Perry Rhodan Neo 66: Novaals Mission - Alexander Huiskes - E-Book + Hörbuch

Perry Rhodan Neo 66: Novaals Mission E-Book und Hörbuch

Alexander Huiskes

4,0

Beschreibung

Als der Astronaut Perry Rhodan im Juni 2036 zum Mond aufbricht, ahnt er nicht, dass sein Flug die Geschicke der Menschheit in neue Bahnen lenken wird. Rhodan stößt auf ein Raumschiff der technisch weit überlegenen Arkoniden. Es gelingt ihm, die Freundschaft der Gestrandeten zu gewinnen - und schließlich die Menschheit in einem einzigen, freiheitlichen Staat zu einen: der Terranischen Union. Perry Rhodan hat das Tor zu den Sternen geöffnet. Doch die neuen Möglichkeiten bergen neue Gefahren: Als er erfährt, dass die Position der Erde im Epetran-Archiv auf Arkon gespeichert ist, bricht er unverzüglich auf. Er muss die Koordinaten löschen, bevor sie in die falschen Hände geraten und die Macht des Großen Imperiums die Erde zerschmettert. Doch einige seiner Gefährten verfolgen ein zweites Ziel: den Sturz des Regenten. Der abtrünnige Naat Novaal kehrt heimlich in seine Heimat zurück, um das Undenkbare wahr zu machen. Er plant den Aufstand seines geknechteten Volkes gegen die Arkoniden ...

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Zeit:6 Std. 2 min

Sprecher:Axel Gottschick

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Band 66

Novaals Mission

von Alexander Huiskes

Als der Astronaut Perry Rhodan im Juni 2036 zum Mond aufbricht, ahnt er nicht, dass sein Flug die Geschicke der Menschheit in neue Bahnen lenken wird.

Rhodan stößt auf ein Raumschiff der technisch weit überlegenen Arkoniden. Es gelingt ihm, die Freundschaft der Gestrandeten zu gewinnen – und schließlich die Menschheit in einem einzigen, freiheitlichen Staat zu einen: der Terranischen Union.

Perry Rhodan hat das Tor zu den Sternen geöffnet. Doch die neuen Möglichkeiten bergen neue Gefahren: Als er erfährt, dass die Position der Erde im Epetran-Archiv auf Arkon gespeichert ist, bricht er unverzüglich auf. Er muss die Koordinaten löschen, bevor sie in die falschen Hände geraten und die Macht des Großen Imperiums die Erde zerschmettert.

Doch einige seiner Gefährten verfolgen ein zweites Ziel: den Sturz des Regenten. Der abtrünnige Naat Novaal kehrt heimlich in seine Heimat zurück, um das Undenkbare wahr zu machen. Er plant den Aufstand seines geknechteten Volkes gegen die Arkoniden ...

Intro

»Ihre Unterlagen!«, forderte der Arkonide, dessen Uniform so sauber und faltenfrei war, als hätte er niemals etwas gearbeitet, das über das Verschieben von Datenholos hinausging. Gelangweilt streckte er die Hand mit dem Lesegerät nach vorn, wie er es bisher bei jedem Naat getan hatte, der die Fähre betreten wollte.

Der Naat, der ihm nun sein Handgelenk mit dem schmucklosen weißen Plastikband hinhielt, war groß – selbst für einen Angehörigen dieser Spezies – und breit. Drei zum Dreieck angeordnete Augen und ein ovaler Mund dominierten den kugelrunden Schädel, der ebenso wie der Rest des Körpers von einer faltigen, schwarzen Lederhaut überzogen war. Leuchtende Körperbemalung umrahmte mit exotischer Ornamentik die Augen und glitt in den Ausschnitt des sandfarbenen Overalls, der mit verblassenden Applikationen übersät war. Söldnerzeichen. Wahrscheinlich einer der sogenannten Paladine.

Der Arkonide verriet keinerlei Erstaunen. Die Identifikationssignale des Armbands glichen sich automatisch mit seiner Liste ab, dann wurde der gefundene Name rot unterlegt wie all die anderen, die diese Prozedur bereits hinter sich hatten.

»Willkommen in der Armee des Imperiums«, leierte der Arkonide die Standardbegrüßung herunter und fügte an: »Thervees.«

1.

An Bord der TONTER'WES

Novaal

Novaal gestattete sich kein Gefühl der Erleichterung. Eine Intrasystemfähre von seiner Heimatwelt zu deren Mond zu besteigen, durfte er nicht ernsthaft als Erfolg werten.

Die Körperbemalung und der Stimmverzerrer, den er sich hatte implantieren lassen, hatten sicherlich dabei geholfen, dass er nicht erkannt worden war, aber seine gefälschte Identität stand auf wackligen Beinen. Selbst dem Hacker Jeethar, der Novaal auf dem langen Flug mit der RANIR'TAN von der Erde zurück in das Herz des Imperiums begleitet hatte, war es unmöglich gewesen, Novaals Individualsignatur zu fälschen. Diese würde ihn über kurz oder lang verraten, daher musste er versuchen, sein Ziel zuerst zu erreichen.

Die wichtigste Regel in diesem Fall lautete: in Bewegung bleiben. Für eine komplette Messung benötigte das System etwa vierzig Standardstunden, sofern er an einem Ort blieb.

