Race Relations - Dr. Michaela Dudley - E-Book

Race Relations E-Book

Dr. Michaela Dudley

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Beschreibung

Pointiert und fesselnd! Michaela Dudleys Reflexionen über Rassismus »Die Entmenschlichung fängt mit dem Wort an, die Emanzipierung aber auch«, erklärt Michaela Dudley. So nimmt sie die Lesenden mit auf eine bewegende Exkursion, welche die Facetten und Strukturen von Rassismus sowie die Gefühlswelten von Opfern und Tätern schonungslos vor Augen führt. Themen wie die Kandidatur von Kamala Harris, die »MAGA-Sucht« der US-Republikaner, die Tötung von George Floyd, Deutschlands Kolonialismus in Afrika und das Duell zwischen Jesse Owens und der NS-Propaganda bringt sie ebenso eloquent wie einprägsam zur Sprache. In Zeiten des wiedererstarkenden Antisemitismus erinnert sie, solidarisch und unbeirrt mahnend, an die exemplarische Allianz zwischen Schwarzen und Jüdinnen und Juden der vergangenen Jahrzehnte. Ihre unabhängige Stimme bereichert den öffentlichen Diskurs und fordert heraus, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Die Autorin ist eine Berliner Kolumnistin, Kabarettistin, Queerfeministin und Juristin mit afroamerikanischen Wurzeln (Jg. 1961). Sie wuchs während der »Jim-Crow«-Ära in den USA auf. Ihre Intersektionalität und Internationalität, gepaart mit ihren persönlichen Erfahrungen, machen sie zur idealen Storytellerin. »Wir, die vom Rassismus unmittelbar betroffen sind, befinden uns tagtäglich auf einem Parcours, der uns nicht nur physisch, sondern auch psychisch zermürbt. Sprengen wir hier die Ketten, sollten wir da über die Klinge springen. Die Ziellinie wird stets in weite Ferne gerückt, immer mehr Hindernisse werden aufgestellt. Und wer nicht mehr atmen kann, bleibt ohnehin auf der Strecke.« Michaela Dudley

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Seitenzahl: 328

Veröffentlichungsjahr: 2025

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»Die Entmenschlichung fängt mit dem Wort an, die Emanzipierung aber auch.«

Michaela Dudley

Inhalt

Vorwort

1. Grabenkämpfe

2. Brückenschläge, Rückschläge

3. Das Gesicht wahren

4. Blinde Sehnsucht

5. Ras(s)enverhältnisse

6. Wandeltreppe in die Wolken

7. Grenzen gesetzt

8. Schmückendes Beiwerk

9. Sojourner Truth und die Wahrheit über schwarzen Feminismus

10. Die verlorene Sache

11. Auf ein Wort

12. Bittere Pillen

13. Die Weißglut und der Coup-Klux-Klan

14. Zwischen Zugaben und Zugeständnissen

Epilog: MAGA-Sucht und die Diversity-Diät 2

Quellenangaben

Über die Autorin

Vorwort

Dieses Buch widme ich dem Andenken an James Earl Chaney, Michael Schwerner und Andrew Goodman, bei ihnen handelt es sich um einen schwarzen Christen und zwei weiße Juden. Ihr Engagement für Gleichberechtigung vor sechs Jahrzehnten in den Vereinigten Staaten, als ich ebenda noch ein kleines Kind war, inspiriert mich bis heute. Nun, im Licht des wieder erstarkenden Antisemitismus, ist es mir ein Anliegen, an ihren exemplarischen Einsatz anzuknüpfen und ein Zeichen der Solidarität mit der jüdischen Community zu setzen. Deshalb erhalten die drei Vorbilder in dieser Neuausgabe ein eigenes Kapitel.

Mit diesem Essayband möchte ich Geschichte und Geschichten präsentieren, die diversen Opfern von Rassismus ein Gesicht geben und der Fratze des Hasses die Maske herunterreißen. Der Fokus liegt auf dem afrofeindlichen Rassismus, der sich gegen afrikanischstämmige Menschen bzw. gegen Schwarze richtet. Hier erzählen die ineinander verwobenen Episoden über Generationen und Ozeane hinweg von Doppelmoral und Demütigungen, von trotzigen Triumphen in der Umklammerung trostloser Tragödien, ob in Benin, Berlin oder Birmingham. Black History ist schließlich auch Menschheitsgeschichte.1 Sie tangiert die Lebens- und Leidenswege unserer Brüder und Schwestern aus anderen Kulturen und sie gehört uns allen. Die Handlungsweisen, Institutionen und Strukturen, die den afrofeindlichen Rassismus fördern, sind ohnehin Teil anderer Formen des Hasses.

Ebenjene Erkenntnis führt uns direkt zu der sogenannten Intersektionalität.2 Diese kann man als eine viel befahrene Straßenkreuzung verstehen, bei der sich verschiedene Identitäten überschneiden: Ethnizität, Geschlecht bzw. Gender, sexuelle Orientierung, Religion, soziale Schicht und so weiter. Es prallen somit zahlreiche Ansprüche aufeinander. Wie beim Straßenverkehr mag es Regeln geben, doch in der Praxis werden sie relativiert. Ähnlich verhält es sich in gesellschaftlichen Machtstrukturen: Gesetze und Normen können ein guter Anfang sein, aber oft werden sie so interpretiert und angewendet, dass sie bestehende Ungleichheiten zementieren. Ein systemischer Blick erlaubt es uns, diese versteckten Mechanismen aufzudecken und sie zu korrigieren.

Deshalb werden wir in diesem Buch die Unterdrückungsarten nicht isoliert betrachten, sondern als miteinander verbundene Teile eines größeren Gefüges. Die von Ungleichheit geprägte Dynamik führt also zu einer Vielzahl individueller Erfahrungen und erfordert somit einen scharfen, sensiblen Blick, um die systemischen Ursachen aufzudecken und zu bekämpfen. Gerade deswegen ist es so wichtig, dass wir uns mit den persönlichen Schicksalen auseinandersetzen, die von diesen Ungleichheiten geprägt sind.

Seit 2018 betreue ich vereinzelt queere Geflüchtete im Ehrenamt mit. Im Rahmen der Arbeit lernte ich eine tapfere Frau kennen, die ich hier Nadia nennen möchte. Nadia ist eine lesbische Afropalästinenserin aus Al-Abeed, Gaza. Schon die Kategorisierung sprengt den Rahmen üblicher Erwartungen. Dass europäischstämmige Erzkonservative ihr nichts als Abneigung entgegenbringen, kann man sich denken. Denn die 30-jährige Frau, die mittlerweile in Benelux wohnt, hat die falsche Hautfarbe, lebt homosexuell und ist keine Christin. Genau genommen ist Nadia Atheistin. Aber auch viele Linke in ihrem Umfeld können herzlich wenig mit ihr anfangen. Offenbar gefällt es nicht, dass sie den Verein kritisiert, den man als Befreiungsorganisation feiert. Nahe Khan Yunis haben Angehörige der Moralpolizei sie 2016 ins Visier genommen und ihr den Daumen abgehackt. Die Haltung der Hamas gegenüber der Regenbogen-Community in Gaza wurde übrigens selbst von Amnesty International und der queeren palästinensischen NGO alQaws mehrmals dokumentiert.3 Während der kurzen Begegnung mit den Kerlen in Zivil wurde Nadia übrigens nicht nur queerfeindlich, sondern auch rassistisch beschimpft.

