Acrylmalerei
GeschichteMaterialWerkzeugGrundtechnikenSpezialtechnikenTipps & TricksGalerie
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Bernd Klimmer
Acrylmalerei
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Bernd Klimmer
Acrylmalerei
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Liebe Leserinnen und Leser,das vorliegende Buch richtet sich sowohl an Einsteiger, die sich mit den Grundlagen der Acrylmalerei vertrautmachen wollen,als auch an Fortgeschrittene, die ihr bisher erworbenes Wissen erweitern möchten und nach neuen, kreativen Ausdrucksformen suchen. Je mehr man sich mit den Eigenschaften und Verarbeitungsmöglichkeiten von Acrylfarben und den dazugehörigen Hilfsmitteln auseinandersetzt, destoerfolgreicher kann man sie im Bild einbringen. Mit Hilfe dieses praxisorientierten Nachschlagewerkes wird es Ihnen gelingen, bereits vorhandenes Wissen durch zusätzliche Informationen zu erweitern und Ihre Materialien, auf dieSie gerne zurückgreifen, in einem anderen Licht zu sehen.Die Inhalte gliedern sichin übersichtliche Kapitel, was einen schnellen Zugriff auchauf Teilgebiete erlaubt. Die Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten der grundlegenden Materialien und Werkzeuge für die Acrylmalerei werden ausführlichbehandelt. Einen breiten Raum nimmt auch die Farbenlehre ein, derenRegeln verstanden werden wollen, um das Tor in das Haus der Kunst öffnen zu können. Viele Praxisübungen, die auch das Feld der MixedMediaMalerei streifen, zeigen eine große Bandbreite von Maltechniken und Anwendungsmöglichkeiten. Dazu gehören sowohl traditionelle Malweisen alsauch experimentelle Verfahren. Das Kapitel „Tipps & Tricks“ nimmt sich der Beantwortung von Fragen an, die auf den Künstlerin der Praxis immer wieder zukommen. Ein Glossar am Ende des Buches zählt nochmals alle wichtigen Schlagworte mitden entsprechenden Erklärun gen auf.Als Künstler, der sich seit Jahrzehnten mit Acrylmalerei befasst und sein Wissen in vielen Seminaren und an Akademien weitergibt, bin ich mit der Praxis sehr verbunden. All meine gesammelte Erfahrung, die ich gerne an Sie weitergebe, ist in dieses fundierteNachschlagewerk eingegangen. Ihr5
GeschichteMaterialWerkzeugGrundtechnikenSpezialtechnikenTipps & TricksGalerie713 – 1718 – 5354 – 6364 – 8384 – 141142– 159160 – 183
GeschichteAcrylfarben 14 Acrylmalerei15Eigenschaften 16 Weiterführende Informationen 17MaterialAcrylfarben 20Bestandteile der Acrylfarben20Acrylfarben sind Alleskönner20Einsatzmöglichkeiten 20Gebindearten und Lagerung 21Was unterscheidet eine sehr gute Acrlyfarbe von Acrylfarben minderer Qualität?21Kann man bereits den Herstelleretiketten entnehmen, um welche Farbqualität es sich handelt? 21Flüssige Acrylfarben22Airbrushfarben 22Verarbeitung 22Gebindeart und Lagerung 22Aquacryl 23Eigenschaften 23Verarbeitung 23Lieferform 23Gebindeetikett 24Deckkraft 24Transparenz 25Produkt-Etikett am Beispiel Artist Künstler Acrylfarbe25Transparent (bedeutet : lichtdurchlässig, „lichterfüllt“) 25Die Deckkraft von Acrylfarben26Flüssige Acrylfarben27Wie hängen Viskosität und Farbauftrag zusammen? 27Lichtechtheit 27Verwendete Pigmente 28Farbviskosität 28Sicherheitshinweise 28AP-Siegel28CL-Siegel 28Ausstattung für Fortgeschrittene29Die Farben-Grundausstattung29Weiß29Kadmiumorange 30Chinacridon30Zinnoberrot 30Karminrot 30Krapp(lack) dunkel 30Coelinblau 30Ultramarinblau 30Preußischblau 30Indigo 30Arktis 31Maigrün 31Phthalogrün 31Beige 31Lichter Ocker 31Siena gebrannt 31Umbra gebrannt 31Vandyckbraun 31Schwarz 31Farben selbst ansetzen 32Die Pigmente 32Farben anrühren 33Farben aufbewahren 33Eine einfache Variante33Malhilfsmittel 34 Struktur- und Modellierpasten 34Fertige Strukturmittel34Modellierpasten 35Die wichtigsten Strukturpasten36Leichtstrukturpaste 36Leichtstrukturpaste mit Sand 36Grobe Strukturpaste 36Strukturpasten herstellen 37Strukturpasten mit Sandzusatz 37Strukturpasten mit Rauputzzusatz 37Fliesenkleber 38Strukturen mit Wandfarbe38Krakelierpaste 38
