Profiling Murder – Fall 3 - Dania Dicken - E-Book

Profiling Murder – Fall 3 E-Book

Dania Dicken

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Beschreibung

Folge 3: In Phoenix arbeitet Laurie endlich wieder als Polizistin an Jakes Seite. Gleich ihr erster gemeinsamer Fall hat es in sich: Im Lake Pleasant National Park wurden stark verweste Leichenteile gefunden - von mehreren Personen, alle zerstückelt. Ihre Ermittlungen ergeben, dass alle Opfer Obdachlose, Junkies und Prostituierte waren - und dass zahlreiche weitere Menschen vermisst werden. Doch auch der Täter hat von den Ermittlungen Wind bekommen und fasst einen perfiden Plan - mit Laurie in der Hauptrolle.

Laurie Walsh war eine erfolgreiche Polizistin. Bis sie aus Notwehr schießen musste - und ein Mensch starb. Die Bilder verfolgen sie jede Nacht - selbst jetzt, mehr als ein Jahr später. Doch dann meldet sich ihr ehemaliger Partner Jake und bittet sie um Hilfe bei einem Fall. Und Laurie wird klar, wie sehr ihr Herz noch an der Polizeiarbeit hängt. Immer wieder hilft sie Jake fortan bei harten Fällen, die die Ermittler tief erschüttern. Und gerät dabei nicht selten selbst ins Visier der Täter ...

eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung.

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Inhalt

CoverPROFILING MURDER – Die SerieÜber diese FolgeÜber die AutorinTitelImpressumDienstag, 9. Juli Mittwoch, 10. Juli Donnerstag, 11. JuliFreitag, 12. JuliSamstag, 13. JuliMontag, 15. JuliDienstag, 16. JuliMittwoch, 17. JuliDonnerstag, 18. JuliFreitag, 19. Juli, morgensFreitag, 19. Juli, nachmittagsSamstag, 20. JuliMittwoch, 24. Juli

PROFILING MURDER – Die Serie

Laurie Walsh war eine erfolgreiche Polizistin. Bis sie aus Notwehr schießen musste – und ein Mensch starb. Die Bilder verfolgen sie jede Nacht – selbst jetzt, mehr als ein Jahr später. Doch dann meldet sich ihr ehemaliger Partner Jake und bittet sie um Hilfe bei einem Fall. Und Laurie wird klar, wie sehr ihr Herz noch an der Polizeiarbeit hängt. Immer wieder hilft sie Jake fortan bei harten Fällen, die die Ermittler tief erschüttern. Und gerät dabei nicht selten selbst ins Visier der Täter …

Über diese Folge

In Phoenix arbeitet Laurie endlich wieder als Polizistin an Jakes Seite. Gleich ihr erster gemeinsamer Fall hat es in sich: Im Lake Pleasant National Park wurden stark verweste Leichenteile gefunden – von mehreren Personen, alle zerstückelt. Ihre Ermittlungen ergeben, dass alle Opfer Obdachlose, Junkies und Prostituierte waren - und dass zahlreiche weitere Menschen vermisst werden. Doch auch der Täter hat von den Ermittlungen Wind bekommen und fasst einen perfiden Plan – mit Laurie in der Hauptrolle.

Über die Autorin

Dania Dicken, Jahrgang 1985, schrieb ihr erstes Buch als Zehnjährige – per Hand und mit dem guten Gefühl, eine Berufung gefunden zu haben, die bleiben würde. Während ihres Studiums verfasste sie dann zunächst Fantasyromane, die sie im Selbstverlag veröffentlichte. Nach einigen Semestern beschloss sie, ihr Soziologiestudium an der Universität Duisburg gegen einen interdisziplinären Psychologie- und Informatik-Studiengang zu tauschen, was sich schnell als richtige Entscheidung erwies. Mit den Grundlagen aus dem Psychologiestudium setzte sie ein lang gehegtes Vorhaben in die Tat um und schreibt seitdem spannende Profiler-Thriller. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter in Krefeld und widmet sich hauptberuflich dem Verfassen spannender Bücher.