Derartig traumatisierende Erfahrungen sollten selbstredend die Sympathie progressiver, gerechtigkeitsorientierter Menschen hervorrufen. Nadia passt jedoch nicht in das vorgefertigte Narrativ. Ausgerechnet White Saviors, die Kufijas tragen und zugleich gegen die kulturelle Aneignung predigen, sind es, die ihr die kalte Schulter zeigen. Denn es geht ihnen nur um die Instrumentalisierung des schwarzen Opfers, ohne dessen Bedürfnisse und Erlebnisse anzuerkennen.

Bereits in der ersten Auflage des Buches habe ich mich mit der Diskrepanz zwischen den Erwartungen weißer Menschen und den Lebensrealitäten von Schwarzen auseinandergesetzt. Diese Thematik setze ich mit der Neuausgabe fort. Im Epilog werde ich mich auch mit der historischen Präsidentschaftskandidatur von Kamala Harris befassen. Zudem werde ich mich dem entbrannten Kulturkampf zwischen Diversity-Förderung und leistungsbezogenen Ansprüchen widmen. Stichworte DEI (Diversity, Equity, Inclusion) und MEI (Merit, Excellence, Intelligence). Meine Essays erläutern überdies meine für den Arbeitsplatz entworfenen Konzepte RAVE (Recognizing Added-Value Experience) und SAVE (Supporting Added-Value Experience), wonach der oft übersehene Mehrwert an Kompetenzen, über die Marginalisierte verfügen, wertgeschätzt wird.

Welche Herausforderungen und Zumutungen bringt es mit sich, wenn »der brachliegende Kartoffelacker« in ein farbenprächtiges Beet verwandelt wird? Eine herbe Frage. Eine, die aber nicht an Aktualität verliert. Während der demografische Wandel voranschreitet, grassiert rechts wie links die Demagogie. Und wer »A« wie »AfD« sagt, muss auch »B« wie »BSW« sagen. Gedanken zu diesen Entwicklungen sind selbstverständlich auch in diesem Band enthalten.

Nun sei noch ein wichtiger Hinweis gegeben, was die explizite Schilderung von Gewalt und die unzensierte Wiedergabe von Dialogen betrifft: Ich gebe keine Triggerwarnungen. Diese Haltung ist für mich ein Grundsatz, ganz egal, ob in meinen Texten, Reden, Workshops oder Gigs. Ich bekomme in meinem Alltag als mehrfach marginalisierte Person ebenfalls keine Triggerwarnungen, sondern eher die jählings abgefeuerten Kugeln des Hasses. Wer sich in das Leben einer von Rassismus direkt Betroffenen hineinversetzen möchte, sollte auch dazu bereit sein, die spontanen Spießrutenläufe zu absolvieren. In Triggerwarnungen wittere ich eher ein subtiles Tone-Policing, das mehr die weiße Fragilität als das schwarze Seelenheil berücksichtigt. »Wir brauchen Empowerment. Dafür müssen wir aber mehr Empathie zeigen und mehr Empörung zulassen«, erkläre ich im Spielfilm Geschlechterkampf: Das Ende des Patriarchats (2023).4 Für die Sozialsatire, die ich mit dem Regisseur Sobo Swobodnik und der Hauptdarstellerin Margarita Breitkreiz gedreht habe, hatte ich die Ehre, meine Dialoge selbst zu verfassen. So konnte ich mir an der Berliner Volksbühne selbst aus der Seele sprechen. Empowerment geht nur, wenn wir Empathie und Empörung wie Wärme und Wut miteinander in Einklang bringen.

Berlin, den 10. Februar 2025

Michaela Dudley, J.D.

1. Grabenkämpfe

Mississippi, 1964. Die Baumwollfelder dehnten sich endlos aus. Unter der sengenden Sonne entfalteten sie sich wie ein schimmerndes Meer. Millionen flauschiger Wattebäuschchen tanzten auf einem leichten Windhauch und verwandelten die Landschaft in ein Gemälde der Natur, gemalt mit unzähligen weißen, welligen Pinselstrichen. Eine Idylle, traumhaft und zugleich trügerisch. Der Anblick gaukelte eine Unschuld vor, die in diesem Staat eigentlich längst verloren gegangen war.

Etwas lag so oder so in der Luft. In der drückenden Hitze schwebte der Geruch verblühter Magnolien und vergorener Melasse. Ortsfremde, die es hierher verschlagen hatte, empfanden das Aroma als betörend und nicht minder beklemmend. Dies war ein süßlich-fauler Duftcocktail, dem häufig ebenfalls eine rauchige Note innewohnte. Die Hiesigen störte es nicht. Damals war es gang und gäbe, überwucherte Weiden kontrolliert anzuzünden, um Platz für neue Triebe zu schaffen. So stachen Mulch und Stroh immer wieder in die Nase, kitzelnd und sogar quälend.

Bisweilen aber konnte man auch verbranntes Holz wittern. Verbranntes Holz, das unheimliche Rituale ins Gedächtnis rief. Es waren Rituale wie aus Geistererzählungen. Diese Geistererzählungen entstammten jedoch der Gegenwart und entsprachen der Wahrheit. Nachts auf den offenen Hügeln loderten Kreuze, während weiße Schatten im Mondlicht herumschwirrten. Manchmal erfassten die Flammen eine Blockhütte. Eine bewohnte, übermäßig belegte Blockhütte, deren Überreste am nächsten Morgen als graue, wabernde Aschewolken in das Firmament emporstiegen, durchsetzt von den beißenden Aromen der Verwesung.

Wer gedachte, in der Kühle der Wälder Zuflucht zu suchen, konnte plötzlich auf ein aufgeschnittenes, zerfranstes Galgenseil stoßen. Das verräterische Exponat der Selbstjustiz lag entweder auf dem Laubteppich unter den Eichen oder hing, sogar leicht baumelnd, noch von den Ästen. Jedweder Hain konnte sich zu jedweder Stunde in eine Hinrichtungsstätte verwandeln.

Man hatte schon mehrmals eindringlich davor gewarnt, das Reich der Rednecks zu besuchen. Das Vorhaben, ausgerechnet Mississippi, Schauplatz der grausamen Morde an Emmett Till (1941–1955) und Medgar Evers (1925–1963), zu besuchen, glich einem Sprung in den Abgrund. Doch James Earl Chaney, 21, sowie Michael Schwerner, 24, und Andrew Goodman, 20, ließen sich partout nicht beirren.

Chaney, ein schwarzer Katholik, kam sogar ursprünglich aus Meridian, Mississippi. Seine Mitreisenden Schwerner und Goodman, zwei weiße Juden, stammten aus New York City. Die drei Idealisten streiften in ihrem blauen Ford-Kombiwagen nicht planlos umher. Nein, sie hatten ein festes Ziel. Es ging um die Demokratisierung des Dixielands, und zwar, wohlbemerkt, ein Jahrhundert nach der offiziellen Abschaffung der Sklaverei.