Inhalt
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Spachtelmassen und Modellierpasten 39Effektgele40Schmincke Acryl Struktur-Gel, glänzend 40Schmincke Acryl Faser-Gel 40Schmincke Acryl Crystal Flakes-Gel 40Schmincke Acryl Black Flakes-Gel 40Schmincke Acryl Mineral Flakes-Gel 41Pasten und Gele für farbliche Oberflächeneffekte 41Schmincke Acryl Golden Flakes-Gel 41Malmittel und Additive42Schmincke Acryl Retarder42Schmincke Acryl Fluid-Medium, glänzend 42Schmincke Acryl Fluid-Medium, seidenmatt 42Mixed Media 43Abtönfarben 43Disper sions binder43Grundierung von Leinwänden43Aufkleben von Collagematerialien43Umgang mit Wandfarben43Sprühfarben43Zeichenmaterialien 44Ölpastellkreiden 44Faserstifte 44Tinten und Tuschen45Tinte45Tusche 45Malgründe 46Besondere Untergründe 46Lascaux Uni-Primer 47Untergrund testen47Bespannte Keilrahmen 47Die richtige Leistentiefe48Rahmenqualität einschätzen 49Keilrahmengewebe 49Keilrahmen selbst bauen 49Keilrahmen selbst bespannen 50Das richtige Gewebe 51Materialien und Werkzeuge51Grundieren 51Keilrahmenränder 51Papiere 52Bögen oder Block? 52Malpappen/Malkartons 53Andere Malgründe 53WerkzeugPinsel56Der richtige Pinsel57Rundpinsel 57Flachpinsel mit Synthetikhaaren 57Flachpinsel mit Borste 57Liniererpinsel58Fächerpinsel 58Malmesser 59Malerspachtel 59Colour Shaper59Weitere Malwerkzeuge 60Haushaltsschwamm 60Farbwalzen 60Schmirgelpapiere60Topfkratzer 61Paletten 61Werkzeugreinigung & Entsorgung 61Arbeitsplatz 62Beleuchtung 62Im Freien malen 63GrundtechnikenFarbenlehre 66Das Auge reizen66Farbkreis nach Itten 66Ittens Farbtheorie 66Ittens Farbkreis 66Kontraste 68Der Komplementär-Kontrast68Komplementäre Schatten 68Der Hell-Dunkel-Kontrast 69Der Kalt-Warm-Kontrast 70Farben mischen 71Mischbeispiele 72Grundfarben mischen 72Exkurs: mit Weiß mischen 729
Grund- und Zweitfarben mischen 73Komplementärfarben mischen 74Verdünnte Farben mischen 74Fleischfarbe mischen 75Mischungen mit Lasuren 76Fazit 76Maltechniken mit dem Pinsel77Der Borstenpinsel77Der Haarpinsel77Der Flachpinsel77Stufenlose Farbübergänge 78Farben verreiben79Strukturierte Malgründe übermalen 79Der Rundpinsel80Der Liniererpinsel82Der Fächerpinsel 83SpezialtechnikenFarbauftrag mit Spachteln 86Malen mit dem Malmesser 87Berglandschaften gestalten 88Fensteransichten gestalten 88Meeresansichten gestalten 89Abstrakte Motive89UngewöhnlicherFarbauftrag 90Mit der Farbwalze 90Farbe aufspritzen 90Mit der Zahnbürste90Mit dem Rundpinsel 90Dripping 91Farbe aufsprühen 92Kunst aus der Dose 92Effekte mit „Marble Spray“ 92Effekte mit Sprühlacken 92Weitere Beispiele 93Farbrinnsale 94Auswaschtechnik 96Beizen, Moorlauge und Bitumen 98Holzbeizen98Moorlauge98Bitumen99Blumen – einmal ganz anders 100 Techniken und Material 100Experimente mit Sprayfarben 100Experimente mit der Küchenrolle102Mit Stiften arbeiten104Weitere Beispiele 105Liner und Marker 106Textmarker106Acrylic-Marker108Collagematerialien 110Das richtige Klebemittel 110Papiere und Wellpappen111Gitter- und Stoffgewebe 111Naturmaterialien 112Collagen mit Gipsbinden 112Abdrücke in Spachtelmasse 112Negativ-Formen in Spachtelmasse 114Gitter 115Weitere Beispiele 116Texturen schaffen 118Rost und Patina 120Was ist Rost? 121Was ist Patina? 121Rost und Patina erzeugen 122Untergründe aus Metall 123Weitere Untergründe 123Rosteffekte erzeugen – Variante 1 124Rosteffekte erzeugen – Variante 2 125Patina erzeugen 126Patina mit Acrylfarbe126Gold und Silber 128Verarbeitung 128Gold und Silber in Pulverform129Acrylfarben in Gold und Silber 130Große Flächen in Gold und Silber130Bildtransfer 132Motivwahl 133Porträts als Motiv 134Die richtige Vorlage 134Untergründe 134Vorbereitende Bildbearbeitung 135Mittel für den Bildtransfer135Farben für das Übermalen des Transferbildes13510ACRYLMALEREI
