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Perfect Touch - Ungestüm E-Book

Jessica Clare

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Beschreibung

Gegensätze ziehen sich an - mit voller Wucht!

Marjorie Ivarsson fällt es nicht leicht, Männer kennenzulernen. Zum einen ist die schüchterne Blondine mit ihren 1,85 Meter größer als die meisten Menschen, zum anderen verbringt sie ihre Abende lieber damit, mit Rentnern Bingo zu spielen, anstatt auszugehen. Doch als sie zur Hochzeit einer Freundin auf eine traumhafte Insel eingeladen wird, gerät ihr geordnetes Leben aus dem Takt. Dort begegnet sie dem charismatischen Milliardär Robert Cannon, der alles verkörpert, was sie nie für sich gesucht hat. Zwei Welten prallen aufeinander - und entfachen ein Feuer, das selbst der tropischen Sonne Konkurrenz macht ...

»Ich verschlinge Jessica Clares Milliardärs-Bücher wie Schokolade - sie sind einfach so gut.« Booklovers for Life

Emotional, mitreißend und sinnlich - die Bestseller-Serie PERFECT TOUCH von Jessica Clare:

Band 1: Perfect Touch - Ungestüm
Band 2: Perfect Touch - Intensiv
Band 3: Perfect Touch - Ergeben
Band 4: Perfect Touch - Untrennbar
Band 5: Perfect Touch - Vereinigt

eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.

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Seitenzahl: 422

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

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Grußwort des Verlags

Über dieses Buch

Titel

1

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3

4

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7

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9

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Epilog

Über die Autorin

Alle Titel der Autorin

Impressum

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Über dieses Buch

Marjorie Ivarsson fällt es nicht leicht, Männer kennenzulernen. Zum einen ist die schüchterne Blondine mit ihren 1,85 Meter größer als die meisten Menschen, zum anderen verbringt sie ihre Abende lieber damit, mit Rentnern Bingo zu spielen, anstatt auszugehen. Doch als sie zur Hochzeit einer Freundin auf eine traumhafte Insel eingeladen wird, gerät ihr geordnetes Leben aus dem Takt. Dort begegnet sie dem charismatischen Milliardär Robert Cannon, der alles verkörpert, was sie nie für sich gesucht hat. Zwei Welten prallen aufeinander – und entfachen ein Feuer, das selbst der tropischen Sonne Konkurrenz macht …

JESSICA CLARE

Perfect Touch

UNGESTÜM

Aus dem amerikanischen Englischvon Kerstin Fricke

1

Marjorie Ivarsson rückte die Schleife auf ihrem Rücken zurecht und reckte den Hals, um sich im Spiegel die Rückseite ihres Kleides anzusehen. »Wie sieht das aus?«

»Einfach nur schrecklich«, antwortete die Rothaarige neben ihr, die ein ähnliches Kleid trug. »Wir sehen eher aus wie Gebäckstücke als wie Brautjungfern.«

»Könnt ihr die Kleider wirklich nicht ausstehen?«, fragte Brontë und wrang die Hände, als sich die Frauen nebeneinander aufstellten und im Spiegel musterten.

»Doch, doch«, erwiderte Audrey – Marjorie wusste, dass die deutlich schwangere und sehr nette Frau so hieß. Audrey stieß die weniger nette Rothaarige neben sich an, bei der es sich um ihre Schwester handelte. »Ich finde die Kleider hinreißend. Und du siehst das genauso.«

»Nein, ich …«

Wieder knuffte sie ihre Schwester und wandte sich dann an Marjorie. »Was hältst du von dem Kleid, Marj?« Dabei schien sie ihr mit den Augen etwas sagen zu wollen, das jedoch nicht verständlich rüberkam.

»Ich liebe es«, log Marjorie und schenkte Brontë ein strahlendes Lächeln. Tatsächlich erinnerte sie das Kleid mit dem vielen Rot und Weiß eher an eine Zuckerstange mit einer Schleife, aber Brontë hatte sehr lange und intensiv nach Kleidern gesucht und alles bezahlt, daher konnte sich Marjorie doch jetzt unmöglich beschweren, oder? Sie hatte den Preis des Kleides gesehen. Anscheinend wurden sie von einem Designer maßangefertigt, und ein Kleid kostete mehr, als Marjorie in einem Vierteljahr verdiente. Brontë gab sehr viel Geld für ihre Hochzeit aus, da wollte Marjorie ihr die Freude nicht verderben.

Daher rückte sie die Schleife auf ihrem Rücken erneut zurecht und nickte. »Es ist wunderschön. Ich fühle mich darin wie eine Prinzessin.«

Brontë lächelte erleichtert.

»Ach, du bist eine elende Lügnerin«, begann Gretchen und bekam erneut den Ellbogen der schwangeren Audrey in die Rippen.

»Ich glaube, es muss an der Seite ein wenig ausgelassen werden«, stellte Audrey fest und winkte die Schneiderin heran. »Meine Hüften werden irgendwie immer breiter.«

Eine Frau, die sich einige Stecknadeln zwischen die Lippen geklemmt hatte, kam angelaufen und kniete sich neben Audrey auf den Boden, während Marjorie Brontës versammelte Brautjungfern musterte. Abgesehen von ihr, einer einen Meter fünfundachtzig großen nordischen Blondine, war da Gretchen, eine kleinere, kurvigere Frau mit knallrotem Haar, das sich fast schon mit ihrem Kleid biss, doch als Trauzeugin war ihr nach unten ausgestelltes Kleid glücklicherweise mehr weiß als rot. Außerdem Gretchens Schwester Audrey, eine blasse, schwangere Rothaarige mit zahlreichen Sommersprossen, und eine Blondine namens Maylee, die in einer Ecke saß, gerade in ihr Kleid eingenäht wurde und so glücklich aussah, als ginge es um ihre eigene Hochzeit. Letztere war anscheinend erst sehr spät als Brautjungfer hinzugekommen, da ihr Kleid im Gegensatz zu den anderen noch sehr unfertig war.

Gretchen fummelte an dem breiten Tüll herum, der an den Knien mit dekorativer roter Spitze abschloss. »Meine Hochzeit wird in Schwarz-Weiß abgehalten, das schwöre ich euch, denn dieser Scheiß ist doch läch …«

»Wie bist du auf die Idee gekommen, deine Hochzeit hier auf der Insel zu feiern, Bron?«, fiel Marjorie Gretchen ins Wort und versuchte, die Friedensstifterin zu spielen. Sie war recht entsetzt, dass Gretchen ihre Meinung über die Kleider so deutlich zum Ausdruck brachte, und wollte lieber das Thema wechseln.

Brontë lächelte Marj strahlend an und sah wieder mehr so aus wie immer. »Weil ich Logan hier kennengelernt habe, weißt du das nicht mehr? Wir saßen bei dem Hurrikan fest. Die Reise hatte ich im Radio gewonnen.« Sie nahm Maylees Hände und half ihr beim Aufstehen, während eine andere Schneiderin an den Säumen herumhantierte. »Logan hat die Insel gekauft und beschlossen, das Hotel zu renovieren. Er hat alles darangesetzt, dass es diese Woche fertig ist, damit wir dort heiraten können. Ist das nicht süß?«

»Wirklich süß«, wiederholte Marjorie und rückte ihren tiefen V-Ausschnitt zurecht. Eigentlich hatte ihr Gehirn bereits ausgesetzt, als Brontë »die Insel gekauft« gesagt hatte. Marj konnte es noch immer nicht richtig fassen, dass Brontë – die quirlige, ständig Philosophen zitierende Brontë – mit einem Milliardär zusammen war und ihn jetzt sogar heiratete. Vor ihrem inneren Auge sah sie Brontë noch immer als Kellnerin und ihre Kollegin. Sie hatten ein oder zwei Jahre lang zusammen in einem 50er-Jahre-Diner in Kansas City gearbeitet … bis Brontë nach New York gezogen war, um bei Logan zu sein. Das Ganze war eine Geschichte wie aus dem Märchen – oder aus einem Film, je nachdem, was man bevorzugte. In jedem Fall kam es Marj nicht so vor, als wäre das etwas, was normalen Menschen passieren konnte. »Du bist so ein Glückspilz, Brontë. Ich kann nur hoffen, dass ich eines Tages auch einen Mann kennenlerne, der so großartig ist wie Logan.«

»›Die Hoffnung ist der Traum des Wachenden‹«, meinte Brontë mit leisem Lächeln. »Aristoteles.«

Gretchen schnaubte und fing sich sofort einen bösen Blick ihrer Schwester ein.

