Pantheismus - . Abaris - E-Book

Pantheismus E-Book

. Abaris

0,0
2,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

GOETHE und sein Freund CARL GUSTAV CARUS reisen mittels einer Zeitmaschine in das 21. Jahrhundert, voller Neugier und fest davon überzeugt, dass sich das Projekt der Aufklärung aufs Schönste vollendet hat. Pustekuchen! Gott mag zwar tot sein, aber dass viele Atheisten den Gott durch den schnöden Zufall ersetzt haben, ist schon ein starkes Stück. Ihr eigenes, pantheistisch geprägtes Weltbild sehen sie hingegen nicht nur durch die moderne Physik, sondern auch durch die Aussagen von bekannten Philosophen und Mystikern bestätigt. Die beiden zeigen anhand vieler Beispiele auf, dass sich ein pantheistisches Weltbild mittlerweile wesentlich besser begründen lässt, als es beim Gott der Gläubigen oder dem Zufall der Atheisten jemals der Fall sein wird. Da der Physiker ERWIN SCHRÖDINGER ebenfalls ein pantheistisches Weltbild vertreten hat, lösen GOETHE und CARUS das Paradoxon um Schrödingers Katze gleich mit auf. Leser, die nach einer Alternative zum Gott und dem Zufall suchen, werden in diesem Buch eine Fülle von Anregungen finden, die zum Nachdenken anregen. Und genau dazu haben uns nicht nur KANT, sondern auch GOETHE und ARISTOTELES nachdrücklich aufgefordert: "Der Nous (Geist) ist der Gott in uns, und menschliches Leben birgt einen Teil eines Gottes in sich, also soll man entweder philosophieren oder vom Leben Abschied nehmen und von hier weggehen; denn alles Übrige scheint nur törichtes Geschwätz zu sein und leeres Gerede". ARISTOTELES Der Autor schreibt unter dem Pseudonym ABARIS und verwendet damit den Namen, den GOETHE beim Orden der ILLUMINATEN hatte. Dieser Orden hatte unter anderem das Ziel, die Aufklärung des Menschen zu fördern. Können GOETHE respektive ABARIS auch heutzutage noch etwas zur Aufklärung beitragen? Lassen Sie sich überraschen!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 157

Veröffentlichungsjahr: 2021

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Table of Contents

Title Page

Impressum

Vorwort

Einleitung

Die Weltanschauung von GOETHE und … EINSTEIN!

GOETHE, EINSTEIN und die MYSTIK

GOETHE, das Steigern und die Wirkung

GOETHE, die Blinden und der Elefant

ARISTOTELES und die Frage nach dem Ursprung

Welche Kraft fügt die Atome von Lebewesen zusammen und die Logiklehre

CARUS und die Argumente von SCHRÖDINGER

Die mathematische Symmetrie der Naturgesetze, der Sinn von GOETHE

GOETHE, DITFURTH und die Wirkung des ZUFALLS

DAWKINS und die zufällig entstehenden MULITVERSEN

Das Rasiermesser von OCKHAM und die MULTIVERSEN

DAVID HUME auf den Spuren von ARISTOTELES

GOETHE, DARWIN und der Zwischenkieferknochen

DAVIES, SHAPIRO und die zufällige Entstehung des Lebens

(Gegen)-Argumente, dass das Leben zufällig entstanden sein könnte

PALEY, DAWKINS, ARISTOTELES und die Uhr auf dem Acker

DAWKINS, ARISTOTELES, ein Einbrecher und der Tresor

DAWKINS, SHAPIRO, HOYLE, eine BOEING 747 und der Rubik-Würfel

GOETHE und die ILLUMINATEN

GOETHE, CARUS, die Kunst und der Tod

GOETHE und der Unterschied zwischen DESCARTES und CAPRA

Die Alternativen zu den zufälligen Mutationen

JOACHIM BAUER und das KOOPERATIVE GEN

GOETHE, DAVIES und die Physik des Anschauens

CARUS, die moderne Physik und die Hand von GOETHE

EINSTEIN, BOHR, SCHRÖDINGER, die spukhafte Fernwirkung und

GOETHE, CARUS und Die Zeit

EPILOG

Quellenverzeichnis

ABARIS

Pantheismus

Das geheime Wissen von GOETHE, EINSTEIN,

SCHRÖDINGER, ARISTOTELES und Co.

