Profiling Murder – Fall 10 - Dania Dicken - E-Book

Profiling Murder – Fall 10 E-Book

Dania Dicken

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Beschreibung

Folge 10: Lauries und Jakes neuer Fall hat es in sich: In Phoenix wurden mehrere Leichen gefunden - ausgeblutet, mit einem sauberen Schnitt durch Kehle und Handgelenke. Eine erste Spur führt die beiden Ermittler in jüdische und muslimische Gemeinden im Ortsteil Alhambra, aber dort stoßen sie auf eine Mauer des Schweigens. Ein Hinweis bringt die beiden schließlich auf den richtigen Weg. Doch die Situation droht zu eskalieren ...

Laurie Walsh war eine erfolgreiche Polizistin. Bis sie aus Notwehr schießen musste - und ein Mensch starb. Die Bilder verfolgen sie selbst Jahre später noch jede Nacht. Doch dann meldet sich ihr ehemaliger Partner Jake und bittet sie um Hilfe bei einem Fall. Und Laurie wird klar, wie sehr ihr Herz noch an der Polizeiarbeit hängt. Sie kehrt an Jakes Seite in ihren Job zurück und ermittelt fortan in besonders harten Fällen, die selbst die Ermittler tief erschüttern. Und gerät dabei nicht selten selbst ins Visier der Täter ...

eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung.

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Seitenzahl: 142

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

CoverPROFILING MURDER – Die SerieÜber diese FolgeÜber die AutorinTitelImpressumSamstag, 5. MärzMontag, 7. MärzMittwoch, 9. MärzSamstag, 12. MärzSonntag, 13. MärzMontag, 14. MärzDienstag, 15. MärzMittwoch, 16. MärzFreitag, 18. März

PROFILING MURDER – Die Serie

Laurie Walsh war eine erfolgreiche Polizistin. Bis sie aus Notwehr schießen musste – und ein Mensch starb. Die Bilder verfolgen sie selbst Jahre später noch jede Nacht. Doch dann meldet sich ihr ehemaliger Partner Jake und bittet sie um Hilfe bei einem Fall. Und Laurie wird klar, wie sehr ihr Herz noch an der Polizeiarbeit hängt. Sie kehrt an Jakes Seite in ihren Job zurück und ermittelt fortan in besonders harten Fällen, die selbst die Ermittler tief erschüttern. Und gerät dabei nicht selten selbst ins Visier der Täter …

Über diese Folge

Lauries und Jakes neuer Fall hat es in sich: In Phoenix wurden mehrere Leichen gefunden – ausgeblutet, mit einem sauberen Schnitt durch Kehle und Handgelenke. Eine erste Spur führt die beiden Ermittler in jüdische und muslimische Gemeinden im Ortsteil Alhambra, aber dort stoßen sie auf eine Mauer des Schweigens. Ein Hinweis bringt die beiden schließlich auf den richtigen Weg. Doch die Situation droht zu eskalieren …

Über die Autorin

Dania Dicken, Jahrgang 1985, schrieb ihr erstes Buch als Zehnjährige – per Hand und mit dem guten Gefühl, eine Berufung gefunden zu haben, die bleiben würde. Während ihres Studiums verfasste sie dann zunächst Fantasyromane, die sie im Selbstverlag veröffentlichte. Nach einigen Semestern beschloss sie, ihr Soziologiestudium an der Universität Duisburg gegen einen interdisziplinären Psychologie- und Informatik-Studiengang zu tauschen, was sich schnell als richtige Entscheidung erwies. Mit den Grundlagen aus dem Psychologiestudium setzte sie ein lang gehegtes Vorhaben in die Tat um und schreibt seitdem spannende Profiler-Thriller. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter in Krefeld und widmet sich hauptberuflich dem Verfassen spannender Bücher.

