Newsfluence! - Mandy Schamber - E-Book

Newsfluence! E-Book

Mandy Schamber

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Beschreibung

Facebook bleibt. Tiktok wächst, und Threads kommt. Der Wille und die Kompetenz, diese Kanäle erfolgreich mit journalistischen Inhalten zu bespielen, fehlen aber zum Teil immer noch. Datenschutzaffären, Desinformationen und Hate Speech, aber auch knappe Ressourcen und Wissenslücken hemmen die journalistische Euphorie dabei zu newsfluencen! Doch die Nutzer der Plattformen brauchen verlässliche Nachrichten, um die Welt besser zu verstehen und mitgestalten zu können. Und Journalisten wiederum brauchen ein neues Publikum, weil ihre Medien an Relevanzschwund leiden. Hier setzt das E-Book "Newsfluence!" als Motivationscoach und Impulsgeber an und zeigt journalistisch Arbeitenden, warum sich newsfluencen lohnt und wie es funktioniert. Praktische Streifzüge in die Themen Personal Branding, Community Management, Formatentwicklung und Vermarktung sowie Interviews mit Medienprofis motivieren zu mehr Sichtbarkeit und sinnstiftendem Austausch mit Leser:innen in sozialen Medien. Mit diesem Buch gibt Social-Media-Profi Mandy Schamber Medienschaffenden nützliche Werkzeuge zur Professionalisierung ihrer Social-Media-Kommunikation an die Hand, so dass sich schnell Reichweiten auf Tiktok, Instagram, Linkedin, Facebook und zukünftigen Plattformen aufbauen lassen. Neue Leser:innen werden erschlossen, und der Meinungsbildungsprozess im Social Web wird durch anspruchsvolle Berichterstattung erfolgreich demokratisiert. Das Buch hilft Medienschaffenden, auf sinkende Druckauflagen und Reichweiteneinbußen im Web und Radio zu reagieren und neue Kommunikationskanäle zu erobern.

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Seitenzahl: 138

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Mandy Schamber

Newsfluence!

Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.de abrufbar.

ISBN 978-3-86641-518-8

© 2023 Deutscher Fachverlag GmbH, Frankfurt am Main

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Bearbeitungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Redaktionsschluss: Juli 2023

Lektorat: Sabine Rock, Frankfurt am Main

Umschlag: Rainer Stenzel, Frankfurt am Main

Foto der Autorin: Katrin Binner Fotografie, Frankfurt am Main

Layout und Satz: Publikations Atelier, Dreieich

Mandy Schamber

Newsfluence!

Ein Ratgeber für erfolgreichen Journalismus im Social Web

Inhalt

Titel

Vorwort

1 Probieren Sie Neues!

Testen Sie neue Social-Media-Plattformen!

► Gut zu wissen

Nutzen Sie mehr Funktionen!

► Gut zu wissen

Nutzen der verschiedenen Beitragsarten auf Instagram:

► Gut zu wissen

Entwickeln Sie neue Formate!

Tipps für Ihre ersten Formate:

Welche Schritte Publisher für ein gut gemachtes Tiktok gehen müssen und wie Facebook für Themenrecherchen nützlich wird: ein Gespräch mit Olaf Kolbrück, Wirtschaftsjournalist und Ressortleiter von „LZ direkt“, dem PoS-Magazin der „Lebensmittel Zeitung“.

Wie Medienhäuser mit Formatentwicklung junge Menschen erreichen und welche Plattformen angesagt sind: ein Gespräch mit Maike Penzek, Head of Content ZDF, von „Funk“ über Programmentwicklung für das Content-Netzwerk von ARD und ZDF.

2 Führen Sie Community Management ein!

Reagieren Sie!

Umgang mit Social-Media-Beiträgen

► Gut zu wissen

Aufgaben im Community Management:

Aktivieren Sie!

Vorteile von aktivem Community Management

► Gut zu wissen

Managen Sie Ihre Community-Building-Aufgaben!

► Gut zu wissen

Welche Hilfsmittel professionelles Community Management erleichtern und wie Medienschaffende konstruktiv mit Paywall-Kritik umgehen: ein Gespräch mit der Redakteurin Bianca Wilkens vom Hamburger Fachmagazin „fvw|Travel Talk“, eine Medienmarke der dfv Mediengruppe.

