Profit mit Rohstoffen - Werner Ullmann - E-Book

Profit mit Rohstoffen E-Book

Werner Ullmann

0,0
29,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Während sich die Aktienmärkte Ende der 90er Jahre im Zuge der größten Spekulationsblase aller Zeiten ihrem Höhepunkt näherten, begann ohne Kenntnisnahme der Öffentlichkeit der Bullenmarkt bei den Rohstoffen, der in den nächsten Jahren genauso ein Gesprächsthema sein wird, wie es die Aktien der "New Economy" gegen Ende der letzten Dekade waren...Ullmann und Heim analysieren in diesem Buch, warum man mit konventionellen Anlageklassen kaum Geld verdienen wird und weshalb man in "Hard Assets" investieren sollte. Die Autoren zeigen dem Leser das Spektrum, das an Anlagemöglichkeiten zur Verfügung steht und geben konkrete Empfehlungen, wie man am besten in Rohstoffe investieren kann und wann und wo man sich engagieren soll.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 634

Veröffentlichungsjahr: 2013

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Werner Ullmann | Peter Heim

Profit mit Rohstoffen

Wie jeder am Rohstoffboom teilhaben kann

Werner Ullmann | Peter Heim

Profit mit Rohstoffen

Wie jeder am Rohstoffboom teilhaben kann

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen:

[email protected]

[email protected]

2. Auflage 2013

© 2006 by Finanzbuch Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Nymphenburger Straße 86

D-80636 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Lektorat: Dr. Renate Oettinger

Gesamtbearbeitung: UnderConstruction München

Umschlaggestaltung: Judith Wittmann

Druck: Books on Demand GmbH, Norderstedt

ISBN Print 978-3-89879-784-9

ISBN E-Book (PDF) 978-3-86248-408-9

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-86248-834-6

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.finanzbuchverlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unterwww.muenchner-verlagsgruppe.de

eBook by ePubMATIC.com

Inhalt

Widmung

Unseren Eltern

Danksagung der Autoren

Danksagung von Werner Ullmann

Danksagung von Peter Heim

Einleitung

Buch I

Welche historischen Erkenntnisse für Rohstoffe sprechen

Langfristige Zyklen und Rohstoffe

Rohstoffe – ein langfristiger Trend?

Buch II

Warum man Rohstoffe kaufen sollte – die Schlüsselfaktoren der Rohstoff-Hausse

Die großzügige Geldversorgung durch die Notenbanken

Der Einfluss Asiens auf die Rohstoffmärkte

Das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage

Edelmetalle

Industrierohstoffe

Energie

Agrarrohstoffe

Buch III

Wie man als Anleger vom Rohstofftrend profitieren kann

Anlegen in Rohstoffe

Rohstoffe

Futures

Indizes

Zertifikate

Fonds

Aktien

Schlussbetrachtung

Widmung

Unseren Eltern

Danksagung der Autoren

Dieses Buch wäre ohne die Unterstützung zahlreicher Personen nicht zustande gekommen. Aus diesem Grund möchten wir allen, die in irgendeiner Weise zum Gelingen beigetragen haben, unseren Dank aussprechen.

Besonderer Dank bei der Arbeit an diesem Buch gilt Thomas Eckhardt, der für die Abbildungen in diesem Buch verantwortlich zeichnet und eine unschätzbare Hilfe bei der einheitlichen und professionellen Gestaltung aller Grafiken war. Wir danken auch der Lektorin Frau Dr. Renate Oettinger für ihre ausgezeichnete Arbeit und dem Herausgeber dieses Buches, Herrn Christian Jund, der die Idee zu diesem Buch hatte.

Danksagung von Werner Ullmann

Mein Dank gilt in erster Linie meinen Eltern für ihre permanente Unterstützung und den guten Rat, den sie mir immer gaben. Ich danke auch meinen Geschwistern Evi, Silvie und Wolfi, meiner Freundin Andrea sowie meinen Freunden und Verwandten für die Wegbegleitung bis hierher und – so der Herr Jesus Christus will – noch lange darüber hinaus. Ein Dankeschön geht auch an Peter Heim für seine erstklassige Unterstützung beim Schreiben dieses Buches sowie die darüber hinausgehende Zusammenarbeit.

Danksagung von Peter Heim

Meinen Eltern Rolf und Klara Heim, die mich in all den Jahren unterstützt und mir Rückhalt gegeben haben, möchte ich herzlich danken. Besonders verpflichtet bin ich meinem Vater für eifriges Korrekturlesen und konstruktive Verbesserungsvorschläge – und dafür, dass er immer für mich da ist und an mich glaubt. Ramona Weiß, die mich seit sieben Jahren auf meinem Lebensweg begleitet, danke ich für ihre Geduld und ihr Verständnis, für viele kleine und große Hilfeleistungen und besonders dafür, dass sie immer für mich da ist. Werner Ullmann, der es mir ermöglicht hat, mit ihm dieses Buch zu schreiben, und der mir nicht nur ein sehr geschätzter Kollege, sondern auch ein guter Freund geworden ist, gilt ein Dankeschön, ebenso meinen Freunden, Verwandten und Studienkollegen für ihre Unterstützung über all die Jahre.

Einleitung

Ihre letzten Höchststände hatten Rohstoffe und damit auch die Edelmetalle inklusive Gold um das Jahr 1980 markiert. Dann sank mit den rückläufigen Preisen dieser »handfesten« Anlagekategorie das Interesse der Investoren an Rohstoffen allgemein. Die Begründung dafür ist recht einfach: Bei rückläufigen Preisen für Edel- und Basismetalle, aber auch für so genannte Soft-Commodities wie Getreide, Zucker, Kaffee oder Orangensaft, bewegt sich das Gewinnmomentum in diesen Segmenten für Investments in Rohstoffe und in deren Produzenten in ein negatives Terrain.

Seit dem Jahr 2000 jedoch verzeichnete der inflationsbereinigte Rohstoffindex CRB nach einem Tiefpunkt, der zuletzt im Jahr 1932 zu beobachten war, eine signifikante Trendwende. Der historischen Erfahrung nach ist davon auszugehen, dass der noch junge Trend ansteigender Rohstoffpreise mindestens zehn, möglicherweise sogar 25 Jahre andauern wird. Dabei ist davon auszugehen, dass aufgrund der tendenziell sich Jahr für Jahr – wenn auch moderat – erschöpfenden Vorräte im Verhältnis zur wiederum tendenziell steigenden Nachfrage das besagte Tief wohl kaum jemals mehr erreicht werden dürfte.

Die Preisentwicklung bei Rohstoffen ist auf breiter Basis von einem einheitlichen Trend gekennzeichnet. Zwar werden sich nicht alle Rohstoffpreise parallel entwickeln, doch die Tendenz der wichtigsten Rohstoffe wird die gleiche sein. Einer der wichtigsten Rohstoffinidizes weltweit ist der CRB (Commodity Research Bureau). In diesem wird, jeweils gleichgewichtet, die Preisentwicklung der unterschiedlichsten Rohstoffe in US-Dollar dargestellt: von Gold, Silber, Kupfer, Platin, Erdöl, Erdgas, bleifreiem Treibstoff, Mais, Weizen, Sojabohnen, Baumwolle, Kaffee, Kakao, Zucker, Orangensaft, Weidevieh und Schweinehälften. Obwohl diese 17 verschiedenen Rohstoffe bei weitem nicht das gesamte Rohstoffuniversum darstellen, kann an ihnen die Tendenz des Gesamtmarktes eindeutig abgelesen werden.

Rohstoffinvestments sind heutzutage alles andere als en vogue. Eine ganze Generation von Investoren und Spekulanten sind eher – und noch immer – mit Vokabeln wie Neuer Markt, Wachstumsunternehmen, High Tech oder Burn Rate vertraut als mit Reserven oder Ressourcen, Exploration, Schürfrechten, Kaffeeplantagen und Platinminen. Aber gerade der Umstand, dass eine gesamte Anlagekategorie aus dem Investmenthorizont und dem Wortschatz verschwunden ist, stellt einen gesunden und tragfähigen Boden für eine stabile und nachhaltige Aufwärtsbewegung dar. Das noch vor wenigen Jahren vielgepriesene »Neue Zeitalter« in der Ökonomie des 21. Jahrhunderts ist zwar bereits zu Ende gegangen. Dennoch stehen wir vor einem Paradigmenwechsel – nicht hin zu Technologie- und Wachstumswerten, sondern zur Wiederentdeckung der Rohstoffe als Anlageklasse.

Diese Entwicklung wird gravierende Konsequenzen für den gesamten Kapitalmarkt haben. Deshalb stellt sich gerade für den Privatanleger die Frage, wie daraus Profit gezogen werden kann. Auf diese Frage will das vorliegende Buch eine Antwort geben.

In Teil I wird dargelegt, welche historischen Erkenntnisse für Rohstoffe sprechen und warum es nicht nur sinnvoll, sondern aus Risikogesichtspunkten dringend ratsam erscheint, in »Hard Assets«, also physische Vermögensgegenstände, zu investieren beziehungsweise das Portfolio zu diversifizieren. In Teil II untersuchen wir die Schlüsselfaktoren für die kommende beziehungsweise bereits angebrochene Rohstoff-Hausse. Zudem skizzieren wir das derzeitige Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage an den jeweiligen Rohstoffmärkten.

In Teil III gehen wir der Frage nach, auf welche Weise und mit welchen konkreten Anlageformen der private, aber auch der institutionelle Anleger am sinnvollsten von den weiter zu erwartenden Preisanstiegen bei Rohstoffen profitieren kann und welche grundlegenden Kriterien dabei nicht außer Acht gelassen werden sollten. Gerade weil es sich bei Rohstoffanlagen um eine stark vernachlässigte Investitionsform handelt und gute Produkte in diesem Sektor häufig Mangelware sind, ist die Auswahl besonders schwierig. Im Bereich Rohstoffe muss immer beachtet werden, dass es sich dabei um einen Markt handelt, der über eine durchaus volatile Struktur verfügt; die Schwankungsbreite der Kurse ist meist größer als in anderen Anlageformen. Aber gerade diese Eigenschaft erlaubt es, positive Effekte auf die Rendite und das Gesamtrisiko eines Portfolios zu erzielen, indem dem Depot verschiedene Rohstoffanlagen beigemischt werden.