In Mississippi, damals wie auch heute dem ärmsten Bundesstaat der USA, und in den anderen Staaten der ehemaligen Konföderation hatte ein Geflecht aus Gesetzen, wirtschaftlichem Druck und Gewalt ein Wahlsystem errichtet, das Schwarze systematisch marginalisierte. Die Möglichkeit zur politischen Partizipation blieb der afroamerikanischen Bevölkerung also weitgehend verwehrt. Gerade in Mississippi machten Schwarze sogar 45 Prozent der Bevölkerung aus, und trotzdem galten nur etwa 15 Prozent von ihnen als wahlberechtigt. Der Congress of Racial Equality (CORE), eine bereits 1942 gegründete NGO, trat diesem Unrecht entgegen und gründete Freedom Schools, um die entrechteten Bürger*innen zu befähigen und zu mobilisieren. Ziel war es, durch Bildung und Ermutigung die Hürden der Wählendenregistrierung zu überwinden. CORE-Aktivist*innen unternahmen den mutigen Schritt, im tiefsten Süden eine solche Schule zu etablieren, um Schwarze gezielt auf die staatlich vorgeschriebenen Lese- und Schreibtests vorzubereiten.

Anno dazumal, in einer Ära ohne die digitalen Werkzeuge, die heute die Koordination von Protesten erheblich erleichtern, war es eine enorme Herausforderung, Menschen für eine gemeinsame Sache zu mobilisieren. Statt Flashmobs gab es Flugblätter, Poster statt Posts und Telegramme statt TikTok und Tweets. Trotzdem gelang es dem Organisationsteam, zahlreiche Freiwillige in kurzer Zeit zusammenzutrommeln.

Der Freedom Summer 1964 war ein Wendepunkt im amerikanischen Bürgerrechtskampf. Tausende junge Menschen, vorwiegend weiße Studierende, reisten in den tiefen Süden der USA. Sie kamen nicht als Protestierende mit Plakaten, sondern als Freund*innen mit Formularen. Denn es war ihr Ziel, schwarze Bürger*innen bei der Registrierung für die im November anstehenden Wahlen zu unterstützen. Angetrieben von einem tiefen Glauben an Gerechtigkeit und Gleichheit, konfrontierten sie den rohen Rassismus. Ihre Motivation? Sie wollten die Welt ändern. Die Welt – oder zumindest einen Teil davon. Immerhin trug ihre Arbeit maßgeblich dazu bei, das Bewusstsein für die Ungerechtigkeiten im Süden zu schärfen und die Bürgerrechtsbewegung zu stärken.

Das Fleckchen Erde, das dem Trio Chaney, Schwerner und Goodman zuteil und zum Verhängnis wurde, lag in Neshoba County. Dort in der Kleinstadt Longdale pflanzten die jungen Männer einen Samen der Hoffnung. Ihre Rede in der Mount Zion Methodist Church war ein leidenschaftlicher Appell zur Emanzipation. Schwerner flehte die Gemeinde an, die Ketten der Unterdrückung abzuschütteln und ihre Rechte einzufordern. »Ihr wart zu lange Sklaven«, rief er aus. »Wir können euch helfen, euch selbst zu helfen.«

Doch dieser Funke der Freiheit entzündete nicht nur Hoffnung, sondern auch den Hass der weißen Dominanz. Sam Bowers, Anführer der White Knights of the Ku Klux Klan, erteilte den Befehl, den mittlerweile abgereisten Bürgerrechtlern eine Falle zu stellen. Selbst der örtliche Sheriff, Lawrence Rainey, und dessen Stellvertreter, Cecil Price, beide Mitglieder des Klans, waren in die Verschwörung eingeweiht. Um die CORE-Aktivisten zurück nach Neshoba County zu locken, verübte der Klan einen gewaltsamen Überfall auf Gemeindemitglieder der Mount Zion Methodist Church. Gleich im Anschluss daran erfolgte ein Brandanschlag auf die Kirche. Der Zwischenfall rief Chaney, Schwerner und Goodman tatsächlich wieder auf den Plan. Vom CORE-Büro in Meridian aus eilten sie dahin und begutachteten die verkohlte Ruine aus nächster Nähe. Das Gotteshaus, in dem sie jüngst zum Widerstand aufgerufen hatten, war nunmehr nichts als Schutt und Asche. Ein ähnliches Schicksal widerfuhr rund zwanzig weiteren Kirchen für Schwarze in Mississippi, und zwar schon alleine in demselben Sommer.

Entsetzt, jedoch nicht entmutigt, beteuerten die drei Bürgerrechtler ihre Verbundenheit mit der Kirchengemeinde. Die Zeit war allerdings knapp. Aus Angst davor, nachts vor Ort erwischt zu werden, hatten sie für den Besuch nur wenige Stunden anberaumt. Es war der 21. Juni, der längste Tag des Jahres. Dies bot ihnen aber wenig Trost. Sie hatten allen Grund zur Annahme, dass sie heimlich verfolgt wurden. Wahrhaftig waren die Geister der Finsternis ihnen schon lange auf der Spur.

Da Chaney, der in Mississippi aufgewachsene Schwarze, bessere Ortskenntnisse hatte als seine beiden Kollegen, diente er als Fahrer. Er vermied auf dem Rückweg ganz bewusst die direkte Straße, weil diese schmal, unbefestigt und von verfallenen Gebäuden gesäumt war. Zu wenig Komfort, zu wenig Sicherheit. Schließlich wäre jener Weg auch zu langsam gewesen. So fuhren sie durch das 5.000-Seelendorf Philadelphia, den Verwaltungssitz von Neshoba County.

Zu allem Überfluss platzte ein Reifen des Kombis in Philadelphia. Aus dem Nichts erschienen blinkende rote Lichter. Deputy Price in seinem Polizeikreuzer stürzte sich auf sie und funkte nach Verstärkung. Dass der Negro am Steuer des Kombis saß, passte sehr gut. Chaney wurde wegen einer angeblichen Geschwindigkeitsüberschreitung festgenommen. Goodman und Schwerner wurden zur Vernehmung mitgenommen. Nach etlichen Stunden in Polizeigewahrsam und der Zahlung einer Geldstrafe von 20 Dollar kam Chaney wieder auf freien Fuß. Mit der Aufforderung, sich nie wieder in Neshoba County erwischen zu lassen, wurden sie in die Nacht gestoßen – und dem Ku Klux Klan übergeben. Deputy Price jagte die drei jungen Männer nach wenigen Kilometern Freiheit in die Arme eines Mordkommandos.

»You that nigger lover?«, fragte Alton Roberts, als er eine geladene Pistole auf Michael Schwerner richtete.1

Roberts, ein Verkäufer und unehrenhaft entlassener Marine, drückte binnen Sekunden ab. Er feuerte ebenfalls auf Andrew Goodman und schoss Chaney dann in den Kopf, wobei Chaney bereits von James Jordan in den Unterleib getroffen worden war. Drei Tage später wurde der Ford-Kombiwagen gefunden, völlig ausgebrannt und ohne Insassen.

