Rache zum Dessert - Monika Clayton - E-Book

Rache zum Dessert E-Book

Monika Clayton

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Beschreibung

Als die erfolglose Schauspielerin Theresa Sander nach einem Streit herausfindet, dass ihr Freund Sven sie betrügt, ist das eigentlich nur der Abschluss eines "besonders gelungenen" miesen Tages. Kurzerhand beschließt sie, ihrem Leben eine neue Wendung zu geben und eröffnet eine RACHEAGENTUR. Der Erste, der ihre Rache zu spüren bekommt, ist natürlich Sven. Dass ihre RACHEAGENTUR dann aber tatsächlich so erfolgreich wird, damit hätte Theresa selbst nicht gerechnet. Denn wer hätte das gedacht; fremdgehende Männer und auf Rache sinnende Frauen gibt es wie Sand am Meer ;-) Alles läuft perfekt, bis sich einer ihrer Aufträge schwieriger erweist als erwartet. Und warum kreuzt ihren Weg immer wieder der smarte Anwalt, Michael Tanner? LESERSTIMMEN: - Sehr originelle Idee. Humorvoll und lebendig geschrieben. Ein toller Roman für den Urlaub oder zum Ausspannen. - Liest sich flüssig und ist unterhaltsam, ein Frauenroman den man durch aus empfehlen kann. - Ich finde so etwas sollte es im wahren Leben auch geben. - Rache zum Dessert ist super lustig geschrieben und leicht zu lesen. Ich bin begeistert. Nachdem Theresa betrogen wird, wird sie zum Racheengel. - Dieses Buch sollte jede Frau lesen. Das Buch ist super. Es ist witzig, lustig und es ist so als würde jemand einen Spiegel vor halten. Ich glaube aber das Männer das Buch nicht verstehen.

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Seitenzahl: 254

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Monika Clayton

Rache zum Dessert

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Leserstimmen:

PROLOG

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Weitere Bücher der Autorin

Impressum neobooks

Leserstimmen:

- Sehr originelle Idee. Humorvoll und lebendig geschrieben. Ein toller Roman für den Urlaub oder zum Ausspannen.

 - Liest sich flüssig und ist unterhaltsam, ein Frauenroman den man durch aus empfehlen kann.

- Ich finde so etwas sollte es im wahren Leben auch geben.

- Rache zum Dessert ist super lustig geschrieben und leicht zu lesen. Ich bin begeistert. Nachdem Theresa betrogen wird, wird sie zum Racheengel.

- Dieses Buch sollte jede Frau lesen. Das Buch ist super. Es ist witzig, lustig und es ist so als würde jemand einen Spiegel vor halten. Ich glaube aber das Männer das Buch nicht verstehen.

- Was alles so aus Rache entstehen kann, wird hier in diesem Buch wirklich gut rüber gebracht, und sogar auf witzige weise.. Die Autorin hat hier genau die richtige Schreibweise gewählt und natürlich auch die Protas sind echt alle sehr toll.. Bis auf Sven.. Ich hab einen Lachkrampf bekommen, was sie mit ihm gemacht hat, auf so eine Idee muss man erst mal kommen … lesen Sie die gesamte Rezension auf: jessys-buecherblog.de.

PROLOG

Plötzliche Sanftmut von Frauen ist oft nur eine ungewöhnliche Geduld

beim Planen einer wirklich lohnenden Rache.

von Ambrose Bierce

Müde blickte Theresa auf ihren Wecker. 5:30 Uhr las sie und zog sich die Decke wieder über den Kopf. Sie fühlte sich wie gerädert, so als wäre sie eben erst eingeschlafen. In gewisser Weise stimmte das sogar, denn die halbe Nacht hatte sie wachgelegen und sich über das bevorstehende Casting Gedanken gemacht.

„Was?!“ Sekunden später riss Theresa erneut die Augen auf. „Das Casting! So ein Mist!“, stieß sie aus. Wieso hatte denn bloß dieser verdammte Wecker nicht geklingelt? Hektisch strampelte sie sich die Bettdecke von den Beinen und sprang auf. Neben ihr warf sich Sven auf die andere Seite und murmelte etwas, das wie „ich will mit dir schlafen“ klang.

Verdutzt sah Theresa ihn an. Hä? Sie fuhr sich durch ihr zerzaustes Haar und schüttelte den Kopf. Sicherlich hatte sie sich verhört. So gut lief ihre Beziehung nun auch wieder nicht. Wahrscheinlich war es wohl doch eher so etwas wie, „ich will … gähn, grunz … schlafen“.

Egal, sie hatte jetzt sowieso keine Zeit. Schnell hastete sie ins Bad und kickte mit dem Fuß die Türe hinter sich zu. Prüfend besah sie ihr zerknautschtes Gesicht im Spiegel und wusch sich mit kaltem Wasser ab. Leider ließ auch der zweite Blick keine wesentliche Verbesserung erkennen, was sie achselzuckend zum Aufgeben zwang. Das ließ sich nun mal nicht mehr ändern. Dafür hatte sie einfach zu wenig geschlafen und jetzt zu wenig Zeit, um sich die Kissenabdrücke wegzumassieren.