Dania Dicken

Fall 3Langsamer Tod

beTHRILLED

 

Originalausgabe

 

»be« - Das eBook-Imprint der Bastei Lübbe AG

 

Copyright © 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

 

Lektorat/Projektmanagement: Anna-Lena Meyhöfer

Covergestaltung: Thomas Krämer unter Verwendung von Motiven von © Shutterstock: Mega Pixel | Daniel Tadevosyan ; © Lauren Bates/Getty Images

eBook-Erstellung: Dörlemann Satz, Lemförde

 

ISBN 978-3-7325-5392-1

 

www.be-ebooks.de

www.lesejury.de

Dienstag, 9. Juli

Die Wüste war anders. Es verging kein Tag, an dem Laurie diese Feststellung nicht traf. Unter sengender Sonne und bei dreiundvierzig Grad war sie nach Feierabend kurz einkaufen gegangen, und als sie mit einem vollen Einkaufswagen hinter den Kassen stand, war es draußen nachtschwarz und goss wie aus Kübeln. Allerdings dauerte das Spektakel mit Blitz und Donner nur zehn Minuten, bevor es sich wieder abschwächte und im Handumdrehen auflöste. Die Sonne brauchte danach nicht lang, um den Asphalt zu trocknen und als Laurie zu Hause eintraf, war es dort nicht mal mehr richtig feucht.

Sie dankte ihrer Klimaanlage jeden Tag. Zwar kannte sie aus Baltimore auch heiße Sommer, aber in Phoenix war es an über hundert Tagen im Jahr heißer als achtunddreißig Grad. Die Wohnhäuser in Phoenix waren meist einstöckig, als würden sie sich am Boden vor der extremen Hitze verstecken wollen. In Willow, wo sie vorerst noch zur Miete wohnte, wuchsen wenigstens ein paar Bäume, aber das meiste, was sie bislang von ihrer neuen Heimat gesehen hatte, war sandig und staubig. Eigentlich mochte sie es, aber zu viel davon wirkte trostlos. Im Vergleich zu Maryland mit seinen grünen Wäldern war es ein extremer Kontrast.

Gerade saß Laurie im Schneidersitz auf ihrem Sofa und ignorierte die an der Wand entlang gestapelten Kartons, während sie gemütlich ihren Burrito aß und dazu eine Folge Better call Saul schaute. Die Serie spielte in Albuquerque, New Mexiko, und damit gar nicht so weit von ihrem neuen Zuhause entfernt. Dort sah es auch nicht wirklich anders aus.

Sie hatte keine Lust auszupacken. Irgendwie fühlte sie sich gelähmt, wenn sie nur daran dachte. Die einzigen Gegenstände, die sie sofort hingestellt hatte, waren zwei Bilderrahmen neben ihrem Fernseher. Der eine beinhaltete das Foto mit ihrer Schwester Samantha, das andere Bild zeigte sie zusammen mit Liam.

An die beiden zu denken, war ihr wichtig, auch wenn es entsetzlich schmerzte. Sie musste jedoch zu ihrer Überraschung feststellen, dass der Tapetenwechsel ihr dabei half, besser mit Liams Tod klarzukommen. Zwar hatte sie ihn sehr gemocht und letztlich war er gestorben, als er versucht hatte, ihr zu helfen. Dennoch hatte sie ihn ja nicht lange gekannt und der ganze Umzugsstress hatte ihr kaum Zeit gelassen zu trauern.

Anders lagen die Dinge bei Samantha. Agent Morrissey hatte Laurie zwei Tage vor ihrem Umzug nach Phoenix mitgeteilt, dass man Sam um ein Haar gefunden hätte. Die Ermittler hatten Lesters Kreditkarte überwacht, mit der er ein einziges Mal in Columbus, Ohio, eine größere Menge Bargeld abgehoben hatte. Man hatte noch versucht, ihn zu finden, aber es war nicht gelungen. Auf den Überwachungsaufnahmen vom Geldautomaten war im Hintergrund Sam zu sehen gewesen, aber danach verliefen alle Spuren im Sande. In diesem Moment hatte Laurie kurz überlegt, den ganzen Umzug abzublasen und in Baltimore zu bleiben – zu Hause, wo Sam sie finden könnte. Doch der FBI-Agent hatte ihr versprochen, ihre Schwester so lange zu suchen, bis er sie gefunden hatte und sie dann sicher zu Laurie zu bringen – egal wo das sein würde. Daraufhin hatte Lauries Entscheidung festgestanden: Sie würde den Umzug nach Phoenix durchziehen.