Der ausgebrannte Kombi der drei CORE-Aktivisten. (Quelle: Public Domain. FBI).

Mehr als sechs Wochen lang schien die Erde Mississippis Chaney, Schwerner und Goodman verschlungen zu haben. Doch auch währenddessen verschwanden sie gleichsam nicht von der Bildfläche. In meinem dritten Lebensjahr, als ich im Norden der USA über den Teppichboden krabbelte, erhaschte ich einen Blick auf sie im Schwarz-Weiß-Fernsehen. Ein FBI-Fahndungsplakat flackerte auf. Die drei Vermissten waren nebeneinander in Mugshot-Manier abgebildet. Für sachdienliche Hinweise wurde sogar eine Belohnung in Höhe von 25.000 Dollar (rund 250.000 Dollar im Jahre 2025) ausgelobt. Obwohl ich natürlich zu jung war, um zu begreifen, worum es ging, war das Plakat eines der ersten Bilder, das sich in mein Gedächtnis hineinbrannte. Walter Cronkite, das Urgestein von CBS News, sprach über den Fall, der das Land beschäftigte. Sage und schreibe 400 Marinetaucher wurden eingesetzt. Suchtrupps stießen unerwartet auf die Leichen von acht verschwundenen Schwarzen, die teils nachweislich vom KKK ermordet worden waren.

Dringend gesucht. Plakat mit Aufnahmen der Vermissten (v. l. n. r.) Andrew Goodman, James Earl Chaney und Michael Schwerner, 29. Juni 1964 (FBI). (Quelle: Public Domain. FBI).

Erst am 4. August 1964, auf einem Bauernhof namens Old Jolly Farm, entdeckte man die sterblichen Überreste von James Earl Chaney, Michael Schwerner und Andrew Goodman. Dort lagen sie gemeinsam in einem Erddamm. Chaney war zusätzlich kastriert worden, typisch für einen Schwarzen. Die Entführer hatten Goodman bei lebendigem Leibe begraben. Das offenbarten die Bruchteile roten Tons, die bei der Obduktion in seinen Lungen und in seinen krampfhaft geballten Fäusten entdeckt worden waren.2 Der Hass des Ku Klux Klans auf Weiße, die sich der Emanzipierung schwarzer Menschen verschrieben hatten, war besonders groß. Vor allem an gebildeten, vermögenden Juden aus dem liberalen Norden, wie Goodman und Schwerner, wurde ein sadistisches Exempel statuiert.3

1967 wurden sieben Angeklagte im Zusammenhang mit den grausamen Verbrechen für schuldig gesprochen. Keiner jedoch musste mehr als sechs Jahre verbüßen. Allerdings wurde der mutmaßliche Drahtzieher, der örtliche Klan-Anführer Edgar Ray Killen, der übrigens nebenberuflich Baptistenprediger war, erst 2005 wegen dreifachen Totschlages zu einer Haftstrafe von 60 Jahren verurteilt.4 Von den Bundesbehörden wurde der tiefgreifende Kriminalfall unter dem Titel Mississippi Burning zu den Akten gelegt, und bildete zumindest den Ausgangspunkt für den gleichnamigen Spielfilm (auf Deutsch Die Wurzel des Hasses) von Alan Parker aus dem Jahr 1988.5 Der 20 Jahre später erschienene Dokumentarfilm Neshoba: The Price of Freedom,6 der eine umfassende Darstellung der Ereignisse und ihrer Bedeutung im Kontext der Bürgerrechtsbewegung bietet, leistet allerdings einen unerlässlichen Beitrag zur Aufarbeitung der Morde.

Es ist eine Geschichte, die auch und gerade heute, nach mittlerweile sechs Jahrzehnten, schonungslos erzählt werden muss. So hat die Causa längst Einzug in meine Vorträge über den Rassismus gehalten. Lange Zeit fielen die Reaktionen im Publikum nahezu einheitlich aus. Einheitlich, wenn auch vielschichtig. Ein gemeinsam erlebbares Wechselbad der Gefühle wurde ausgelöst. Staunen, trübe Gesichter, entsetztes Kopfschütteln und schlussendlich Inspiration. Ich musste nicht einmal um eine Schweigeminute bitten. Denn die Stille legte sich von selbst über uns und vereinigte die Emotionen zu einer tiefen kollektiven Erfahrung. Oft war diese Ruhe so dicht, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können.

Doch seit einiger Zeit, wenn ich Chaney, Schwerner und Goodman öffentlich gedenke, laufe ich Gefahr, laut und aggressiv unterbrochen zu werden. Die Angelegenheit ist nicht nur von generationellen, sondern auch von geopolitischen Faktoren geprägt. Demnach gehöre es sich angeblich nicht, »Zionisten als Gerechtigkeitskämpfer« darzustellen. Gemeint waren Schwerner und Goodman. Ich konnte schon Lunte riechen.

Während meiner Jugend in den USA der 1960er und 1970er Jahre waren jüdische Kinder oft die Einzigen gewesen, die bereitwillig mit uns Schwarzen zusammengespielt hatten. Ihre Eltern wiesen schmucklose Tätowierungen aus dem KZ Auschwitz-Birkenau auf. Solche Begegnungen in jungen Jahren schweißen zusammen. Die Verbundenheit opfere ich jedoch nicht auf dem Altar des Zeitgeistes, sosehr dies auch erwartet wird.

Derartige Erfahrungen machte ich während meiner Veranstaltung zum Black History Month Februar 2024, und zwar knapp vier Monate nach dem berüchtigten 7. Oktober. Hier sei zur Ergänzung erwähnt, dass einige Anwesende nicht unbedingt damit gerechnet hatten, dass ich, eine agnostische Schwarze katholischen Glaubens, es für nötig halten könnte, eine Lanze für Jüdinnen und Juden zu brechen. Innerhalb des BIPoC-Kosmos herrschte immerhin der Nötigungsdruck, Israel als »Apartheidstaat« zu brandmarken, eine Charakterisierung, die ich aus historischen und sachlichen Gründen nach wie vor ablehne. Fakt ist, bei den Zerwürfnissen, die infolge des Gaza-Konfliktes entstanden, gerät so oder so eine einst enge interkulturelle Zusammenarbeit, nämlich die Allianz zwischen Schwarzen und Jüdinnen und Juden, in Vergessenheit; davon abgesehen, dass es übrigens auch schwarze Jüdinnen und Juden und jüdische Schwarze gibt. Allerdings waren Schwerner, Goodman und Chaney mitnichten die einzigen Verfechter des Bündnisses. Ein Prinz und ein King zählten auch prominent dazu.

Da handelte es sich genauer genommen um Joachim Prinz, den 1902 in Schlesien geborenen Rabbi, und einen späteren Friedensnobelpreisträger namens Martin Luther King. Der Gestapo nur knapp entkommen, stieg Prinz in den USA zum Präsidenten des American Jewish Congress auf. In jener Funktion lernte er den eloquenten Baptistenprediger King kennen, und es war die Grundsteinlegung einer wertvollen Partnerschaft für Gerechtigkeit. Denn Prinz, Mitorganisator des Marschs auf Washington für Arbeit und Freiheit, trat als einer der Redner auf der Demonstration vor dem Lincoln-Memorial auf, bei der King seine monumentale »I Have a Dream«-Rede hielt.

