Noah weiß eine Lösung - Silva Werneburg - E-Book

Noah weiß eine Lösung E-Book

Silva Werneburg

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Beschreibung

Die Familie ist ein Hort der Liebe, Geborgenheit und Zärtlichkeit. Wir alle sehnen uns nach diesem Flucht- und Orientierungspunkt, der unsere persönliche Welt zusammenhält und schön macht. Das wichtigste Bindeglied der Familie ist Mami. In diesen herzenswarmen Romanen wird davon mit meisterhafter Einfühlung erzählt. Die Romanreihe Mami setzt einen unerschütterlichen Wert der Liebe, begeistert die Menschen und lässt sie in unruhigen Zeiten Mut und Hoffnung schöpfen. Kinderglück und Elternfreuden sind durch nichts auf der Welt zu ersetzen. Genau davon kündet Mami. Leise schlosss Noah Bruckner die Tür hinter sich, nachdem er das Haus betreten hatte, stellte seinen Schulranzen lautlos ab und schlich in die Küche. Das Klappern des Geschirrs deutete darauf hin, dass seine Mutter in der Küche mit der Vorbereitung des Mittagessens beschäftigt war. »Hallo, Mama, da bin ich wieder«, begrüßte der Zehnjährige seine Mutter mit gedämpfter Stimme und gab Sara Bruckner, die sich lächelnd zu ihm hinabbeugte, einen Kuss auf die Wange. »Na, wie war es in der Schule?«, erkundigte Sara sich. »Hattest du einen schweren Tag, oder war es eher einer von den schönen?« »Ach, heute war eigentlich alles in Ordnung. Unser Englischlehrer hat uns zwar eine Menge Hausaufgaben aufgebrummt, aber das ist auch schon alles. Die Aufgaben schaffe ich leicht. Englisch ist schließlich mein Lieblingsfach. Ist Bruno schon da?« Noch immer sprach der Junge betont leise und wies bei seiner Frage zur Tür, die in die kleine Diele führte, an die sich das Wohnzimmer anschloss. Offensichtlich hatte Noah nicht leise genug gesprochen. Jedenfalls hatte der Mann, der in diesem Augenblick im Türrahmen erschien, die Frage verstanden. »Ja, ich bin schon da«, erklärte er. »Du weißt doch, dass ich jeden Tag pünktlich zum Mittagessen erscheine. Aber wie oft soll ich dir noch sagen, dass du mich nicht Bruno nennen sollst. Ich bin nicht einer deiner Klassenkameraden.

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Seitenzahl: 122

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Mami – 2113 –Noah weiß eine Lösung

Wenn seine Mama Frankas Papa heiratet …

Silva Werneburg

Leise schlosss Noah Bruckner die Tür hinter sich, nachdem er das Haus betreten hatte, stellte seinen Schulranzen lautlos ab und schlich in die Küche. Das Klappern des Geschirrs deutete darauf hin, dass seine Mutter in der Küche mit der Vorbereitung des Mittagessens beschäftigt war.

»Hallo, Mama, da bin ich wieder«, begrüßte der Zehnjährige seine Mutter mit gedämpfter Stimme und gab Sara Bruckner, die sich lächelnd zu ihm hinabbeugte, einen Kuss auf die Wange.

»Na, wie war es in der Schule?«, erkundigte Sara sich.

»Hattest du einen schweren Tag, oder war es eher einer von den schönen?«

»Ach, heute war eigentlich alles in Ordnung. Unser Englischlehrer hat uns zwar eine Menge Hausaufgaben aufgebrummt, aber das ist auch schon alles. Die Aufgaben schaffe ich leicht. Englisch ist schließlich mein Lieblingsfach. Ist Bruno schon da?«

Noch immer sprach der Junge betont leise und wies bei seiner Frage zur Tür, die in die kleine Diele führte, an die sich das Wohnzimmer anschloss. Offensichtlich hatte Noah nicht leise genug gesprochen. Jedenfalls hatte der Mann, der in diesem Augenblick im Türrahmen erschien, die Frage verstanden.