Warum Journalismus endlich in Beziehungspflege investieren sollte und wie Community Building messbar wird: ein Gespräch mit Tom Klein, Koordinator für Community Management beim Hessischen Rundfunk.

3 Personalisieren Sie Ihre Kommunikation!

Zeigen Sie sich!

Vorteile von Selfies:

► Gut zu wissen

Teilen Sie mehr mit!

► Gut zu wissen

Kommunikationsanlässe für einen persönlicheren Social-Media-Journalismus:

Vermarkten Sie sich!

► Gut zu wissen

Warum Journalismus von Personal Branding profitiert und wie Linkedin Recherchen erleichtern kann: ein Gespräch mit Miriam Hebben, Ressortleiterin des Journals bei der „Lebensmittel Zeitung“.

Warum wird Social Media wichtiger und wieso dürfen Shitstorms Journalist:innen nicht zum Schweigen bringen? Ein Gespräch mit Multimedia-Reporterin und Klimajournalistin Louisa Schneider.

4 Finanzieren Sie sich!

Verkaufen Sie Social-Media-Werbung!

Vorteile von Social-Media-Werbung:

► Gut zu wissen

Berechnung des TKP:

Finanzieren Sie sich über Ihre Leser:innen!

► Gut zu wissen

Verkaufen Sie Fanartikel!

► Gut zu wissen

Tipps für erfolgreichen Merchandise-Verkauf:

Wie Instagram hilft, die Zielgruppe zu erweitern, und Briefings und Reportings Kundenzufriedenheit fördern: ein Gespräch mit Constanze von Treuenfeld, Digital-Sales-Management für das Branchenmagazin des Modehandels „Textilwirtschaft“.

Warum Content Creators wichtig für den Vermarktungserfolg eines Tiktok-Accounts sind und Mediabudget hilft, die Reichweite von Beiträgen zu stabilisieren: ein Gespräch mit Yannic Lipp, Head of Brand Management für das Verbraucherportal „Chip | Burda Forward“.

Ein Wort zum Schluss

Die Autorin

Quellen und Anmerkungen

Orientierungspunkte

Cover

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

In Workshops werde ich immer wieder gefragt, ob Facebook unser Freund oder Feind ist. In solchen Fällen versuche ich es gerne mit einer Gegenfrage: Ist denn Google unser Freund oder Feind? Was mich zu der eigentlich zentralen Frage bringt: Kann Journalismus es sich heutzutage überhaupt leisten, nicht in sozialen Medien aktiv zu sein?

Ich glaube: nein. Bleiben wir offline, findet die Party ohne uns statt. Uns entgeht der neueste Gossip, wir können weder mit kritischer Aufklärung punkten noch das höchst spannende Treiben auf Tiktok und Co unter die Lupe nehmen. Allein auf Facebook waren 2022 fast drei Milliarden User monatlich aktiv. Auf der totgesagten Plattform ist also noch ganz schön was los!

Und auch auf Tiktok, Instagram und Linkedin ist unsere Anwesenheit gefragt und nötig. Die Plattformen, die reich an Geschichten sind, helfen uns auch, für unsere Geschichten Abnehmer:innen zu finden! Denn auf unsere Printprodukte können wir uns nicht mehr verlassen. Papierpreise explodieren, Werbeerlöse schrumpfen und beuteln das Zeitungs- und Magazingeschäft. Die überregionale Tageszeitung „Welt“ gibt es bald nicht mehr als Printversion, und auch Gruner + Jahr wird einige seiner Magazine einstellen oder nur noch online veröffentlichen.

Doch das Web allein ist kein verlässlicher Traffic-Bringer: Neben einer professionellen SEO-Strategie braucht es Mediabudget, um regelmäßig Sichtbarkeit in den höchsten Rängen des Netzes zu ergattern. Erschwerend kommt hinzu, dass Teenies nicht einmal mehr googeln, sondern tiktoken. Möchte Journalismus weiter existieren, braucht er mehr Leser:innen und muss sich einem jüngeren Publikum öffnen.