»Es ist so lieb von dir, dass du alles bezahlst, damit wir bei dir sein können, Brontë«, säuselte Maylee und trat vor, um sich neben die anderen Brautjungfern zu stellen. »Schaut uns doch nur an. Sehen wir nicht alle hinreißend aus?« Sie legte Marjorie freundschaftlich einen Arm um die Taille und strahlte sie an. »Wie Rosen bei einer Parade.«

»Werden die nicht auf dicken Wagen rumgekarrt?«, bemerkte Gretchen trocken. »Aber jetzt, wo du es erwähnst …«

Marjorie kicherte und schaffte es nicht, das Geräusch hinter vorgehaltener Hand zu unterdrücken.

»Wer fehlt denn noch?«, fragte Audrey und zählte die Anwesenden durch. »Soweit ich weiß, sind Jonathan und Cade auch Trauzeugen, richtig? Das macht fünf aufseiten des Bräutigams, ich sehe hier aber nur vier Brautjungfern. Was ist mit Jonathans Freundin? Wie heißt sie doch gleich?«

»Violet«, antwortete Brontë. »Und ich habe sie gefragt, ob sie meine Brautjungfer sein möchte, doch sie hat abgelehnt, da wir uns eigentlich kaum kennen. Logan wollte, dass sie zu meinen Brautjungfern gehört, weil sich Jonathan darüber freuen würde, aber sie möchte lieber als ganz normaler Gast an der Hochzeit teilnehmen.« Sie trat vor und rückte das Spitzenband unter Marjories Busen zurecht. »Sieht das nicht irgendwie schief aus? Wie dem auch sei. Angie kommt auch, aber ihr Kind hat heute eine Zahn-OP, daher kann sie erst morgen in den Flieger steigen.«

Marjorie lächelte Brontë gequält an. Ihr würde es gleich viel besser gehen, wenn Angie da war. Die drei Frauen hatten zusammen im Diner gekellnert (ebenso wie Sharon, aber die konnte keiner leiden). Angie war Mitte vierzig, sehr mütterlich und immer herzlich. Sie gingen häufig gemeinsam zum Bingo.

Gretchen stieß Marjorie an. »Und, hast du jemanden, der dich auf die Hochzeit begleitet? Bringst du einen Mann mit in der Hoffnung, dass er das Strumpfband fängt?«

»Ja, ich habe einen Begleiter«, erwiderte Marjorie. »Er heißt Dewey, und wir haben uns beim Shuffleboard-Spielen kennengelernt.«

»Dewey? Das klingt ja nach einem alten Knacker.«

»Ich glaube, er ist über achtzig«, erklärte Marjorie grinsend. »Aber er ist wirklich süß.«

»Ah, verstehe.« Gretchen zwinkerte Marjorie verschwörerisch zu. »Ein Sugardaddy, was?«

»Was? Nein! Dewey ist einfach nur ein netter Kerl. Er macht hier Urlaub, weil seine Frau vor Kurzem gestorben ist und er sich ablenken will. Er war mir gleich so sympathisch, dass ich ihn eingeladen habe, mich auf die Hochzeit zu begleiten. Mehr steckt nicht dahinter, er ist einfach nur ein netter Mann.«

»Lass sie ihn Ruhe, Gretchen«, schaltete sich Brontë ein. »Marjorie findet immer einen süßen alten Herrn, an dem sie einen Narren fressen kann.« Brontë musterte sie nachdenklich. »Mir fällt gerade auf, dass ich sie noch nie in Begleitung eines Mannes gesehen habe, der jünger als siebzig ist.«

Brontë kannte sie wirklich sehr gut, und Marjorie musste bei ihrer Bemerkung lächeln. »Da hast du mich wohl durchschaut. Ich … ach, du weißt schon. Ich habe mehr mit Menschen wie Dewey gemeinsam als mit anderen Leuten.«

So war es wirklich. Sie hatte keine Beziehung mit älteren Männern, sondern verbrachte nur ihre Zeit damit, Bingo und Shuffleboard mit Freunden zu spielen, zu Strickkränzchen zu gehen und freiwillig im Altersheim zu arbeiten, wenn sie Zeit dafür fand. Ihre Eltern waren schon seit so langer Zeit tot, dass sich Marjorie gar nicht mehr daran erinnern konnte, wie sie aussahen, und sie war bei ihren Großeltern aufgewachsen. Aus diesem Grund konnte sie auch Quilts anfertigen, war eine Expertin für das Einkochen von Lebensmitteln, hatte unglaublich viele Folgen von Der Preis ist heiß gesehen und war meist von Menschen umgeben gewesen, die viermal so alt waren wie sie. Irgendwie hatte sich das nie wieder geändert. Selbst jetzt mit vierundzwanzig fühlte sie sich in der Gesellschaft von über Achtzigjährigen wohler als in der von Altersgenossen. Menschen in ihrem Alter saßen nie entspannt samstagmorgens mit einer Tasse Kaffee und einem Kreuzworträtsel in der Küche. Sie machten es sich auch nicht an einem Tisch gemütlich und unterhielten sich. Stattdessen schossen sie Selfies, betranken sich sinnlos und feierten die Nächte durch.

Doch das alles war nichts für Marjorie. Sie war da altmodisch und besaß zwar den Körper einer (ziemlich großen) Vierundzwanzigjährigen, aber die Seele eines betagten Menschen.

Auch ihre Größe war einer der Punkte, auf die es in der Gegenwart älterer Menschen nicht ankam – und Marjorie war sehr groß. Mit ihren ein Meter fünfundachtzig war sie größer als fast alle Frauen und viele Männer. Kein Mann wollte mit einer so großen Frau ausgehen, und die meisten Frauen schienen sie als einen Freak zu betrachten. Bei ihren Großeltern hatte sie sich jedoch trotz ihrer Größe immer wunderschön gefühlt.

Daher sah es nun einmal so aus, dass Marjories Freunde mit Ausnahme von Brontë in Altersheimen lebten.

»Tja, ich denke, die Anprobe hätten wir damit geschafft«, verkündete Brontë, als die Schneiderinnen bei allen Maß genommen hatten. »Zieht eure Kleider wieder aus und genießt den Rest des Tages. Wir sehen uns dann heute Abend beim Junggesellinnenabschied!«

Maylee kicherte, und Gretchen schlug mit allen ab. Audrey tätschelte ihren runden Bauch. »Dann fällt mir wohl die Rolle der Fahrerin zu.«

Vorsichtig stiegen sie wieder aus den Kleidern und zogen sich um. Marjorie hatte ihr Badezeug mitgebracht, schlüpfte jetzt in ihren rot-weiß gepunkteten Badeanzug, wickelte sich einen Sarong um die Hüften und stopfte ihre restlichen Kleidungsstücke in eine Tasche.

Es war ein wunderbarer Tag, und sie wollte noch einen Strandspaziergang machen, bevor in einigen Stunden die nachmittägliche Shuffleboard-Partie begann.

2

Hey! Augen auf! Titten oder Abflug?« Die Frau, die im Wasser neben Robert Cannons Floß herumtollte, zog ihr Top hoch und präsentierte ihm ihre falschen Brüste.