Über Geist, Gott, Zufall und

den Ablauf der Evolution

Impressum

Copyright © 2021 Abaris

Publishing Rights © 2021 Abaris

Lektorat: Mentorium GmbH, Berlin

Coverdesign: Buch&media GmbH, München

Buchsatz: Jana Walther

Abaris

c/o AutorenServices.de

Birkenallee 24

36037 Fulda

Verlag und Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44

22359 Hamburg

978-3-347-26589-9 (Paperback) 978-3-347-26591-2 (e-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich ge­schützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbiblio­thek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Pu­blikation in der Deutschen Nationalbibliografie;detaillierte bibliografische Daten sind im Internet überhttp://dnb.d-nb.deabrufbar.

Vorwort

Vor Ihnen liegt – verehrter Leser – ein unterhaltsam geschriebe­nes Buch mit philosophischem Tiefgang, für das der Autor ABARIS folgendes Konzept gewählt hat: Fiktive Perso­nen – nicht alles Zeitgenossen –, führen einen spannenden Dia­log über Grundfragen des Lebens. Der Leser wird also quer durch die Jahrhunderte geführt: Da fast alle angesprochenen Themen zeitlos zu nennen sind, scheint mir das eine sehr geeig­nete Dar­stellungsform zu sein. Die Leichtigkeit durch meh­rere verspielt eingestreute Szenen – etwa eines gemeinsa­men Kaffee­trinkens – lockert sehr angenehm auf und die anspruchsv­olle Tiefe der Gespräche wird dadurch geschickt überspielt. Ich möchte beim intellektuellen Niveau des Bu­ches einen Vergleich zu Goethes Gesprächen mit Eckermann ziehen, zumal Goethe bei Abaris auch der Partner bei den zentralen Ge­sprächen mit einem Arzt namens Carus ist, ei­nem tatsächlichen Zeitgenossen Goethes. Es wird insgesamt in den Dialogen spür­bar, dass der Autor nicht vom Grünen Tisch aus philosophiert, sondern dass persönliche Alltags-Er­fahrungen ihn wohl zum Schreiben ge­drängt haben dürften. Abaris lässt den Leser spü­ren, dass es ihm ein Anliegen ist, ihn zu einer gemeinsamen in­tensiven Wahr­heitssuche als Be­gleiter lebensnah einzuladen.

Das Buch nimmt sich im Kern gängige Vertreter mehrerer Weltsichten vor: Neben den Standpunkten von mehreren Philosophen, Mystikern und Berufs-Skeptikern sind dies der sog. »Zufalls-Atheist« und der kirchennahe Theist. Immer wieder greift er zum altbewährten Verfahren, der These die Antithese gegenüberzustellen und dabei den Weg zur Synthe­se durch betont eigenständige Denkschritte zu gehen. Die zwei genannten Extrem-Positionen, von denen sich alle in die Handlung eingewobenen Dialogpartner gut begründet ab­grenzen, stehen sich dabei näher als es den Betreffenden selbst klar sein dürfte.

Ohne Häme und als eine Art »neutraler Zaungast« nimmt uns der Autor in einer angenehmen argumentativen Behut­samkeit mit auf einen Gang durch die Ideengeschichte. Die Physik als Leinwand von Grunderkenntnissen liefert beson­ders dem naturwissenschaftlich geprägten Leser viel An-Schauung, bei der die Schnittmenge von Philosophie und Physik speziell in den Blick genommen wird. Die ruhige und sehr verständliche Schreibweise des Autors entwickelt dabei einen Teil ihrer spürbaren Neutralität auch durch sein inter­disziplinäres Vorgehen. Gut recherchiert wird dabei der aktu­elle Wissensstand in den einzelnen Gebieten korrekt wieder­gegeben, was ihm besonders bei dem sehr vielschichtigen Thema Quantenphysik gut gelungen ist.

Mögen viele Leser den erfolgreichen Spagat dieses zu neu­em Denken anregenden Buches nachvollziehen: Einen Weg konzentriert mitzugehen und dabei geistige Höhenflüge leichtfüßig und ohne den Ballast von akademischem Fach-Chinesisch zu unternehmen.

