Redentraining - Eckart D. Stratenschulte - E-Book

Redentraining E-Book

Eckart D. Stratenschulte

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Beschreibung

Viele Menschen müssen regelmäßig oder gelegentlich vor einem Auditorium sprechen, und nicht jedem fällt das leicht. Man exponiert sich vor anderen, die man mit einer Botschaft erreichen will und denen man sich mit seinem Auftritt ausliefert. Mit einer gut konzipierten Rede spannen Sie sich ein Sicherheitsnetz, das Ihnen garantiert, selbst bei einem Aussetzer nicht ins Leere zu fallen. Dazu soll dieses Buch eine Anleitung geben. Ob eine Rede gelingt, das heißt, ihr Ziel erreicht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Es kann viel geschehen und nicht auf alles kann man sich vorbereiten. Umso wichtiger ist es aber, das zu tun, was man tun kann.

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Seitenzahl: 124

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Redentraining –

Aufbau, Botschaft, Rhythmus – so gelingt der Vortrag

von Eckart D. Stratenschulte

Kürschners Politikkontakte

Kürschners Politikkontakte

Redentraining von Eckart D. Stratenschulte

ISBN 978-3-95879-034-6

EPUB 978-3-95879-042-1

MOBI 978-3-95879-043-8

Umschlaggestaltung, Layout: Kim Sen-Gupta, Frankfurt/Main

Satz: Schröder Media GbR, Dernbach

Gesamtherstellung: medienhaus Plump, Rheinbreitbach

Titelfoto: Anton Gvozdikov – Fotolia

E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH 2017

Anschrift der Redaktion:

Kürschners Politikkontakte

Postfach 1560, 53585 Bad Honnef

[email protected]

Telefon: 022243232

Datenbank www.kuerschner.info

© 2017 by Kürschners Politikkontakte, NDV GmbH & Co KG, Rheinbreitbach

Jede Verwertung auch von einzelnen Teilen des Werkes außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne die ausdrückliche Zustimmung des Verlages unzulässig; dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen jeder Art und die Einspeicherung und Weiterverarbeitung in digitalen Systemen.

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Redentraining, das Buch, der Autor, das Training

Dieses Buch schreibe ich für alle,

10 Goldene Regeln für eine gute Rede

1. Kapitel Analyse

Worum geht es eigentlich? Der Blick nach außen

Worum geht es eigentlich? Der Blick nach innen

2. Kapitel Botschaft und Argumente

Die Botschaft

Argumente

3. Kapitel Aufbau der Rede

Einleitung!„Einsteigen bitte“

Hauptteil der Rede

Schluss der Rede

Zitate

4. Kapitel Stil und stilistische Mittel

5. Kapitel Am besten selbst versuchen

Anhang: Kurt Tucholskys kurzer Ratgeber

Literatur

Buchempfehlung

Fußnoten

Redentraining,das Buch, der Autor, das Training

Das Buch

Es wurde von Eckart D. Stratenschulte geschrieben, in 5 Hauptkapitel aufgeteilt, einfach und prägnant formuliert, dem Ganzen sind die „10 Goldenen Regeln für eine gute Rede“ vorangestellt. Die Idee war und ist, mit besonderem Blick auf Reden im politischen Umfeld Grundwissen zu vermitteln, Theorie und Praxis zu erläutern, Tipps und Erfahrungen weiterzugeben. Wer es gelesen hat, nimmt manches mit.

Das Buch möchte Sie darüber hinaus sensibilisieren, ja geradezu auffordern, für sich selbst zu überlegen und zu prüfen, ob nicht ein Redentraining ein guter vorausschauender Weg ist, sich entweder für den Fall der Fälle vorzubereiten oder aber eigene Erfahrungen zu vertiefen. Der Autor jedenfalls steht mit all’ seiner Erfahrung für ein professionelles Redentraining sehr gerne zur Verfügung.