Rohstoffmärkte haben ihren eigenen Reiz. Besonders der Explorationssektor bietet sehr große Renditechancen – allerdings mit erheblichen Risiken. Der Explorationssektor ist die Ausgangsbasis für die Edelmetall- und Industriemetallindustrie: Hier werden die Erzkörper erst entdeckt und meist auch gleich zur Förderung vorbereitet. Auch diesen sehr interessanten Markt möchten wir transparent machen.

Auf breiter Basis wollen wir den Rohstoffsektor mit seinen vielen Facetten beleuchten, Ihnen einen Überblick verschaffen und aus Anlegersicht die interessantesten Produkte und Vorgehensweisen bei der Auswahl geeigneter Rohstoffinvestments aufzeigen. Wir wünschen Ihnen spannende Unterhaltung – und möglichst viele neue Erkenntnisse!

Werner Ullmann und Peter Heim

Buch I

Welche historischen Erkenntnisse für Rohstoffe sprechen

Langfristige Zyklen und Rohstoffe

Erinnern Sie sich noch daran, als die amerikanische Technologiebörse Nasdaq zu Beginn des Millenniums bei 5.000 Punkten und ihr deutsches Pendant, der NEMAX 50 (»Neuer Markt«), bei über 9.500 Punkten notierte? Zu diesem Zeitpunkt begriffen die wenigsten Akteure auf den Finanzmärkten, dass die Party bald vorbei sein würde. Gegen Ende der letzten Dekade glaubten nämlich einige Politiker und Journalisten, aber auch so mancher Wirtschaftswissenschaftler, dass Wirtschaftzyklen, insbesondere der amerikanische Zyklus, der Vergangenheit angehören und sich die US-Wirtschaft auf einem ewigen Kurs der Expansion befinden würde. Argumentiert wurde mit einer Revolution im Bereich der »New Economy« beziehungsweise des TMT (Technologie, Medien, Telekommunikation)-Sektors, der die Wirtschaft auf einen prosperierenden Pfad kontinuierlichen Wachstums schicken würde. Gleichzeitig befanden sich nach Meinung vieler Auguren die Zentralbanken der Welt unter Führung der amerikanischen Federal Reserve Bank (Fed) in einer Position, in der sie dieses Wachstum mit einer nicht inflationären Politik begleiten – besser gesagt: leiten – konnten.

Die Marktteilnehmer lernten jedoch auf schmerzhafte Art und Weise, dass man Zyklen nicht ausschalten kann und die Bäume – beziehungsweise die Aktienkurse – nicht in den Himmel wachsen. Der Nasdaq notiert heute bei etwa 2.000 Punkten. Das ist ein Verlust von 60 Prozent innerhalb von vier Jahren – wobei sich der Index zwischenzeitlich auch schon ein Viertel unter dem Gipfelpunkt befand. Ganz zu schweigen vom NEMAX 50, der ungeachtet seiner jüngsten Erholung von seinem Hoch aus mehr als 90 Prozent an Wert verloren hat.

Heute wissen wir wieder, dass Konjunkturzyklen, Wirtschaftsabschwünge und auch Bärenmärkte existieren. Jedoch ist Folgendes erstaunlich: Obwohl die Baissen, wie die Deflation in Japan zu Beginn der 90er-Jahre oder die Asien-Krise Ende der 90er-Jahre, noch gar nicht so weit zurückliegen, ist der Großteil der Anleger der Meinung, dass solche Krisen auf den westlichen Finanzmärkten nicht möglich seien. Dagegen vertritt die überwiegende Mehrheit dieser »Experten« die Auffassung, dass nach den Tiefs in den Jahren 2002/2003 die Aktienmärkte weiterhin günstig bewertet und für die nächsten Jahre die beste Form der Kapitalanlage sei. Sollte es, so ihre Meinung, dennoch zu Unterbrechungen auf dem durch gemäßigte Inflation gekennzeichneten Aufwärtstrend kommen, dann werden diese moderat ausfallen und von kurzer Dauer sein.

Unsere Meinung ist konträr zu diesem Konsens: Wir vertreten die Ansicht, dass sich die westlichen Aktienmärkte, aber auch die Anleihenund die Immobilienmärkte, in oder kurz vor einer strukturellen Baisse befinden. Ferner sind wir überzeugt, dass die konventionelle Anlagepolitik, sprich die Buy-and-Hold-Strategie, in einem breit diversifizierten Portfolio aus diesen Anlageklassen künftig enttäuschen wird.

Wenn Sie allerdings die fünf Prozent der Aktien finden, die gegen den Trend steigen, oder opportunistisch handeln können – das heißt; wenn Sie ein guter Trader sind –, dann werden Sie auch in diesem Umfeld Geld verdienen können. Denn innerhalb des übergeordneten Bärenmarktes wird es Rallys geben, die Wertsteigerungen von 20 bis 50 Prozent und mehr mit sich bringen werden.

Auch ist es möglich, dass innerhalb dieser Märkte einzelne Titel oder Branchen über bestimmte Zeiträume gut performen werden, wie es beispielsweise bei den deutschen Nebenwerten in den zurückliegenden beiden Jahren der Fall war. So erreichte der MDAX 2004 ein neues Allzeithoch, wohingegen der DAX immer noch etwa 50 Prozent unter den im Jahr 2000 verzeichneten Höchstständen notiert.

Doch uns geht es um die langfristigen Trends bei den Anlageklassen Aktien, Anleihen, Währungen, Immobilien und Rohstoffen. Wir möchten Ihnen in den beiden nächsten Kapiteln nicht nur zeigen, welche historischen Erkenntnisse für Rohstoffe sprechen, sondern wir wollen auch darlegen, dass die Annahme, Investments in den anderen Anlageklassen würden in den nächsten Jahren sehr erfolgreich performen, falsch ist.

Gibt es langfristige Zyklen?

In den heutigen, durch eine Mischung aus keynsianischem und monetaristischem Gedankengut geprägten Wirtschaftswissenschaften gibt es für die Existenz langfristiger Zyklen kaum eine Daseinsberechtigung. Kurz- und mittelfristige Zyklen werden von den Wirtschaftswissenschaftlern gerade noch anerkannt, doch die Existenz langfristiger Zyklen wird oftmals bestritten oder ins Reich der Phantasie verbannt.

Diese verwundert kaum, denn was ist nach einer über zwei Dekaden dauernden wirtschaftlichen Expansion abwegiger als Zyklen? Das war übrigens schon während der letzten wirtschaftlichen Blütephase in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts so: In den durch Wohlstand gekennzeichneten »Roaring Twenties« interessierten Zyklen genauso wenig wie heute. Doch Sie wissen, was auf die Goldenen 20er folgte? Richtig, der Börsen-Crash und die Weltwirtschaftskrise.

Erst während der anschließenden Depression in den 30ern wurden Wirtschaftszyklen wieder ein Thema. Wenn Wirtschaft und Finanzmärkte nicht geradlinig nach oben laufen, sondern Schwankungen unterworfen sind, wie in den 40er- und 50er-Jahren des 19. Jahrhunderts oder während der Periode von 1966 bis 1982, dann werden Zyklustheorien wieder interessant. Für Anhänger dieser Wellentheorien und für die Wirtschaftswissenschaftler der Österreichischen Schule der Nationalökonomie gibt es hingegen keinen Zweifel an der Existenz von Wirtschaftszyklen und den damit verbundenen Perioden wirtschaftlicher Auf- und Abschwünge.

Die Theorie der Zyklen ist deshalb von so herausragender Bedeutung, weil sie ein hilfreiches Instrument für die Prognose wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklungen, aber auch für das Erkennen von Spekulationsphasen darstellt. Daher wollen wir zunächst einen Blick zurück in die Historie werfen und versuchen, anhand bestimmter, in der Vergangenheit aufgetretener Merkmale oder Muster herauszufinden, an welchem Punkt welchen Zyklus’ wir uns derzeit befinden, um auf dieser Grundlage eine Prognose für die künftige Entwicklung abzugeben. Es ist dabei jedoch zu berücksichtigen, dass der langfristige Zyklus höchst komplex ist und keine exakte Periodizität aufweist. Mit anderen Worten: Die Geschichte wiederholt sich zwar nicht, aber sie reimt sich.

Im Jahr 1947 veröffentlichten Edward R. Dewey und Edwin F. Dakin ihr Buch »Cycles – The Science of Prediction«, in dem sie einen 54-Jahres-Index für amerikanische Großhandelspreise von 1790 bis 1945 zeigen und eine Prognose über die künftige Entwicklung abgeben.

Dewey und Dakin bezeichnen diesen Zyklus als »Rhythmus« und beschreiben ihn in ihrem Werk wie folgt:

»It is a rhythm that is shown statistically, and most clearly, in wholesale price swings. Interestingly enough, there has been in modern times no pronounced long-time trend in commodity prices – contrary to general belief. The United States, for instance, is old enough as now organized to have experienced three of these 54-year rhythms; during each one, average commodity prices began at a low level, moved (with interruptions) up to a peak, and moved down again (with interruptions) to approximately the level they had sprung from.«

Edward R. Dewey und Edwin F. Dakin, Cycles – The Science of Prediction, 1947

Abbildung 1 zeigt die durchschnittlichen Preise von 1790 bis 1945 und den idealen 54-Jahres-Zyklus in gestrichelten Linien. Auch Abbildung 2 zeigt die durchschnittlichen Großhandelspreise, allerdings wurden hier die Preisbewegungen, die zu Kriegszeiten verzeichnet wurden, weggelassen. Wie zu erkennen ist, fanden alle kriegerischen Auseinandersetzungen (dies sind die Lücken in der Abbildung) im Umfeld einer ansteigenden Welle statt. Auf diesen Umstand werden wir an späterer Stelle näher eingehen.

Der von Dewey und Dakin dokumentierte 54-Jahres-Zyklus ist im Übrigen nicht nur bei den Großhandelspreisen zu beobachten. In der siebenbändigen Studie »A History of Agriculture and Prices in England« von J.E.T. Rogers lässt sich ein Zyklus der Weizenpreise bis ins 13. Jahrhundert erkennen, der eine durchschnittliche Länge aufweist, die ebenfalls rund 54 Jahre beträgt.