Trotz der erheblichen Bedrohung durch den Ku Klux Klan und ungeachtet der unzureichenden Strafverfolgung von Hassverbrechen blieb das interreligiöse und multikulturelle Bündnis im Kampf für Bürgerrechte unerschütterlich. Besonders bemerkenswert ist die hohe Beteiligung jüdischer Amerikaner*innen. So waren schätzungsweise etwa 50 Prozent der weißen Aktivist*innen, die 1964 am Freedom Summer in Mississippi teilnahmen, jüdischer Herkunft. Auch ältere Generationen, darunter Holocaust-Überlebende, engagierten sich leidenschaftlich für die Sache der Bürgerrechte. Die enge Zusammenarbeit zwischen jüdischen und schwarzen Bürgerrechtler*innen, wie sie sich u. a. bei dem gemeinsamen Marsch von Martin Luther King und Rabbi Abraham Joshua Heschel von Selma nach Montgeomery 1965 zeigte, war beispielhaft. Die Flammen, von denen sie mit Schwarzen zusammengeschweißt wurden, stellten die rassistische, antisemitische Brandstiftung des Ku Klux Klans in den Schatten. Doch die Verbundenheit war nicht erst ein Phänomen der revolutionären 1960er Jahre.

Bereits 1909 hatte sich Henry Moskowitz, ein jüdischer Amerikaner rumänischer Herkunft, gemeinsam mit W. E. B. Du Bois und anderen schwarzen Intellektuellen zusammengetan, um die renommierte Bürgerrechtsvereinigung NAACP aus der Taufe zu heben. Zwischen 1910 und 1940 gründete der jüdische Philanthrop Julius Rosenwald sage und schreibe mehr als 2.000 schwarze Grund- sowie weiterführende Schulen und darüber hinaus 20 schwarze Colleges und Universitäten. 1945 befreiten Black GIs des 761. US-Panzerbattailons rund 15.000 ungarische Juden aus dem KZ Gunskirchen in Österreich. Vermutlich wäre eine gewisse Ms. Harriet Tubman (1820–1913), alias Moses, sehr stolz auf die Jungs gewesen, die der kommandierende General Patton damals als seine Black Panthers pries. Solche gegenseitige Loyalität seitens der jüdischen Gemeinde gegenüber der schwarzen Community überspannte etliche Generationen und einige hässliche Krisen, wie z. B. die tödlichen Crown-Heights-Unruhen (1991).7 Jüdische Solidarität war auch 2020 deutlich zu erkennen, als die Ermordung von George Floyd Abermillionen Menschen weltweit mobilisierte.

Umso bedauerlicher ist es, dass Black Lives Matter (»BLM«) Chicago wenige Stunden nach dem 7. Oktober 2023 das Bildnis eines Gleitschirms mit palästinensischer Flagge online postete.8 Es ging nicht etwa um Tourismus, sondern um Terrorismus. Die Grafik war in Anlehnung an die Paragliders, mit denen die Hamas das Musikfest Supernova Rave beim Kibbuz Re’im überfallen hatte, um ausgerechnet friedlich feiernde Netanjahu-Gegner*innen scharenweise zu vergewaltigen, verschleppen und vernichten. Mehr als 25 BLM-Ortsverbände teilten das Meme eifrig weiter, zahlreiche Follower*innen rechtfertigten den Terror als »verzweifelten Akt der Selbstverteidigung«.

Ich hätte gehofft, wir wären weiter. Die Tatsache, dass viele »progressive« Menschen aus der weißen Dominanzgesellschaft ihre Schadenfreude und ihre Antipathien ähnlich potent zu erkennen geben, macht es nicht akzeptabler. Die einst erhoffte Brandmauer der Gesellschaft gegen den Antisemitismus löst sich nach und nach in Flammen auf. Irgendwie reicht es nicht, dass man, nach dem tödlichsten antisemitischen Massenmordanschlag seit der Shoah, dem Judentum die Empathie entzogen hat. Nein, es wird nachgetreten. Menschen, die sich mit einer Kippah oder mit einem Davidstern auf die Straße trauen, gelten als Freiwild. Selbst an den Universitäten finden sie keine Zuflucht. Jüdische Studierende werden von anderen Kommiliton*innen gejagt und krankenhausreif geschlagen. Hier in Deutschland, Heimat des Holocausts, werden jüdische und »judenfreundliche« Geschäfte zum Ziel von Flashmobs, die zum Boykott aufrufen und Gäste bedrängen. 1938 ist überall.

Zum Glück gibt es in der schwarzen Community auch Stimmen, die zur Verurteilung des Judenhasses aufrufen. Dazu mehr im Epilog. Wer den Hass bekämpfen will, muss jetzt mit anpacken. Die Idee, dass man den einen oder anderen Einsatz aussitzen könnte, bis es dann um die »eigene« Sache ginge, ist ein grotesk gefährlicher Wunschtraum.

Das Vermächtnis von Chaney, Schwerner und Goodman mahnt uns, dass der Kampf gegen Ungerechtigkeit ein gemeinsamer ist. Ihre Ermordung war ein Angriff auf die gesamte Gesellschaft, nicht nur auf Schwarze und Jüdinnen und Juden. Der Kampf der drei Jungs, die auf bestialische Weise gefoltert, erschossen und in einem Erdwall verscharrt wurden, darf nicht in geschichtspolitischen Grabenkämpfen verlaufen.

Die verscharrten Leichen auf der Farm in Philadelphia, Mississippi. (Quelle: Public Domain. FBI).

2. Brückenschläge, Rückschläge

Rassismus tötet. Und das mit System. Auf methodische Weise nimmt er uns, seine Opfer, ins Visier. Wegen unserer Hautfarbe und unserer vermeintlichen oder auch tatsächlichen Herkunft gelten wir als verrufen – und verfügbar. Seit anderthalb Millennien werden wir in der schwarzen Community vom Rassismus beschattet, bedroht, bedrängt, beleidigt und beseitigt. Mit der Geburt des arabischen Kalifats im 7. Jahrhundert schlug die Stunde des Sklavenhandels. Ein dunkles Kapitel der Geschichte begann, das Afrika auf epochale Weise verwüstete und Abermillionen Menschen in die Ketten der Unfreiheit trieb. Mittlerweile stießen weiße Europäer gierig hinzu. Gemeinsam mit den arabischen Händlern, und zwar sogar unter der Beteiligung schwarzafrikanischer Akteure, schufen sie ein System massenhafter Entmenschlichung, das Kontinente erschütterte. Wer die multikulturelle Komplizenschaft der Sklaverei bestreiten oder relativieren will, entzieht sich einer ernsthaften historischen Auseinandersetzung.