Es gibt mehrere Anhaltspunkte, dass Abaris mit diesem Werk viel von dem umgesetzt hat, was Carl Hauptmann – Bruder von Gerhard Hauptmann – um 1900 so formulierte: »Niemand kann ein Schriftsteller oder anderer Künstler sein, der nicht … eine eigene sinnliche Heimat gewann. Niemand kann vom Erkennen der Dinge etwas ahnen, der nicht das Wissen, an der Tiefe des Erlebnisses gemessen, als Stückwerk erkannt und es dann in sich selbst zur inneren Einheit erho­ben hat.«

Hellmut Bölling, Freier Theologe

(www.Philosophische-Wegstunde.de)

Einleitung

Die Idee zu diesem Buch hatte ich schon lange, aber die Lust, mit dem Schreiben zu beginnen, hielt sich in Grenzen. Kri­mis, Tango und viele andere Dinge erschienen mir wichtiger und lenkten mich ständig ab. Als mir jedoch eines Tages eine Hilfsorganisation, für die ich seit vielen Jahren spendete und von der ich außer einer entsprechenden Bescheinigung nie etwas gehört oder erhalten habe, plötzlich eine Geburtstags­karte schickte, wurde mit klar, dass es an der Zeit war, meine Trägheit zu überwinden. Der Grund: Die Geburtstagskarte erreichte mich vier Monate nach meinem Geburtstag, und der Begleittext zu den Glückwünschen war folgender:

Was immer du tun kannst oder wovon du träumst – fang damit an.

Johann Wolfgang von Goethe

Die meisten Leser werden das jetzt für einen Zufall halten, für mich war der Fingerzeig jedoch eindeutig: Nach einem ge­danklichen und sicherlich etwas flapsigen – Schon gut, alter Knabe – klappte ich den Laptop auf und begann mit dem Schreiben. In diesem Buch spielt GOETHE (1749–1832) na­türlich eine wichtige Rolle, denn meine Idee war, dass sich der Dichterfürst und sein Freund CARL GUSTAV CARUS (1789–1869) die gängigen Lehrmodelle über Gott und den Zufall einmal genauer ansehen und offensichtliche oder ver­meintliche Denkfehler diskutieren. Ich war mir sicher, dass GOETHE mit seiner Feststellung

Alles Gescheite dieser Welt ist schon gedacht worden – man muss nur versuchen, es noch einmal zu denken.

völlig richtig lag und seine Worte auch viele Jahre nach sei­nem Tod immer noch gültig sind. Hinzu kommt, dass GOE­THE die außergewöhnliche Gabe besaß, mit wenigen Worten Sachverhalte einprägsam und treffend zu beschreiben. Kurz gesagt, er konnte mit wenigen Zeilen das ausdrücken, wofür andere Autoren ganze Bücher benötigen. Ich hoffe, ich gehö­re nicht dazu. GOETHE war darüber hinaus thematisch viel­seitig interessiert, denn neben der Dichtkunst und Schriftstel­lerei beschäftigte er sich auch mit der Juristerei und forschte in Botanik, Mineralogie, Meteorologie, Anatomie und Physik.

Zu Fragen nach einem Gott, dem Zufall, der Evolution und dem Zusammmenhang von Geist und Natur hat GOE­THE natürlich ebenfalls Stellung bezogen. Und dass seine Meinungen immer noch hochaktuell sind, werden wir im wei­teren Verlauf feststellen.

Sich an GOETHE heranzuwagen, ist übrigens gar nicht so vermessen, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Hin­sichtlich seiner Sprachgewalt sicherlich, aber philosophisch? GOETHE vertrat ein ganzheitliches und pantheistisch ge­prägtes Weltbild, das weniger von Analyse, Experimenten und dem Erforschen von einzelnen Erscheinungsformen be­stimmt war, denn GOETHE wollte das große Ganze erfas­sen. Ein Beispiel: GOETHE hätte es nicht interessiert, aus welchen Bestandteilen sich die Buchstaben eines Buches zu­sammensetzen und wie man die Buchstaben anordnen muss, damit Wörter und Sätze entstehen. GOETHE wollte die Be­deutung des Geschriebenen erkennen. Es hätte ihn auch nicht interessiert, unter dem Mikroskop die Rillen einer Schallplatte zu untersuchen, um herauszufinden, wie daraus Musik entstehen kann. Er wollte vielmehr wissen, was uns die erklingende Symphonie sagen kann, wenn die Nadel auf die Schallplattenrille gesetzt wird. Wenn ich ihn jetzt auf der Grundlage seiner eigenen Aussagen dieses ganzheitliche Welt­bild darstellen und erläutern lasse, mache ich im Prinzip ge­nau das, was er von einem Autor erwartet hätte:

Die größte Achtung, die ein Autor für sein Publikum haben kann, ist, dass er niemals bringt, was man erwartet, sondern was er selbst auf der jedesmaligen Stufe eigener und fremder Bildung für recht und nützlich hält.