Interessant an diesem Zyklus ist der ausgeprägte Gleichlauf mit den Bewegungen der Rohstoffpreise (siehe Tabelle 1). Der dritte Hochpunkt der Großhandelspreise wurde im Jahr 1920 verzeichnet. Im selben Jahr erreichten auch die Rohstoffpreise ihren Hochpunkt. Das nächste Hoch wurde von Dewey und Dakin für das Jahr 1979 prognostiziert – und nur ein Jahr später erreichten die Rohstoffe tatsächlich ihren Gipfel. Das nächste Tief wird für das Jahr 2006 erwartet und darauf folgend ein neues Hoch im Jahr 2033. Unter Berücksichtigung der hohen Korrelation zwischen den Großhandelspreisen und den Rohstoffpreisen würde dies auf lange Sicht auch ein sehr positives Szenario für die Entwicklung der Rohstoffpreise bedeuten.

Die Theorie der langen Wellen

Auch der russische Wissenschaftler Nikolai D. Kondratieff untersuchte in der 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts langfristige Zyklen, unter anderem in den Bereichen Zinsen, Rohstoffpreise, Produktion, Kohleverbrauch, Löhne und Goldproduktion. Dabei kam er zu folgender Erkenntnis:

»Thus the objections to the regular, cyclical character of the long waves in economic conditions strike me unconvincing, Taking this into account, and also considering the positive arguments developed above, I arrive at the following conclusion:

On the basis of the avialable data, it may be assumed that the existence of long cycles in economic conditions is very probable.

At the same time, of what has been set forth above, it seems to me that I am entitled to say that if the long cycles exist, they consitutte a very important substantial fact of economic dynamics – a fact reflected in all major areas of socioeconomic life…«

Nikolai Kondratieff, The Long Wave Cycle, 1925 (Richardson & Snyder, 1984)

Die Trendbewegungen, die Kondratieff untersuchte, wiesen jedoch im Gegensatz zum 54-Jahres-Zyklus keine exakte Periodizität auf. Bei der Auswertung der statistischen Daten beobachtete er, dass sich die Wirtschaft in langfristigen, 48 bis 60 Jahren dauernden Zyklen entwickelt. Die wichtigsten Ergebnisse wurden 1925 in seiner Abhandlung mit dem Titel »Long Economic Cycles« veröffentlicht.

Bei der Untersuchung der Löhne (siehe Abbildung 3) entdeckte Kondratieff einen steigenden Trend von 1790 bis zu den Hochpunkten zwischen 1805 und 1817 (die tatsächliche Spitze wurde wahrscheinlich zwischen 1812 und 1817 erreicht). Danach fielen die Löhne bis in die späten 1840er- und frühen 1850er-Jahre, womit das Ende des ersten Lohnzyklus erreicht war. Von den frühen 1850ern bis zum Zeitraum zwischen 1873 und 1876 wurden erneut steigende Löhne verzeichnet. Von diesem Hochpunkt gingen die Lohnwachstumsraten bis zum Zeitraum zwischen 1888 und 1895 zurück. Damit war der zweite Lohnzyklus abgeschlossen. Anschließend folgte wieder eine Phase steigender Löhne, die zwischen 1920 und 1921 endete.

Zusätzlich zu den Löhnen beobachtete Kondratieff auch die Bewegungen französischer Zinssätze und englischer Anleihen. Von 1792 bis 1813 fielen die englischen Anleihen von 90,04 auf 58,81 Pfund, da in diesem Zeitraum die Zinsen stark anstiegen. Bis 1844 wurden fallende Zinsen verzeichnet, und damit war die erste Welle des Zinszyklus beendet. Der zweite Zinszyklus folgte mit dem Beginn steigender Zinsen von Mitte der 1840er bis in die frühen 1870er. Danach fielen die Zinsen wieder bis 1897 und beendeten damit die zweite Welle des Zinszyklus. Die dritte Welle begann mit steigenden Zinsen; sie erreichten im Jahre 1921 den Hochpunkt.

Die langfristigen Zyklen zeigten sich nach Meinung von Kondratieff auch in der Preisentwicklung der Rohstoffe, da die Zinsbewegungen mit entsprechenden Bewegungen der Rohstoffpreise zusammenfielen. In dem von Kondratieff untersuchten Zeitraum lässt sich auch eine hohe Korrelation mit den langfristigen amerikanischen Zinssätzen feststellen; darauf werden wir noch näher eingehen.

Kondratieff baute seine Untersuchungen um weitere Analysen wie zum Beispiel die Produktion von Blei und Roheisen aus und versuchte mit einem Spielraum von fünf bis sieben Jahren, die Wendepunkte in der Entwicklung der langfristigen Zyklen zu bestimmen. Diese können Tabelle 2 entnommen werden:

Auf Basis seiner Analysen erarbeitete Kondratieff vier empirische Muster, die jeden langfristigen Zyklus kennzeichnen:

I. Vor einer ansteigenden Welle eines langfristigen Zyklus sind tief greifende Veränderungen in den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebensbedingungen zu beobachten. Erkennbar werden diese für gewöhnlich in signifikanten Veränderungen in der Technik, Veränderungen im Geldumlauf undin der Integration neuer Länder in die weltweiten wirtschaftlichen Beziehungen.

II. In Zeiten ansteigender Wellen sind soziale Umbrüche und radikale Veränderungen wie Kriege und Revolutionen wesentlich häufiger zu beobachten als in Zeiten fallender Wellen.

III. Die fallenden Wellen eines langfristigen Zyklus werden von sinkenden Rohstoffpreisen und langen Depressionen in der Landwirtschaft begleitet. In fallenden Wellen ist bei den landwirtschaftlichen Preisen in Relation zu den Industriepreisen ein stärkerer Verfall zu beobachten.

IV. In ansteigenden Wellen eines langfristigen Zyklus lassen sich dazwischen liegende Zyklen ausmachen, die durch lange Aufschwünge und kurze Krisen und Depressionen gekennzeichnet sind. Fallende Wellen hingegen sind durch kurze Aufschwünge und lange Krisen und Depressionen gekennzeichnet.

Gründe für langfristige Wellen

Kondratieff wollte in erster Linie die empirische Existenz der langfristigen Wellen nachweisen. Der österreichische Ökonom Joseph A. Schumpeter integrierte die Hypothese von Kondratieff in sein Modell der kapitalistischen Wirtschaft und nannte die langen Wellen zu Ehren ihres Entdeckers »Kodratieff-Wellen«. Schumpeter unterscheidet bei seiner vereinheitlichten Theorie die vier Phasen Wohlstand, Rezession, Depression und Erholung.

Aufsteigende Kondratieff-Wellen entstehen nach Schumpeter durch technologische Innovationen. Das System unterliegt einem Anpassungsprozess, in dem die bisher bedeutenden Industrien durch bedeutende Innovationen verdrängt werden. In diesem Zusammenhang bezeichnete er die Kreditschöpfung als das monetäre Ergänzungsstück einer Innovation.

Sie ist, so Schumpeter, für die Wirtschaft von unmittelbarer Bedeutung. Die Innovationen führen zusammen mit der Kreditschöpfung zu einem Boom. Dieser mündet schließlich in eine Depression, weil einerseits der Ausstoß an Konsumgütern zu Überkapazitäten führt und andererseits die Wirtschaft gezwungen wird, sich an das neue Kostenniveau und neue Produktionsmethoden anzupassen.

Die neuen Unternehmen stehen in einem starken Wettbewerb zu den »alten« Unternehmen. Sie machen alte Produktionsmethoden überflüssig und bereinigen den Markt, da der Ausleseprozess dafür sorgt, dass die schwachen Unternehmen aus dem Markt ausscheiden. Die Depression dauert so lange an, bis der Anpassungsprozess zwischen »Neu« und »Alt« beendet ist und sich die Wirtschaft wieder in einem Gleichgewichtszustand befindet. Der Abschwung setzt sich nach Schumpeter bis unterhalb dieses Gleichgewichtszustandes fort und bringt die Wirtschaft erst wieder zu einem neuen Gleichgewichtspunkt, wenn die Schuldenstruktur eine gesunde Basis erreicht hat. Die Länge eines Zyklus wird deshalb auf Basis von Sinuskurven von einem Gleichgewichtspunkt zum nächsten und nicht an den Hoch- oder Tiefpunkten gemessen (siehe Abbildung 4).

Schumpeter erkannte, dass der wirtschaftliche Entwicklungsprozess nicht, wie ursprünglich angenommen, nur durch eine Welle, sondern durch sehr viele Wellenbewegungen gekennzeichnet ist. Deshalb erweiterte er sein theoretisches Modell und unterteilte die Kondratieff-Welle in mittlere Wellen, die so genannten Juglar-Zyklen mit einer Länge von sieben bis zwölf Jahren, die in der Gesellschaft als »gute« oder »schlechte« Zeiten wahrgenommen werden, und in kurze Wellen, die so genannten Kitchin-Zyklen, mit einer Länge von etwa 40 Monaten.

Schumpeter datierte die erste langfristige Welle, wie auch Kondratieff, auf den Zeitraum 1787 bis 1842. Ausgelöst wurde sie durch die industrielle Revolution, die eine Reihe neuer Erfindungen, wie den Bau von Kanälen, Brücken und Straßen, mit sich brachte. Der zweite Kondratieff-Zyklus wurde nach Meinung Schumpeters durch Innovationen wie Dampfmaschinen, Eisenbahnbau und Stahlherstellung ausgelöst und dauerte von 1843 bis 1897. Der dritte Kondratieff-Zyklus begann 1898; er brachte Errungenschaften wie die Elektrizität, die Chemie und den Verbrennungsmotor mit sich. Schumpeter nannte in seinem 1939 veröffentlichten Werk »Business Cycles« kein Enddatum des dritten Kondratieff-Zyklus.

Geben die Rohstoffpreise Aufschluss darüber, in welcher Phase des langfristigen Zyklus wir uns derzeit befinden?

Kondratieff untersuchte wie bereits erwähnt die Bewegungen der Rohstoffpreise über eine längere Zeitperiode und entdeckte folgende Zyklen. Die ansteigende Welle des ersten Rohstoffzyklus umfasste einen 25-jährigen Zeitraum, der von 1789 bis 1814 dauerte (siehe Abbildung 5). Die fallende Welle begann 1814 und endete im Jahr 1849 (35 Jahre). Insgesamt umfasste der erste Rohstoffzyklus also 60 Jahre.

