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Verfeindet bis aufs Blut. Vereint in ewiger Liebe. Paiges Leben liegt in Schutt und Asche. Sie hat ihren Vater verloren. Sie wurde aus der Bikergang geworfen. Und die Vampire haben Lavaughn gefangen genommen, weil er sich mit dem Feind verbündet hat. Doch Paige gibt nicht auf. Sie will sich den Motorradclub zurückholen, Lavaughn aus dem Bayou befreien und endlich Frieden zwischen den Bikern und Vampiren schaffen. Doch die eigentliche Bedrohung kommt nicht aus dem Bayou. Jemand hat es darauf abgesehen, alles Übernatürliche auszulöschen ... *** Urban Vampire Romance vor der bunten Kulisse des Mardi-Gras-Festivals! Verführerisch. Geheimnisvoll. Sexy. Enemies to Lovers und Forced Proximity at its best. *** Entdecke die fantastisch-romantischen Buchwelten von Sandra Grauer bei Ravensburger: Pearls & Skulls Band 1: Unsterblich Band 2: Unvergesslich Flowers & Bones Band 1: Tag der Seelen Band 2: Kuss der Catrina Flame & Arrow Band 1: Drachenprinz Band 2: Elfenkriegerin
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Seitenzahl: 506
Veröffentlichungsjahr: 2026
Die Print-Ausgabe erscheint im Ravensburger Verlag © 2026 Ravensburger Verlag
Text © 2026 Sandra Grauer Dieses Werk wurde vermittelt durch die litmedia.agency, Germany. Lektorat: Franziska Jaekel Covergestaltung: verwendete Bilder von © jamaludinyusuppp, © Ilina93, © BLACKDAY, © janniwet, alle von Shutterstock Alle Rechte dieses E-Books vorbehalten durch Ravensburger Verlag GmbH, Postfach 2460, D-88194 Ravensburg. Der Nutzung für Text- und Data-Mining wird ausdrücklich widersprochen.
ISBN 978-3-473-51293-5
ravensburger.com/service
Für Betty, Niklas und Christian
Für alle, die Caroline, Kailey, Valentina und den anderen ebenfalls noch nicht Lebewohl sagen wollen
Und auch ein bisschen für mich, weil ich nie aufgegeben habe. Sturheit ist keine Schwäche, wie Paige sagen würde!
Wiz Khalifa, feat. Charlie Puth See You Again
Steven Rodriguez Like You Mean It
Steven Rodriguez Bad Thing
Society of Villains & Sam Tinnesz Smoke & Trouble
VOILÀ, feat. Luna Aura Off The Edge
Ellise 911
Ellise Can You Keep A Secret?
The Score Born For This
Stileto Skull n Bones
Steven Rodriguez, feat. Lena Schaur Alice
Stileto & Silent Child, feat. Kendyle Paige Super Villain
VOILÀBetter Than Me
Chandler Leighton Touchin’ Me
Stileto, feat. Alus & Luke Baker Let’s Just
Mitchel Dae Down To The River
Confetti Rob A Bank
Oasis Wonderwall
Benson Boone Beautiful Things
Archer Marsh Give Me Everything
Steven Rodriguez No Diggity
Taylor Swift You Belong With Me
The Rolling Stones Paint It, Black
John Parr St. Elmo’s Fire
Ed Sheeran Old Phone
Ed Sheeran Drive
Ed Sheeran, feat. Stormzy Take Me Back To London
Michael Jackson Bad
Swing Republic, Karina Kappel Crazy In Love
Elvis Presley Dixieland Rock
Lynyrd Skynyrd Sweet Home Alabama
Als ich vor über zehn Jahren die Idee zu »Clans of London« hatte, hätte ich mir niemals träumen lassen, dass ich damit den Startschuss zu einem ganzen Universum lege. Jetzt, vier Dilogien und etwa zehneinhalb Jahre später (es ist Juli 2025), schreibe ich den Showdown dieses Universums.
Drauflos zu schreiben, ohne zu wissen, wo ich eigentlich hinwill, habe ich schon seit Jahrzehnten nicht mehr gemacht. Als ich in meiner Kindheit mit dem Erzählen von Geschichten begann, war das ganz normal für mich, doch schon bevor ich Vollzeitautorin wurde, hat sich das geändert. Mit dem zweiten Band von »Pearls & Skulls« ging es für mich jedoch back to the roots. Etwa das erste Drittel des Buches habe ich ins Blaue geschrieben. Wobei das eigentliche Finale schon lange stand, nur der Weg dorthin erwies sich im wahrsten Sinne des Wortes als holprig.
Vielleicht lag es daran, dass dieser zweite Band nicht nur das Ende einer Dilogie ist, sondern auch das Ende des Universums, das ich erschaffen habe. Vielleicht lag es aber auch daran, dass ich mich mit diesem Buch endgültig von meinen lieb gewonnenen Charakteren verabschieden muss. In den letzten Jahren wusste ich immer, dass es ein Wiedersehen geben wird, doch nun muss ich wirklich Lebewohl sagen.
Ein Ende für meine Biker und Vampire, für Paige und Lavaughn zu finden, das gleichzeitig einen würdigen Abschluss für »Clans of London«, »Flame & Arrow« und »Flowers & Bones« bildet, war eine echte Herausforderung. Ich wusste nur eins: Vor über zehn Jahren hat mit Caroline und Ash in London alles seinen Anfang genommen, und deshalb wollte ich unbedingt noch einmal nach London zurück.
Ich hoffe, dass ihr einverstanden seid mit dem Ende, das ich in den kommenden Tagen schreiben werde. Sowohl diejenigen unter euch, die erst mit Paige und Lavaughn dazugekommen sind als auch diejenigen, die schon länger dabei sind – an dieser Stelle ein großes Dankeschön an euch. Weil ihr auch meine Magier, meine Drachen und Fae und/oder meine Catrina-Zwillinge begleitet habt, war es mir möglich, dieses Universum zu erweitern, und dafür danke ich euch.
Doch jetzt geht es erst einmal zurück nach New Orleans, wo Paige gerade ihren Vater verloren hat und aus dem Motorradclub geworfen wurde, während sich Lavaughn vor dem Ältestenrat seines Vampirclans verantworten muss.
Ich wünsche euch schöne Lesestunden mit »Pearls & Skulls – Unvergesslich« und mit dem Abschluss der Geschichten aus diesem Universum. Für mich werden Caroline und Ash, Kailey und Aiden, Sharni und Jared, Valentina und Lily, Emiliano und Cassie, Paige und Lavaughn und all die anderen Charaktere aus den vier Dilogien auf jeden Fall unvergesslich bleiben.
Der Vollmond stand hoch über dem Wald in Cornwall und tauchte die Lichtung in ein magisches Licht. Die Rufe einer Eule erfüllten die Nacht, verstummten jedoch, als in der Ferne ein Wolf heulte.
Mitten auf der Lichtung stand Merlin in einem langen weißen Gewand an einer Feuerstelle. Er hatte einen großen, mit Wasser gefüllten Kessel zwischen den Steinen platziert. Während das Feuerholz knisterte und das Wasser brodelte, warf Merlin nach und nach verschiedene Kräuter aus den Beuteln an seinem Gürtel in den Kessel. Das Wasser färbte sich grün, Dampf stieg auf und kringelte sich Richtung Himmel.
»Kommt näher«, sagte er, ohne aufzusehen und noch bevor sich die Schatten aus den dicht stehenden Bäumen lösten.
Vier Gestalten traten aus allen vier Himmelsrichtungen auf die Lichtung, drei Frauen und ein Mann in ebenso langen Gewändern. Äußerlich bestand kein Unterschied zu den Bewohnern der nahe liegenden Dörfer, doch durch ihre Adern floss besonderes Blut. Hexenblut, Elfenkriegerinnenblut, Drachenblut und das Blut der Unsterblichkeit.
In einem Halbkreis stellten sie sich um den Kessel und beobachteten mit äußerster Vorsicht, wie Merlin einen Dolch aus seiner Gewandtasche zog. Er blickte auf und sah reihum in die Gesichter der Frauen und des Mannes. Dann reichte er der Frau mit der blassen Haut und den hüftlangen schwarzen Haaren den Dolch. Doch sie schüttelte den Kopf.
»Ihr scheint zu vergessen, wen Ihr vor Euch habt«, sagte sie und trat näher an den Kessel heran.
Sie hielt sich das linke Handgelenk vor den Mund und entblößte zwei spitze Eckzähne, mit denen sie Haut und Ader durchbohrte. Sie hielt ihre Hand über den Kessel, und ihr Blut tropfte in das Gebräu.
Als Nächstes folgte die Frau mit den hellen Haaren, unter denen zwei spitze Ohren hervorblitzten. Sie nahm den Dolch von Merlin entgegen und fügte sich, ohne zu zögern, einen Schnitt am rechten Handgelenk zu. Dann reichte sie den Dolch an die Frau mit den roten Locken weiter und ließ ihr Blut in den Kessel tropfen. Es folgten das Blut der Hexe und zum Schluss das Drachenblut des kräftigen Mannes mit dem braunen Haar.