Seit Corona und Klimakrise schmücken sich auch Influencer gern mit unseren Federn und berichten an eine Schar von Millionen Followern – meinungsstark und aktivierend, doch nicht immer mit sicheren Belegen: In einem virtuellen Veranstaltungsformat des Medienverbands der freien Presse e.V. (MVFP) in Kooperation mit Meta wurde eine einflussreiche Influencerin im Sommer 2021 vom Publikum gefragt, wie sie sich die Zusammenarbeit mit Medien vorstelle. Sie antwortete sinngemäß, dass Journalist:innen ihr die Recherchen zur Verfügung stellen sollten und sie freie Hand bei der Darstellung der Inhalte wolle. Auf die Frage, wie lange sie für ihre Recherchen brauche, schätzte sie den Zeitaufwand pro Beitrag auf circa zwei Stunden ein. Das hinterließ bei mir den Eindruck, dass sie mehr Zeit in ihre Außendarstellung als in die Prüfung ihrer Inhalte steckte, und ich fragte mich: Wollen wir das? Wollen wir unsere Distribution an Menschen abgeben, die Meinung von Fakten nicht abgrenzen (können)? Die mehr Raum im Bild einnehmen als die vermittelten Nachrichten?

Möchte Journalismus wettbewerbsfähig bleiben, sollte er seine Distribution allein managen, sich auf allen relevanten sozialen Medien eigenständig Reichweite aufbauen und diese sorgsam pflegen. In diesem Buch zeige ich Ihnen, wie das geht, und hole mir dabei Unterstützung von Profis aus unserer Branche. Sie werden lesen, wie Publikums- und Fachmedien neue Kanäle wie zum Beispiel Tiktok erobern, wie Sie mit Followern für eine crossmediale „Leserblattbindung“ auch in Kommentarspalten ins Gespräch kommen, wie Sie sich auf Events zeigen und mit Social Media sogar Geld verdienen.

Vor Ihnen liegt ein Motivationscoach, kein klassisches Social-Media-Handbuch. Wir arbeiten an Ihrer Einstellung und nicht an Ihrem Wissen um Algorithmen, Hashtags oder Bildauflösungen. Dazu wurde schon viel geschrieben und wird weiter viel geschrieben werden, weil sich diese Dinge ständig ändern.

Wir nutzen in diesem Buch Ihre wenige Zeit, um zu erklären, warum Fachjournalist Olaf Kolbrück seine Zielgruppe eher über Tiktok als über Facebook erreicht, oder warum die Chefredakteurin des „Harvard Business Manager“, Antonia Götsch, sich nicht allein auf die Performance der Fanpages des Magazins verlässt, sondern zusätzlich als Markenbotschafterin auf die Inhalte ihres Mediums aufmerksam macht. Wir schauen uns an, wie neue Medienmarken, zum Beispiel das „Strive Magazine“, über Linkedin und Instagram Abonnements verkaufen, und Journalistinnen wie Clare Devlin und Eva Schulz auf eine Geschichte mit Social-Media-freundlichem Storytelling aufmerksam machen.

Die hier geschilderten Erfahrungen basieren überwiegend auf einer guten Quelle: Als Host des „Horizont“-Podcasts Newsfluence!, der sich mit Fragen des Qualitätsjournalismus in sozialen Medien beschäftigt, konnte ich gemeinsam mit meinen Kolleg:innen Eva-Maria Schmidt (Chefredakteurin „Horizont“), Bärbel Unckrich (Ressortleiterin Kreation „Horizont“) und Dr. Uwe Vorkötter (Herausgeber „Horizont“) zwischen März und Dezember 2022 zwanzig spannende Interviews mit Medienprofis wie Tom Klein, Kemi Fatoba, Clare Devlin und Andreas Rickmann führen. Als Social Media Lead Manager bei der dfv Mediengruppe konnte ich darüber hinaus die Ängste und Bedürfnisse vieler Journalist:innen aus nächster Nähe kennenlernen und managen: In den letzten drei Jahren habe ich über 100 Redakteur:innen in unterschiedlichen Rollen von der Chefredaktion bis zum Volontariat in Community Management, Formatentwicklung, Storytelling und Social-Ad-Preisgestaltung trainiert und dabei das Thema Social-Media-Journalismus perspektivenreich inhaliert. Meine Erfahrungen und die unserer Podcastgäste teile ich in Form vieler Praxisbeispiele, Bilder und Zitate mit Ihnen.