Die nächstwichtige Regel widersprach der ersten leider teilweise: ruhig bleiben. Jede Auffälligkeit bewirkte Aufmerksamkeit. Und genau das war zu vermeiden.

Wie würde er sich am wenigsten auffällig verhalten, wenn er der wäre, als der er erschien?

Novaal hatte in voller Absicht eine gefälschte Identität gewählt, die er halbwegs glaubwürdig darstellen konnte.

Er wusste, dass er sich nicht so geben durfte wie ein junger Rekrut – nicht in seinem Alter und nicht mit seiner Haltung, die sofort den Profi verrieten. Sie zu verbergen, brachte er nicht über sich. Er würde damit seine Stärke verbergen. Ein solches Verhalten wäre schwach.

Novaal würde es nicht einmal spielen.

In der Fähre brannten gerade genügend Leuchtröhren, damit keiner unabsichtlich gegen den anderen stieß. Nach der grellen Helligkeit des naatischen Tages fühlte Novaal sich beinahe wie in einer Höhle.

Von außen sah die kupferfarbene bauchige Konstruktion mit den Tragflächen, die Intrasystemfähren dieses Typs wie vollgefressene Vögel wirken ließen, geräumig aus. Der Eindruck verflog spätestens, als Novaal sich bis ins letzte Abteil des Schiffes vorgearbeitet hatte und feststellen musste, dass es dort keinen Sitzplatz mehr gab. Die TONTER'WES konnte problemlos zweihundert Passagieren Platz bieten, aber es waren offenbar deutlich mehr Naats zusammengepfercht.

Wie Vieh, das zur Schlachtbank geführt wird – und niemand bemerkt es.

Aber wie sollten sie auch? Was wussten die Naats wirklich über das Imperium?

Die meisten waren jung, beinahe noch Kinder. Er schätzte, dass mindestens die Hälfte jünger als siebzehn Jahre war, weniger als ein Fünftel älter als fünfundzwanzig.

Der Ruf des Imperiums erklang in den Ohren der jungen Naats verlockend, wie die ultimative Herausforderung, die man unweigerlich annehmen musste, wollte man nicht auf alle Ewigkeit entehrt sein.

Hatte er selbst jemals ebenso gedacht?

Ja ... So entsetzlich es zuzugeben war, es stimmte. Auch Novaal hatte einst für das Imperium gebrannt. Er hatte geglaubt, dass die Hand des Regenten eine Ausnahmeerscheinung sein musste. Wie leicht täuschte man sich selbst ...

Und die anderen an Bord? Die Älteren?

Nun, es gab genügend Naats, denen die Loyalität gegenüber dem Imperium durch die Rede da Teffrons neu aufgeprägt worden war. Novaals Muskelmagen revoltierte, als er an die Hand des Regenten dachte. Nie und nimmer hatte die Hand das Tasbur an der Großen Grube von Luusok mit rechtmäßigen Mitteln gewonnen!

»Was starrst du so?«, fuhr er einen Naat an, der neben ihm saß und ihn unverhohlen ansah.

Der andere, einer der wenigen Älteren, zuckte mit keinem Muskel. »Ich sehe, was ich sehen will«, sagte er ruhig. »Mein Name ist Wenuul.«

»Thervees«, stellte sich Novaal vor.

»Du bist ein Paladin des Hauses da Bostich.«

»Ich war es«, sagte Novaal. »Ich stelle meine Kraft nun in den Dienst des gesamten Imperiums.«

Wenuul stand auf. »Ah. Die Rede da Teffrons. Ich war vor zwei Wochen dabei, als er sie hielt. Eine gute Rede. Eine starke Rede.« Er schlug sich mit einer Faust an die Schulter, wo er eine umgeschnallte Metallplatte trug, so zernarbt und zerfressen, dass es sich nur um ein Geschenk Naats handeln konnte, wahrscheinlich der Überrest einer Sonde oder eines Satelliten. Dieser Wenuul kannte also die Wüste.

Und auch er ist auf da Teffron hereingefallen.

»Ich habe die Rede aufgezeichnet«, sagte Novaal leise. »Wahrlich eine starke Rede. Ich teile sie mit dir.«

»Gern.« Wenuul stellte sich so, dass Novaals ausgestreckte Hand mit dem kleinen Holoprojektor zwischen ihnen war.

Blauweiß flimmerte das Holo von Sergh da Teffron über Novaals Handfläche auf.

»Nur die Stärksten sind würdig, mir zu folgen!«, rief der ehemalige Gouverneur von Naat. »Ihr seid gesegnet, Naats, denn meine Wahl fällt auf euch! Ein großer Krieg liegt vor uns. Schlachten, von denen eure Väter und deren Vorväter vergeblich träumten! Der stärkste, der würdigste Feind des Imperiums ist zurück! Die Methans stellen sich uns erneut zum Kampf!«

Novaal sah, wie Wenuul heftiger atmete. Wie der Mund die Worte nachformte. Wie der Arm zuckte, als da Teffrons Holoprojektion ihren Arm reckte. »Seht mich als den Boten einer neuen Zeit! Einer Zeit der gnadenlosen Kämpfe, in denen ihr euch beweisen werdet!«

Es schien so einfach zu sein, an den grundlegenden Werten der Naats anzupacken und sie damit zu steuern ... Waren sie deswegen aber tatsächlich so primitiv, wie die Arkoniden glaubten?