Zur Seite gestellt habe ich GOETHE seinen Freund CARL GUSTAV CARUS. CARUS und GOETHE tauschten sich re­gelmäßig aus und bewunderten sich gegenseitig. GOETHE schrieb nach einem Treffen mit CARUS:

Ew. Wohlgeboren nur allzu kurzer Besuch hat mir eine tiefe Sehnsucht zurückgelassen; ich habe mich die Zeit her oft mit Ihnen im Stillen unterhalten […] Sie vereinigen so viele Ei­genschaften, Fähigkeiten und Fertigkeiten, deren innigst le­bendige Verbindung teilnehmendes Bewundern erregt.

CARUS war neben GOETHE sicherlich einer der vielseitigs­ten Universalgelehrten des 19. Jahrhunderts. Er war Arzt, Na­turphilosoph, Maler und promovierte bereits als 22-Jähriger in Medizin und Philosophie. Zu seinen Freunden zählten Caspar Davied Friedrich, Alexander von Humboldt, Ludwieg Tieck, der König Johann I. von Sachsen und natürlich GOETHE.

CARUS und GOETHE waren deshalb für mich das per­fekte Team, um die aktuellen Lehrmeinungen über Gott, die Welt und das Universum einer kritischen Prüfung zu unterzie­hen.

An dieser Stelle noch einige Worte zu meiner eigenen Zielset­zung. Was ich auf jeden Fall vermeiden möchte, ist, dass sich der Leser bevormundet fühlt oder der Eindruck erweckt wird, dass ihm hier irgendein Weltbild verkauft werden soll. Zufrieden wäre ich allerdings, wenn die Zweifel an den aktuell vorherrschenden Lehrmeinungen – hier der Gott der Gläubi­gen, dort der Zufall der Atheisten – ein klein wenig wachsen und der eine oder andere Leser feststellen würde, dass es durchaus sinnvoll sein kann, vorherrschende Denkmodelle zu hinterfragen und sich nach einer Alternative umzusehen. Eine Alternative, die sich auch sehr gut begründen lassen muss, um dem Ideal der Aufklärung zu entsprechen.

Die Weltanschauung von GOETHE

und … EINSTEIN!

Welche Weltanschauung vertrat GOETHE? GOETHE gab uns einige Hinweise, denn er schrieb unter anderem:

Ohne Zweifel kommt alle Wahrheit von Gott; aber die Kir­che! Da liegt's. Gott spricht zu uns durch diese Blume und je­nen Schmetterling; und dies ist eine Sprache, die diese Spitz­buben nicht verstehen.

GOETHE vertrat ein pantheistisch geprägtes Weltbild, was auch mit einer Allgottlehre beschrieben werden kann. Aus seinen Worten geht auch hervor, dass er der Kirche, den Priestern und deren Vorstellungen von einem Gott ein tiefe­res Verständnis dieser Lehre nicht zutraute. Bemerkenswert ist, dass ALBERT EINSTEIN (1879–1955) eine fast identi­sche Weltanschauung vertrat, denn auch er sagte:

Ich glaube an Spinozas1 Gott, der sich in der gesetzlichen Harmonie des Seienden offenbart, nicht an einen Gott, der sich mit Schicksalen und Handlungen der Menschen abgibt.

(EINSTEINS Antwort auf die Frage eines Rabbis, ob er an Gott glaube.)

Wie kam es überhaupt dazu, dass GOETHE ein pantheisti­sches Weltbild vertreten hat? War es die Beschäftigung mit der Dichtkunst oder mit der Kunst generell? Hatte GOE­THE vielleicht ein mystisches Erlebnis, waren es spezielle Bü­cher oder bestimmte Meditationstechniken?

Genau diesen Fragen werden wir in diesem Buch nachgehen. Stellen wir uns vor, GOETHE und sein Freund CARUS wer­den mittels einer Zeitmaschine in unsere Zeit versetzt. Die beiden kommen an und sind natürlich mehr als verwundert und erstaunt über den immensen technischen Fortschritt und die immer noch stattfindenden unzähligen Kriege, vor allem über die religiös motivierten Auseinandersetzungen. Sie be­schließen, sich auf den aktuellen Stand der Forschung zu bringen und so lesen sie monatelang unzählige Bücher von Physikern, Philosophen, Chemikern und Evolutionsbiologen. Auch das Buch von RICHARD DAWKINS Der Gotteswahn gehört dazu. Nach einer Weile treffen sie sich wieder und diskutieren, welche Erkenntnisse sie in ihr eigenes Weltbild integrieren müssen.

