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Der Schweizer Rhetorik-Bestseller bereits in der 4. Auflage! Patrick Rohr zeigt, wie jeder Auftritt vor Publikum gelingt. Er bietet praktische Hilfestellung und Insidertipps für Reden im beruflichen, öffentlichen oder privaten Rahmen. Selbstsicher reden und souverän wirken - das lässt sich jetzt noch einfacher lernen. - Wie baue ich die Rede auf? - Wie bringe ich meine Botschaft lebendig rüber? - Schweizerdeutsch oder Hochdeutsch? - Soll ich ablesen oder frei reden? Kommunikationsprofi Patrick Rohr verrät, welche rhetorischen Kniffe garantiert funktionieren und was gegen Nervosität hilft. Sein Werk beflügelt Laien wie auch geübte Redner. Ein wertvolles Buch für jeden Anlass: Familienfest, Auftritt im Verein oder in der Politik, Reden im Berufsleben. Weitere Pluspunkte: Kapitel über Gesprächsleitung und den Umgang mit Medien sowie hilfreiche Checklisten, die zeigen, wie Sie die Rede vorbereiten, das Lampenfieber besiegen und jedes Publikum fesseln.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 267
Veröffentlichungsjahr: 2016
Beobachter-Buchverlag
3., aktualisierte Auflage 2010
© 2008 Axel Springer Schweiz AG
Alle Rechte vorbehalten
www.beobachter.ch
Herausgeber:
Der Schweizerische Beobachter, Zürich
Lektorat: Christine Klingler Lüthi
Satz: Bruno Bolliger
Illustrationen: Karin Negele (www.illustration.li)
Cover: Krisztina Faller (Grafik),
Tres Camenzind (Bild)
eISBN 978-3-85569-485-3
Dieses Buch wurde auf chlor- und säurefreiem Papier gedruckt.
Patrick Rohr, geboren 1968 in Glarus, war von 1992 bis 2007 Moderator und Redaktor verschiedener Sendungen des Schweizer Fernsehens (u.a. «Schweiz aktuell», «Arena» und «Quer»). Heute leitet er eine eigene Kommunikationsberatungsfirma in Zürich (www.patrickrohr.ch). Patrick Rohr ist Autor des Beobachter-Ratgebers «So meistern Sie jedes Gespräch».
Danken möchte ich folgenden Personen, die mit ihrem Vertrauen, ihrer Unterstützung und mit ihren wertvollen Tipps und Inputs die Entstehung dieses Buches möglich gemacht haben: Verlagsleiterin Doris Graf, Lektorin Christine Klingler Lüthi, meinem Partner Simon Ming, meinen Freunden Roger Hess und Roger Bayard sowie den Textern Michael Rüegg und Claudio Knechtle für die Reden, die sie zur Verfügung gestellt haben.
Liebe Leserin, lieber Leser
Sie halten ein Exemplar der 3. Auflage von «Reden wie ein Profi» in den Händen. Es erfüllt mich mit grosser Freude, dass dieses Buch in kurzer Zeit zu einem Bestseller wurde – und der Erfolg zeigt, dass das Bedürfnis nach einem praktischen Rhetorikratgeber offensichtlich vorhanden ist.
Viele Leute fürchten sich davor, vor einem Publikum zu stehen und eine Rede oder eine Präsentation zu halten. Doch das lässt sich trainieren. Ob Sie nun gebeten werden, bei einem kleineren privaten Anlass eine Ansprache zu halten, oder ob Sie vor vielen Leuten auftreten: Dieses Buch zeigt Ihnen, wie Sie sich am besten vorbereiten und worauf es im entscheidenden Moment ankommt.
Als Journalist und Moderator verschiedener Fernsehsendungen habe ich in den letzten Jahren über 2000 Interviews geführt, als Kommunikationstrainer zahlreiche Rhetorikkurse geleitet. Bei diesen Begegnungen habe ich gelernt, wann ein Auftritt beim Publikum ankommt. Und als Moderator, Gesprächsleiter und Referent auf grösseren und kleineren Bühnen erlebe ich selber immer wieder, was es heisst, Lampenfieber zu haben. Meine Erfahrungen möchte ich Ihnen gerne weitergeben.
Dieser Ratgeber hat schon vielen Leserinnen und Lesern Mut gemacht. Er soll auch bei Ihnen die Lust am Reden wecken. Schmökern Sie darin, entdecken Sie die Tipps, die für Sie persönlich am nützlichsten sind. Dann können Sie in Zukunft mit Freude zusagen, wenn Sie für eine Rede, ein Referat oder eine Präsentation angefragt werden. Mit diesem Buch sind Sie bestens gerüstet.
Ich wünsche Ihnen dabei viel Freude und Erfolg.
Patrick Rohr Zürich, im Mai 2010
Vorbereitet oder aus dem Stegreif? Manuskript oder Stichwortkarte? Mundart oder Schriftsprache? In diesem Kapitel erhalten Sie einen Überblick über die wichtigsten Themen, die in diesem Ratgeber behandelt werden.
Gehören Sie zu den Menschen, die denken: «Das Reden überlasse ich lieber anderen, ich kann das nicht!»? Oder sind Sie überzeugt, dass Sie sowieso nie eine Rede halten müssen, weil gar niemand auf die Idee kommen könnte, Sie anzufragen?