Er prostete ihr zu, auch wenn er sich eigentlich wünschte, dass sie Leine zog und ihre Freundin gleich mitnahm. Dann legte er einen Finger an sein Bluetooth-Headset, um ihr so mitzuteilen, dass er an einer Konferenzschaltung teilnahm, auch wenn er sich in Strandnähe und mit einem Cocktail in der Hand auf einem Floß aufhielt. Momentan war er einige Meter vom Ufer entfernt, und wann immer Menschen zu nah herankamen, steckte er eine Hand ins Wasser und steuerte sein Floß weiter aufs Meer hinaus, damit er sich auf das Gespräch konzentrieren konnte. »Was soll das heißen, dass die Quoten gefallen sind?«

»Es heißt genau das«, sagte sein Assistent, dessen Stimme blechern aus dem Headset drang. »Laut der aktuellen Umfragen sind die Quoten des Männerkanals trotz der neuen Serien um zwei Prozentpunkte gesunken.«

Rob fluchte und nahm einen Schluck von seinem Drink. In der Nähe seines Floßes nahm eines der Beachbunnys ein anderes gebräuntes Mädchen in den Arm. Nachdem sie sich vergewissert hatten, dass er auch zusah, küssten sie sich, um ihn auf sich aufmerksam zu machen.

Doch er ignorierte sie und paddelte noch ein Stück weiter weg. Das war ja mal wieder typisch.

»Was ist mit der neuen Show?«, fragte Rob. Verdammt, wenn er trotzdem um zwei Punkte gesunken war, dann brauchte er einen stärkeren Drink. Der jetzige konnte seinen Schwips nicht aufrechterhalten.

»FKK-Party? Tja, trotz der intensiven Werbemaßnahmen scheinen wir die angepeilte Zielgruppe zwischen achtzehn und vierzig nicht zu erreichen. Ich habe nicht die geringste Ahnung, woran das liegt.«

Rob fluchte erneut. »Und was sagen die Werbekunden?«

»Die sind schon jetzt nicht gerade glücklich.«

Na super! Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Er leerte das Glas in einem Zug und winkte einer der Frauen im Wasser zu. Wie aufs Stichwort nahm sie das Glas und eilte zum Ufer, um ihm einen neuen Drink zu bringen, wobei ihre Brüste in dem knappen Bikini wild hüpften. »Ich werde ein paar Anrufe machen, wenn ich wieder zurück bin, okay? Halten Sie einfach diese Woche die Stellung, solange ich mich hier um alles kümmere.«

»Hatten Sie bei Hawkings schon Glück?«

»Noch nicht, aber ich hoffe, dass ich bald Fortschritte machen kann«, erwiderte Rob abwesend und sah den beiden Frauen zu. Sie küssten sich erneut und vergewisserten sich danach, ob er auch zugesehen hatte. Eine von ihnen kam mit seinem Drink in der Hand auf sein Floß zu. Rob schüttelte den Kopf. Sie benahmen sich wirklich lächerlich. Er hatte schon vor langer Zeit das Interesse an anderen Menschen verloren, und diese beiden konnten daran ganz bestimmt nichts ändern. Also setzte er sich auf seinem Floß um und rückte sein Headset zurecht. »Ich halte Sie auf dem Laufenden. In der Zwischenzeit möchte ich einen vollständigen Bericht über die Einschaltquoten und einen Vergleich der Werbeeinnahmen. Schicken Sie mir alles bis morgen früh zu.«

»Wird erledigt.«

»Und finden Sie heraus, wann genau die Quoten eingebrochen sind. Welche Show ist durchgefallen? Rufen Sie mich zurück.«

»Mach ich.«

Er beendete das Gespräch und legte den Kopf in den Nacken, sodass die Sonne auf seine Bugatti-Sonnenbrille fiel. Verdammte Scheiße! Wenn die Einschaltquoten in den Keller gingen, würde es ihm noch viel schwerer fallen, Logan Hawkings davon zu überzeugen, in einen neu aufzubauenden Kabelkanal zu investieren, der sich an einflussreiche Geschäftsleute und Führungskräfte richtete.

Natürlich konnte Rob das Ganze im Notfall auch allein finanzieren. Die Milliarden auf seinem Bankkonto ermöglichten ihm das problemlos. Aber er wollte Hawkings mit an Bord haben, weil der jeden in New York kannte und weitaus mehr Einfluss hatte als Rob. Die Leute respektierten Logan Hawkings und sein Unternehmen.

Bei Rob sah die Sache jedoch ganz anders aus, selbst wenn er noch so viel Geld verdiente.

Die meiste Zeit war ihm das völlig egal. Sein schlechter Ruf hatte durchaus dazu beigetragen, dass er so wohlhabend geworden war. Und wenn er sein Vermögen damit machte, dass er Kapital aus Kabel- und Radiosendern schlug, die für Otto Normalverbraucher bestimmt waren, dann war das umso besser. Gut, einige der Sendungen waren nicht gerade das Gelbe vom Ei – na und? Titten oder Abflug war noch immer beliebt. Solange es Frauen mit geringem Selbstwertgefühl gab, die vor die Kamera wollten, würden sie auch weiterhin ordentlich Kohle scheffeln.

Er hatte nicht vor, sich deswegen schlecht zu fühlen.

Sein Privatleben war zwar nicht mehr vorhanden, aber dann würde er einfach in ein Kissen aus Geldscheinen weinen. Jede Frau, die auch nur halbwegs an ihm interessiert war, wollte entweder sein Geld oder in eine seiner Shows. Die Einzigen, die ihn offenbar überhaupt anziehend fanden, waren Hohlbirnen wie die beiden, die momentan vor ihm im Wasser aneinander herumfummelten und sich küssten, nur um seine Aufmerksamkeit zu erregen. Und darauf konnte er wirklich verzichten.

Rob nahm den Drink entgegen, den ihm Blondchen Nummer eins reichte, und kostete ihn. Er war stark, so wie er ihn mochte. »Danke, Süße.«

»So«, meinte sie und wackelte ein bisschen mit den Brüsten, damit er auch ja nicht den Blick abwandte. »Glaubst du, ich hätte, was man braucht, um in einer deiner Shows aufzutreten?«

»Kann schon sein«, murmelte er geistesabwesend und trank noch einen größeren Schluck. Himmel, der Cocktail war wirklich stark. Er kippte gleich noch etwas hinterher, und warum auch nicht? Er musste sich ordentlich betrinken. Zwei gottverdammte Prozentpunkte. Großer Gott!

Das andere Mädchen schwamm näher an das Floß heran. »Ich habe gehört, Sie haben in Cannes Kokain von Tiffany Wests Bauch geschnupft«, sagte sie mit verführerischem Lächeln.

»Haben Sie das? Wie nett«, erwiderte er mit ausdrucksloser Stimme. Er wusste nicht mal, wer Tiffany West war, und er nahm ganz bestimmt keine Drogen. Bei Alkohol sah das schon anders aus. Drogen sorgten jedoch nur dafür, dass man im Knast landete und fiesen Gangstern gefällig sein musste. Wieder trank er von seinem Drink und stellte erfreut fest, dass sich der Alkohol langsam bemerkbar machte. Er hatte bereits drei dieser Cocktails geleert, und der vierte würde ihm wohl den Rest geben. Was nur gut war, wenn die Einschaltquoten wirklich fielen.

Die drallen Blondinen wollten einfach nicht verschwinden. Eine schwamm auf die Seite seines Floßes und zog es noch weiter vom Ufer weg. Sie lächelte ihn an. »Möchtest du Kokain von meinem Bauch schnupfen?«

»Ich bin beschäftigt.« Er rechnete jede Minute mit dem nächsten Anruf.

»Ich kann das gute Zeug für später aufheben, falls du dann feiern willst.«

Scheiß drauf. Er würde hier und jetzt ganz allein auf dem Floß eine Party feiern. Schon stürzte er den Rest seines Drinks hinunter, genoss das Brennen, das der Alkohol in seinem Mund hinterließ, und reichte einem der Mädchen, die ihn erwartungsvoll anstarrten, das leere Glas. Als sie noch immer nicht verschwanden, sah er sie erneut an. »Wie wäre es, wenn ihr beide«, er deutete nacheinander auf die beiden Frauen, »zusammen Koks schnupft und mich dafür in Ruhe lasst?«

Eine der Blondinen starrte ihn wütend an und stürmte von dannen. Die andere war nicht so nett. Sie schnaufte laut, wobei ihre falschen Brüste wackelten, und dann gab sie seinem Floß einen heftigen Stoß.