Der zweite Zyklus der Rohstoffe begann mit der steigenden Welle im Jahr 1849 und endete 1873; die Welle dauerte also 24 Jahre. Die fallende Welle des zweiten Zyklus begann nach Kondratieff im Jahr 1873 und endete 1896 (Dauer: 23 Jahre). Der zweite Zyklus umfasste also einen Zeitraum von 47 Jahren.

Die steigende Welle des dritten Rohstoffzyklus verlief von 1896 bis 1920 (Dauer: 24 Jahre) und dauert damit genauso lange wie die ansteigende Welle des zweiten Zyklus. Nach Kondratieff begann die fallende Welle des dritten Zyklus im Jahr 1920.

Kondratieff stellte in seinen Analysen fest, dass es einen Gleichklang zwischen der Entwicklung der Rohstoffpreise und den langfristigen Zinssätzen gibt. Abbildung 6 verdeutlicht diesen Gleichlauf von 1780 bis 2003. Wie zu erkennen ist, dürfte die fallende Welle des dritten Kondratieff-Zyklus, mit der fallende Rohstoffpreise bis Anfang der dreißiger und fallende Zinssätze bis Mitte der 40er-Jahre einhergingen, wahrscheinlich zwischen 1940 und 1950 beendet gewesen sein. Dies würde den Erkenntnissen von Kondratieff und Schumpeter entsprechen, wonach langfristige Wellen einen Zeitraum von 48 bis 60 Jahren umfassen (die dritte Welle begann zwischen 1890 und 1896).

Allerdings ist der Gleichklang zwischen den Zinsen und den Rohstoffpreisen nach dem Jahr 1920 nicht mehr so eindeutig wie in den von Kondratieff untersuchten 140 Jahren zuvor. Denn bis zum Hochpunkt der Rohstoffpreise im Jahre 1980 gab es zwischenzeitlich zwei Bullenmärkte bei den Rohstoffen, von 1932 bis 1951 und von 1967 bis 1980, die von fallenden Rohstoffpreise von 1950 bis 1966 unterbrochen wurden. Die Zinsen hingegen erreichten, wie oben erwähnt, ihren Tiefpunkt erst in den 40er-Jahren mit weniger als zwei Prozent und verzeichneten somit nur einen Anstieg bis zum Jahre 1980 auf ein Rekordniveau von über 15 Prozent im Jahre 1981.

Die Spitze der ansteigenden vierten Welle wurde wohl Anfang der 80er-Jahre erreicht, als Rohstoffe wie Gold bei 850 US-Dollar und Silber bei 50 US-Dollar und die langfristigen Zinsen bei etwa 15 Prozent ihre Hochpunkte erreichten. Seit diesem Zeitpunkt wurde bei den Rohstoffen eine fallende Welle verzeichnet, die höchstwahrscheinlich zwischen 1999 und 2001 beendet wurde, da die meisten Rohstoffe in diesem Zeitraum ihren Boden erreichten. Gleichzeitig sieht es so aus, dass die Zinsen zwischen 2003 und 2006 ihren Tiefpunkt erreichen dürften.

Es kann also festgehalten werden, dass Rohstoffe in den vergangenen zwei Jahrhunderten von starken Zyklen geprägt waren; Rohstoff-Haussen erstreckten sich über Zeiträume von 15 bis 25 Jahren. Da die Zinsen und insbesondere die Rohstoffpreise ein recht klares Bild von der Lage der langfristigen Kondratieff-Welle abgeben, ist es wahrscheinlich, dass die fünfte Welle im Ansteigen begriffen ist. Betrachtet man die Rohstoffe allerdings isoliert, dann ist zu erkennen, dass die Rohstoffzyklen nach dem Hochpunkt von 1920 mit einer durchschnittlichen Länge von 17 Jahren kürzer waren als die Zyklen in den von Kondratieff untersuchten 130 Jahren zuvor (durchschnittliche Zykluslänge etwa 25 Jahre).

Warum die letzten Zyklen von kürzerer Dauer waren, können wir nicht genau sagen. Was wir aber mit Sicherheit sagen können, ist, dass die Preisbewegungen bei den Rohstoffen nicht durch Magie entstehen, sondern weil Angebot und Nachfrage aus dem Gleichgewicht geraten.

Die Ursachen der Rohstoffzyklen

Allen Rohstoff-Haussen ist gemeinsam, dass das Angebot an Rohstoffen in den Jahren zuvor zurückgegangen war, während die Nachfrage stieg oder zumindest gleich blieb. Letztendlich sind für Bullen- oder Bärenmärkte bei den Rohstoffen also Angebot und Nachfrage die entscheidenden Faktoren. Wenn die Aktienmärkte unter Führung einer »New Economy« exponentiell in die Höhe schossen, dann waren Investitionen in Rohstoffe wenig sexy. Die »Old Economy« wurde ignoriert, weil sich größere Gewinnmöglichkeiten bei Radio- und Film-Aktien (in den 20er-Jahren) oder in der Luftfahrt- oder Fast-Food-Branche (in den 60er-Jahren) boten. Doch die täglichen Dinge des Lebens wie Nahrungsmittel oder Benzin werden weiterhin benötigt und an einem bestimmten Punkt die Nachfrage nach Rohstoffen stützen, unabhängig davon, wie schlecht die wirtschaftlichen Bedingungen sind.

Es ist wichtig zu wissen, dass dabei die weltwirtschaftliche Verfassung nicht der entscheidende Faktor für einen Bullenmarkt bei den Rohstoffen darstellt. Selbst in einem Umfeld sinkender Nachfrage können Rohstoffpreise steigen, nämlich dann, wenn das Angebot stärker sinkt als die Nachfrage. Die beiden letzten Bullenmärkte bei den Rohstoffen begannen in wirtschaftlich schlechten Zeiten. Rohstoffe starteten inmitten der deflationären Depression im Jahre 1932 ihre Hausse, genauso wie sie in den stagflationären 70er-Jahren haussierten. Ausgelöst durch ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage, schossen die Preise für Öl von weniger als zwei US-Dollar pro Barrel in den 60er-Jahren auf über 40 US-Dollar zu Beginn der 80er-Jahre. Gold sprang von unter 34 US-Dollar Anfang 1970 auf 850 US-Dollar.

In den vergangenen 20 Jahren wurde viel Geld in Aktien, Anleihen und Immobilien investiert, aber wenig Geld floss in Produktionskapazitäten von Rohstoffen. Der Grund hierfür ist, dass sich die Preise für Rohstoffe 20 bis 25 Jahre in einem Bärenmarkt befanden. Der Zuckerpreis erreichte den Höhepunkt 1974 bei über 65 Cent, fiel 1983 auf unter drei Cent und steht aktuell immer noch unter zehn Cent. Gold stieg von unter 40 US-Dollar auf über 850 US-Dollar und verzeichnete anschlie-ßend zwei Dekaden lang fallende Preise.

Doch warum fielen die Preise? Der Rohstoff-Boom in den 70er-Jahren und die damit verbundenen hohen Preise lockten zusätzliches Geld an, das zu Angebotsausweitungen führte. Unternehmen begannen damit, neue Minen in Betrieb zu nehmen, Öl zu pumpen oder neue Plantagen zu eröffnen. Doch anhaltend fallende Rohstoffpreise geben wenig Anlass, die Produktionskapazitäten zu erweitern. Dies war in vergangenen Bärenmärkten der Fall, und so ist es auch beim letzten Mal gewesen. In den vergangenen 15 Jahren wurden so gut wie keine Gelder investiert, um neue Kupferminen in Betrieb zu nehmen, Offshore-Bohrtürme zu errichten oder Zuckerplantagen anzulegen.

Der CRB-Index verzeichnete nach einer 20-jährigen zyklischen Baisse zwischen Oktober 1999 und Februar 2000 einen historischen Tiefpunkt und konnte seither um über 50 Prozent zulegen. Wie Abbildung 7 veranschaulicht, liegt der Preis der 17 meistgehandelten Rohstoffe real aber immer noch in der Nähe der Tiefstände der letzten 85 Jahre, und die Preise vieler Rohstoffe liegen deutlich unter den Produktionskosten.

Durch den anhaltenden Preisverfall gerieten viele Rohstoffproduzenten in den vergangenen Jahren in wirtschaftliche Bedrängnis, und schwache Produzenten wurden aus dem Markt gedrängt. In Mexiko und Australien wurden durch die niedrigen Preise in den vergangenen Jahren dutzendweise Zuckerplantagen geschlossen. Die Reaktion der verbliebenen Produzenten war vorhersehbar. Die Unternehmen wurden entschlackt und restrukturiert, Kosten wurden gesenkt. Minen wurden geschlossen, Budgets für Explorationen gekürzt, der Anbau bestimmter Rohstoffe substituiert, und es wurden, wie schon erwähnt, Produktionskapazitäten nicht erweitert. In einer freien Marktwirtschaft jedoch kann die Produktion nicht unbegrenzt aufrechterhalten werden, ohne dass Gewinne erwirtschaftet werden. Ab einem gewissen Punkt müssen die Preise steigen, weil die Nachfrage das reduzierte Angebot wieder übertrifft.

Die Nachfrage nach Rohstoffen ist weltweit gestiegen, und insbesondere Asien wurde zu einem großer Käufer von Rohstoffen. China entwikkelte sich zu einem der weltweit größten Importeure von Rohstoffen. Die Preise für viele Rohstoffe verharrten deshalb so lange Zeit auf relativ niedrigem Niveau, weil Vorräte aufgelöst wurden. Insbesondere die überschüssigen Lagerbestände, die während des Kalten Krieges angehäuft wurden, wurden stark reduziert. Mitte der 1980er lag beispielsweise die weltweite Bevorratung von Lebensmitteln bei 35 Prozent des jährlichen Nahrungsmittelverbrauchs. Dieses Verhältnis liegt jetzt bei nur noch zehn bis 20 Prozent und spricht somit für künftig steigende Rohstoffpreise.