»Ich werde euch führen! Gemeinsam werden wir jeden Gegner zerschmettern, auf den wir treffen! Ganz gleich, wer er auch sei! Wir werden die Galaxis unter unsere Stärke zwingen! Die Methans sind nur der Anfang!« Sergh da Teffron rief es zweistimmig.

Zweistimmig?

Novaal sah das Erstaunen in Wenuuls Blick und folgte ihm. Dort, zwischen ihren einander zugewandten Schultern erspähte er einen dritten Naat. Dieser war kleiner als Wenuul und schmächtig, weniger als halb so breit wie Novaal.

»Geh auf deinen Platz, Felslandnaat!«, befahl Wenuul grimmig.

»Ich bin kein Felslandnaat«, widersprach der dünne Naat, dessen ganze Jugend und Schwäche sich in seinen Worten offenbarte. Die Stimme klang hoch und diskant. »Ich werde der glorreichen Armee des Imperiums beitreten und Ruhm und Ehre für Naat erringen, so wahr ich Rhoovor heiße.«

»Dann heißt du wohl nicht Rhoovor«, versetzte Wenuul und wollte offenbar noch etwas sagen, doch eine Armbewegung Novaals ließ ihn verstummen.

»Ich habe dich nicht eingeladen«, sagte Novaal langsam.

Rhoovor kratzte sich Sand aus der Haut, die wenigen Körnchen, die verblieben waren. »Ich brauche keine Einladung. Ich nehme mir, was mir zusteht.«

Besser. Er ist nicht vollkommen schwach. Novaal betrachtete den Jungen. Ohne dass er es wollte, quollen Bilder von Sayoaard in ihm empor. Sein Sohn war ganz anders gewesen als dieser Junge, aber ... etwas an ihm zupfte an jenem Faden, der Novaal über den Tod hinaus mit seinem Sohn verband und wie am ersten Tag schmerzte.

Je älter er wurde, desto mehr Verstorbene umringten ihn und erinnerten ihn, zwangen ihm Fragen auf, die er nicht mehr beantworten konnte, ertränkten künftige Entscheidungen in Rückschauen.

»Nichts steht dir zu«, beschied er Rhoovor. »Aber Sergh da Teffron, unser ehemaliger Gouverneur, hat zu allen Naats gesprochen, daher sieh dir seine Botschaft getrost an. Auch du bist ein Naat.«

Wenuul stieß ein heiteres Krächzen aus. »Sogar«, korrigierte er. »Sogar er ist ein Naat.« Er sah auf den mageren Jüngling hinab. »Aber er wird weder seinem Volk noch dem Imperium viel Ehre einbringen. Sieh ihn dir an!«

»Ich bin jünger als du«, sagte Rhoovor fest. »Ich habe mehr Zeit, dem Imperium Ehre zu bringen. Du bist fast schon tot.«

Novaal lachte innerlich, während er Wenuuls finster werdendes Gesicht betrachtete, blieb aber nach außen ungerührt. Der erfahrenere Naat würde den Jungen nicht angreifen, dazu waren die Kräfte zu offensichtlich verteilt. »Du willst dem Imperium dienen ...«

»Jeder Naat will das!« Rhoovors Stimme kippte beinahe, so deutlich war ihm die Freude anzumerken. »Du tust doch auch alles dafür, den Feind zu zerschmettern. Wir Naats werden es sein, die das Imperium retten, diesmal endgültig. Die Methans werden vernichtet werden, und unser Wohltäter wird uns mehr Ehre ...« Rhoovors Stimme erstarb.

Novaal und Wenuul wechselten einen langen Blick, der zwar keine vollkommene Übereinstimmung verhieß, aber zumindest eine gewisse Ähnlichkeit bedeutete.

»Was ist?«, fragte Rhoovor. Er klang aggressiv.

»Du bist ... sehr jung«, sagte Novaal ausweichend. Es brachte nichts, den Jungen an Bord zu demütigen. Sie würden gemeinsam nach Naator fliegen, wo sie ein mörderisches Training erwartete. Sollte er den Jungen darauf hinweisen, dass er es wahrscheinlich nicht überstehen würde? Der Junge glühte vor Begeisterung für die Armee. Angst vor dem Tod würde ihn nicht schrecken. Wahrscheinlich würde er sie überspielen, nur, um nicht schwach zu wirken.

Die Jugend begriff manchmal nicht, was Schwäche und was Stärke war. Und ... wenn Sayoaard an Rhoovors Stelle wäre?

»Sechzehn«, behauptete Rhoovor. »Alt genug für die Armee. Die Große Grube Salazar bringt stets große Kämpfer hervor.«

Salazar. Das war die Große Grube gewesen, aus der Sayoaard gekommen war. Und Rhoovor war ungefähr ebenso alt wie Novaals Primärsohn gewesen war. Es war denkbar, dass auch er von Novaals Samen abstammte, aber er spürte keine Verbindung zu ihm. Die existierte nur zu Primärsöhnen.

Er ist im gleichen Alter und erinnert mich irgendwie an ihn. Aber er ist nicht Sayoaard.

