Pretty Little Liars - Vogelfrei - Sara Shepard - E-Book

Pretty Little Liars - Vogelfrei E-Book

Sara Shepard

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Beschreibung

A.s Identität ist aufgeklärt! Hanna, Spencer, Aria und Emily sind unglaublich erleichtert. Doch ein neuer Schock wartet auf die Mädchen: Jemand, der ihnen sehr nahe stand, ist zurück. Vielleicht ist dies die Chance, alte Wunden zu heilen und die Vergangenheit Vergangenheit sein zu lassen? Es könnte alles so perfekt sein, doch A. hat noch nicht das letzte Wort gesprochen und wird nicht ruhen, bis die vier in eine letzte Falle getappt sind ...

Ein fesselnde Pagteturner mit Kultstatus - bei den "Pretty Little Liars" ist Suchtgefahr garantiert! Diese Reihe bietet eine unwiderstehliche Mischung für Fans von jeder Menge Glamour und tödlichen Intrigen.

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Seitenzahl: 351

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cbt ist der Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe
Gesetzt nach den Regeln der Rechtschreibreform © 2010 by Alloy Entertainment and Sara Shepard Die amerikanische Originalausgabe erschien 2010 unter dem Titel »Wanted – A Pretty Little Liars Novel« bei Harper Teen, an imprint of Harper Collins Publishers, New York.
Published by arrangement with Rights People, London
© 2012 für die deutschsprachige Ausgabe cbt Verlag in der Verlagsgruppe
Penguin Random House Verlagsgruppe GmbHNeumarkter Str. 28, 81673 München Alle deutschsprachigen Rechte vorbehalten Übersetzung: Violeta Topalova Lektorat: Annett Stütze Umschlaggestaltung: zeichenpool, München Ali Smith/Tina Amantula; Shutterstock/ terekhov igor he · Herstellung: AnG Satz: KompetenzCenter, Mönchengladbach
ISBN 978-3-641-06720-5V002
www.cbt-jugendbuch.dewww.penguinrandomhouse.de

DIE AUTORIN

Sara Shepard hat an der New York University studiert und am Brooklyn College ihren Magisterabschluss im Fach Kreatives Schreiben gemacht. Sie wuchs in einem Vorort von Philadelphia auf, wo sie auch heute lebt. Ihre Zeit dort hat die »Pretty Little Liars«-Serie inspiriert, die in 22 Länder verkauft wurde. Inzwischen wird die Bestsellerserie mit großem Erfolg als TV-Serie bei ABC ausgestrahlt. Die Bücher haben sich in den USA inzwischen über 3 Millionen Mal verkauft.

Von der Autorin sind außerdem bei cbt erschienen:

Pretty Little Liars – Unschuldig (30652, Band 1)Pretty Little Liars – Makellos (30563, Band 2)Pretty Little Liars – Vollkommen (30654, Band 3)Pretty Little Liars – Unvergleichlich (30656, Band 4)Pretty Little Liars – Teuflisch (30774, Band 5)Pretty Little Liars – Mörderisch (30775, Band 6)Pretty Little Liars – Herzlos (30776, Band 7)

Inhaltsverzeichnis

DIE AUTORINVon der Autorin sind außerdem bei cbt erschienen:WidmungInschriftSCHAU NOCH MAL GENAU HINKapitel 1 - ZERRÜTTETE VERHÄLTNISSEKapitel 2 - FÜR IMMER BEGRABENKapitel 3 - HANNA UND MIKE, GLAMOUR-PAARKapitel 4 - BLONDES GIFTKapitel 5 - DER WAHNSINN NIMMT KEIN ENDEKapitel 6 - FREAK WAR GESTERNKapitel 7 - NOEL KAHN, BEGRÜSSUNGSKOMITEEKapitel 8 - STRIP OHNE TEASEKapitel 9 - NOCH MEHR GEHEIMNISSEKapitel 10 - DAS TICKET ZUM GLÜCKKapitel 11 - EINE SCHULTER ZUM ANLEHNENKapitel 12 - MANCHMAL WERDEN TRÄUME WAHRKapitel 13 - ZEITREISEKapitel 14 - RACHE IST DIESES JAHR BESONDERS INKapitel 15 - DER KRUG GEHT SO LANGE ZUM BRUNNEN …Kapitel 16 - WENN NICHT JETZT, WANN DANN?Kapitel 17 - WER HAT ANGST VOR DER GROSSEN BÖSEN SCHWESTER?Kapitel 18 - ZWEI FASHIONISTAS, EIN GERISSENER PLANKapitel 19 - DIE WICHTIGSTE FRAGE IHRES LEBENSKapitel 20 - VERGISS DIE VERGANGENHEITKapitel 21 - ROUGE, ERINNERUNGEN UND ZUSAMMENBRÜCHEKapitel 22 - NEHMT DAS, IHR BIESTERKapitel 23 - OH SÜSSER SCHMERZKapitel 24 - VERMISSTKapitel 25 - WAHRE FARBEN SCHEINEN DURCHKapitel 26 - DIE GESCHICHTE NEU SCHREIBENKapitel 27 - BESTE FREUNDINNEN FÜR IMMERKapitel 28 - ÖFFNE DEN TRÄUMEN DIE TÜRKapitel 29 - EIN BRIEF, DURCHGESCHOBEN UNTER DER TÜRKapitel 30 - EIN ENDE MIT SCHRECKENKapitel 31 - DIE LETZTEN PUZZLESTÜCKEKapitel 32 - HANNA MARIN, DURCHAUS FANTASTISCHKapitel 33 - ARIA MONTGOMERY, TYPISCHE ROSEWOOD-VERRÜCKTEKapitel 34 - SPENCER HASTINGS’ SCHÖNES, FEHLERHAFTES LEBENKapitel 35 - EMILY FIELDS FINDET ENDLICH RUHEWER DIE VERGANGENHEIT VERGISST …DANKSAGUNGCopyright

Für drei Englischlehrerinnen: die verstorbene Mary French, Alice Campbell und Karen Bald Mapes.

Im Leben gibt es zwei Tragödien. Die eine ist die Nichterfüllung eines Herzenswunsches. Die andere ist seine Erfüllung.

– George Bernard Shaw

SCHAU NOCH MAL GENAU HIN

Es heißt, ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Eine Überwachungskamera filmt eine schöne Brünette, die sich mit einer Handvoll goldener Tiffany-Schmuckstücke davonschleicht. Ein Paparazzi-Foto bringt die Affäre zwischen einer jungen Aktrice und einem verheirateten Regisseur ans Licht. Aber die Bilder verraten nicht, dass das Mädchen eine Verkäuferin ist, die ihrer Chefin die Juwelen bringt, oder dass der Regisseur bereits letzten Monat die Scheidung eingereicht hat.