»Ja, ich bin schon da«, erklärte er. »Du weißt doch, dass ich jeden Tag pünktlich zum Mittagessen erscheine. Aber wie oft soll ich dir noch sagen, dass du mich nicht Bruno nennen sollst. Ich bin nicht einer deiner Klassenkameraden. Für dich bin ich Onkel Bruno.«

Der Zehnjährige schüttelte entschieden den Kopf. »Nein, das mache ich nicht. Stimmt, du bist nicht mein Klassenkamerad. Aber du bist auch nicht mein Onkel. Deshalb nenne ich dich auch nicht so. Du bist nur Mamas Freund und heißt Bruno. Einen Onkel habe ich überhaupt nicht.«

»Nun streitet nicht schon wieder«, bat Sara und blickte ihren Freund an. »Es ist doch nicht so wichtig, ob Noah dich Bruno oder Onkel Bruno nennt. Sein Onkel bist du ja nun wirklich nicht.« Die junge Frau wandte sich an den Jungen. »Du solltest jetzt deinen Ranzen in dein Zimmer bringen und danach ins Bad gehen und dir die Hände waschen. In zehn Minuten steht das Mittagessen auf dem Tisch.«

Folgsam verließ Noah die Küche. Es war ihm recht, nicht mit Bruno Assmann in einem Raum sein zu müssen. Als er wenig später im Bad war, dachte er über seine Situation nach. Bis vor kurzer Zeit war eigentlich alles in Ordnung gewesen. Gut, seinen Vater hatte Noah schon früh verloren. Er war vor etwas mehr als acht Jahren bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen, und der Junge erinnerte sich gar nicht mehr an ihn. Lange Jahre hatte Noah mit seiner Mutter zufrieden in dem kleinen bescheidenen Einfamilienhaus gewohnt. Es war ein schon sehr altes, aber gepflegtes Haus. Sara arbeitete als Krankenschwester, und wenn ihre Dienstzeiten ungünstig lagen, hatte sich immer eine nette ältere Nachbarin um den Jungen gekümmert. Im Grunde genommen war alles in Ordnung gewesen.

Vor etwa zwei Jahren allerdings hatte Sara den Gebrauchtwagenhändler Bruno Assmann kennen gelernt. Voller Argwohn hatte Noah beobachtet, wie sich die Beziehung zwischen seiner Mutter und diesem Mann vertiefte. Er mochte Bruno nicht und spürte instinktiv, dass man ihm nicht trauen konnte. Sara hingegen hatte die Liebe blind gemacht. Vor einem halben Jahr war sie jedenfalls sofort bereit gewesen, Bruno in einer schwierigen Situation zu helfen. Er brauchte ein beachtliches Darlehen, mit dem er seinen Auto?handel ausbauen wollte. Selbst konnte er keine Sicherheiten bieten, die der Bank ausreichten. Also hatte Sara für Brunos Schulden gebürgt und damit praktisch ihr kleines Haus verpfändet. Ein paar Wochen später war sie arbeitslos geworden. Die Klinik, in der sie beschäftigt gewesen war, hatte Sparpläne beschlossen, die zahlreiche Angestellte den Job gekostet hatte. Seitdem hielt Sara sich als privat arbeitende Krankenschwester über Wasser. Sie übernahm hier und dort Pflegediens?te und arbeitete als Nachtwache bei pflegebedürftigen oder schwer erkrankten Leuten im privaten Umfeld. Mit dem Verdienst kamen sie und Noah einigermaßen zurecht, und es bestand ja die Hoffnung, irgendwann wieder als fest angestellte Krankenschwester arbeiten zu können.

Wirklich schlimm war für Noah die Tatsache, dass Bruno Assmann vor ein paar Wochen ganz zu seiner Mutter und ihm gezogen war. Sara hielt die ablehnende Haltung ihres Sohnes für eine vorübergehende Phase von Eifersucht. Aber das war es nicht. Noah konnte Bruno nicht ausstehen. Er fühlte, dass dieser Mann nur Leid über seine Mutter und ihn bringen würde. Aber er hatte keine Möglichkeit, Bruno zu vertreiben.

Deshalb verlegte Noah sich darauf, ihm offen zu zeigen, dass er ihn nicht mochte. Doch das schien Bruno nicht zu interessieren. Mitunter schien er darüber sogar amüsiert zu sein. Wie sich diese Sache weiterhin entwickeln würde, konnte der Junge nicht sagen. Er spürte nur, dass Unheil auf ihn zukam.

