Nepomuk und das verborgene Tal - Gerd E. Küster - E-Book

Nepomuk und das verborgene Tal E-Book

Gerd E. Küster

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Beschreibung

Hoch oben auf der Dracheninsel liegt ein verborgenes Tal, das kein Mensch je betreten hat. Dort leben die Eichlinge – winzige Wächter, die mit ihren Liedern die uralten Eichen heilen und das Gleichgewicht der Natur bewahren. Doch als Tubius, der ehrgeizigste unter ihnen, die heilige Sanduhr der Zeitfee Zara erschüttert, gerät die Zeit aus den Fugen: Schnee fällt im Sommer, die Blumen erfrieren, und die Tiere wissen nicht mehr, wann Tag oder Nacht ist. Im Feendorf rufen Trixi die Blumenfee, und der Hase Fips den kleinen Drachen Nepomuk zu Hilfe. Gemeinsam mit dem chaotischen Kobold Krims brechen sie auf, um das Gleichgewicht wiederherzustellen und Zara zu befreien. Ihr Weg führt sie durch magische Wälder, zu den Wurzelzwergen und in das Tal der Eichlinge – wo Mut, Freundschaft und Vertrauen wichtiger werden als jede Zauberkraft. Ein fantasievolles und humorvolles Abenteuer über Zusammenhalt und den Schutz der Natur – zum Vorlesen und Selberlesen für Kinder ab 6 Jahren.

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Gerd E. Küster

Nepomuk und das verborgene Tal

Ein Abenteuer auf der Dracheninsel

Hoch oben auf der Dracheninsel liegt ein verborgenes Tal, in dem winzige Wächter über das Gleichgewicht der Natur wachen. Als die Zeit verrücktspielt, machen sich Nepomuk, Trixi und ihre Freunde auf, das Herz der Insel zu retten – mit Mut, Freundschaft und Magie.

Prolog – Das verborgene Tal der Eichlinge

Hoch oben, wo die Gipfel der Dracheninsel die Wolken durchstießen, lag ein Tal, das kein Reisender je betreten hatte. Die Berge standen wie steinerne Mauern ringsum, steil und unnahbar, ihre Spitzen vom ewigen Schnee gekrönt. Manchmal schob sich Nebel über die Kämme und legte sich wie ein silberner Schleier darüber, als wollte er ein uraltes Geheimnis behüten.

In diesem Tal wuchsen Eichen, so gewaltig, dass ihre Kronen den Himmel zu berühren schienen. Ihre Stämme waren so mächtig wie alte Burgtürme, ihre Wurzeln durchzogen die Erde wie die Adern der Welt. Wenn der Wind durch ihre Blätter strich, klang es wie das Flüstern von Stimmen – uralt, weise und voller Geheimnisse.

Zwischen den Wurzeln und im Schatten der Äste lebten die Eichlinge. Kleine Wesen, etwa so groß wie ein Eichhörnchen, mit rundem Leib und einer Kappe aus fester Rinde, die wie der Hut einer Eichel glänzte. Ihre Augen funkelten in den Farben des Waldes: moosgrün, bernsteinbraun, golden wie Herbstlaub. Sie huschten flink über die Äste, balancierten auf den Zweigen und krochen in die Ritzen der Rinde, als gehörten sie selbst zum Herzen der Bäume.

Wenn ein Schädling sich durch die Rinde fraß, waren die Eichlinge da. Sie trommelten mit winzigen Stäben auf den Stamm, flüsterten Lieder, die nur die Bäume verstanden, und strichen mit ihren kleinen Händen über die Wunden. Dann heilte die Rinde, die Blätter richteten sich auf, und neues Grün spross, wo eben noch Mattigkeit gewesen war.

Die Bäume vertrauten ihren Wächtern. Manchmal neigten sie die Äste, als wollten sie die kleinen Helfer behüten, manchmal rauschten sie so sanft, dass es wie ein Dankeschön klang. Und wenn die Nacht kam, öffneten sie ihre Kronen wie schützende Dächer, damit kein Eichling frieren musste.