Und wie ist es mit Familienfotos? Nehmen wir zum Beispiel eine Aufnahme von Mom, Dad, Schwester und Bruder, die grinsend auf der Veranda eines luxuriösen viktorianischen Herrenhauses stehen. Jetzt schau genauer hin. Dads Lächeln wirkt irgendwie gezwungen. Mom schaut nach links zum Haus ihrer Nachbarn – oder vielleicht zu einem Nachbar. Der Bruder umklammert das Verandageländer so krampfhaft, als wolle er es auseinanderbrechen. Und die Schwester lächelt so geheimnisvoll, als hüte sie ein skandalöses Geheimnis. Oder ist das alles nur Einbildung? Der halbe Hintergarten wird von einem riesigen gelben Bulldozer umgegraben und weit im Hintergrund lungert jemand herum. Eine Gestalt mit blonden Haaren und heller Haut. Ist das ein Typ … oder ein Mädchen? Oder nur eine Spiegelung oder ein fettiger Fingerabdruck?

Vielleicht bedeuten ja all die kleinen Details, die du beim ersten Hinschauen übersehen hast, viel mehr, als du dir vorstellen kannst.

Vier hübsche Mädchen aus Rosewood haben ihrer Meinung nach ein klares Bild davon, was in jener Nacht geschehen ist, in der ihre beste Freundin verschwand. Jemand ist verhaftet worden, der Fall ist geklärt. Aber wenn sie ihre Erinnerungen noch einmal durchkämmen und sich auf die Erscheinungen am Rande ihres Blickfelds, das ungute Gefühl, das sie nicht loswerden, und die Menschen direkt vor ihrer Nase konzentrieren, dann verändert sich dieses Bild vielleicht vor ihrem inneren Auge. Wenn sie tief Luft holen und genau hinschauen, dann würde sie in Erstaunen – und Schrecken – versetzen, was sie entdecken.

Das Leben schreibt eben die besten Geschichten. Vor allem hier in Rosewood.

Es war ein nebliger, mondloser Juniabend. Grillen zirpten im dichten, dunklen Wald und das ganze Viertel roch nach blühenden Azaleen, Zitronellakerzen und Poolreiniger. Brandneue Luxusautos schlummerten in Dreiergaragen. Wie überall in Rosewood, einem ländlich schicken Städtchen zwanzig Meilen von Philadelphia entfernt, war alles gepflegt und ordentlich und alle befanden sich genau dort, wo sie sein sollten.

Fast alle.

Alison DiLaurentis, Spencer Hastings, Aria Montgomery, Emily Fields und Hanna Marin schalteten alle Lichter in der zur Wohnung umgebauten Scheune hinter Spencers Haus an und bereiteten sich auf ihre Pyjamaparty zur Feier des Endes des siebten Schuljahrs vor. Spencer warf schnell ein paar leere Corona-Flaschen in den Glasabfall. Sie gehörten ihrer Schwester Melissa und deren neuem Freund Ian Thomas, die Spencer vor wenigen Minuten erst aus der Scheune vertrieben hatte. Emily und Aria warfen ihre Reisetaschen in eine Ecke. Hanna warf sich auf die Couch und bediente sich am übrig gebliebenen Popcorn. Ali schloss die Tür und schob den Riegel vor. Niemand hörte die Schritte im taufeuchten Gras oder sah den Atemhauch auf der Fensterscheibe.

Klick.

»Also, ihr Süßen«, begann Alison und setzte sich auf die Lehne des Ledersofas. »Ich habe mir für heute Abend was besonders Cooles ausgedacht.« Das Fenster war geschlossen, aber das Glas war dünn und ihre Worte drangen durch die Scheibe in die stille Juninacht hinaus. »Ich habe gelernt, wie man Leute hypnotisiert. Ich hypnotisiere euch alle in einem Rutsch.«

Es gab eine lange Pause. Spencer zupfte am Gummizug ihres Rocks. Aria und Hanna tauschten einen besorgten Blick.

»Bittebitte«, bettelte Ali und drückte die Handflächen wie im Gebet aneinander. Sie schaute zu Emily. »Du willst doch, stimmt’s?«

»Äh …« Emilys Stimme zitterte. »Nun …«

»Ich mache mit«, sagte Hanna schnell.

Klick.

Surr.

Alle anderen stimmten zögernd zu. Wie hätten sie auch ablehnen können?

Ali war das beliebteste Mädchen an der Rosewood Day, der Schule, die sie alle besuchten. Alle Jungs wollten mit ihr ausgehen, alle Mädchen wollten so sein wie sie. Eltern hielten sie für perfekt und sie bekam immer, was sie wollte. Für Spencer, Aria, Emily und Hanna war ein Traum wahr geworden, als Ali sie in der sechsten Klasse beim Rosewood-Day-Wohltätigkeitsflohmarkt zu ihrer neuen Clique auserkoren hatte. Aus den langweiligen, schüchternen Nobodys waren dadurch wichtige, strahlende Persönlichkeiten geworden. Ali nahm sie übers Wochenende in ihr Ferienhaus in den Poconos mit, verwöhnte sie mit Fango-Gesichtsbehandlungen und verschaffte ihnen immer den besten Tisch in der Cafeteria. Aber sie zwang die Mädchen auch dazu, Dinge zu tun, die sie nicht wollten – wie die Jenna-Sache, ein entsetzliches Geheimnis, das sie geschworen hatten, bis an ihr Lebensende für sich zu behalten. Manchmal kamen sie sich vor wie leblose Marionetten, bei denen Ali die Fäden zog. Seit einiger Zeit ignorierte Ali oft ihre Anrufe, hing fast nur noch mit ihren älteren Freundinnen aus der Feldhockeymannschaft herum und schien sich ausschließlich für die Geheimnisse und Macken ihrer Freundinnen zu interessieren. Sie hänselte Aria, weil ihr Dad eine Affäre mit einer Studentin hatte. Sie machte sich über Hannas wachsende Gier nach Cheetos lustig – und über ihren wachsenden Taillenumfang. Sie verhöhnte Emily, weil diese sie geradezu anbetete, und drohte Spencer ständig zu verraten, dass diese den Freund ihrer Schwester geküsst hatte.

Die Mädchen fürchteten, dass ihnen die Freundschaft zu Ali wie Sand durch die Finger rann. Und sie fragten sich insgeheim, ob sie nach dem heutigen Abend überhaupt noch Freundinnen sein würden.

Klick.

Surr.

Ali eilte umher, zündete die Vanilleduftkerzen mit einem Zippo-Feuerzeug an und zog die Jalousien herunter – nur zur Sicherheit. Sie befahl den Mädchen, sich im Schneidersitz auf den runden Teppich zu setzen. Sie taten es mit ängstlichen, unsicheren Mienen. Was würde passieren, wenn Ali es wirklich gelang, sie zu hypnotisieren? Sie alle hüteten Geheimnisse, die nur Ali kannte, sie wollten auf keinen Fall, dass die anderen Mädchen – und der Rest der Welt – davon erfuhren.

Klick.

Surr.

Ali begann langsam, von hundert an rückwärtszuzählen. Ihre Stimme klang sanft und beruhigend. Die Mädchen bewegten sich nicht. Ali ging auf Zehenspitzen durch den Raum, an dem riesigen Eichenholzschreibtisch, den überfüllten Regalen und der winzigen Küche vorbei. Alle saßen folgsam still wie Statuen. Nicht ein einziges Mal schauten sie zum Fenster und sie hörten weder das mechanische Klicken der klobigen alten Polaroidkamera, die unscharfe Bilder von ihnen aufnahm, noch das Surren, mit dem die Kamera die Fotos auf den Boden spuckte.