Merlin nahm den Dolch entgegen, schloss die Augen und murmelte leise Worte, während er sich nun ebenfalls einen Schnitt zufügte und sein Blut in den Kessel gab. Das Wasser färbte sich blutrot und begann, sich wie in einem Strudel zu drehen, bis es sich zu dichtem Rauch formte und aufstieg. Der Rauch wirbelte über dem Kessel, schneller und schneller, während auch Merlins Singsang schneller und lauter wurde. Schließlich explodierte der Rauch in unzählige kleine Funken, und zurück blieben vier Gegenstände, die in der Luft schwebten. Sie leuchteten im Licht des Vollmonds auf, bevor Merlin sie nacheinander an sich nahm und den vier magischen Wesen vor sich übergab. Das goldene Pendel für das Volk der Hexen und Magier, der goldverzierte Glaskelch für das Volk der Elfenkrieger, der metallene Speer für das Volk der Drachen und die weiß schimmernde Perlenkette für das Volk der Unsterblichen.
»Diese vier Artefakte sollen euch sowohl Kraft und Stärke verleihen als auch Schutz bieten. Gleichzeitig ermöglichen sie es euch, in dieser immer schneller wachsenden Welt in Verbindung zu bleiben. Aber gebt acht, denn in Menschenhänden werden Stärken rasch in Schwächen umgewandelt. Niemals dürfen die Artefakte an ein und denselben Ort gelangen. Dann bringen sie Angst und Schrecken in die Welt, Unglück und Verderben über eure Völker. Und nun hinfort mit euch. Gehet in Frieden.«
Ich stieß die Tür zum Schnellrestaurant auf, in dem es durchdringend nach Frittierfett roch, und sah mich unauffällig um. Hinten in der linken Ecke saßen drei junge Männer, aßen Burger, unterhielten sich lachend und beachteten uns nicht weiter. Ansonsten war nichts los. Es grenzte an ein Wunder, dass der Laden in Innenstadtnähe überhaupt geöffnet hatte, nachdem Vampire nicht weit von hier wehrlose Menschen angegriffen hatten. Die komplette Stadt befand sich im Ausnahmezustand. Cops, Rettungsleute und Notärzte waren im Dauereinsatz. Sirenen erfüllten die Nacht und sorgten für eine beklemmende Stimmung, obwohl die Panik, die während des Vampirangriffs geherrscht hatte, inzwischen in Neugier umgeschlagen war. Gefühlt war ganz New Orleans auf den Beinen und spekulierte über die Ereignisse. Noch war nicht zu allen durchgedrungen, dass tatsächlich Vampire im Spiel gewesen waren, doch das war nur eine Frage der Zeit. Auf dem Weg hierher hatten wir einigen Kamerateams ausweichen müssen.
Die Frau hinter dem Tresen blickte aufmerksam in unsere Richtung. Hoffentlich erkannte sie die Drachen und Magier nicht aus den Medien und warf uns gleich wieder hochkant hinaus. Mit einem mulmigen Gefühl registrierte ich die zwei Bildschirme an den Wänden, auf denen eine Nachrichtensendung übertragen wurde. Sie waren stumm gestellt, doch der Ton war unnötig, denn es war deutlich zu erkennen, dass sich die Berichterstattung um die jüngsten Ereignisse in New Orleans drehte.
Ich zwang mich zu einem Lächeln, steuerte den Tisch in der entgegengesetzten Ecke der anderen drei Gäste an und rutschte mit einem Seufzen auf die Sitzbank.
»Was soll ich dir mitbringen?«, fragte mich Sharni, die Schwester des Drachenkönigs.
Ich schüttelte den Kopf. »Danke, für mich nichts.«
JD ließ sich neben mir auf die Bank fallen. »Bring uns bitte eine Familienportion Nuggets und Pommes mit Mayo mit, dazu einen Erdbeermilchshake für Paige und eine große Cola für mich.«
Ich schielte hinüber zu der Frau hinter der Theke. »Wartet mal. Haltet ihr es für eine gute Idee, wenn ihr das Essen holt? Was, wenn euch die Angestellte erkennt?«
Kailey winkte ab. »Keine Sorge, ich mach das schon. Wir Elfenkrieger kennen da eine wirksame Methode. Glamour. Zumindest für kurze Zeit kann ich die Frau glauben lassen, dass sie etwas anderes sieht als die Drachen und Magier. Haltet euch trotzdem zurück«, bat sie die anderen, ehe sie sich auf den Weg machten, um die Bestellung aufzugeben.
Ich schob mir das weinrote Bandana aus der Stirn und sah zu JD. »Ich habe wirklich keinen großen Appetit.«
Tatsächlich widerstrebte es mir, überhaupt hier zu sitzen und wertvolle Zeit zu verplempern. Lavaughn wurde vom Ältestenrat der Vampire festgehalten, und James hatte sich meinen Club unter den Nagel gerissen. Und was taten wir? Drachenkönig Aiden hatte vorgeschlagen, dass wir uns einen Plan zurechtlegen sollten, bevor wir in den Bayou eindringen und uns erneut mit dem Feind anlegen würden. Außerdem sollte seine Schwester Sharni vorher etwas zu essen bekommen. Da ich allein nicht viel ausrichten konnte, war mir nichts anderes übrig geblieben, als zuzustimmen, auch wenn ich mich am liebsten sofort auf meine Harley geschwungen und in Richtung Sumpf gefahren wäre.
Seufzend zog JD sein 49ers-Cap vom Kopf und warf es vor sich auf den Tisch, auf dem noch das Pommesfett unserer Vorgänger glänzte. »Verstehe ich gut, ich habe auch keinen Appetit. Aber du solltest trotzdem etwas essen. Das kann eine lange Nacht werden, und du wirst die Energie brauchen.«
Ich bezweifelte, dass ich auch nur einen Bissen hinunterbekam, aber ich nickte, weil er theoretisch recht hatte.
Auf der Straße fuhr ein Krankenwagen mit Blaulicht und Sirene direkt am Schnellrestaurant vorbei. Ich zuckte zusammen und ließ meinen Blick umherschweifen. Kein Vampir in Sicht. Ich lehnte mich wieder zurück, aber mein Körper blieb angespannt.
JD hob die Schultern, als wäre ihm kalt. »Komisch, jetzt hier zu sitzen, oder?«
Er meinte die Umstände, doch ich musste unwillkürlich an Finn denken, denn das war unser Stammrestaurant. Nach unseren Nachtschichten, wenn wir durch das French Quarter patrouilliert waren, um die Vampire im Auge zu behalten, kehrten wir immer hier ein und bestellten zum Runterkommen Nuggets mit einem Milchshake für mich und Cola für die Jungs.
Ich schluckte, weil sich meine Kehle ganz trocken anfühlte. Es hatte mich nicht überrascht, dass James die Gelegenheit sofort beim Schopf gepackt und mich ausgebootet hatte, und natürlich hatten die anderen mitgezogen. Sicher hatte es mich enttäuscht, dass nicht einmal Ernesto oder Mo etwas gesagt hatten, Finns Reaktion jedoch … Ich konnte einfach nicht glauben, dass er sich gegen mich gewandt hatte. Offenbar hatte ich mich in unserer Freundschaft getäuscht.
»Danke«, sagte ich unvermittelt zu JD, dem einzigen Mitglied der Death Riders, das noch zu mir stand. »Ich weiß, wie viel dir der Club bedeutet.«
»Kein Ding. Ohne die Carringtons will ich überhaupt kein Death Rider mehr sein.«
JD stieß mich mit der Schulter an und lächelte zaghaft. Er spielte es herunter, aber ich wusste, dass es ihm nicht leichtfiel, kein Clubmitglied mehr zu sein. Der Club war seine Familie, nachdem er seine Eltern viel zu früh verloren hatte, und im Gegensatz zu mir war er stets von allen akzeptiert worden.
»Trotzdem danke«, sagte ich mit Nachdruck. »Das werde ich dir nie vergessen.«
Er nickte langsam. »Es wird alles wieder gut. Keine Ahnung, wie, aber wir kriegen das hin, okay? Das verspreche ich dir.«
Ich wünschte, er würde so zuversichtlich klingen, wie es seine Worte vermuten ließen, doch JD war bezüglich der Zukunft ebenso unsicher wie ich. Stu war der Einzige, der sich James jetzt noch in den Weg stellen könnte, doch er kämpfte um sein Leben.
Ich zog mein Handy hervor und warf einen Blick auf das Display. Keine Nachricht, kein verpasster Anruf. Hoffentlich schaffte Stu es. Er war wie ein Familienmitglied für mich, ich wollte ihn nicht verlieren. Schlimm genug, dass ich Dad begraben musste.
Dad. Begraben. Das klang einfach surreal. Ich konnte nicht glauben, dass er nicht mehr da war. Dass wir nie wieder bei einem Bier im Speakeasy zusammensitzen würden, ich ihn nie wieder um Rat fragen konnte. Gleichzeitig ploppten Bilder von Moms Beerdigung in meinem Kopf auf. Der unablässige Regen, der auf den Sargdeckel trommelte, als würde er Mom ein Abschiedslied singen wollen. Dad, Stu, Ernesto und Mo, die den Sarg mit vier anderen Männern in die Erde hinabgelassen hatten. Stu, der mich Huckepack genommen hatte, damit Dad ein paar letzte Worte an Mom richten konnte. Und nun sollten all diese Menschen mit einem Schlag ebenfalls aus meinem Leben verschwinden?
Meine Kehle wurde so eng, dass ich husten musste, weil ich das Gefühl hatte, keine Luft mehr zu bekommen. Als ich mit Lavaughn auf dem Roadtrip gewesen war, hatte ich mich gefragt, ob der Club wirklich das war, was ich wollte. Jetzt, wo ich ihn verloren hatte, kannte ich die Antwort.
»Alles okay?«, fragte JD.