1 BARUCH SPINZOZA (1632–1677). Niederländischer Philosoph und Vertreter eines pantheistischen Weltbildes: Gott, die Welt, Ma­terie, Natur und Geist sind letztlich identisch.

GOETHE, EINSTEIN und die MYSTIK

des ANSCHAUENS

Ein rein verstandesmäßiges Weltbild ganz ohne Mystik ist ein Unding.

Erwin Schrödinger

CARUS: So wie ich das sehe, ist unser pantheistisches Welt­bild aktueller denn je. Die sogenannte neue Physik hat un­glaubliche Fortschritte gemacht und die Meinung des Astro­physiker ERICH JANTSCH (1929–1980)

Gott ist nicht der Schöpfer, sondern der Geist des Univer­sums.

wurde und wird von bekannten Physikern wie DÜRR, CA­PRA, PLANCK, BOHM, SCHRÖDINGER usw. geteilt.

Mehr als seltsam ist allerdings, dass sich unser pantheistisches Weltbild noch nicht durchgesetzt hat. Unendlich viele Men­schen glauben immer noch an einen Gott und die Atheisten haben den Gott überwiegend durch den Zufall ersetzt.

GOETHE: Das mag sein, aber bedenke, dass unsere Sicht auf die Natur, die Welt und das Universum nicht in den Rahmen einer herkömmlichen Weltanschauung, hier der Gott der Gläubigen, dort der Zufall der Atheisten, gepresst werden kann. Außerdem laufen viele Menschen beim Wort Quanten­physik noch schreiend davon. Der Pantheismus ist vielmehr eine sehr persönliche Weltanschauung, die sich aus mys­tischen, philosophischen und wissenschaftlichen Elemen­ten zusammensetzt. In dieses Weltbild könnte man auch hin­einwachsen und es sich regelrecht erobern – dazu wäre der Mensch durchaus in der Lage.

Der Mensch, selbst gesteigerte Natur, zeichnet sich dadurch aus, dass er sich selbständig nochmals steigern kann.

Dieses Steigern setzt jedoch Eigeninitiative voraus und vielen Menschen ist das schlichtweg zu mühsam. Der Glaube an ei­nen Gott, den Zufall oder die Thesen irgendeines Sekten­führers ist einfacher und bequemer. Man muss nicht nach­denken und be­kommt gesagt, was man zu tun und zu lassen hat.

Allein kann der Mensch nicht wohl bestehen, daher schlägt er sich gern zu einer Partei, weil er da, wenn auch nicht Ruhe, doch Beruhigung und Sicherheit findet.

Noch eine Abgrenzung erscheint mir wichtig. Wir beide sind Kinder der Aufklärung und angesichts unserer kritischen Ein­stellung dem guten und gerechten Gott der Religionen gegen­über, würden uns viele Gläubige sicherlich als Atheisten be­zeichnen. Die Atheisten beäugen uns aber auch kritisch, was insbesondere dann gilt, wenn wir am Zufall, so wie er bei­spielsweise von RICHARD DAWKINS interpretiert wird, Kritik üben.

Worin liegt nun der Unterschied zwischen uns, den Gläubigen und den Atheisten?

Der größte Unterschied dürfte der sein, dass die Vertreter ei­nes pantheistischen Weltbildes das Göttliche durch eine al­les durchdringende geistige Grundlage ersetzt haben. Eine Grund­lage, die wir in der gesamten Natur und somit auch im Menschen vorfinden. Geistist aber wiederum auch nur ein Wort für das EINE und man kann es auch als ES,BRAH­MAN oder wie es in der Indianersprache heißt, MEMNI­TOWder Große Geist, bezeichnen. Mit dieser geistigen Grundlage kann man sogar Kontakt aufnehmen.

CARUS ist skeptisch: Und wie soll diese Kontaktaufnahme mit dieser geistigen Grundlage funktionieren?

GOETHE schreibt etwas auf einen Zettel und reicht ihn CARUS. Auf diesem steht:

Denken ist interessanter als Wissen, aber nicht als Anschau­en.

