Neue Ideen für die Porträtfotografie - Jamari Lior - E-Book

Neue Ideen für die Porträtfotografie E-Book

Jamari Lior

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Beschreibung

Das Kraftpaket für alle, die Menschen kreativ und inhaltlich interessant in Szene setzen möchten: Zahlreiche Workshops mit vielen Bildern und Tipps sorgen für frische Ideen und das nötige Wissen: Was muss ich bei der Location-Auswahl beachten? Wie nutze ich optimal das Licht? Wie führe ich mein Model? Welche Kostüme und Requisiten kann ich einsetzen, um Botschaften zu vermitteln? Der perfekte Ratgeber für Hobby- und fortgeschrittene Fotografen, deren Herz für die Porträtfotografie schlägt. Alles Wichtige im Blick: Themen-Ideen, Set- und Bildaufbau, Arbeiten mit dem Model und vieles mehr.

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INHALT

Grundlagen

Die Hauptdarstellerin – Ihr Model

Das Beste aus der Kamera herausholen

Licht ins Dunkel

Auf zum Shooting

Nach dem Shooting ist vor der Bearbeitung

Fotoworkshops

Orientfantasie

Das Thema: Der Orient

Das Kostüm: Bellydance und Bollywood

Die Requisite: Kissen, Teppiche, Tücher

Das Make-up: „Dekofläche“ Gesicht

Das Casting: Je nach Bildaussage

Das Licht: Von Kerzen bis Baustrahler

Die Bearbeitung: Finetuning

Akt in der Natur

Das Thema: Nacktheit

Die Location: Passende Natur

Das Kostüm: „Restoutfit“

Das Posing: Harmonisch

Die Bearbeitung: Farbspiele

Ausflug ins Schloss

Das Thema: Im Schloss

Die Location: Wie finde ich ein Schloss?

Das Kostüm: Kein Karneval!

Das Licht: Flächig

Die Bearbeitung: Make it „Marie Antoinette“

Farbklecks

Das Thema: Splash-Shooting

Die Requisite: Material und Reihenfolge

Die Location: Die Perspektive

Heidegöttinnen

Das Thema: Heidelandschaft

Die Location: Die passende Umgebung

Das Make-up: „Heidesprossen“

Das Kostüm: Göttlich

Die Bearbeitung: Bunter oder schlichter

Beflügelnde Bücher

Das Thema: Büchervariationen

Das Shooting 1: Bücher und Türen

Das Shooting 2: Buchseiten und Regale

Das Shooting 3: Fall and Fly

Life is a cabaret

Das Thema: Stripclub

Die Location: Dunkel und nüchtern

Die Requisite: Tanzstange und Torte

Das Kostüm: Dessous und Tutus

Die Bearbeitung: Mehr Glamour

Die Kleinsten ganz groß

Das Thema: Kinder

Das Shooting 1: Neugeborene

Das Shooting 2: Babys

Das Shooting 3: Kleinkinder

Vom ersten Klick bis zur Variation

Das Thema: Die Blumenkriegerin

Die Location: Stoffhintergrund

Das Make-up: Body-Contouring

Das Kostüm: Plus Tücher

She got balls

Das Thema: Bällebad

Die Location: Schuhe aus

Das Kostüm: Leggins und Bodys

Das Licht: Keine Ballschatten!

Das Posing: Bequem im Bad

Die Bearbeitung: Alles bleibt rund

Im Urlaub

Das Thema: Urlaub

Das Casting: Wer kommt mit?

Das Kostüm: Aus Rot wird Blau oder Grün

Die Location: Wo genau?

Lehm und Staub

Das Thema: Naturverbundenheit

Das Kostüm: Von matschig bis rissig

Das Posing: „Embryonal“

Die Requisite: Äste, Knochen, Leinen

Die Bearbeitung: Staubige Überlagerungen

Licht und Schatten

Das Thema: Zeichnen mit Licht

Das Kostüm: Erfreulich wenig

Das Licht: Sonne oder Lampe?