So beschützten die Eichlinge seit Anbeginn der Zeit das Tal, und das Tal hütete sie im Gegenzug. Für Fremde aber blieb es unsichtbar. Wer sich in die Berge verirrte, fand den Eingang niemals. Die Magie führte ihn zurück, ließ ihn Kreise drehen, bis er müde aufgab. Nur jene, die die Sprache der Blätter kannten, durften den Weg finden.

Doch auch im verborgensten Tal braucht es einen Blick, der weiter reicht. Eine Fee mit Flügeln, die im Licht der Dämmerung schimmerten wie Reif auf Grashalmen, hielt seit ewigen Zeiten Wacht. Zara, die Zeitfee, Cousine von Trixi, war die Hüterin des Gleichgewichts. Unter ihrem Schutz hielten die Eichlinge das Tal gesund, und solange ihre Sanduhr im Einklang floss, blieben Zeit und Natur in Ordnung.

Aber manchmal, wenn die Nacht besonders still war und der Wind über die Berge strich, trug er ein Wispern hinaus in die Welt. Dann hörte man das Rauschen alter Eichen und das Lied der Eichlinge – ein Lied, das von Treue, von Hütern und von einer Zeit erzählte, die niemals zerbrechen durfte.

Kapitel 1: Tubius, der Störenfried

Das Tal der Eichlinge war an diesem Morgen besonders lebendig. Tauperlen funkelten auf den Grashalmen, Spinnennetze glitzerten wie feine Silberfäden im Licht, und hoch oben rauschten die uralten Eichen ihr endloses Lied. Zwischen den mächtigen Wurzeln wuselte es geschäftig: Eichlinge mit runden Bäuchen, glänzenden Eichelkappen und wachen Augen, die in allen Farben des Waldes leuchteten.

„Beeil dich, Pini!“, rief Mara, während sie flink einen Harztropfen aus der Rinde sammelte. „Der Sonnenstrahl hält nicht ewig, und nur dann fließt das Harz am besten.“

Pini, ein junger, etwas verträumter Eichling, kicherte. „Aber siehst du, wie schön das glitzert? Es ist fast wie ein Zauberlicht!“

Mara verdrehte die Augen, doch noch bevor sie antworten konnte, bebte der Boden leicht unter schweren Schritten. Da dröhnte eine Stimme, so laut, dass selbst die Vögel in den Zweigen verstummten:

„Platz da, Krümelkappen! Der Größte kommt!“

Einige Eichlinge sprangen erschrocken zur Seite. Andere duckten sich schnell hinter Farnblätter. Nur Mara blieb mutig stehen und verschränkte die Arme.

Und da kam er auch schon: Tubius.

Er war größer als jeder andere Eichling im Tal – so groß, dass man ihn fast mit einem jungen Strauch verwechseln konnte. Seine Eichelkappe glänzte, als hätte er sie jeden Morgen mit Baumharz poliert. Seine Brust schob er stolz nach vorn, und sein Grinsen war schief und bissig, wie ein Ast, der sich widerspenstig in alle Richtungen reckte.

„Na, habt ihr schon wieder nichts Besseres zu tun, als die Bäume zu kraulen?“, rief er und stapfte mitten durch die Harztropfen-Sammler. „Ha, ihr seid doch richtige Baumdoktoren!“

Pini blickte verlegen auf den Boden. „Wir … wir schützen die Bäume vor Schädlingen.“

Tubius beugte sich so tief hinunter, dass seine bernsteinfarbenen Augen gefährlich funkelten. „Vor Schädlingen? Pah! Ein paar Käferbisse machen die Bäume doch nicht schwach. Ihr seid nur zu dumm, um das zu verstehen.“

Ein Raunen ging durch die Eichlinge. Niemand mochte Tubius’ spöttischen Ton, doch kaum einer wagte, ihm zu widersprechen.