Wenn sie die U-Bahn pünktlich erreichen wollte, hatte sie ab jetzt noch zehn Minuten. In Windeseile bürstete sie sich durch ihr widerspenstiges blondes Haar, während sie mit der anderen Hand begann, sich die Zähne zu schrubben. Vier Minuten später fegte sie durch den Flur, schnappte sich im Vorbeilaufen ihre Lieblingsjeans vom Boden und hüpfte einbeinig zurück ins Schlafzimmer, um sich einen Sweater aus dem Schrank zu holen.

„Was für ein Morgen“, fluchte Theresa vor sich hin und warf einen Blick auf ihre Uhr. Noch fünf Minuten.

„Kannst du nicht leiser sein, Tessa?“, raunzte Sven ihr unfreundlich zu.

Oh Mann, wie sie es hasste, wenn er sie so nannte. Tessa hier, Tessa da, sie konnte diese Abkürzung ihres Namens einfach nicht mehr hören. Okay, am Anfang ihrer Beziehung hatte sie es schon prickelnd gefunden, wenn er ihr ein „Oh Tessa“ ins Ohr gehaucht hatte, aber erstens war sie jetzt nicht mit ihm im Bett und zweitens – keine Ahnung – sie mochte es einfach nicht. Jetzt war sie sich auch sicher, dass sie sich vorhin wirklich verhört hatte.

„Ich hab´s eilig, Sveni“, zischte Theresa gehässig und ließ unsanft die Schlafzimmertür ins Schloss fallen. Für Leise hatte sie wirklich keine Zeit.

Hätte sie nicht diesen verdammten Druck ihrer Agentur im Nacken gehabt, hätte sie sich jetzt erst einmal hingesetzt und eine Tasse Kaffee gegönnt. Würde sie jedoch noch einmal verspätet zu einem Casting erscheinen, musste sie sich auf einen Rauswurf einstellen. Und ihre Agenturchefin meinte das ernst, da war sich Theresa sicher. Das konnte und wollte sie wirklich nicht riskieren. Denk nicht mal daran, mahnte sich Theresa deshalb. Noch vier Minuten. Eilig riss sie, bevor sie die Wohnung verließ, ihre Jacke vom Haken und hastete die Treppe, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, hinunter.

Keuchend erreichte sie auf die Minute genau die U-Bahn und sprang hinein, bevor sich die Türen zischend hinter ihr schlossen. Das war wirklich knapp gewesen. Kurz blickte sie sich in dem fast leeren Abteil um, und warf sich dann ächzend auf eine Bank. Aus ihrer Jeanstasche zog sie einen Haargummi und fasste sich ihre Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen. Danach band sie die Schnürsenkel ihrer Sneaker und atmete auf. „Puh … Endlich geschafft.“

Erst jetzt fiel ihr der Blick eines jungen Mannes auf, der sie, mit einem Kaffee-to-go-Becher in der Hand, beobachtet hatte. Seine verquollenen Augen machten den Eindruck, als hätte er die gestrige Nacht, länger als für ihn gut war, gefeiert. Aber wenigstens gab es für ihn Kaffee, dachte Theresa neidvoll. Missmutig wandte sie sich zum Fenster und starrte auf graue vorbeifliegende Wände.

Kapitel 1

Wider erwarten und trotz ihrer pessimistischen Gedanken, fand sich Theresa pünktlich zum Casting ein. Etwas außer Atem stand sie vor einer morgenmuffeligen Dame, die die Castingteilnehmerinnen in Empfang nahm. Mit knappen Worten wies sie Theresa eine Nummer zu und drückte ihr ein Skript in die Hand. „Warten Sie da drüben, bei den anderen“, schob sie die Anweisung, dass Theresa nun von ihrem Tisch treten konnte, hinterher.

Was für eine unfreundliche Kuh, schoss es Theresa durch den Kopf, während sie davontrabte. Hinter ihr wurde die Tür aufgestoßen und ein weiteres Mädchen stürzte schnaufend an den Empfang.

Indes hatte Theresa eine Gruppe Frauen erreicht, die wie die Hühner auf der Stange vor dem Castingraum saßen und darauf warteten, aufgerufen zu werden. Argwöhnisch wurde sie von ihren Mitbewerberinnen gemustert und scheinbar nicht für all zu gefährlich eingestuft, denn teilnahmslos senkten sie ihre Blicke wieder auf das Skript.

Unschlüssig stellte sich Theresa dazu und versuchte so zu tun als wüsste sie, was sie hier tat. Gleichgültig lehnte sie sich an die Wand und überflog das Skript, um dann ungläubig die Augen aufzureißen. Am liebsten hätte sie jetzt auf dem Absatz kehrt gemacht. Für diesen Mist hatte sie sich so beeilt?