Mit passionierter Penibilität wurde eine Pseudowissenschaft entwickelt, um unsere generationenübergreifende Unterwerfung zu rechtfertigen. Mit Elan und Erlassen förderte die Kirche den Kolonialismus. Die hochgelobten Humanisten und Fürsprecher der Freiheit sahen tatenlos zu, während wir entmenschlicht wurden: Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Immanuel Kant, George Washington und Thomas Jefferson hatten gut reden. Ausgerechnet im Zeitalter der Aufklärung, gewissermaßen zum Urknall des Universalismus, blühte der Handel mit Versklavten auf.

Doch auch heutzutage – nach der zumindest formalen Emanzipation – werden wir als Opfer des Rassismus ausgegrenzt und gleichzeitig eingezäunt. In Unterkünften für Geflüchtete, in Justizvollzugsanstalten, in der Psychiatrie, in den Fängen der Sextrafficker. Oder wir fristen unser Dasein mit etwas Glück als Steuerzahlende im Streichelgehege des selbst ernannten Sozialstaates, dem Menschenzoo der Moderne. Denn auch da sind wir angekettet. Wir werden wie Marionetten manipuliert. Wir werden dressiert, um unsere Dankbarkeit besser artikulieren zu können. So oder so sind wir nicht frei, sondern immer noch Freiwild. Und da der Rassismus nach wie vor wütet, hinterlässt er weiterhin Blutspuren und vernarbte Seelen. Ihm steht dabei eine große Auswahl an Tatorten zur Verfügung. Sein Unwesen treibt er am Arbeitsplatz, an der Tür zum Club, auf offener Straße, im Internet und auch von der Gerichtsbank aus. Häufig kann er, der Rassismus, getrost damit rechnen, nicht mal als Problem betrachtet zu werden. Denn angeblich existiert er ja gar nicht mehr oder die ihm vorgeworfenen Handlungen werden als verständliche Reaktion auf die sogenannte Überfremdung der gedachten Heimat fehlinterpretiert.

Die Komplizenschaft des Rassismus ist ebenfalls überall unterwegs. Sie lässt sich jedoch nicht minder schwer fassen. Viele Mittäter*innen ahnen selbst nicht, dass sie ihr Schützenhilfe gewähren oder zumindest Zuflucht bieten. Wenn sie mit den Privilegien konfrontiert werden, die sie infolge ihrer aktiven oder auch nur passiven Mitwirkung genießen, zücken sie ihre Smartphones. Sogleich warten sie mit Beweisbildern von einem afrikanischen Patenkind auf, das sie seit Jahren mit Leidenschaft und Lastschriftverfahren unterstützen. Sie weisen auf ihre Social-Media-Profile hin und zeigen, wie sie jüngst Blackout Tuesday gefeiert haben.

Dabei möchte ich Sympathiegesten und Solidaritätsbekundungen nicht pauschal in Abrede stellen. Heutzutage ist der Begriff Black Lives Matter in aller Munde – und das ist gut so. Die gleichnamige Bewegung, die bereits 2013 infolge der Erschießung des schwarzen Teenagers Trayvon Martin im Jahr zuvor gegründet wurde, hat mittlerweile rund um die ganze Welt Ableger. Im Schulterschluss mit uns Schwarzen greifen Menschen jeglicher Couleur den desperaten Satz auf: »I can’t breathe!«

Schon 2014 stieß der Schwarze Eric Garner ebenjene Wörter während seiner tödlichen Festnahme auf Staten Island in New York aus. Und er wird kaum der Erste gewesen sein. Von dem fatalen Einsatz gibt es sogar kurze Videoaufnahmen, die Garner im damals wie heute verbotenen Würgegriff der Polizei zeigen, wobei es für den verantwortlichen Beamten keine ernsten Konsequenzen gab. Jahre später nahm eine junge Schülerin namens Darnella Frazier1 ein 8 Minuten und 46 Sekunden langes Video mit ihrem Handy auf – und diese Szene klebt visuell und akustisch in unserem Gedächtnis: Der Afroamerikaner George Floyd,2 bereits mit Handschellen gefesselt und auf dem Boden liegend, stirbt unter dem Knie des Polizeisergeants Derek Chauvin. Der Mitschnitt, der Floyds Martyrium in Minneapolis festhält, ging sofort viral. Genau genommen, war Floyd sogar 9 Minuten und 29 Sekunden gefoltert worden, wie Bodycam-Aufnahmen der beteiligten vier Polizisten später verrieten.3 Eingedenk der Tatsache, dass ich am eigenen Leib schon viel Erfahrung mit Rassismus gesammelt hatte, war ich verblüfft, dass ich noch heulen konnte, während ich mir den Mord anschaute. Und das tat ich immer und immer wieder. Wie eine masochistische Voyeurin. Wohl in der verzweifelten Hoffnung, dass Chauvin im nächsten oder übernächsten Durchlauf rechtzeitig aufhören würde, damit Floyd wieder heil auf die Füße und mit einem Schrecken davonkommen könnte. Als hätte White Supremacy jemals eine Schwäche für Gnade.

Aber dann kam fast ein Jahr später die »Erlösung«. Das einstimmige Urteil der zwölf Geschworenen wurde vom Richter verlesen. Schuldig in allen drei Anklagepunkten: Mord zweiten Grades, Mord dritten Grades und Totschlag zweiten Grades. Eine Mischung aus Euphorie und latenter Erzürnung bemächtigte sich meiner. Ich klatschte, ich schrie, ich schimpfte, als der Ex-Cop abgeführt wurde. Der süffisant-gelassene Gesichtsausdruck, mit dem er in die Handykamera geschaut hatte, während er das Leben aus George Floyd qualvoll herausquetschte, war nicht mehr zu erkennen.4

»Ich kann nicht atmen!« Diese Parole erlangte inmitten der Pandemie eine erweiterte Signifikanz. Denn Rassismus nimmt uns – uns allen! – die Luft zum Atmen. Gleichwohl entsteht dieses Virus nicht in einem Vakuum, sondern in einer brodelnden Biosphäre, in der Brutalität und Bürokratie an und für sich gut miteinander auskommen. Wir direkt Betroffene der Diskriminierung, wir, die methodisch marginalisiert sind, weisen dabei eine erhöhte Komorbidität auf. So ist es zu begrüßen, dass nicht schwarze Verbündete, die bislang kein Sterbenswort gesagt haben, was Rassismus betrifft, unsere Schnappatmung endlich wahrnehmen.

Sie können nicht mehr tatenlos mitansehen, wie unschuldige Schwarze durch rassistische Übergriffe des Staates und seitens diverser Bürgerwehren wie 2020 im Fall von Ahmaud Marquez Arbery im MP4-Format ohne Anlass gejagt und getötet werden. Zugleich möchten sie nicht mehr wegschauen, auch und gerade wenn Frauen wie die unschuldige Rettungssanitäterin Breonna Taylor nicht coram publico, sondern nachts in ihrem Schlafzimmer im Kugelhagel der Polizei tödlich verletzt werden. Ausgerechnet Taylor, eine der kollektiv gefeierten Held*innen im Kampf gegen Covid-19, starb als zunächst anonymer Kollateralschaden eines misslungenen Polizeieinsatzes. Ja, bitte: #SayHer-Name. Außerdem begreifen unsere nicht schwarzen Verbündeten nach und nach, dass auch sie ins Visier der Rassisten geraten können: Der weiße, damals 17-jährige Kyle Rittenhouse, der sich von seiner Mutter zu einer BLM-Demo chauffieren ließ, erschoss in Kenosha, Wisconsin, zwei Weiße und verletzte einen weiteren Weißen schwer. Und nationalistische Republikaner in den USA gaben sich daraufhin die Klinke in die Hand, um dem inzwischen freigesprochenen Knaben zu huldigen. Einige Kongressabgeordnete haben Rittenhouse sogar ein Praktikum im Kapitol angeboten, als wäre der Coup-Klux-Klan am Dreikönigstag 2021 nicht schlimm genug.

