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Ohne Aufschlag
Die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, abgeschirmt von drei Sicherheitsbeamten, ging morgens zu ihrer schweren Limousine und stieg ein. Hinten in der Mitte war ihr Platz, links und rechts neben ihr die Personenschützer, vorne ein dritter Personenschützer und der Fahrer. In einer der hinteren Ablagen mussten stets original Brandenburger Schokoladen-Pralinen sein, denn, wie die Bundeskanzlerin meinte `damit wenigstens der Gaumen ab und an mal gute Nachrichten bekommt´.
„Fahren wir!“, richtete der Personenschützer hinten links das Kommando an den Fahrer.
„Wir fahren!“, bestätigte der Fahrer.
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Veröffentlichungsjahr: 2018
Ohne Aufschlag
Die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, abgeschirmt von drei Sicherheitsbeamten, ging morgens zu ihrer schweren Limousine und stieg ein. Hinten in der Mitte war ihr Platz, links und rechts neben ihr die Personenschützer, vorne ein dritter Personenschützer und der Fahrer. In einer der hinteren Ablagen mussten stets original Brandenburger Schokoladen-Pralinen sein, denn, wie die Bundeskanzlerin meinte `damit wenigstens der Gaumen ab und an mal gute Nachrichten bekommt´.
„Fahren wir!“, richtete der Personenschützer hinten links das Kommando an den Fahrer.
„Wir fahren!“, bestätigte der Fahrer.
Es war ein nasskalter, nebliger und ungemütlicher Novembermorgen. Kein Radio, keine Gespräche. Der Motor machte monoton seine Arbeit, die Scheibenwischer kannten ihren Auftrag, und die Scheinwerfer fanden weit vorn ihren Weg. Die Kanzlerin studierte still ihr olivfarbenes Moleskine auf Termine und handschriftliche Eintragungen. Sie mochte das. `Notizbücher kann niemand abhören, und notfalls ess´ ich es auf´, sprühte es bei guter Laune immer aus dem Mund der Kanzlerin.
Es ging auf die Autobahn. Ein kurzer Erholungsurlaub stand auf dem Plan. Eine Woche Skiurlaub im schweizerischen St. Moritz. Ihre Maschine wartete auf dem Flugplatz.
Sie fuhren schon geraume Zeit ohne Vorkommnisse. Das Schweigen war ungewöhnlich. Ungewöhnlicher, als sonst.
„Entschuldigen Sie, aber ich glaube…….ich meine, Sie hätten vorhin doch anders fahren müssen? Das ist meines Erachtens nicht der richtige Weg?“, sprach die Kanzlerin.
Die Personenschützer blieben still und schauten stumpf nach vorne.
„Es regnet jetzt schon seit drei Wochen“, sagte der Personenschützer auf dem Beifahrersitz.
„Richtig deprimierend. Ich bin wirklich froh, wenn ich endlich in die Sonne komme.“
„Ja, ich auch.“ Seufzte der Fahrer.
„Fahrer, haben Sie heute einen anderen, vielleicht besseren Weg ausgewählt? Gibt es vielleicht einen Stau?“
Keiner der anderen reagierte. „Also hören Sie, FAHRER! Ich möchte, dass Sie jetzt den offiziellen Weg zum Flughafen einschlagen, HÖREN SIE!? Was soll das, was geht hier vor sich? Vielleicht sagt mal einer dem MANN, wie er zum Flughafen kommt?! Ich ordne an und sage Ihnen, FAHRER, MEINE HERREN……..“.
„Sie haben hier nicht mehr viel zu sagen“, meinte der Personenschützer rechts neben der Kanzlerin. Er sprach ruhig und sehr bestimmt.
„Seh´ ich auch so“, der Mann links neben ihr.
„Mehr können wir nicht sagen, ER möchte es so“
Der Personenschützer auf dem Beifahrersitz nahm seine Zigarettenschachtel raus und zündete sich eine an.
„Ich kann´s mir einfach nicht abgewöhnen“. Er inhalierte tief und genüsslich den Qualm und blies ihn gegen die Windschutzscheibe wieder aus.
„Krieg ich auch immer Sodbrennen von“.
Der Personenschützer lachte feist, dann wurde es einen kurzen Moment wieder still.
„Ich möchte SOFORT telefonieren! Also, ich verlasse bei der nächsten Mitropa oder äh Autobahngaststätte…Raststätte das Fahrzeug und Sie können in aller Ruhe weiterfahren, ich verrate niemanden was. So machen wir das!“, so die Bundeskanzlerin.
„Hier verlässt niemand irgendwas, gnädige Frau“, so der Personenschützer rechts neben der Kanzlerin.