Zwischen den Lamellen der Jalousien war genug Platz, um sie alle aufs Bild zu bekommen.

Klick.

Surr.

Als Ali beinahe zu Ende gezählt hatte, sprang Spencer plötzlich auf und rannte zum Fenster. »Es ist zu dunkel hier drin«, verkündete sie, riss die Vorhänge auf, zog die Jalousien nach oben und ließ die Nacht in den Raum. »Ich will es heller und den anderen geht es vielleicht ebenso.«

Alison schaute die drei anderen an, die immer noch die Augen geschlossen hatten. »Mach sie zu«, befahl sie.

Spencer verdrehte die Augen. »Mann, nimm eine Valium.«

Ali schaute aus dem Fenster. Angst huschte über ihr Gesicht. Konnte sie etwas sehen? Wusste sie, wer dort draußen stand? Ahnte sie, was sie erwartete?

Aber dann drehte sie sich wieder zu Spencer um, die Hände zu Fäusten geballt. »Du meinst, ich sollte eine Valium nehmen?«

Klick. Surr. Ein weiteres Foto fiel aus der Kamera. Das Bild materialisierte sich langsam aus dem Nichts.

Spencer und Ali starrten sich lange wütend an. Die anderen Mädchen blieben auf dem Teppich sitzen. Hanna und Emily schwankten leicht, als seien sie in einem Traum gefangen, aber Arias Augen waren halb geöffnet. Sie betrachtete Spencer und Ali, war aber nicht fähig, zu deren Streit etwas zu sagen.

»Verschwinde«, forderte Spencer und zeigte auf die Tür.

»Gern!« Ali marschierte auf die Veranda und knallte die Tür hinter sich zu.

Dort blieb sie kurz stehen und atmete tief durch. Die Blätter der Bäume raschelten leise. Die gelbe Laterne über der Eingangstür erhellte die linke Seite von Alis Körper. Ihr Gesicht war zu einer wütenden, entschlossenen Grimasse verzogen. Sie schaute nicht ängstlich um die Hausecke. Sie spürte nicht, was ganz in der Nähe lauerte. Vielleicht war sie abgelenkt, weil sie ebenfalls ein gefährliches Geheimnis hütete. Ali musste jetzt jemanden treffen. Und einer anderen Person aus dem Weg gehen.

Einen Moment später lief sie los, den Pfad hinunter. Beinahe in derselben Sekunde knallte die Scheunentür wieder ins Schloss. Spencer folgte Ali und holte sie auf der anderen Seite der Bäume ein. Ihr geflüstertes Gespräch wurde immer erhitzter und wütender. Du willst mir alles wegnehmen, aber das hier kriegst du nicht. Du hast es in meinem Tagebuch gelesen. Du hältst die Tatsache, dass du Ian geküsst hast, für etwas ganz Besonderes, stimmt’s? Aber weißt du, was er mir gesagt hat? Dass du gar nicht wusstest, wie man das macht.

Man hörte das schleifende Geräusch auf nassem Gras ausrutschender Schuhe. Einen Aufschrei. Ein grässliches Knacken. Ein entsetztes Keuchen. Und dann nur noch Stille.

Aria kam auf die Veranda und sah sich um.

»Ali?«, rief sie. Ihre Unterlippe zitterte.

Keine Antwort. Arias Fingerspitzen vibrierten; vielleicht spürte sie ja, dass sie nicht allein war.

»Spencer?«, rief sie dann. Sie berührte das Windspiel, das neben der Tür auf der Veranda hing, denn sie verspürte den verzweifelten Wunsch, irgendein Geräusch zu hören. Die Stäbe stießen mit melodischem Klingen aneinander.

Aria ging in die Scheune zurück. Gerade kamen Hanna und Emily wieder zu sich. »Ich hatte einen seltsamen Traum«, murmelte Emily und rieb sich die Augen. »Ali fiel in einen tiefen Brunnen, in dem riesige Pflanzen wuchsen.«

»Genau das habe ich auch geträumt!«, schrie Hanna. Sie starrten sich verwirrt an.

In diesem Augenblick stolperte Spencer verstört und orientierungslos auf die Veranda.

»Wo ist Ali?«, fragten die anderen Mädchen.

»Ich weiß es nicht«, sagte Spencer abwesend. Sie sah sich um. »Ich dachte … Ich weiß es nicht.«

Inzwischen lagen die Polaroidbilder nicht mehr auf dem Boden, sondern waren sicher in einer Jackentasche verstaut. Aber dann wurde die Kamera versehentlich noch einmal ausgelöst und der Blitz erleuchtete die rote Holzverschalung der Scheune. Ein weiteres Foto glitt aus der Kamera.

Klick. Surr.

Die Mädchen starrten bewegungslos und verängstigt wie Rehe zum Fenster. War dort draußen jemand? Ali? Oder vielleicht Melissa und Ian? Schließlich waren die gerade noch hier gewesen.

Sie verharrten stumm. Zwei Sekunden vergingen. Fünf. Zehn. Nur Stille. Es musste der Wind gewesen sein, entschieden sie. Oder vielleicht ein Zweig, der mit dem gleichen schrecklichen Geräusch über die Scheibe gequietscht war, wie ein Fingernagel über einen Teller kratzt.

»Ich will nach Hause«, flüsterte Emily.

Die Mädchen verließen gemeinsam die Scheune – verärgert, peinlich berührt und verwirrt. Ali hatte sie fallen lassen. Die Freundschaft war vorbei. Sie liefen über Spencers Rasen und hatten keine Ahnung, welch schreckliche Ereignisse vor ihnen lagen. Das Gesicht am Fenster war verschwunden und eine Gestalt war Ali den Pfad hinunter gefolgt. Der Stein war ins Rollen gekommen. Die Ereignisse hatten begonnen.

Nur Stunden später würde Ali sterben.

Kapitel 1

ZERRÜTTETE VERHÄLTNISSE

Spencer Hastings rieb sich den Schlaf aus den Augen und schob sich eine Waffel in den Toaster. In der Küche roch es nach frisch gebrühtem Kaffee, Gebäck und Haushaltsreiniger mit Zitronenduft. Die beiden Labradoodle Rufus und Beatrice strichen ihr schwanzwedelnd um die Beine.

In dem kleinen LCD-Fernseher in der Ecke liefen die Nachrichten. Eine Reporterin in einer blauen Burberry-Wachsjacke stand neben dem Rosewooder Polizeichef und einem grauhaarigen Mann im schwarzen Anzug. Untertitelt war das Bild mit den Worten Die Rosewood-Morde.

»Mein Klient wird zu Unrecht beschuldigt«, verkündete der Mann im Anzug, William »Billy« Fords Anwalt, der sich zum ersten Mal seit Billys Verhaftung in den Medien zu Wort meldete. »Er ist vollkommen unschuldig. Jemand versucht, ihm das Ganze anzuhängen.«

»Na klar«, zischte Spencer. Mit zitternden Händen goss sie sich Kaffee in eine blaue Rosewood-Day-Tasse.