Ihr Respekt für die eigenen Grenzen in Ehren. Aber kann es nicht sein, dass Sie vielleicht schon bald zur Präsidentin Ihres Vereins gewählt werden und deshalb fortan durch die jährliche Generalversammlung und andere Anlässe führen müssen? Oder stellen Sie sich vor, ein naher Verwandter stirbt, und die Familie wählt Sie aus, um an der Abdankungsfeier das Leben des Verstorbenen zu würdigen. Vielleicht treten Sie aber auch demnächst ein Gemeinderatsamt an und müssen künftig die Dorfbewohner an der Gemeindeversammlung von Ihren Vorlagen überzeugen.
Ich könnte noch viele solche Beispiele aufzählen. Sie alle zeigen: Auch Sie können jederzeit in die Situation kommen, vor eine Gruppe Menschen stehen und eine Rede halten zu müssen.
Dieses Buch will Ihnen helfen, sich auf solche Situationen optimal vorzubereiten. Auf den folgenden Seiten erhalten Sie einen ersten Überblick über die Themen, die in diesem Buch behandelt werden.
Um den Inhalt dieses Buches besser nachvollziehen zu können, ist es wichtig, zunächst den Begriff der Rhetorik zu klären. Rhetorik ist die «Kunst des Redens». Reden bedeutet in diesem Zusammenhang allerdings viel mehr, als durch reines Sprechen einen Inhalt zu vermitteln. Reden bedeutet hier, durch den geschickten Einsatz von Sprache, Körperhaltung, Mimik, Stimme, Atmung und Blickkontakt sein Publikum von einer Botschaft zu überzeugen.
Das schaffen Sie nur, wenn alle diese Faktoren miteinander im Einklang sind. Stimmt nur einer davon mit den anderen nicht zusammen, nimmt das Publikum dies bewusst oder unbewusst als Störung wahr, und Sie erreichen das Ziel, mit Ihrer Botschaft beim Publikum anzukommen, nicht. Passt zum Beispiel die Mimik nicht zu dem, was Sie sagen, wirken Sie unglaubwürdig oder selber nicht überzeugt von Ihrem Inhalt.
Dieses Buch will Ihnen helfen, bei einem Auftritt Inhalt, Sprache, Körperhaltung, Mimik, Stimme, Atmung und Blickkontakt in Einklang zu bringen, so dass Sie Ihr Publikum mit dem, was Sie sagen, überzeugen können.
Optimal vorbereitet mit dem 9-Punkte-Programm
Im Anhang finden Sie neun Checklisten, die Sie auf dem Weg zu einer erfolgreichen Rede unterstützen. Sie bieten einen schnellen Überblick zu jedem Thema und helfen Ihnen, sich sorgfältig vorzubereiten und an alles zu denken.
Hier finden Sie einen Tipp, Hinweis oder eine Hintergrundinformation.
Hier werden Sie auf Sachverhalte aufmerksam gemacht, auf die es ankommt; auf Dinge, die Sie nicht verpassen sollten.
In meinen Kursen für Rhetorik und Auftrittskompetenz werde ich immer wieder mit ähnlichen Fragen konfrontiert: «Was kann ich gegen meine Angst tun? Was ziehe ich für meinen Auftritt an? Rede ich am besten mit einem Manuskript, mit einer Stichwortliste oder frei?»
Diese Fragen zeigen, dass die meisten Menschen ähnliche Unsicherheiten und Ängste haben, wenn sie vor ein Publikum treten und vor diesem reden müssen. Nachstehend habe ich, im Sinne einer ersten Übersicht, jene zehn Fragen aufgelistet, die mir von Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern am häufigsten gestellt werden. Die Antworten sind bewusst kurz gehalten, denn alle besprochenen Themen werden in diesem Buch – verteilt auf die verschiedenen Kapitel – ausführlich behandelt.
Vor einem Auftritt ein bisschen aufgeregt zu sein ist völlig normal, schliesslich wollen Sie mit Ihrer Rede beim Publikum «ankommen». Da man eine Rede selten vor Publikum üben kann, ausser man hält sie an mehreren Orten, wissen Sie auch nicht, ob sie so verstanden wird, wie Sie das gerne möchten.
Eine gewisse Nervosität ist kein Grund zur Beunruhigung, sie hat sogar einen positiven Nebeneffekt: Wenn Sie aufgeregt sind, schüttet Ihr Körper das Hormon Adrenalin aus, das – in gesundem Mass – dafür sorgt, dass Sie wach und aufmerksam und folglich zu Höchstleistungen bereit sind.
Vielleicht beschäftigen Sie vor einem Auftritt auch Gedanken wie: Versagt meine Stimme im entscheidenden Moment? Hört mir überhaupt jemand zu? Lachen die Leute über meine vorbereiteten Pointen? Während ein bisschen Anspannung nicht schadet, ist es ungünstig, wenn die Nervosität sich zur Angst auswächst, denn diese blockiert. Wer vor einem Auftritt nicht nur nervös oder aufgeregt ist, sondern Angst hat, fürchtet sich in ausserordentlich hohem Mass davor, sich zu blamieren und ausgelacht zu werden – etwas, das fast jeder Mensch schon als Kind einmal erlebt hat. Diese Angst, sich eine Blösse zu geben und sich zu blamieren, führt dazu, dass man sich vor allem darauf konzentriert, wie man wirkt, also wie man beim Publikum ankommen könnte.