Das war jetzt fast zwei Wochen her und bislang gab es keine neue Spur von Sam. Tatsächlich quälte sie das inzwischen weitaus mehr als der Gedanke an Liams Tod, denn daran konnte sie nichts mehr ändern. Liam war beerdigt und nicht mehr da. Sam und ihr Entführer David Lester waren jedoch irgendwo auf der Flucht. Es war für Laurie fast nicht zu ertragen, sich das vorzustellen. Lester hatte Sam schon elf Jahre ihres Lebens geraubt und obwohl sie ihn fast geschnappt hatten, war es ihm gelungen, mit Sam zu verschwinden.

Das war so falsch. Das durfte einfach nicht sein. Das FBI ermittelte unter Hochdruck, sie hatten zahlreiche Hinweise auf Sam und Lester erhalten, nachdem man Fotos der beiden in mehreren Bundesstaaten im Fernsehen gezeigt hatte. Von Sam war es nur ein unscharfes Standbild aus dem Jahre alten Video, aber das von Lester war besser.

Trotzdem half das überhaupt nicht. Sie hatten bis jetzt keine Ahnung, wohin Lester mit Sam verschwunden war und wo sie sich nun aufhielten. Der bloße Gedanke daran, dass vielleicht eine wertvolle Chance unwiederbringlich vertan war, schnürte Laurie die Luft ab. Das durfte nicht sein, ihre Schwester musste endlich wieder freikommen.

Morrissey hatte sie zuletzt am Freitag nach der Arbeit angerufen und sie über den aktuellen Stand in Sams Fall informiert. Sie waren immer noch damit beschäftigt, Hinweise auszuwerten und es kamen immer noch neue rein. Er hatte ihr gesagt, dass sie die Hoffnung nicht aufgeben sollte. Laurie hätte am liebsten geschrien, denn sie wusste nur zu gut, wie quälend Hoffnung sein konnte. Wenigstens war Jake ihr eine große Stütze und hatte immer ein offenes Ohr für sie.

Tatsächlich war er der Hauptgrund dafür, dass sie es nicht bereute, nun in der Wüste Arizonas zwischen unzähligen Umzugskartons zu sitzen. Das Phoenix Police Department hatte sie freundlich willkommen geheißen, die Kollegen waren sympathisch und das Arbeitsumfeld sehr angenehm. Aber das Beste für Laurie war, endlich wieder mit Jake zusammen arbeiten zu können – bei der Polizei. Nun wollte sie erst einmal in Ruhe ankommen und sich an alles gewöhnen, denn es gab genug, das ihr den Start erschweren wollte.

Vor dem Abflug hatte sie versucht, ihre Mutter anzurufen, um ihr mitzuteilen, dass sie Baltimore verließ – jedoch vergebens. Laurie hatte ihr schließlich auf die Mailbox gesprochen und zusätzlich noch eine Mail geschrieben. Eine Antwort hatte sie bis heute nicht.

Auch das bestätigte sie darin, dass es richtig gewesen war wegzugehen. Ihr altes Leben wollte sie gar nicht festhalten, aber ein neues eröffnete ihr vielleicht ganz neue Möglichkeiten.

Mittwoch, 10. Juli

Die Temperaturanzeige in Lauries Auto zeigte schon morgens um kurz nach acht dreißig Grad. Das war etwas, woran sie sich wirklich noch gewöhnen musste. Nicht einmal nachts kühlte es wirklich ab. Die Klimaanlage in ihrem Auto lief auf Hochtouren, während sie die wenigen Meilen bis zum Police Department hinter sich brachte. Sie freute sich jetzt schon wieder auf das unerträglich heiße Auto, wenn sie Feierabend machte, denn der Parkplatz neben dem Department war den ganzen Tag der Sonne ausgesetzt. Das Department selbst war aus naheliegenden Gründen ein schmuckloser Betonklotz fast ohne jegliche Fenster, was zuerst befremdlich auf Laurie gewirkt hatte, aber sie hatte sich schnell daran gewöhnt.