CARUS ist überrascht und runzelt die Stirn.

Das musst du mir genauer erklären. Denken verstehe ich, denn wir beide haben die Aufforderung von IMMANUEL KANT

Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!

sicherlich verinnerlicht und können sie auch umsetzen.

Wissen leuchtet mir auch ein, denn was sich seit unserem Ab­leben getan hat, ist unglaublich. Wir wissen mittlerweile, dass das Universum fast 14 Milliarden Jahre alt ist und eine evolu­tionäre Entwicklung stattgefunden hat. Wir haben Computer und Satelliten erschaffen, wir waren auf dem Mond und die vielen anderen technischen Errungenschaften übersteigen nicht nur unser, sondern das Begriffsvermögen der meisten Menschen. Oder könntest du einen Chip programmieren und bauen, der dafür sorgt, dass dieses neuartige Ding namens Computer funktioniert? Von den mathematischen Formeln und Gleichungen, die hinter dieser Entwicklung stehen, will ich gar nicht erst sprechen.

GOETHE: Das könnten wir tatsächlich nicht, denn die Zeit der Universalgelehrten ist endgültig vorbei und durch ein zu­nehmendes Spezialistentum ersetzt worden. Diesem Spezia­listentum haben wir unseren immensen Fortschritt zu verdan­ken, wobei allerdings etwas ganz Entscheidendes verloren ge­gangen ist, nämlich das Anschauen.

CARUS: Ich verstehe immer noch nicht, was du mir sagen willst.

GOETHE: Ein Beispiel: Du bist doch nicht nur Philosoph, sondern auch Mediziner und ein begnadeter Maler. In vielen Museen hängen Bilder von dir.

Was würdest du sagen, wenn ein Museumsbesucher vor ei­nem deiner Bilder steht und sagt:

Das ist ein Bild von CARUS, der zu Zeiten GOETHES leb­te. Seine Bilder stammen aus dem Zeitalter der Romantik und dieses trägt den TitelOsterspaziergang.Der Rahmen ist aus einem speziellen Holz, aber die Ornamente am Rahmen er­scheinen mir nicht ganz passend. Das Material der Leinwand setzt sich anders zusammen als zur heutigen Zeit, was dazu führt, dass kleine Risse auf der Ölfarbe zu sehen sind. Für die Farbmischung der Blautöne hat CARUS eine spezielle, aber veraltete Technik verwendet. Hier könnte der Pinsel­strich etwas deutlicher sein und am Rahmen ist ein kleiner Fleck zu sehen. Wie viel ein solches Bild von CARUS wohl kostet?

CARUS: Jetzt verstehe ich langsam, was du meinst. Durch unsere ausgeprägte Tendenz zur in die Tiefe gehenden Analy­se wird das, was uns das Bild sagen kann, was es ausdrücken und beschreiben will, völlig zunichte gemacht. Wir sehen das große Ganze nicht mehr.

GOETHE: Richtig. Wir haben das Universum, die Welt, die Natur und auch den Menschen in Milliarden von Einzelteilen zerschlagen und haben nun die allergrößte Mühe, diese Ein­zelteile wieder zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufü­gen.

CARUS: Und mit Anschauen ohne Analyse soll diese Ganz­heitlichkeit wiederhergestellt werden?

GOETHE: Ein wichtiger Schritt wäre es allenfalls. Im Ideal­fall könnten wir die Analyse und das ganzheitliche Schauen sogar miteinander verbinden. Ein Beispiel dafür ist EIN­STEIN. Er war sicherlich einer der ganz großen Physiker, der auf der theoretischen und abstrakten Welt der Physik und de­ren Formelsprache Unglaubliches geleistet hat. Er hat sich aber trotzdem den unverstellten Blick auf die Natur erhalten, denn er sagte auch:

Schau ganz tief in die Natur, und dann verstehst du alles bes­ser.

CARUS: Das könnte von dir stammen.

Wer von Natur spricht, muss den Geist, wer vom Geist spricht, muss die Natur voraussetzen und im Tiefsten mitver­stehen.

GOETHE nickt zustimmend und ergänzt:

Und auch die Feststellungen von EINSTEIN Phantasie ist wichtiger als Wissen geht in die gleiche Richtung, wobei die Grundlage für Phantasie und Wissen das ist, was man durch Anschauen erkennen kann.