Durch diese Fixierung auf die äussere Wirkung aber rückt das, was man sagen will, in den Hintergrund. Man achtet nur noch darauf, wie man steht, wo die Hände sind, ob man im richtigen Moment lächelt. Das alles wirkt unnatürlich und verkrampft, was die Zuhörerinnen und Zuhörer wahrnehmen. Im gleichen Mass nämlich, wie der Redende sich auf seine Wirkung konzentriert, achtet auch das Publikum auf diese Äusserlichkeiten. Es sieht einen verkrampften, sich unnatürlich bewegenden und angstvollen Redner, und das macht ihn zur dankbaren «Beute». Erst jetzt läuft er tatsächlich Gefahr, ausgelacht zu werden. Damit es nicht so weit kommt, muss es gelingen, diesen Teufelskreis der Angst – Angst vor Blamage, Fixierung auf die äussere Wirkung, Verkrampfung, Blamage – zu durchbrechen. Das schaffen Sie, indem Sie sich ganz auf sich, Ihre Eigenheiten und Ihre Stärken besinnen. Die richtige Einstellung bei einem Auftritt ist: «Sollen die Leute von meiner Art doch denken, was sie wollen! Ich bin gut so, wie ich bin.» Wenn Ihnen dieser Schritt gelingt, verfliegt auch die Angst, und Sie werden sich bei Ihrem Auftritt keine Blösse geben.
• Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im Kapitel «Lampenfieber und Nervosität» auf Seite 144.
Ganz einfach: etwas, das zu Ihnen und zum Anlass passt. «Verkleiden» Sie sich für Ihren Auftritt nicht, probieren Sie nicht auf der Bühne einen neuen Stil aus: Sie werden sich unsicher und folglich vor dem Publikum nicht wohl fühlen.
Achten Sie darauf, dass Ihre Kleidung nicht von Ihrem Inhalt ablenkt. Verzichten Sie also auf allzu wild gemusterte und sehr eigenwillig geschnittene Kleider, wählen Sie besser ruhige und unifarbene Kleidungsstücke.
Überlegen Sie, welche Art der Kleidung dem Anlass angepasst ist, erkundigen Sie sich allenfalls, welche Kleidervorgaben das Publikum hat, und wählen Sie dann das Passende aus Ihrem Kleiderschrank aus.
• Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im Kapitel «Dezente Kleidung» auf Seite 148.
Hier eine Gegenfrage: Überlegen Sie sich das auch, wenn Sie einem Bekannten auf der Strasse begegnen? Vermutlich nicht. Warum sich also diese Gedanken machen, wenn Sie vor mehreren Leuten stehen? Versuchen Sie bei Ihrem Auftritt vor Publikum nicht an Ihre Hände zu denken, dann tun Sie automatisch das Richtige, nämlich das, was Sie sonst auch tun: Sie bewegen Ihre Hände völlig natürlich, uninszeniert und unaufgeregt. Und schon haben Sie dieses Problem gelöst.
• Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im Kapitel «Die Hände natürlich bewegen» auf Seite 149.
Es lohnt sich auf jeden Fall, die Rede ausformuliert aufzuschreiben. Das hilft Ihnen, sich ausführlich mit ihr zu beschäftigen. Ein Manuskript können Sie getrost auch immer wieder ein paar Tage liegen lassen und es später noch einmal durchlesen. Mit etwas Abstand entdecken Sie vielleicht Stolpersteine im Aufbau, unschöne Formulierungen und unlogische Schlüsse, die Sie dann noch einmal überarbeiten können. Ein Manuskript hilft Ihnen auch, die Länge Ihres Referates in den Griff zu bekommen: Lesen Sie es sich selber ein paarmal in Ruhe und laut vor – Sie werden schnell sehen, welche Stellen zu lang oder langfädig sind und wo Sie Ihre Rede allenfalls noch kürzen könnten.
• Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im Kapitel «Das Manuskript verfassen» auf Seite 102.
Nein! Dessen müssen Sie sich vor dem Verfassen einer Rede unbedingt bewusst sein. Schriftsprache und gesprochene Sprache sind zwei völlig verschiedene Ausdrucksformen. In der gesprochenen Sprache sind beispielsweise die Sätze und Gedankeneinheiten sehr kurz. Es gibt auch praktisch keine Nebensätze, und es kommen nur sehr selten Substantive (Hauptwörter) vor.
Anders in der Schriftsprache: Da reiht sich oft Substantiv an Substantiv und Nebensatz an Nebensatz. Versuchen Sie einmal, den Brief einer Amtsstelle oder eine wissenschaftliche Arbeit laut zu lesen – Sie werden Mühe haben, den Text fliessend und verständlich vorzutragen. Genau gleich wird es jemandem ergehen, der Ihnen beim Vorlesen eines solchen Textes zuhört: Er wird Ihnen nur schwer folgen können. Verfassen Sie deshalb Ihre Rede unbedingt in gesprochener Sprache, also mit kurzen Sätzen und möglichst wenig Einschüben und Nebensätzen. Andernfalls werden Sie es nicht schaffen, Ihr Publikum für sich zu gewinnen.
• Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im Kapitel «Schriftdeutsch oder Dialekt» auf Seite 94.
Das hängt von der Länge Ihrer Rede und von Ihren rhetorischen Fähigkeiten ab. Wenn Sie sich fürs Ablesen entscheiden, achten Sie darauf, dass Ihr Text im Manuskript optimal dargestellt ist: klar gegliedert, in grosser Schrift und mit kurzen Abschnitten. Sie können auch Hauptaussagen, Schlüsselwörter und Zwischentitel fett markieren.
Aber Vorsicht: Auch wenn Sie sich entscheiden sollten, Ihre Rede vor dem Publikum abzulesen, müssen Sie sie gut beherrschen. Vielleicht fallen Sie plötzlich aus dem Text, haben spontan einen Einfall, den Sie gerne einfliessen lassen möchten, oder Sie finden einen Abschnitt auf einmal unpassend, weil er nicht zum Anlass passt. In diesen Fällen sollten Sie Ihr Manuskript so gut beherrschen, dass Sie jederzeit und ohne sich lange orientieren zu müssen von einer Textstelle oder Gedankeneinheit zur nächsten gehen können.
Sie dürfen Ihr Publikum – im wahrsten Sinne des Wortes – nie aus den Augen verlieren. Auch wenn Sie Ihren Text ablesen, orientieren Sie sich nur zwischendurch kurz am Text und schauen Sie dann sofort wieder das Publikum an, sonst «verlieren» Sie es.
• Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im Kapitel «Mit Hilfe des Manuskripts reden» auf Seite 112.
Im Idealfall ja. Wenn Sie Ihre Rede mit Stichwortkarten halten, sind Sie freier in der Formulierung und laufen weniger Gefahr, holprige Wendungen aus der Schriftsprache zu verwenden. Ideal sind Stichwortlisten auf kleinen Zetteln (z. B. Format A5) oder festen Kärtchen (Format A6). Um eine Rede nur mit Hilfe von Stichwortkarten zu halten, müssen Sie sie sehr gut vorbereiten. Gehen Sie am besten gleich vor, wie wenn Sie ein Manuskript schreiben: Erstellen Sie zuerst ein Grob- und dann ein Feinkonzept und schreiben Sie anschliessend den Redentext. Wenn dieser sitzt und Sie ihn ein paarmal laut für sich vorgelesen haben, können Sie Ihr Feinkonzept auf die Stichwortkarten übertragen.
• Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in den Kapiteln «Eine Stichwortkarte verfassen» und «Mit Hilfe einer Stichwortkarte reden» (beide auf Seite 114).
Eine Rede völlig frei zu halten empfehle ich vor allem geübten Rednerinnen und Rednern. Wenn Sie sich gut vorbereitet haben, ist auch die freie Rede durchaus eine Variante. Zu einer sorgfältigen Vorbereitung gehören ein klares Ziel, ein klarer Aufbau und eine gute Struktur, die Sie jederzeit im Kopf abrufen können.
Ideal für die Strukturierung Ihrer Rede sind Dreierschritte, sowohl in der ganzen Rede wie auch in den einzelnen Unterteilen. Teilen Sie Ihre Rede also zunächst zum Beispiel in eine Einleitung, einen Hauptteil und einen Schluss ein. Diese drei Teile können Sie nun wiederum in jeweils drei Schritte unterteilen.
Die Zahl Drei ist ideal, um eine Rede zu strukturieren: Drei Punkte können Sie als Redner sich leicht merken, und das Publikum kann einer Drei-Schritte-Struktur gut folgen.
• Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im Kapitel «Frei reden» auf Seite 116.
Persönlich rate ich zu einem sparsamen Einsatz von Powerpoint-Präsentationen. Meiner Meinung nach werden Powerpoint-Präsentationen mittlerweile allzu inflationär und leider oft auch unüberlegt und schlecht aufbereitet eingesetzt.
Weniger ist mehr: Eine gute Powerpoint-Präsentation bildet die Struktur Ihrer Rede ab, enthält entsprechend nur sehr wenig Text (zum Beispiel Titel, wichtige Schlag- und Schlüsselwörter) und kommt ohne unübersichtliche Grafiken und Tabellen aus. Wenn Sie Grafiken und Tabellen einsetzen möchten, tun Sie das durchdacht und achten Sie auf Übersichtlichkeit und Lesbarkeit.
Verzichten Sie auf originelle Animationen, ins Bild fliegende Titel und trickreiche Seitenwechsel. Sie lenken nur von dem ab, was Sie sagen, und dienen weder der Struktur noch der besseren Verständlichkeit Ihres Referats.
• Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im Kapitel «Powerpoint-Präsentationen richtig einsetzen» auf Seite 150.