Das Buch ist so aufgeteilt: Wir schauen uns an, warum es sich lohnt, in sozialen Medien viel auszuprobieren (Kapitel 1), zu kommunizieren (Kapitel 2), zu personalisieren (Kapitel 3) und all diese Anstrengungen durch Werbung, Abonnementverkäufe und sogar Merchandise zu refinanzieren (Kapitel 4). Jedes Kapitel startet mit Statements aus dem Newsfluence!-Podcast und endet mit Interviews mit Journalist:innen, die ihre Erfahrungen rund um Personal Branding, Vermarktung und Storytelling teilen. Sie möchten Sie – Ihre Kolleg:innen – dazu ermutigen, Ihre Sicht auf Social-Media-Journalismus grundsätzlich zu verändern, damit Sie Ihren Journalismus laut und sichtbar verteidigen und neue Wege in der Berichterstattung und Kontaktaufnahme mit Ihrem Publikum gehen können.

1 Probieren Sie Neues!

Social Media demokratisiert den Nachrichtenkonsum. Von überall und zu jeder Zeit können Menschen darauf zugreifen und sich über die Welt informieren. Doch es gibt nicht nur die eine Nachrichtenquelle. Fast 20 Jahre, nachdem Facebook das Internet um die Dimension „User Generated Content“ erweitert hat, gibt es mehrere Player auf dem Markt, die mit verschiedenen Nutzungsszenarien locken.

Wir schauen uns deshalb in diesem Kapitel an, welche Plattformen für Ihren Journalismus interessant sein können, welche attraktiven Beitragsformen es neben Link-Postings gibt, wie andere Medienhäuser oder Journalist:innen ihre Themen durch feste Formate strukturieren, und wir überlegen, wo Ihre Zielgruppe steckt und welches Informationsbedürfnis sie hat.

Diese Impulse werden Ihnen helfen, Ihre jetzige Social-Media-Kommunikation zu hinterfragen und zu verbessern. Denn Sie müssen Plattformen wie Facebook nicht bedingungslos die Treue halten, wenn auf diesem Kanal Ihre Beitragsreichweite stetig sinkt und Follower dort nur noch meckern und schlechte Stimmung verbreiten. Sie können auch Ihre Posting-Gewohnheiten hinterfragen, neue Beitragsarten ausprobieren und schauen, welche zu Ihren Themen besser passen. Sogar Ihre Zielgruppe können Sie auf den Prüfstand stellen! Erreichen Sie diese wirklich? Wenn nicht, wo ist Ihr Publikum, wie wird es auf Sie aufmerksam und mit welchen Themen möchte es angesprochen werden?

Am Ende des Kapitels geben Ihnen die Interviews mit den Medienprofis Meike Penzek, Head of Content ZDF, und Olaf Kolbrück, Wirtschaftsjournalist und Ressortleiter von „LZ direkt“, Anhaltspunkte, wie Sie durch neue Kanäle und Formate Ihre Zielgruppe erfolgreich vergrößern können.

Nach diesem Kapitel trauen Sie sich, die App Tiktok zu öffnen, Kurzvideos zu produzieren, auf Instagram eine aufwendige Recherche reichhaltig durch ein Karussell zu bebildern und durch verschiedene Einstiege mehrmals zu publizieren.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

„Teaser und Links zu weiterführenden Beiträgen sind ein No-Go! Wir müssen überlegen, wie wir für die Plattformen einzigartigen Content erstellen.“

(Clare Devlin, Newsfluence!, 28.03.2022)

Testen Sie neue Social-Media-Plattformen!