Spencer war felsenfest davon überzeugt, dass Billy vor beinahe vier Jahren ihre beste Freundin Alison DiLaurentis umgebracht hatte. Und nun hatte er Jenna Cavanaugh getötet, ein blindes Mädchen aus Spencers Jahrgang, und wahrscheinlich auch Ian Thomas – Melissas Exfreund, Alis heimlichen Geliebten, der zuerst des Mordes an ihr angeklagt gewesen war. Die Polizisten hatten in Billys Auto ein blutiges T-Shirt von Ian gefunden und suchten jetzt nach seiner Leiche. Bisher fehlte jede Spur.

Draußen fuhr ein Müllwagen die Sackgasse entlang. Eine Sekunde später drang das gleiche Geräusch durch die Fernsehlautsprecher. Spencer ging ins Wohnzimmer und schob den Vorhang zur Seite. Tatsächlich. Ein Ü-Wagen parkte am Bordstein vor ihrem Haus. Ein Kameramann richtete sein Objektiv auf die Interviewten, ein anderer hielt ein riesiges Mikrofon in den eisigen Wind. Spencer konnte durchs Fenster sehen, wie der Mund der Reporterin sich bewegte. Was sie sagte, hörte sie aus dem Fernseher in der Küche.

Gegenüber umspannte gelbes Polizeiband den Garten der Cavanaughs. Seit dem Mord an Jenna parkte Tag und Nacht ein Streifenwagen in ihrer Auffahrt. Jennas Blindenhund, ein Golden Retriever, spähte aus dem Erkerfenster im Wohnzimmer. Er hatte sich in den vergangenen zwei Wochen nicht vom Fleck gerührt, als warte er immer noch geduldig darauf, dass Jenna zurückkam.

Die Polizisten hatten ihren schlaffen, leblosen Körper in einem Graben hinter ihrem Haus gefunden.

Berichten zufolge waren Jennas Eltern am Samstagabend ausgegangen und hatten bei ihrer Rückkehr ein leeres Haus vorgefunden. Mr und Mrs Cavanaugh hörten panisches Bellen aus dem Garten, das nicht aufhören wollte. Jennas Blindenhund war an einem Baum angebunden … aber von Jenna fehlte jede Spur. Als sie den Hund befreiten, raste er sofort zu dem Loch, das die Klempner ein paar Tage zuvor gegraben hatten, um eine geplatzte Wasserleitung auszutauschen. Aber in dem Loch befand sich nicht nur die frisch eingesetzte Leitung. Es war, als habe der Mörder gewollt, dass Jennas Leiche gefunden würde.

Ein anonymer Hinweis führte die Polizei dann zu Billy Ford. Die Beamten klagten ihn auch des Mordes an Alison DiLaurentis an. Das ergab Sinn: Billy war einer der Bauarbeiter gewesen, die an dem Wochenende, an dem Ali verschwunden war, für die DiLaurentis einen Gartenpavillon errichtet hatten. Ali hatte sich über die lüsternen Blicke beschwert, die die Bauarbeiter ihr zugeworfen hatten. Damals hatte Spencer noch geglaubt, sie wolle damit angeben. Jetzt wusste sie, was wirklich geschehen war.

Der Toaster gab die Waffel frei, im Haus verbreitete sich der Geruch frisch gerösteter Waffeln, und Spencer ging wieder in die Küche. Auf dem Bildschirm war jetzt ein Fernsehstudio zu sehen, in dem eine brünette Nachrichtensprecherin mit großen Kreolen an einem langen Schreibtisch saß. »Die Polizei hat auf Mr Fords Laptop einige belastende Bilder gefunden, die zu seiner Verhaftung führten«, sagte sie mit ernster Stimme. »Diese Fotos zeigen, dass Mr Ford Ms DiLaurentis, Ms Cavanaugh und die vier als Pretty Little Liars bekannten Mädchen längere Zeit verfolgt haben muss.«

Alte Fotos von Jenna und Ali flackerten über den Schirm, viele wirkten, als seien sie von einem Versteck aus aufgenommen worden, zum Beispiel von einem Auto oder hinter einem Baum aus. Es folgten Bilder von Spencer, Aria, Emily und Hanna. Einige waren aus dem siebten Schuljahr, als Ali noch am Leben gewesen war, andere waren neueren Datums – eines zeigte die vier in dunkler Kleidung bei Ians Prozessbeginn, als sie darauf warteten, dass der Angeklagte auftauchte. Auf einem anderen Foto standen sie bei den Schaukeln auf dem Spielplatz der Rosewood-Day-Grundschule. Sie trugen Mäntel, Mützen und Handschuhe und sprachen wahrscheinlich gerade über die neue A. Spencer verzog das Gesicht.

»Auf Mr Fords Computer wurden auch Nachrichten gefunden, die mit den Botschaften übereinstimmen, die Alisons ehemals beste Freundinnen erhalten haben«, fuhr die Journalistin fort. Ein Foto von Darren Wilden, der gerade einen Beichtstuhl verließ, und ein paar vertraute E-Mails und Chat-Konversationen huschten über den Schirm. Alle waren mit dem Buchstaben A. unterzeichnet. Seit Billys Verhaftung hatten Spencer und die anderen keine Nachrichten mehr erhalten.

Spencer nahm einen tiefen Schluck Kaffee und merkte gar nicht, dass ihr die heiße Flüssigkeit beinahe die Kehle verbrannte. Es war total bizarr, dass Billy Ford – ein Mann, den sie überhaupt nicht kannte – hinter allem steckte, was geschehen war. Spencer hatte keine Ahnung, warum er das alles getan hatte.

»Mr Ford ist ein gewalttätiger Mann«, fuhr die Journalistin fort. Spencer schaute von ihrer Tasse auf. Ein YouTube-Video zeigte Billy und einen Typen mit Baseballkappe auf einem Parkplatz. Irgendwann fiel der Mann um und blieb liegen, aber Billy trat weiter auf ihn ein. Spencer legte die Hand vor den Mund. Hatte Billy das mit Alison ebenso gemacht?

»Diese Bilder, die in Mr Fords Wagen gefunden wurden, werden hier erstmals veröffentlicht.«

Ein unscharfes Polaroidfoto erschien. Spencer riss die Augen auf und beugte sich vor. Es zeigte das Innere einer Scheune – ihrer Scheune, die dem Feuer zum Opfer gefallen war, das Billy vor ein paar Wochen gelegt hatte. Wahrscheinlich, um Beweise zu zerstören, die ihn mit den Morden an Ali und Ian in Verbindung bringen konnten. Auf dem Foto saßen vier Mädchen mit gesenktem Kopf auf dem runden Teppich in der Mitte des Zimmers. Ein fünftes Mädchen stand mit erhobenen Armen neben ihnen. Das nächste Foto zeigte dieselbe Szene, aber das stehende Mädchen hatte sich ein bisschen nach links bewegt. Auf dem folgenden Bild war eins der sitzenden Mädchen aufgestanden und ging in Richtung Fenster. Spencer erkannte die aschblonden Haare und den hochgezogenen Feldhockeyrock. Sie keuchte auf. Es war ihr jüngeres Selbst. Die Fotos waren an jenem Abend entstanden, an dem Ali verschwand. Billy hatte vor der Scheune gestanden und sie beobachtet.