»Du weißt nichts von Kämpfen«, wies ihn Wenuul zurecht. »Ich vergeude meine Zeit nicht mit törichten Kindern.« Mit diesen Worten begab er sich wieder an seinen Platz und drehte sich ostentativ weg von Rhoovor und Novaal.

In Novaals Arm zuckte es. Nur mit Mühe konnte er sich beherrschen, dem Jungen beruhigend eine Hand auf die Schulter zu legen. »Mein Name ist Thervees«, sagte er stattdessen.

Rhoovor gab ein leises Brummen von sich. »Ich bin weggelaufen.«

2.

Arkon II

Nurit

Den Flug hatten sie beinahe wortlos verbracht. Nun schwiegen sie wieder. Nurit Oteres Augen brannten umso mehr, je länger sie die brennende Stadt betrachtete. Sie fing die Tränen mit einer Hand auf und wischte sie rasch an der Kleidung ab, einer einfachen, aber zweckmäßigen Montur, wie alle Rettungskräfte sie trugen.

Stadt?, dachte Nurit. Ja, es war vielleicht einmal eine Stadt ... nein: zwei Städte, mindestens ... gewesen, aber im Augenblick, schon zu lange und noch längst nicht beendet, handelte es sich um ein Katastrophengebiet.

Dort unten starben Lebewesen. Und weshalb?

Alte Macht. Revolte. Neue Macht. Revolte.

Es war immer dasselbe.

Sie drückte sich enger an ihren Begleiter, ihren Liebsten. Nicht so sehr aus Furcht, sondern eher, um das stetig warme Leben zu spüren angesichts des lodernden Todes und der Kälte, die durch den Einschlag von Gath'Etset'Moas und der Staub- und Partikelwolke, die dieser hervorgerufen hatte, nun nach dem Planeten griff. Die Stadt wurde einerseits durch die Feuer verbrannt und erfror andererseits in der Kälte, die von den Sternen herabkam.

Keine Hochrechnung, kein Notfallplan hatte die Bewohner von Arkon II darauf vorbereitet, dass tatsächlich das Undenkbare geschehen konnte: dass eine der Himmelsstädte abstürzte.

Nun war es geschehen. In einem flachen Winkel war die älteste der Himmelsstädte weit über zehntausend Jahre nach ihrer Gründung herabgeschmettert, hatte eine Schneise der Verwüstung hinterlassen und schließlich den achten Teil von Torgona zerstört.

Wohin Nurit auch sah: Flammen, fetter, schwarzer Qualm, ein sonnenloser Himmel. Von der Pracht, die Arkon II auszeichnete, war nichts geblieben: Insgesamt 28 Himmelsstädte umgaben den Äquator, jede einzelne mit einem bestimmten Segment des rund zweihundert Kilometer breiten Stadtgürtels Torgona durch einen Orbitalfahrstuhl verbunden. Nurit liebte den Anblick dieser Welt, wenn tagsüber die bizarren Schatten der Himmelsstädte über die Oberfläche wanderten und nachts ein Meer aus Lichtern am Boden einem Heer aus Lichtern am Himmel gegenüberstand. Arkon III hatte mehr Industrie, mehr Technik, mehr militärische Präsenz, und Arkon I stand für Stil, Erhabenheit, Kultur und Politik, aber auf Arkon II spürte sie das Leben pulsieren in all seinen Facetten, und unter den etwa zehn Milliarden Bewohnern traf sie Wesen aus dem ganzen Imperium, die es an diesen Ort zog, um im Herzen des Reiches ihr Glück zu machen.

Es war der ideale Einsatzort für die Celista, den arkonidischen Geheimdienst.

Und nun war er zerstört. Gath'Etset'Moas hatte die Gipfel des Gasswar-Gebirges gerammt, und war letztlich in Torgona'Dares aufgeschlagen, wobei sie den zugehörigen Orbitallift Secinda nur knapp verfehlt hatte.

Seitdem brannte die Stadt, und Staub und Asche sperrten das Sonnenlicht aus.

Ewige Nacht. Ewiges Feuer.

»Bist du sicher?«, flüsterte Nurit und tastete nervös nach den gefälschten Identitätsnachweisen, die sie bis an diesen Ort geführt hatten. »Es muss einen anderen Weg geben!«

Ihr Geliebter starrte stumm auf das Flammenmeer. Tränten seine Augen ebenfalls? Das schwarzrote Schattenspiel auf seinem Gesicht verbarg es.

Sanft streichelte sie ihm die Wangen, diese aristokratische Form, als gälte es, Lebewohl zu sagen. Die Falten des älteren Mannes kräuselten sich unter der Berührung, aber er schwieg.

»Du sagst nichts?«

Enban da Mortur – Orotak für die anderen Rettungskräfte – nahm sie in die Arme und drückte sie ganz fest an sich. Sie zitterte, diesmal vor Glück. Er umarmte sie, ohne Rücksicht auf den Sitz seiner Kleidung! Das entsprach einem emotionalen Ausbruch, wie er ihn sich selten gestattete. Selten waren die gemeinsamen, innigen Momente in ihrer beider Leben gewesen, sodass sie jeden einzelnen hundertfach genoss. Aber ihre Beziehung musste geheim bleiben, nur das verhieß ihnen beiden Sicherheit. Sie als nur halbarkonidische gemeine Celista und er als reinblütiger adliger Adjutant der Mascantin Pertia ter Galen standen jeder für sich im Brennpunkt von Leuten, die nicht zögern würden, ihre Partner als Druckmittel einzusetzen, wenn sie von ihnen erführen. Ihr bester Schutz war die Geheimhaltung gewesen.