Die Requisite: Schattenelemente

Die Bildbearbeitung: Kontraste verstärken

Kleine Ballerinas

Das Thema: Ballettstunde

Die Location: Die richtige Schule

Das Kostüm: Tutus und Trikots

Das Casting: „Kooperationsballerinas“

Nymphen und Nixen

Das Thema: Wasserfrauen

Die Location: Von romantisch bis karg

Das Kostüm: Robust

Vergangenheit live

Das Thema: Lost Places

Die Location: Graffiti und Stuck

Das Casting: Exploration mit Model

Das Licht: Kein Blitz

Das Kostüm: Barockkleid oder Latex

Die Bearbeitung: Aging

Cherry, Chérie!

Das Thema: Kirschblüte

Die Location: Kirschbaum-Casting

Das Kostüm: Pastell oder Akzent?

Die Bearbeitung: Noch mehr Flair

Treppauf, treppab

Das Thema: Treppenhäuser

Die Location: Dreidimensional

Füllig und schön

Das Thema: Mehr Gewicht

Das Kostüm: Schwer zu finden

Das Posing: Erhaben oder zusammengerollt

Die Bearbeitung: Verflüssigen?

Lichtgestalt

Das Thema: Projektionen

Das Licht: Von Dia bis Gobo

Das Kostüm: Integration

Die Bearbeitung: Pixelbeseitigung

Raus auf die Straße!

Das Thema: Der öffentliche Raum

Die Location: Elegant bis schmuddelig

Die Requisite: Tasche, Skateboard & Co.

Das Kostüm: In jedem Kleiderschrank

Das Licht: Flexibel

Die Bearbeitung: Sparsam

Danksagung

GRUNDLAGEN

Menschen vor der Kamera – vielfältiger geht es kaum: Mal posieren Modelle in opulenten Kostümen, mal ausgefallen-modern gestylt oder ganz schlicht, mal vor Schlössern, in der Natur, im Wasserbassin oder im Bällebad. Auch unterwegs in der Stadt oder im Urlaub finden Sie wundervolle Motive für die inszenierte Menschenfotografie – die Welt wird zur Kulisse und Inspiration!

Sie haben sich also für ein sehr weites und spannendes Feld entschieden. Mit den Workshops in diesem Buch möchte ich Ihnen unterschiedliche Themen, verbunden mit unterschiedlichen Locations, Sets, Kostümen, Requisiten, Posings und unterschiedlichen Bedeutungen näherbringen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der inszenierten Fotografie, das heißt, Sie müssen nicht auf Situationen warten, sondern kreieren sie einfach selbst. Bevor es losgeht, folgt hier eine mikroskopisch kurze Einführung in die Modelfotografie für alle, die sich darin noch nicht zuhause fühlen.

Die Hauptdarstellerin – Ihr Model

Eine Freundin oder Verwandte (meist handelt es sich bei Fotomodellen um Frauen) eignet sich optimal dazu, erste Erfahrungen in der inszenierten Menschenfotografie zu sammeln und Sicherheit zu gewinnen. Auch Fotoworkshops helfen und vermitteln Ihnen Bekanntschaften zu routinierten Fotomodellen. Mit ein paar vorzeigbaren Bildern finden Sie über Internetforen, z. B. über die Modelkartei, die Fotocommunity oder entsprechende Gruppen auf Facebook Ihre Modelle. Ob und wie kostspielig es wird, entscheidet der Markt: Je gefragter das Model ist, desto mehr Ansprüche kann sie stellen. Eine häufige Regelung ist TFP – Time for Pictures. Bei dieser Variante fließt kein Geld in Richtung Model oder Fotograf. Beide investieren ihre Zeit für gute Bildergebnisse. Je nach Bildthema kommen eventuell Kosten für Visagistik, Fahrt, Locationmiete u. a. hinzu.