Rob stürzte hinunter und fiel so ins Wasser, dass er komplett unterging.

Das konnte doch nicht wahr sein! Um ihn drehte sich alles, und er tauchte gerade lange genug auf, um den Frauen hinterherzustarren, die bereits zum Ufer strebten. Eine der beiden würde ihm ein neues Bluetooth-Headset kaufen, oder er …

Plötzlich bekam er einen Krampf im linken Bein, und seine Muskeln zogen sich schmerzhaft zusammen. Rob tauchte erneut unter und schlug um sich. Es fühlte sich an, als wäre sein Bein wie erstarrt. Dazu war er auch noch völlig benommen und wusste nicht mehr, wo oben und wo unten war. Er schlug um sich, bekam aber nur noch mehr Salzwasser in den Mund und wurde noch verwirrter. Die Strömung zerrte an ihm und war stärker als vermutet. Obwohl er sich dagegenstemmte, gelangte er einfach nicht wieder an die Wasseroberfläche, und jetzt wurde er immer weiter vom Ufer weggetrieben. Hm. Er hatte immer geglaubt, dass man weiter auf dem Meer sein müsste, um die Strömung derart zu spüren. Schon schmerzte seine Lunge, und er versuchte, den Kopf über die Wasseroberfläche zu bekommen, aber es wollte ihm trotz aller Bemühungen nicht gelingen.

Verdammt noch mal, würde er jetzt etwa direkt vor dem Strand von Seaturtle Cay sterben? Ganz im Ernst?

Aber er bekam einfach keine Luft. Reflexartig arbeitete seine Kehle, und Salzwasser füllte seine Lunge, seinen Mund und seine Nase. Er würgte, und um ihn herum wurde alles schwarz. Er würde wirklich und wahrhaftig sterben. Sein letzter Gedanke war, dass er bestimmt für eine kleine Ewigkeit die Schlagzeilen dominieren würde, wenn er im flachen Wasser und nur wenige Meter vom Strand entfernt ertrank.

Wieder sah er nichts als Schwarz, doch dann war da auf einmal Rot … mit weißen Punkten.

Rot mit weißen Punkten?

Ein kräftiger Arm packte ihn, und auf einmal wurde Robs Gesicht gegen zwei weiche Brüste gedrückt. Richtige Brüste. Er hatte kaum Zeit, diese Erkenntnis zu verarbeiten, als ihn erneut Dunkelheit umfing und er dabei war, das Bewusstsein zu verlieren.

»Atmen Sie!«, brüllte ihm eine Stimme ins Ohr, und dann spürte er Lippen auf seinem Mund. Luft wurde in seine Lunge gepresst – und verdammt, das tat höllisch weh –, und auf einmal drang ihm das Wasser aus Mund und Nase. Er drehte den Kopf zur Seite und spie es aus. Sein Kopf tat höllisch weh, und die weißen Punkte tauchten erneut in seinem Blickfeld auf. Aber dann hatte er Sand unter dem Rücken und konnte nach und nach verschwommen seine Umgebung wieder wahrnehmen.

Ein Engel beugte sich am Strand über ihn. Ein Engel mit hellen Sommersprossen rings um die Nase, mit einem kräftigen Kiefer und zerzaustem, nassen blonden Haar, der den hässlichsten roten Badeanzug mit weißen Punkten trug, den er je gesehen hatte. Und dieser Engel blickte lächelnd auf ihn herab.

Sie hatte ihn gerettet. Und ihr Blick war gleichzeitig scheu und stolz, sodass sein Herz förmlich aufging.

Rob war verliebt.

*

Oh, großer Gott, dieser Mann war einfach umwerfend. Marjorie presste den Mund auf die Lippen des Bewusstlosen und beatmete ihn, während sie versuchte, sich an all das zu erinnern, was sie in der fünften Klasse im Erste-Hilfe-Kurs gelernt und seitdem nie gebraucht hatte. Sie konnte nur hoffen, dass er kein Problem damit hatte, dass ihm eine Frau half, aber andererseits war es ihrer Meinung nach zu wichtig, jemandem das Leben zu retten, als dass man noch die gegenseitige Anziehungskraft berücksichtigen müsste.

Daher drückte sie auf seine Brust und stieß ihm Luft in den Mund, und nach der zweiten Runde drang Salzwasser aus seinem Mund in ihren, und sie rückte von ihm ab und spuckte aus, während sie ihn gleichzeitig auf die Seite drehte, damit er sich übergeben konnte.

Kurz darauf drehte er sich wieder auf den Rücken und sah sie benommen und verwirrt an.

Unwillkürlich lächelte sie auf ihn herab. Was für ein süßer Kerl. Er hatte dunkles Haar, grüne Augen mit interessanten bernsteinfarbenen Flecken und eine großartige markante Nase. Außerdem hatte er nach Alkohol geschmeckt, als sich ihre Lippen berührt hatten – was eigentlich gar nicht Marjs Geschmack war –, aber dies war nun mal ein Urlaubsort, an dem viele Leute Cocktails schlürften.

Er machte den Mund auf und gab ein ersticktes Geräusch von sich. Vermutlich versuchte er, sich zu bedanken.

Marjorie tätschelte seine Schulter. »Sie sind bald wieder auf den Beinen, Mister. Holen Sie nur noch ein paar Mal tief Luft und trinken Sie beim Schwimmen lieber keinen Tequila mehr.«

Er zog die Augenbrauen zusammen und nahm ihre Hand, was Marjorie überraschte. Seine Lippen bewegten sich, während er zu ihr aufblickte, aber dann hustete er wieder, drückte aber weiterhin ihre Hand, als wollte er sie nicht loslassen. Schatten fielen von oben herab, als die Schaulustigen herbeieilten, um zu sehen, was sich hier abspielte. Das war keine Überraschung – sie hatten wahrscheinlich schon alle hergestarrt, als eine Bohnenstange wie Marjorie einen Mann aus dem Wasser gezogen hatte.

Sie war nun mal groß und daher nicht gerade unauffällig.

Der Mann hustete noch immer und drückte weiter ihre Hand. Sie drückte zurück und fragte sich, was er ihr wohl damit sagen wollte. Ihm war eine nasse dunkle Haarlocke ins Gesicht gefallen, und es juckte ihr in den Fingern, sie aus seiner Stirn zu streichen. Da war etwas in seinem Gesicht, das sie sehr ansprach, und er hatte auch nicht zurückgezuckt, wie es andere Männer normalerweise taten, wenn sie sie überragte. Aber er hatte bestimmt noch gar nicht gemerkt, wie groß sie war, da sie neben ihm im Sand hockte.

»Sie …«, begann er, doch seine Stimme versagte schon wieder.

»Macht Platz!«, rief eine Stimme, und ein Mann in der roten Kluft der Rettungsschwimmer kam mit einer roten Schwimmboje im Arm angelaufen. »Lasst ihn doch erst einmal Luft holen.«

Widerstrebend drückte Marjorie die Hand des Mannes ein letztes Mal und stand auf. »Ich glaube, es geht ihm schon wieder ganz gut …«

»Zurück, sagte ich«, wiederholte der Rettungsschwimmer, streckte einen Arm aus und schob die Leute zur Seite, die sich rings um den liegenden Mann drängten. »Lasst mich doch bitte meine Arbeit machen.«

Betreten wischte sich Marjorie den Sand von den Knien und machte ebenfalls einige Schritte nach hinten. Sie hätte zu gern noch einen Blick auf den gut aussehenden Mann geworfen, der da im Sand lag, aber das wäre töricht gewesen, nicht wahr? Mit leisem Seufzen hob sie ihren Sarong auf, den sie fallen gelassen hatte, band ihn sich wieder um die Hüften und machte sich auf den Weg zum Shuffleboard-Spiel mit ihrer Freundin Agnes. Aus irgendeinem Grund war sie auf einmal ein bisschen niedergeschlagen. Es war ziemlich egoistisch, aber sie wollte zu gern mit dem Mann reden, den sie gerettet hatte, und wenn auch nur um seine Stimme zu hören und nicht nur das beständige Husten.