Resigniert ließ sie nun ihrerseits den Blick über die Wartenden wandern und überlegte, für wen diese Rolle wohl am besten geeignet wäre, als sie dem dunklen Augenpaar, einer äußerst hübschen Brünetten begegnete. Du sicherlich nicht, dachte sich Theresa. Herausfordernd zog sie die Augenbrauen nach oben und schnitt eine Grimasse, was das Mädchen irritiert den Blick abwenden ließ und Theresa tatsächlich das erste Lächeln an diesem Tag entlockte.

„Beginne den Tag immer mit einem Lächeln, dann wird alles gut“, sagte ihre Freundin Luisa immer. Theresa dachte darüber nach. Galt dieser Spruch eigentlich auch noch bei einem zeitverzögerten Lächeln? Früh genug wäre es ja noch.

Endlich wurde die Nächste aufgerufen und Theresa ließ sich auf dem freigewordenen Platz nieder. Abwartend starrte sie auf die heruntergekommene Wand, an der sie gerade eben noch gelehnt hatte, und hing ihren Gedanken nach. Dieser Tag war knapp über eine Stunde alt und sie war schon an Punkt zwei ihrer das-mag-ich-nicht-Liste angekommen. Denn genauso wie sie es hasste, hektisch und ohne Kaffee das Haus verlassen zu müssen, stellte es ihr die Nackenhaare auf, wenn sie, mit zu vielen Hühnern auf genau das eine Korn hoffte. Außerdem mochte sie es nicht, wenn sie, aus welchem Grund auch immer, gemustert wurde. Und das war ihr heute schon zwei Mal passiert. Somit war sie eigentlich schon an Punkt drei ihrer Liste angekommen.

Hörbar seufzte Theresa auf, woraufhin ihre junge Banknachbarin verwundert aufsah.

„Das wirst du erst in ein paar Jahren verstehen“, erklärte Theresa ihre Resignation. Wenn es wenigstens ein richtiges Korn gewesen wäre, für das sie hier herumsaß. Aber das hier schien sich doch wieder nur, als ein nichtssagender Lückenfüller für ihre Biografie zu entwickeln.

Nach längerem Warten, in dem sie ihr Skript von rechts nach links und links nach rechts auswendig gelernt hatte, wurde Theresa endlich aufgerufen. Drei Caster saßen in dem ausgeleuchteten Raum und lächelten ihr unverbindlich zu, als sie die Tür wieder leise hinter sich schloss.

„Bereit?“, fragte einer, als sie vor dem Castingpult stand.

„Sicher“, antwortete Theresa, während sie ihre feuchten Hände hinter ihrem Rücken verschränkte.

„Dann erzählen Sie bitte kurz etwas über sich.“

Rasch wischte sich Theresa ihre Hände an ihrer Jeans ab und drehte sich dann der Kamera zu. „Mein Name ist Theresa Sander. Ich bin Schauspielerin und 28 Jahre alt. Vier Mal die Woche jobbe ich außerdem in einem Restaurant und meine Hobbys sind reiten, malen und lesen.“

Streng genommen waren das zwar nicht ihre Hobbys, sondern von irgendeinem Model, aber da die sowieso alle dieselben Hobbys hatten, machte es sicherlich nichts aus, wenn sie sich mal kurz welche auslieh. Außerdem konnte sie ja auch schlecht sagen, dass sie ihre Freizeit eher damit zubrachte, sich über ihr ungerechtes Leben zu monieren.

Abschätzend sah der Caster, der in der Mitte saß, sie durch seine Brille an. „Und seit wann schauspielern Sie?“ Dann blickte er desinteressiert auf ihre zweiseitige Vita.

Steht doch da, du Lackaffe, dachte Theresa unfreundlich, lächelte ihn jedoch an und sagte zwitschernd: „Seit bald sieben Jahren.“

Wieder senkte er seinen Blick auf ihren Werdegang. Auffällig oft blätterte er dabei zwischen den beiden Seiten hin und her, als ob es dadurch mehr zu lesen geben würde. „Ihre bisherigen Erfahrungen sind … na ja … noch sehr überschaubar“, stellte er mehr für sich selbst, als zu Theresa gewandt fest.

Was sicherlich nicht an mir liegt, du überkandidelter Fatzke, gingen die Gedanken mit ihr durch, doch auch diesmal lächelte sie offen zurück und zuckte nur verlegen mit den Schultern. Sie fühlte sich einfach nicht wohl, was sicherlich nicht nur an der Rolle lag. Theresa schätzte, dass dieser unsympathische Caster seinen Teil dazu beitrug.

„Schön Frau Sander“, erhob er sich und setzte sich vor seinem Tisch auf die Kante. „Dann zeigen Sie uns mal, dass sie sich frei fühlen. Interpretieren Sie dieses Gefühl einfach Mal aus dem Bauch heraus.“

Belämmert starrte sie ihn an. Davon stand aber nichts in dem Skript.

FREI? Wie spielt man, dass man frei ist, wenn man sich doch eigentlich gefangen fühlt. Gefangen in einem Leben, das sich fest in der Hand von Murphys Gesetz befand.