Dania Dicken

Fall 10Opferblut

beTHRILLED

 

Originalausgabe

 

»be« - Das eBook-Imprint der Bastei Lübbe AG

 

Copyright © 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

 

Lektorat/Projektmanagement: Anna-Lena Meyhöfer

Covergestaltung: Thomas Krämer unter Verwendung von Motiven von © Shutterstock.com

eBook-Erstellung: Dörlemann Satz, Lemförde

 

ISBN 978-3-7325-8933-3

 

www.be-ebooks.de

www.lesejury.de

Samstag, 5. März

Das Handtuch um den Kopf geschlungen, rannte Laurie mit offener Jeans vom Bad ins Schlafzimmer, wo ihr Handy noch auf dem Nachttisch neben dem Bett lag. Sie hätte das Klingeln fast überhört, denn von unten drangen launige Gitarrenriffs an ihr Ohr. Jake hatte gute Laune, das merkte man daran, welche Musik er hörte, während er das Frühstück vorbereitete.

Atemlos schnappte Laurie sich ihr Handy und nahm den Anruf an, ohne überhaupt nachzusehen, wer dran war. »Walsh.«

»Guten Morgen, Detective. Ich habe sie doch nicht geweckt, oder?«, fragte Maryanne Walters.

»Nein, ich habe nur fast mein Handy nicht gehört. Guten Morgen, Captain. Lassen Sie mich raten: Sie haben Arbeit für uns.«

»So ist es. Das muss auch unbedingt zu Ihnen, denn wenn ich den Kollegen Glauben schenken darf, ähnelt der Fall Ihrem letzten Mordfall.«

Laurie stöhnte innerlich. »Wieder so ein Blutbad?«

»Ich fürchte ja. Ein noch nicht identifizierter Mann wurde tot aufgefunden. Es gibt wieder einen regelrechten See aus Blut. Ist gar nicht so weit entfernt vom letzten Tatort.«

»Wo müssen wir hin?«

»Zum Washington Park, unweit der High School.« Im Anschluss beschrieb Walters Laurie den Weg noch etwas genauer.

»Danke, Captain, wir sind schon so gut wie unterwegs«, sagte Laurie, bevor sie sich von Maryanne Walters verabschiedete und das Handy weglegte. Sie knöpfte die Jeans zu, löste das Handtuch von ihrem Kopf und streifte ein T-Shirt über, bevor sie sich die Haare bürstete und anschließend nach unten zu Jake ging.

Er hatte gerade die Pancakes fertig und bedachte Laurie mit einem Lächeln. »Da bist du ja – pünktlich auf die Minute.«

»Leider müssen wir uns beeilen.« Laurie bedauerte es sehr, denn das Frühstück sah wirklich köstlich aus.

»Was? Warum?«

»Weil wir Arbeit haben. Walters hat mich angerufen – es gibt wieder eine ausgeblutete Leiche.«

»Oh nein«, stöhnte Jake genervt. »Und das an einem Samstag. Ist ja traumhaft. Wo müssen wir hin?«

»Nach Alhambra, Washington Park. Ich würde aber trotzdem erst noch was essen, bevor ich gleich dort die Kollegen fresse.«

Die beiden beeilten sich mit ihrem Frühstück und saßen keine zehn Minuten später im Auto. Während Jake dem Freeway nach Westen folgte, überlegte Laurie. Ob sie nun das zweite Opfer in einer Mordserie hatten?

Vor zwei Wochen hatten sie schon einmal einen Mordfall auf den Tisch bekommen, in dem es um einen Mann ging, der tot im Hinterhof eines Restaurants aufgefunden worden war. Man hatte ihm sauber die Kehle durchtrennt und die Pulsadern an den Armen aufgeschnitten. Laut Gerichtsmediziner war er innerhalb kürzester Zeit verblutet. Bis jetzt war Laurie und Jake allerdings noch nicht klar, aus welchem Grund der Mann getötet worden war. Er wirkte wie ein Zufallsopfer, aber vielleicht schaffte es ja der neue Mord, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Der erste Fall war ohne große Umwege auf ihrem Tisch gelandet, weil mittlerweile das halbe Phoenix PD wusste, dass die beiden abgehärteten Kollegen aus Baltimore die krassen Fälle im Griff hatten.