Viele Modelle achten sehr auf ihren Körper, ernähren sich gut und treiben Sport, verbringen Stunden im Auto oder im Zug, um zum Shooting zu gelangen, müssen dann in der Maske lange stillsitzen und beim Shooting unangenehme Posings halten. Respekt!

Mehr als nur hübsch aussehen – Fotomodeln kann ziemlich anstrengend sein

Das Beste aus der Kamera herausholen

Nun zu den fotografischen Grundlagen, ein Themenbereich, den ich nur kurz streifen werde, da Sie sicher schon Erfahrungen im Umgang mit Ihrer Kamera gesammelt haben. Dabei ist es besonders wichtig, das Zusammenspiel der Faktoren „Belichtungszeit“, „Blende“ und „ISO“ zu kennen. Diese drei Faktoren helfen dabei, genügend Licht auf den Chip zu bekommen. Sie sollten versuchen, sie eigenständig zu regeln und nicht dem Automatikmodus zu überlassen – nur so können Sie Ihre Bilder selbst gestalten.

Die Belichtungszeit

Die Belichtungszeit bestimmt, wie lange die Kamera Licht hineinlässt – je länger, desto heller wird das Bild. Allerdings bedeutet dieses „länger“ auch, dass es leichter zu Verwacklungen kommen kann. Fotografieren Sie einen sich bewegenden Menschen, ist das natürlich besonders schnell passiert. Hier benötigen Sie je nach Bewegung Belichtungszeiten kürzer als 1/250 s. Aber auch statisch posierende Menschen können verwackeln: Völlig regungslos kann niemand verharren, und Sie selbst werden die Kamera, sofern diese nicht auf einem Stativ befestigt ist, auch nicht lange unbeweglich halten können – allein das Drücken auf den Auslöser bewirkt schon eine Erschütterung.

Kameras oder Objektive mit Verwacklungsschutz sind im Vorteil, aber auch damit ist es oft schwierig, mit Belichtungszeiten von länger als 1/50 s ein scharfes Bild zu erzielen. Dabei kommt es auch auf die Brennweite an: Je näher Sie herangezoomt haben, desto kürzer sollten Sie belichten.

Die Blende

Die Blende meint die Größe der Objektivöffnung – je offener, desto mehr Licht gelangt auf den Chip. Offene Blenden sind mit niedrigen Blendenwerten bezeichnet, geschlossene mit hohen. Eine Blende von f/1.2 z. B. ist eine sehr offene Blende. Offene Blenden bewirken aber auch eine größere Tiefenunschärfe. Das ist von Vorteil, wenn Sie den Fokus exakt auf ein Auge legen möchten und alles andere sukzessive in der Unschärfe versinken soll. Möchten Sie aber ein rundum scharfes Bild oder haben Sie nicht die Möglichkeit, ganz exakt zu fokussieren, sollte die Blende eher geschlossen sein.

Der ISO-Wert

Der dritte Faktor „ISO“ bezeichnet die Empfindlichkeit gegenüber Licht: Je höher die ISO-Zahl, desto empfindlicher. Hohe ISO-Werte resultieren aber auch in stärkerem Bildrauschen. Je nach Kamera fängt das Rauschen ab ISO 640, 800 oder 1000 an, im Bild deutlich zu werden. Das Rauschen kann als gestalterisches Element verstanden werden, es kann aber auch stören.

Die Brennweite

Geringe Brennweiten, z. B. 20 mm, ergeben eine weitwinklige Optik, um die 50 mm spricht man von einer Normalbrennweite, der Begriff „Tele“ kennzeichnet größere Brennweiten. Bei geringer Aufnahmedistanz zeigen weitwinklige Brennweiten eine perspektivische Verzerrung. Außerdem besitzen sie einen großen Schärfentiefebereich und ein geringes Verwacklungsrisiko, sodass sie sich z. B. für lichtarme Sets wie in der Urbex-Fotografie eignen. Im Telebereich wirken Objekte in unterschiedlichen Entfernungen näher aneinandergerückt. Die Schärfentiefe ist deutlich vermindert, was ebenfalls künstlerisch genutzt werden kann, zum Beispiel bei eng geschnittenen Porträts.