Sie beeilte sich, in das Gebäude zu kommen, um der Hitze zu entfliehen. Auf dem Flur vor ihrem Büro herrschte schon Hochbetrieb, was eher ungewöhnlich für die Uhrzeit war. Ihre Kollegen standen fast alle zusammen, alle wirkten angespannt. Jake schien auch gerade erst eingetroffen zu sein, er trug noch seinen Rucksack über einer Schulter und gab Laurie einen Wink, als er sie bemerkte.

»Was ist los?«, raunte sie ihm leise zu.

Doch noch bevor er antworten konnte, erhob ihre Vorgesetzte, Captain Maryann Walters, die Stimme und beraumte ein Meeting für neun Uhr an. Jake gab Laurie mit einer Kopfbewegung zu verstehen, dass sie ihm folgen sollte und beide gingen zu ihren Schreibtischen.

»Am Lake Pleasant wurden gestern Abend Leichenteile gefunden«, berichtete Jake, während er seinen Rucksack abstellte. »Die Spurensicherung ist wohl immer noch draußen. Sie haben bis jetzt die Knochen von mindestens sechs Menschen entdeckt.«

Ungläubig sah Laurie ihn an. »Und das wissen die schon?«

»Ja … Ein Wanderer wollte abseits der Wege und Campingplätze in den Hügeln übernachten und hat dort Teile von menschlichen Skeletten gefunden. Die Leichenspürhunde haben dann noch im Dunkeln weitere Leichenteile gefunden.«

»Oh. Das kommt hier wohl auch nicht so oft vor, was?«

»Vermutlich nicht. Auf jeden Fall soll jetzt eine Taskforce gebildet werden, deshalb gleich das Meeting.«

»Das sollten wir uns anhören.«

»Unbedingt. Das könnte eine tolle Chance für uns sein.«

»Der Captain weiß ja auch, dass wir viele Kenntnisse mitbringen«, sagte Laurie.

Captain Walters war eine erfahrene Polizistin Anfang fünfzig, die seit einer Zeit dabei war, in der Frauen es noch schwerer bei der Polizei gehabt hatten. Dementsprechend hatte sie genug Haare auf den Zähnen, um sich durchzubeißen, aber sie verfügte auch über genügend Kompetenz. Laurie schätzte ihre Vorgesetzte sehr.

»Mal was ganz anderes: Was machst du am Wochenende?«, erkundigte Jake sich.

»Ich habe noch nichts vor. Auspacken höchstens.«

»Sollen wir am Samstag was gemeinsam unternehmen?«

»Gern«, sagte Laurie, die es nicht wagte, in diesem Moment zu Jake zu blicken. Sie hatte das Gefühl, er hätte ihr sofort angesehen, wie sie empfand.

»Du weißt, dass du dich immer melden kannst, wenn du mal Gesellschaft brauchst«, schob Jake hinterher.

Nun schenkte Laurie ihm ein Lächeln. »Ich weiß. Danke.«

Es blieb nicht mehr viel Zeit bis neun Uhr und Jake und Laurie beschlossen, pünktlich im Besprechungsraum zu sein. Sie waren mit als Erstes dort, aber Captain Walters traf Augenblicke später schon ein und kümmerte sich um den Projektor. Laurie und Jake hatten sich vorn an den Rand gesetzt und warteten gespannt.

Pünktlich um neun stand Captain Walters auf und begrüßte alle Anwesenden. Inzwischen war der Raum gut gefüllt.

»Guten Morgen, werte Kollegen. Wie Ihnen schon zu Ohren gekommen ist, wartet Arbeit auf uns.« Sie drückte einen Knopf auf der Fernbedienung und der Projektor warf das Bild einer Karte des Lake Pleasant an die Wand. Ein roter Kreis markierte einen der nördlichsten Ausläufer des Sees.