Blasiert umschrieb er ihr seine Vorstellungen von Freiheit, was er dem monotonen Klang seiner Stimme nach, heute bereits schon einigen Damen vor ihr erklärt hatte. „Sie fühlen sich wohl - zu allem bereit. Nichts kann Sie aufhalten; so eben“, wies er sie in die Rolle ein. Auffordernd blickte er auf seine Uhr und ging zurück auf seinen Platz. Draußen warteten schließlich noch weitere Kandidatinnen, die auf sein Wohlwollen hofften.

Verunsichert öffnete Theresa ihr schulterlanges Haar und warf den Kopf in den Nacken. Erwartungsvoll wandte die Crew ihre Köpfe dem Monitor zu, um ihre Präsenz auf dem Bildschirm zu verfolgen.

Tief atmete Theresa noch einmal ein, dann setzte sie sich ein Lachen in ihr ungeschminktes Gesicht, breitete ihre Arme aus und fing an, sich übermütig zu drehen. Ihre Vorstellung von frei eben.

„Stop Frau Sander“, unwillig unterbrach der Caster ihre Bemühungen und verzog dabei sein Gesicht. „So geht das nicht! Würden Sie das bitte noch einmal wiederholen. Und jetzt mit etwas mehr Begeisterung. Ihr Leben soll Ihnen doch Spaß machen.“

Theresa stöhnte innerlich auf. Auf diese peinliche Rolle hatte sie doch sowieso keine Lust und Spaß hatte sie auch keinen. Aber wenn sie sich keinen Schiefer bei ihrer Agentur einziehen wollte, musste sie das jetzt durchziehen.

Erneut versuchte Theresa, sich in die Rolle hineinzuversetzen. Professionell blendete sie ihren Unmut aus und dann begann sie, für den Hauch einer Sekunde, das Wort FREI tatsächlich in sich zu spüren.

„Vielen Dank Frau Sander, wir melden uns“, wurde sie nach einer kurzen Pause, in der die Drei ihre Köpfe zusammensteckten, verabschiedet.

Ja, ja, diesen Spruch hatte sie schon zur Genüge gehört und sie wusste, dass darauf eine Absage folgen würde. Wenn überhaupt. Heute war sie allerdings mehr als erleichtert diese Floskel zu hören, denn schließlich hatte sie für ihren Kindheitstraum nicht so hart gearbeitet, um dann so ein schwachsinniges Freiheitsgefühl zu zelebrieren.

Zu Gunsten der Schauspielerei hatte Theresa auf ein Studium nach dem Abi verzichtet und hatte sich mit ihrer Freundin Luisa an einer der besten Schauspielschulen Münchens eingeschrieben. Natürlich war diese Entscheidung für ihre Mutter eine Tragödie gewesen, denn schließlich wünschte sie sich für ihr Kind, wie sie sich ausdrückte, etwas Haltbareres. Sie schlug die Hände über den Kopf zusammen und flehte ihre Tochter regelrecht an, doch zuerst eine solide normale Ausbildung zu machen. Theresa war jedoch stur geblieben. Schauspielerei ist schließlich ebenso ein Beruf wie jeder andere auch. Und wenn sie erst ein gefeierter Star wäre, würde auch ihre Mutter einsehen, dass ihre Tochter zu Großem berufen war.

Während Luisa sich aber bereits nach vier Wochen zu langweilen begann und eine gewisse Sinnlosigkeit in dieser Ausbildung gesehen hatte, hatte Theresa bis zum Abschluss durchgehalten. Sie liebte das Schauspielern viel zu sehr, um einfach aufzugeben. Voller Stolz hielt sie drei Jahre später ihr Diplom in den Händen und begann damit, ihren Beruf auszuüben. Zumindest versuchte sie es.

Dass es aber bisher immer noch nicht für einen Walk über den roten Teppich gereicht hatte, war für Theresa alles andere als leicht zu akzeptieren. Und während Luisa heute als freie Journalistin sehr erfolgreich über das Leben und Streben diverser Promis berichtete, rannte sie immer noch, mehr oder minder erfolglos, von Casting zu Casting. Doch Schuld daran hatten eigentlich nur die Idioten vom Film. Wieso sah denn bloß keiner, welch Talent in ihr schlummerte?

Um sich über Wasser zu halten, begann Theresa zu kellnern. Dieser Job, den sie eigentlich nur kurz machen wollte, entpuppte sich jedoch schon sehr bald, als ihre einzig zuverlässige Einnahmequelle. Im Grunde hasste sie es jedoch andere bedienen zu müssen, aber was hätte sie sonst tun sollen, wenn sie außer ihrem Schauspieldiplom nichts in ihren Händen halten konnte?

Der tägliche Wahnsinn des Überlebens erforderte einfach dieses Opfer, das sie bis auf Weiteres, lächelnd ertragen musste. Wobei ihr zugegebenermaßen, das Lächeln immer schwerer fiel. Kurzum, in ihrem Leben gab es einiges, was sie zu bemängeln hatte.