Etwa eine halbe Stunde nach dem Anruf von Walters trafen Laurie und Jake am Leichenfundort ein. Auf dem Parkplatz standen bereits mehrere andere Einsatzfahrzeuge – zwei Streifenwagen, das Auto des Coroner und ein Van der Spurensicherung. Zwar mussten sie noch ein wenig Ausschau halten, doch schließlich entdeckten Laurie und Jake hinter dem Ascheplatz und einigen Bäumen einen Kollegen von der Spurensicherung im weißen Schutzanzug und nahmen Kurs auf den Leichenfundort. Beim Eintreffen wurden sie freundlich von den Kollegen begrüßt, die sie dann zum Leichenfundort führten. Doch auch Walters’ Ankündigung, dass es wieder blutig werden würde, hatte Laurie nicht auf das vorbereitet, was sie hier erwartete.

Von einem der Bäume hing eine Leiche herab. Der Täter hatte sie an den Füßen an einem Baum aufgehängt, die gefesselten Hände des Toten baumelten knapp über dem Boden. Unter ihm war literweise Blut in den Boden gesickert, das Summen der Fliegen sprach für sich.

»Was zum Teufel …«, murmelte Jake fassungslos.

»Kommen Sie«, sagte einer der Kollegen von der Spurensicherung. »Wir sind gerade fertig geworden. Sie können jetzt näher kommen.«

Vorstellen mussten Laurie und Jake sich nicht, sie kannten die Kollegen. Ebenso den Coroner: Es war Cartwright, mit dem sie bereits vor einigen Monaten in den Fällen der getöteten illegalen Einwanderer zusammengearbeitet hatten.

»Detectives«, begrüßte er sie freundlich. »War ja klar, dass ich Sie hier wiedersehe.«

Jake grinste vielsagend. »Sonnenklar. Was haben wir? Konnten Sie ihn sich schon ansehen?«

»Ein wenig, ja … Kommen Sie mal hierher, dann können Sie den Mann von vorn sehen.«

Laurie und Jake kamen Cartwrights Aufforderung nach und betrachteten die Leiche nun von der anderen Seite. Es handelte sich um einen Mann etwa Mitte dreißig mit schwarzen Haaren und einem ursprünglich kaffeefarbenen Teint, der jetzt eher gräulich wirkte. Der Täter hatte ihn mit Klebeband geknebelt, und das Blut aus der Halsverletzung war dem Mann über den ganzen Kopf gelaufen.

»Er hat sich gewehrt«, sagte Cartwright. »Hätte er einfach reglos hier gehangen, wäre nicht sein ganzes Gesicht voller Blut. Das Kinn hätte viel Blut abgehalten. Er war also definitiv bei Bewusstsein, als der Täter ihm die Kehle aufgeschnitten hat.«

Ungläubig schüttelte Jake den Kopf. »Was zum Teufel ist hier passiert?«

»Der Täter hat sein Opfer hier irgendwie hingebracht und dann mit den Füßen voran am Baum aufgehängt. Ob er ihm nun zuerst die Pulsadern aufgeschnitten hat oder die Kehle, kann ich Ihnen nicht sagen. Auch die Blutspritzer hier überall verraten uns, dass der Mann noch versucht hat, sich zu befreien. Er hat sich definitiv noch bewegt, ist aber relativ zügig bewusstlos geworden und auch entsprechend schnell ausgeblutet. Ja, so kann man das durchaus formulieren. Dadurch, dass der Täter ihn hier so aufgehängt hat, dürfte er nicht mehr sehr viel Blut im Körper haben.«

»Das ist krank«, sagte Laurie kopfschüttelnd.