Ich ließ seine Frage unkommentiert. »Wie es Stu wohl geht?«
Ein Schatten huschte über JDs Gesicht. »Soll ich Martha anrufen?«
»Ich mach das, wenn du einverstanden bist.« Doch ich zögerte.
JD deutete aufmunternd mit dem Kopf in Richtung meines Handys. »Klar. Martha wird sich freuen, von dir zu hören.«
Mit dem Handrücken wischte ich Staub vom Display. »Meinst du wirklich? Stus Frau hat gerade ganz andere Sorgen.«
JD atmete aus. »Sieh mich an, Paige. Auch ich habe eine Scheißangst, aber früher oder später wird einer von uns diesen Anruf tätigen müssen. Mach es jetzt, denn später müssen wir uns auf die Vampire konzentrieren.«
Oder auf den Club. Mit einem Kopfschütteln und einem Lächeln auf den Lippen sah ich zu JD. Seit wann kannte er mich so gut? Ich hatte immer gewusst, dass ich mich auf ihn verlassen konnte, und natürlich auch mitbekommen, dass er insgeheim auf mich stand. Er war nicht sonderlich gut darin, seine Gefühle zu verbergen. Aber er war ein noch besserer Freund, als ich immer angenommen hatte.
Kurzerhand schlang ich meine Arme um ihn und drückte ihn, dann wählte ich Marthas Nummer. Es dauerte nicht lange, bis sie abnahm. Da die anderen gerade mit voll beladenen Tabletts zurückkamen, bat ich JD, mich aufstehen zu lassen.
»Hallo, Martha, hier ist Paige«, sagte ich, während ich mich ein paar Schritte von unseren zusammengeschobenen Tischen entfernte.
»Paige!«
Stus Frau schluchzte, und mein Herz machte einen Satz. Ich presste das Handy fester gegen mein Ohr.
»Wie geht es Stu? Er ist doch nicht …«
»Nein, er wird noch operiert. Das kann eine ganze Weile dauern, meinte die Ärztin. Es sieht nicht gut aus, aber sie tun, was sie können.«
Ich ließ die Luft entweichen, die ich unbewusst angehalten hatte. Stu lebte. Er hatte nach wie vor die Chance, das Ganze zu überstehen. Das war alles, worauf es ankam.
»Dein Mann ist ein zäher Knochen. Er wird das schaffen.«
»Versprichst du mir das?«, fragte Martha mit brüchiger Stimme.
Ich schluckte gegen die Tränen an, die mir in die Augen schossen. »Ich glaube fest daran. Gib die Hoffnung nicht auf, Martha.«
»Danke, Paige. Und das mit deinem Dad tut mir furchtbar leid. Conrad war ein guter Mann, er hat das nicht verdient. Wenn ich irgendetwas für dich tun kann, lass es mich wissen. Auch, was den Club betrifft. Mein Wort mag nicht viel Gewicht haben, aber ich bin immerhin die Frau des Vizes.«
Ich blinzelte, konnte aber nicht verhindern, dass mir eine Träne über die Wange lief. Hastig wischte ich sie fort. »Wer hat dir Bescheid gesagt?«
»Mo hat angerufen, um sich nach Stu zu erkundigen. Um ehrlich zu sein, konnte ich James nie leiden.«
Mir entfuhr ein Lachen. »Ich glaube, niemand von den Alteingesessenen konnte James je leiden.«
»Wenn Stu wüsste, was der Junge getan hat …« Ich konnte förmlich hören, wie Martha den Kopf schüttelte.
»Hör zu, ich hab noch etwas zu erledigen, aber ich komme so bald wie möglich ins Krankenhaus.«
»Holst du dir den Club zurück?«
»Das werde ich. Halt mich auf dem Laufenden, und melde dich, wenn du etwas brauchst.«
Ich legte auf und kehrte zu den anderen zurück. Widerwillig setzte ich mich. Ich hatte zwei Baustellen und wusste nicht, wo ich zuerst anfangen sollte. Trotzdem hatte Aiden recht, wir brauchten einen Plan.
JD war inzwischen aufgerückt und kaute lustlos auf den Pommes herum. »Wie geht es Stu?«, fragte er sofort.
»Er wird noch operiert.«
»Das ist gut. Also nein, natürlich ist es das nicht, aber …« JD fuhr sich durch die dunklen Haare. »Er lebt.«
Ich nickte. »Ja, er lebt.« Noch.
Ich fing Valentinas Blick auf und war mir ziemlich sicher, dass ihre Gedanken in eine ähnliche Richtung gingen wie meine. Sie und ihr Bruder Emiliano hätten versuchen sollen, mit ihren Catrina-Kräften Stu zu heilen, denn für meinen Dad war jede Hilfe zu spät gekommen. Jetzt lag Stus Schicksal in den Händen der Ärzte.
Ich ließ meinen Blick über die Berge aus Pommes, Burger und Nuggets schweifen, die sich nun über die Tische verteilten. »Wer um Himmels willen soll das alles essen?«
»Aiden und Sharni«, erklärte Kailey feixend. »Glaub mir, du willst Sharni nicht erleben, wenn sie hungrig ist.«
Sharni warf ihr eine Pommes an den Kopf. »Wir Drachen haben einen schnellen Stoffwechsel. Wir brauchen jede Menge Kalorien, um bei Kräften zu bleiben und uns im Zweifelsfall verwandeln zu können.«
Jetzt verstand ich, warum Aiden gemeint hatte, seine Schwester sollte etwas essen, bevor wir Richtung Sumpf aufbrechen. Kurz verspürte ich ein schlechtes Gewissen, aber woher hätte ich das wissen sollen? Ich musste an den Kampf mit der Drachin in St. Louis denken, nach dem ich völlig überfordert gewesen war, weil ich nicht gewusst hatte, wie ich Lavaughn helfen konnte. Das durfte nicht noch einmal passieren. Es konnte jederzeit erneut zu einer Auseinandersetzung kommen, und dann war es gut, die Stärken und Schwächen meiner Verbündeten zu kennen. Also fragte ich nach, während ich aus Vernunftgründen einen Nugget in süßsaure Soße tunkte und meinen Erdbeermilchshake trank. Aiden erzählte von den Selbstheilungskräften seines Volkes, von denen ich dank Marilyn Spencer und den anderen zwei Drachen aus St. Louis bereits wusste.
Die Hexenclans hatten zwar keinen enormen Kalorienverbrauch wie die Drachen, aber sie benötigten Regenerierungsphasen, wenn sie viel Magie wirkten. Nur Caroline bildete eine Ausnahme.
Alkalimetalle in Kombination mit Feuer konnten Magie gänzlich unterbinden, und Voodoozauber brauchten Zeit, weil man sie gut vorbereiten musste.
Die Fae hatten pferdegroße Libellen, auf denen sie sich fortbewegten. Im Kampf spezialisierten sie sich entweder auf Schwerter oder auf Pfeil und Bogen. Sie hatten sogar eine Eliteeinheit, die Queen’s Arrows, die zwanzig Pfeile pro Minute abfeuerten. Auch Kailey war sehr geschickt im Umgang mit dem Bogen, doch sie trug stets zwei Messer bei sich, die sich in Langschwerter verwandelten, sobald sie diese zog.
»Ich würde sie dir ja zeigen, aber ich konnte sie heimlich Lavaughn zustecken, bevor seine Leute ihn mitgenommen haben.« Kailey zwinkerte mir zu.
Erstaunt lehnte ich mich zurück. Damit hatte ich nicht gerechnet, und das würden die Vampire garantiert auch nicht. Die Schwerter konnten Lavaughn im Zweifelsfall einen Vorteil verschaffen.
»Wow … Ich weiß nicht, was ich sagen soll.«
»Nicht doch. Wir ziehen alle an einem Strang.« Kailey wischte sich die Finger an einer Serviette ab. »Also, wie sieht der Plan aus?«
»Können wir die Vampire nicht einfach auffordern, uns deinen Freund auszuhändigen?«, fragte Sharni in meine Richtung. »Und sollten sie sich weigern, kämpfen wir.«
Ich schüttelte den Kopf. »Keine Kämpfe mehr, es sei denn, wir müssen uns verteidigen.«
»Aber die Vampire haben deinen Vater getötet«, erinnerte mich Sharni unnötigerweise und erntete dafür einen Seitenhieb mit dem Ellenbogen von ihrem Bruder. »Was denn?«
»Ich will keinen Krieg zwischen den Death Riders und dem Vampirclan, wenn sich das überhaupt noch vermeiden lässt. Und schon gar nicht will ich euch erneut in die Schusslinie bringen.«
»Ähm, Paige«, meldete sich JD zu Wort. »Ich fürchte, dafür ist es zu spät. Wenn wir Pech haben, sind James und die anderen längst auf dem Weg in den Bayou. Oder denkst du, sie lassen den Angriff der Vampire einfach so auf sich sitzen?«
Ich schnaubte. »Eher friert die Hölle zu.«
»Ich bin auch dafür, kein weiteres Mal gegen die Vampire anzutreten«, meinte Aiden. »Versteh mich nicht falsch, Paige. Wenn es nötig ist, stehen wir dir bei. Ich halte es allerdings für klüger, uns die Vampire nicht zum Feind zu machen. In Anbetracht der eigentlichen Bedrohung sollten wir uns alle zusammenschließen.«
»Ganz genau«, stimmte ich zu, denn das war auch mein Gedanke.
»Du magst es vergessen haben, Bruderherz, aber wir Drachen haben vorhin ebenso wie die Magier und Kailey gegen die Vampire gekämpft. Wenn das keine Kriegserklärung war, weiß ich auch nicht.« Geräuschvoll trank Sharni einen Schluck von ihrer Cola.