Kapitel 2

„Rechts gehen, links stehen“, fuhr sie den Mann an, der ihr im Weg stand. Unsanft schob sie ihn beiseite und hetzte erneut eine Rolltreppe zur U-Bahn hinab. Wenn sie sich jetzt nicht sputete, käme sie sicherlich zu spät zu ihrer Schicht im Restaurant, was leider auch schon einige Male der Fall gewesen war. Dass sich das in regelmäßigen Abständen wiederholte, lag einfach daran, dass zwischen Arbeitsstelle und Vorsprechen meistens - heute zwar nicht - mehrere zig Kilometer lagen. Das machte es nicht einfach, alles so zu vereinbaren, dass sie immer pünktlich erschien. Zudem wurden ihre Bemühungen oft genug von der Bahn boykottiert. Im Sommer war´s zu heiß, im Winter zu kalt, im Herbst zu rutschig und bei Regen zu nass. Und im Frühling? Da lag wahrscheinlich zu viel Blütenstaub auf den Weichen. Ständig hatten die irgendwelche Probleme. Oft genug wünschte sich Theresa, sie hätte ein Auto, aber leider war das finanziell nicht drin.

Nach ein paar weiteren Stufen, die Theresa schon fast flog, gab sie resigniert auf. Außer Puste konnte sie nur noch der sich entfernenden U-Bahn hinterher sehen.

„Na, zu spät?“ hämisch grinste der Mann, den sie fast von der Rolltreppe geschubst hätte, Theresa an.

Gereizt verdrehte sie die Augen. „Würden sich manche Menschen an die allgemein gültigen Gesetze halten, säße ich jetzt da drin“, fauchte sie unfreundlich und wandte sich ab. Was war nur mit den Menschen los? Hatten die eigentlich alle ihren Spaß daran, sich auf ihre Kosten zu amüsieren?

„So weit ich mich erinnern kann, heißt es aber doch, rechts stehen, links gehen“, gab er gelassen zurück.

„Klugscheißer“, antwortete sie missmutig und funkelte ihn aus zusammengekniffenen Augen an. „Dank Ihnen komm ich zu spät zur Arbeit.“ Ärgerlich richtete sie ihren Blick auf die Anzeigetafel. Dieses Blättern, um den demnächst einfahrenden Zug anzukündigen, schien der endlosen Minute zu gleichen, die der Moderator verstreichen ließ, um den Gewinner bekannt zu geben. „Komm schon“, redete sie dem Gerät gut zu. „Bleib stehen und zeig mir, dass ich die Gewinnerin bin“. Aber selbst die Technik schien sich heute gegen sie verschworen zu haben. Der nächste einfahrende Zug würde um … um … „jetzt mach endlich,“ fluchte sie vor sich hin … zehn Minuten zu spät kommen. Im selben Moment ertönte auch schon die Durchsage.

„Scheint wohl heute nicht Ihr Glückstag zu sein. Hab ich Recht?“

Aus den Augenwinkeln sah sie seine dunkelblauen Augen, auf sich gerichtet. „Was haben Sie denn für einen Konversationsdrang?“, ärgerlich wandte Theresa sich ihm zu. „Mein Glück werde ich sicherlich nicht mit einem wildfremden Mann in der U-Bahn diskutieren!“

„Oh, Entschuldigung. Vielleicht sollte ich mich vorstellen. Ich bin Michael.“ Mit einem strahlenden Lächeln streckte er ihr seine Hand entgegen. „Fällt es Ihnen jetzt leichter, sich zu entschuldigen?“

„Entschuldigen?“ Leicht zog sie eine Augenbraue hoch und sah auf seine Hand. „Für was? Dass Sie mir im Weg standen?“

Okay, sie musste zugeben, er sah verdammt gut aus, wie er so nachsichtig lächelnd vor ihr stand, was aber nichts zur Sache tat, denn schließlich hatte sie doch wegen ihm die Bahn verpasst.

Fast verlegen strich er durch sein volles dunkles Haar, das von ein paar grauen Strähnen durchzogen war. Damit wirkte er jedoch nicht älter, sondern eher interessant, wie sie feststellen musste. Sie schätzte ihn auf knapp über Dreißig, und dass unter seinem Anzug ein durchtrainierter Körper steckte, entging ihr ebenfalls nicht. Aber auch das tat nichts zur Sache, da sie ja mit Sven zusammen war. Sie hatte also weder Interesse daran, eine Bekanntschaft in der Bahn zu machen noch sich für etwas zu entschuldigen, was in ihren Augen sowieso nicht ihre Schuld war.