Sie können festbrennweitige oder Zoomobjektive erwerben. Festbrennweiten zeichnen sich oft durch eine besonders gute Schärfeleistung und die Möglichkeit besonders offener Blenden aus, Zoomobjektive hingegen sind in vielen Kontexten praktischer.

Bei recht offener Blende und Fokus auf das vordere Model wird das hintere unscharf abgebildet

Der RAW-Modus

Neben diesen drei Faktoren gibt es noch eine Möglichkeit, zu Fotos zu gelangen, die hell genug sind: Fotografieren Sie im RAW-Modus. Damit haben Sie später einen recht großen Korrekturspielraum. Auch können Sie durch den RAW-Modus Bilder mit sehr hohem Kontrastumfang retten, Bilder, in denen sehr helle und sehr dunkle Bereiche bestehen, die zum „Ausfressen“ tendieren, das heißt, keine Zeichnung mehr besitzen.

Das Bild „Sonnenflecken“ zeigt, wie der RAW-Modus bei Sonnenflecken, einer schwierigen Lichtsituation, mit doppelter Entwicklung dabei hilft, überall Zeichnung bestehen zu lassen und keine völlig weißen oder schwarzen Bereiche im Bild zu haben.

Sonnenflecken – eine schwierige Lichtsituation

Licht ins Dunkel

Die meisten Workshops in diesem Buch benötigen keine besondere Lichtanlage. Für viele Themen sind Dauerlichter aber sinnvoll, das sind z. B. Neonröhren oder starke Energiesparlampen. Es empfiehlt sich eine Positionierung der Lampe von oben, oberhalb des Gesichts. Das entspricht unseren Wahrnehmungsgewohnheiten, denn auch die Sonne kommt von oben, nicht von unten. Von allzu weit oben ergeben sich allerdings ungünstige Nasenschatten – ein langer Schatten bis in die Lippen –, und auch die Augen versinken dann leicht in dunklen Augenhöhlen. Den meisten Gesichtern steht ein Winkel um die 45 Grad am besten. Ganz frontales Licht, wie es der kamerainterne Blitz kreiert, oder Licht von unten ist hingegen selten vorteilhaft.

Licht von schräg oben steht den allermeisten Menschen

Manche Lichtquellen bieten ein sehr gelbes Licht, so z. B. Baustrahler oder Kerzen. Das muss Ihrem Bild nicht zum Nachteil gereichen und lässt sich mittels des Weißabgleichs an der Kamera oder in der RAW-Entwicklung auch anpassen. Einfacher ist es aber meist, neutrale Lichter zu nutzen. Auch die Härte des Lichts spielt eine Rolle: Wenn Sie exakte Schatten möchten, benötigen Sie sehr hartes Licht wie etwa strahlendes Sonnenlicht zur Mittagszeit. Für viele inszenierte Themen ist hartes Licht eher unvorteilhaft und diffuses Licht, wie an einem bewölkten Tag, optimal.

Eine Blitzanlage bietet den Vorteil, in jeder Available-Light-Situation mit kurzen Belichtungszeiten, niedriger ISO und geschlossener Blende arbeiten zu können. Sie benötigen mindestens einen Studioblitz mit Blitzstativ und dem gewünschten Lichtformer, ggf. eine Kabeltrommel sowie eine Möglichkeit der Kommunikation zwischen Blitz und Kamera. Hierfür kommt ein Kabel infrage, angenehmer ist aber ein Infrarot- oder Funkset. Lichtformer gestalten das Licht – machen es z. B. diffus oder besonders hart, lassen nur einen engen Lichtstrahl durch oder bieten eine flächige Ausleuchtung. Für weiches Licht eignen sich Softboxen. Reflektoraufsätze gestalten hartes Licht, Spots enge Lichtkegel.