Erneut schüttelte ich den Kopf. »Die Vampire haben nicht nur den Club angegriffen, sondern Menschen ausgesaugt und schwer verletzt. Ihr wolltet sie beschützen. So lässt sich euer Eingreifen rechtfertigen.«
»Und das sollten wir auch vor der Presse tun«, meinte Aiden mit finsterer Miene. »Es gibt mit Sicherheit Augenzeugen oder Videomaterial, wahrscheinlich sogar beides. Smith wäre dumm, wenn er die jüngsten Ereignisse nicht nutzen würde, um weiter gegen uns zu hetzen.«
Ich verzog den Mund. »Es tut mir wirklich leid, Aiden. Hätte ich euch nicht um Hilfe gebeten …«
Er winkte ab. »Nein, Paige. Mein Vater hat mich gelehrt, bedacht zu agieren, doch ich sehe nicht tatenlos zu, wenn irgendwo Unrecht geschieht. Auch dann nicht, wenn ich mein Volk damit in die Bredouille bringe. Wir helfen, wenn wir gebraucht werden, so einfach ist das.«
Valentina nickte. »Das tun sie wirklich. Auf Aiden und die anderen ist immer Verlass. Ich weiß nicht, wie ich den Herbst überstanden hätte, wären sie nicht an meiner Seite gewesen.«
Aiden schenkte ihr ein warmes Lächeln. »Jederzeit. Wir sitzen im selben Boot. Am Ende schustert Smith die Taten nicht nur den Drachen oder Vampiren zu, sondern allen Übernatürlichen. Deshalb ist es wichtig, dass wir zusammenhalten, und deshalb bin ich dagegen, dass wir die Vampire erneut angreifen, wenn es sich vermeiden lässt.«
JD stieß ein Seufzen aus. »Okay, okay, das klingt alles logisch. Bleibt trotzdem die Frage, ob der Vampirclan das auch so sehen wird. Die Blutsauger sind ziemlich stur.«
»Das kann ich auch sein«, warf ich ein.
»Dann bist du bei uns genau richtig. Bis auf Valentina und Cassie sind wir alle verdammt stur, aber auch für die beiden ist aufgeben ein Fremdwort. Du hättest Valentina sehen müssen, als sie sich auf einer Pressekonferenz für uns Drachen starkgemacht hat. Frauen-Power, Baby!« Sharni zwinkerte mir zu und schnappte sich einen weiteren Cheeseburger.
Ich musste grinsen. Obwohl ich Sharni und die anderen erst vor ein paar Stunden persönlich kennengelernt hatte, waren sie mir allesamt bereits ans Herz gewachsen. »Tatsächlich habe ich die Pressekonferenz im Fernsehen verfolgt und war echt beeindruckt. Mich hast du sofort auf deine Seite gezogen, Valentina.«
Sie wurde ein bisschen rot. »Na ja, ich kann manchmal sehr emotional werden, und ich reagiere ziemlich wütend auf Ungerechtigkeit.«
»Das klingt, als wäre dir das unangenehm. Lass dir das von niemandem als Schwäche einreden, okay? Ich kenne das, ich bin schließlich unter hartgesottenen Bikern aufgewachsen. Eine Träne, und man wird nie wieder ernst genommen.«
JD warf mir einen überraschten Seitenblick zu. »Ich hoffe, ich habe dir nie dieses Gefühl gegeben.«
»Du bildest in vielen Dingen die Ausnahme, JD.« Ich lächelte ihm zu und wandte mich dann wieder an die anderen. »Okay, ich schlage vor, wir weihen den Ältestenrat der Vampire in Smiths Pläne ein. Der Anwalt ist unberechenbar geworden. Wir müssen die Artefakte finden und können dabei jede Hilfe gebrauchen. Im Idealfall bringen wir die Vampirältesten dazu, sich mit uns zu verbünden, und dann lassen sie hoffentlich auch Lavaughn ungeschoren davonkommen.«
Das war zumindest der Plan, auch wenn es utopisch war. Die Vampirältesten waren bestimmt zu allem fähig, und in ihren Augen hatte Lavaughn sie hintergangen. Er hatte sich mit mir eingelassen und sich gegen seinen Clan gestellt, seinesgleichen ausgelöscht. Die Ältesten mochten vielleicht vernünftig denken und sich auf einen Deal mit uns einlassen. Trotzdem würden sie Lavaughn nicht gleich von jeglicher Schuld freisprechen, da musste ich höchstwahrscheinlich andere Geschütze auffahren. Doch ich war zu allem bereit.
Außerdem hatte Lavaughn Menschenleben gerettet. Behielt Aiden recht und Smith ging an die Öffentlichkeit, konnten wir Lavaughns Verhalten nutzen, um zu beweisen, dass nicht alle Vampire blutrünstige Monster waren. Im Grunde sollten die Ältesten ihm dankbar sein.
JD zog die Stirn kraus. »Sorry, ich will echt kein Spielverderber sein, aber wir sind keine Death Riders mehr, Paige. Wie stellst du dir das Ganze vor? Selbst wenn du die Blutsauger dazu bekommst, mit uns zusammenzuarbeiten, wird uns James die Tour vermasseln.«
»Ich weiß, JD. Ein Problem nach dem anderen. Wir sollten nicht alle im Bayou aufkreuzen, das macht die Vampire nervös und schmälert unsere Chance. Ich schlage vor, dass jeweils einer von euch Drachen, Magiern und Fae mitkommt, um dem Ältestenrat der Vampire ein Friedensangebot zu unterbreiten. Mir ist klar, dass sich die Vampire unmöglich verhalten haben, und wenn ihr euch vor der Presse explizit von ihnen distanzieren wollt, verstehe ich das. Trotzdem frage ich euch, ob ihr mich begleitet. Caroline, Kailey, Aiden?«
Keiner der drei zögerte auch nur eine Sekunde. Als Drachenkönig konnte Aiden diese Entscheidung selbst fällen. Caroline und Kailey wollten sich lediglich bei ihren Oberhäuptern rückversichern, ob sie den Vampiren ein Friedensangebot im Namen ihres Volkes machen durften. Gleiches galt für Cassie, die mir die Unterstützung des irischen Murphy-Clans zusicherte.
»Was ist mit mir?«, wollte Valentina wissen. »Ich begleite dich ebenfalls, wenn du möchtest, auch wenn es von uns Catrinas nicht viele gibt. Genau genommen nur mich und meinen Bruder, unsere Abuelita ist sozusagen in Rente.«
Aus dem Augenwinkel bemerkte ich, wie die Frau hinter der Theke uns beobachtete. Unauffällig sah ich zum Fernseher, doch dort unterhielt sich immer noch ein Journalistenteam vor einem Bluescreen.
Ich lenkte meine Aufmerksamkeit wieder auf Valentina. »Das ist superlieb von dir, aber wir sollten die Vampirältesten wirklich nur als kleine Gruppe aufsuchen, sonst fühlen sie sich bedroht. Vielleicht können wir einfach in deinem Namen sprechen?«
»Dabei sind die Toten Valentinas Spezialgebiet«, scherzte Jared Merlin.
Die Catrina verdrehte die Augen. »Du darfst den Vampiren gern in meinem Namen ein Friedensangebot machen, Paige.«
Dankbar nickte ich. Das war mehr, als ich gehofft hatte. Stimmte der Ältestenrat der Vampire meinem Deal zu, hatten sie nicht nur meine Unterstützung, sondern auch die der Drachen, der Fae, mehrerer Hexenclans und der mexikanischen Catrina-Zwillinge. Es wäre ein Fehler, das auszuschlagen, oder?
Ich unterdrückte ein Stöhnen. Wem wollte ich eigentlich etwas vormachen? Wenn überhaupt wollten die Vampire Gewissheit, dass die Death Riders sie endlich in Frieden ließen, und ausgerechnet das konnte ich ihnen nicht zusichern, weil ich kein Mitglied mehr war. Deshalb konnte ich Aiden und die anderen auch nicht vor- beziehungsweise allein in den Bayou schicken, obwohl es in Bezug auf Smith vor allem wichtig war, dass sich die Übernatürlichen zusammenschlossen. Es bestand ein viel zu hohes Risiko, dass James ihnen die Tour vermasselte, indem er während der Verhandlungen mit dem Ältestenrat im Bayou auftauchte und die Vampire angriff. Auch wenn es dämlich wäre, passte es zu gut zu James. Er neigte zur Selbstüberschätzung, war machtbesessen und testosterongesteuert, und darüber hinaus wollte er garantiert seine neue Position stärken. Fakt war, dass der Vampirclan den Club angegriffen hatte und es die Biker nach Rache dürstete. Dieses Bedürfnis würde James befriedigen wollen. Ich nicht. Schlug der Club diesen Weg ein, wäre er am Ende mit nur noch mehr Leichen gepflastert.
Aber das war immer noch mein Club, ich war die rechtmäßige Nachfolgerin. Ich würde mir die Death Riders zurückholen und ihnen Frieden geben. Zwar rebellierte alles in mir, weil es sich anfühlte, als würde ich Lavaughn im Stich lassen, doch mir blieb keine Wahl. Ich musste darauf hoffen, dass er noch eine Weile allein zurechtkam. Es war nicht unwahrscheinlich, dass die Vampire von Dads Tod und meinem Rauswurf aus dem Club wussten. In dem Fall konnte ich ihnen noch so viel versprechen, sie würden mir gar nicht erst zuhören.