»Gestern Abend rief ein Wanderer die Polizei, als er dort oben am See campen wollte und auf menschliche Knochen stieß. Es ist ein unwegsames Gebiet, Sie sehen, dass der nächste Weg nur bis etwa eine halbe Meile vor den Fundort reicht. Das erschwert uns natürlich gerade die Bergung der Knochen. Dem Coroner war schnell klar, dass es Teile verschiedener Skelette sind und bisher können wir anhand der gefundenen Oberschenkelknochen sicher sagen, dass es sich um mindestens sechs verschiedene Personen handeln muss. Die Knochen waren in einem größeren Umkreis in den Hügeln und am Seeufer versteckt.«

Captain Walters begann, Fotos zu zeigen. Viele waren bei Scheinwerferlicht aufgenommen, aber die ersten Bilder zeigten das nur schlecht zugängliche Areal in den Hügeln rund um den Lake Pleasant. Die Gegend war überraschend grün, dort wuchsen zahlreiche riesige Saguaro-Kakteen und robuste kleine Sträucher, die ein wenig über den staubigen Untergrund hinwegtäuschten. Mit Zahlen markierte Knochen lagen noch an Ort und Stelle zwischen den Pflanzen in einem weiträumigen Areal. Auf einem der Bilder war ein Torsoskelett zu erkennen, unter einem Strauch und halb in der Erde lag noch ein weitgehend intaktes Skelett, wovon Laurie auf Anhieb Rippenbögen und Wirbelsäule erkannte. Ein anderes Foto zeigte die Nahaufnahme eines Schädels, auf weiteren waren verschiedene andere Leichenteile zu sehen. Manchmal waren es nur Knochen, manchmal waren die Körperteile aber auch mumifiziert. Laurie wusste, warum: In der Wüste war es so heiß, dass die Leichen anstatt zu verwesen austrockneten und mumifizierten. Auf einem der Fotos lagen zahlreiche Oberschenkelknochen nebeneinander aufgereiht, insgesamt zehn Stück.

»Wir haben jetzt verdammt viel zu tun«, fuhr Captain Walters fort. »Die Kollegen sind immer noch mit den Spürhunden da draußen, um das Areal abzusuchen. Wie Sie vielleicht auf den Fotos gesehen haben, waren die Leichen wohl ursprünglich verscharrt. Aber der forensische Anthropologe sagte heute Nacht noch, dass zahlreiche Knochen Spuren aufweisen, die darauf hindeuten, dass Kojoten die Leichen ausgegraben und daran gefressen haben.«

»Lecker«, murmelte Jake leise neben Laurie und räusperte sich. Laurie biss sich auf die Lippen und hielt die Luft an, um nicht laut zu lachen. Eigentlich war das nicht komisch, aber sein Tonfall …

»Wir werden eine Taskforce bilden«, sagte Walters, die nichts von Jakes deplatziertem Kommentar mitbekommen hatte. »Die Forensiker sind jetzt mit den Knochen beschäftigt und versuchen, die einzelnen Körperteile unbekannter Herkunft zuzuordnen. Der Anthropologe wird uns sagen, ob wir es mit Männern oder Frauen zu tun haben, wie alt die Personen wohl waren und er kann uns hoffentlich auch etwas über die Todesursache verraten. Darüber hinaus versuchen wir, über den Zahnstatus oder eine DNA-Analyse die Identität der Toten herauszufinden. Das dauert alles, dabei können wir nur bedingt helfen. Was wir aber tun können: Wir sollten die dauerhaften Vermisstenmeldungen aus einem Umkreis von etwa hundert Meilen sichten und nach Alter und Geschlecht kategorisieren. Dann können wir versuchen die Ergebnisse des Anthropologen zuzuordnen. Ihre Aufgabe wird es sein, die Angehörigen zu kontaktieren und die zahnärztlichen Unterlagen und DNA-Vergleichsproben zu besorgen. Außerdem sollten wir eine Pressekonferenz vorbereiten, um bekanntzugeben, was hier los ist. Das wird langwierig und mühsam, aber wenn wir nicht wissen, wer die Opfer sind, werden wir nie wissen, wie sie dort hingekommen sind.«

Laurie hob die Hand und Captain Walters nickte ihr zu. »Gibt es denn schon irgendwelche Hinweise auf die Todesursache?«

»Bis jetzt sind es nur Vermutungen, aber in einem Fall nimmt er an, dass die Person geköpft wurde. Bei einer anderen Leiche konnte er Spuren eines Messers an den Rippenbögen feststellen, die auf Erstechen hindeuten. Die Vorgehensweise ist also nicht unbedingt gleich. Er schätzt, dass manche Leichen dort schon fünf Jahre oder länger liegen, deshalb sollten wir die dauerhaften Vermisstenmeldungen der letzten fünf bis acht Jahre sichten.«

»Aber Sie gehen davon aus, dass es sich um denselben Täter handelt?«, präzisierte Laurie ihre Frage.