„Glücklichen Tag noch“, brummte sie herablassend und schob ihn abermals auf die Seite. Wenn sie es noch pünktlich ins Restaurant schaffen wollte, musste sie sich jetzt wohl oder übel, zu Fuß auf den Weg machen. Ohne sich nochmal umzudrehen, stieg sie die Treppen zur Leopoldstraße nach oben. Glücklicherweise hatte wenigstens dieses Casting nicht weit von ihrer Arbeitsstelle stattgefunden, weshalb ein Fußmarsch ohne Weiteres möglich war. Allerdings hätte Theresa den Weg zur Münchner Freiheit mit der Bahn in zwei Minuten geschafft, was bedeutet hätte, dass sie nur fünf Minuten zu spät kam. Es wäre also nicht einmal ein richtiges Zuspätkommen. Bei fünfzehn Minuten allerdings, und das auch nur, wenn sie im Dauerlauf die Straße entlang hetzte, sah die Sache schon wieder anders aus.

Die Hände tief in die Taschen des verwaschenen grauen Anoraks gedrückt, eilte sie die Straße entlang. Stumpfsinnig hielt sie ihren Kopf gesenkt und hing wieder einmal ihren zynischen Gedanken nach.

Was hatte sie denn von diesem Tag erwartet? Dass er anders als die anderen werden würde? Nicht nur, dass sie sich immer noch mit Kleinstrollen rumärgern musste, nein, seit Wochen schien es auch noch so zu sein, als wäre ihr Leben eine einzige Aneinanderreihung von Katastrophen. Egal was sie tat, es ging schief. Ob es nun der Kaffee war, der auf ihre frisch gestärkte Bluse tropfte oder ob es die Sohle war, die sich einfach mal so von den Sneakern löste. Es war wirklich schon alles dabei.

Fehlt jetzt nur noch, dass ich auf dem Weg in die Arbeit überfahren werde, dachte sie verdrossen. Aber dann hätte ich wenigstens wieder etwas Zeit, um zu verschnaufen, doch bei meinem Glück sterbe ich unter den Händen der Ärzte einfach weg. Vorsichtshalber blickte sie sich beim Überqueren der Straße aber dann doch genauer um.

Lebensmüde war sie ja trotz einiger Lebenspannen trotzdem nicht.

Kapitel 3

Nein, überfahren wurde sie nicht, aber ihre Stimmung hob sich deshalb auch nicht merklich. Abgehetzt kam sie im Restaurant an. Wenigstens hatte sie nur die Tagschicht bis 18:00 Uhr, weshalb nicht sehr viel los war. Aber für Theresa war sowieso jeder der sich hier niederließ schon zu viel. Unqualifizierte Gäste nannte sie diese Art von Menschen, die nur hierher kamen, um ihr den letzten Nerv zu rauben. Nach getaner Arbeit verschwanden die dann meist, ohne Trinkgeld zu geben.

Nachlässig wickelte sie sich ihre Haare zu einem Dutt zusammen, streifte den Sweater ab unter dem sie ihre Restaurantbluse trug und band sich die Schürze um.

Missgelaunt trottete sie zu dem Tisch, an dem sich gerade ein ebenso mies gelaunter Gast niederließ.

Genau diese Gäste waren es, warum sie es sich immer öfter wünschte, das Freiheitsgefühl, nicht nur spielen zu müssen. Einfach ihre Schürze hinschmeißen und aus der Tür hinausspazieren, wäre fürs Erste ein guter Anfang.

Nun stand sie vor dem Herrn, der schon aus Entfernung wie jemand ausgesehen hatte, den sie nicht mal in der weitläufigen Nachbarschaft haben wollte. Ohne sie auch nur anzublicken, bestellte er das Tagesangebot: Sauerbraten mit Kartoffeln und Salat. Nach kurzem Überlegen entschied er jedoch, dass das vielleicht doch nicht das Richtige für ihn sei.

In einem ewigen Monolog begann er Theresa zu erklärten, warum er Sauerbraten nicht vertrug und dass Kartoffeln ihm eigentlich zu schwer im Magen lagen. Gelangweilt stand Theresa am Tisch, starrte an die Decke und ließ seine Erklärungen durch ihren Kopf rauschen. Wen interessierte schon, dass er Sodbrennen bekam. Sie hatte ganz andere Sorgen.

„Könnte ich statt der Kartoffeln Reis bekommen? Und tauschen Sie das Fleisch gegen Fisch aus. Vergessen Sie aber nicht die Soße. Sauerbratensoße passt schlecht zu Fisch.“

Hatte dieser Mensch eigentlich schon mal das Wort Bitte gehört? Doch insgeheim war Theresa fast Stolz auf sich. Sie war ruhig geblieben, obwohl ihr einiges auf der Zunge lag. Beherrscht atmete sie durch, um sich wieder zu sammeln.

Wer immer auch das Universum lenkte, konnte doch jetzt auch mal jemand anderem das Leben schwer machen. Reicht es denn nicht, ein Missgeschick pro Woche zu erleben? Okay, vielleicht auch noch zwei, aber sie in einer Endlosschleife rotieren zu lassen, war mehr als unfair. Vor ihrem geistigen Auge konnte sie förmlich sehen, wie sich geisterhafte Wesen den Bauch vor Lachen hielten. „Komm schon, jetzt lass sie den Zug verpassen und danach schickste ihr noch jemanden, der ihr den Tag richtig versaut. Oder lass ihr doch die Knöpfe der Bluse abspringen. Hahaha, hihihi ….“

„Was wollt ihr denn von mir? Lasst mich doch endlich in Ruhe mein Leben leben. Habt ihr nichts Besseres zu tun?“, schimpfte Theresa stumm vor sich hin, als eine Stimme sie aus ihrem kosmischen Dialog riss.