Technik/Verarbeitung 136Bildaufbau 138Der Goldene Schnitt – Ein und Alles?138Die Drittel-Regel138Spannung im Bild – durch die Betonung des Vordergrunds139Spannung im Bild – durch ausgefallene Bildformate139Spannung im Bild – durch extreme Perspektiven140Weitere Elemente eines dynamischen Bildaufbaus141Tipps & TricksFarben 144Häufig gestellte Fragen 144Techniken/Verarbeitung 144Oberflächenbehandlung/Reinigung 146Hilfsmittel 146Pinsel 147Malmesser 147Staffelei 147Werkzeuge 147Gerahmte Bilder 148Bilder präsentieren 149Bildanordnung 150Bilder rahmen 152Rahmen für Keilrahmen-Bilder152Warum bauen Sie Ihren Rahmen nicht selbst? 152Selbstgebaute Rahmen 153Bilder auf Aquarell papier rahmen 154Welliges Papier glätten 155Größere Formate rahmen 155Kleinere Formate rahmen 155Bilder versiegeln156Sprühfirnisse 156Klarer Acryllack156Firnisse für Mischtechniken156Bilder draußen aufhängen 157Bilder lagern 157Bilder transportieren158Malmaterialien transportieren158Transport im Flugzeug 158Bilder ausstellen 158Andere Ausstellungsorte158Weitere Ausstellungsmöglichkeiten:158Bewerbungsunterlagen 159Ausstellungsvorbereitung 159Preisliste 159GalerieTriptychon 163Ohne Titel164Bergpanorama 165Auf Reede vor Manhattan 166Times Square bei Nacht 167Weißes Dorf in Andalusien 168Ohne Titel169Ohne Titel170Ohne Titel (Weiße Brücke) 171Mamma Mia, Broadway172Times Square 173Blaue Seelandschaft 174Wilde Wellen175Roter Blumenstrauß 176Winterwald 177Weite See 178Bergkuppe 179New York bei Nacht 180Sex and the City181Schwarz-Weiß und eine Farbe 182Grimms Märchenwald 183Glossar & Index 184Impressum19211
Die Geschichte der Acrylmalerei ist wahrhaftigeine Erfolgsstory.Nachdem die Farben auf Acrylharzbasis in den 1950erJahren zunächstauf den amerikanischen Markt gekommen waren, fanden sie aufgrund ihrer maltechnischen Eigenschaften bald rasche Verbreitung.Zunächst waren es amerikanische Künstler wie Andy Warhol, Roy Lichtenstein oder Jackson Pollock, die sich von der hohen Farbintensität und Leuchtkraft, vor allem aber von den vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten der neuen Farben faszinieren ließen. Sie hatten auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen ein adäquates Medium gefunden, um die künstlerischen Inhalte der Moderne zu transportieren.In den letzten 50 Jahren haben Acrylfarben einen Siegeszug um die Welt angetreten. Heute steht jedem, der sich mit den bildgestaltenden Möglichkeiten der Acrylmalerei auseinandersetzen will, eine fast unerschöpfliche Vielfalt an Farben und Hilfsmitteln zur Verfügung. Acrylfarben 14Acrylmalerei 15Eigenschaften 16
Geschichte
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Acrylfarben
Schon vor tausenden von Jahren forschten Alchemisten nach Farbstoffen aus Naturmaterialien zum Bemalen von Felsbildern und Keramiken. Im 15. Jahrhundert traten erstmals Ölfarben in der Malerei in Erscheinung. Erst durch die Entwicklung synthetischer Farbstoffe Mitte des 19. Jahrhunderts erhöhte sich die Anzahl der verfügbaren Farbtöne und damit auch die Anzahl der Farben mit verbesserten Verarbeitungseigenschaften. Der erste synthetische Farbstoff war das von William Henry Perkin entdeckte Mauvein, das er1856 bei Experimenten mitTeerbestandteilen fand. Obwohl bereits seit dem Jahr 1915 ein Patent auf das Herstellungsverfahren für Acrylharz vorlag, wurden die Dispersionen aus Acrylharzen erst Anfang der 1930erJahre entwickelt. 1934entstand bei BASF die erste gebrauchsfertige, wässrige Acrylharzdispersion, auf der die uns bekannten Acrylfarben basieren. In den USA kam es bei dem Farbenhersteller Sam Golden 1938 zu einer entscheidenden Weiterentwicklung, aus der eine Farbqualität hervorging, die auch den Ansprüchen von Kunstschaffenden gerecht wurde.Auf industriellem Wege wurden die so genannten Acrylharzbinder erst um 1950 in den USA hergestellt. Zu dieser Zeit gelang es,das vorrangige Problem zu lösen, das darin bestand, die als Farbträger geeigneten Kunstharze möglichst fein in Wasser zu verteilen, um eine emulsionsähnliche Flüssigkeit entstehen zu lassen. Die neuen, industriell hergestellten Acrylharzfarben fandenzunächst als Anstrich und Lackfarben für Gewerbe, Industrie und Innenarchitektur Verwendung. Die Weiterentwicklung als Künstlerfarbe kam erst Anfang der 1960erJahre auf den euro päischen Markt.14GESCHICHTE