Wenn Ihnen niemand zuhört und sich im Publikum Unruhe breitmacht, kann das verschiedene Ursachen haben: Möglicherweise haben Sie das Pech, als letzte Rednerin einer langen Vortragsreihe aufzutreten, und die Leute mögen nicht mehr zuhören. Vielleicht wartet hinter den Kulissen aber auch bereits der Cateringservice mit dem Apéro riche, es riecht lecker und das Klappern des Geschirrs ist deutlich zu hören; es ist verständlich, dass die Leute im Saal nach einer langen Vortragsreihe nun langsam Appetit bekommen.
Es kann aber auch an Ihnen liegen. Vielleicht haben Sie sich ungenügend vorbereitet, die Rede ist schlecht strukturiert oder Sie haben keine klare Botschaft. Vielleicht haben Sie aber auch ganz einfach einen schlechten Tag und tragen Ihre Rede monoton und unmotiviert vor.
In solchen Situationen gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder Sie kürzen Ihre Rede radikal, oder Sie versuchen, Ihr Publikum auf andere Art wieder zu packen, etwa indem Sie Überraschungen schaffen.
Für eine Überraschung sorgen Sie beispielsweise, indem Sie eine klare Pause setzen und einen Moment lang einfach nichts sagen. Das Publikum wird verblüfft sein und sich wieder auf Sie konzentrieren. Oder werfen Sie eine Frage in den Saal, beziehen Sie das Publikum aktiv mit ein, dann fühlt es sich (wieder) angesprochen. Manchmal ist es nur schon hilfreich, mit der Stimme etwas mehr zu arbeiten, indem Sie einmal leiser und dann wieder lauter werden.
• Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im Kapitel «Unruhe im Publikum» auf Seite 166.
Ob Sie eine erfahrene Rednerin sind, die an ihrer Technik oder Sprachfertigkeit arbeiten möchte, oder ob Sie noch nie vor Leuten aufgetreten sind und sich optimal für den Fall der Fälle vorbereiten wollen: In diesem Buch können Sie gezielt das herauspicken, was Ihnen wichtig ist.
Um sich auf Ihren nächsten Auftritt vorzubereiten, brauchen Sie diesen Ratgeber nicht von der ersten bis zur letzten Seite zu lesen. Vielleicht möchten Sie zunächst einmal nur wissen, wie man ein Manuskript verfasst. Oder es interessiert Sie, was Sie tun können, wenn ein Störenfried im Publikum sitzt.
Sie finden in diesem Buch für jede Situation wichtige Angaben und Hilfestellungen. Die Tipps und Übungen, die in die verschiedenen Kapitel eingestreut sind, helfen Ihnen, sich dem Thema auf spielerische Art zu nähern. Daneben finden Sie in fast allen Kapiteln praktische Beispiele, die Ihnen zeigen, wie Sie es machen könnten – oder auch besser nicht. Sie dürfen diese gerne als Gedankenanstoss für Ihren eigenen Auftritt verwenden. Am Schluss der einzelnen Kapitel werden spezielle Themen wie die Stegreifrede, die Teilnahme an einer Gesprächsrunde oder der Humor in einer Rede behandelt.
Stöbern Sie also in diesem Ratgeber ganz nach Ihren eigenen Befürfnissen und picken Sie das heraus, was für Sie wichtig, interessant oder neu ist. Ich würde mich freuen, wenn es mit diesem Buch gelänge, in Ihnen die Lust und Freude am Reden und Auftreten vor Leuten zu wecken oder zu fördern.
Nachstehend finden Sie die wichtigsten Themen dieses Buches in einer Übersicht. Ausführliche Informationen finden Sie in den verschiedenen Kapiteln dieses Buches.
Klären Sie vor Ihrem Auftritt ab, wo er stattfinden soll. Der Ort des Auftritts und die entsprechenden Rahmenbedingungen haben einen grossen Einfluss auf die Art Ihrer Rede. Es macht einen Unterschied, ob Sie in einer Turnhalle, in einem Festsaal oder im Freien auftreten. Und es ist wichtig zu wissen, ob Sie auf Hilfsmittel wie Hellraumprojektor, Flipchart oder Beamer zurückgreifen können.
Finden Sie auch heraus, ob Sie mit oder ohne Mikrofon sprechen werden und ob Ihnen ein Rednerpult zur Verfügung steht.
Müssen Sie vor ein mehrsprachiges Publikum treten, bringen Sie in Erfahrung, ob eine Simultanübersetzung geplant ist.
Fragen Sie sich vor dem Verfassen Ihrer Rede oder Ihrer Ansprache, wer Ihr Zielpublikum ist.
Überlegen Sie sich, was für eine Sprache Sie verwenden: Können Sie es sich erlauben, Ihr Referat in einer Fachsprache zu halten, oder sprechen Sie besser in einer allgemein verständlichen Sprache ohne Fachausdrücke? Vom Zielpublikum hängt auch ab, ob Sie Ihr Referat in Hochdeutsch, Dialekt oder einer anderen Sprache halten werden.
Als Grundregel gilt: Jeder einzelne Zuhörer Ihrer Rede muss Ihnen folgen können, niemand darf ausgeschlossen werden.
Die Zusammensetzung des Publikums entscheidet schliesslich darüber, ob Sie eher in einem formellen oder in einem informellen Ton reden und wie Sie die Leute ansprechen und begrüssen.