Während der moderne mediale Kulturkampf tobt, liegen immer mehr besorgte Bürger*innen in ihren »Fox«-Löchern auf der Lauer. Alles, was multikulturell wirkt, alles, was nach kritischer Auseinandersetzung mit Rassismus klingt, wird unerbittlich unter Beschuss genommen. Selbst in der noch definierbaren politischen Mitte der Gesellschaft gibt es Skeptiker*innen, die die Devise der BLM-Bewegung »No justice, no peace« eher als Drohung auffassen. Eine fatale Fehleinschätzung, die suggeriert, der böse schwarze Mann sei mit geballter Faust und aufgehaltener Hand unterwegs. Gemäß dem Motto: »Versorgt mich! Oder ich vernichte euch!« Und wenn man kein Interesse daran hat, Protestierende und Plündernde auseinanderzuhalten, trägt dieses Versäumnis nicht gerade zur Entschärfung der Lage bei. Denn die Devise »No justice, no peace« ist schlussendlich keine Drohung, sondern eine unumstößliche Wahrheit. Ein Weckruf, der uns alle aus dem Dornröschenschlaf erwachen lassen muss, ganz egal, ob wir woke sind. Denn eine Gesellschaft, in der nur die Privilegierten Gerechtigkeit erwarten können, kann auf Dauer niemandem Frieden gewährleisten. Das gilt hüben wie drüben.

Im Rahmen dieses Storytellings warte ich mit autobiografischen Anekdoten auf. Denn die Segregation, die durch Staatsgewalt geforderte rassistische Trennung von Schwarzen und Nicht Schwarzen in den USA, ist für mich nicht etwa die graue Vorzeit, sondern eine grausame Erinnerung aus den 1960er Jahren. Wenn meine Eltern und ich in die Südstaaten fuhren, hatten wir das sogenannte Green Book dabei, den jährlich erscheinenden Reiseführer für afroamerikanische Autofahrende, nach dem Herausgeber Victor Hugo Green benannt. Das Betreten der als »White only« gekennzeichneten Hotels und Restaurants war schwarzen Gästen quer durch den Süden streng verboten, wie auch das Verweilen in vielen Städten nach Sonnenuntergang. Das prägt, das prägt lebenslänglich. Freiheit sei eben ein ständiger Kampf, meinte die ikonische Soldatin mit Riesenafro. Es war Angela Yvonne Davis,5 deren Konterfei ich mit zehn Jahren auf meinem Reversknopf hatte. Diesen bekam ich 1971 von meiner älteren Cousine – die Aufschrift rief zu einer Free-Angela-Demo im Central Park auf.

Erst 51 Jahre später traf ich mich persönlich mit Ms. Davis. Sogar zum Interview,6 und zwar am Oranienplatz in Berlin. Der Begegnungsort, ein Containerdorf, diente 2022 als Refugee-Camp im Kreuzberger Ortsteil SO 36. Im Herzen dieser »Baustelle Migration« stand ein Zelt, in dem Kundgebungen, Workshops und Diskussionsrunden stattfanden. Der Andrang war groß, obwohl sich der Zugang zur Pressekonferenz auf uns eingeladene Journalist*innen beschränkte. Akkreditierungsformalitäten, Sicherheitschecks.

Feminismus, Hetze, Kolonialismus, LGBTQ-Politik. Mit der Aktivistin, die den Terror des Ku Klux Klans in »Bombingham«, Alabama, überlebt hatte, sprach ich über allerhand Themen, die gewissermaßen überhandnehmen. Mit Grazie nahm sie die erste Auflage dieses Buches mitsamt Signatur entgegen, und die polyglotte Frau liest ja bekanntlich auch auf Deutsch. Aber zwischen unseren Meinungen zu Israel klafft ein unüberwindlich tiefes Rotes Meer.7 Da fühle ich mich mit der sturen, feierlichen Solidarität von Martin Luther King besser aufgehoben:

Jegliches Gerede von der Vertreibung der Juden ins Mittelmeer, wie wir es in den letzten Wochen oder Jahren gehört haben, ist nicht nur unrealistisch, sondern es ist selbstmörderisch für die ganze Welt, und ich halte es auch für schrecklich unmoralisch.8

Dass die schwarze Community eine Meinungsvielfalt aufweist, ist schließlich eine gute Sache. Ein Gewinn für die ganze Gesellschaft. Wir sollten uns von der Vorstellung abwenden, dass alle Menschen einer bestimmten Gruppe eine einheitliche Meinung vertreten. Denn wir brauchen keine Vervielfältigung derselben Ansichten, sondern eine echte Vielfalt an Ansätzen.

Der Kampf um die Freiheit ist nolens volens ein Dauerabo. Dabei müssen wir, die Betroffenen, allerdings dazu bereit sein, nicht nur oberflächliche soziale Normen und die gängigen Vorurteile zu hinterfragen, sondern auch die Machtstrukturen zu konfrontieren, die in der »Befreiungsbewegung« tief verwurzelt sind. Denn nicht alles, was sich nach außen hin als progressiv darstellen lässt, beinhaltet wirklich einen Fortschritt.

Die Faszination zum Beispiel für Ernesto Che Guevara ist ebenso bemerkens- wie bedauernswert. Denn Guevara vertrat rassistische, antisemitische, queerfeindliche und misogyne Ansichten. In seinem Tagebuch bezeichnete er schwarze Menschen als »diese großartigen Beispiele der afrikanischen Rasse, die ihre Rassenreinheit dank ihrer Abneigung gegen das Baden bewahrt haben«.9 Überdies glaubte er, dass weiße Europäer den Menschen afrikanischer Abstammung überlegen seien, und er beleidigte Mexikaner als »eine Bande von ungebildeten Indianern«. Dass er trotzdem Held vieler Linken ist und sogar als weißer Erretter gilt, zeugt davon, dass der Rauch seiner Zigarillos ihn überlebt.

Immerhin ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir den White Saviors mit Vorsicht begegnen. Oft wollen sie uns instrumentalisieren, um ihre eigene Position zu stärken. Indem sie den gepriesenen Kampf gegen die weiße Übermacht steuern, lenken sie jedoch davon ab, dass auch sie privilegiert sind. Ihre vermeintlichen Hilfeleistungen an uns sind oft mit Bedingungen verbunden, die unsere Autonomie einschränken und unsere Abhängigkeit verstärken. Wenn sie uns dazu aufstacheln, ihre Feinde zu hassen und uns auch noch dazu gegenseitig anzugreifen, dient es weder uns noch dem sozialen Frieden überhaupt.