Der Junge seufzte hörbar auf, als er sein Gesicht im Badezimmerspiegel betrachtete. Er trauerte der Zeit nach, als er noch mit seiner Mutter allein gewesen war. Da war alles besser gewesen. Aber leider war nicht damit zu rechnen, dass Bruno Assmann in absehbarer Zeit wieder ausziehen würde. Noah verließ das Bad und wanderte in Richtung Küche. Das gemeinsame Mittagessen mit dem Freund seiner Mutter musste er ertragen. Das gehörte zur täglichen Gewohnheit. Zum Glück kehrte Bruno nach dem Mittagessen in seinen Autohandel zurück, und dann war die Welt für Noah wieder in Ordnung.

*

Seit dem letzten Sommer besuchte Noah das Gymnasium. Er war ein guter Schüler, der keine Probleme hatte. Auch mit seinen Klassenkameraden kam er gut aus. Seit Tagen freute er sich schon auf den geplanten Tagesausflug, den der Klassenlehrer Herr Linke mit seinen Schülern unternehmen wollte. Die Kinder hatten großen Spaß an dem Besuch in einem Tierpark, dem ein kleiner Freizeitpark angeschlossen war. Ein gemieteter Bus, der die Schulkinder anschließend wieder nach Hause bringen sollte, wartete auf einem Parkplatz, der etwa hundert Meter vom Eingang des Tierparks entfernt war.

Einige Kinder, darunter auch Noah, hatten an einem Kiosk kleine bunte Plastikvögel gekauft, die mit einem Gummiband in die Luft geschossen werden konnten und durch ihre Drehflügel in einiger Entfernung sanft wieder landeten. Auf dem Weg zum Bus probierten die Kinder ihre neue Errungenschaft aus. Noah zog sein Gummiband besonders straff. Er wollte seinen Vogel einen besonders weiten Weg fliegen lassen. Das gelang ihm auch. Das rote Vögelchen mit den gelben Flügeln schoss in die Höhe, schwebte zwischen zwei Baumkronen hindurch über eine dichte Hecke und landete irgendwo dahinter.

»Dann sieh nur zu, dass du dein neues Spielzeug schnell findest und einsammelst«, meinte Herr Linke. »Der Bus und die anderen Kinder wollen nicht zu lange auf dich warten. Da hinten ist eine Lücke in der Hecke. Ich glaube, da passt du durch.«

Noah lief los. Die Lücke in der Hecke war tatsächlich breit genug für ihn. Gleich hinter dieser Hecke lag ein schmaler Pfad. Irgendwo hier in der Nähe musste der Plastikvogel gelandet sein. Der Zehnjährige entdeckte das auffällig rote Spielzeug auch sofort im grünen Gras. Aber er erspähte noch etwas. An einem der kleinen Bäume, die den Pfad begrenzten, war ein Hund angebunden. Weit und breit schien kein Mensch zu sein, dem dieser Hund gehören konnte.

»Was machst du denn hier so ganz allein?«, fragte Noah und ging auf den Hund zu, der freundlich wedelte. »Wer hat dich denn hier angebunden?«

Der mittelgroße Hund mit dem schwarzen flauschigen Fell und dem weißen Brustlatz gab auf diese Frage keine Antwort. Er freute sich offensichtlich nur darüber, dass er von Noah angesprochen wurde. Dem Jungen fiel ein Zettel auf, der sich an dem schon reichlich abgenutzten Halsband befand. Er las den kurzen Text und wollte kaum glauben, was auf diesem Zettel stand.

»Ausgesetzt! Nimm mich mit. Ich bin eine Hündin und ein Jahr alt«, murmelte Noah erschüttert und spürte, wie ihm die Tränen in die Augen traten. »Wie kann nur jemand so gemein sein?«, fragte er und streichelte der Hündin den Kopf. »Keine Sorge, ich lasse dich nicht allein. Du kommst mit mir nach Hause. Herr Linke wird auch nicht wollen, dass ich dich hier einfach im Stich lasse.«

Der Junge band den Hund los

und ging mit ihm zum Parkplatz. Der Klassenlehrer staunte nicht schlecht, als sein Schüler nicht nur mit dem roten Plastikvogel, sondern auch noch mit einem Hund erschien.