Die Krisen in Asien und Russland führten 1997 und 1998 zum Ausverkauf der Rohstoffvorräte dieser Länder – und das war der Schlussstrich unter eine zwei Jahrzehnte lange Rohstoff-Baisse. Aufgrund der geringen Investitionen in den vergangenen Jahren und des Missverhältnisses zwischen Angebot und Nachfrage wird sich die Angebotsknappheit bei den Rohstoffen in den nächsten Jahren nicht beheben lassen. Ganz im Gegensatz zu den zwölf bis 18 Monaten, in denen die Märkte weltweit mit neuen Speicherchips für elektronische Endgeräte überschwemmt werden können, ist für eine Angebotsausweitung viel mehr Zeit erforderlich. Denn von der Suche bis zur Entdeckung von Rohstoffvorkommen über die Erschließung bis hin zum Aufbau einer Produktionsanlage vergehen sowohl im Energie- als auch im Minenbereich mindestens fünf bis sieben Jahre – dieser lange Zeitraum ist ein Hauptgrund, weshalb Bullen- und Bärenmärkte bei den Rohstoffen einen Zeitraum von 15 bis 25 Jahren umfassen.

Kürzere Zyklen bei einzelnen Rohstoffen

Diese lang anhaltenden Preisbewegungen beziehen sich allerdings auf einen Index für mehrere Rohstoffe. Die Preisbewegungen einzelner Rohstoffe innerhalb eines Bullen- oder Bärenmarktes sind in aller Regel von kürzerer Dauer. So erreichte der Preis von Zucker beispielsweise im Jahre 1977 einen Höchstpunkt bei über 65 Cent pro Pfund, verlor bis zum Tiefpunkt 1978 mehr als 90 Prozent an Wert und stieg bis 1980 wieder um etwa 700 Prozent an (siehe Abbildung 8).

Somit verzeichnete Zucker innerhalb des Rohstoff-Bullenmarktes, der von Ende der 60er- bis Anfang der 80er-Jahre dauerte, zwei starke zyklische Aufwärtsbewegungen zwischen vier und 65 Cent, bevor eine zyklische Abwärtsbewegung für die nächsten 20 Jahre einsetzte. Außerdem bewegen sich die verschiedenen Rohstoffe häufig vollkommen unabhängig voneinander, das heißt Preisbewegungen von Rohöl haben nichts mit den Preisbewegungen von Orangensaft gemein.

Bei einem Vergleich von Kaffee und Kupfer über die letzten 30 Jahre ist sogar eine zyklische Divergenz festzustellen (siehe Abbildung 9). Wie zu erkennen ist, verliefen die zyklischen Preisbewegungen sehr oft so konträr, dass markante Hochpunkte bei dem einen Rohstoff mit markanten Tiefpunkten bei dem anderen Rohstoff verbunden waren und umgekehrt. In den vergangenen 40 Jahren verzeichnete Kupfer insgesamt neun spekulative Hochpunkte, sieben davon wurden jeweils um den Jahreswechsel verzeichnet. Ein neues Hoch erreichte der Kupferpreis kürzlich bei über 170 Cent.

Wir glauben, dass die Kupferpreise ihr vorläufiges Hoch in der zweiten Hälfte des Jahres 2005 sehen werden und in den nächsten sechs bis zwölf Monaten Korrekturen von 25 bis 40 Prozent nicht ausgeschlossen werden sollten. Das bedeutet natürlich nicht, dass Kupfer innerhalb der nächsten Jahre bis 200 Cent laufen könnte – in einem angespannten Markt sind auch Preise von 250 oder 300 Cent möglich. Gegenwärtig scheinen uns jedoch Preise über 140 Cent als spekulativ, insbesondere weil das Wachstum der Kupferimporte Chinas im Jahr 2004 stark zurückgegangen sind, was entweder bedeutet, dass das Land zuvor große Bestände an Kupfer aufgebaut hat oder dass sich das Wachstum in China abschwächt.

Niemand scheint sich gegenwärtig noch über eine harte Landung Chinas Sorgen zu machen. Jedoch hat sich beispielsweise das Tempo der Autoverkäufe in China im Vergleich zum Vorjahr stark verlangsamt, und das Land wurde von einem Nettoimporteur an Stahl zu einem Nettoexporteur. Entgegen dem Konsens rechnen wir mit einer stärkeren Abschwächung des Wachstums in China, was sich somit besonders negativ auf die in die Höhe geschossenen Metallpreise auswirken sollte. Wir bereits erwähnt, sind die Zyklen einzelner Rohstoffe von kürzerer Dauer. Weil die Fundamentaldaten für Kaffee sehr positiv sind (siehe Teil II des Buches), würden wir unter Berücksichtigung der zyklischen Komponente gegenwärtig Kupfer verkaufen und Kaffee kaufen.

Im Allgemeinen sind wir der Auffassung, dass sich die Preise für land-wirtschaftliche Rohstoffe wie Weizen, Mais, Sojabohnen, Kaffee, Zukker und Orangensaft in den nächsten beiden Jahren besser entwickeln werden als die Preise der Industriemetalle. Wie Abbildung 10 zeigt, sind die weichen Rohstoffe bisher vernachlässigt worden. Während der Energie-, Edelmetall und Industriemetallbereich alle im Zeitraum von 1999 bis 2001 steigende Preise verzeichnen konnten, verlor der Agrar-Subindex von Goldman Sachs rund 25 Prozent.

Bei den gegenwärtigen Preisen, zu denen die weichen Rohstoffe gehandelt werden, scheint uns der Einstiegszeitpunkt günstig. Warum wir so bullish für die weichen Rohstoffe sind, werden wir in Teil II des Buches erörtern. Wir möchten an dieser Stelle noch einmal verdeutlichen, dass wir auf Grund der vergangenen Preisbewegungen davon ausgehen, dass der Bullenmarkt bei den Rohstoffen noch weitere zehn bis 15 Jahre dauern wird und in Zukunft wohl alle Rohstoffe noch höhere Niveaus als die gegenwärtigen erreichen werden.

Jedoch verlaufen sowohl Bullen- als auch Bärenmärkte nicht geradlinig. Mit anderen Worten: Wir sehen in letzter Zeit vermehrt optimistische Stimmen in Bezug auf Rohstoffe und China. Allenthalben ist davon die Rede, dass China die Märkte der wichtigsten Grundstoffe Aluminium, Kupfer, Nickel und Zink leer kauft.

Jedoch möchten wir Anleger, die jetzt sofort auf den fahrenden Zug aufspringen und mit Blick auf China Wetten auf Rohstoffe eingehen, vor der vorübergehenden Volatilität und der Kurzlebigkeit von Haussen bei einzelnen Rohstoffen innerhalb eines übergeordneten Bullenmarktes warnen. Viele Rohstoffe verzeichneten seit dem Beginn des Bullenmarktes hohe Preisaufschläge und sind mehr als reif für eine Korrektur. Wie in jeder Hausse wird es auch bei den Rohstoffen Konsolidierungen und Rückschläge geben. Auch die Aktienmärkte verzeichneten in der Hausse-Periode von Anfang der 80er-Jahre bis zum Beginn des Millenniums immer wieder Rückschläge. Doch der kluge Investor erkannte, dass sich die Aktienmärkte in einem Bullenmarkt befanden, und nutzte Rückschläge als willkommene Gelegenheit, um Aktien nachzukaufen.

Genauso sollten Rückschläge bei den Rohstoffpreisen, die wir für 2005 oder 2006 erwarten, für Zukäufe beziehungsweise für den Einstieg genutzt werden, weil wir uns in einem langfristigen Bullenmarkt bei den Rohstoffen befinden. Insbesondere die Erkenntnisse von Kondratieff, wonach sowohl die steigende als auch die fallende Welle eine Dauer von etwa 22 bis 30 Jahren haben, sprechen für einen anhaltenden Bullenmarkt bis in das nächste Jahrzehnt. Wie bereits erwähnt, handelt es sich beim Kondratieff-Zyklus eher um einen Preiszyklus, den fallende oder steigende Rohstoffpreise und Zinsen charakterisieren. Dennoch möchten wir noch einmal auf die vier empirischen Beobachtungen Kondratieffs eingehen, die Aufschluss über die Lage der langen Welle geben und die Annahme, das wir uns am Beginn einer steigenden Welle befinden, untermauern.

Die empirischen Beobachtungen Kondratieffs

Wie gesagt, der Kondratieff-Zyklus ist komplex, und man kann ihm keine eindeutige Periodizität unterstellen. Die Frage, in welcher Phase der Kondratieff-Welle wir uns derzeit befinden und welche Innovationen Auslöser für den Anstieg des nächsten Kondratieff-Zyklus sein könnten, ist deshalb nicht so einfach zu beantworten. Einige Forscher wie Christopher Freeman vertreten die Auffassung, dass die fünfte Welle schon vor 20 Jahren angestiegen ist. Teilweise wird auch (wie zum Beispiel vom Economist) die These sich verkürzender Zyklen vertreten (siehe Abbildung 11):

Bei der These des Economist findet aber offensichtlich eine im Zuge des High-Tech-Hypes Ende der 90er-Jahre zustande gekommene Verwechslung sich verkürzender Produktzyklen mit den langen Kondratieff-Wellen statt. Insbesondere müssten die Wellen bei konstantem Tempo in 50 Jahren negativ werden. Es spricht auch einiges gegen die Auffassung, dass die Kondratieff-Welle schon seit zwei Jahrzehnten wieder im Ansteigen begriffen ist.

Wie gezeigt wurde, bilden die Kapitalmarktzinsen und die Entwicklung der Rohstoffpreise zusammen die Phasen der Kondratieff-Zyklen recht zuverlässig ab. Nach einem starken Anstieg der Rohstoffpreise über die vergangenen zwei Jahre und dem Tiefpunkt bei den Zinsen, der wahrscheinlich zwischen 2003 und 2006 erreicht wird, lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit konstatieren, dass die fünfte Welle des Kondratieff-Zyklus, der weitgehend einen Preiszyklus und keinen Konjunkturzyklus darstellt, im Ansteigen begriffen ist. Wir haben zuvor die vier empirischen Beobachtungen Kondratieffs erwähnt, die evident für die Lage des langfristigen Zyklus sind. Abbildung 12 zeigt eine Übersicht der Kondratieff-Welle von 1787 bis 2060 und die Charakteristik der jeweiligen Wellen.