Diese Tendenz erkennt man in der Bereitschaft der White Saviors, uns in der BIPoC-Community als Kanonenfutter zu betrachten. Wer uns als Gorillas betrachtet, hat kein Problem damit, dass wir als Guerillas sterben. Mit revolutionärer Rhetorik schicken sie uns gerne in den bewaffneten Kampf gegen den Kolonialismus auf x-beliebigen Kontinenten, während sie ihre Posten auf dem Kurfürstendamm oder entlang des Rodeo Drive verteidigen. Dabei sind sie nicht darauf bedacht, am Abbau struktureller Diskriminierung im eigenen Umfeld zu arbeiten.

Es handelt sich um den Rassismus der Geringschätzung bzw. der geringen Erwartungen. Diese Art der Menschenverachtung opfert uns, leugnet unsere intellektuellen Fähigkeiten und suggeriert, wir seien dafür da, um für die Demokratie zu sterben, statt in der Demokratie zu leben.

Rasse. Race. Das Rennen, das ewige Rennen. Nichts vermag solche Gedankensprünge in Gang zu setzen wie ein morgendlicher Lauf. Gerade in Berlin, einer Stadt, die weitaus mehr Brücken hat als Venedig, kann jedweder Schritt auf eine weitere Insel führen, indem man sich am Archipel der Menschheit entlangtastet.

Während ich auf der Moltkebrücke laufe und die Spree überquere, denke ich an Angela. Allerdings Angela Merkel. Denn meine Joggingstrecke führt direkt an der Waschmaschine, also dem Bundeskanzleramt, vorbei. Mutti zieht in diesen Tagen aus. »Angie, Angie, where will it lead us from here?«10 Merkel habe ich einige Male live gesehen, zwischen Sylt und Stuttgart. Aber niemals auf der Joggingstrecke. Damit will ich nicht suggerieren, Merkel sei unsportlich. Nein, sie wandert in Südtirol fleißig über Berg und Tal. Außerdem ist es eine große athletische Leistung, 16 Jahre ununterbrochen auf der Stelle zu treten. Okay, okay. Die Kabarettistin in mir kann es selbst bei diesen todernsten Themen nicht lassen. Nennen wir es schwarzen Humor. Ehe man sauer wird, dass ich der Ehefrau von Herrn Sauer politische Untätigkeit vorwerfe, möchte ich der Dame mein Lob und meinen Dank aussprechen, und zwar von ganzem Herzen. Merkel hat die Ellenbogen eingesetzt, um für eine Empathiegesellschaft zu werben. Sie ließ nicht vergessen, dass Menschen, die unverschuldet auf der Flucht sind, unser aller Achtung verdienen. Ich möchte niemals unterschätzen, wie viel Kraft sie jahrein, jahraus aufbringen musste, um an etlichen Fronten den Druck der Patriarchen und Populisten auszuhalten. Das zeugt von Charakter und Chuzpe. Chapeau!

Aber es obliegt uns, Chapeau hin, Chapeau her, auf der Hut zu sein. Wer Einwanderungspolitik am Volk vorbei macht, wird havarieren. Wenn wir es als Gesellschaft den Demagogen überlassen, die lästigen, logistischen und schließlich logischen Fragen zur Thematik Flucht und Integration zu stellen, ist das ein Armutszeugnis. Das sage ich in völliger Kenntnis der Lage.

Auf dem Mittelmeer treibt ein Boot,

Vom Frontex noch nicht geentert,

Auf dem Mittelmeer bleibt das Boot,

Denn es ist schon längst gekentert.11

Als am 3. Oktober 2013, übrigens am Tage der Deutschen Einheit, das erste große Schiffsunglück von Lampedusa geschah, war ich nicht in der Bundesrepublik. Live im italienischen Fernsehen RAI verfolgte ich die Tragödie, die Hunderten von Geflüchteten erleben mussten. Erfahrene Moderatorinnen kämpften sichtlich gerührt mit ihren Emotionen vor der Kamera. Ganze Sendungen wurden unterbrochen. Die Bauchbinden am unteren Rande des Bildschirms versuchten verzweifelt, das sich entfaltende Leid zu beziffern, während sich die Särge unaufhörlich stapelten. Heutzutage aber tauchen solche Unglücke als flüchtige Fußnote auf. Auf dem Wege in Richtung Gerechtigkeit setzt der Gewöhnungseffekt ungeduldig ein. Ist es dennoch unmoralisch, zu fragen, inwieweit die berühmt-berüchtigte »Willkommenskultur« eine neue Form des Kolonialismus darstellt? Oder sogar die alte Form fortsetzt?

Fakt ist, Dekolonialisierung, echte Dekolonialisierung fängt lokal an. Egal, ob die Ampel nach den Neuwahlen 2025 leuchtet, sollte man die Straßenumbenennung fortsetzen. Meine Reportagen offenbaren, wie wir in der schwarzen Community seit Langem dafür plädieren, rassistische und den Kolonialismus verherrlichende Straßennamen zu ändern und empowernde Wegweiser durch die sonst weitgehend totgeschwiegene afrodeutsche Geschichte aufzustellen.12 Empowerment ist auch nötig, was den Umgang mit unseren »Morden« betrifft. Verantwortliche müssen also mit zur Rechenschaft gezogen werden, wenn das System nicht gewillt ist, Morde wie die an Amadeu Antonio Kiowa und Oury Jalloh aufzuklären. Weniger Sonntagsreden, mehr Alltagshandeln.

Von der Gesellschaft insgesamt erwarte ich mehr Engagement – individuell und kollektiv. Mit Flashmobs allein ist es allerdings nicht getan. Und unsere Wachsamkeit darf sich nicht auf eklatante Hassverbrechen beschränken. Die Terroranschläge von Halle und Hanau verdeutlichen die Notwendigkeit des Zusammenhalts, auch und gerade im Alltag. Wenn die Wellen der Empörung verebben und die Hashtags auf dem Cyber-Friedhof landen, bedeutet es nicht, dass der Rassismus sich ausruht.

Der Kampf gegen den Rassismus ist kein Sprint, sondern ein Marathonlauf mit Hindernissen. Wenn wir multikulturell als Staffel auftreten, können wir den Hass überholen und als Team ins Ziel der Gleichberechtigung einlaufen. Alle können davon profitieren.13 Denn der Antirassismus befreit nicht nur die Unterdrückten. Wir Schwarzen sind zwar Opfer, jedoch auch Tatkräftige, die den Takt und den Ton angeben können. Seit anderthalb Millennien sind wir auf diesem Parcours unterwegs und haben auf die harte Tour gelernt, nicht aufzugeben.

Diesbezüglich möchte ich aus meinem Tongedicht »Race Relations« zitieren:

Für Ruhe noch keine Zeit,

Sonst lägen wir danieden.

Ein Leben ohne Freiheit,

Ist ein Tod ohne Frieden.14

3. Das Gesicht wahren