Acrylmalerei
Viele malerische, gar revolutionäre Entwicklungen auf dem Gebiet der Malerei, vor allem in den USA, wären ohne Acrylfarben nicht denkbar gwesen. Zunächst waren es mexikanische Künstler, die sich – nicht zuletzt aus materieller Not – der preiswerten Farbenfür ihrepolitischmotivierten Wandmalereienbedienten. Die Künstler des amerikanischen Pop-Art, allen voran Roy Lichtenstein und Andy Warhol, schätzten besonders die körperlose, „flache“ Erscheinung von getrockneter Acrylfarbe, ein ästhetisches Merkmal, welches gerade den PopArtKünstlern für ihre spezifischen Darstellungsformen entgegenkam. Der subjektive Eindruck und die persönliche Handschrift des Malers sollten zugunsten der„reinen“, emotionslosen Malerei zurücktreten, nur Farben und Flächen an sich sollten ihre Wirkung entfalten. DieseWirkung wurde durch die Leuchtkraft und hohe Farbintensität der Acrylfarbe unterstrichen. Zudem konnte das neue Medium ineiner Vielzahl von neuartigen Arbeitsweisen auf den Bildträger aufgebracht werden:gesprayt, gerollt,gespritzt, getropft oder geschleudert. Der KünstlerJackson Pollockhielt dietraditionellen Maltechnikennicht mehr für geeignet, die künstlerischen Inhalte der Moderne ausdrücken zu können. In der Arbeit mit Acrylfarbe sah er eine fortschrittliche Maltechnik, die einer technisch entwickelten, neuen Welt gerecht wurde. Seine „Drip Paintings“ wären möglicherweise ohne die Erfindung von Acrylfarbe nie entwickelt worden. Auch Vertreter des Foto realismus und der OpArt begannen mit Acrylfarben zu experimentieren. Die Erfahrungen dieserKünstler mit demneuen Medium beeinflussten seine schnelleVerbreitung. Dieeigene Werkbezeichnung „acrylics“ für mit Kunstharzfarben gemalte Bilder zeigt, welche Bedeutung die Verwendung dieses neuartigen Mediums in der amerikanischen Kunst hatte.15
Eigenschaften
16GESCHICHTE
Eine der grundlegenden maltechnische Eigenschaften der Acrylfarbe, ihre schnelle Trockenzeit, erlaubte fortan spontanes, auch mehrschichtiges Arbeitenauf großenFormaten. Ein mehrschichtiges Ölbild ist Schätzungen von Fachleuten zufolge erst nach ca.50 Jahren vollständig getrocknet. Dazu kam die Möglichkeit eines ebenmäßigen, farbintensivenAuftrags ohne Rissbildung wie in der Ölmalerei. Acrylfarben erwiesen sich mit der Zeit auch als außergewöhnlich vielfältig: Sie können wie Aquarellfarben in dünnen Schichten aufgetragen werden, indickeren Schichten wie Ölfarben oder auch in der Impasto-Technik direkt aus der Tube. Aufgrund derWasserlöslichkeit der Farben war es nun auch möglich, andere, wasserverdünnbare Medien in den Malprozess mit einzubeziehen. Gerade die Künstler, die sich der abstrakten Malerei und des Informell verschrieben hatten, fanden ein Malmedium vor, das ihnen die Möglichkeit gab, zu völlig neuen Ausdrucksformen zu gelangen. Der Beginn der Acrylmalerei Ende der 1950erJahre stand ganz im Zeichen des Fortschritts und der Suche nach einem radikalen Neuanfang, nachneuen Ausdrucksmöglichkeiten fernab alter Traditionen.Verglichen mit traditionellen Techniken wie Aquarellund Ölmalerei, deren Wurzeln bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen, ist die Acrylmalerei also ein sehr junges Medium und musste deshalb lange um Anerkennung kämpfen. Um ihre Vorzüge gegenüber anderen Techniken noch bekannter zu machen, wurde daher 1985 in Großbritannien