Und sie hatten nichts davon geahnt.

Hinter ihr hustete jemand.

Spencer drehte sich schnell um. Mrs Hastings saß am Küchentisch und schaute mit leerem Blick auf eine Tasse Earl-Grey-Tee. Sie trug ein Paar graue Yogahosen mit einem Loch am Knie, schmutzige weiße Socken und ein viel zu großes Polohemd. Ihr Haar war strähnig und an ihrer Backe hafteten Toastkrümel. Normalerweise ließ sich Spencers Mom nicht einmal vor ihren Hunden blicken, wenn sie nicht makellos gepflegt war.

»Mom?«, sagte Spencer unsicher. Hatte ihre Mutter die Fotos auch gesehen? Mrs Hastings drehte so langsam den Kopf zu Spencer, als bewege sie sich unter Wasser.

»Hi, Spence«, sagte sie tonlos. Dann drehte sie sich wieder zu ihrem Tee um und starrte traurig auf den Beutel, der in der Tasse lag.

Spencer biss die sorgfältig manikürte Nagelspitze ihres kleinen Fingers ab. Als wäre nicht alles schon schlimm genug, benahm sich ihre Mom nun auch noch wie ein Zombie … und Spencer allein war daran schuld. Hätte sie auf dem Parkplatz nur nicht das schreckliche Familiengeheimnis ausgeplaudert, das Billy-als-A. ihr verraten hatte: Spencers Dad hatte eine Affäre mit Alis Mom gehabt und Ali war Spencers Halbschwester gewesen. Hätte Billy ihr doch nur nicht eingeredet, dass ihre Mom von der Affäre gewusst und Alison getötet hatte, um ihren Mann zu bestrafen. Spencer hatte ihre Mom zur Rede gestellt, nur um zu entdecken, dass ihre Mutter überhaupt nichts gewusst – oder getan – hatte. Mrs Hastings hatte daraufhin Spencers Dad aus dem Haus gejagt und danach mehr oder weniger das Handtuch geworfen.

Spencer hörte das vertraute Geräusch von klackernden Absätzen auf den Mahagonidielen des Flurs. Ihre Schwester Melissa marschierte ins Zimmer, umgeben von einer Wolke Miss Dior. Sie trug ein hellblaues Strickkleid und graue Kittenheels und ihr dunkelblondes Haar war mit einem grauen Haarband zusammengefasst. Unter ihrem Arm steckte ein silbernes Klemmbrett und hinter ihrem Ohr ein Montblanc-Füller.

»Hi, Mom«, rief Melissa fröhlich und küsste ihre Mutter auf die Stirn. Dann musterte sie Spencer und ihr Lächeln verschwand. »Hi, Spence«, sagte sie kühl.

Spencer sackte auf einem Stuhl zusammen. Das Gefühl von geschwisterlicher Liebe, das sie in der Nacht von Jennas Tod verbunden hatte, und die Freude darüber, dass beide noch am Leben waren, hatten genau vierundzwanzig Stunden angehalten. Jetzt war wieder alles wie gehabt: Melissa gab Spencer die Schuld daran, dass ihre Familie zerbrochen war, ignorierte sie, wo es nur ging, und hatte alle Verantwortung für den Haushalt an sich gerissen, weil sie eben eine arrogante Arschkriecherin war.

Melissa hob das Klemmbrett. »Ich gehe zum Bioladen, einkaufen. Willst du irgendwas Besonderes?« Sie sprach mit betont lauter Stimme, als wäre ihre Mutter neunzig Jahre alt und schwerhörig.

»Ach, ich weiß nicht«, sagte Mrs Hastings kläglich.

Sie starrte auf ihre Handflächen, als seien dort tiefe Weisheiten verborgen. »Ist doch eigentlich egal. Wir essen und nach einer Weile kriegen wir trotzdem wieder Hunger.« Mit diesen Worten stand sie auf, seufzte tief und schlurfte die Treppe hinauf in ihr Schlafzimmer.

Melissas Lippe zuckte. Das Klemmbrett sank auf Hüfthöhe. Dann schaute sie zu Spencer hinüber und ihre Augen verengten sich. Schau, was du angerichtet hast, schrie ihre Miene.

Spencer starrte aus dem Fenster in den Hintergarten hinaus. Der Gartenpfad war mit einer bläulichen Eisschicht bedeckt. Eiszapfen hingen von den Zweigen der versengten Bäume. Die Scheune der Familie war nur noch ein Haufen verkohltes Holz und Asche, vom Feuer völlig zerstört. Die Windmühle war eingestürzt, auf den Mauerresten stand immer noch das Wort MÖRDER.

Ihr stiegen die Tränen in die Augen. Wenn sie auf ihren Garten blickte, dann musste sie jedes Mal dem Drang widerstehen, nach oben zu rennen, sich unter ihrem Bett zu verstecken und ihr Zimmer nie wieder zu verlassen. Bevor Spencer die Affäre ihres Vaters enthüllt hatte, war ihr Verhältnis zu ihren Eltern so fantastisch gewesen wie seit Jahren nicht mehr. Aber jetzt fühlte sich Spencer genauso, wie sie sich gefühlt hatte, als sie das erste Mal an einer Kugel Cappuccino-Eiscreme aus der Eisdiele von Hollis leckte – sie wollte nicht aufhören, bis sie alles verschlungen hatte. Nachdem sie einen Geschmack davon erhalten hatte, wie schön es war, in einer freundlichen, liebevollen Familie zu leben, wollte sie einfach nicht wieder in ihr zerrüttetes Leben voller Vernachlässigung zurück.

Der Fernseher plärrte weiter, jetzt erschien ein Bild von Ali auf dem Schirm. Melissa richtete ihre Aufmerksamkeit auf die Reporterin, die den Zuschauern die Zeitlinie des Mordes an ihr erklärte.

Spencer biss sich auf die Lippe. Sie hatte mit Melissa noch nicht darüber gesprochen, dass Ali ihre Halbschwester gewesen war. Die Entdeckung, dass Ali und sie verwandt gewesen waren, hatte für Spencer alles geändert. Lange Zeit hatte sie Ali fast ein bisschen gehasst – sie hatte Spencer manipuliert und ihr alle ihre Geheimnisse entlockt. Aber all das war jetzt nicht mehr wichtig. Spencer wünschte sich nur noch, sie könne in der Zeit zurückreisen und Ali an jenem entsetzlichen Abend vor Billy retten.

Der Sender zeigte nun ein paar Fachleute, die an einem hohen Bistrotisch saßen und Billys Schicksal diskutierten.