Ich schob den Rest meines inzwischen geschmolzenen Erdbeermilchshakes beiseite und rutschte von der Sitzbank. Dabei fing ich erneut den Blick der Angestellten hinter der Theke auf, die telefonierte. Ertappt sah sie weg. Ob sie uns doch erkannt hatte und die Polizei benachrichtigte? Besser, wir verschwanden von hier.
»Folgender Plan: Ich hole mir zuerst den Club zurück, dann geht es in den Bayou.«
JD reckte eine Faust in die Höhe und stieß einen Jubelschrei aus, der viel zu laut war und sämtliche Aufmerksamkeit auf uns lenkte. Nun sahen auch die drei Männer zu uns und wirkten augenblicklich angespannt. Okay, sie wussten auf jeden Fall, mit wem sie es zu tun hatten.
»Lasst uns abhauen, bevor es noch Ärger gibt.«
Doch da waren die drei bereits aufgesprungen und kamen auf uns zu.
»Was soll das, Raphaël?« Nachdem der Anführer des Vampirclans mich zum wiederholten Male unsanft vor sich hergestoßen hatte, klang meine Stimme leicht gereizt. »Können wir nicht vernünftig miteinander umgehen? Wir waren mal so was wie Freunde.«
Raphaël schnaubte. »Du hast jegliche Bonuspunkte verspielt, als du dich gegen uns gestellt hast.«
»Das ist der größte Mist, den ich je gehört habe. Wie lange kennen wir uns jetzt? Ich habe immer im Interesse des Clans gehandelt.«
»Erzähl das den Ältesten.«
Raphaël schubste mich ein weiteres Mal. Ich stolperte über die Wurzel einer Mangrove und konnte gerade noch verhindern, hinzufallen. Der Clananführer hatte mir mit Fesseln aus Eisen die Hände auf dem Rücken zusammengebunden, sodass ich mich nicht mithilfe meiner Vampirstärke befreien konnte. Eisen unterband diese Kraft. Ich unterdrückte den Fluch, der mir auf den Lippen lag. Hoffentlich waren die Ältesten bereit, mir die Fesseln abzunehmen.
Wir schwiegen, während wir den vollen Parkplatz hinter uns ließen und immer tiefer ins Dickicht eintauchten. Nicki hatte sich abgeseilt, sobald wir den Sumpf erreicht hatten, und Raphaël wollte mir nicht zuhören. Also sparte ich mir die Energie, ihm die Lage verständlich zu machen, denn vor den Ältesten würde ich alles wiederholen müssen. Die Stille gab mir nur leider zu viel Zeit zum Nachdenken.
Hoffentlich ging es Paige gut, hoffentlich war sie rechtzeitig bei ihrem Vater gewesen, und hoffentlich machten ihr die Death Riders keinen Ärger. Das bezweifelte ich allerdings, nachdem ich im Clubhaus aufgetaucht war, um ihr beizustehen. Die Biker erkannten garantiert nicht das Positive an dieser Situation. Sie sahen nur, was sie sehen wollten – dass Paige sich mit einem Vampir zusammengetan hatte. Und nun konnte ich nicht an ihrer Seite sein, um das Ganze zu erklären. Dabei gab es so viel zu erklären, sowohl den Bikern als auch meinem Clan. Ob uns noch irgendjemand zuhören würde? Nicht einmal Raphaël oder Nicki gaben sich Mühe, mich zu verstehen, und die beiden standen mir neben Johnny am nächsten.
Dieser verfluchte britische Anwalt! Warum hatte er den Ältesten ausgerechnet jetzt von den verschwundenen Perlen erzählen müssen? Paige und ich waren kurz davor gewesen, nach New Orleans zurückzukehren und mit der Mission »Umdenken« zu starten.
Wem machst du hier eigentlich etwas vor, Lavaughn? Paige und ich waren meilenweit von einer Lösung unseres Problems entfernt.
Sie hatte von Anfang an recht gehabt, wir hätten uns nie trennen dürfen. Alles wäre viel einfacher, wenn wir uns nicht auch noch Sorgen umeinander machen müssten. Zudem könnten sich sowohl die Death Riders als auch der Vampirclan direkt die Gegenseite anhören. Nun blieb mir nur zu hoffen, dass Paige ohne mich zurechtkam. Das würde sie, keine Frage. Sie war tough und behauptete sich seit Jahren gegen die Biker. Trotzdem hätte ich ihr gern beigestanden. Immerhin hatte sie Aiden, Kailey, Caroline und die anderen an ihrer Seite.
Der Geruch von modrigem Wasser stieg mir in die Nase. Es war seltsam, wieder im Bayou zu sein, dabei war ich nur wenige Tage fort gewesen. In Anbetracht meines Alters war das ein Wimpernschlag, trotzdem fühlte es sich an wie ein halbes Leben. Es war einfach so viel passiert. Einerseits war es, wie nach einer langen Reise nach Hause zu kommen, und ich wusste, wovon ich sprach. Schließlich war ich 1730 geboren worden, als selbst ein Trip von England nach Schottland eine halbe Weltreise gewesen war. Andererseits fühlte ich mich irgendwie fremd, als würde ich nicht länger hierher gehören. Der Sumpf war ein Zuhause, dem ich wie ein Teenager entwachsen war, die Vampire eine Familie, zu der ich nicht länger gehörte. Zumindest nicht ausschließlich.
Aber hatten Paige und ich überhaupt eine Chance auf eine gemeinsame Zukunft, selbst wenn wir die Biker und Vampire davon überzeugen konnten zu kooperieren? Ich verdrängte das gern, doch Tatsache war, dass ich ein unendliches Leben hatte. Und Paige nicht.
Das Hausboot der Ältesten kam in Sicht, und wie jedes Mal schob ich den Gedanken an die Zukunft weit von mir. Hier und jetzt musste ich mich um andere Dinge kümmern.
Ich betrat den Steg, der zum größten aller Hausboote in dieser Sumpfregion führte. Es war noch mitten in der Nacht, und von den umliegenden Hausbooten hallten die Stimmen anderer Clanmitglieder zu mir herüber. Sie klangen ausgelassen, fröhlich und aufgekratzt, hatten damit sämtliche Alligatoren und Vögel im näheren Umkreis vertrieben.
Wut flutete meinen Körper. Hatten sie überhaupt eine Ahnung, was sie angerichtet hatten? Wenn sie sich in New Orleans wenigstens auf die Death Riders konzentriert hätten, aber unsere Spezies mit einem Angriff auf Menschen zu offenbaren, war das Dämlichste, was sie hatten tun können.
Bevor ich die Tür zum Hausboot der Ältesten öffnen konnte, wurde sie von innen aufgestoßen. Nicki trat hinaus, ein selbstgefälliges Grinsen auf den Lippen, nach denen ich vor Kurzem noch verrückt gewesen war. Inzwischen ging mir Paiges Schmollmund nicht mehr aus dem Kopf.
»Viel Glück«, flötete Nicki, als wäre ihr mein Schicksal vollkommen gleichgültig. In ihren schwarzen Overkneestiefeln stolzierte sie an mir vorbei.
»Glück braucht man nur, wenn man keine Ahnung hat, was man tut, Darling«, erwiderte ich.
Hoch erhobenen Hauptes trat ich über die Schwelle. Zu meiner Überraschung blieb Raphaël draußen. Er schloss die Tür hinter mir, und ich war mit den Ältesten allein. Walter, Timothy und Claude erwarteten mich bereits im Schein unzähliger Kerzen. Es mochte romantisch klingen, tatsächlich war die Atmosphäre eher düster. Düster und bedrohlich. Meine Chancen, dieses Hausboot in einem Stück wieder zu verlassen, standen schlecht.
Die Ältesten saßen nebeneinander an dem langen Tisch aus Eichenholz, jeder ein Kristallglas vor sich, das mit einer roten, dicken Flüssigkeit gefüllt war. Mein Magen zog sich zusammen. Es war zu lange her, dass ich vernünftig gegessen hatte, und die Anstrengungen der vergangenen Tage steckten mir in den Knochen, ebenso wie der Kampf gegen Marilyn und ihre Drachenfreunde sowie der Kampf gegen meinesgleichen. Paiges Blut hatte mir in St. Louis zwar wieder auf die Beine geholfen, aber es war zu wenig gewesen, um mich wirklich zu stärken. Wenn ich das hier unbeschadet überstand, musste ich mir erst mal Blut besorgen. Nach allem, was vorhin passiert war, widerstrebte es mir zwar, von einem Menschen zu trinken, aber lange würde ich nicht mehr ohne Nahrung auskommen. Sollte ich an keine Konserven gelangen, was nach dem Vampirangriff und den vielen Verletzten schwierig werden könnte, blieb mir keine Wahl.
»Setz dich.«
Claude deutete auf den einzigen Stuhl, der sich den Ältesten gegenüber auf der anderen Seite des Tisches befand. Er kam mir wie ein Folterstuhl vor, trotzdem nahm ich Platz – und spürte, wie etwas in beiden Hosentaschen unangenehm gegen meine Oberschenkel drückte. Unauffällig tastete ich danach. Es fühlte sich nach Messern an, allerdings hatte ich keine eingesteckt. Zum Glück hatte Raphaël mich nicht gefilzt, er hätte mir nie geglaubt, dass es nicht meine Waffen waren. Aber wie kamen sie in meine Hose?
Bei Dracula, waren das etwa Kaileys Messer, die zu Langschwertern wurden, sobald man sie zog? Ich erinnerte mich, wie sie gegen mich gestoßen war, als Raphaël mich aus dem Clubhaus gezerrt hatte. In dem Moment musste mir die Elfenkriegerin ihre Messer heimlich zugesteckt haben. Wie hatte ich das nicht mitbekommen können?