Doch dafür war vermutlich ihre Eitelkeit verantwortlich. Was wollte sie denn von ihm hören? Sollte er sich dafür bedanken, dass sie ihm das Leben gerettet hatte? Sie dachte darüber nach, während sie am Strand entlang zurück zum Hotel ging. Das Wetter auf Seaturtle Cay war einfach wunderbar, daher hielt ihre trübe Stimmung auch nicht lange an. Als sie im Shuffleboard-Bereich angekommen war, hatte sie wieder gute Laune, wie es eigentlich typisch für sie war.

Agnes winkte ihr vom anderen Ende des Platzes aus zu. Sie hatte einen weißen, breitkrempigen Strohhut auf und einen ebenso weißen Streifen Zinksalbe auf der Adlernase, außerdem trug sie lockere, geblümte Kleidung, wie sie so viele ältere Menschen zu bevorzugen schienen. »Da bist du ja, Schätzchen«, sagte Agnes, als Marjorie näher kam. »Wir haben uns schon gefragt, ob du uns versetzt hast.«

Agnes’ Freundin Edna, die neben ihr stand, trug eine riesige rote Sonnenbrille und ein ähnliches Outfit. »Nicht dass ich es dir verdenken könnte«, meinte Edna und kicherte. »Hier laufen wirklich viele gut aussehende Burschen herum.«

»Ach, das ist doch albern«, erwiderte Marjorie und griff nach einem Shuffleboard-Schläger. »Ich würde euch doch nicht im Stich lassen. Ihr seid meine Freunde, und ich habe sehr viel Spaß mit euch.«

»Wärst du nicht lieber mit Leuten in deinem Alter zusammen?«

»Ganz bestimmt nicht«, antwortete Marjorie und beugte sich dann vor. »Aber ich bin spät dran, weil ich am Strand einen Mann geküsst habe.«

Die beiden Frauen lachten schockiert auf. »Du hast was?«, hakte Agnes nach.

Marjorie hatte gewusst, dass die beiden alten Damen die Geschichte lieben würden. Breit grinsend erzählte sie ihnen daraufhin von der Rettungsaktion am Strand und erläuterte ausgiebig, wie attraktiv – und hilflos – der Mann gewesen war, den sie gerettet hatte. Ihre Freundinnen lachten die ganze Zeit, aber aufgrund des unspektakulären Endes waren sie beide enttäuscht. »Du hättest dem jungen Mann deine Telefonnummer geben sollen, damit ihr euch später treffen könnt«, sagte Edna, die wenigstens fünfundneunzig Jahre alt sein musste. »So eine Gelegenheit darfst du dir nicht entgehen lassen.«

Marjorie errötete und schüttelte den Kopf. »Ich kann euch versichern, dass ich ganz bestimmt nicht sein Typ bin.« Ein so attraktiver Mann hatte sich vermutlich längst eines der vollbusigen Strandhäschen geangelt, die überall in ihren knappen Bikinis herumliefen. »Wollen wir jetzt alle einzeln spielen, oder bildet ihr ein Team? Ihr wisst, dass ich euch in diesem Spiel auch einhändig haushoch besiegen kann.«

»Das wollen wir ja mal sehen«, entgegnete Agnes mit kämpferischem Glitzern in den Augen.

*

»Ich sagte doch, dass es mir gut geht. Lassen Sie mich gefälligst in Ruhe.« Rob schob den Rettungssanitäter gereizt weg, der versuchte, seinen Blutdruck zu messen. »Wollen Sie wissen, wie hoch mein Blutdruck ist? Der geht durch die gottverdammte Decke, wenn Sie versuchen, mir diese Manschette anzulegen.«

»Wir haben Vorschriften, die wir befolgen müssen, Sir«, teilte ihm der übereifrige Rettungsschwimmer mit. Sie waren vom Strand in eine nahe gelegene Erstversorgungshütte umgezogen, um etwas mehr Privatsphäre zu haben. Dummerweise schienen die Ersthelfer ihn aber nicht in Ruhe lassen zu wollen, sondern scharwenzelten nun noch eifriger um ihn herum als die Schaulustigen am Strand. Diese verdammten Rettungsschwimmer. Wieder machte der, der offenbar bei diesem nutzlosen Haufen das Sagen hatte, den Mund auf. »Sobald Sie vom medizinischen Team für gesund erklärt worden sind, müssen Sie mit mir mitkommen, damit wir einen Bericht schreiben können. Wir nehmen solche Vorfälle hier in Seaturtle Cay sehr ernst und …«

Rob schnitt ihm mit einem eiskalten Blick das Wort ab. Er entriss dem Mann, der tatsächlich versuchte, ihm die Manschette des Blutdruckgeräts anzulegen, seinen Arm. »Wie viel muss ich Ihnen bezahlen, damit Sie mich in Ruhe lassen? Ich versichere Ihnen, dass es mir gut geht. Ich habe zu viel getrunken, bin ins Wasser gefallen, und eine Frau hat mich gerettet. Wenn Sie mir wirklich helfen wollen, dann besorgen Sie mir ihren Namen und ihre Telefonnummer, damit ich mich bei ihr bedanken kann.«

»Ich weiß nicht, wen Sie meinen, Sir«, sagte der Rettungsschwimmer und runzelte die Stirn.

»Natürlich wissen Sie das nicht«, fauchte Rob. »Weil Sie sie ja schließlich vertrieben haben.«

Dieser Nachmittag wurde ja immer schlimmer. Erst mussten diese dämlichen Weiber versuchen, ihn zu ertränken. Er hatte sein Bluetooth-Headset verloren, und sein Handy war vermutlich in der Sandburg irgendeines Kindes am Strand gelandet. Dann war er von einer wunderschönen Nymphe mit Sommersprossen aus dem Wasser gerettet worden. Und, Himmel noch mal, das war das erste Mal, dass er den Anblick von Sommersprossen erregend gefunden hatte. Aber sobald der Rettungsschwimmer auf den Plan getreten war, hatte sie sich offenbar in Luft aufgelöst.

Und das machte ihn stinksauer. Er wollte mehr über sie wissen. Er musste erfahren, wie sie hieß, wer sie war, ob sie Single war, ob sie über seine versauten Witze lachen konnte, ohne ihn für ein Schwein zu halten, ob sie ihn auch auf diese sanfte, süße, bewundernde Weise ansah, wenn sie ihn küsste, ob sie auf den Oberschenkeln Sommersprossen hatte …

Aber diese Gelegenheit hatte er dank dieser inkompetenten Trottel vom Resort nicht bekommen. Wieder entzog er dem Sanitäter seinen Arm. »Lassen Sie mich endlich in Ruhe, und zwar allesamt, sonst werde ich Sie verklagen.«

Diese Drohung erzielte stets ihre Wirkung. Der Rettungssanitäter murmelte etwas davon, dass er Papierkram zu erledigen hätte, den er ihm später zum Unterschreiben zuschicken würde, und ging hinaus.

Na endlich!

Rob spannte den Arm an und stand auf. Ihm tat alles weh, und er hatte Kopfschmerzen. Seine Kehle fühlte sich furchtbar an, und er sehnte sich nach einem Drink. Aber vor allem wollte er seine Retterin wiederfinden. Das Mädchen mit dem gepunkteten Badeanzug. Er war wie besessen von ihr. Und wenn Rob Cannon von irgendetwas besessen war, dann verbiss er sich darin wie ein Hund in einen Knochen, bis er sein Ziel erreicht hatte.

Und er erreichte seine Ziele immer.