»Man kann niemandem mehr trauen«, rief eine Frau mit olivfarbener Haut, die einen roten Businessanzug trug. »Kein Kind ist sicher.«

»Moment mal.« Ein Mann mit Ziegenbart hob die Hände und unterbrach sie. »Vielleicht sollten wir Billy Ford eine Chance geben. Ein Mann ist so lange unschuldig, bis seine Schuld bewiesen ist, richtig?«

Melissa schnappte sich ihre schwarze Gucci-Ledertasche. »Keine Ahnung, warum die mit solchem Geschwätz ihre Zeit verschwenden«, zischte sie. »Er soll in der Hölle schmoren. «

Spencer sah ihre Schwester unsicher an. Eine weitere merkwürdige Entwicklung im Haushalt der Hastings war, dass Melissa zweifelsfrei und beinahe fanatisch davon überzeugt war, dass Billy die Mädchen ermordet hatte. Jedes Mal, wenn in den Nachrichten die Widersprüche in der Anklage gegen ihn besprochen wurden, wurde sie stinksauer.

»Er kommt in den Knast«, sagte Spencer beruhigend. »Alle wissen, dass er es getan hat.«

»Gut.« Melissa drehte sich schnell um, nahm die Mercedes-Schlüssel aus der Keramikschüssel neben dem Telefon, schlüpfte in die karierte Marc-Jacobs-Jacke, die sie letzte Woche gekauft hatte, und knallte die Tür zu. Offenbar hatte ihre Trauer über die Implosion ihrer Familie sie nicht vom Shopping abgehalten.

Während die Experten weiterstritten, ging Spencer zum Fenster und beobachtete, wie ihre Schwester rückwärts aus der Ausfahrt stieß. Melissas Mund umspielte ein Lächeln, das Spencer kalte Schauer über den Rücken jagte.

Aus irgendeinem Grund wirkte ihre Schwester beinahe … erleichtert.

Kapitel 2

FÜR IMMER BEGRABEN

Aria Montgomery und ihr Freund Noel Kahn liefen eng aneinandergekuschelt vom Schüler parkplatz der Rosewood Day zum Haupteingang. Ein Schwall warmer Luft begrüßte sie, als sie die Schule betraten, aber als Aria in Richtung der Aula blickte, gefror ihr das Blut in den Adern. Auf einem langen Tisch an der Wand stand ein großes Foto von Jenna Cavanaugh. Ihre Porzellanhaut leuchtete, ihren natürlich roten Mund umspielte ein Lächeln. Sie trug eine große Gucci-Sonnenbrille, die ihre entstellte Augenpartie verbarg. Wir werden dich vermissen, Jenna, stand in Buchstaben aus Goldfolie über dem Bild. Daneben standen kleinere Fotos, Blumen, andere Erinnerungsstücke und Geschenke. Jemand hatte sogar eine Packung Marlboro Silver auf den Tisch gestellt, obwohl Jenna mit Sicherheit nicht zu den Mädchen gehört hatte, die heimlich rauchten.

Aria stöhnte auf. Sie hatte gehört, dass die Schule einen Schrein zu Ehren von Jenna errichten wollte, aber irgendwie wirkte das Ganze so … schäbig.

»Scheiße«, flüsterte Noel. »Wir hätten den anderen Eingang nehmen sollen.«

Arias Augen füllten sich mit Tränen. Gerade eben hatte Jenna noch gelebt – Aria hatte sie bei Noels letzter Party gesehen, wo sie sich mit Maya St. Germain amüsierte. Und dann plötzlich … Nein, sie konnte einfach nicht darüber nachdenken, was dann passiert war. Es war zu schrecklich. Aria wusste, dass sie Erleichterung empfinden sollte, weil zumindest Jennas Mörder gefasst war und jetzt auch der Mord an Ali aufgeklärt werden würde. Die Botschaften von A. hatten aufgehört. Aber all das machte nicht ungeschehen, was passiert war: Ein unschuldiges Mädchen war tot.

Aria konnte nicht umhin, sich zu fragen, ob sie und ihre Freundinnen Jennas Tod nicht irgendwie hätten verhindern können. Billy-als-A. hatte Emily ein altes Foto von Jenna und Ali geschickt und Emily dann zu Jenna gelotst, als diese und Jason DiLaurentis sich gerade stritten. Offensichtlich hatte er ihnen auf diese Art Hinweise auf sein nächstes Opfer gegeben. Vor Kurzem hatte Jenna vor Arias Haus gestanden und ausgesehen, als müsse sie Aria etwas Wichtiges mitteilen. Aber als Aria sie ansprach, wurde sie blass, drehte sich wortlos um und ging. Hatte sie damals bereits geahnt, dass Billy ihr etwas antun würde? Hätte Aria spüren müssen, dass etwas nicht stimmte?

Eine Zehntklässlerin legte eine einzelne rote Rose auf den Tisch. Aria schloss die Augen. Sie brauchte nicht noch mehr Erinnerungen daran, was Billy getan hatte. Erst heute Morgen hatte sie einen Bericht über die Polaroidfotos gesehen, die er am Abend ihrer Pyjamaparty am Ende des siebten Schuljahrs aufgenommen hatte. Schwer zu glauben, dass Billy ihnen so nahe gewesen war. Während Aria ihre Quinoa-Frühstücksflocken kaute, hatte sie ihre Erinnerungen an jenen Abend wieder und wieder durchforstet und versucht, darin einen Hinweis auf Billy zu entdecken. Hatte sie auf der Veranda merkwürdige Geräusche gehört oder einen verdächtigen Atemhauch auf der Fensterscheibe gesehen? Einen wütenden Blick gespürt, der durch das Glas gedrungen war? Aber sie konnte sich an nichts dergleichen erinnern.

Aria lehnte sich erschöpft an die Wand der Eingangshalle. Ein paar Jungs aus der Rudermannschaft beugten sich über ein iPhone und lachten über eine App, die eine Toilettenspülung imitierte. Sean Ackard und Kirsten Cullen verglichen die Lösungen ihrer Trigonometrie-Hausaufgaben. Jennifer Thatcher und Jennings Silver knutschten direkt neben dem Jenna-Schrein. Jennifer stieß versehentlich mit der Hüfte an den Tisch und warf dabei ein kleines Foto von Jenna in einem glänzenden Goldrahmen um.

Ein Knoten formte sich in Arias Brust. Sie marschierte durch den Raum und stellte das Foto wieder auf. Jennifer und Jennings lösten sich voneinander und schauten sie schuldbewusst an.

»Ihr solltet euch schämen«, zischte Aria dennoch. Noel berührte ihren Arm. »Komm«, sagte er sanft. »Lass uns gehen.«

Er zog sie aus dem Eingangsbereich in Richtung der Spinde. Kids standen an den Spinden, hängten ihre Jacken auf und zogen Schulbücher heraus. In einer Ecke übten die Shark Tones, Rosewood Days A-cappella-Gruppe, eine Version von »I Heard It Through The Grapevine« für ihr nächstes Konzert ein. Arias Bruder Mike und Mason Byers rangelten bei den Trinkbrunnen.

Aria ging zu ihrem Spind und drehte das Zahlenschloss. »Es ist, als hätten alle schon vergessen, was passiert ist«, murmelte sie.