die „National Acrylic Painter’s Association“gegründet, die später nach der Beteiligung Amerikas in „Internatio-nal Acrylic Painter’s Association“ umbenannt wurde. Inzwischen hat die Acrylmalerei ihren festen Platz in der Kunstwelt gefunden, wie Ausstellungen an so prestigeträchtigen Orten wie derWestminster Gallery oder der Durham Art Gallery zeigen.Heute ist die Acrylfarbe zumwichtigsten Malmedium überhaupt geworden und der Erfindungsreichtum der Farbhersteller reißt nicht ab. Diese Entwicklung bezieht auch die Hilfsmittel mit ein,so dass sich heute eine fast unendliche Vielzahl an Möglichkeiten erschließt,mit Acrylfarben faszinierende Bilder zu schaffen.Weiterführende InformationenWeiterführende Informationenzu einzelnen Künstlern und den Kunstströmungen PopArt, OpArt, Informel und Fotorealismus finden Sie im Internet. Neben Google und dessen BildersuchFunktion bieten auch die folgenden, gut strukturierten Suchmaschinen Zugriff auf zahlreiche Websites:›wwwyahoocom›wwwbingcom›wwwaskcomWerke der wichtigsten Künstler des PopArt finden Sie u.a. in folgenden deutschen Museen und Kunstsammlungen:Andy Warhol›Museum für Gegenwartskunst Hamburger Bahnhof, Berlin›Kunsthalle Hamburg›Kunstsammlung NordrheinWestfalen, Düsseldorf›Museum Folkwang, Essen›Museum Ludwig, Köln›Museum für Moderne Kunst, Frankfurt/Main›Staatsgalerie Stuttgart›Kunsthalle Weishaupt, Ulm›Pinakothek der Moderne, München›Museum Brandhorst, MünchenRoy Lichtenstein›Ludwig Forum,Aachen›Museum für Gegenwartskunst Hamburger Bahnhof, Berlin›Museum Ludwig, Köln›Museum für Moderne Kunst, Frankfurt/Main›Staatsgalerie Stuttgart›Kunsthalle Weishaupt, UlmJackson Pollock›Kunstsammlung NordrheinWestfalen, Düsseldorf›Museum Folkwang, EssenDavid Hockney›Kunsthalle Hamburg›Pinakothek der Moderne, München17
Ein gutes Malergebnis ist nicht nur ein Produkt aus künstlerischen Zutaten und fundiertem handwerklichen Können. Es wird auch ineinem hohen Maße von der Qualität des Materials, das zum Einsatz kommt, geprägt.Schnell kann ein minderwertiges oder auch falsches Werkzeug ein Bild zerstören. So kann ich Ihnen nur raten: Sparen Sie nicht am falschen Ende. Investieren Sie beim Kauf von Werkzeugen in gute Qualitäten. Das zahlt sich schnell aus und Ihre Bildergebnisse werden davon nachhaltig profitieren. Acrylfarben 20Flüssige Acrylfarben22Airbrushfarben 22Aquacryl 23Gebindeetikett 24Deckkraft 24Transparenz 25Produkt-Etikett25Die Deckkraft von Acrylfarben26Flüssige Acrylfarben27Lichtechtheit 27Farbviskosität 28Sicherheitshinweise 28Die Farben-Grundausstattung 29Farben selbst ansetzen 32Die Pigmente 32Malhilfsmittel 34Die wichtigsten Strukturpasten36Strukturpasten herstellen 37Spachtelmassen und Modellierpasten 39Effekt-Gele 40Malmittel und Additive 42Mixed Media 43Abtönfarben 43Dispersionsbinder 43Sprühfarben 43Zeichenmaterialien 44Ölpastellkreiden 44Faserstifte 44Tinten und Tuschen 45Malgründe 46Besondere Untergründe 46Bespannte Keilrahmen 47Keilrahmen selbst bauen 49Keilrahmen selbst bespannen 50Papiere 52Malpappen/Malkartons 53Andere Malgründe 53
Material
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Bestandteile der Acrylfarben Acrylfarben basieren auf drei Bestandteilen:›Pigmente: Es gibt organische und anorganische Pigmente sowie Effektpigmente (siehe Seite 32). Neben dem Farbton sindderen wichtigste Eigenschaften Deckvermögen und Farbvermögen (Veränderung andererFarbtöne).›Bindemittel:Sie dienen der Verbindung der Pigmentpartikel untereinander und mit demUntergrund. Acrylbindemittel bestehen aus Kunstharzteilchen, welche sich in hoher Konzentration im Wasser befinden. Bei der Verdunstung des Wassers lagern sich die Partikel enger zusammen und bilden einen elastischen, wasserunlöslichen Film. Die Art des Bindemittels hat wesentlichen Einfluss auf die Eigenschaften der Farbe, beispielsweise in puncto Elastizität, Verdünnbarkeit oder Haftung.