Das Training

Im praktischen Training üben Sie unter Live-Bedingungen den gesamten Ablauf einer Rede. Nach einer intensiven Vorbesprechung wird eine Rede erarbeitet und analysiert, während der Rede werden Sie gecoacht und im Anschluss verbessert. Dabei werden ganz besonders die Wirkungsweisen Ihrer Rede auf Veranstalter und Publikum beobachtet und ausgewertet. Viele praktische Tipps und Anleitungen ergänzen das professionelle Redentraining.

Als Leiter der Europäischen Akademie Berlin und Professor für Politische Wissenschaft an der Freien Universität Berlin ist Eckart Stratenschulte erfahrener Vielredner, nutzen Sie dieses Wissen für sich und Ihr Team.

Weitere Informationen und Links zur Kontaktaufnahme finden Sie unter stratenschulte-consulting.eu oder kuerschners.com

Nun wünschen wir Ihnen eine interessante Lektüre!

Kürschners Politikkontakte

Berlin, April 2017

Dieses Buch schreibe ich für alle,

die vor der Aufgabe stehen, eine Rede zu halten oder eine Rede zu schreiben – sei es für sich selbst, sei es für jemand anderen.

Der Mensch ist Dialog. Die Digitalisierung hat in alle Bereiche unserer Gesellschaft Einzug gehalten, aber dennoch kommt der Rede, der direkten Ansprache von Menschen durch Menschen, dem Austausch in Foren, Seminaren und anderen Veranstaltungen weiterhin eine überragende Bedeutung zu.

Viele Menschen müssen regelmäßig oder gelegentlich vor einem Auditorium sprechen, und nicht jedem fällt das leicht. Man exponiert sich vor anderen, gegebenenfalls sogar sehr vielen Menschen, die man mit einer Botschaft erreichen will, die einen anschauen, die einen vielleicht auch nicht anschauen, sondern mit ihrem Mobiltelefon spielen, und denen man sich nun mit seinem Auftritt ausliefert.

Für die eigene Präsentation, von der Körpersprache bis zur Modulation der Stimme, gibt es viele Ratgeber und Trainings. Diese Rhetorik ist jedoch nicht der Gegenstand des vorliegenden Buches. Hier geht es vielmehr darum, wie man eine Rede richtig schreibt. Mit einer gut konzipierten Rede haben auch unsichere Sprecher ein Sicherheitsnetz, das ihnen garantiert, selbst bei einem Aussetzer nicht ins Leere zu fallen.

Viele Menschen in Verwaltungen und Verbänden werden im Laufe ihres beruflichen Alltags gebeten, „mal schnell“ für ihren Chef eine Rede zu verfassen. Sie verfügen in ihrem Bereich zweifellos über Fachwissen – aber etwas wissen und es in eine Rede gießen können, sind zwei Paar Stiefel.

„Die perfekte Rede“, „So wird jede Rede ein Erfolg“, „Überzeugen Sie alle und jeden“ – so oder ähnlich lauten die Titel von Ratgeberbüchern, die sich auch mit dem Redenschreiben befassen.

Bei Übertreibungen rate ich zur Vorsicht. Nicht jede Rede kann „perfekt“ sein. Man müsste sich auch erst einmal darüber verständigen, was Perfektion in diesem Zusammenhang bedeutet. Und ob eine Rede gelingt, das heißt, ihr Ziel erreicht, hängt natürlich nicht nur vom Sprecher und vom Text ab, sondern auch von weiteren Faktoren, auf die der Redner keinen Einfluss hat. Wenn der Versammlungsraum zu heiß oder zu kalt ist, wenn von draußen Lärm eindringt, wenn der Geruch eines leckeren Büffets schon durch die Reihen zieht, wenn die Mikrofonanlage nicht richtig funktioniert, wenn …, wenn …, wenn … Es kann viel geschehen und nicht auf alles kann man sich vorbereiten. Umso wichtiger ist es aber, das zu tun, was man tun kann.

