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Odilon Redon ist ein Künstler, der sich nirgendwo einordnen lässt. Als Zeitgenosse der Impressionisten wurzelt sein Oeuvre nicht in der Wirklichkeit, sondern in seiner eigenen Traumwelt. Sein Werk hat zwei Seiten, die als genaue Gegensätze erscheinen: die eine düster und angstvoll, die andere bunt und beschwingt, doch verbinden sie sich zu einer Art symbolistischer Magie. Odilon Redon (1840-1916) ist zweifellos einer der Künstler, der seiner Zeit am meisten voraus war. Dem Naturalismus und Impressionismus stand er gleichgültig gegenüber und ließ sich ausschliesslich von seiner Fantasie und seinen Träumen inspirieren. Als Kind litt er unter kindlichen Angstanfällen und so ist der erste Teil seines Werkes durch seine Noirs und seineHolzkohle-Arbeiten gekennzeichnet, die wegbereitend für seine berühmten monochromen Lithographien waren. Am Ende des 19. Jahrhunderts änderten sich seine Arbeiten radikal: Seine Angstzustände entwickelte sich weiter,aber er wandte sich jetzt den Farben zu. Er malte zahlreiche Stillleben und befasste sich mit der dekorativen Kunst. Die Magie, die von seinem Lebenswerk ausgeht, versetzt ihn in die symbolistische Bewegung und erkennt ihn als Vorläufer des Surrealismus an.
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Seitenzahl: 58
Veröffentlichungsjahr: 2018
Layout:
Baseline Co. Ltd
Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam
© Confidential Concepts, worldwide, USA
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ISBN: 978-1-68325-665-6
Odilon Redon
Odilon Redon
(1840-1916)
Inhalt
Biografie
Odilon Redon Bekenntnisse des Künstlers
Kindheit und Jugend
Künstlerische Lehrjahre
Gedanken zur Kunst
Abbildungsverzeichnis
Selbstbildnis, um 1880
Öl auf Leinwand, 46,4 x 33,3 cm. Musée d'Orsay, Paris.
20. April 1840:Odilon Redon wird in Bordeaux geboren. Seine Eltern übergeben ihn wegen seiner schwachen Gesundheit in die Obhut einer Amme, mit der er fortan bei seinem Onkel lebt. Mit elf Jahren kehrt er zu seinen Eltern zurück.
1851:Redon gewinnt in der Schule einen Preis im Zeichnen.
1852:Der junge Redon empfängt die Erstkommunion.
1855:Erste Zeichenstunden mit dem Maler und Aquarellisten Stanislas Gorin, durch den Redon die Werke von Jean-François Millet, Jean-Baptiste Corot, Gustave Moreau und Eugène Delacroix für sich entdeckt.
1857:Seine Eltern schicken ihn nach Paris, um Architektur zu studieren. Er verbringt seine Zeit teils in Paris, teils in Bordeaux. Er freundet sich mit dem Botaniker Armand Clavaud an, der ihm Charles Baudelaire, Charles Darwin, Gustave Flaubert und Edgar Allan Poe nahebringt.
1862:Redon scheitert an der Aufnahmeprüfung für die Architekturklasse an der École des Beaux-Arts.
1864:Der junge Maler tritt in das Atelier von Jean-Léon Gérôme ein, doch die beiden finden künstlerisch nie zueinander.
1865:Redon absolviert eine Ausbildung bei dem Maler und Graveur Rodolphe Bresdin, der ihn in die Drucker- und Radierkunst einweist.
1870:Er meldet sich bei der Armee an und nimmt während des Deutsch-Französischen Krieges an der Schlacht an der Loire teil.
1870-1895:Redon nutzt für seine Kunst vor allem Kohle und die Technik der Lithografie. Er malt imaginäre Motive, die er seine „noirs“ nennt.
1878:Erste Reise nach Belgien und Holland. Redon studiert die Werke anderer Künstler wie Hals, Rubens, Rembrandt und Dürer.
1879:Erstes Lithografiealbum mit dem Titel Dans le Rêve (dt. Im Traum). Ihm folgen später À Edgar Poe (dt. An Edgar Poe), Les Origines (dt. Die Ursprünge) und Hommageà Goya (dt. Hommage an Goya).
1880:Redon heiratet die ursprünglich aus La Réunion stammende Camille Falte in Paris.
1884:Er stellt im ersten Salon des Indépendants aus. Huysmans veröffentlicht À rebours (dt. Gegen den Strich), in dem sich auch eine Passage über Redon findet.
1886:Geburt seines ersten Sohnes. Er verstirbt sechseinhalb Monate später.
1889:Geburt seines zweiten Sohnes, Redon gewinnt seine Lebensfreude zurück. Erste Ausstellung in Holland im Amsterdamer Nederlandsche Etsclub.
1890er Jahre:Redon gibt seine „noirs“ auf, um sich der Farbmalerei zuzuwenden. Er malt nun mit Öl und Pastell.
1894:Erste große Redon-Retrospektive in der Galerie Durand-Ruel. Hier manifestiert sich seine Kunst publikumswirksam wie nie zuvor.