Nur Mara stellte sich ihm in den Weg. „Wenn wir nicht singen und heilen würden, wären die Blätter krank und die Zweige schwach. Die Eichen brauchen uns.“

Tubius verschränkte die Arme und grinste frech. „Ach ja? Vielleicht benötigen die Eichen gar keine Aufpasser. Vielleicht brauchen sie … einen richtigen Herrscher! Einen, der Stärke zeigt. Einen, wie mich!“ Tubius spürte, wie sein Herz schneller schlug. Endlich sahen alle nur ihn an … endlich die Aufmerksamkeit, nach der er sich gesehnt hatte.

Die Eichlinge hielten den Atem an. Tubius stellte sich auf eine hohe Wurzel, breitete die Arme aus und rief: „Seht her, ich bin Tubius, der Stärkste von allen! Ich könnte allein das ganze Tal beschützen – und ihr würdet endlich lernen, was Respekt bedeutet!“

Einige der jungen Eichlinge kicherten nervös. Einer flüsterte: „Er ist bestimmt verrückt!“ Ein anderer: „Aber … er ist schon ziemlich stark.“

Tubius hörte das Flüstern und verzog den Mund zu einem schiefen, überheblichen Grinsen. „Seht ihr? Sie wissen es längst! Ihr alle habt nur Angst, es zuzugeben.“

„Wir haben keine Angst“, sagte Mara, doch ihre Stimme war etwas leiser geworden. „Wir haben nur keine Lust auf dein Gepolter.“

„Keine Lust?“ Tubius tat empört. „Ich bin ein Sturm! Mich kann man nicht einfach ignorieren!“ Er stampfte so kräftig auf den Boden, dass die Harztropfen in Pinis Schale schwappten. „Eines Tages werde ich euch schon zeigen, dass ich der wahre Herrscher dieses Tals bin!“

Mit diesen Worten stapfte er davon, den Kopf hoch erhoben, der Saum seiner Moosjacke im Wind flatternd.

Die kleinen Eichlinge blieben zurück. „Eines Tages …“, murmelte Mara nachdenklich. „Wenn er so weitermacht, bringt er noch echtes Unglück.“

Und hoch oben in den Ästen rauschten die Blätter der Eichen – als hätten selbst die uralten Bäume ein banges Raunen über Tubius’ Worte gelegt.

Kapitel 2: Tubius und der Streit am Bach

Der Vormittag roch nach frischem Moos und warmem Holz. Zwischen den Wurzeln der großen Eichen sammelten sich Tautropfen, die vom Hang herab in den Klarbach fielen und leise plätscherten. Dort trafen sich die Eichlinge jeden Tag, um Heilwasser zu schöpfen: Tropfen für die Rinde, Spritzer für die Blätter, ein Schluck für die Stimme, damit die Lieder stark und klar klangen.

„Stellt euch schön in eine Reihe!“, rief Mara und stellte drei kleine Schalen aus Rindenholz auf den flachen Felsen. „Nicht drängeln. Der Bach ist für alle da.“

Pini balancierte eine leere Schale auf dem Kopf und versuchte, besonders wichtig auszusehen. „Ich bin heute der Wassermeister“, verkündete er stolz und wackelte dabei so sehr, dass die Schale zu rutschen begann.

„Vorsicht, Wassermeister“, kicherte Dorni, der schon knöcheltief im Bach stand. „Sonst wirst du gleich klatschnass.“

Pini streckte die Zunge raus. „Sehr witzig.“

Der Klarbach sang sein glucksendes Lied, und die Sonne malte helle Flecken auf das Wasser. Kleine Fische schossen wie silberne Striche an den Füßen der Eichlinge vorbei. Es war ruhig. Es war schön.

Doch die Ruhe hielt nicht lange. Schon polterte es wieder.

„Trommelt die Wurzeln, hier kommt die Verstärkung!“, dröhnte eine Stimme. Die Vögel in der Nähe machten sich eilig davon.

Tubius stapfte im Bach heran, als sei der Bach nur dafür da, ihm den Weg zu kühlen. Seine Eichelkappe glänzte, seine Schritte waren groß, und sein Grinsen war noch größer.

