Schneereste von seiner Schnauze wischte.
Trixi schwebte näher an ihn heran, ihre Flügel leicht zitternd. „Das war kein gewöhnlicher Schneeball … das war Magie.“
Kaum hatte sie das gesagt, tauchte vor ihnen eine hochgewachsene, in schneeweiße Gewänder gehüllte Gestalt auf. Ihr langes, silbernes Haar fiel wie ein Wasserfall über ihre Schultern, und in ihren eisblauen Augen funkelte ein verschmitztes Lächeln. Sie trug einen gefrorenen Stab in der Hand, und ihre Anwesenheit ließ die Temperatur plötzlich um einige Grad sinken.
„Wer wagt es, meinen Wald zu betreten?“, fragte die Gestalt, ihre Stimme war wie das Knirschen von frischem Schnee.
„Oh-oh“, murmelte Fips, und versteckte sich halb hinter einem Schneehaufen. „Das sieht nicht gut aus.“
„Ich bin Nepomuk, der furchtlose Drache!“, sagte Nepomuk, und trat nach vorn, wobei er immer noch etwas Schnee von seiner Schnauze wischte. „Und das hier sind meine Freunde, Trixi, und Fips. Wir suchen das Glöckchen des Weihnachtszaubers, und niemand wird uns aufhalten.
Die Gestalt lachte leise. „Das Glöckchen des Weihnachtszaubers, sagst du? Interessant … aber weißt du, ich liebe es, wenn alles ein wenig … durcheinandergerät.“ Sie hob ihren Stab und ließ kleine Schneeflocken um ihre Hand tanzen. „Und ich bin die Schneehexe. Chaos ist mein Spiel, und ich werde dafür sorgen, dass eure Reise alles andere als reibungslos verläuft.“
„Großartig“, murmelte Fips. „Eine Hexe. Das ist genau das, was wir jetzt brauchen.“
Nepomuk grinste frech. „Ach, ein bisschen Chaos kann ich ab. Du hast keine Ahnung, wie viele Dinge ich schon vermasselt habe. Was hast du drauf, Schneehexe? Willst du uns ein paar Schneebälle um die Ohren werfen?“
Die Schneehexe lachte erneut, dieses Mal lauter und ein wenig böser. „Schneebälle? Nein, nein. Ich habe etwas viel Besseres.“ Sie hob ihren Stab hoch in die Luft, und in dem Moment begann der Schnee vor ihnen zu wirbeln. Schneeflocken wirbelten in einem rasenden Tempo umher, bis sie plötzlich Gestalt annahmen.
Vor den drei Freunden standen nun drei Schneemänner – aber nicht die freundlichen, lächelnden Schneemänner, die man normalerweise mit Weihnachten in Verbindung brachte. Diese hier hatten spitze, eisige Zähne, und ihre Augen funkelten böse. In ihren Händen hielten sie lange Speere aus Eiszapfen.
„Oh nein“, flüsterte Trixi, und schwebte einen Schritt zurück. „Das sind keine gewöhnlichen Schneemänner.“
„Stimmt“, sagte Nepomuk, und dieses Mal klang seine Stimme etwas weniger frech. „Die sehen ziemlich wütend aus.“
„Lasst sie uns aufhalten!“, rief die Schneehexe, während sie in die Luft sprang und im Schnee verschwand. „Wenn ihr weiterkommen wollt, müsst ihr erst an meinen Schneemännern vorbei!“
„Kein Problem“, sagte Nepomuk, obwohl sein Herz schneller schlug. „Ich habe alles im Griff. Es sind doch nur Schneemänner!“