Des Redners größter Feind ist er selbst. Er, der Feind, flüstert ihm, dem Redner, vorher ins Ohr: „Alle gucken dich an, du kannst das nicht, das geht schief, du verhaspelst dich, das wird peinlich, zwischendurch weißt du nicht mehr weiter, die Leute lachen dich aus, dein Platz ist hinter dem Schreibtisch, nicht hinter dem Rednerpult“ und so weiter. Das Ergebnis dieser gemeinen Einflüsterungen ist die Angst aufzutreten oder zumindest Lampenfieber. Ein gut ausgearbeitetes Manuskript, das man zudem vorher einmal ausprobiert, löst nicht alle Probleme, die man mit sich selbst hat – aber es verringert sie. Ansonsten ist es wie mit Fahrradfahren oder Sprachenlernen: Übung macht den Meister. Nach jeder Rede wird das Lampenfieber geringer. Bei manchen verschwindet es ganz, bei anderen bleibt ein Rest davon zurück, der aber beherrschbar ist und zudem vor Übermut warnt.

Man liest gelegentlich in Ratgebern, man müsse auf jede Minute Redezeit einen Tag Vorbereitung verwenden. Wenn man diese unrealistische Forderung durchdenkt, würde es bedeuten, dass man bei 220 Arbeitstagen im Jahr nichts anderes machen könnte, als 220 Minuten lang Reden zu halten, also zwischen sieben und zehn Reden im Jahr vorbereiten und von sich zu geben. Ich glaube nicht, dass es viele Menschen gibt, deren Lebensrealität das widerspiegelt. Der gutgemeinte Rat zielt tatsächlich auf Entmutigung. Er bedeutet nämlich: Wenn Sie nicht einen ganzen Monat lang Zeit haben, eine Rede vorzubereiten, dann geht das sowieso schief, lassen Sie es also lieber. Glücklicherweise ist der Rat falsch. Richtig ist, dass eine gute Rede in der Vorbereitung Zeit und Mühe kostet. Aber wie viel, das hängt von vielen Faktoren ab – auch vom Zeitbudget desjenigen, der die Rede schreibt.

Dazu soll dieses Buch eine Anleitung geben. Es basiert auf jahrzehntelanger Erfahrung mit dem Halten und Anhören von Reden. Andere Ratgeberbücher, die es natürlich gibt, raten Ihnen an manchen Punkten dasselbe, an anderen aber Abweichendes. Ist das eine richtig und das andere falsch? Wohl nicht. Die Erfahrungen sind unterschiedlich, die Herangehensweisen verschieden. „Alle Wege führen nach Rom“, sagt eine gebräuchliches Sprichwort. Nun, nicht alle Wege führen zu einer guten Rede, aber sicherlich verschiedene. Einen Weg, meinen Weg, möchte ich Ihnen durch dieses Buch vorstellen. Es geht dabei, ich wiederhole mich, um das Schreiben von Reden, nur ganz am Rande auch um deren Aufführung. Vor Ihnen liegt also in gewisser Weise ein Kuchenrezept. Aber backen und servieren müssen Sie selbst. Wenn das Rezept jedoch stimmig ist, ist eine wichtige Voraussetzung schon geschaffen.

Eine Rede beginnt nicht, wenn die Rednerin den Mund öffnet und auch nicht, wenn der Redenschreiber die erste Zeile schreibt. Es sind nämlich einige Vorarbeiten nötig. Damit beginnt dieses Buch, anschließend behandelt es den Aufbau einer Rede, den Stil und den Umgang mit Zitaten. Vorangestellt finden Sie „10 Goldene Regeln zum Abfassen einer Rede“, die in den Kapiteln näher erläutert werden.

Dieses Buch richtet sich an Frauen und Männer und handelt gleichermaßen von ihnen. Eine grammatische Form denkt also die andere mit und schließt sie ein. Die „Zuhörer“ können männlich oder weiblich sein, die „Rednerinnen“ auch. Der besseren Lesbarkeit wegen habe ich darauf verzichtet, jeweils beide Geschlechtsformen zu benennen. Sätze wie „Die Rednerinnen und Redner sollten beim Abfassen der Rede immer an ihre Zuhörerinnen und Zuhörer denken und gegebenenfalls ihre Redenschreiberinnen und Redenschreiber entsprechend instruieren.“ sind grammatisch und politisch korrekt, leserinnen- und leserfreundlich sind sie nicht.