Doch damit war es nun vorbei.

Enban schüttelte den Kopf, presste ihren in seine Halsbeuge. »Es ist der einzige Weg, der zurück ins Leben führt.«

Sie weinte laut- und tränenlos, denn ihre Trauer ging niemanden etwas an, nicht einmal den Mann, den sie so sehr liebte.

Dann nahm sie all ihren Mut zusammen – und stieß Enban da Mortur, ihren Geliebten, den Adjutanten der Mascantin, in die Flammen.

Auf diese Weise starb Orotak.

Danach sprang sie selbst und tötete damit Zoliana.

3.

Der Auftrag

Theta

»Der Tod ...«, murmelte Sergh da Teffron. »Was ist das eigentlich?« Er wirkte alt, viel älter als sonst und als es seinem tatsächlichen Alter entsprach. Zugleich vermittelte er den Eindruck eines Gehetzten, Getriebenen, der voll fiebriger Anspannung auf ... etwas wartete.

Nur leider wusste Theta nicht, was dieses Etwas war. Je besser sie ihn kannte, desto unzulänglicher stellte sich die Hand des Regenten dar. Ihr schien es ungerecht, wie jemand mit solch verhältnismäßig geringen strategisch-politischen Gaben es in eines der mächtigsten Ämter des gesamten Imperiums hatte schaffen können.

Seit zwei Tagen war er kaum ansprechbar für sie. Ja, sie aßen, sprachen und schliefen miteinander, aber er wirkte immer irgendwie weit weg.

Was verbirgst du?, dachte Theta. Sie konnte den Zeitpunkt, an dem er sich so geändert hatte, relativ präzise bestimmen: Es war der Anblick des Holowürfels gewesen. Serghs Erschrecken, als sich das aufgezeichnete Bild von Enban da Mortur zeigte, war so leicht erkennbar gewesen, dass sie zunächst gedacht hatte, er hätte es nur vorgespielt, um genau diesen Eindruck zu erwecken.

Mittlerweile war sie überzeugt, dass er dazu nicht in der Lage war. Was hatte ihn so erschreckt? Alles, was sie gesehen hatte, war die Aufnahme des Adjutanten der Mascantin, der sich anscheinend in einem Industriekomplex im Orbit befand und eine Schachtel mit einem großen, blauen Kristall und einem Metallei in der Hand hielt.

Sie kannte Enban – schließlich war sie es gewesen, die ihn mit ihren Künsten auf ihre Seite gezogen hatte –, allerdings nicht besonders gut. Er hatte ihr widerstanden, viel stärker als die meisten, obwohl er weder homoerotisch veranlagt war noch in fester Beziehung stand. Schließlich hatte sie den Druck erhöhen müssen, um sich seiner Hilfe bei dem Attentat auf die Mascantin Pertia ter Galen zu versichern.

Dem gescheiterten Attentat. Dem von Sergh geplanten Attentat. Von der Hand des Regenten, die die Naats mit einem Trick auf seine Seite gezogen hatte und nun den Aufstand gegen den Herrscher ansetzte.

Während hinter ihrer Stirn die Verachtung für den kleinen Geist ihres Herrn wuchs wie eine Gewitterwolke, lächelte sie ihn an und massierte ihm die Schläfen. »Was beschäftigt dich so sehr?«

Er packte ihre Handgelenke und zog sie hinunter an seinen Hals, dieses dürre, wippende Ding. »Ich brauche ihn«, flüsterte er ihren Fingerknöcheln zu. Sein Atem war unangenehm feuchtwarm auf ihrer weißen Haut. Gleich würde er ihre Hände küssen ... Sie wappnete sich gegen das Gefühl, wenn welke Lippen das junge, feste Fleisch berührten. Als liefen ihr Insekten über die Haut.

Die Berührung blieb aus, so zog sie sanft, aber geschickt eine ihrer Hände aus seiner Umklammerung, streichelte ihm die Wange und beugte sich zu ihm hinunter. »Wen? Enban?«

Er starrte sie an, als habe sie den Verstand verloren. Aber nur für einen Moment. Sie konnte beinahe sehen, wie und was er gerade dachte. Er entwickelte wieder einen seiner zu kurz gedachten Pläne. »Ja, genau. Enban. Enban da Mortur. Er ist der Schlüssel, den ich brauche.«

»Befiehl ihn zu dir!«, schlug sie wider besseres Wissen vor, verharrte in der Rolle, in der er sie sah.

Er ließ ihre zweite Hand los und stand ruckartig auf, als wolle er weglaufen. Dann verharrte er, verschränkte die Hände auf dem Rücken und wanderte unruhig in dem großen Raum mit scheinbar umlaufender Glassitverkleidung – tatsächlich Holoflächen – auf und ab. Er tat, als würde er nachdenken. Operative Hektik ersetzt geistige Windstille, hatte das Ihin da Achran einmal boshaft-spöttisch genannt, und wahrscheinlich war mehr Wahres daran, als Theta bisher gedacht hatte.