Dankbarkeit machte sich in mir breit. Damit hatte ich eine reelle Chance zu entkommen, sollte der Rat beschließen, mich zu exekutieren. Niemand rechnete damit, dass ich herkömmliche Waffen bei mir tragen würde, und ich hatte gewiss keine Skrupel, sie gegen meinesgleichen einzusetzen. Natürlich wäre es mir lieber, das Ganze anders zu regeln. Es waren genug Vampire vernichtet worden. Aber am Ende wäre es zum Besten des Clans, immerhin wollte ich die Vampire und Biker zusammenführen. Das würde definitiv mehr Leben retten als der Weg, den Raphaël und die Ältesten einschlagen wollten.
Jetzt musste ich nur noch die Fesseln loswerden, aber ich verkniff mir die Frage danach. Allein auf meine Bitte hin würden mir die Ältesten diese nicht abnehmen, und ich wollte keinen Eindruck von Schwäche vermitteln. Vampire waren wie Hunde, sie konnten Angst riechen. Und die Ältesten waren die Rottweiler unter den Vampiren.
Walter legte die Finger aneinander. »Also, was hast du zu deiner Verteidigung vorzubringen?«
»Nichts.«
Überrascht hob er die Augenbrauen. »Du hast nichts zu sagen?«
»O doch, ich habe eine Menge zu sagen, aber nichts zu meiner Verteidigung, weil ich nichts falsch gemacht habe.«
Claude schloss für einen Moment die Augen, als bitte er den Herrgott um Geduld. Er war tatsächlich einer der wenigen mir bekannten Vampire, die gläubig waren, und trug immer einen Rosenkranz um den Hals. »Du wirst hier für deine Vergehen angeklagt, nicht umgekehrt. Vergiss das nicht. Ich war von vornherein dagegen, dich überhaupt anzuhören.«
»Kam die Information über die gestohlenen Perlen von dem britischen Anwalt Simon Smith?«, fragte ich ungerührt.
Die Ältesten warfen sich Blicke zu, die mehr sagten als tausend Worte. Raphaël hatte es mir schon bestätigt, das hier war reine Taktik. Und sie ging auf.
»Woher weißt du davon?«, fragte Timothy scharf.
»Nun, ich habe einiges in Erfahrung gebracht, das euch interessieren dürfte.«
»Und jetzt erwartest du von uns, dir einfach zu glauben, nachdem du tagelang verschwunden warst?«
»Warum sollte ich euch anlügen? Es gibt keinen Grund dazu, wir haben schließlich das gleiche Ziel.«
»Und das wäre?«, hakte Timothy nach.
Beinahe hätte ich gelacht. Wenn ihr das nicht wisst, kann ich euch auch nicht helfen. Die Worte lagen mir auf der Zunge, doch ich sprach sie nicht aus. Ich reizte die Ältesten liebend gern, doch im Moment war es wenig ratsam, ihre Geduld überzustrapazieren.
»Frieden und Akzeptanz. Oder wollt ihr euch neben den Bikern nun auch noch die Menschen zum Feind machen? Wobei die Frage inzwischen unerheblich sein dürfte.«
»Davon kann wohl kaum die Rede sein«, bemerkte Walter selbstgefällig.
Claude schüttelte den Kopf. »Das hier ist reine Zeitverschwendung. Wenn er wenigstens sagen würde, was er denkt.«
»Dein Wunsch sei mir Befehl, Claude. Ich denke, dass diese ganze Aktion gegen die Biker mehr als dämlich war. Seit Monaten predige ich euch, die aktuelle Entwicklung mit den Drachen und Hexenclans zu nutzen, um uns endlich den Menschen zu offenbaren. Wir hätten sie ganz einfach auf unsere Seite ziehen können. Und was tut ihr? Fallt in New Orleans ein und veranstaltet ein All-you-can-eat-Büfett im French Quarter. Wirklich perfekt, um den Menschen zu signalisieren, dass sie von uns nichts zu befürchten haben.«
Meine Stimme triefte vor Sarkasmus. So viel zu meinem Plan, die Ältesten nicht zu sehr zu reizen, aber ich konnte einfach nicht anders, als ihnen meine Meinung zu sagen. In nur einer Nacht hatten sie alles zunichtegemacht, was wir uns hätten aufbauen können. Der Schaden, den sie angerichtet hatten, war kaum wiedergutzumachen.
»Von uns dreien hat niemand ein All-you-can-eat-Büfett genehmigt, geschweige denn veranstaltet«, bemerkte Walter sauer. »Du solltest uns besser kennen, Lavaughn.«
»Aber was habt ihr denn erwartet, als ihr den Befehl gegeben habt, gegen die Death Riders vorzugehen? Dass sich die Vampire benehmen würden?«
Walter nickte. »Ja. Ja, das haben wir erwartet. Zu Mardi Gras funktioniert es schließlich auch. Außerdem kannst du das nicht vergleichen.«
Womit er natürlich nicht ganz unrecht hatte, also ruderte ich zurück. Weitere Vorwürfe würden mich keinen Schritt weiterbringen. Ich hatte gesagt, was zu sagen war, jetzt mussten wir gemeinsam nach Lösungen suchen. »Du hast recht, Walter, das war nicht abzusehen. Fakt ist jedoch, dass sich einige Vampire unseres Clans wie Berserker aufgeführt haben. Sie haben für Angst und Schrecken in den Straßen von New Orleans gesorgt, ein regelrechtes Blutbad angerichtet. Sie haben sämtliche Vorurteile gegen uns bestätigt. Genau aus diesem Grund habe ich eingegriffen, jemand musste sie aufhalten. Ich habe mich weder gegen den Clan noch gegen euch gestellt.«
Claude griff nach seinem Kristallglas und schwenkte den Inhalt, als handelte es sich um einen edlen Pinot Noir oder einen uralten Whiskey und nicht um Menschenblut. »Nun, Véronique hat uns ganz andere Dinge berichtet.«
Natürlich hatte Nicki das. Es hätte mich auch gewundert, wenn nicht. Ob sie eifersüchtig war? Wusste sie von Paige und mir? Oder ging es ihr einfach gegen den Strich, dass ich sie im Clubhaus der Death Riders vor versammelter Mannschaft runtergemacht hatte?
»Mir ist bewusst, dass es ausgesehen haben muss, als hätte ich mich mit dem Feind verbündet, aber ich kann euch versichern, dass dem nicht so war.« Wobei das nicht ganz stimmte, aber alles zu seiner Zeit.
»Vielleicht fängst du von vorne an. Wo warst du in den vergangenen Tagen und Nächten? Wer war bei dir? Und keine Lügen, sonst reiße ich dir eigenhändig das Herz heraus«, sagte Timothy.
Ich zögerte nicht, denn ich wollte den Ältesten keinesfalls das Gefühl geben, ihnen etwas zu verschweigen. Während ich von meinen Vorbereitungen, der Bodycam und der Absicherung mithilfe der Cloud erzählte, überlegte ich jedoch insgeheim, was ich preisgeben sollte. Von der Bodycam wussten sie natürlich, die Cloud hatte ich ihnen im Vorfeld wohlweislich verschwiegen. Nun musste ich ihnen davon berichten, weil Nicki bei der Planung beteiligt gewesen war und offensichtlich nicht länger zu mir hielt. Außerdem konnte Johnny bereits einiges erzählt haben. Die Ältesten taten zwar ahnungslos, doch das konnte gespielt sein. Keine Ahnung, ob sie die Aufnahmen aus der Mardi-Gras-Nacht schon gesehen hatten oder sich noch ansehen würden. Zumindest war es keine Option, ihnen diesbezüglich Lügen aufzutischen.
Also erzählte ich von den Perlen, die längst gestohlen worden waren, von Paiges Vorschlag, dem Dieb gemeinsam auf die Spur zu kommen, und von unseren Trips nach St. Louis, Nashville und schließlich nach London. Die Ältesten wechselten vielsagende Blicke, als ich zu George Merlin kam, dem Oberhaupt des Londoner Hexenclans. Anscheinend kannten und schätzten sie ihn.
Ich verschwieg auch nicht, dass sich Paiges Einstellung zu unserem Vampirclan gewandelt hatte und wir sie als Verbündete gewinnen konnten, sofern die Ältesten dazu bereit wären. Nur unsere Gefühle ließ ich aus dem Spiel. Es tat nichts zur Sache, dass ich mich längst in Paige verliebt hatte und sie auch etwas für mich empfand.
»Die ganze Zeit über habe ich im Interesse unseres Clans gehandelt«, schloss ich. »Mein Ziel war es von Anfang an, Paiges Meinung über uns zu ändern. Sie ist Conrad Carringtons Tochter und damit die zukünftige Clubvorsitzende. Ihr Wort hat Gewicht.«
Walter runzelte die Stirn. »Da bin ich mir nicht so sicher. Soweit uns bekannt ist, ist sie das einzige weibliche Mitglied, und Frauen haben im Club heute wie damals wenig zu sagen.«
»Paige Carrington bildet eine Ausnahme«, beharrte ich, obwohl ich nur zu gut wusste, wie richtig Walter mit seiner Vermutung lag. Trotzdem war ich der festen Überzeugung, dass Paige etwas bewirken konnte.
Claude stellte sein Glas beiseite und leckte sich das Blut aus dem Mundwinkel. »Uns ist zu Ohren gekommen, dass Conrad Carrington den Angriff nicht überlebt hat. In dem Fall kann seine Tochter gleich beweisen, ob sie ihren Worten Taten folgen lässt.«
Paiges Vater ist tot?