„Entschuldigung Fräulein, ich sitze hier schon eine Weile.“ Erschrocken blickte Theresa auf und griff sich kontrollierend an ihre Bluse. Gott sei Dank … die Knöpfe saßen alle noch fest und die ältere Dame, die nach ihr gerufen hatte, machte allem Anschein nach, einen ganz normalen Eindruck. Vielleicht hatten die da oben ja doch noch ein Einsehen mit ihr?

„Eine Apfelschorle, bitte“, bestellte die Dame freundlich, während sie begann, den Inhalt ihrer Tasche zu sortieren.

Da drin sieht´s aus wie bei mir im Kopf, ratterte spontan ein Laufband vor Theresas geistigem Auge vorbei, aber zumindest hatte der erste Eindruck nicht getäuscht. Die Dame war freundlich, und ein Bitte war sogar auch noch drin.

Erleichtert tippte sie die Bestellung in ihren Ordernicer.

„Ach Fräulein, mischen Sie meine Schorle doch bitte mit 7/8 Wasser und 1/8 Apfelsaft“, rief die Dame Theresa hinterher.

Bitte was? Fassungslos drehte Theresa sich um und starrte die Dame, die sie doch gerade noch für einen Lichtblick in ihrem Tag gehalten hatte, an. Jetzt reicht´s! Das war eindeutig der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte.

„Hören Sie,“ giftete Theresa los. „Das hier ist ein Restaurant und kein Labor. Wir hantieren hier weder mit Messbechern noch mit Pipetten, um für Sie, die perfekte Mischung zu kreieren.“

Nachdem sie ihrem Ärger Luft gemacht hatte, sah sie die Dame fragend an. „Also, warum bestellen sie sich jetzt nicht einfach ein stinknormales Wasser?“

Stoisch blickte die Dame auf: „Weil ich reinen Wassergeschmack nicht ausstehen kann.

Theresa konnte nicht umhin, sie verdattert anzustarren. Hatte sie etwas anderes erwartet?

Im stummen Gebet schloss sie die Augen. Was musste denn eigentlich noch alles kommen?

Zu allem Überfluss hatte auch noch ihr Chef Wasti, im Schlepptau mit (Drache)-Margret, die Szenerie beobachtet, und honorierte ihren Ausbruch mit den Worten: „Wenn das noch einmal passiert, muss ich sie feuern.“

Er hatte aber auch wirklich eine Gabe, immer zum falschen Zeitpunkt aufzutauchen. Die nächsten Stunden behielt er sie scharf im Auge.

Wasti, hieß eigentlich Waldemar Stingl Junior, wurde aber von allen nur Wasti genannt. Er war ein rundlicher Mann Ende dreißig, und das Restaurant hatte er vor zehn Jahren von seinem Vater übernommen, und der wiederum von seinem Vater und so weiter. Als Theresa dort anfing zu arbeiten, war Wasti mitten in der Umstrukturierung des Betriebes gewesen. Und was früher als bayerische Stuben galt, in dem in Dirndl gearbeitet wurde, wurde seiner Zeit, zu einem modern bürgerlichen Restaurant umfunktioniert. Für Theresa war es ein Segen gewesen, dass der Umstrukturierung auch die bayerische Tracht zum Opfer fiel. Satt dessen setze Wasti, was Theresa auch nicht recht viel besser fand, auf abgehalfterte schwarz/weiß Outfits.

Aus seines Vaters Zeiten hatte er Margret Kopnick übernommen. Drache-Margret, wie Theresa sie gern nannte, warf ihr ständig den obligatorisch bösen Blick für Zuspätkommen zu. Akribisch notierte sie Theresas Ankunftszeiten und hielt das Büro und die Buchhaltung in Ordnung.

Manchmal, wenn es im Service drunter und drüber ging, half sie auch dort aus. Seltsamerweise schien das aber immer nur bei Theresas Schicht der Fall zu sein.

Wieso Margret überhaupt hier schon seit 20 Jahren arbeitete, war nicht nur Theresa ein Rätsel. Angeblich, sicher wusste es nämlich keiner, war Margrets Mann stinkreich und in der Finanzbranche tätig.

Aber wenn sie wirklich eine Kopnick war, warum sollte sie dann hier arbeiten? Das machte doch gar keinen Sinn. Selbst Wasti junior, der sonst immer mit Informationen aufwarten konnte und gern aus dem Nähkästchen Anderer plauderte, wusste nichts Näheres. Er war ja noch ein junger Mann gewesen, als er Margret kennen lernte. Und zu damaliger Zeit hatte er natürlich andere Interessen, als sich über das Privatleben der Angestellten seines Vaters Gedanken zu machen. Somit blieb ihr Dasein reine Spekulation.