»Was hast du denn da für einen Fund gemacht? Du wirst doch nicht etwa einen Hund geklaut haben?«

Während die Hündin von Noahs Klassenkameraden umringt und gestreichelt wurde, erklärte der Junge seinem Lehrer, wie er zu dem Tier gekommen war, und reichte Herrn Linke den Zettel.

»Die Leute, denen Lana gehört hat, wollen sie nicht mehr haben. Ich finde es ganz gemein, sie einfach auszusetzen. Sie hätte verhungern oder verdursten können. Zum Glück habe ich sie gefunden und möchte sie mit nach Hause nehmen. Wir können sie nicht einfach sich selbst überlassen. Lana braucht doch jemanden, der sich um sie kümmert.«

»Das stimmt«, bestätigte der Lehrer. »Allerdings weiß ich nicht, ob deine Mutter damit einverstanden ist, dass du den Hund mitbringst. Aber das musst du selbst mit ihr klären. Woher weißt du eigentlich, dass diese Hündin Lana heißt? Auf dem Zettel steht kein Name.«

»Ich weiß nicht, wie sie früher hieß«, gestand Noah. »Der Name ist mir eingefallen, als ich sie losgebunden habe und mit ihr hergekommen bin. Ich habe irgendwann einmal ein Buch gelesen. Darin kam auch ein Hund vor. Es gab sogar ein Bild von ihm, und er sah so ähnlich aus wie dieser hier und hieß Lana. Deshalb werde ich die Hündin Lana nennen.«

Herr Linke hatte nichts dagegen, dass Lana mit in den Bus stieg und ihn und seine Schüler auf der Heimfahrt begleitete. Der Busfahrer war ebenfalls einverstanden, und Noahs Klassenkameraden brauchte man gar nicht erst zu fragen. Sie waren von dem zusätzlichen Fahrgast begeistert und eiferten darum, die Hündin streicheln und sich mit ihr beschäftigen zu können. Lana selbst fühlte sich angesichts der intensiven Zuneigung offensichtlich sehr wohl. Sie reichte zahlreichen Kindern die Pfote und zeigte sich überaus freundlich. Für die belegten Brote, die einige Schüler zwar mit auf den Ausflug genommen, dann aber doch nicht gegessen hatten, war sie dankbar. Herr Linke sorgte dafür, dass die Hündin unterwegs auch Wasser bekam. Er war ein Tierfreund, besaß selbst einen Hund zu Hause und zeigte mit der ausgesetzten Lana großes Mitgefühl. Auch er konnte nicht begreifen, dass es Menschen gab, die sich nicht scheuten, einen Hund einfach auszusetzen und seinem Schicksal zu überlassen. Jetzt hoffte er, dass Noahs Mutter bereit war, die Hündin in die Familie aufzunehmen. Die freundliche Lana hatte es verdient, in gute und verantwortungsvolle Hände zu kommen.

Noah zweifelte nicht eine Sekunde daran, dass seine Mutter mit dem neuen Familienmitglied einverstanden war. Als Kind hatte sie selbst einen Hund gehabt, einen Mischling aus Pudel und Spitz. Von diesem Hund mit dem Namen Charly hatte sie Noah sehr viel erzählt, und immer hatten ihre Augen geleuchtet, wenn sie sich an Charly erinnerte. Nein, sie würde Lana auf gar keinen Fall verstoßen. Der Junge war davon überzeugt, dass seine Mutter die ausgesetzte und heimatlose Lana mit offenen Armen empfangen und in die Familie aufnehmen würde.

*

Der Bus hatte die Kinder bis zum Schulhof gebracht. Wie seine Klassenkameraden, machte Noah sich auch von dort auf den Heimweg. Sara war gerade damit beschäftigt, die Wäsche zu bügeln, als sie ihren Sohn kommen hörte. Sofort schaltete sie das Bügeleisen aus und eilte ihm entgegen, um ihn zu begrüßen und ihn zu fragen, was er an diesem Tag alles erlebt hatte. Sie staunte nicht schlecht, als nicht nur Noah, sondern auch ein mittelgroßer schwarzer Hund in der Diele auf sie zueilten. Automatisch strich sie der Hündin über das Fall, als diese sie mit ihrer feuchten Nase freundlich anstieß.