»Vielleicht ist das ihre Art, mit dem Verlust umzugehen«, mutmaßte Noel. Er legte seine Hand auf Arias Arm. »Wir müssen dich irgendwie ablenken.«

Aria schlüpfte aus dem Tweedmantel, den sie in einem Secondhandshop in Philadelphia gekauft hatte, und hängte ihn in ihrem Spind auf. »Woran hattest du gedacht?«

»Egal. Alles, was du willst.«

Aria umarmte ihn dankbar. Noel roch nach Pfefferminzkaugummi und dem nach Lakritz duftenden Wunderbaum, der vom Rückspiegel seines Cadillac Escalade baumelte.

»Ich würde heute Abend gern zu Clio gehen«, schlug Aria vor. Clio war ein neues, gemütliches Café in der Rosewooder Innenstadt. Dort wurde die heiße Schokolade in Tassen serviert, die so groß waren wie Baseballhandschuhe.

»Machen wir«, nickte Noel. Aber dann verzog er das Gesicht und kniff die Augen zusammen. »Moment. Heute Abend kann ich nicht. Meine Gruppe.«

Aria nickte. Noels ältester Bruder hatte vor einigen Jahren Selbstmord begangen, deshalb ging er in eine Selbsthilfegruppe für Angehörige.

Aria war überzeugt davon, dass sie und ihre alten Freundinnen an dem Abend, an dem Spencers Wald abgebrannt war, Alis Geist gesehen hatten. Daraufhin war sie mit einem Medium in Kontakt getreten, das ihr eröffnete, Ali habe Ali getötet. Für einen kurzen Moment hatte Aria geglaubt, Ali habe ebenfalls Selbstmord begangen.

»Hilft es was?«, fragte sie.

»Ich glaube schon. Moment …« Noel schnippte mit den Fingern und deutete auf ein Plakat an der Wand. »Sollen wir da hin?«

Es handelte sich um ein leuchtend pinkfarbenes Poster, auf dem schwarze Silhouetten tanzender Kids zu sehen waren, wie auf den iPod-Werbeplakaten, die früher überall gehangen hatten. Aber statt Nanos und Touches hielten diese Kids kleine, weiße Herzen in den Händen. Verliebe dich auf dem Valentinsball am Samstag, stand in rot glänzenden Buchstaben auf dem Plakat.

»Was meinst du?« Noel schaute sie schüchtern an. »Willst du mit mir da hingehen?«

»Oh ja!«, hauchte Aria. Ehrlich gesagt träumte sie davon, einmal von einem Jungen zum Valentinsball eingeladen zu werden, seit Teagan Scott, ein süßer Neuntklässler, Ali im siebten Schuljahr dazu eingeladen hatte. Aria und die anderen hatten Ali dabei geholfen, sich für den Ball schick zu machen, als wäre diese Cinderella und die anderen ihre Zofen. Hanna war dafür verantwortlich gewesen, Alis Haare zu locken. Emily half Ali in ihr Ballerinakleid und Aria hatte die ehrenvolle Aufgabe, Ali die Diamantkette, die Mrs DiLaurentis ihrer Tochter für den Abend geliehen hatte, um den schlanken Hals zu legen. Nach dem Ball schwärmte Ali tagelang von dem wunderschönen Anstecksträußchen, das Teagan ihr überreicht hatte, von der coolen Musik des DJ und davon, dass ihr den ganzen Abend ein Fotograf gefolgt war, der ihr immer wieder versichert hatte, sie sei das schönste Mädchen auf dem Ball. Wie üblich.

Aria warf Noel verlegen einen Seitenblick zu. »Das könnte Spaß machen.«

»Das wird auf jeden Fall Spaß machen«, korrigierte Noel sie. »Das verspreche ich.«

Seine leuchtend blauen Augen blickten sie plötzlich ganz sanft an. »Und weißt du, was? Im YMCA fängt bald ein neuer Kurs zur Trauerbewältigung an. Vielleicht solltest du da hingehen.«

»Hm, mal sehen«, sagte Aria vage und wich Gemma Curran aus, die versuchte, ihren Geigenkasten in den Spind neben Arias zu quetschen. »Ich bin nicht so der Typ für Gruppentherapie.«

»Denk darüber nach«, riet Noel.

Dann beugte er sich vor, küsste Aria auf die Wange und ging. Sie sah ihm nach, als der die Treppe hinaufging. Trauerarbeit schien ihr irgendwie nicht die richtige Lösung – im Januar hatten sie und ihre Freundinnen sich mit einer Therapeutin namens Marion getroffen und versucht, endgültig Abschied von Ali zu nehmen. Aber das hatte sie alle nur noch besessener gemacht.

Ehrlich gesagt gab es in dem Fall immer noch Widersprüche und unbeantwortete Fragen, die Aria einfach nicht losließen. Zum Beispiel, woher Billy so viel über sie und ihre Freundinnen wusste oder woher er Spencers düsteres Familiengeheimnis kannte. Oder das, was Jason DiLaurentis Aria auf dem Friedhof nachgerufen hatte, als sie ihn als geisteskrank bloßgestellt hatte. Du hast das alles ganz falsch verstanden. Aber was gab es da falsch zu verstehen? Jason war offensichtlich im Radley behandelt worden, einer ehemaligen Nervenklinik, die inzwischen ein Luxushotel war. Emily hatte seinen Namen im Registrierbuch der Klinik gefunden. Das war doch eindeutig genug.

Aria knallte die Spindtür zu. Als sie den Flur entlangging, hörte sie in der Ferne ein Kichern – dasselbe Kichern, das sie immer wieder hörte, seit A. ihr Nachrichten schickte. Sie schaute sich mit wild klopfendem Herzen um. Der Flur leerte sich rasch, da die meisten bereits in die Klassenzimmer gingen. Niemand schenkte Aria besondere Aufmerksamkeit. Aria griff mit zitternden Händen in ihre Yakfelltasche und zog ihr Handy heraus. Sie klickte auf das Briefumschlagsymbol, aber sie hatte keine neuen SMS erhalten. Keine neuen Hinweise von A.

Sie seufzte. Wie sollte sie auch? Billy war verhaftet worden. Der Fall war gelöst und über die Puzzlestücke, die noch fehlten, wollte sie lieber nicht nachdenken. Aria ließ ihr Handy wieder in ihre Tasche fallen und wischte sich die schweißigen Handflächen an ihrem Blazer ab. A. ist weg, sagte sie zu sich selbst. Und wenn sie dieses Mantra nur lange genug wiederholte, würde sie es irgendwann sicher auch glauben.

Kapitel 3

HANNA UND MIKE, GLAMOUR-PAAR

Hanna Marin saß an einem Ecktisch in Rosewood Days schicker Kaffeebar Steam und wartete auf ihren Freund Mike Montgomery. Es war die letzte Stunde und beide hatten frei. Als Vorbereitung auf das Mini-Date hatte Hanna sich den neuesten Victoria’s-Secret-Unterwäschekatalog besorgt und schon mal einige Seiten mit Eselsohren markiert. Mike und sie suchten immer gerne nach den Models mit den künstlichsten Brüsten. Hanna hatte früher mit ihrer inzwischen toten besten Freundin Mona Vanderwaal dieses Spiel gespielt, aber erstens hatte die sich als total durchgeknallte Mörderin herausgestellt und zweitens machte es mit Mike viel mehr Spaß. Die meisten Dinge machten mit Mike mehr Spaß. Hannas Exfreunde waren entweder zu prüde gewesen, um sich halb nackte Mädchen anzusehen, oder hielten es für gemein, sich über andere lustig zu machen. Aber am besten war, dass Mike als Mitglied der Lacrossemannschaft von Rosewood Day beliebter war als die anderen – sogar beliebter als Sean Ackard, der ziemlich frömmelte, seit er mit Hanna Schluss gemacht hatte und wieder in den Jungfrauenklub eingetreten war.

