Ohrfeige - Abbas Khider - E-Book

Ohrfeige E-Book

Abbas Khider

4,6

Beschreibung

Ein Flüchtling betritt die Ausländerbehörde, um ein letztes Mal seine zuständige Sachbearbeiterin aufzusuchen. Er ist wütend und hat nur einen Wunsch: dass ihm endlich jemand zuhört. Als Karim drei Jahre zuvor von der Ladefläche eines Transporters ins Freie springt, glaubt er in Frankreich zu sein. Bis dorthin hat er für seine Flucht aus dem Irak bezahlt. In Wahrheit ist er mitten in der bayerischen Provinz gelandet. – Er kämpft sich durch Formulare und Asylunterkünfte bis er plötzlich seinen Widerruf erhält und abgeschoben werden soll. Jetzt steht er wieder ganz am Anfang. Dieser ebenso abgründige wie warmherzige Roman wirft eine der zentralen Fragen unserer Gegenwart auf: Was bedeutet es für einen Menschen, wenn er weder in der Heimat noch in der Fremde leben darf?

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Seitenzahl: 238

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Über das Buch

Als Karim Mensy von der Ladefläche eines Transporters ins Freie springt, glaubt er in Frankreich zu sein. Bis dorthin hat er für seine illegale Reise bezahlt. In Wahrheit aber ist er mitten in der bayerischen Provinz. Und von hier wird er in den nächsten drei Jahren auch nicht mehr wegkommen. Karim muss sich eine neue Lebensgeschichte erfinden, kämpft sich durch Formulare und Asylunterkünfte, lässt sich auf fragwürdige Freundschaften und abenteuerliche Liebschaften ein. Bis er plötzlich seinen Widerruf erhält und in den Irak abgeschoben werden soll. Karim Mensy steht wieder ganz am Anfang und muss sich einen neuen Schlepper suchen. Einen, der ihn aus Deutschland rausbringt. Abbas Khider hat einen ebenso abgründigen wie warmherzigen Roman geschrieben, der eine der zentralen Fragen unserer Gegenwart aufwirft: Was bedeutet es für einen Menschen, wenn er weder in der Heimat noch in der Fremde leben darf?

Hanser E-Book

ABBAS KHIDER

OHRFEIGE

Roman

Carl Hanser Verlag

Die Arbeit an diesem Roman wurde durch das Berliner Senatsstipendium gefördert.

Alle Personen, Ereignisse und Orte in diesem Roman sind frei erfunden.

ISBN 978-3-446-25190-8

© Carl Hanser Verlag München 2016

Umschlag: Peter-Andreas Hassiepen, München

Motiv: Hand. Schwimmhäute an der Menschenhand

© Quagga Media UG / akg-images

Alle Rechte vorbehalten

Satz im Verlag

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Datenkonvertierung E-Book: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

FÜR ORFEAS

STUMM UND STARR VOR ANGST hockt sie in ihrem Drehstuhl, als hätte die Ohrfeige sie betäubt.

»Sie ruhig sind und bleiben still!«

Ich greife nach dem Packband in meiner Jackentasche, fessle ihre Hände an die Armlehnen und die Fußgelenke an die Stuhlbeine. Mit mehreren Streifen klebe ich ihren rot geschminkten Mund zu.

»Nix ich will hören!«

So langsam beginne ich, mich zu entspannen. Ich setze mich ihr gegenüber auf den Besucherstuhl, nehme mir ein Blatt Papier von ihrem Schreibtisch, mische etwas Hasch in meinen Tabak und drehe mir eine Zigarette. Ich zünde sie an und atme tief ein. Ganz genüsslich.

Das Papier schmeckt verbrannt und im ersten Moment will ich würgen, aber ich zwinge mich dazu, diese besondere Zigarette zu genießen. Ich ziehe daran, als wolle ich sie aussaugen, inhaliere den Rauch bis tief in meine Lungen und freue mich über den leicht brennenden Schmerz in meiner Brust. Ich fühle mich so lebendig wie schon lange nicht mehr.

Ich stehe auf, beuge mich zu ihr, gehe ganz dicht an sie heran und puste ihr den Rauch mehrmals mitten ins Gesicht. Da ihr Mund zugeklebt ist, muss sie den Qualm durch die Nase einatmen. Sie versucht den Kopf wegzudrehen und muss so sehr röcheln, dass sich das Klebeband auf und ab wölbt. In einer Behörde zu kiffen, das fühlt sich irrsinnig gut an.

»Frau Schulz, wir reden zusammen. Ich wollte immer, und Sie haben keine Zeit oder Wille für mich, wenn ich vor Ihrem Zimmer warten. Jetzt endlich ist so weit! Ob Sie wollen oder nicht, wir reden. Aber Deutsch ist schwer für mich und will ich viele Sachen erzählen. Ich muss Arabisch mit Ihnen reden, so ich kann frei reden. Leider!«

Ich will mich nicht länger durch die deutsche Sprache quälen, durch diesen Dschungel aus Fällen und Artikeln, die man sich nie merken kann. Es ist natürlich Quatsch, jetzt mit ihr Arabisch zu sprechen, aber was soll’s. Auch wenn Arabisch ihre Muttersprache wäre, würde sie mich nicht verstehen. Sie stammt aus einer ganz anderen Welt als ich. Ein Erdling spricht gerade mit einem Marsianer. Oder umgekehrt.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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