Auf Facebook und auch auf Instagram ist es schwer, organisch, ohne Einsatz von Mediabudget, nur mit Bild- und Link-Postings Reichweite aufzubauen. Wenn Sie Glück haben, sehen ein paar Follower Ihre Beiträge. Nicht-Abonnent:innen beziehungsweise Fremde sehen Ihre Postings überhaupt nicht. Sie haben also kaum eine Chance, mit neuen Usern Kontakt herzustellen. Sie bleiben in Ihrem Dunstkreis und sogar ihr Stammpublikum nimmt aufgrund der immer selektiver werdenden Algorithmen selten Ihre Geschichten wahr. Wollen Sie Reichweite, wollen Sie, dass Ihre Beiträge auch von Unbekannten wahrgenommen werden, müssen Sie sich a) Reichweite kaufen oder b) Neuland betreten und andere Social-Media-Kanäle ausprobieren.

Der Vorteil neuer Kanäle ist, dass Sie schnell ein großes Publikum erreichen, weil die Algorithmen Ihre Beitragsreichweite kaum drosseln. Die neuen Kanäle sind im Anfangsstadium ihrer Existenz auf Sie angewiesen und wollen, dass Sie kommen und bleiben. Deshalb werden Sie nicht vergrault, sondern vielmehr durch schnelles Followerwachstum und attraktive Beitragsreichweiten an die Plattformen gebunden. Erst wenn Sie und weitere Milliarden User regelmäßig vorbeischauen und länger verweilen, stellen die Plattformen den Algorithmus um und schränken Reichweiten ein. Ab diesem Zeitpunkt ist es sinnvoll, ein Auge auf andere Netzwerke zu werfen und regelmäßig zu prüfen, wer sich dort aufhält und ob darunter potenzielle neue Leser:innen sind. Wenn das der Fall ist, werden Sie aktiv: Eröffnen Sie ein Profil, posten Sie und bauen Sie sich schnell ein neues Publikum auf!

Reichlich Reichweite gibt es auf der chinesischen Kurzvideo-Plattform Tiktok umsonst. In der App können Sie schnell und ohne Anzeigen ein großes Publikum erreichen. Noch! Die 2016 unter dem Namen „Douyin“ ins Leben gerufene App des chinesischen Technologieunternehmens ByteDance Ltd., die 2018 mit der Tanzvideo-Plattform Musical.ly zur Marke Tiktok fusionierte, hat keinen Social Graph1, sondern einen Content-Fokus. Das bedeutet, jedes Video kann viral gehen und Millionen Menschen erreichen – unabhängig von der Anzahl der Follower. Denn im Fokus steht nicht der Newsfeed, sondern der Discover-Bereich, die sogenannte „For You! Page“. Diese Seite bekommen Sie angezeigt, wenn Sie die App öffnen. Sofort wird Ihnen das erste Kurzvideo eingeblendet und nach diesem lückenlos das nächste. Gefällt Ihnen das Video nicht, schieben Sie es mit dem Zeigefinger weg und zack, bekommen Sie ein alternatives Tiktok vorgeschlagen und ausgespielt. Durch diesen Mechanismus kommen Sie mit neuen Profilen in Kontakt und können ohne große Suchaktivitäten trendende Themen und unbekannte Profile entdecken.

Auf der Plattform Instagram müssen sich User dagegen selbst auf die Suche nach neuen Accounts machen. Sie verlassen den Newsfeed, wählen den Discover-Bereich aus und bekommen erst dann frische Profile angezeigt.2 Dieser eine Klick mehr macht in Zeiten immer geringer werdender Aufmerksamkeitsspannen einen großen Unterschied und sollte nicht unterschätzt werden!

Auch ein Blick auf die Anzahl der Downloads, der aktiven Nutzenden und auf die Nutzungsdauer zeigt, wie attraktiv ein Profil auf Tiktok ist. Bis 2020 wurde die App mehr als zwei Milliarden Mal heruntergeladen und seit 2021 erreicht sie nach Unternehmensangaben monatlich ein aktives Milliardenpublikum, das durchschnittlich 52 Minuten Zeit am Tag in der App verbringt.3 Sie sehen, auf Tiktok ist es momentan leichter als anderswo, Newsfluencer zu werden. Hier brauchen Sie als Publisher keine große Followerschaft, sondern vor allem guten Content für Sichtbarkeit und einflussreiche Berichterstattung.