Wenn Sie frei wählen können, müssen Sie als Erstes zahlreiche Entscheidungen treffen: Soll Ihr Thema eher mit dem Anlass oder mit Ihnen und Ihrem persönlichen Erfahrungsbereich zu tun haben? Soll die Rede eher sachlich-informativ oder launig-unterhaltend sein?
Ist das Thema vorgegeben, müssen Sie als Erstes festlegen, worauf Sie Ihren Fokus richten möchten, und dann, welches Ziel Sie mit Ihrer Rede erreichen wollen. Es lohnt sich, wenn Sie sich diese Fragen vorgängig gut überlegen.
Sprechen Sie bei Ihrem Auftritt Hochdeutsch oder Dialekt? Diese Frage hat einen grossen Einfluss auf die Vorbereitung Ihrer Rede: Das Manuskript für eine Rede in Mundart sieht nämlich völlig anders aus als das Manuskript für eine Rede auf Hochdeutsch. Am besten verfassen Sie es in einem «Dialekthochdeutsch», denn einen in Schriftsprache abgefassten Text spontan im Dialekt abzulesen ist sehr schwierig.
Zwei Beispiele zur Erläuterung: Im Schweizerdeutschen gibt es nur ein Relativpronomen («wo»), während es in der Schriftsprache deren drei gibt («der», «die», «das»). Die schriftdeutschen Relativpronomen «der», «die», «das» spontan in «wo» anzupassen ist äusserst anspruchsvoll.
Gleich verhält es sich mit den schriftdeutschen Vergangenheitsformen: «War» und «waren» beim Ablesen in die einzige schweizerdeutsche Vergangenheitsform «isch gsi» bzw. «sind gsi» zu übersetzen, gelingt nur geübten Rednern.
Ein Manuskript für eine Rede im Dialekt muss also zwingend anders aussehen als das Manuskript für eine Rede auf Hochdeutsch.
«Ich könnte zu diesem Thema so viel sagen – ich weiss gar nicht, womit ich beginnen und womit ich aufhören soll.» Wer so an sein Referat, an seine Rede herangeht, der hat ein Problem: Er will alles, was er zum Thema weiss, erzählen – und sieht bald den sprichwörtlichen Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Wer alles, was er weiss, in ein Referat packen will, der schafft mehr Verwirrung als Übersicht.
Deshalb sind für Ihre Rede eine klare Kernbotschaft und ein gut strukturierter Aufbau entscheidend. Fragen Sie sich: Was will ich sagen? Wie steige ich ein? Wo setze ich Schwerpunkte? Wie komme ich zum Schluss? Auch hier gilt: Weniger ist mehr.
Wenn Sie eine lange Rede halten müssen oder wenn Sie in der schriftlichen Formulierung brillant, in der mündlichen hingegen eher schwerfällig sind, dann verwenden Sie mit Vorteil ein Manuskript. Ein Manuskript ist allerdings nur eine Hilfe, wenn es in einer einfachen – das heisst gesprochenen – Sprache verfasst und in grosser Schrift geschrieben ist. Wichtig ist zudem eine klare, übersichtliche Gliederung des Textes.
Ist das Manuskript in geschriebener – und nicht gesprochener – Sprache verfasst, ist die Schrift zu klein und die Strukturierung unübersichtlich, dann hindert es Sie daran, Ihre Rede fliessend vorzutragen. Persönlich finde ich es deshalb besser, eine Rede oder ein Referat anhand einer Stichwortliste zu halten. Auf dieser sehen Sie mit einem Blick die Struktur Ihrer Rede. In der Formulierung sind Sie frei, weshalb Sie automatisch in gesprochener und nicht in geschriebener Sprache reden, was Ihre Rede echter und damit attraktiver macht.
Ein wörtlich ausgeführtes Manuskript verleitet dazu, den Text abzulesen. Das verhindert, dass Sie mit Ihrem Blick bei den Zuhörenden sind, die sich in der Folge nicht angesprochen fühlen.
Wenn Sie es schaffen, Ihr Publikum mit Ihren Worten und einer klar strukturierten, rhetorisch geschickt aufgebauten Rede in den Bann zu ziehen, dürfen Sie getrost auf Hellraumprojektor-Folien und Powerpoint-Präsentationen verzichten. Möchten Sie trotzdem solche Hilfsmittel einsetzen, achten Sie darauf, dass diese so wenig Text wie möglich enthalten. Idealerweise geben sie eine Inhaltsübersicht und heben Schlüsselwörter oder -sätze hervor. Wilde Grafiken und Animationen sowie allzu viele Detailinformationen verwirren nur und lenken von Ihrem Inhalt ab. Wenn es dumm läuft, spielt Ihnen auch noch die Technik einen Streich, oder Sie bringen die Reihenfolge der Folien durcheinander. In einer solchen Situation gilt die Aufmerksamkeit des Publikums nur noch diesen kleinen Pannen – was Sie sagen, interessiert niemanden mehr.
Geübten Rednerinnen und Rednern empfehle ich auf jeden Fall, frei und ohne Hilfsmittel zu reden. Das bedingt allerdings eine sorgfältige Vorbereitung.