›Lösemittel: Sie lösen die Bindemittel und verdunsten beim Trocknen der Farben. Im Unterschied zur Ölfarbe ist das Lösemittel bei Acrylfarben meist Wasser. Durch dessen Verdunstung verliert die Farbmasse geringfügig an Volumen.Acrylfarben sind AlleskönnerEs wäre wahrscheinlich einfacher aufzulisten, was Acrylfarben nicht können, da es weltweit kein vielseitigeres Farbsystem gibt.Acrylfarben haften überaus gut und können auf jedem fettfreien Malgrund wie Leinwand, Holz, Porzellan, Glas, Metall, bestimmten Kunststoffen und vielen anderen Materialienverwendet werden. Sie trocknen gegenüber traditionellen Ölfarben wesentlich schneller undsind freivon geruchsbelästigenden Lösungsmitteln. Sie trocknen auch in dicken Schichten ohne Risse und eignen sich daher besonders gut für moderne Struktur und Spachtelmaltechniken. Acrylfarbe ist in trockenem Zustand recht elastisch, wasser und abriebfest. Sie verliert nach dem Trocknen ihre Wasserlöslichkeit,das heißt,man kannsie ohneWeiteres übermalen. Acrylfarben sollten nicht auf Ölfarben aufgetragen werden, umgekehrt ist es kein Problem. Daher empfiehlt es sich,Acrylfarben nur auf öl und fettfreien Untergründen zu ver wenden. Acrylfarben sind hoch lichtbeständig; die Farbintensität ist in nassem sowie in trockenem Zustand gleich. Die Farben lassen sich für alle Maltechniken, wie Ölmalerei, Aquarell, Tempera, Fresco, Glas, Stoff, Bauernmalerei und sogar AirbrushTechniken einsetzen. Acrylfarben können gepinselt, gespachtelt, gespritzt und gegossen werden. Zudem lassen sie sich mit einer Fülle von Hilfsmitteln weiterverarbeiten.EinsatzmöglichkeitenUm die Verarbeitungseigenschaften von Acrylfarben besser beurteilen zu können, muss der Umgang mit ihnen geübt werden. Insbesondere könnenunterschiedliche Viskositäten(Zähflüssigkeit,siehe Seite 28) auf ein Bildergebnis großen Einfluss nehmen, sowohl im positiven als auch im negativen Sinn. Neben den vielen Vorteilen dieser Farben gibt es auch einige Nachteile, die man jedoch geschickt umgehen kann.Höhere und mittlere Viskositäten sind problemlos zu verarbeiten. Farbauftrag und Verarbeitung gleichen weitgehend dem Arbeiten mit Ölfarben. Weniger zufriedenstellende Ergebnisse könnensich hingegen leicht einstellen, wenn man die Farbe zu sehr mit Wasser verdünnt. Es gehen dabei nicht nur Farbglanz und Deckkraftverloren. Beim Mischen verdünnter Farben können sich auch sehr schnell schmutzig wirkende Farbaufträge entwickeln. Hinzu kommt,dass einehohe Verdünnungdie Bildung eines flexiblenFarbfilms verhindert und die Farbe nach dem Trocknen vom Malgrund abblättern kann. Dies lässt sich vermeiden, wenn den verdünnten Farben ein spezielles Malmediumhinzugegeben wird. Durch das Beimischen solcher Malmedien können die Farbreinheit und das Fließverhalten verbessert werden. Viele dieser Probleme könnenauch einfach umgangenwerden,wenn man beim Malen mit stark wässrigen Farben auf Airbrush-farben zurückgreift. Airbrushfarben sind ebenfalls auf Acrylbasis aufgebaut und kommenvorwiegend beim Arbeiten mit Spritzpistolen zum Einsatz. Sie zeichnen sich durch feinste und zudem hochwertige Pigmentierung aus, was dazu beiträgt, dass auch bei wässrigen Farbmischungen eine recht hohe Farbkraft erhaltenbleibt. Die Trocknungszeit von Acrylfarbenkann sehr unterschiedlich sein und steht in engem Zusammenhang mit der Umgebungstemperatur undder Luftfeuchtigkeit.Dünne Aufträge könneninner
Acrylfarben
20MATERIAL