Kondratieffs erste empirische Beobachtung war, dass vor und zu Beginn einer ansteigenden Welle tief greifende Veränderungen in den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebensbedingungen zu erkennen sind. Diese äußern sich unter anderem in Veränderungen und Innovationen in der Technik.

Die erste ansteigende Welle (1787 bis 1810/17) begann auf dem Hochpunkt der Industriellen Revolution; sie war durch neue Erfindungen wie den Straßen-, Kanal- und Brückenbau gekennzeichnet. Der zweiten ansteigenden Welle ging eine Reihe von technischen Erfindungen voraus, etwa bedeutende Verbesserungen bei der Dampf-Eisenbahn (1824), die Erfindung der Turbine (1824-1827), die Ernte-Maschine (1831), der erste Raddampfer (1836) und die Erfindung der Dampfpumpe (1840). Viele dieser Erfindungen fanden dann mit einer gewissen Zeitverzögerung Anwendung in der Industrie. Mit dem zweiten Kondratieff (ansteigende Welle von 1844/55 bis 1870/75) wird das Zeitalter der Eisenbahn, des Dampfes und des Stahls verbunden.

Der dritte Kondratieff (ansteigende Welle von 1891/96 bis 1914/20) wiederum brachte die Elektrizität, die Chemie und den Verbrennungsmotor mit sich. Die vierte steigende Welle dürfte wohl in den 40er- oder 50er-Jahren begonnen haben; sie war von Erfindungen wie der Elektrotechnik und der Luft- und Raumfahrt begleitet. So lagen zwar die eigentliche Erfindung des Flugzeuges, aber auch bedeutende Verbesserungen in der Navigation sowie die Leistungssteigerung der Flugzeugmotoren weiter zurück, doch Kondratieff betonte, wie wichtig es ist, bei technischen Erfindungen zwischen dem Zeitpunkt der Einführung und dem der Anwendung in der Praxis zu unterscheiden.

Viele Erfindungen haben ihren Ursprung in den 1760er-Jahren, überwiegend fanden diese allerdings erst in den 80er- und 90er-Jahren des 18. Jahrhunderts eine breite praktische Anwendung (also während der ersten ansteigenden Welle) und sorgten somit für die wirkliche Industrielle Revolution. Und wie bereits gezeigt, war dies auch während der zweiten steigenden Kondratieff-Welle der Fall. Die kommerzielle Nutzung des Luftverkehrs mit Strahlflugzeugen begann auch erst während der vierten ansteigenden Kodratieff-Welle Anfang der 50er-Jahre. Es folgten 1970 mit dem Jumbo-Jet die Einführung der Großraumflugzeuge und ab 1976 die Aufnahme des Überschallverkehrs.

Eine weitere wichtige Erfindung fand auch in den 50er-Jahren statt. 1956 stellte Malcom McLean das erste Containerschiff vor. McLean war Gründer der weltweit ersten Containerreederei Sea-Land, die 1999 von A.P. Moller-Maersk gekauft wurde und mit 250 Containerschiffen als Maersk-Sealand zu den weltweit führenden Containerreedereien gehört. Dies war eine der größten Erfindungen, ermöglichte sie doch den schnellen und effizienten Transport, weil der bis dahin kostspielige und zeitaufwändige Verladungsprozess vermieden wurde. Zum Be- oder Entladen von 10.000 Tonnen Stückgut benötigte damals ein konventionelles Frachtschiff acht bis zehn Tage. Mit einem Containerschiff und einfachen Umschlagsanlagen schaffte man diese Menge in zwei Tagen. Dadurch reduzierte sich der Personalbedarf für die Umladungen immens, und die Transportzeiten und Kosten verringerten sich durch die kürzeren Schiffsliegezeiten. Es ist schwer vorzustellbar, dass der Welthandel (etwa 95 Prozent des Welthandels erfolgen via Seecontainer) in den vergangen 50 Jahren ohne diese Innovation derart stark zugenommen hätte.

Mit dem fünften Kondratieff wird als Basisinnovation oft die Informationstechnologie in Verbindung gebracht. Das ist gut möglich, denn insbesondere seit Ende der 90er-Jahre findet zum Beispiel das Internet eine breite Anwendung. Auch der Bereich Life Science (Biotechnologie) und die damit verbundenen Anwendungsgebiete von der Landwirtschaft (genveränderte Lebensmittel) bis zum Bereich der Medizintechnik (Erkenntnisse aus der Entschlüsselung des Genoms) könnten eine der möglichen Basisinnovationen des fünften Kondratieff sein.

Wir glauben jedoch eher, dass der Eintritt neuer Länder in die Weltwirtschaft (möglicherweise auch in Kombination mit den oben genannten Innovationen) für den Aufschwung des nächsten Kondratieff verantwortlich sein sollte. Kondratieff betonte, dass die zweite ansteigende Welle von der Ausdehnung und dem Eintritt Amerikas in die Weltwirtschaft begleitet wurde. Die Industrielle Revolution begann zuerst in Großbritannien und erst später in anderen Ländern. Doch mit der aufstrebenden Volkswirtschaft Amerika wuchs ein leistungsfähiger Konkurrent heran, was letztlich dazu führte, dass sich durch die Industrialisierung das weltweite Wirtschaftszentrum im Laufe von etwa 100 Jahren in Richtung Amerika verlagerte. Das Geld floss dorthin, wo die »Produktionskosten in ihrem real-physischen Ausdruck« sanken, weil dort ein neuer »Fonds langfristiger Kapitalgüter« die Produktivität erhöhte und für Arbeit und neuen Wohlstand sorgte.

Wenn wir uns heute das wirtschaftliche Emporkommen Asiens, insbesondere Chinas, Bangladeshs und Vietnams im Produktionsbereich, aber auch Indiens im Dienstleistungsbereich und Pharmabereich anschauen, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass diese Region dramatisch an Bedeutung gewinnen wird. Vermutlich wird China im 21. Jahrhundert die USA als weltweit wichtigste Wirtschaftsmacht ablösen. Nur mit dem Unterschied, dass dieser Prozess in China wohl keine 100 Jahre dauern wird.

Denn schaut man sich beispielsweise die Industrialisierungsprozesse von Japan und Südkorea an, zeigt sich, dass der Wandel weitaus schneller vonstatten ging. Beide Länder industrialisierten sich in einem Zeitraum von etwa 40 Jahren. Und wenn man sich den Wandel in China seit der 1978 begonnenen »Reform- und Öffnungspolitik« anschaut, seit der sich die Pro-Kopf-Einkommen alle zehn Jahre verdoppelt hat, dann spricht alles dafür, dass China in 20 Jahren die wichtigste Wirtschaftsnation der Welt werden wird. China wird dann wohl der wichtigste Handelspartner Asiens sein, und die Exportabhängigkeit dieser Region vom Westen wird deutlich zurückgehen. Umgekehrt werden Exporte in den Westen weiterhin Bestand haben, weil der Produktions- und der IT-Service-Sektor in Asien sehr wettbewerbsfähig sind.

Wenn man den Globalisierungsprozess über die vergangenen zehn bis 15 Jahre genauer betrachtet, dann muss man Folgendes feststellen: Nach der Öffnung zahlreicher neuer Länder und dem Zusammenbruch des Kommunismus hat die Einbindung dieser neuen Länder in das Weltwirtschaftssystem nicht nur den globalen westlichen Unternehmen einen neuen Absatzmarkt eröffnet. Vielmehr hat ein ungeheurer Wissens-, Technologie- und Kapitaltransfer, insbesondere in die asiatischen Emerging Markets, stattgefunden.

So ist China in der Lage, viele Produkte des Westens in gleicher Qualität um mindestens ein Drittel günstiger herzustellen, und das bei zunehmender Produktivität. Und nach Indien können viele Dienstleistungen ausgelagert werden. Selbst im pharmazeutischen Bereich gibt es mit Firmen wie Ranbaxy oder Dr. Reddy zunehmende Konkurrenz für westliche Unternehmen.

Somit bleibt die Integration dieser Länder mit mehr als drei Milliarden Menschen, die vor den 90er-Jahren nur in geringem Umfang am kapitalistischen Leben teilnahmen, letztlich nicht ohne Folgen für die westlichen Industrieländer. Die Einbindung sorgt vielmehr für ein anhaltendes Ungleichgewicht. Auf den Boom in den Emerging Markets von Mitte der 80er-Jahre bis etwa Mitte der 90er-Jahre folgten Krisenzeiten, die starke Währungsabwertungen und durch die deflationäre Wirkung dieser Krisen fallende Preise in den aufstrebenden Ländern mit sich brachten. Durch den Beitritt zum kapitalistischen System exportieren die Emerging Markets wiederum ihr niedriges Preisniveau in die westlichen Industrieländer, was in vielen Sektoren, wie

zum Beispiel in der IT-Branche, deflationäre Auswirkungen auf die Weltwirtschaft hat, vergleichbar mit dem Beitritt der USA in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Wie Abbildung 13 zeigt, sorgten der Eintritt Amerikas in die Weltwirtschaft und die damit verbundene Öffnung von Prärien und Ackerland für ein zusätzliches Angebot an landwirtschaftlichen Produkten wie Getreide und damit zu einer deflationären Wirkung auf die Preise von Mitte der 1860er-Jahre bis etwa zum Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die europäische Landwirtschaft, die zu diesem Zeitpunkt noch mehr Menschen als die verarbeitende Industrie beschäftigte, litt stark darunter, dass landwirtschaftliche Produkte in Amerika zu weitaus niedrigeren Kosten produziert werden konnten, den Weltmarkt erreichten und dort die Preise drückten. Die europäische Landwirtschaft hat sich davon nie wieder richtig erholt und musste daraufhin stark subventioniert werden.

Doch es gibt noch mehr Parallelen. Im 19. Jahrhundert war das Britische Reich nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch und militärisch die Führungsmacht, während die USA den großen, aufstrebenden Emerging Market darstellen. Heute sind die Vereinigten Staaten von Amerika die Supermacht, während China der große, aufstrebende Gigant ist.