Üben Sie Ihre Rede, und lesen Sie sie beim Üben laut, so bekommen Sie einen Anhaltspunkt für die Länge. Gerade bei frei gehaltenen Reden laufen Rednerinnen und Redner nämlich Gefahr, in Fahrt zu kommen und die Zeit zu vergessen. Das kommt sowohl beim Publikum wie auch beim Veranstalter, der seinen Zeitplan einhalten will, schlecht an.
Auch bei der freien Rede sind eine klare Kernbotschaft und ein klar strukturierter Aufbau unabdingbar. Deshalb sollten Sie auch in diesem Fall vorgängig ein Manuskript oder zumindest ein detailliertes Feinkonzept anfertigen. So können Sie überprüfen, ob Aufbau und Argumentationsketten funktionieren, und Sie können Ihre Rede vor dem Auftritt üben.
Rhetorische Kniffe helfen Ihnen, Ihr Publikum für die Inhalte zu interessieren, die Ihnen wichtig sind. Steigen Sie mit einer Überraschung in Ihr Referat ein, indem Sie zum Beispiel eine provokative These in den Raum stellen. Oder platzieren Sie gleich zu Beginn eine Pointe, die Ihr Publikum zum Lachen veranlasst.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Sie Ihr Publikum von allem Anfang an in den Bann ziehen können: Stellen Sie eine Frage, die Sie erst am Schluss beantworten, erzählen Sie eine Anekdote, machen Sie eine (selbst)ironische Bemerkung.
Auch um die Zuhörerinnen und Zuhörer im weiteren Verlauf der Rede bei der Stange zu halten, gibt es einige rhetorische Kniffe: Machen Sie zum Beispiel nach einer Frage oder einem humoristischen Einschub bewusst eine längere Pause, führen Sie Ihr Publikum auf eine falsche Fährte oder streuen Sie immer wieder mal eine witzige Bemerkung ein.
Ein verwirrendes Bild im Hintergrund, eine schlecht gebundene Krawatte, ein unpassendes Kleid, unbeholfene Handbewegungen, die falsche Folie: Es gibt vieles, was vom Inhalt Ihrer Rede ablenken kann. Überprüfen Sie deshalb vor Ihrem Auftritt Ihre Kleidung, versuchen Sie sich zu entspannen, achten Sie auf den Hintergrund und probieren Sie die technischen Hilfsmittel aus, bevor die Gäste im Saal sind.
Vielleicht werden Sie von Ihrem Turnverein angefragt, dieses Jahr den traditionellen Unterhaltungsabend zu moderieren. Oder Ihre Vorgesetzten bitten Sie, durch den Firmenanlass oder einen Jubiläumsabend zu führen. Möglicherweise kommt auch Ihre beste Freundin mit dem Wunsch auf Sie zu, dass Sie als Brautführerin die Hochzeitsfeier gestalten.
Als Moderatorin sind Sie in vielerlei Hinsicht gefordert: Sie müssen der Veranstaltung eine Struktur geben, Sie müssen das Publikum bei der Stange halten und sein Interesse für die verschiedenen Darbietungen wecken, und vielleicht müssen Sie zwischendurch auch noch das eine oder andere Interview führen.
Es gibt für Sie als Moderatorin und für die anderen Auftretenden nichts Schlimmeres als ein gelangweiltes und unaufmerksames Publikum. Auch wer rhetorisches Geschick hat, sollte sich deshalb auf eine Moderation sorgfältig vorbereiten. Machen Sie sich die nötigen Gedanken, und Sie werden souverän und mit der nötigen Gelassenheit durch die Veranstaltung führen.
Der Stellenwert der Medien in unserer Gesellschaft wird immer grösser. Deshalb ist dem Umgang mit Presse, Fernsehen und Radio in diesem Buch ein eigenes Kapitel gewidmet.
Vielleicht ruft der Reporter der Lokalzeitung Sie eines Tages an, weil er ein Porträt über Ihren Verein schreiben will. Oder die Radioreporterin möchte nach der Gemeindeversammlung ein kurzes Interview mit Ihnen führen. Möglicherweise will das Lokalfernsehen, dass Sie als Schulpräsidentin zu den schwerwiegenden Vorfällen auf dem Pausenplatz für die Abendnachrichten kurz Red’ und Antwort stehen.
Reden mit den Medien ist für jemanden, der das nicht routinemässig tut, sehr anspruchsvoll. Deshalb lohnt es sich, die wichtigsten journalistischen Formen und die Bedürfnisse der verschiedenen Medien zu kennen. Wenn Sie zudem wissen, dass für ein Statement eine maximal 25-sekündige Antwort verlangt wird oder dass ein Interview für eine Zeitung nachträglich stark bearbeitet wird, sind Sie für Ihren ersten Medienkontakt bereits gut gerüstet.
So, wie es in der Rhetorik Grundregeln gibt, die aus Ihrem Auftritt einen Erfolg machen, gibt es auch einige Todsünden, die Ihre Rede garantiert zum Flop werden lassen. Das sollten Sie nicht tun:
Insideranspielungen machen
«So war das ja schon immer, gäll, Kari!» Mit einem Satz wie diesem mögen Sie vielleicht bei Ihrem Bekannten Kari, der im Publikum sitzt, einen Lacher provozieren, und möglicherweise fühlt sich Kari sogar geschmeichelt, weil Sie ihn persönlich angesprochen haben. Den Rest Ihres Publikums verlieren Sie mit einer solchen Bemerkung allerdings: Es fühlt sich ausgeschlossen, denn ausser Kari wird die Anspielung kaum jemand verstehen oder lustig finden.