»Dem Täter ging es wohl auch irgendwie darum, sein Opfer ausbluten zu lassen. Wie schon beim letzten Mal hat er dem Mann die Pulsadern an den Handgelenken längs aufgeschlitzt. Ich vermute ein scharfes Messer mit einer nicht ganz so kurzen Klinge.«

»Er schleift den Mann her, hängt ihn auf, schneidet ihm die Kehle durch und schlitzt ihm die Handgelenke auf. Er hat ihn geknebelt, damit er nicht schreit … Und nachdem der Mann das Bewusstsein verloren hat, blutet er einfach nur noch aus«, überlegte Jake laut.

Cartwright nickte. »So muss es gewesen sein. Die Kollegen haben hier vorhin schon mal Bodenproben genommen – das Blut ist tief eingesickert. Es war wirklich viel. Das hier war also definitiv auch der Tatort.«

»Warum macht jemand so etwas?«, fragte Laurie. »Das ist doch einfach nur verrückt.«

»Es muss wirklich darum gehen, das Opfer ausbluten zu lassen«, sagte Jake. »Beim letzten Fall hatten wir darüber ja nur spekuliert.«

»Es gibt aber durchaus Parallelen«, stellte Cartwright fest. »Beide Opfer wurden irgendwie überwältigt, gefesselt, geknebelt, und dann hat der Täter ihnen die Kehle und die Pulsadern aufgeschlitzt. Das ist schon sehr ähnlich. Anscheinend haben Sie da wieder den Jackpot geknackt und den nächsten Serienmörder an Land gezogen. Das haben Sie ja drauf.«

Jake grinste schief. »Danke für die Blumen, aber ich hätte hier lieber keinen Serienmörder.«

»Selbstredend.«

»Wie lang ist er denn schon tot?«, fragte Laurie.

»Also, wenn ich mir hier so die ganzen Insekten anschaue … Die sind ziemlich fix da, vor allem Schmeißfliegen. Das ganze Gewimmel, das sich erst auf älteren Leichen zu Hause fühlt, kann ich noch nicht entdecken. Und wenn man davon ausgeht, dass hier auch abends noch Jogger unterwegs sind, denen hier offensichtlich noch keine Leiche aufgefallen ist, würde ich schätzen, dass das hier irgendwann heute Nacht passiert ist – ich vermute mal nach Mitternacht.«

»Wer hat die Leiche denn gefunden?«, fragte Jake.

»Ein Spaziergänger mit Hund«, sagte einer der Officers in der Nähe. »Das war heute Morgen etwa um Viertel vor sieben.«

»Zwischendurch hat das niemand gemerkt? Verrückt. Und wir haben nichts, um ihn zu identifizieren?«

»Wir haben nichts bei ihm gefunden.«

»Na, so ein Spaß … Dann grasen wir wohl gleich mal wieder die Vermisstenmeldungen ab, bis wir seine Fingerabdrücke durchs System jagen können«, sagte Jake in Lauries Richtung.

»Vermutlich ist dies die einzige Möglichkeit, wie wir überhaupt etwas rausfinden können. Ich würde allerdings gleich im Department noch mal den anderen Fall durchgehen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausarbeiten wollen.«

»Haben Sie sonst noch etwas für uns?«, erkundigte Jake sich bei Cartwright, der nur den Kopf schüttelte.

»Bis jetzt nicht. Die Fingerabdrücke sollten Sie zügig haben, den Zahnstatus vermutlich auch. Viel Spaß bei der Suche nach diesem Irren.«

»Besten Dank«, murmelte Jake trocken und machte sich mit Laurie wieder auf den Weg.

»Worum geht es hier?«, fragte sie im Auto. »Ist das schon wieder so ein Irrer, der hier seine Rituale ausleben muss?«

»Ich habe keine Ahnung. Wir müssen die Autopsie abwarten, bevor wir sagen können, ob es einen Zusammenhang zum Fall Charles Roberts gibt.«

Laurie hatte da wenig Zweifel, aber sie wusste, Jake hatte Recht. Im Moment war das alles bloß Spekulation.