Im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts war das Britische Reich bereits im Niedergang begriffen, es übernahm sich militärisch und musste für seine imperialen Abenteuer bezahlen, was sich in einer Abwertung der Währung und in anhaltenden Außenhandels- und Budgetdefiziten bemerkbar machte. Mit anderen Worten: Das Britische Reich war eine Schuldnernation, die über ihre Verhältnisse lebte und vom Rest der Welt finanziert wurde. Amerika hingegen erwirtschaftete Handelsüberschüsse und war ein Netto-Kreditgeber. Es ist wichtig zu wissen, dass der Zusammenbruch des britischen Reiches dadurch ausgelöst wurde, dass der Rest der Welt sein Kapital abzog. Im 20. Jahrhundert, nach dem Ende Britischen Reiches, verlor das britische Pfund rund 90 Prozent seines Wertes gegenüber harten Währungen wie Gold oder dem Schweizer Franken.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Die Amerikaner erwirtschaften heute ein gewaltiges Leistungsbilanzdefizit, das sich inzwischen auf rund sechs Prozent beläuft und von Ausländern – hauptsächlich von den asiatischen Ländern – finanziert werden muss. Dazu kommt ein Haushaltsdefizit, das nicht zuletzt durch die militärische Aufrüstung und die Expedition in den Irak anschwoll.

Die amerikanischen Militärs haben den Globus in fünf strategische Kommandobereiche aufgeteilt: einen für Nord -und Südamerika, einen weiteren für Europa, einen dritten für das Mittelmeer und Afrika, einen vierten für Zentralasien und den mittleren Osten sowie Zentralasien und einen fünften, der den gesamten Bereich des Pazifiks, den Indischen Ozean sowie Ost- und Südasien umfasst. Jeder dieser fünf Kommandobereiche untersteht einem Vier-Sterne-General. Amerikanische Soldaten befinden sich in über 150 Staaten, in weiteren 63 Staaten gibt es amerikanische Basen und Truppen.

Das Ganze kostet Geld. Amerikas Verteidigungsetat ist so groß wie jener der nachfolgenden acht Länder zusammen. Mit anderen Worten: Amerika befindet sich heute in einer Situation des Niedergangs ähnlich wie das Reich damals und finanziert sein Imperium sowie die überhöhten Defizite beim Budget und in der Handelsbilanz mit ausländischem Geld. Wenn die ausländischen Anleger wie im Falle des britischen Reiches nicht mehr bereit sind, die amerikanischen Defizite zu finanzieren, und alle Investoren durch eine Tür die USA verlassen wollen, dann wird auch dies der Auslöser des Zusammenbruchs sein.

Aus dem historischen Blickwinkel heraus ist es interessant zu wissen, dass der Niedergang des britischen Reiches und der Aufstieg Amerikas keine Eintagsfliege darstellen. Die Geschichte zeigt, dass neue, aufstrebende Ökonomien immer wieder die etablierten Mächte verdrängten. Und wie im Falle des britischen Reiches und jetzt Amerikas ging die wirtschaftliche Führungsrolle mit politischer und militärischer Dominanz einher. Zu dem Zeitpunkt, zu dem die etablierten Weltmächte jedoch wirtschaftliche Probleme bekamen, verloren sie auch politischen Einfluss und die militärische Vormachtstellung. Solange sich Mächte wie Ägypten, Rom, Spanien oder Großbritannien im Aufstieg befanden und an Macht gewannen, wiesen alle diese Volkswirtschaften einen Trend zu niedrigeren Zinsen und fallenden Inflationsraten auf.

Mit dem Niedergang dieser Weltreiche waren dann aber kriegerische Auseinandersetzungen, steigende Inflationsraten und Zinsen sowie eine fallende Währung verbunden. Auch im Römischen Reich herrschte während der wirtschaftlichen Blütezeit zumindest über eine gewisse Zeit Frieden, und das Land verfügte bis zur Herrschaft von Augustus über eine stabile Währung und ein stabiles Preisniveau (es wurden nur reine Gold- und Silbermünzen verwendet). Verschwenderische Ausgaben der Nachfolger Augustus’ brachten den damals herrschenden Kaiser Nero im Jahr 64 n. Chr. dazu, die Währung zum ersten Mal abzuwerten. Die Wirtschaft des römischen Reiches befand sich zu diesem Zeitpunkt in keiner guten Verfassung und war durch anhaltende Defizite im Handel und mit den eigenen Kolonien sowie durch schwindende Fiskalüberschüsse gekennzeichnet.

Doch mit dieser Abwertung war es nicht getan. Aufgrund des politisch immer schwächer werdenden Reiches fanden unter den nachfolgenden Kaisern ganz erhebliche Abwertungen statt mit der Folge, dass der römische Dinar bis zum Jahr 268 n. Chr. weniger als ein Tausendstel des Wertes hatte wie unter der Herrschaft von Kaiser Augustus.

Ein Grund für den wirtschaftlichen Niedergang in Italien – und auch hier zeigen sich wieder Parallelen zu den USA in Bezug auf die Verlagerung des Produktions- und Dienstleistungsgewerbes nach Asien – war das Wegbrechen des italienischen Exportmarktes für Wein als Folge der Verbreitung des Weinbaus in anderen Provinzen des römischen Reiches. Die wirtschaftlichen Krisen, unter denen Italien zu leiden hatte, wurden durch imperiale Ausdehnungen und die damit verbundenen Kriege samt deren Kosten noch verschärft.

Ähnlich wie den Römern erging es dem Spanischen Weltreich im 16. Jahrhundert, das sich von Westeuropa über Nord-, Mittel- und Südamerika sowie Teile Afrikas bis nach Asien erstreckte. Wieder gingen wirtschaftlicher und militärischer Niedergang Hand in Hand. Wieder wurden die Kriege zur Verteidigung des spanischen Reiches kostspielig, was dazu führte, dass Spanien den Zahlungen seiner Schulden, die man in Augsburg und Antwerpen, Genua und Lyon aufgenommen hatte, nicht nachkommen konnte und die Spanische Krone, also der Staat, zwischen 1550 und 1650 sechsmal bankrott ging.

Und auch im Falle der USA finden sich in der Vergangenheit Belege, dass die Regierungen von Ökonomien, die sich im Abstieg befinden, versuchen, die Wirtschaft mittels großzügigen Geldmengenwachstums und überhöhter Budgetdefizite anzukurbeln – was dann wie in der Vergangenheit zu Währungsabwertungen, steigender Inflation und steigenden Zinsen führt.

Um es noch einmal klar mit den Worten Sydney Homers zu sagen, weisen die Zinssätze von fallenden Weltreichen eine steigende Tendenz auf. Vor diesem Hintergrund scheint die Weltmacht USA ihren Zenit bereits überschritten zu haben, da die amerikanischen Zinssätze ihren Tiefpunkt in den 1940er-Jahren ereichten (siehe auch Abbildung 6).

Verschiedene Kennzahlen, die den Zustand der Wirtschaft beschreiben, zeichnen ein ähnliches Bild. So war die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1942 bis 1966 um 1,3 Prozent höher als von 1975 bis 1999. Die Industrieproduktion stieg von 1942 bis 1966 jährlich um fast zwei Prozentpunkte mehr, und die Arbeitslosenquote lag im Monatsdurchschnitt um über 1,5 Prozent unter den Zahlen des Vergleichszeitraumes von 1975 bis 1999. Auch die Gesamtschulden im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt lagen im Jahre 1966 mit 148 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erheblich niedriger als im Jahr 1999 (268 Prozent des BIP).

Und während die Vereinigten Staaten 1966 einen Außenhandelsüberschuss von 1,3 Milliarden US-Dollar erwirtschafteten und ein Nettogläubiger waren, gab es im Jahre 1999 keinen Außenhandelsüberschuss mehr, sondern ein Defizit von 96,2 Milliarden US-Dollar – und die USA verwandelten sich von einem Nettogläubiger zu einem Nettoschuldner mit mehr als zwei Billionen US-Dollar Schulden. Den wirtschaftlichen Höhepunkt dürften die USA demnach in den 50er-Jahren gesehen haben.

So verwundert es auch nicht, dass der Entschluss von Präsident Nixon im Jahre 1971, das Goldfenster zu schließen und den Dollar abzuwerten (siehe hierzu auch nächstes Kapitel), zu einem Zeitpunkt stattfanden, zu dem die USA wirtschaftlich ihren Höhepunkt bereits überschritten hatten und das Land ein hohes Außenhandels- und Leistungsbilanzdefizit verzeichnete. Auf diesen Schritt folgten in den nächsten zehn Jahren steigende Inflationsraten und Zinsen sowie eine starke Abwertung des Dollars.

Und wenn Sie sich die USA anschauen, müssen Sie feststellen, dass auch heute wieder, so wie in den 70er-Jahren, ein großes Leistungsbilanzdefizit vorhanden ist. Zugleich erwächst der inzwischen einzigen Weltmacht mit dem rasanten Aufstieg der chinesischen Wirtschaft ein ernst zu nehmender Konkurrent. Sollten die Vereinigten Staaten in dieser Situation versuchen, ihre Stellung mit Hilfe von Kriegszügen zu sichern, dürfte sich der Dollar – das zeigt die Geschichte – noch ganz wesentlich abschwächen, und die Inflationsraten sowie die Zinsen dürften stark steigen.

Folgt man Kondratieffs zweitem empirischen Muster, demzufolge in ansteigenden Wellen – die ja hauptsächlich durch steigende Preise, insbesondere durch steigende Rohstoffpreise, sowie einen Anstieg des Zinsniveaus charakterisiert sind – große Veränderungen in der Gesellschaft, wie Kriege und Revolutionen, öfter als in fallenden Wellen zu beobachten sind, dann ist es wenig wahrscheinlich, dass die fünfte Welle schon vor Jahrzehnten angestiegen ist. Denn die größeren kriegerischen Auseinandersetzungen wie der Zweite Weltkrieg, der Korea-Krieg oder der Vietnam-Krieg fanden alle in der ansteigenden Welle des vierten Kondratieffs (1940/50 bis 1980) statt (siehe Abbildung 14), wohingegen seit der fallenden Welle (ab 1980) Konflikte zu verzeichnen waren (zum Beispiel Irak-Krieg und Bürgerkrieg in Jugoslawien), deren weltwirtschaftlicher Einfluss weitaus geringer war.