Sie atmete tief ein und sah sich um. Es war ein wundervoller Panoramaausblick auf Arkon III, die Welt, die niemals schlief, zusammengesetzt aus Aufnahmen, wie sie aus den obersten Etagen der äußeren Türme gewonnen wurden. Sie hielten sich hingegen im obersten Stock eines der kleineren Elfenbeintürme im Zentrum jener Anlage auf, die das Zentralkommando Arkh'Tetran bildete. Wenn sie nach »draußen« schaute, wirkte es, als befände sie sich hoch über allen anderen Gebäuden des Stadtmolochs, der einst ein ganz normaler Planet gewesen war. Millionen Lichter spiegelten sich in dem bartflechtenhaften Gespinst, das die Türme von Arkh'Tetran miteinander verband, und zauberten eine Aura diesigen Lichts, durch das das Zentralkommando dem mundanen Aspekt optisch entrückt wurde.

Wohin das Auge blickte, pulsierte die Industrie, spuckten Fabriken das aus, was vom Arkh'Tetran gewünscht wurde. Das war Macht in reiner Form. Die Macht zu herrschen und zu gestalten. Kein Wunder, dass das Zentralkommando sogar größer als der Sitz des Imperators war, der Kristallpalast auf Arkon I. Und doch: Alles diente letztlich nur dem Imperator ... sofern er anwesend und stark genug war, sich durchzusetzen. Die Geschichte war voller Herrscher, die weder das eine noch das andere Kriterium erfüllt hatten.

Der Himmel glühte orangerot. Arkon III rüstete für den Krieg gegen die Methans.

Der größte nur denkbare Krieg dämmerte herauf, ihr Herr griff nach der Herrschaft über Arkon – und suchte nach einem einzelnen Mann, einem der langweiligsten im Übrigen, die Theta je kennengelernt hatte.

Sergh stellte seine unruhige Wanderung ein und trat neben sie, legte einen Arm um ihre Hüfte, streichelte mit der anderen über ihre kleinen Brüste. Sie zeigte ihm die Zähne, indem sie ihn anlächelte, als bereite es ihr Vergnügen.

»Der Feigling ist desertiert, er hat sich uns entzogen«, sagte Sergh leise, wobei sich sein Mund kaum bewegte. »Ich werde mich auf die Suche nach ihm machen, und wenn ich jede einzelne Arkonwelt ansteuern muss.«

»Setz ein Kopfgeld aus!«, schlug sie vor.

»Nie und nimmer! Wir müssen diskret vorgehen, ein Kopfgeld macht nur die falschen Leute aufmerksam.«

»Und wenn du ihn über seine Individualsignatur aufspürst?«

»Individualsignatur! Pah!«, schnappte er. »Als sei die ein Allheilmittel!«

Er hat es offenbar schon versucht und ist gescheitert. Das heißt, Enban da Mortur hat Mittel und Wege gefunden, sich zu entziehen. Interessant. Wer könnte ihm dabei geholfen haben? Allein ist er dazu ganz sicher nicht imstande.

»Wo hält er sich wohl auf? Hast du einen Verdacht?«

Er lachte höhnisch. »Wenn er klug ist, verbirgt er sich entweder direkt vor unseren Augen oder ist schon längst jenseits der Systemgrenzen. Ich jedenfalls würde es so machen.«

Theta ging davon aus, dass Enban da Mortur sich irgendwo innerhalb der Grenzen des Arkon-Systems aufhielt. Wo genau, würde sie erst herausbekommen können, wenn sie mehr über ihn und über das, was er hütete, wusste.

»Und wie ...«, begann sie, wurde aber durch einen hellen Ton wie von schwingendem Kristall unterbrochen.

In der Mitte des Raums glühte ein grünes Licht auf.

Sofort fiel Sergh da Teffron auf die Knie, und Theta machte es ihm nach. Ein Hochrangsignal, das ohne Rückfrage direkt ins Arkh'Tetran durchgestellt wurde, konnte in absentia imperatores nur einen Gesprächspartner bedeuten: den Regenten.

Es gab keine direkte Holoverbindung mit dem Realabbild des Regenten, nur einen erkennbar künstlichen Avatar, ein stilisiertes Gesicht mit asynchronen Lippenbewegungen. Das war ungewöhnlich. Der Regent liebte es, sich zu inszenieren. Dass er nun darauf verzichtete und stattdessen mit Theaterdonner aufwartete ... Was hatte das zu bedeuten?

Theta zweifelte keine Sekunde daran, dass es wirklich der Regent war, der diese Holoverbindung aufgebaut hatte und dass er seinerseits diesen Raum genau und in Echtzeit sah – und ihrer beider Reaktionen. Seine Macht war viel weniger konkret fassbar als die des Arkh'Tetran, daher neigte manch einer im Imperium dazu, ihn zu unterschätzen. Ein zumeist tödlicher Fehler für Leben oder Karriere. Selbst Sergh, der wahrlich genug Erfahrung mit dem Regenten gesammelt hatte, schien sich nicht in jedem Augenblick dieses Umstandes bewusst zu sein. Sie hingegen glaubte sich vor dieser Schwäche sicher. Wenn sie den Regenten tatsächlich stürzen wollten, konnte sich das Unterschätzen dieses Mannes als gravierender Fehler herausstellen. Von Thetas Begegnung mit ihm dominierte ein Eindruck in ihrem Gedächtnis: der eines mächtigen Raubtieres.