Ein Tipp: Wenn Sie eine Blitzanlage kaufen möchten, zeigen Sie dem Händler Fotos mit Lichtsetzungen, die Ihnen gefallen – er kann dann die passenden Lichtformer heraussuchen.

Es gibt übrigens auch akkubetriebene Blitzanlagen – die damit verbundene Flexibilität hat aber auch ihren Preis.

Auf zum Shooting

Sprechen Sie vor dem Shooting mit allen Beteiligten ab, was geplant ist: Was ist das Thema, wo geht es hin, was muss das Model mitbringen, gibt es eine Visagistin, ist eine Bezahlung oder ein Unkostenbeitrag vonseiten des Models oder des Fotografen vorgesehen?

Wenn Sie Beispielbilder finden, stellen diese oft eine gute Planungsgrundlage dar. Wichtig ist auch der Modelvertrag, der festhält, dass die Bilder von den beteiligten Parteien genutzt werden dürfen bzw. welche Art der Nutzung ausgeschlossen ist (z. B. pornografische oder rassistische Kontexte), wie viele Fotos das Model erhält, wer die Bilder bearbeiten darf u. a.

Die Ausrichtung zählt: Schaut das Model nach rechts, wirkt es zukunftsgewandt, gespiegelt trägt es eine melancholischere Note. Diese unterschiedliche Interpretation hängt mit unserer Leserichtung zusammen

Die Umgangsweise mit dem Model während des Shootings variiert sehr – manch ein Fotograf lobt unentwegt, ein anderer fast nie, mancher gibt viele Anweisungen, ein anderer verlässt sich auf die Erfahrung des Models. Finden Sie den Weg, der zu Ihnen passt. Vor allem, wenn Sie Akt- oder Dessousbilder fotografieren, sollten Sie allzu viel Enthusiasmus vermeiden – das wirkt unprofessionell und führt eher dazu, dass sich das Model unsicher oder unwohl fühlt. Versuchen Sie, sich in die Rolle des Models zu versetzen – wann dürfte eine Pose sehr anstrengend werden? Wann ist es zu kalt? Manchmal sorgen schon einfache Zutaten wie ein Bademantel oder eine Decke dafür, das Shooting sehr viel angenehmer zu gestalten. Unsere Tipps und Listen in den einzelnen Workshops helfen Ihnen dabei, stets das Wichtigste im Gepäck zu haben.

Nach dem Shooting ist vor der Bearbeitung

Die meisten hier vorgestellten Themen benötigen nicht zwingend eine umfassende Bildbearbeitung. In vielen Fällen ist eine gute Retusche aber durchaus ein Pluspunkt. Mein Workflow sieht folgendermaßen aus:

• Entwicklung der RAW-Bilder in Lightroom, Anpassung der Belichtung, des Kontrasts und des Weißabgleichs, ggf. Bildschnitt

• Verflüssigen in Photoshop – Anpassung der Figur des Models

• Ggf. Farbaustausche (z. B. über die selektive Farbkorrektur)

• Dodge and Burn – Aufhellen und Abdunkeln, wo nötig

• Hautretusche, u. a. mit dem Ausbessern-Werkzeug

• Anpassen aller Farben und Kontraste

• ggf. Ebenenüberlagerung, Montage, Einfügen von Text

Wie diese Schritte konkret in Programmen wie Photoshop oder Affinity funktionieren, erfahren Sie in zahlreichen, häufig kostenlosen Tutorials, etwa auf YouTube oder bei Workshopevents.

Generell gilt: Je besser die Vorbereitung, Locationauswahl, Requisite und je passender das Model, desto weniger Bildbearbeitung ist nötig.

FOTOWORKSHOPS

In den folgenden Workshops können Sie kreative Ideen für eigene Bilder entwickeln. Lassen Sie sich von meinen Fotos ganz unterschiedlicher Sujets inspirieren, um dann Ihre eigenen Ideen umzusetzen.