*

Am Nachmittag hatte Rob alle seine drei Assistenten von der Arbeit an den Einschaltquoten abgezogen und ließ sie stattdessen an verschiedenen Standorten innerhalb des Resorts nach der Frau, die er ihnen, so gut es ging, beschrieben hatte, Ausschau halten. Einer war am Strand postiert, ein zweiter an der Bar und die dritte am Pool. Aber keiner hatte sie gesehen, und das machte ihn stinksauer. Entweder waren seine Leute alle inkompetent, oder die Frau war schlichtweg vom Erdboden verschwunden. Er weigerte sich jedoch, Letzteres zu akzeptieren. Sie würden sie finden. Er bekam immer, was er haben wollte, und jetzt wollte er sie.

Aber als sie den ganzen Nachmittag über nirgendwo aufgetaucht war, beschloss Rob frustriert, an die Hotelbar zu gehen und dort die ganze Nacht sitzen zu bleiben. Irgendwann musste sie ja mal was trinken gehen, oder nicht? Die meisten Frauen hier nutzten die Bar hier im All-exclusive-Resort als Ausrede, um sich jede Nacht zu betrinken, da würde auch seine geheimnisvolle Schöne irgendwann mal einen Mai Tai oder eine Piña Colada trinken, oder nicht? Wenn sie das tat, konnte er sich endlich dafür bedanken, dass sie ihm das Leben gerettet hatte, herausfinden, was er tun musste, um sie in sein Bett zu bekommen, und sie danach wieder vergessen, damit er sich mit klarem Kopf und befriedigtem Körper wieder auf die Arbeit konzentrieren konnte.

Daher saß er nun an der perfekten Stelle an der Bar, trank den x-ten Scotch und wurde immer ärgerlicher. Wo steckte diese Frau nur? Er hatte sie sich doch nicht nur eingebildet. Falls dem so gewesen wäre, hätte sie Riesentitten gehabt und ganz bestimmt keinen gepunkteten Badeanzug getragen.

Rob war derart in seine Gedanken über die geheimnisvolle Frau versunken, dass er erst gar nicht mitbekam, wie der große Mann in dem teuren Anzug an die Bar trat, sich umschaute und dann in seine Richtung marschierte. Schau einer an. Rob stürzte seinen Scotch hinunter, stand auf und streckte die Hand aus. »Wenn das mal nicht Logan Hawkings ist. Freut mich, Sie hier zu sehen.«

Logan musterte die Hand nur, die Rob ihm reichte, und schenkte ihm einen vernichtenden Blick.

Tja, wenn das kein verdammt schlechter Einstieg war, dann wusste er es auch nicht. Aber er lächelte tapfer weiter und ließ die Hand wieder sinken. Er blieb cool, auch wenn er am liebsten um sich geschlagen hätte. Er brauchte Logan, ob es ihm nun gefiel oder nicht. »Genau der Mann, den ich sehen wollte.«

Der Mann in dem Geschäftsanzug musterte kühl Robs Hawaiihemd, die Cargohose und den Drink in seiner Hand. »Die Security hat mir mitgeteilt, dass Sie hier sind.«

»Man muss diese Jungs einfach lieben.« Er hob sein Glas zu einem spöttischen Toast.

»Ich schätze, Sie haben nicht vor, mir zu verraten, aus welchem Grund Sie in dieser Woche auf meiner Insel herumlungern?« In Robs Ohren klang es fast so, als wäre Logan sauer auf ihn.

Ich lungere herum? Was soll der Quatsch, Mann? »Ein kleines Vögelchen in New York hat mir gezwitschert, dass Sie hier sein würden, und ich dachte, ich schaue mal vorbei und sage Hallo, da Sie ja einfach nicht zurückrufen.«

»Dafür gibt es einen guten Grund.« Logan behielt die Hände in den Hosentaschen und weiterhin eine unfreundliche Miene.

Das schreckte Rob jedoch nicht ab. Er war an solch eisiges Benehmen gewöhnt, schließlich war er nun mal der, der er war, und produzierte derartige Sendungen, aber, gottverdammt, dafür gab es schließlich einen Markt, und er wäre doch ein Idiot, wenn er diese Gelegenheit nicht nutzen würde. Was machte es denn schon, dass sein »Männerkanal« voller lächerlicher Spielshows und Titten war? Das war es doch, was Männer sehen wollten, und die Einschaltquoten bewiesen es. Der Männerkanal war jetzt seit fünf Jahren auf Sendung, hatte drei weitere Nebenkanäle, einige On-Demand-Kanäle sowie eine solide Onlineabteilung mit mehreren verbundenen Seiten. Das Geschäft brummte. Er verdiente Milliarden damit, den richtigen Leuten das richtige Produkt zu verkaufen.

Aber jetzt, wo er Geld und Erfolg hatte, wollte er auch respektiert werden. Aber das konnte er nicht ohne Hilfe schaffen, und aus genau diesem Grund brauchte er Logan Hawkings. Die Leute respektierten ihn. Über ihn gab es Artikel in Time, Forbes, Newsweek und zahllosen anderen Magazinen, und er war ein Geschäftsmann, den man im Auge behalten musste.

Rob hingegen fand nur in den Klatschzeitungen Erwähnung. Dort liebte man es, Geschichten darüber zu schreiben, mit welcher abgehalfterten, dem Alkohol verfallenen Schauspielerin er ins Bett ging (was nie stimmte), welche Orgie, auf der massenhaft Kokain genommen wurde, er gerade verließ (er nahm keine Drogen) oder was sie sich sonst so ausdachten. Normalerweise ignorierte er das alles einfach, denn selbst schlechte Publicity war besser als gar keine.

Aber jetzt, wo er Investoren für ein neues Projekt suchte, bekam er die Auswirkungen zu spüren.

»Ich hatte es Ihnen doch bereits gesagt«, meinte Rob betont entspannt. Er ließ sich die Frustration, die er wegen Logan empfand, nicht anmerken. »Ich möchte Ihnen einen geschäftlichen Vorschlag machen, mit dem wir beide richtig viel Geld verdienen könnten, aber dafür müssten Sie mir schon ein paar Minuten Ihrer Zeit opfern.«

»Und ich lasse Sie wissen«, erwiderte Logan mit eiskalter Stimme, »dass mir Ihre Anwesenheit hier in dieser Woche überhaupt nicht passt. Wo Sie sind, können auch die Paparazzi nicht weit sein.«

Wow, so langsam reichte es Rob aber. »Machen Sie sich keine Sorgen, Ihr Arsch ist für die im Allgemeinen viel zu langweilig.«

Der Blick, den Logan ihm daraufhin zuwarf, war nur als vernichtend zu bezeichnen. Er trat näher an Rob heran, und seine Stimme wurde zu einem wütenden Zischen. »Ich heirate diese Woche, und das Letzte, was ich jetzt gebrauchen kann, ist ein Haufen Paparazzi, der alles ruiniert. Meine Braut hat sich sehr angestrengt, damit die Hochzeit genau so abläuft, wie sie es geplant hat, und ich will verdammt sein, wenn ich zulasse, dass Sie da auftauchen und ihr diesen Traum ruinieren. Haben Sie mich verstanden?«

Er heiratete? Das erklärte sein Verhalten natürlich. Rob setzte sein charmantestes Lächeln auf. »Herzlichen Glückwunsch. Darf ich Ihnen zur Feier des Tages einen ausgeben?«

»Sie dürfen abreisen.«

»Ach, das wäre aber ungünstig. Dann müsste ich den Paparazzi verraten, warum ich meinen Aufenthalt abbreche, und ich könnte mir vorstellen, dass sie das nur zu gern erfahren würden.« Rob lächelte weiter, sogar während er diese Drohung aussprach. »Und ich würde ihnen nur ungern einen Grund dafür geben, sich noch länger hier aufzuhalten.«

Logans Blick wurde noch eisiger.