Wie Kondratieff feststellte:

… the upward movement in business conditions, and the growth of productive forces, cause a sharpening of the struggle for new markets — in particular, raw materials markets. On the one hand this makes for an expansion of the orbit of theworld market and the involvement of new countries and regions in the trade network. On the other hand, it makes for an

aggravation of international political relations, an increase in the occasions for military conflicts, and military conflicts themselves. At the same time, the rapid growth of new productive forces, intensifying the activity of the classes and groups within that have an interest in that growth, creates the prerequisite for sharpening the struggle against socioeconomic relations that are obsolescent and hinder development. It creates the prerequisite for big internal upheavals.

Nikolai Kondratieff, The Long Wave Cycle, 1925 (Richardson & Snyder, 1984)

Es ist wichtig zu wissen, dass die Mehrzahl der Konflikte im Umfeld steigender Rohstoffpreise stattfand: die Französische Revolution (1789–1804), die mit dem Verlauf der Französischen Revolution verbundenen Interventionskriege der anderen europäischen Staaten (Erster Koalitionskrieg von 1792/93 bis 1797, Zweiter Koalitionskrieg von 1798 bis 1802), der Krieg zwischen Russland und der Türkei (1806– 1812), der Krim-Krieg (1853–1856), der Amerikanische Bürgerkrieg (1861–1865), der Russisch-Japanische Krieg (1904/05), die Russische Revolution 1905, der Erste Weltkrieg (1914–1918) und die Februar-Revolution in Russland 1917. Wie bereits erwähnt, ist auch bei Dewey und Dakin zu erkennen, dass Kriege im Umfeld steigender Rohstoffpreise zu verzeichnen sind (siehe Abbildung 2).

Der Historiker Arnold Toynbee glaubte an einen Krieg-und-Frieden-Zyklus als Folge eines »Generation Cycle in the transmission of a social heritage«. Er bemerkte, dass:

The survivors of a generation that has been of military age during a bout of war will be shy, for the rest of their lives, of bringing a repetition of this tragic experience either upon themselves or upon their children, and … therefore the psychological resistance of any move towards the breaking of a peace … is likely to be prohibitively strong until a new generation … has had the time to grow up and to come into power. On the same showing, a bout of war, once precipitated, is likely to persist until the peace-bred generation that has been lightheartedly run into war has been replaced, in its turn, by a warworn generation.

Arnold Toynbee, A Study of History, London 1954

Auch Quincy Wright, der als Vater der Kriegs-Zyklen-Theorien angesehen wird, weil er diese eher empirisch und weniger theoretisch untersuchte, merkte an, dass

»there appears to have been a tendency in the last three centuries for concentrations of warfare to occur in approximately fifty-year oscillations, each alternating period of concentration being more severe”

Nach Wright können drei Faktoren einen Beitrag zu Kriegszyklen leisten, in einem globalen System, das zu Kriegen neigt: psychologische Faktoren, ökonomische Faktoren oder eine Kombination aus beiden:

»fluctuations in the intensity of war in the history of a state would tend to assume a definite periodicity if the international system exerted a persistent pressure toward war and if the economic and technological period necessary to recover from a severe war and to prepare for another were identical with the psychological and political period necessary to efface the antiwar sentiment after such a war and to restore national morale«.

Quincy Wright, A Study of War, 1942

Weil wir seit 1999/2001 wieder steigende Rohstoffpreise sehen, und weil wir unterstellen, dass die Beobachtungen von Kondratieff, Toynbee und Wright Gültigkeit haben, können wir konstatieren, dass derzeit ein neuer »Kriegszyklus« beginnt. Denn es ist vorstellbar, dass der Beitritt in das kapitalistische System und die wirtschaftliche Expansion aufstrebender Länder – wohlgemerkt: zu Lasten der westlichen Industrieländer – wie China und Indien, bei denen die Ausbeutung der volkseigenen Rohstoffe an Grenzen stößt, künftig – also während der ansteigenden Welle des fünften Kondratieffs – zu militärischen Konflikten führen könnten.

Der Grund hierfür liegt darin, dass diese Länder auf den Import von Rohstoffen angewiesen sind. China hat im Jahr 2003 Japan als zweitgrößten Ölkonsumenten abgelöst und wird bis Ende dieses Jahrzehntes höchstwahrscheinlich zum größten Importeur sämtlicher Rohstoffen werden. Das wird dazu führen, dass China nicht nur die Rohstoffpreise beeinflussen, sondern das Emporkommen des Landes auch geopolitische Folgen haben wird.

Denn aus geopolitischer Sicht ergibt sich in Zentralasien eine interessante Konstellation: Im Osten befindet sich das aufstrebende China, im Norden liegen Russland und die abgespalteten Teile ihres früheren Gebietes sowie, daran angrenzend, der Mittlere Osten – und das potenzielle nächste Ziel der Neokonservativen im Weißen Haus, der Iran. Somit wird es früher oder später zu einem sowohl wirtschaftlichen als auch politischen Kollisionskurs zwischen den USA und China kommen.

Allein der chinesische Ölbedarf hat sich in den vergangenen 15 Jahren von 2,2 Millionen Barrel pro Tag auf inzwischen mehr als 6,4 Millionen Barrel fast verdreifacht. China ist seit 1995 Nettoimporteur von Öl, und die Nachfrage wird weiter steigen. Doch nicht nur in China, sondern auch in Indien und im restlichen Asien wird der Lebensstandard weiter zunehmen, was zu einem vermehrten Verbrauch von Energie, Metallen und Nahrungsmitteln führen wird. Somit wird der Wirtschaftsblock Asiens mit insgesamt mehr als 3,6 Milliarden Menschen an Bedeutung gewinnen, und China wird das wichtigste Exportziel der restlichen asiatischen Länder werden.

Um die Ressourcen – nicht nur Öl und Metalle, sondern vermehrt auch Nahrungsmittel – zu sichern, dürfte sich China in den kommenden Jahren zunehmend im Mittleren Osten und Zentralasien einmischen, was die geopolitischen Spannungen in dieser Region verstärken dürfte. Interessenkonflikte zwischen China und den USA, vielleicht auch Russland, sind somit programmiert. Denn es ist nicht anzunehmen, dass China vom guten Willen der USA abhängig sein will, die die Kontrolle über das Öl im Mittleren Osten erlangen wollen. Erst Oktober 2004 vereinbarte China mit dem Iran einen Rahmenvertrag über Öllieferungen und Investitionen in die Ölwirtschaft über rund 70 Milliarden US-Dollar.

In diesem Zusammenhang erinnert der stark zunehmende Öl-Durst Chinas ein wenig an den Hunger Japans nach amerikanischem Altstahl im Jahr 1941. Nach dem Angriff auf die Briten durch die Japaner beschlagnahmten die USA die Altstahlverschiffung, worauf die Japaner mit dem Angriff auf Pearl Harbor antworteten. China und Russland hingegen scheinen sich zumindest derzeit gut zu ergänzen: Die Russen liefern die Rohstoffe, die Chinesen die billigen Konsumgüter.

Überhaupt werden viele Branchen weltweit China viel stärker berücksichtigen müssen. So werden sich die westlichen Industrienationen wirtschaftlich mit Sicherheit von der Textilindustrie verabschieden müssen, da niemand mit dem niedrigen Lohnniveau Asiens konkurrieren kann. Auch entdecken die Chinesen zunehmend ihr Interesse an anderen rohstoffreichen Kontinenten wie Afrika oder Südamerika und werden hier wohl zunehmend auf Widerstand stoßen. Allein in Argentinien will China in den nächsten zehn Jahren 20 Milliarden Dollar investieren. Und wie bereits erwähnt, vereinbarte China mit dem Iran einen Rahmenvertrag über Öllieferungen und Investitionen in die Ölwirtschaft.

Auch in einem weiteren Land, Libyen, das nach den Diktion der Bush-Administration zur »Achse des Bösen« gehört – und das rund 90 Prozent seiner Einnahmen aus der Ölindustrie bezieht –, bündeln sich die Interessen verschiedener ausländischer Investoren.

Es ist außerdem anzunehmen, dass sich die islamische Welt, die sich mit 1,2 Milliarden Menschen von Marokko bis Malaysia erstreckt, vom hegemonialen Gehabe von Bush jr., der sich ausdrücklich zu Präventivkriegen bekennt, wenig begeistert sein dürfte. Vielmehr dürfte jeder weitere Versuch imperialer Ausbreitung über andere Völker und Regierungsformen bei der muslimischen Bevölkerung, die in der Regel sehr jung und arm ist, auf vermehrten Widerstand stoßen.

Da mehr als 70 Prozent der Öl- und 40 Prozent der Gasreserven in diesem wenig stabilen Teil der Welt lagern, sind allein schon aufgrund möglicher Versorgungsengpässe Ölpreise möglich, die weit über dem aktuellen Niveau liegen. Doch zu anhaltenden Tumulten könnte es nicht nur im Irak oder im Iran kommen: Auch in Saudi Arabien herrscht eine explosive Situation. In den vergangenen Jahren ist es vermehrt zu Überfällen und Anschlägen gekommen. Das Land ist politisch extrem instabil, und ein Umsturz sowie die Gefahr, dass die Situation in Saudi Arabien außer Kontrolle gerät, können nicht ausgeschlossen werden.

Der Nahost-Experte Peter Scholl-Latour hält eine solche Entwicklung durchaus für möglich, besonders dann, wenn möglicherweise schon heute das Militär und der saudische Geheimdienst unterwandert sind. Durch eine einerseits ständig wachsende herrschende Klasse (es gibt mehr als 8000 Prinzen) und wachsende Arbeitslosigkeit andererseits destabilisiert sich die Situation zunehmend.

Die Gefahr einer Destabilisierung in Saudi-Arabien ist besonders deshalb so groß, weil hauptsächlich Saudi-Arabien die Al-Qaida mit Kapital versorgt. Der Al-Qaida-Haushalt beträgt nach Angaben der CIA etwa 30 Millionen Dollar pro Jahr.

Aber nicht nur in Saudi-Arabien, sondern im Mittleren Osten ganz allgemein könnte eine Destabilisierung Saudi-Arabiens zu einem Flächenbrand in anderen Ölländern führen. Die Verschwendungssucht der Königsfamilie und die pro-westliche Politik verschaffen den Fundamentalisten Zulauf. Ein großes Problem ist nämlich die wachsende Armut im Königsreich. Denn die Ölgelder des einst reichsten Landes der Erde reichen nicht mehr für alle.