Menschenfotografie, deren Bedeutung man mit „schönes Gesicht“ zusammenfassen kann, empfindet man rasch als langweilig. Ich möchte Ihnen Tipps geben, inhaltlich stärkere Themen umzusetzen. Das kann zwar ein wenig schwieriger sein, macht aber letztlich mehr Spaß – denn hier sind Sie als Fotograf mehr gefragt. Es geht nicht nur darum, ein möglichst hübsches Mädchen und eine tolle Visagistin zu finden, sondern sich auch mit einem Thema auseinanderzusetzen und ihm eine eigene Interpretation zu geben.

Die Zutatenliste „Das gehört dazu“ fasst ganz kompakt zusammen, was Sie für das jeweilige Shooting an Bord haben sollten. Die Workshops sind meist so gegliedert, dass sie zunächst erläutern, was ein bestimmtes Thema so spannend macht. Das ist nicht nur für fortgeschrittene Fotografen interessant, die mit dem Gedanken an eine Ausstellung o. Ä. spielen, sondern soll Ihnen auch dabei helfen, ein Gespür für geeignete Themen mit „Mehrwert“ zu entwickeln.

Nach der Vorstellung des Themas folgen Ratschläge zur Umsetzung, wie Sie eine passende Location finden, welche Kostüme Sie benötigen, worauf Sie bei der Modelauswahl achten müssen, was die Requisite verlangt, wie Sie mit Licht umgehen und welche Bearbeitungstricks es gibt.

Die Reihenfolge und die Gewichtung der Punkte sind dabei verschieden, da die Themen jeweils Unterschiedliches nahelegen. All das ist natürlich nicht in Stein gemeißelt, und oft bestehen noch ganz andere Alternativen, sich dem jeweiligen Thema zu nähern.

Nun wünsche ich Ihnen viel Freude beim Lesen und bei Ihren Fotoshootings! Sollte ich Sie inspirieren, freue ich mich sehr über eine Mail. Zögern Sie auch nicht, mir entstehende Fragen und gerne auch Bildergebnisse an [email protected] zu schicken.

Orientfantasie

Ferne, exotische Welten – Abwesendes ist gerne Thema in der inszenierten Menschenfotografie. Das Fremde beflügelt unsere Träume. Aber warum ist es gerade der Orient, der derzeit so gefragt ist? Und wie zaubert man ein schönes Orient-Shooting?

„Drumherum“ – ein Set aus Tüchern genügt. Wichtig: das gelbe Licht, das aus dem Hintergrund strahlt und dem Model eine Art Nimbus verleiht Blende f/3.2, Belichtungszeit 1/125 s, ISO 250

Das Thema: Der Orient

Bevor wir über Orientfotos nachdenken – was ist das eigentlich, der „Orient“, das Morgenland? Zunächst ist der Begriff schon sehr relativ – denn wo die Sonne auf- und untergeht, hängt vom Standpunkt des Beobachters ab. Auch gibt es keine geografischen Grenzen: Man kann nicht sagen, Ägypten und die Türkei gehören dazu, Afghanistan hingegen nicht. Der Orient ist ein mentales Konstrukt, ein uralter Projektionsraum für nostalgische Fantasien von edlen Kriegern und schönen Haremsdamen. Was macht diese Fantasie so attraktiv?

Ursprünglichkeit

Die imaginierte Lebensweise – Beduinenzelte und Paläste in warmer, wilder Natur, ursprüngliche Materialien, Handstickerei statt Maschinenarbeit – wirkt viel naturnäher als unser typischer Alltag. Natur ist in unserem kulturellen Kontext positiv besetzt, naturnahes Leben ist vielleicht nichts, was man für sich selbst dauerhaft erstrebt, so ganz ohne den gewohnten Luxus, aber als Gedankenexperiment oder kurze Auszeit sehr beliebt.