Als sie wenig später im Department eintrafen, herrschte dort nicht der übliche Betrieb, aber es war schließlich auch Samstag. Es machte Laurie nichts aus, dann zu arbeiten, wenn die Arbeit anfiel. Zwar waren sie für den Abend mit Samantha und Dominic verabredet, aber das Abendessen sah sie auch nicht in Gefahr.

Sie setzten sich an ihre Computer und gingen auf die Suche nach aktuellen Vermisstenanzeigen, die auf ihren Toten hätten passen können. Ein Mann mit arabischen Wurzeln, wenn Laurie sein Äußeres richtig gedeutet hatte. Sie fanden auch mehrere Vermisstenmeldungen, aber die waren alle nicht aktuell, und sie erkannten den Toten auf den Fotos auch nicht wieder.

»Warten wir auf die Fingerabdrücke«, schlug Jake vor. Laurie nickte und ging noch einmal die Fallakten von Charles Roberts durch.

Roberts war ein Mann Anfang vierzig, der seit seiner Scheidung mit seiner neuen Lebensgefährtin und ihrem Sohn zusammenlebte. Er hatte als Sachbearbeiter für die Stadtverwaltung gearbeitet und eine wunderschön weiße Weste. Ihnen fehlte jeder Anhaltspunkt, warum jemand ihn ermordet hatte. Nach einem Barbesuch mit einem Freund war er nicht nach Hause gekommen, weshalb seine Lebensgefährtin ihn als vermisst gemeldet hatte. Am nächsten Morgen hatte eine Putzfrau dann seine Leiche im Hinterhof eines kleinen Steak- und Seafood-Restaurants gefunden, wo Roberts tot an einem Müllcontainer gelehnt hatte. Er war über und über voll Blut gewesen, denn der Täter hatte auch ihm die Kehle aufgeschnitten, und das Blut war einfach seinen Oberkörper hinabgelaufen.

Auch er war gefesselt und geknebelt gewesen, und der Täter hatte ihm die Pulsadern an den Handgelenken geöffnet. Roberts hatte in einem See seines eigenen Blutes gesessen. Blut. Überall Blut. Die arme Putzfrau musste den Schreck ihres Lebens bekommen haben.

Laurie und Jake hatten in alle Richtungen überlegt und das Leben des Opfers gründlich abgeklopft, weil sie zunächst von einer Mafia-Racheaktion oder etwas Ähnlichem ausgegangen waren. Dumm war nur, dass Roberts absolut nicht mit irgendwelchen kriminellen Machenschaften in Verbindung zu bringen war. Er war ein ganz normaler Mann mit einem ganz normalen Familien- und Arbeitsleben. Weshalb sie zu dem Schluss gekommen waren, dass er wohl tatsächlich nur ein Zufallsopfer war und der Täter ihm wohl auf dem Heimweg aufgelauert hatte, denn die Bar lag gar nicht so weit vom Tatort entfernt. Sie hatten die ganze Route abgeklopft und überall nach Zeugen gesucht, aber niemand hatte gesehen, was passiert war. Der Gerichtsmediziner hatte ihnen immerhin den Anhaltspunkt geben können, dass Roberts einen Schlag auf den Kopf bekommen hatte, und so hatten sie zumindest eine Ahnung, wie er überwältigt worden war.

Im Fall Roberts war es auch kein Problem gewesen, das Opfer gleich zu identifizieren, denn Roberts hatte sein Portemonnaie noch bei sich gehabt. So gesehen entwickelte sich der Täter – wenn es denn derselbe war – tatsächlich weiter. Er perfektionierte seine Vorgehensweise und erschwerte ihnen gleichzeitig die Arbeit.