»Aber ich gratuliere, dass Sie heiraten. Ich würde der Feier zu gern beiwohnen.«

»Sie sind nicht eingeladen.«

»Zu schade. Dann muss ich mich wohl mit einer geschäftlichen Besprechung mit Ihnen zufriedengeben. Es dauert nur eine halbe Stunde, und ich kann Ihnen versprechen, dass es sich für Sie lohnen wird.«

»Ich treffe während dieser Woche keine geschäftlichen Entscheidungen, und auf diese Weise werden Sie mich auch bestimmt nicht umstimmen.« Logan beugte sich vor. »Und wenn Sie meine Hochzeit ruinieren, dann kann ich Ihnen versprechen, dass ich Ihnen Ihr Leben zur Hölle machen werde.«

Was wurde der Mann denn gleich so aggressiv? Er war anscheinend wirklich verliebt. Rob zwang sich zu einem angespannten Lächeln. »Man sieht sich.«

3

Nachdem er in der Abgeschiedenheit seiner Suite mehrere ernüchternde Berichte über die Einschaltquoten gelesen hatte, war Robs Stimmung erst recht im Keller. Das vermasselte Treffen mit Logan hatte ihm die Laune verdorben, und um drei Uhr früh hatte er die Nase voll von Seaturtle Cay, von Arschlöchern, die ihn einfach links liegen ließen, und auch noch von vielen anderen Dingen. Da er sowieso nicht schlafen konnte, rief er seine Assistenten an und forderte sie auf, zu packen und in einer Stunde in der Lobby zu sein. Es ging zurück nach Kalifornien.

Schließlich war es sinnlos, noch länger in der Karibik herumzuhängen, wo er doch nichts mehr ausrichten konnte, wenn er ebenso nach Kalifornien zurückfliegen und dort nichts auf die Reihe kriegen konnte. Schließlich hatte er sowieso nicht vor, noch einmal an den Strand zu gehen. Nicht nachdem er beinahe ertrunken wäre. Von jetzt an war sein Bedarf an verdammten Wellen gestillt.

Um vier Uhr standen zwei seiner Assistenten – die Frau und einer der beiden Männer – gähnend in der Lobby, doch der dritte war nirgendwo zu finden. Ungeduldig sah Rob erneut auf die Uhr und reichte dem Pagen seine Koffer, der sofort davonhuschte. Alle standen einfach nur in sich zusammengesunken da und warteten auf weitere Anweisungen.

»Rufen Sie uns ein Taxi«, verlangte Rob von dem männlichen Assistenten. »Ich ertrage diesen Ort nicht länger.«

»Ja, Sir«, erwiderte der picklige Jüngling. »Wird sofort erledigt.«

»Gut.« Er sah den jungen Mann an. Zwar wusste er, dass er für ihn arbeitete, doch er konnte sich beim besten Willen nicht an seinen Namen erinnern. »Welcher sind Sie?«

»Cresson, Sir.«

»Okay, Cresson. Sie behalten Ihren Job, weil Sie wissen, wie man Befehle befolgt.« Als der Junge ihn erleichtert ansah, verdrehte Rob innerlich die Augen. Gutes Personal war so schwer zu bekommen. Er zog sein Handy aus der Tasche und schickte dem verschwundenen Assistenten noch eine SMS: Sie haben 3 Minuten, um hier aufzutauchen, oder Sie sind gefeuert.

Während er auf das Display starrte, wurde er von jemandem angerempelt, sodass ihm das Handy aus der Hand fiel.

Wütend drehte er sich zu der Person um, die ihn angestoßen hatte. »Was zum Henker soll denn das?«

Es war eine betrunkene Rothaarige, die einer Brünetten den Arm um die Schultern gelegt hatte. Sie trugen beide etwas, das aussah wie eine Mardi-Gras-Perlenkette, an der lauter Penisse hingen.

»Oh«, nuschelte die Rothaarige. »Ups. Entschuldigung. Wir haben Sie nicht gesehen.« Sie starrte ihn an.

Na super, das hatte ihm gerade noch gefehlt! »Laufen denn hier nur Betrunkene rum?« Er entfernte sich von den Frauen, hob sein Handy auf und begutachtete das Display. Es war nicht zerbrochen. Gott sei Dank. »Sie haben Glück, dass es heil geblieben ist, sonst hätten Sie es mir ersetzen müssen.«

Die Brünette runzelte die Stirn und sah aus, als wollte sie protestieren, aber die Rothaarige stürmte auf ihn zu und wackelte mit einem Finger vor seinem Gesicht herum. »Seien Sie nicht so ein Arschloch, Sir. Davon hatten wir heute Abend wirklich schon genug, und sie stehen uns bis zum Hals.«

Die Brünette fing an zu lachen.

»Nehmen Sie den Finger aus meinem Gesicht«, fauchte er die unausstehliche Rothaarige an und schaute dann zur Rezeption hinüber. »Und wo bleibt mein verdammtes Taxi? Diese Scheißinsel ist doch nun wirklich nicht so groß.«

»Wir sind gerade aus einem ausgestiegen«, erklärte die Rothaarige, die den Finger immer noch nicht weggenommen hatte. »Aber das können Sie nicht haaaaaben …«

Was wusste sie denn schon? Er drängte sich an den beiden betrunkenen Frauen vorbei und kam gerade rechtzeitig auf dem Bürgersteig an, um zu sehen, wie drei weitere Frauen aus einem Taxi ausstiegen: eine hübsche Blondine mit einer völlig zerzausten Frisur, die betrunken am Arm einer Schwangeren hing, sowie eine schlanke Frau, die ihm den Rücken zuwandte, durch das Fenster auf der Beifahrerseite sah und den Fahrer bezahlte. Gut.

Rob stürzte vor und tippte die große Blondine auf die Schulter. »Wenn Sie und Ihre betrunkenen Freundinnen damit fertig sind, allen auf die Nerven zu gehen, hätte ich gern Ihr Taxi …«

Als sich die Frau umdrehte, fielen Rob gleichzeitig zwei Dinge auf.

Erstens: Es war die Frau, die ihn am Strand gerettet hatte.

Zweitens: Sie war verdammt groß.

4

Die Frau riss überrascht die Augen auf, ebenso wie er.

»Oh, Sie sind es«, hauchte sie und lächelte dann. »Mein Schwimmer. Schön, Sie wiederzusehen. Geht es Ihnen jetzt besser?«

Rob starrte sie einfach nur an. Er musterte sie von oben bis unten, da er jetzt endlich die Gelegenheit hatte, sie gründlich in Augenschein zu nehmen.

Sie war verdammt groß, das stand fest. Er selbst war einen Meter zweiundachtzig groß, und sie musste noch zwei oder drei Zentimeter größer sein. Außerdem trug sie noch hochhackige Schuhe, sodass sie ihn deutlich überragte. Trotz ihrer Größe war ihr Körper schmal; sie hatte attraktive, kleine, hoch sitzende Brüste, ein beeindruckend geschwungenes Becken sowie unendlich lange Beine, die unter ihrem hausbackenen Rock herausragten.

Dann war sie also groß. Na und? Es hätte ihn selbst dann nicht interessiert, wenn sie zwei Meter zehn groß gewesen wäre. Sie war ebenso wunderschön wie in seiner Erinnerung.

Dabei entsprach sie allerdings nicht dem typischen Hollywoodklischee von »schön«. Rings um ihre Nase zeichneten sich zahlreiche Sommersprossen ab, und das Haar fiel ihr in wilden Strähnen auf die Schultern. Ihre Lippen waren nicht mit Kollagen aufgespritzt, und ihr Unterkiefer war etwas zu kräftig. Aber sie hatte wunderschöne Augen, und ihr Gesicht wirkte so aufrichtig, dass er sie am liebsten einfach an sich gezogen und all das genossen hätte.

Was überaus seltsam war – doch so empfand er nun einmal.