Im Grunde sah Margret auch gar nicht wie die typische Buchhalterin aus. Im Gegenteil, man hätte sie sogar als attraktiv bezeichnen können, wäre da nicht ihr verhärmtes, lebloses Gesicht gewesen. Sie war sicherlich schon Anfang fünfzig, vielleicht auch etwas drüber, schlank und immer außerordentlich gut gekleidet. Das spräche wiederum dafür, dass sie wirklich eine Kopnick war.

Da Theresa aber sowieso nicht so gut mir ihr stand, war der Kontakt einzig darauf beschränkt, dass Margret ihr regelmäßig etwas vom Gehalt abzog.

Während Theresa den Fisch, mit dem Gedanken, „mögen dir die Gräten im Hals stecken bleiben“, servierte, klingelte ihr Handy. Sie konnte regelrecht spüren, wie sich Wastis Blick missbilligend in ihren Rücken bohrte. Trotzdem war Theresa neugierig und hörte ihre Mailbox ab. „Verdammter Mist“, fluchte sie gleich danach quer durchs Restaurant, was Wasti missbilligend die Augen zusammenkneifen ließ. Entschuldigend sah Theresa ihren Chef an.

Dass aber ausgerechnet das gefühlt einemillionste Casting erfolgreich werden würde, konnte sie ja nicht ahnen.

Kapitel 4

„Bitte, bitte sei da!“, flehte Theresa, als sie die Klingel sturm läutete. Die Schicht war der Horror gewesen und nun stand sie verzweifelt vor Luisas Tür. Sie musste sich dringend ihren Frust von der Seele reden und wer, wenn nicht die beste Freundin käme hierfür infrage? Luisa war alles, was sie nicht war, zumindest empfand Theresa das so. Sie war schön, erfolgreich und wurde scheinbar vom Schicksal geliebt. Fast mühelos schritt sie durchs Leben. Das Einzige was ihr gelegentlich zu schaffen machte war, dass sie keine feste Beziehung hatte, aber Luisa ließ sich das nur ungern anmerken. Und das Einzige was Theresa manchmal zu schaffen machte war, das Luisa ständig mit Lebensweisheiten um sich schmiss.

Immer noch hielt Theresa den Daumen auf die Klingel gedrückt. Kurz verdunkelte ein Schatten den Spion, dann öffnete Luisa mit tropfenden Haaren und in ein Handtuch gewickelt die Türe. „Sag mal spinnst du?“, zog sie genervt Theresas Hand von der Klingel.

„Ich hatte den schlimmsten Tag meines Lebens“, beklagte sich Theresa, ohne auf Luisas Verärgerung einzugehen und trat kurzerhand in die Wohnung.

„Aber bitte komm doch rein“, sagte Luisa leicht überrascht, als sie die Türe wieder leise hinter sich schloss.

„Wie beschissen muss mein Leben eigentlich noch werden?“, fuhr Theresa fort, und schmatzte einen Kuss auf Luisas Wange. „Die Agentur hat mich angerufen und jetzt hab ich einen Job.“

Augenblicklich hatte Luisa ihren Ärger vergessen. „Du hast einen Job? Oh mein Gott, das ist doch fantastisch.“ Freudig wirbelte Luisa Theresa im Kreis und hätte sie damit fast von den Beinen gerissen. Dabei rutschte Luisas Handtuch beinahe von ihrer schmalen Figur und ihre langen nassen Haare, klatschten Theresa in Gesicht.

„Es ist nichts Großes, nur ein Werbespot“, versuchte Theresa sich aus Luisas feuchter Attacke zu befreien. Ein langes schwarzes Haar blieb ihr im Gesicht kleben und verzweifelt versuchte Theresa, es sich von der Wange zu streichen.

„Und, für was wirbst du?“, fragte Luisa interessiert, während sie sich ein weiteres Handtuch zu einem Turban auf den Kopf wickelte. „Autos? Die neue C, D, E-Klasse?“

„Äh, nein …“, druckste Theresa verlegen herum. „Es ist mehr etwas für Frauen.“

„Kosmetik?“, fragte Luisa, während sie eine Wasserflasche aus dem Kühlschrank holte. Doch dann hielt sie Theresa stoppend die flache Hand vors Gesicht. „Nein, nicht sagen. Shampoo … richtig?“, fragend zog sie dabei die Augenbrauen unter ihr Handtuch.

Bedauernd schüttelte Theresa den Kopf. „Leider nein.“

„Okay“, murmelte Luisa vor sich hin. „Für was könnten Frauen noch werben? … Spülmittel, Schuhe, Kleidung …“

„Für Slipeinlagen“, beendete Theresa das Ratespiel kaum hörbar und blickte auf den Boden. Puh, jetzt war es raus. Künftig würde sie also als Frau mit Blasenschwäche über den Bildschirm flimmern.