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Eigentlich hätte es ein ruhiger, beschaulicher Abend werden sollen. Wer konnte aber auch ahnen, dass sich ausgerechnet im Wohnzimmer ein Dimensionsportal öffnet, und einen Dämonen ausspuckt? Den wieder loszuwerden wird schwerer, als Gideon gedacht hätte.
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Veröffentlichungsjahr: 2021
Katania de Groot
Kapitel 1
Die eisigen Windböen trieben ihn in der Dunkelheit gnadenlos vor sich her. Der Weg war kaum mehr als ein Schatten, doch seine dämonischen Augen sorgten dafür, dass er den schmalen Pfad deutlich erkennen konnte. Steil führte dieser hinauf zu den Klippen und dem kleinen Haus, das dort thronte. Stetig setzte er einen Fuß vor den anderen. Das Geräusch von Wellen, die an scharfen Felsen brachen, und das Prasseln des Regens schwoll in seinen Ohren zu einem wütenden Sturm an.
Es war eine Hexennacht und es hätte Gideon nicht gewundert, wenn er die eine oder andere zwischen den Wolken gesehen hätte, wann immer die Blitze sie schaurig aufleuchten ließen. Vielleicht hätte er es auch, hätten die frische Wunde in seiner Handfläche und der tückische Weg ihn nicht so sehr abgelenkt.
Er kam von einer Zeremonie, die so alt war wie die geteilten Erden selbst, und in dem schmalen Schnitt pochte das Blut seiner früheren Begleiter. Der Lebenssaft verband sie, sorgte dafür, dass sie sich durch alle Zeiten und Welten hindurch finden konnten. Das Stück Stoff, das dafür sorgen sollte, dass er seine Kleidung nicht komplett verschmutzte, war mittlerweile nass von Blut und Regen.
Heute war das schottische Wetter besonders hinterhältig. Der gewohnte Nieselregen, der die Bewohner des Landes durch den Herbst begleitete, war zu Eisregen geworden, und wie kleine Nadelstiche fühlte der Dämon jeden einzelnen Tropfen in seinem Nacken. Unheil kündigte sich an. Selbst der Vollmond hatte sich hinter den Wolken verkrochen. Trotzdem konnte Gideon die Kraft spüren, die von dem Himmelskörper ausging. Die Sterne riefen nach ihm und doch, nur die Anziehungskraft des Hauses auf den Klippen war stark genug, ihn zu führen.
Sein Stiefel rutschte auf dem schmalen Pfad aus, der ihn über die glitschigen Felsen führte, und die verletzte Hand schnellte vor, bekam gerade noch den rauen Stein zu fassen. Froh darüber, den drohenden Sturz abgefangen zu haben, fluchte er leise. Jeder Zentimeter des Felsens war ihm bekannt und er wusste es besser, als den unscheinbaren Weg zu unterschätzen. Dieser Schritt mochte gut ausgegangen sein, doch der nächste, den er in der Dunkelheit setzte, barg erneut die Gefahr, ihn in den Abgrund zu führen. Trotzdem gab es keine andere Möglichkeit. Zumindest keine, die er in Betracht zog. Gideon hätte in der Stadt übernachten können, dort wäre problemlos ein Zimmer zu finden gewesen. Der Pub vermietete Betten an Hiesige und Fremde gleichermaßen. Mehr an Einheimische, denn oft blieben Gäste, um ihren Rausch auszuschlafen, nachdem sie zu tief ins Glas geschaut hatten – so wie er an diesem Abend. Doch es zog ihn nach Hause und die Nacht neigte sich ohnehin bereits ihrem Ende zu.
Missmutig sah Gideon auf. Wie ein drohender Schatten hob das Haus sich gegen den bewölkten Nachthimmel ab. Lediglich eine einsame Kerze brannte in einem der Küchenfenster, die dem Weg zugewandt waren. Der Anblick der kleinen Flamme hob augenblicklich seine Stimmung, und ein Lächeln huschte über seine Lippen.
Diese simple Geste seiner Frau entlohnte ihn für das Ungemach, sich durch die feuchtkalte Nacht gekämpft zu haben. Sie leitete seinen Weg, immer.
Der Gedanke an Enya hätte fast die Kälte vertrieben, die ihm längst in die Finger gekrochen war.
Der Abend im Pub war nicht seine Idee gewesen. Sie hatte ihn für heute aus dem Haus haben wollen, um ihren eigenen Geschäften nachzugehen. Seine Gefährten wiederzutreffen und über vergangene Heldentaten zu sinnieren, war eine willkommene Alternative gewesen, und dennoch hatte es ihn nach all den Jahren daran erinnert, dass es ein Leben davor gegeben hatte. Eines ohne seine Frau und ohne die Hütte an den Klippen. Und es hatte ihn daran erinnert, wie glücklich er darüber war, dass er dieses Leben gewählt hatte.
Auch wenn er weitere hundert Jahre ohne die Angeberei von Valen ausgehalten hätte, alles in allem konnte man den Abend als gelungen verbuchen. Davon abgesehen: Die Alternative wäre ein Haufen Hexen gewesen, die sich über Dinge unterhielten, die ihn nur in Schwierigkeiten brachten, und viel zu oft schon hatte die ein oder andere im Laufe der Nacht nach seinem Blut verlangt. Seine Handfläche pochte, wie um ihn daran zu erinnern, dass auch seine Freunde nicht besser waren. Doch immerhin hielten Dämonen sich noch an die alten Riten. Rostige Messer und tiefe Schnitte. Damit konnte er umgehen.
Der Weg verengte sich auf die letzten Meter, bis er an einem kniehohen Gartenzaun endete, der aus Weidehölzern geflochten war.