► Gut zu wissen

Probieren Sie Tiktok aus! Ich verspreche Ihnen, Sie werden nicht nur Tanzvideos auf der Plattform finden. Sie werden auch Juristen wie @derAnwalt antreffen, der User verständlich und unterhaltsam über ihre Rechte aufklärt, oder die erfolgreich vermittelnden Lehrkräfte wie @mathemitnick sowie @dein_Sprachcoach. Sogar Politik findet auf der Plattform statt: @Nini_erklärt_politik klärt beispielsweise über Alltagsrassismus oder Hass im Netz auf. Und die Funke Zentralredaktion hilft Usern mit dem Account @funke, mitunter die Parteilandschaft hierzulande zu verstehen und gut informiert wählen zu gehen.

Bereits Ende Februar 2022 ermöglichte Tiktok es Journalist:innen, Betroffenen und Rezipient:innen, sich über den russischen Angriffskrieg in der Ukraine zu informieren und sich einen Eindruck von der dortigen Situation zu verschaffen. Haley Joelle Ott von CBS News und Matthew Cassel von Vice News waren vor Ort und berichteten live über das Kriegsgeschehen.

Inspiration: Klimajournalistin Louisa Schneider und die Pro-Sieben-Reporterin Lea Z. Freist nutzten Tiktok im Januar 2023, um auf die Folgen des Braunkohle-Abbaus in Lützerath durch den Energieversorgungskonzern RWE sowie auf die Auflösung der dort stattfindenden Demonstrationen aufmerksam zu machen:

Tiktok von Louisa Schneider4

Es lohnt sich auch, die Businessplattform Linkedin von Microsoft für Ihre Berichterstattung in Betracht zu ziehen. Dieses soziale Netzwerk aus den USA hat sich in den letzten Jahren von einer digitalen Visitenkarte zu einem umtriebigen Austauschort von und für Professionals gemausert. Hier werden seit der Coronapandemie neben Jobs verstärkt auch News und Debatten gesucht.

Obwohl Linkedin mit Blick auf sein Gründungsdatum (2002) ein alter Hase zu sein scheint, entwickelt sich die Plattform ständig funktional weiter und ermöglicht Personen- und Unternehmensprofilen organisch attraktive Reichweiten. Hier können Sie genauso wie auf Tiktok mit gutem Content punkten und müssen die Reichweiten Ihrer Postings noch nicht durch Anzeigen pushen.

Der Algorithmus hat zudem sympathische Züge. Erstens ist er nicht gierig und zweitens ein treues Gewohnheitstier. Er kann Ihre guten Postings mehrere Wochen auf die Reise durch das Netzwerk schicken und fordert von Ihnen nicht mehrmals täglich wie zum Beispiel Instagram die Veröffentlichung von neuen Beiträgen und Storys. Dadurch sammeln Ihre Personenprofil-Postings nach der Veröffentlichung länger Reaktionen, Kommentare und Impressionen ein und können das Informationsbedürfnis Ihrer Zielgruppe stillen.

Hinzu kommt, dass der Algorithmus Routinen belohnt. Wenn er erkennt, dass Sie wöchentlich einmal oder dreimal, immer an gleichen Tagen zur gleichen Zeit posten, wertschätzt er Ihre Kontinuität mit gleichbleibenden Reichweiten. Sie können sich dann darauf verlassen, dass alle Ihre Beiträge ähnlich hohe Impressionen erzielen. Das ist nicht der Fall, wenn Sie wochenlang nichts posten und auf einmal montagsmorgens von Ihren guten Vorsätzen heimgesucht werden, aktiver auf Linkedin zu sein. Solche Aktiönchen ignoriert der Algorithmus und bestraft sie mit Unsichtbarkeit. Machen Sie lieber „wenig regelmäßig“ als „viel selten“, denn sonst müssen Sie an der Tür des Algorithmus kratzen und immer wieder eine Beziehung mit ihm aufbauen.5

Für Journalist:innen, vor allem von Fachmedien, ist Linkedin auch deshalb ein nützliches Medium, weil das Netzwerk eine eigene Redaktion hat und täglich in der Rubrik „Linked­in News“ die wichtigsten Themen des Tages bündelt und seinen Mitgliedern kompakt in einem weiteren Newsfeed zur Verfügung stellt. Das Netzwerk eignet sich somit auch für Ihre Recherchen.

Beispiel für Linkedin-News6