»Ja, wer bist du denn?«, fragte Sara und schaute anschließend ihren Sohn an. »Wo hast du denn diesen Hund her? Gehört er einem deiner Mitschüler?«

Noah schüttelte den Kopf. »Nein, Lana gehört niemandem. Das heißt, eigentlich gehört sie jetzt uns. Ich habe sie nämlich gefunden.«

In allen Einzelheiten berichtete der Junge, wie er zu der Hündin gekommen war, und verzichtete nicht darauf, die ganze Angelegenheit noch ein bisschen auszuschmücken und zu dramatisieren.

»Die arme Lana hat keinen Menschen auf dieser Welt«, meinte er dann. »Sie ist ganz allein. Das soll aber nicht so bleiben. Sie braucht eine richtige Familie. Wir können sie nicht einfach in irgendein Tierheim bringen. Ich möchte sie gerne behalten. Platz haben wir genug. Ich werde auch immer gut für Lana sorgen. Bitte, Mama, sage nicht, dass sie nicht bei uns bleiben kann.«

Lana hatte sich inzwischen hingesetzt, schaute Sara aufmerksam an und reichte ihr die Pfote. Instinktiv schien sie zu spüren, dass ihr weiteres Schicksal von der Frau abhing, die dort vor ihr stand. Sara ging in die Hocke, lächelte die Hündin an und ergriff die dargereichte Pfote.

»Du kleine Schmeichlerin. Offensichtlich weißt du ganz genau, was man tun muss, um das Herz eines Menschen zu erobern. Aber bei mir rennst du damit offene Türen ein. Ich mag Hunde sowieso, und du bist ein besonders netter. Weißt du was? Die Leute, die dich gedankenlos weggeworfen haben, haben dich überhaupt nicht verdient. Es ist gut, dass du nicht mehr bei ihnen bist. Ich könnte es nicht übers Herz bringen, dich in einem Tierheim abzugeben. Du bist nicht mehr heimatlos, Lana. Ab jetzt gehörst du zu uns. Was meinst du denn selbst dazu? Willst du bei uns bleiben?«

»Wuff!«, erwiderte Lana. Mehr konnte sie dazu nicht sgen. Saras Frage hatte sie ohnehin nicht verstanden. Sie spürte nur, dass da ein Mensch war, dem sie vertrauen konnte, und das schien sie glücklich zu machen.

Noah fiel seiner Mutter um den Hals. »Danke, Mama! Ich wusste, dass du Lana nicht verstoßen wirst. Jetzt brauchen wir aber eine ganze Menge Sachen. Lana muss einen Futter- und Wassernapf haben, ein schönes Halsband und eine Leine, einen Korb mit Kissen, in dem sie schlafen kann, ein paar Spielsachen und …!«

»Langsam, mein Sohn«, unterbrach Sara ihn. »Lana wird alles bekommen, was ein Hund benötigt. Aber heute ist es schon zu spät, um diese Sachen einzukaufen. Ich koche gleich Reis mit Fleisch für unsere neue Freundin. Zwei alte Schüsseln habe ich auch noch im Schrank. Für ihre erste Nacht in diesem Haus bekommt Lana eine dicke, bequeme Decke. Morgen fahren wir beide, das heißt, wir drei dann los und kaufen alle nötigen Dinge ein. Ich denke, Lana wird damit einverstanden sein, dass sie erst morgen voll ausgestattet wird.«

Saras Vermutung schien sich zu bestätigen.

Lana machte einen durchaus zufriedenen Eindruck. Sie inspizierte das kleine Haus, futterte das Reisfleisch ohne zu zögern und machte es sich anschließend auf der weichen Decke bequem, die Noahs Mutter für sie ausgesucht hatte. Mutter und Sohn waren ebenso zufrieden wie die Hündin. Ihre gute Stimmung wurde erst zerstört, als Bruno nach Hause kam. Natürlich fiel ihm der fremde Hund sofort auf.