Was unterscheidet eine sehr gute Acrlyfarbe von Acrylfarben minderer Qualität? › Bei der Herstellung der Bindemittel werden nur die allerbesten Rohstoffe verwendet, gerade mit Blick auf die große Bandbreite von Acrylharzen in unterschiedlichsten Qualitätsstufen. Hochwertige Bindemittel weisen einegroße Reinheit auf,die die Charaktereigenschaften des Pigments nicht beeinträchtigen.›Hochwertige Acrylfarbe enthält feinste Künstlerpigmente in gleicher, maximaler Konzentration, dieden Farbtönen eine ungewöhnlich starkeBrillanz und Ausdrucksstärkeverleihen. Viele FarbenbeinhaltenEinpigmenttöne, (siehe Seite 30), die außergewöhnlichbrillante Mischergebnisse garantieren.›Höchste Lichtechtheit ›Gute Acrylfarben sollten idealerweise angenehm oder neutral riechen. Ein unangenehmer, als störend empfundener Geruch deutet auf Inhaltsstoffe hin, die beim Malen in geschlossenen Räumen zu körperlichen Beschwerden führen könnten.› Die Güte einer Farbe lässt sich erkennen, wenn manetwas Farbe aus der Tube drückt und derenHomo-genitätüberprüft. Zeigt sich beim Absetzen der Farbe eine Flüssigkeit oder sind grieselige Körner oder sogar Klumpen zu sehen, ist die Farbe nicht in Ordnung.Kann man bereits den Hersteller-etiketten entnehmen, um welche Farbqualität es sich handelt? › Das ist durchaus möglich, wenn auch in begrenztem Rahmen. VieleFarbhersteller klassifizierendie Güte ihrer Produkte mit entsprechenden Hinweisenauf den Etiketten. Farben mit den Bezeichnungen „Studio“, „Studienfarbe“, „Standard“ oder „Akademie“ sind beispielsweise meist im unteren Preissegment zu finden, weisenaber zumeist verlässliche Standards auf.› In höheren Preislagen werden Farben häufig als „Künstlerfarben“ oder „reine“bzw. „feinste Künstler-farben“ tituliert. ›Die dabei verwendeten, hochwertigen Pigmente sind der höchste Kostenfaktor bei der Farbherstellung. Jedes Pigment ist einzigartig und jede einzelne Farbe istspeziell zusammengesetzt. Eine einzige Tube enthält mehr an hochreinem Pigment als ein ganzer Eimer Wandfarbe!›Während sich noch vor Jahren die beiden Qualitätsstufen deutlich voneinander absetzten, sind heute die Übergänge fließend. So weisen Standardfarben oftmals Qualitäten auf, die selbst höchsten Ansprüchen gerecht wird, also den Künstlerfarben fast ebenbürtig sind. Positiv entwickelte sich auch die Farbtonauswahl bei Standardfarben. Früher eher beschränkt, ist die Angebotspalette mittlerweile kräftig ausgeweitet worden. halb von Minuten trocken sein. Pastose Farbaufträge brauchen unter Umständen ein bis zwei Stunden. Bei Zugabe von dicken Pasten und einer Schichtstärke von einigen Zentimetern kann der Trocknungsprozess mehrere Tage in Anspruch nehmen.Gute Qualität ist wichtig In den letzten Jahren hat sich das Sortiment an Acrylfarben erheblich vergrößert. Nicht nur der Kunstbedarfshandel bietet sie an, sondern auch Bau und Supermärkte. So kann sich ein unüberlegter Kauf schnell als Bumerang erweisen. Billigware kann zu viele Füllstoffe enthalten und ist oft gestreckt, was die Stabilität und Haltbarkeitstarkbeeinträchtigen kann. Daher ist es höchst ratsam, auf Produkte renommierter Hersteller zurückzugreifen. Diese sind zwar teurer, aber auch erheblich besser. Qualität ist hier das oberste Gebot.Gebindearten und Lagerung Acrylfarben werden inunterschiedlichsten Gebindeartenund Mengen angeboten: ›in Tuben von rund 40 bis 250 ml ›in Dosen und Flaschen von 85, 250 , 500, 750 und 1000 ml ›in Eimern von 1 bis 2,5 LiternFür den Einstieg reichen Tubenfarben aus. Kleine Tuben sind jedoch sehr schnell aufgebraucht, wenn größere Bilder angelegt werden. Es ist daher ratsam, sich Tuben der Größe 250 ml zuzulegen. Schnell werden Sie auch eine Vorliebe für bestimmte Farbtöne entwickeln, auf die Sie immer wieder zurückgreifen. In solchen Fällen ist es ratsam, sich nach und nach größere Gebinde anzuschaffen.Während der Lagerung müssen Acrylprodukte stets vor Frost bzw. Überhitzung geschützt werden. Die Verschlüsse der Gebinde sollten man nach Gebrauch gut reinigen und das Gefäßsorgfältig schließen. Dann haben Sie lange Freude an Ihrer Farbe.21