Er streckte die Hand aus. »Wir sind gestern gar nicht dazu gekommen, uns einander vorzustellen. Ich bin Rob.«

Sie biss sich auf die Unterlippe – Himmel, sah das niedlich aus! – und nahm dann seine Hand, hielt sie erstaunlich fest und schüttelte sie. »Ich bin Marjorie.«

»Seht nur! Marj reißt jetzt schon auf der Straße Männer auf!«, rief eine Frauenstimme, die sehr betrunken klang. Vermutlich war es die Rothaarige.

Marjorie errötete und drehte sich zu ihren Freundinnen um. »Gehen sie Ihnen auf die Nerven, Mister? Das tut mir sehr leid. Wir kommen gerade von einem Junggesellinnenabschied zurück.« Der Wind wehte ihr eine Haarsträhne ins Gesicht, die sie sich geistesabwesend hinter das rechte Ohr schob. »Eigentlich war es sogar nur der Test für den Junggesellinnenabschied, da nur die Brautjungfern anwesend waren. Die richtige Party ist erst in ein paar Tagen. Aber wir haben es mit dem Spaß wohl ein wenig übertrieben.«

»Das ist schon okay«, meinte er gelassen, auch wenn er vor dreißig Sekunden genau das Gegenteil gefunden hatte. »Und sagen Sie doch Rob und nicht Mister.«

»Rob«, wiederholte sie schüchtern und schlang die Arme um ihren Oberkörper.

»Aber wenn Sie gerade von der Party zurückkommen, wo sind dann Ihre Perlen?« Er konnte nicht anders, streckte den Arm aus und berührte die Kette um ihren Hals, die gleichzeitig klassisch und billig aussah. Das Schmuckstück sah eher aus wie etwas, das seine Großmutter getragen hätte. Eigentlich hätte ihre gesamte Kleidung, von der geblümten Stehkragenbluse bis hin zu dem hässlichen Hippierock, aus dem Kleiderschrank seiner Großmutter stammen können – mit Ausnahme der hochhackigen nudefarbenen Fick-mich-Pumps.

Die gefielen ihm. Sehr sogar.

Sie legte sofort eine Hand an ihre Halskette auf die Stelle, an der er sie berührt hatte, als wäre sie schockiert. Dann schüttelte sie den Kopf und schaute verlegen zur Seite. »Was? Nein, das ist nichts für mich.«

»Das kann ich nicht nachvollziehen«, entgegnete er. »Sie sind doch die Schönste in der ganzen Gruppe.«

Sie sah ihn schockiert an und wurde dann auf hinreißende Weise puterrot. Himmel, hatte er etwa eine Erektion? Es sah ganz danach aus. Diese Frau wirkte wie Katzenminze auf seine angespannten Sinne.

»Das ist sehr nett von Ihnen«, erwiderte sie und war offensichtlich sehr geschmeichelt. »Aber, ähm …«

»Jetzt habe ich Sie in Verlegenheit gebracht«, meinte er und übernahm die Führung. Sie sah aus, als würde sie am liebsten weglaufen, und das wollte er um jeden Preis verhindern. Also trat er einen Schritt vor und reichte ihr die Hand mit der Handfläche nach oben.

Sie zögerte kurz und legte ihre Hand dann wieder in seine, als wäre sie fasziniert.

Er hob ihre Hand an seinen Mund und strich mit den Lippen über ihre Fingerknöchel. Ihre Brüste hoben und senkten sich, und ihm wurde klar, dass sie vor Aufregung schneller atmete. Ihre Empfindungen zeichneten sich deutlich auf ihrem Gesicht ab, und das gefiel ihm sehr. Ihm wurde klar, dass sie keine Spielchen spielte. Sie wäre dazu auch gar nicht in der Lage und würde auch nicht versuchen, ihm etwas vorzumachen oder vorzuspielen, nur um seine Aufmerksamkeit zu erregen. Sie war durch und durch echt, von den Spitzen ihrer zerzausten Haare bis hinunter zu den scharfen, hochhackigen Schuhen.

Und das gefiel ihm. Es gefiel ihm sogar sehr.

Daher küsste er erneut ihre Fingerknöchel und blickte dabei zu ihr auf. »Ich möchte mich noch einmal dafür bedanken, dass Sie mir das Leben gerettet haben.«

»Oh«, murmelte sie und war augenscheinlich völlig durcheinander. Sie zuckte und schien ihm die Hand entziehen zu wollen, aber er hielt sie fest. »Das ist wirklich nicht nötig …«

»Doch, das ist es«, beharrte er entschieden. »Ich muss darauf bestehen. Lassen Sie sich von mir wenigstens zum Essen einladen. Das ist das Mindeste, was ich tun kann, um mich für Ihre unglaublichen lebensrettenden Fähigkeiten zu bedanken.«

»Meine lebensrettenden Fähigkeiten …«, wiederholte sie und lachte dann. »Sie sind doch verrückt. Das war bloß Erste Hilfe. Das kann doch jeder.«

»Ich kann das nicht«, erklärte er grinsend und strich mit dem Daumen über ihre Finger. »Wollen Sie es mir mal zeigen? Mir würden da spontan einige Körperteile einfallen, an denen wir üben könnten.«

Sie riss die Augen auf und klappte den Mund mehrmals auf und zu, doch dann nickte sie. »Äh, okay.« Ihm entging nicht, dass ihr Blick kurz auf seinen Lippen verharrte.

Das gefiel ihm. Er hätte zu gern gewusst, was sie dachte …

»Mr Cannon«, schaltete sich sein wertloser Assistent im ungünstigsten Moment ein. »Ich habe Ihnen ein Taxi gerufen, und Mr Gortham ist inzwischen ebenfalls in der Lobby …«

»Nicht jetzt«, fiel ihm Rob ins Wort und wandte den Blick nicht von Marjories gerötetem Gesicht ab. Er wollte es sich genau einprägen. Himmel, sie war einfach umwerfend. Noch nie zuvor war er derart spontan für eine Frau entflammt, aber diese hier brachte sein Blut definitiv in Wallung. Normalerweise langweilten ihn Frauen, weil sie doch alle gleich waren, aber er hatte den leisen Verdacht, dass er Marjorie und ihre Offenheit nie leid werden würde.

»Aber …«, murmelte der Assistent und war offenkundig verwirrt. »Sie haben uns doch aufgetragen …«

Rob knirschte mit den Zähnen und drehte sich widerwillig um. Da standen der Page mit dem Wagen, auf den er Robs Gepäck aufgeladen hatte, sowie seine anderen beiden Assistenten, die ihre Taschen unter die Arme geklemmt hatten und noch immer gähnten. Assistent Nummer drei hielt sich ein wenig im Hintergrund und wusste anscheinend nicht, was er tun sollte. Alle warteten auf Robs Anweisungen.

Er spürte, dass ihm Marjorie ihre Hand entziehen wollte. »Reisen Sie ab?«, erkundigte sie sich.

»Nein«, log er.

»Aber Mr Cannon …«, begann der Assistent erneut, der anscheinend den dringenden Wunsch verspürte, gefeuert zu werden.

»Ich habe Nein gesagt«, wiederholte Rob. »Hat man Ihnen das in der Schule nicht beigebracht? Nein bedeutet Nein.« Er bemühte sich, einen freundlichen Tonfall beizubehalten, und sah erneut zu der wartenden Gruppe hinüber. »Gehen Sie ruhig wieder auf Ihre Zimmer. Das war nur ein Missverständnis.«

»Ich sollte wirklich gehen«, sagte Marjorie und wollte ihm die Hand entziehen. »Meine Freundinnen warten bestimmt schon in der Lobby auf mich.«

»Noch nicht«, erwiderte Rob und hielt ihre Hand fest. »Bitte.« Er würde sie vermutlich erschrecken, wenn er ihre Hand nicht bald freigab, aber er wollte sie einfach nicht gehen lassen. Nicht bevor er ihre Zimmernummer und ihren Nachnamen kannte.

Sie zögerte, schien hin- und hergerissen zu sein und musterte seine Assistenten. »Ich halte Sie auch wirklich nicht auf?«

»Ganz und gar nicht.« Er blickte seine Assistenten an. »Gehen Sie wieder ins Bett.«