Mara seufzte leise. „Nicht jetzt schon wieder.“

Tubius blieb vor der Reihe stehen, stellte die Hände in die Hüften und musterte die Schalen. „Na, was für eine Riesenaufgabe. Wasser schöpfen. Und wer ist heute der Anführer? Ich nehme an –“ Er tippte sich auf die Brust. „– ich.“

„Du bist nie der Anführer“, sagte Dorni. „Chefs sind freundlich.“

Tubius beugte sich zu Dorni und flüsterte laut genug für alle: „Ich kann auch freundlich sein. Sehr freundlich. Vor allem, wenn alle tun, was ich sage.“

Pini hob unsicher die Hand. „Ich … ich bin heute der Wassermeister.“

Tubius blinzelte Pini an, dann die wackelige Schale auf dessen Kopf. Ein Mundwinkel zog sich hoch. „Wassermeister? Mit … Schalenhut?“ Er schnippte mit einem Finger gegen den Rand – ganz leicht –, und die Schale schlidderte Pini vom Kopf, direkt ins Wasser. Platsch!

Pini japste, sprang hinterher, rutschte über einen glitschigen Stein und landete auf dem Po. Das Wasser spritzte plitsch-platsch in alle Richtungen, und Pini prustete so, dass die anderen kichern mussten.

Ein paar der Eichlinge lachten – kurz, verlegen. Dann verstummten sie, als Mara Tubius einen Blick zuwarf.

„Heb ihn raus“, sagte sie ruhig.

Tubius tat überrascht. „Wen? Den Wassermeister? Der übt doch. Sitzt schon ganz gut.“

„Tubius“, warnte Mara.

Er hob beide Hände. „Schon gut, schon gut.“ Mit einem langen Schritt griff er Pini am Kragen und hob ihn so mühelos aus dem Bach, als wäre er ein kleines, durchnässtes Moospolster. Pini tropfte wie eine Wasserkanne.

„Danke“, murmelte Pini und versuchte, seine Füße zu trocknen.

Tubius stellte ihn ab und klopfte ihm – vielleicht ein wenig zu fest – auf die Schulter. „Siehst du? Nichts ist passiert. Nur Wasser. Das macht sauber. Man kann’s also als Hilfe sehen.“

Dorni trat vor. „Du hast ihn reingeschupst!“

„Quatsch“, sagte Tubius. „Der Bach hat ihn eingeladen. Ich hab’s nur beschleunigt.“

Mara stellte sich zwischen Tubius und die anderen. „Wir holen heute Heilwasser. Und niemand wird geschubst. Auch nicht mit dem Finger.“

Tubius zog die Augenbrauen hoch. „Heilwasser? Dann passt auf, was ihr einsammelt.“ Er deutete mit dem Kinn bachaufwärts. „Da hinten, wo der Schatten auf die Steine fällt, wächst Traumfarn. Der macht das Wasser müde. Wenn ihr den mit abschöpft, gähnen die Bäume beim Singen.“

„Traumfarn?“ Pini stellte sich auf die Zehenspitzen. „Wo denn?“

„Dort“, sagte Tubius, und sein Ton klang ernst, fast freundlich. „Zwei flache Steine, der linke hat eine Kerbe. Darunter hängt der Farn. Sieht harmlos aus, ist aber rutschig wie Schneckenschleim.“

Mara folgte seinem Blick. Tatsächlich schimmerte am Rand etwas Dunkelgrünes. „Gut gesehen.“

Tubius zuckte mit der Schulter, als sei es nichts. „Jemand muss einfach aufpassen.“

Für einen Moment war es still. Dann beugte sich Dorni vor und sagte: „Manchmal bist du gar nicht so übel, Tubius.“

Tubius’ Brust schwoll an wie ein Hefeteig, der zu schnell aufgeht. „Natürlich nicht. Ich könnte jederzeit der Anführer sein. Ich weiß Dinge, die ihr nicht mal ahnen könnt.“

Mara legte die Hände in die Hüften. „Ein Anführer sorgt dafür, dass alle sicher sind. Er prahlt nicht, er hilft.“

Tubius grinste breit. „Habe ich doch. Ohne mich würde der Wassermeister jetzt noch im Bach planschen.“

Pini schüttelte sich, tropfend, und nieste. „Hatschi!“ Feine Rinnsale liefen von seiner Eichelkappe, und die anderen kicherten wieder.