Ich hatte alle Mühe, mir meine Emotionen nicht anmerken zu lassen, dabei tobte in mir ein Orkan. Paige war zu spät gekommen. Sie hatte ihren Dad nicht retten können, ebenso wie sie ihre Mutter vor elf Jahren nicht hatte retten können. Das änderte einiges, und ich ahnte, wie groß ihre Trauer war. Sie hatte ihren Vater verloren und musste ausgerechnet in dieser Ausgangssituation in seine Fußstapfen treten. Wenn ich nur für sie da sein könnte. Gleichzeitig wusste ich, dass ein Vampir an ihrer Seite das Letzte war, was sie jetzt gebrauchen konnte, zumindest aus Sicht der anderen Clubmitglieder.
Das Einzige, das mich tröstete, war die Tatsache, dass Paige zumindest körperlich wohlauf zu sein schien. Wäre dem nicht so, würden die Ältesten auch darüber Bescheid wissen.
Ich bemerkte Claudes aufmerksamen Blick und straffte die Schultern. »Ihr scheint vergessen zu haben, dass unser Clan die DeathRiders erst vor wenigen Stunden angegriffen hat. Wir sind für Conrad Carringtons Tod verantwortlich.«
Wir, dass ich nicht lachte. Das alles wäre nicht passiert, wenn ich vor Ort gewesen wäre. Zumindest hätte ich versucht, die Ältesten davon abzuhalten, das Clubhaus stürmen zu lassen. Dieser Schritt hatte unseren Clan in vielerlei Hinsicht in die völlig falsche Richtung geführt – die Menschen, die uns nun erst recht fürchteten; die Biker, die uns jetzt noch mehr hassten. Wie sollte Paige unter diesen Umständen ein gutes Wort für unseren Clan bei ihrem Club einlegen? In Anbetracht der eigentlichen Bedrohung für die übernatürliche Welt schien das zwar keine Rolle zu spielen, doch es lenkte uns ab und kam Smith entsprechend zugute. Immerhin hatte er es nicht nur auf uns Vampire abgesehen. Eigentlich sollten wir unsere gesamte Konzentration auf ihn richten, anstatt uns mit den Bikern zu bekriegen.
»Was willst du damit sagen?«, fragte Walter. »Dass Carringtons Tochter ihre Meinung ändern wird?«
Das hatte ich bewusst nicht so ausgedrückt, denn ich war mir sicher, dass Paige trotz allem keinen Rückzieher machen würde.
»Sie wird weiterhin zu ihrem Wort stehen, aber unter diesen Umständen wird sie es alles andere als leicht haben, den Club in eine neue Richtung zu lenken. Die Biker werden Rache üben wollen. Wer kann es ihnen verdenken? Wir haben ihren Vorsitzenden ermordet. Stellt euch vor, die Situation wäre umgekehrt, die Biker wären im Bayou eingefallen und hätten euch nacheinander einen Pflock ins Herz gejagt.«
Walters Augen verengten sich zu Schlitzen. Er nahm meine Worte als Drohung auf. Sollte er. Ich würde keinen Death Rider aufhalten, der sich an den Ältesten oder Raphaël vergreifen wollte. Vielleicht konnten wir dann zu der Stelle vorspulen, an der Paige und ich hatten ansetzen wollen.
»Wir müssen Conrad Carringtons Tochter Zeit geben, die Dinge in unserem Sinne zu regeln«, fuhr ich scheinbar unbeirrt fort. »Auch wenn uns die Zeit eigentlich davonläuft.«
Meine Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. »Wie meinst du das?«, hakte Claude nach.
Ich unterdrückte eine triumphierende Geste. »Der Motorradclub ist unsere geringste Sorge, denn wir haben es mit einer viel größeren Bedrohung zu tun. Das ist auch einer der Gründe, warum ich in New Orleans eingegriffen habe. Zum einen, damit wir es uns nicht komplett mit den Death Riders verscherzen. Zum anderen, um die Menschen doch noch davon zu überzeugen, dass wir Vampire nicht alle gleich sind und die Sache im French Quarter eine absolute Ausnahme war. Und das müssen wir um jeden Preis.«
Ich hatte keine Ahnung, was Smith plante, doch er ließ nicht davon ab, den Menschen zu zeigen, wie gefährlich Drachen und Hexen angeblich waren. Das Gleiche würde er auch mit uns Vampiren versuchen, und meine Clanmitglieder hatten es ihm leider viel zu leicht gemacht. Außerdem mussten wir uns unbedingt die Perlen zurückholen. In Smiths Händen waren sie für uns noch gefährlicher als in den Händen des Bikerclubs.
Claude verdrehte die Augen. »Du sprichst schon wieder in Rätseln, Lavaughn. Raus mit der Sprache, oder dein letztes Stündlein hat endgültig geschlagen.«
»Zuerst müsst ihr mir versichern, dass es Johnny gut geht und er nichts zu befürchten hat.«
Timothy lachte auf. »Du bist nicht in der Position, Forderungen zu stellen.«
Gespielt gleichgültig zuckte ich mit den Schultern. »Glaubt mir, ihr wollt wissen, was ich zu sagen habe. Eure Entscheidung, das ist der Deal.«
Die Ältesten tauschten sich stumm aus, während sich in mir alles zusammenzog. Ich hätte mir gut vorstellen können, dass mich der Rat mithilfe von Johnny nur hatte zurückholen wollen, doch ihre Reaktion bewies mir das Gegenteil. Sie hielten ihn tatsächlich gefangen und würden nicht davor zurückschrecken, auch ihn zu bestrafen.
Ich verspürte das drängende Bedürfnis, die drei Vampirobersten davon zu überzeugen, dass Johnny nichts getan hatte, dass er nicht einmal an der Planung zum Einbruch ins Clubhaus beteiligt gewesen war. Doch ich schwieg, weil ich wusste, dass all meine Worte nichts ändern würden. Der Einbruch ins Clubhaus war zudem nicht das Problem, immerhin hatten mich die Ältesten dazu beauftragt. Johnnys Schweigen und seine Loyalität mir gegenüber war den Ältesten schon lange ein Dorn im Auge. Sie fühlten sich von seiner Treue zu mir bedroht, weil er im Zweifelsfall auf mich hören würde und nicht auf sie.
Schließlich nickte Walter. »Johnny geht es gut, und wir werden ihn für nichts belangen, das du angestellt hast.«
Ich schüttelte den Kopf. »Ihr werdet ihn überhaupt nicht belangen.«
Walter knirschte mit den Zähnen, ein ekelhaftes Geräusch. »Nun gut, Johnny kommt frei, solange du dich an deine Abmachung hältst und keine weiteren Forderungen stellst. Und nun erzähl endlich von der Bedrohung, oder unsere Vereinbarung ist hinfällig.«
Mir blieb nichts anderes übrig, als mich auf das Wort der Ältesten zu verlassen.
»Simon Smith hat es auf uns abgesehen. Er hat euch die Information zu den Perlen nur gegeben, weil er genau wusste, was dann passiert. Er wollte, dass sich die Vampire und Biker gegenseitig die Köpfe einschlagen, damit er sich nicht selbst die Hände schmutzig machen muss. Das Gleiche hat er mit den Hexen, den Drachen und den Fae veranstaltet. Die Auseinandersetzung der Londoner Hexenclans im Sommer? Der Krieg der irischen Drachen und der Fae im Herbst? Sogar das Offenbarungsvideo der Catrina. Das und noch viel mehr war von Smith geplant gewesen.«
»Simon Smith ist Anwalt bei Beaver, Whitebait & Smith. Er handelt im Interesse der übernatürlichen Wesen«, beharrte Claude. »Er handelt in unserem Interesse.«
Ich schüttelte erneut den Kopf. »Vordergründig mag das so aussehen. Hintergründig hat er sich mit anderen Angestellten der Kanzlei zusammengetan, um die übernatürlichen Wesen auszurotten. Deshalb musste auch Atticus Beaver sterben, er wusste zu viel. Unterhaltet euch mit George Merlin, wenn ihr mir nicht glaubt. Er wird euch all das bestätigen und eure Fragen beantworten.«
Schweigen breitete sich aus, während sich die Ältesten weitere Blicke zuwarfen. Hatte ich sie überzeugt? Glaubten sie mir? Ausgerechnet jetzt konnte ich ihre Reaktion absolut nicht einschätzen.
Von draußen drangen weiterhin ausgelassene Schreie an mein Ohr, die so gar nicht zu der angespannten Stimmung im Hausboot passten. Ich hörte sogar Wasserplatschen, vermutlich veranstalteten die Vampire ein Weitspringen. Ich musste an den Morgen denken, als wir ebenfalls ins Wasser gesprungen und die Biker auf ihren Maschinen durch den Bayou gedonnert waren. Seitdem hatte sich so viel geändert – dank Paige. Worte allein hätten niemals das erreicht, was das Zusammensein mit Paige in kürzester Zeit bewirkt hatte, und jetzt wusste ich auch, was ich zu tun hatte, wenn ich hier lebend herauskam. Irgendwie musste ich sie mit den Vampiren zusammenbringen, um diese davon zu überzeugen, dass auch Paige sich eine Veränderung wünschte.