»Ich könnte mir gut vorstellen, dass derselbe Täter hinter beiden Morden steckt«, sagte Laurie. »Roberts lag zwar auf dem Hinterhof in seinem eigenen Blut, aber vielleicht hat der Täter daraus schon die Lehre gezogen, dass das alles viel zu lang dauert, und hat das neue Opfer deshalb aufgehängt.«

Jake nickte nachdenklich. »Gut möglich. Auch wenn ich mich immer noch frage, warum jemand das tun würde.«

Das konnte Laurie sich allerdings auch nicht erklären. »Wenn das zweite Opfer auch ein Zufallsopfer ist, wird uns das hier noch länger erfreuen.«

»Hoffentlich nicht … oh, sieh mal. Die Fingerabdrücke sind schon da.«

Laurie beobachtete gespannt, wie Jake die Abdrücke in die AFIS-Datenbank einspielte und den Abgleich startete, doch wenig später folgte die Ernüchterung: Kein Treffer.

»Also von vorn«, grummelte er frustriert. »Wie finden wir jetzt raus, wer der Tote ist? Und warum hängt ihn jemand zum Ausbluten an einen Baum?«

»Irgendwie macht mir unser Ruf hier in Phoenix Sorgen. Es gibt einen besonders schaurigen Mordfall? Gebt ihn McNeill und Walsh, die kriegen das hin.« Laurie grinste schief.

»Ich finde das nicht schlimm, im Gegenteil. Sie wissen, was sie an uns haben.«

Da musste Laurie ihm auch wieder Recht geben. Sie beschloss, noch einmal in die Vermisstendatenbank zu schauen und eine neue Suche mit etwas abgeänderten Kriterien zu starten. Und prompt fand sie eine Vermisstenanzeige, die auf den heutigen Tag datiert war. Sofort öffnete sie den Fall und stellte fest, dass die Anzeige erst vor einer Viertelstunde ins System eingespielt worden war – und sie stellte ebenfalls fest, dass der Mann auf dem Foto genauso aussah wie der Tote im Washington Park.

»Ich glaube, wir haben ihn«, sagte Laurie mit Blick zu Jake.

»John, du hast da vorhin eine Vermisstenanzeige aufgenommen.« Jake fiel direkt mit der Tür ins Haus, nachdem er den betreffenden Kollegen endlich entdeckt hatte.

»Ah, McNeill. Meinst du Hasan Abbasi?«

Jake nickte. »Kannst du mir irgendwas sagen?«

»Seine Frau ist hier vielleicht vor zehn Minuten raus. Was habt ihr denn mit dem Fall zu schaffen?«

»Ich glaube, heute Morgen wurde seine Leiche gefunden. Was hat die Frau dir gesagt?«

»Dass ihr Mann gestern Abend zu seinem Männerclub gegangen und nicht wiedergekommen ist. Bemerkt hat sie das aber erst heute Morgen, er ist üblicherweise lange dort und kommt häufig so spät nach Hause, dass sie dann schon schläft. Als sie heute Morgen aufgewacht ist, war er nicht da, und er war auch nicht erreichbar. Sie hat nach ihm gesucht, mit den anderen Männern gesprochen – er ist wie immer vom Club aufgebrochen, aber nie zu Hause angekommen. Und ihr habt eine Leiche gefunden, auf die seine Beschreibung passt?«

Jake nickte. »Ich hatte gehofft, dass die Frau vielleicht noch hier ist, aber dann fahren wir wohl mal dorthin und reden mit ihr.«

»Viel Erfolg«, sagte John, und gemeinsam machten Jake und Laurie sich wieder auf den Weg.

Hasan Abbasi lebte nicht weit entfernt von den beiden Leichenfundorten. Als sie dort eintrafen, öffnete ihnen ein etwa zehn Jahre alter Junge die Tür, dem Jake ein freundliches Lächeln zuwarf.

»Hallo, wir sind von der Polizei. Können wir mit deiner Mutter sprechen?«