1899:Maurice Denis stellt ihn den Nabis vor.
1904:Der französische Staat kauft sein Gemälde Geschlossene Augen für das Musée du Luxembourg. Im Salon d’Automne ist Redon ein kompletter Saal gewidmet, der großen Erfolg beim Publikum hat.
1913:André Mellerio publiziert einen Katalog seiner Radierungen und Lithografien. Im selben Jahr zeigt die Armory Show in New York vierzig seiner Werke.
6. Juli 1916:Odilon Redon stirbt mit sechsundsiebzig Jahren infolge einer Lungenstauung.
Was ein Künstler über sich selbst und seine Kunst sagt, erhebt stets Anspruch auf unser Interesse. Dies gilt in ganz besonderem Maße, wenn ein so eigenartiger, so ganz abseits stehender, so völlig in seine innere Welt versunkener Künstler spricht wie Redon. Gewiss, es ist eine bis zum Überdruss wiederholte Wahrheit, dass der Künstler bilden, aber nicht reden soll. Und doch sind wir denen dankbar – man denke nur an Michelangelo –, die außer durch ihre Kunst auch durch literarische Dokumente einen Einblick in das Innenleben und den Gang ihrer Entwicklung gewähren.
Wer auf diese Weise den Vorhang vor der Werkstatt der Seele lüftet, in der die Kunst langsam reift, der hilft uns auch, diese Kunst besser verstehen und würdigen zu können. Und keine Kunst bedarf wohl eher eines Wortes der Rechtfertigung und Erklärung als die dunklen Blätter des großen französischen Visionärs Redon, die die tiefsten und geheimsten, die furchtbarsten und rätselhaftesten Dinge unserer Existenz berühren.
Was der Künstler hier mit dem Griffel, nur durch den Rhythmus der Linien und das geheimnisvolle Spiel von Licht und Schatten, ausgedrückt hat, das lässt sich natürlich nicht in enge und dürre Worte fassen, sonst hätte es des Mediums der Kunst nicht bedurft. Redon will auch keinen Kommentar zu seiner Kunst geben, sein Werk muss durch sich selbst sprechen. Er will nur zeigen, wie er selbst und seine Kunst das geworden sind, mit Notwendigkeit geworden sind, was sie waren und sind.
Er zählt alles auf, was die Bildung seiner Seele beeinflusst hat. Er beginnt mit den Eindrücken vor seiner Geburt und verweilt dann eingehend bei den Dingen, die auf das Werden eines jeden Menschen von allergrößter Bedeutung sind: wie die heimatliche Natur. Der Einfluss, den die landschaftliche Umgebung auf ein empfängliches Kindergemüt ausübt, ist ein unbewusster, weil er aber so kontinuierlich wirkt, tagein tagaus, ist er umso nachhaltiger und entscheidender. Redon hat das selbst gefühlt und man geht nicht zu weit, wenn man die düstere Melancholie, die Hoffnungslosigkeit, von der manche seiner Arbeiten erfüllt sind, mit der Verlassenheit und Trauer, die über der Steppe von Landes (einem Département im Südwesten Frankreichs) liegt, in Verbindung bringt.
Der zarte, schwächliche und verträumte Knabe reift zum Jüngling heran. Er soll Architekt werden, er bereitet sich auch für dieses Studium vor, aber er besteht das Aufnahmeexamen an der Akademie nicht. Nun darf er seiner Neigung folgen und sich ganz der Kunst zuwenden. Sein Lehrer wird Jean-Léon Gérôme (1824-1904). Dass dieser mit seiner korrekten, kalten, einzig mit dem Verstand und einem guten Auge geschaffenen Kunst Redon nicht gefördert haben kann, wird jedem einleuchten, der nur einmal eines der vielen archäologischen oder orientalischen Gemälde dieses Künstlers gesehen hat. Größere Gegensätze lassen sich auch kaum denken.
Hier in Gérôme ein Geist, dem es um die schiere Wiedergabe der äußeren und äußerlichen Wirklichkeit einer bestimmten Zeit oder einer bestimmten Gegend zu tun ist, sein Mittel eine kühle, glatte Malweise, die nur feste Umrisse kennt, dort in Redon ein junger, begabter Mensch, den es nur drängt, das innere Leben, das in ihm tobt, in der Unbestimmtheit verfließender Licht- und Schattenpartien zum Ausdruck zu bringen. Lehrer wie Schüler waren sich, wie auch Redon hervorhebt, dieser Gegensätzlichkeit wohl bewusst.
Schmetterlinge, datum unbekannt
Aquarell auf Papier, 22 x 15 cm. Privatsammlung
Die maskierte Anemone, datum unbekannt
Aquarell, 24,5 x 17,5 cm. Privatsammlung
Büste eines Mannes mit geschlossenen Augen, von Blumen umringt, datum unbekannt
Aquarell und Graphit auf Papier, 25,5 x 17,7 cm. Musée du Louvre, Paris
Blumenvase, datum unbekannt
Pastell, 47 x 60,5 cm. Privatsammlung
Versuchung, datum unbekannt