Hannas iPhone klingelte und sie zog es aus der pinkfarbenen Lederhülle. Auf dem Display wurde eine neue Mail von Jessica Barnes, einer Journalistin des Lokalsenders, angezeigt. Sie war auf der Jagd nach einem Statement für ihre neueste Billy-Ford-Story. Was hältst du davon, dass Billys Anwalt behauptet, er sei unschuldig? Deine Reaktion auf die Polaroids, die er am Abend von Alisons Tod von euch geschossen hat? Schick mir einen Tweet! Hanna löschte die Mail, ohne zu antworten. Billys Schuld in Zweifel zu ziehen, war einfach absurd. Anwälte mussten so etwas wahrscheinlich über ihre Klienten sagen, selbst wenn es sich um die ekelhaftesten Verbrecher der Geschichte handelte.

Und zu den gruseligen, unscharfen Polaroidbildern wollte Hanna auch keinen Kommentar abgeben. Sie wollte für den Rest ihres Lebens nicht mehr über diese Pyjamaparty nachdenken. Wenn sie es wagte, ihre Gedanken zu den Morden an Ali, Ian und Jenna schweifen zu lassen – oder zu der Tatsache, dass Billy Hanna und ihre alten Freundinnen monatelang verfolgt hatte –, wurde ihr Herzschlag schneller als ein Techno-Beat. Wenn die Polizei Billy nicht erwischt hätte, wäre sie vielleicht sein nächstes Opfer geworden.

Hanna schaute den Flur entlang und wünschte, Mike würde endlich auftauchen. Ein paar Kids standen vor ihren Spinden und fummelten an ihren BlackBerrys herum. Ein dürrer Zehntklässler schrieb sich etwas auf die Hand, wahrscheinlich einen Spickzettel für eine Klausur. Naomi Zeigler, Riley Wolfe und Hannas zukünftige Stiefschwester Kate Randall standen vor einem großen Ölgemälde von Marcus Wellington, einem der Gründer der Schule. Sie lachten über etwas, das Hanna nicht sehen konnte. Ihre Haare glänzten, ihre gekürzten Schulröcke endeten zehn Zentimeter über ihren Knien und sie alle trugen aufeinander abgestimmte Schnürschuhe und gemusterte Strumpfhosen.

Hanna strich das neue, saphirblaue Nanette-Lepore-Top glatt, das sie gestern Abend in ihrer Lieblingsboutique in der King James Mall gekauft hatte, und fuhr sich mit den Fingern durch ihr glattes, makelloses Haar – sie war heute Morgen vor der Schule im Fermata-Spa gewesen und hatte es sich föhnen lassen. Sie sah perfekt und glamourös aus, keinesfalls wie ein Mädchen, das in einer Nervenklinik eingesperrt gewesen war. Nicht wie ein Mädchen, das von ihrer geisteskranken Zimmernachbarin Iris gefoltert worden und vor nur zwei Wochen auch noch im Gefängnis gewesen war. Nicht wie ein Mädchen, das ausgeschlossen oder geschnitten wurde.

Aber trotz ihrer makellosen Erscheinung waren all diese Dinge geschehen. Hannas Vater hatte Kate zwar gedroht, ihr eine Menge Ärger zu machen, falls sie ausplauderte, dass Hanna im Sanatorium Addison-Stevens gewesen war. Billy-als-A. hatte Hanna dort hingebracht, indem er Mr Marin mit einer E-Mail davon überzeugt hatte, nur dort könne Hannas posttraumatische Belastungsstörung adäquat behandelt werden. Aber Mr Marins Drohung war hinfällig geworden, denn die Zeitschrift People hatte ein Foto von Hanna im Sanatorium abgedruckt. Hannas kleiner Trip ins Irrenhaus hatte sie augenblicklich zu einem Paria gemacht, und als sie an die Rosewood Day zurückkehrte, merkte sie schnell, dass sie aus der Clique der schönen Mädchen ausgestoßen worden war. Nicht lange danach hatte sie auf ihrer Spindtür das Wort PSYCHO gefunden und eine Facebook-Freundschaftsanfrage von einer Person namens Hanna Psycho Marin bekommen, die – natürlich – null Facebook-Freunde hatte.

Als Hanna sich bei ihrem Vater über die Seite beschwerte – sie wusste, dass Kate dahintersteckte –, hatte ihr Vater nur achselzuckend geseufzt: »Ich kann euch Mädchen nicht zwingen, miteinander auszukommen.«

Hanna stand auf, zupfte sich wieder die Kleider zurecht und bahnte sich mit den Ellbogen einen Weg durch die Menge. Zu Naomi, Riley und Kate hatten sich inzwischen auch Mason Byers und Jim Freed gesellt. Zu Hannas Überraschung stand Mike ebenfalls bei ihnen.

»Es stimmt nicht«, protestierte er. Auf seinem Gesicht und Hals prangten rote Flecken.

»Jaja.« Mason verdrehte die Augen. »Ich weiß, dass das dein Spind ist.« Er zeigte sein iPhone Naomi, Kate und Riley. Sie stöhnten laut und kicherten dann hemmungslos los.

Hanna drückte Mikes Hand. »Was ist hier los?«

Mikes eisblaue Augen waren weit aufgerissen. »Jemand hat Mason ein Foto von meinem Lacrosse-Spind geschickt«, sagte er leise. »Aber die gehören nicht mir, das schwöre ich.«

»Na logo, Bremsspur«, höhnte Jim.

»Bremser«, warf Naomi ein. Alle kicherten.

»Was gehört dir nicht?« Hanna schaute zu Naomi, Kate und Riley, die immer noch auf Masons iPhone glotzten.

»Was gehört Mike nicht?«, wiederholte sie energisch.

»Jemand hat ein kleines Bremsspur-Problem«, trällerte Riley entzückt. Die Lacrosse-Jungs stießen sich prustend mit dem Ellbogen an.

»Das stimmt nicht«, protestierte Mike. »Da will mich jemand durch den Dreck ziehen.«

Mike schnaubte.

»Du meinst, durch deinen eigenen Dreck?«

Alle kicherten wieder und Hanna riss Mason das iPhone aus der Hand. Auf dem Display war ein Spind in der Rosewood Day zu sehen. Hanna erkannte Mikes blauen Ralph-Lauren-Kapuzenpullover und auf dem obersten Regal saß sein Glücksbringer, ein ausgestopfter Kelloggs-Cornflakes-Hahn. In der Mitte prangte eine weiße D&G-Boxershorts, die eindeutig … Bremsspuren aufwies.

Langsam löste sie ihre Hand aus Mikes und wich zurück.