Der Regent hielt sich nicht mit Förmlichkeiten auf. »Sergh da Teffron hat sich umgehend im Kristallpalast einzufinden«, verkündete das abstrakte, grüne Gesicht.

»Sehr wohl, Herr«, sagte Sergh da Teffron mit gesenktem Haupt.

Das Gesicht erlosch und ließ nur einen Nachhall von Grün in der Luft hängen. Als selbst dieser sich verflüchtigt hatte, sagte Sergh da Teffron nur ein Wort. »Verdammt!«

»Der Regent ruft, und ich eile. Ich weiß nicht, worum es geht und wann ich zurückkehren werde.« Sergh verzog abschätzig den Mund. Er wirkte viel verkniffener als sonst. Sie wusste, dass es an seiner Angst lag, aber sie hütete sich, es zu zeigen oder gar anzusprechen. Wenn der Regent jemals hinter Serghs Umsturzpläne kam ...

»Ich kann dir rasch ein paar Sachen einpacken«, sagte Theta.

»Unsinn! – Entschuldige. Ich bin wohl ein wenig gereizt. Diese Sache mit Enban da Mortur ...« Er hob den wippenden Kopf, sodass er ihr genau in die Augen blickte. »Könntest du diesen kleinen Auftrag für mich übernehmen? Schnell und diskret?«

Sie verzog keine Miene. »Wenn du es mir zutraust, werde ich es tun.«

Nicht versuchen, sondern tun. Sie hoffte, er verstand die Botschaft.

»Ich gebe dir Vollmachten«, murmelte er und trat an ein Terminal.

»Und Informationen«, forderte sie sanft. »Was ist so wichtig an diesem da Mortur?«

»Moment. Du sollst alles erfahren.« Er stellte sich vor den Retinascanner, verifizierte die Ergebnisse durch einen Fingerlinienabgleich und einen Blutstropfen. Dann zog er ein regenbogenfarbenes Plastikarmband aus dem Ausgabeschlitz, der sich in der Wand öffnete. »Hier ist dein Permit. Damit hast du weitgehende Freiheiten: Spesen, Zugangskodes. Aber mach dir bewusst: Du sprichst in meinem Namen. Alles, was du tust, kann auf mich zurückfallen. Ich rate dir, deine Kompetenzen nicht auszureizen.«

Sie nahm das Plastikarmband, das sich sofort mit ihrem Unterarm verband. Diebstahlschutz oder Kontrollinstrument?

Sergh da Teffron setzte sich erneut in Richtung Tür in Bewegung. »Ich melde mich bei dir, sobald ich kann. Jetzt muss ich mich aber beeilen. Der Regent wartet nicht gern.«

Sie war mit zwei, drei raschen Schritten neben ihm und vor der Tür. »Du hast etwas vergessen«, sagte sie und küsste ihn auf die Wange. »Die Informationen. Was ist so wichtig an da Mortur, dass die Hand des Regenten ihn so unbedingt braucht?«

Sergh rollte mit den Augen. »Ich dachte, es wäre offensichtlich. Der Mann ist ein Verräter, er hat uns betrogen, sodass der Anschlag auf die Mascantin keinen Erfolg erbrachte. Wenn er in Freiheit bliebe, könnte er unermesslichen Schaden anrichten und unseren ganzen Plan gefährden.«

»Aber das ist nicht alles, Liebling«, stellte sie fest. »Dieses kleine metallische Ei gab dir den Anstoß, da Mortur zu jagen, habe ich recht?«

Er lachte trocken und sah sich verstohlen um, als fürchte er Aufzeichnungsgeräte. Dabei hatte er den Raum erst vor einer halben Stunde überprüft. Er war so abhörsicher, wie es nur eben ging.

»Ich vergesse immer wieder, wie klug du bist. Ja, das hast du richtig bemerkt. Dieses Ei ist ein Speichermedium, auf dem der Adjutant Daten gesammelt hat. Brisante Daten. Belastende Daten gegen die Mascantin und viele weitere Arkoniden, die im Imperium eine wichtige Rolle spielen. Es ist genau das, was wir brauchen, um sie alle in unseren Griff zu bekommen, bis sie merken, dass es zu spät ist und die Regentschaft uns gehört.«

Er lügt mich an, dachte sie. Sie erkannte es an vielen kleinen Anzeichen: das Zucken der linken Augenbraue etwa oder die Handhaltung. »Enthält der Speicher auch Daten über dich?«

»Darum geht es nicht.« Er zuckte nicht einmal zusammen, und das wäre er ganz bestimmt, wenn die Geschichte mit den Daten wahr gewesen wäre. Es gab unter Garantie Daten über Sergh da Teffron, wenn Enban da Mortur einigermaßen auf Zack gewesen war, und sei es auch nur aus seiner Gouverneurszeit auf Naat. Aber Theta begriff, dass sie einen bestimmten Punkt erreicht hatte, an dem weiteres Nachfragen gefährlich gewesen wäre, weil es ihm zu viel über sie verraten hätte. Um ihrer Zukunft willen musste sie die unterwürfige, aber gescheite Kurtisane bleiben, für die er sie hielt.