Captain Walters nickte. »Bislang gehen wir davon aus, ja. Also, wer wird Mitglied der Taskforce?«

Laurie und Jake zögerten nicht lang und hoben die Hand, so wie einige andere Kollegen. Walters schrieb alle Namen an ein Whiteboard und behielt einige Kollegen in der Reserve. Als der Raum sich etwas geleert hatte, ging sie auf Laurie und Jake zu.

»Finde ich gut, dass Sie mit von der Partie sind. Hier können Sie sich bestimmt prima einbringen.«

»Wir freuen uns darauf«, sagte Jake. Walters wusste, dass sie schon in allerhand kniffligen Mord- und sogar Serienmordfällen erfolgreich ermittelt hatten und zweifelte deshalb nicht an ihnen.

Schließlich waren sie zu sechst und Walters schlug vor, dass sie zuerst alle an den Fundort fuhren, um sich ein Bild von den Gegebenheiten zu machen. Laurie fand die Idee gut, auch wenn sie nicht darauf brannte, nach draußen zu kommen.

»Und nehmen Sie genügend Wasser mit«, mahnte Walters, bevor sie zur Tür ging.

»Wusste gar nicht, wie fürsorglich unser Captain ist.« Jake grinste.

»Die Wüste hier hat es aber auch in sich«, sagte Laurie.

»Allerdings, aber ich mag das.«

»Ich muss mich noch daran gewöhnen.«

»Solange du es nicht bereust.«

Laurie warf ihm einen eindringlichen Blick zu und schüttelte den Kopf. »Es ist nur noch fremd.«

»Klar, für mich auch. Aber ich bin froh, dass wir hier sind.«

Das war Laurie auch, obwohl sie beim Verlassen des Departments das Gefühl hatte, die Hitze schlage ihr ins Gesicht. Es war, als würde sie in eine Mauer laufen.

Der Captain hatte einen Mannschaftsbus für sie besorgt, in den sie bequem hineinpassten. Einer der Kollegen erklärte sich bereit, zu fahren und machte sich auf den Weg zur Interstate 17.

»Freut mich, dass ich Sie beide schon für diese Ermittlung gewinnen konnte«, sagte Walters vom Beifahrersitz aus. Dabei drehte sie sich zu Laurie und Jake um und sah sie freundlich an.

»Selbstverständlich. Da können Detective Walsh und ich uns doch gerade am besten nützlich machen.«

»Dieser Ansicht bin ich auch, obwohl ich natürlich hoffe, dass wir es hier mit niemandem vom Format der Baltimore Slayers zu tun haben. Irre Triebtäter sorgen immer für schlechte Presse, deshalb hoffe ich, das hier ist eine Nummer kleiner.«

»Ich freue mich, dass wir hier schon dabei sein können«, sagte Laurie schließlich.

»Nun, ich habe Sie nicht den weiten Weg aus Baltimore kommen lassen, um Sie nun hier am Schreibtisch verstauben zu lassen. Wir können sicherlich von Ihrer Erfahrung profitieren.«

Das hoffte Laurie. Sie brannte geradezu darauf, sich nützlich machen und beweisen zu können.

Die Fahrt quer durch Phoenix nahm eine halbe Stunde in Anspruch. Obwohl die Aussicht nicht besonders reizvoll war, versuchte Laurie, so viel wie möglich in sich aufzusaugen. Bislang kannte sie sich in Downtown einigermaßen aus, aber dann hörte es auch schon auf. Das war auf Dauer kein Zustand.

Mitten in der sonnenverbrannten Pampa nördlich der Metropole verließen sie den Freeway und fuhren nach Westen. Der Highway schnitt sich mitten durch ein staubiges Nichts von Hügeln, ausgedörrten Pflanzen und Überlandleitungen. Aus Maryland kannte Laurie es nicht, dass sie so weit über Land fahren konnte, ohne einer Siedlung zu begegnen.