Dass Redner zum Mittel der Insideranspielung greifen, lässt sich oft beobachten. Vielleicht hat es mit dem Stress der Situation zu tun: Da steht man ganz allein und ausgestellt vor einer Masse fremder Menschen und sollte diese mit einer Rede gewinnen. Verständlich, dass man sich in einer solchen Situation gerne auf diejenigen Menschen bezieht, die man kennt.
Trotzdem: Tun Sie es nicht! Verzichten Sie auf Anspielungen, die nur von einem oder ein paar wenigen Zuhörenden verstanden werden.
Erwähnen, dass Sie leider nicht mehr Zeit bekommen haben
Es ist ein Jammer: Da hätten Sie so viel zu sagen und haben alles, was Sie wissen, in einer wunderschönen Powerpoint-Präsentation aufbereitet – und jetzt erst realisieren Sie, dass Sie vom Veranstalter nicht mehr als fünfzehn Minuten für Ihr Referat zugesprochen erhalten!
Ganz abgesehen davon, dass sich das mit einem vorgängigen Gespräch hätte klären lassen, interessiert diese Tatsache ausser Ihnen niemand. Das Publikum geht davon aus, dass das, was Sie sagen, auch das ist, was Sie zu sagen haben – und will von Ihnen nicht hören, was Sie auch noch zu sagen gehabt hätten, wenn man Ihnen nur mehr Zeit gegeben hätte. Verzichten Sie also auf einleitende Sätze wie: «Leider habe ich für mein Referat nur fünfzehn Minuten Zeit bekommen. Das ist sehr schade. Aber nun gut, dann versuche ich eben das, was ich zu diesem Thema zu sagen habe, in dieser kurzen Zeit zu sagen.» Und sagen Sie während des Referats auch nicht: «Über diese Folie kann ich leider nun nichts sagen, weil ich ja schon bald zum Schluss kommen muss, aber das Thema wäre sehr interessant gewesen.»
Wenn Sie solche Bemerkungen äussern, wirken Sie «betupft» und verärgern ausserdem den Veranstalter. Und das Publikum enttäuschen Sie, es muss nämlich davon ausgehen, dass es ganz viel Interessantes verpasst.
Das Manuskript vorlesen
Manche Leute haben schon in einem persönlichen Gespräch Mühe, dem Gegenüber in die Augen zu schauen. Verständlich, dass es für diese Menschen unglaublich schwierig sein muss, einer ganzen Gruppe von Zuhörern in die Augen zu sehen. Deshalb lesen sie, wenn sie vor Publikum auftreten müssen, einfach ihr Manuskript vor, ohne auch nur einmal zu den Zuhörenden aufzuschauen.
Wenn auch Sie zu diesen Menschen gehören sollten, versuchen Sie trotzdem, nicht einfach Ihr Manuskript vorzulesen. Ohne dass Sie Ihr Publikum anschauen, können Sie keinen Kontakt zu ihm herstellen. Das hat zur Folge, dass Ihnen niemand zuhört.
Sie können Ihren Blick auch zum Publikum richten, ohne jemandem direkt in die Augen zu schauen. So haben die Zuhörerinnen und Zuhörer immerhin das Gefühl, angesprochen zu sein.
Sie sind eingeladen, ein Referat, einen Vortrag oder eine Ansprache zu halten. Das bedeutet, dass in nächster Zeit einige Arbeit auf Sie zukommt: Sie müssen sich überlegen, was Sie sagen möchten, ein Manuskript schreiben und allenfalls unterstützende Unterlagen vorbereiten.
Bevor Sie sich ans Verfassen Ihrer Rede machen, gibt es einige wichtige Abklärungen zu treffen: Wo findet die Veranstaltung statt, wer ist das Zielpublikum? Wie viel Zeit haben Sie für Ihre Rede, zu welchem Thema sollen Sie reden?
Klären Sie als Erstes die Rahmenbedingungen. Sollen Sie zehn, zwanzig oder dreissig Minuten reden? Treten neben Ihnen noch andere Redner auf? Findet Ihre Rede in einem Saal mit modernsten technischen Hilfsmitteln oder im Sääli eines Restaurants statt? Reden Sie mit oder ohne Mikrofon, hinter einem Rednerpult oder frei?
Eine ausführliche Checkliste zu allen Fragen, die sich in der Vorbereitungsphase stellen, finden Sie im Anhang.
Fragen Sie den Veranstalter, wie viel Zeit Sie für Ihren Vortrag, Ihr Referat oder Ihre Ansprache haben. Im Normalfall hat der Veranstalter eine Vorstellung von der geplanten Länge Ihrer Rede, da Ihr Auftritt Teil eines Programms mit fixen Zeiten ist. Sollte Ihnen der Veranstalter keine Längenvorgabe machen, gibt Ihnen die Übersicht nebenan einen Anhaltspunkt für die ideale Länge Ihrer Rede.
Publikum nicht überstrapazieren