»Du hast recht, Liebling. Es ist vollkommen unerheblich, denn wir werden die Daten an uns bringen, damit sie künftig dir zur Verfügung stehen. Und ich werde außerdem auch alle Sicherheitskopien aufspüren und vernichten.«

Er strich sich über die Wange, als fiele ihm gerade ein Makel an seinem Plan auf. Wenn das Metallei kein Datenspeicher war, entsprach das auch der Wahrheit. »Eine gute Idee«, lobte er. »Aber warte damit, bis ich wieder da bin.«

Sie verneigte sich. »Das werde ich. Gute Reise, Liebster!«

4.

Auf dem Mond

Novaal

Wovor mag Rhoovor geflohen sein?, dachte Novaal und ließ den Blick schweifen.

Wenuul und Rhoovor sahen beide staunend auf den Monitor, in dem der Militärmond Naats immer größer wurde. Novaal kannte Naator und wusste, dass der Mond in vielerlei Hinsicht ein Widerspruch zu Naat war: Nichts dort erinnerte an das ungeheure, erhabene Monstrum einer rauen, von einer unbarmherzigen Natur geprägten Welt, die sich dort unten behäbig und selbstbewusst drehte.

Naator war viel kleiner, ungefähr so groß wie die Heimatwelt der Arkoniden, in einem Orbit gefangen und unfähig, sich um sich selbst zu drehen. Der Mond wandte dem Planeten immer die gleiche Seite zu. Es war eine technisierte Seite: Grau auf Grau reihten sich Kasernen, Übungsgelände, Fabriken und Raumhäfen aneinander. Kein Bauwerk hatte Ähnlichkeit mit den Wurmbauten Naats, alles war gerade und eckig. Die Atmosphäre war so künstlich wie diese gesamte graue Welt erschien. Es gab kaum Aufzeichnungen über Naator, wie er unter dem technoiden Gespinst ausgesehen hatte, ehe der Mond zum Truppenaufmarschplatz, Internierungslager und Wachfort in einem ausgebaut worden war.

Rhoovor neben ihm atmete tief ein, als die TONTER'WES hinabsackte, direkt in eine wartende Andockklammer, die das Schiff an einen geeigneten Platz brachte.

Überall starteten Raumschiffe oder vertrauten sich den Klammern an. Es sah aus, als umkreise eine Armada kleiner Monde den größeren Naator.

Novaal erinnerte sich gut an seine erste Landung auf Naator. Ihm war es kaum anders ergangen als Wenuul oder dem Jungen an seiner Seite. Die Technosphäre hatte ihn beinahe erschlagen mit ihrer kalten, metallischen Präsenz. Hinzu kamen die Gerüche, auf die die Rezeptoren eines Naats, der seinen Heimatplaneten nie verlassen hatte, nicht eingestellt waren. Die Irritationen der ersten Wochen konnten furchtbar sein.

Er hoffte, dass sich möglichst schnell eine Möglichkeit ergab, Kontakt mit Kaduus aufzunehmen. Sein alter Ausbilder hielt große Stücke auf Novaal und verfügte über ein ausgezeichnetes Netz von Beziehungen. Auch wenn er auf Regierungsebene kein offizielles Amt bekleidete, wurde seine Stimme gehört. Beinahe jeder Triumphator der letzten achtzig Jahre war durch seine Schule gegangen.

Wenn es gelang, Kaduus als Fürsprecher zu gewinnen, hatte Novaal eine Chance, vom Rat der Triumphatoren ernst genommen zu werden.

Ein verzweifelter Plan, das wusste Novaal selbst, aber mehr hatte er nicht zu bieten. Und kein anderer durfte auf mehr Erfolgschancen hoffen. Folglich entzog er sich dieser Aufgabe nicht, gegen alle Wahrscheinlichkeit, sie zu einem guten Ende zu bringen. Doch wie hatte er es seiner Mannschaft gegenüber stets formuliert? Ist es eine aussichtslose Aufgabe für Arkoniden? – Sind wir Naats? – Wenn es jemand schafft, dann wir!

Nun war es an ihm, diese Aussage zu bestätigen. Allein war es schwierig. Die gesamte Naatbesatzung der RANIR'TAN hatte sich angeboten, ihn zu begleiten.

»Nein, das ist eine Aufgabe, die ich nur allein erledigen kann. Jeder zusätzliche Mann erhöht das Risiko.« Als er mit diesen Worten die Angebote abgelehnt hatte, waren sie ihm wahr und klar vorgekommen. Nun aber, im Angesicht Naators ... Novaal war nicht mehr sicher.

»Bist du auch nervös?«, fragte Rhoovor leise. Es waren die ersten Worte, die er sprach, seit er sein Geständnis gemacht hatte.

Novaal hob eine Hand. Nicht fragen, signalisierte er damit. »Jeder ist nervös, der zum ersten Mal nach Naator kommt«, sagte er dann.

Rhoovor brummte leise. »Nicht so nervös. Richtig