Tubius aber stand noch immer aufrecht, als gehöre ihm der ganze Bach. Er reckte das Kinn, sah über die Köpfe der anderen hinweg und murmelte: „Eines Tages … werde ich wirklich der Herrscher sein.“

Niemand hörte es, außer den Fischen, die erschrocken davonschossen.

Kapitel 3: Tubius’ heimlicher Plan

Die Nacht senkte sich über das Tal, und die riesigen Eichen rauschten im Abendwind wie uralte Wächter im heimlichen Gespräch. Zwischen ihren Wurzeln kuschelten sich die Eichlinge in Moosbetten, müde von der Arbeit des Tages. Vereinzelt hörte man ein Kichern, wenn einer noch eine Geschichte erzählte, oder ein Lied, das wie ein Schlaflied durch die Blätter schwebte.

Nur einer war noch wach. Tubius.

Er saß hoch oben auf einem Ast und starrte in den Himmel. Die Sterne funkelten, als wollten sie ihm zuzwinkern. Tubius verschränkte die Arme und knurrte in sich hinein. „Ha! Alle schnarchen, während ich Pläne mache. Genauso gehört sich das für einen zukünftigen Herrscher!“

Unter ihm raschelte es, und ein kleiner Eichling namens Tilla kletterte verschlafen aus ihrem Moosnest. „Tubius? Warum schläfst du nicht? Morgen früh brauchen wir alle Kraft.“ „Schlaf ist was für Schwächlinge“, zischte Tubius zurück. „Ein wahrer Anführer denkt auch nachts nach!“ Tilla gähnte und rieb sich die Augen. „Und … worüber?“

Tubius beugte sich hinunter, sein Gesicht halb im Schatten. „Darüber, wie lächerlich ihr alle seid. Jeden Tag huscht ihr herum, singt Lieder, zupft ein wenig Moos ab – und denkt, ihr seid Helden. Aber die Bäume brauchen mehr als Lieder. Sie brauchen jemanden, der stark ist. So stark wie ich.“ Tilla blinzelte verschlafen. „Die Bäume … mögen unsere Lieder.“

„Pah!“ Tubius’ Stimme klang hart wie das Knacken eines gebrochenen Astes. „Die Bäume wollen Macht. Und ich werde sie ihnen geben – indem ich über euch herrsche.“

Tilla erschrak, rutschte fast vom Ast und stammelte: „Du … du meinst das nicht ernst?“ Ein kaltes Funkeln huschte über Tubius’ Lippen. „Doch. Sehr ernst. Und wenn du klug bist, hältst du lieber den Mund.“ Tilla schluckte, kletterte hastig zurück in ihr Nest und wickelte sich in ihr Mooskissen ein. Noch lange konnte sie nicht schlafen.

Später in der Nacht schlich Tubius allein durch das Tal. Der Mond stand wie eine silberne Schale über den Bergen, und sein Licht ließ die Rinde der Eichen wie runzlige alte Gesichter aussehen. Tubius blieb vor einer jungen Eiche stehen. Ihre Blätter hingen müde, ein kleiner Pilz hatte sich am Stamm festgesetzt. Tubius lachte leise. „Na, perfekt. Ein kleiner Fleck, und schon sehen die anderen aus wie Trottel. Morgen früh werde ich der Einzige sein, der das Problem bemerkt.“ Mit einem spitzen Stöckchen stupste er den Pilz vorsichtig, sodass er noch gefährlicher aussah. „So. Jetzt wird jeder sehen, dass nur Tubius die Bäume wirklich retten kann.“

---ENDE DER LESEPROBE---