»Was ist mit den Perlen?« Timothys Stimme durchschnitt die Stille im Hausboot. »Hast du sie mit dem Carrington-Mädchen gefunden? Oder wisst ihr, wo sie stecken?«
»Ein guter Punkt. Wir müssen sie uns unbedingt zurückholen. Smith wird sie haben.«
Ebenso wie die Artefakte der Magier, der Drachen und der Fae. Die Worte lagen mir auf der Zunge, doch aus irgendeinem Grund sprach ich sie nicht aus. Mich beschlich das ungute Gefühl, dass ein Wissensvorsprung nicht schaden konnte, um weiter mit dem Rat verhandeln zu können.
»Werdet ihr mit George Merlin reden?«, hakte ich nach.
»Das braucht dich nicht zu interessieren«, erwiderte Timothy.
Die Frage, wie er seine Worte meinte, war überflüssig. Ein Schauer lief mir über den Rücken, als ich sah, wie er sich mit der Zungenspitze über die Zähne fuhr.
Für den Bruchteil einer Sekunde überlegte ich, den Ältesten zu sagen, dass ich noch mehr Informationen hatte. Dass sie mich brauchten, wenn sie Paige und den Club auf ihre Seite ziehen wollten. Doch nichts davon würde mich retten.
Hastig wandte ich mich zu Caroline um. »Verschwindet von hier, schnell!«
Sie blickte über ihre Schulter und bemerkte erst jetzt die drei Männer vom Tisch in der anderen Ecke auf Konfrontationskurs. Besorgt sah sie wieder zu mir, während sie sich aus der Bank schob und die anderen ebenfalls zum Aufstehen aufforderte. »Was ist mit dir und JD?«
»Ich habe hier noch etwas zu erledigen. Wir kommen klar. Außerdem sind JD und ich nicht übernatürlich, uns werden sie schon nichts tun. Vielleicht können wir sogar die Wogen glätten.«
Caroline schien an meinen Worten zu zweifeln, und ehrlich gesagt war ich mir selbst nicht sicher. Doch wir würden uns zu verteidigen wissen. Kein Grund, die anderen hineinzuziehen, zumal wahrscheinlich die Cops längst auf dem Weg hierher waren. Für Caroline, Aiden und die anderen war es besser, der Polizei aus dem Weg zu gehen, auch wenn sie rein gar nichts falsch gemacht hatten.
»Los jetzt, bringt euch in Sicherheit«, sagte ich noch einmal. »Ich melde mich, sobald ich die Death Riders unter Kontrolle habe und wir in den Bayou können. Solltest du innerhalb der nächsten eineinhalb Stunden nichts von mir hören, wäre es gut, wenn ihr Lavaughn helfen würdet.«
»Paige …«
»Los jetzt!«
Caroline schien nach wie vor nicht überzeugt, doch sie zögerte nicht länger und scharte die anderen hastig um sich. Einen Wimpernschlag später waren sie verschwunden, gerade noch rechtzeitig. Ich hörte die Angestellte leise aufschreien.
Die drei jungen Männer blieben vor uns stehen, auch sie wirkten überrascht, obwohl sie geahnt hatten, mit wem sie es zu tun hatten.
»Ich hab doch gesagt, dass das die Londoner Hexe ist«, zischte der eine und stieß dem Kerl neben sich den Ellenbogen in die Seite.
»Darf ich mal?«
Mit einem freundlichen Lächeln wollte ich mich an den dreien vorbeischieben. Zumindest war es einen Versuch wert, doch natürlich ließen sie JD und mich nicht einfach so gehen. Stattdessen stellten sie sich breitbeinig auf, die Augen zu Schlitzen verengt wie eine unausgesprochene Drohung.
Ich stieß ein hörbares Seufzen aus. »Wo ist das Problem, Jungs? Niemand von uns hat euch etwas getan, und ich würd’s gern dabei belassen. Nun macht schon Platz.«
Der in der Mitte schnaubte. »Ihr gebt euch mit Hexen und Drachen ab.«
»Na und?« Ich zuckte mit den Schultern. »Was geht dich das an?«
»Die übernatürlichen Wesen gehen uns alle etwas an.«
JD gab ein würgendes Geräusch von sich. »Von dem Bullshit wird mir schlecht. Verzieht euch lieber, sonst kotze ich euch noch auf die Schuhe.«
»Die Drachen haben New Orleans angegriffen«, knurrte einer der Männer. »Damit werden sie nicht ungeschoren davonkommen. Und wenn ihr euch mit ihnen abgebt, seid ihr nicht besser als sie.«
Ich versuchte, ruhig zu bleiben, auch wenn ich Polizeisirenen hörte, die immer näher kamen und sehr wahrscheinlich zu uns wollten. Spätestens, als sich die anderen in Luft aufgelöst hatten, hatte die Angestellte garantiert die Polizei gerufen, und da es in ganz New Orleans nach wie vor nur so von Cops wimmelte, brauchten sie auch nicht lange.
»Ihr habt keine Ahnung, was wirklich vorgefallen ist, und wenn man keine Ahnung hat, sollte man lieber die Klappe halten. Jetzt lasst uns durch. Ich habe keine Zeit, mich mit euch Losern abzugeben, denn im Gegensatz zu euch habe ich echte Probleme.«
Die drei verständigten sich wortlos und griffen uns in der nächsten Sekunde an. Perfekt, genau darauf hatte ich es angelegt, nachdem sie keine Einsicht gezeigt hatten. Ich wollte nicht zuerst zuschlagen, denn mehr Ärger brauchte ich echt nicht. Doch niemand konnte von JD und mir verlangen, dass wir uns verprügeln ließen, ohne uns zu verteidigen.
Ich duckte mich unter dem Schlag weg und boxte dem Typen in den Magen. Nach Luft japsend krümmte er sich. Ich schob ihn aus dem Weg und auf die Bank, damit ich mir den zweiten Kerl vornehmen konnte, während sich JD um den Dritten kümmerte. Die Männer mochten groß und kräftig gebaut sein, doch sie waren garantiert nicht im Nahkampf ausgebildet worden, so wie JD und ich. Jahrelang hatten wir es mit Vampiren aufgenommen, da waren die drei kein Problem für uns. Es dauerte nicht mal eine Minute, um sie so weit außer Gefecht zu setzen, dass wir abhauen konnten.
Ich griff nach JDs Hand und zog ihn hinter mir her zum Ausgang, vor dem in diesem Moment ein Polizeiwagen scharf bremste.
»Verdammt!«
»Komm.« JD zog mich in die andere Richtung. »Es gibt mit Sicherheit einen Hinterausgang.«
Auf gut Glück rannten wir an der verschreckten Angestellten hinter der Theke vorbei in den Bereich, wo die Bestellungen zubereitet wurden. Dort saßen eine Frau und ein älterer Mann, die verdutzt von ihren Handys aufsahen, uns aber nicht aufhielten. Und tatsächlich entdeckte ich am anderen Ende des Raums eine Tür. JD und ich hielten darauf zu, als wir hörten, wie die Cops in den Laden stürmten. JD stieß mit der Schulter gegen die Tür, die zu meiner Erleichterung nachgab und aufschwang. Stolpernd rannten wir in die Nacht hinaus, auf dem schnellsten Weg zum Clubhaus, wo wir James und die anderen Death Riders vielleicht noch erwischen würden.
Blieb nur zu hoffen, dass uns weder die Angestellten noch die drei Männer als Clubmitglieder erkannt hatten, sonst würde es nicht lange dauern, bis die Cops ebenfalls am Clubhaus eintrafen und uns noch mehr wertvolle Zeit stehlen würden.
»James!«, schrie ich zum wiederholten Male und hämmerte gegen die Tür.
Im Clubhaus brannte Licht, trotzdem hatte bis jetzt niemand reagiert. Vermutlich war der selbst ernannte Clubvorsitzende längst damit beschäftigt, einen Schlachtplan zu entwerfen. Gut vorstellbar, dass er gleich bei Sonnenaufgang zurückschlagen wollte. Zu diesem Zeitpunkt würden sich die Vampire in ihre Särge zurückziehen und waren am verwundbarsten. Der ideale Zeitpunkt also, um anzugreifen oder – wie in meinem Fall – zu verhandeln. Es reichte schon, wenn wir es mit den Ältesten zu tun bekommen würden. Nicht auszudenken, wenn wir es auf einmal mit dem ganzen Vampirclan aufnehmen mussten, weil irgendetwas schiefging.
Hoffentlich war es für Lavaughn noch nicht zu spät. Ich hatte Caroline nur kurz geschrieben, dass wir inzwischen am Clubhaus angekommen waren, auch wenn ich sie am liebsten in den Bayou vorausgeschickt hätte.
Es nervte mich, dass ich ständig Zeit verlor. James ignorierte mich ganz offensichtlich, denn mein Gebrüll und Klopfen konnte unmöglich an ihm vorbeigegangen sein. Ich sah die Straße entlang, die verlassen dalag, niemand interessierte sich für den Lärm, den ich veranstaltete. Selbst der Mond hatte sich zur Hälfte hinter einer Wolke versteckt, als wäre ihm der Tumult auf der Erde zu viel.
Erstaunlicherweise hatten sich sogar die Cops zurückgezogen, die sich vorhin am Ende der Straße postiert hatten, was mich wirklich wunderte. Vielleicht hatten sie die Clubmitglieder bereits verhört, vielleicht hatten sie wichtigere Dinge zu erledigen und würden wiederkommen. Ein Grund mehr, so schnell wie möglich von hier zu verschwinden.
»So ein Idiot«, fluchte JD, der am Fuß der Treppe stand. »Am liebsten würde ich reingehen und ihn an den Haaren nach draußen zerren.«
»Glaub mir, ich auch«, murmelte ich.