Die bislang angesprochenen Acrylfarben besitzen eine geschmeidige Konsistenz. Die gebräuchlichsten Werkzeuge für den Farbauftrag sind dabei Pinsel und spachtelartige Werkzeuge. Acrylfarben werden aber auch in sehr dünnflüssiger Form angeboten.AirbrushfarbenDie Farbtöne von Airbrushfarben sind äußerst brillant und weisen höchste Lichtechtheit auf. Sie wurden speziell für die Spritzpistole entwickelt und etablierten sich seit den 1960erJahren aufdem Kunstmarkt. Klassische Betätigungsfelder für Airbrushfarben sind Kunstformen wie Fotorealismus oder Hyperrealismus. VerarbeitungAirbrushfarben können sehr gut mit dem Pinsel, mit Tuschefüllern und Ziehfedern verarbeitet werden. Die Farben riechen angenehm, sind widerstandsfähig und auf fast allen Untergründen anwendbar. Alle Farben sind gebrauchsfertig und können aufgrund der feinsten Pigmentierung auch unverdünnt angewendet werden. Sie lassen sich bei Bedarf jedoch auch mit Wasser verdünnen. Die Buntfarben sind Einpigmenttöne, die brillante Mischergebnisse und eine unbegrenzte Farbtonvielfalt garantieren. Sie haften ausgezeichnet auf allen Papier und Kartonarten sowieauf gängigen, nichtsaugenden Untergründen,wie z.B.Folien,HartKunststoffen, Leinwand und sogar – nach entsprechender Vorbehandlung – aufMetall.Gebindeart und LagerungAirbrushfarben sind in Pipettenflaschen zu 28 ml und zum Teil auch in 250ml und 1000 mlPlastikflaschen erhältlich.Die Farben entwickeln nachkurzer Zeit eine dickflüssige Lagerviskosität, die sich aber nach kurzem Aufschütteln vor Gebrauch wieder beseitigenlässt. Werden Airbrushfarben bei aquarellartigen Darstellungsweisen eingesetzt, gelangt man aufgrund ihrer Leuchtkraftzu einerunerhörten Ausdruckskraft,die auch bei Farbmischungen weitgehend erhalten bleibt.Mit Airbrushfarben ge-stalteteBilder überzeu-gen vor allem durch ihre strahlendeLeuchtkraft.Airbrushfarben in Pipettenflaschen lassen sich einfach dosieren.
Flüssige Acrylfarben
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AquacrylAquacryl von Lascaux ist eineLasurfarbein Künstlerqualität, die zwei Welten kombiniert: Sie lässt sich wie eine Acrylfarbe verarbeiten, ist jedoch transparent und leicht wie eine Aquarellfarbe. Sie eignetsich ebensofür traditionelles Aquarellieren wie für transparente Farbaufträge auf großflächigen Bildformaten.Ein Hauptunterschied zu den klassischen Acrylfarben, der in der Praxis zu berücksichtigen ist, besteht in der Wiederanlösbarkeittrockener Farbaufträgemit Wasser. Wird Aquacryl dünn aufgetragen,könnennach demTrocknen einzelne Lagen übermalt werden, ohne die darunterliegenden Farbschichten anzulösen. Andererseits könnenauch pastose Farbschichten angelöst und verwaschen werden. Möchte man dies verhindern, kann man der Farbe ein Malmedium (glänzend oder matt) beimischen.EigenschaftenAquacrylfarben sind:›hochpigmentiert›lichtecht, alterungsbeständig und vergilbungsfrei ›hochkonzentriert, dickflüssig, äußerst ergiebig ›transparent und leuchtend ›leicht anlösbar, wenn trocken ›nach dem Auftrocknen mattVerarbeitungAquacryl lässt sich mit Pinsel, AirbrushSpritzpistole und anderem Malwerkzeug direkt oder in jeder beliebigen Verdünnung anwenden. Gute Ergebnisse lassen sich nicht nur auf Aquarellpapier, sondern auf praktisch allen saugfähigen, festen und flexiblen Unterlagenerzielen.LieferformAquacryl ist in Flaschen zu 30 ml, 85 ml,250 ml und 500 ml erhältlich.Aquacrylfarben können sowohl pastos alsauch lasierend verwendet werden. Gegen-über Acrylfarben besitzen sie den Vorteil, dass auch beim wässrigen Mischen der Farben keinVergrauen eintritt.Sie gleichen in ihrer Verar-beitung sehr Aquarellfarben aus der Tube.23
24MATERIALGebindeetikettNehmen Sie sich Zeit, die Hinweise auf denEtikettenzu studieren! Je hochwertiger die Farbe, umso mehr nützliche Informationen finden sich dazu. Auf diese Weise können Sie sich besser auf die Farbeigenschaften, Verarbeitungsmöglichkeitenund Einsatzgebiete der Farbe einstellen. Bei NonameProdukten, die in der Regel nicht einmal Hinweise