Klare Strukturen

Der westliche Betrachter stellt sich ein Leben vor, das von Ritualen geprägt ist, von festen Gruppen und damit einhergehend einer gewissen Sicherheit. Auch das mögen viele in ihrem Alltag vermissen – Beziehungen und Freundschaften sind nicht für die Ewigkeit bestimmt, der Arbeitsplatz, die Wohnung, all das ist stetiger Veränderung unterworfen und schafft kaum psychologische Sicherheit. Den mangelnden Sinn suchen wir oft in Ritualen und Zeichen, und die Vorstellungen der fremden, magisch aufgeladenen Welten aus „1001 Nacht“ bieten uns hier eine perfekte Projektionsfläche, auch wenn sie mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun haben.

Erotik

Wenn man an orientalische Frauen denkt, schwingen oft Haremsfantasien mit. Vor dem geistigen Augen erscheinen erotische Frauen, kurvig statt total durchtrainiert, wie es westliche Fitnessstudios propagieren, in opulent-femininen Gewändern anders als die Hose-Blazer- oder Jeans-T-Shirt-Kombinationen, die Frauen hierzulande im Alltag tragen. In der Orientfantasie darf die Frau erotisch sein, obwohl oder gerade weil sie Rundungen besitzt, sie darf übermäßig geschminkt und mit Schmuck behangen sein – das gehört dazu. Feminität darf zelebriert werden.

Das Andere – das Eigene

Schließlich bietet der Orient noch etwas ganz anderes: Über den kleinen Ausflug in diese völlig andere Welt gelingt es, das Eigene zu definieren. In der Fantasiewelt des Orients findet man das Gegenstück zum eigenen Leben – dort stellt man es sich mystisch vor, traditionell, wie in alten Zeiten, denn hier sind wir modern und aufgeklärt. Der „Orient“ besticht durch Opulenz, Ornamente und Farbenfreude, hier ist das Leben geprägt von klaren Linien, schlichten Formen und meist eher gedeckten Farben. „Ohne Alterität keine Identität“, ohne Anderes kein Eigenes – diese ethnologische Tatsache spielt auch hier hinein. Nur in der Abgrenzung zu etwas anderem kann man das Eigene definieren, nur so erkennt man, was einen selbst ausmacht.

Der Literaturkritiker Edward Said prägte 1978 den Begriff „Orientalismus“, mit dem er die eurozentrische Sichtweise auf den sogenannten Orient bezeichnet: Einerseits verklärt sie den Orient, andererseits definiert sie ihn als Gegenstück zu sich selbst und stellt sich als überlegen dar. Das resultiert in einem kolonialistisch geprägten, exotischen und auch rassistischen Bild des „Orients“.

Nun verwundert noch ein Aspekt: Warum dient ausgerechnet der Orient als Projektionsraum, wo von ihm doch spätestens seit der sogenannten Flüchtlingskrise ein ganz anderes Bild medial präsent ist?

Schon lange inspiriert der Orient westliche Träume: So gesehen lassen sich solche Fantasien auch in einem Schloss inszenieren

Vielleicht gelingt es einfach, die Traumwelt im Kopf parallel zu halten. Vielleicht ist der Fantasie-Orient längst abgekoppelt von einem realen Vorbild … überlassen wir es an dieser Stelle den Kulturanthropologen, darüber weiter nachzudenken, und beginnen, ein Shooting zu diesem assoziationsreichen Thema zu planen.

Manchmal ist nicht viel Requisite nötig: Hier kamen am Model vor allem goldene Ketten zum Einsatz

Das Kostüm: Bellydance und Bollywood

Sie werden feststellen, dass das Thema Orient einige Besonderheiten aufweist, die es gut fotografierbar machen. Zunächst existieren schöne orientalische Kostüme, die Sie unter dem Stichwort „Bauchtanz“ oder „Bellydance“ im Internet finden. Günstige Kostüme werden zwar keinen Tanzprofi beeindrucken, aber wirken auf Fotos recht ansprechend, vor allem, wenn Sie sie mit schönen Tüchern und Schmuck kombinieren. Alles in allem werden Sie hier preislich weit unter der Anschaffung eines halbwegs attraktiv aussehenden Barockkleids bleiben.