Wer damit hadert, kann in einer engagierten Rede dieser Praxis widersprechen. Wie man die Rede aufbaut, findet er oder sie auf den nächsten Seiten.

Ihr

10 Goldene Regeln für eine gute Rede

1. Eine Rede beginnt nicht mit dem ersten Wort, sondern mit einer Analyse.

→ 1. KAPITEL

2. Eine gute Rede erfüllt die Erwartungen des Auditoriums, und geht über sie hinaus.

→ 1. KAPITEL

3. Man sollte immer mehr wissen, als man sagt.

→ 1. KAPITEL

4. Die gesamte Rede zielt darauf ab, zwei Botschaften zu vermitteln, eine inhaltliche und eine persönliche.

→ 2. KAPITEL

5. Wer nicht überzeugt ist, ist nicht überzeugend. Die Authentizität des Sprechenden ist eine wesentliche Grundlage des Erfolgs.

→ 2. KAPITEL

6. Für die Argumentation liegt die Kunst in der Beschränkung.

→ 2. KAPITEL

7. Die Zuhörenden messen das Gewicht eines Arguments auch an der Länge innerhalb der Rede.

→ 2. KAPITEL

8. Eine gute Rede argumentiert nicht nur, sie liefert den Zuhörern auch etwas Neues.

→ 2. KAPITEL

9. Originalität ist ein wichtiges Element der Glaubwürdigkeit eines Redners.

→ 3. KAPITEL

10. Eine gute Rede ist immer maßgeschneidert.

→ 3. KAPITEL

1. KAPITEL

Analyse

Worum geht es eigentlich? Der Blick nach außen

– Wie lauten Thema und Titel der Rede?

– In welchem Rahmen soll die Rede gehalten werden?

– Wer ist der Veranstalter und was erhofft er sich von der Rede?

– Was erwarten die Teilnehmer und warum ist das Thema für sie wichtig?

– Wo soll die Rede gehalten werden, wie ist der Veranstaltungsraum ausgestattet?

– Welcher Ablauf der Veranstaltung ist vorgesehen und wie hoch sind die Risiken, dass er nicht eingehalten wird?

– Was ist das politische Umfeld der Rede?

– Was ist das geografische Umfeld?

– Vor welchen Herausforderungen steht die Zielgruppe?

Eine Rede beginnt nicht mit dem ersten Wort, sondern mit einer Analyse. Es reicht bei weitem nicht aus zu wissen, worüber geredet werden soll – auch wenn diese Information schon einmal hilfreich ist. Aber darüber hinaus sind verschiedene Punkte zu eruieren. Die erste Frage gilt dem Thema, das klingt erst einmal recht banal, weil offensichtlich. Manchmal kann ein Redner das Thema selbst wählen, oftmals wird er auch mit einem genauen Thema angefragt. Aber man muss das Thema nicht nur genannt bekommen oder festlegen, sondern auch erfassen.

Das Thema ist in einen Titel gegossen. Gut ist es, wenn man – was häufig der Fall ist – die Möglichkeit hat, auf die Formulierung des Titels Einfluss zu nehmen. Man kann dann gleich die Akzente unterbringen, die man gerne betont sehen möchte. Sollte das nicht möglich sein, muss man mit dem Titel leben, wie er gestellt wurde. Das ist manchmal leicht machbar, manchmal auch eher frustrierend. Auf keinen Fall sollte man den Titel zu Beginn seiner Rede jedoch kritisieren.

So nicht:

„Leider geht der Titel von einem Irrtum aus.“

„Ich bin mit dem Titel nicht sehr glücklich, weil …“

oder gar:

„Der Titel zeigt genau die Ignoranz, mit der wir bei diesem Thema immer zu kämpfen haben.“

Der Veranstalter hat Sie eingeladen, zu diesem Titel zu sprechen. Entweder Sie tun es oder Sie nehmen das Redeangebot nicht an. Auch die Zuhörer sind ja mit diesem Titel angesprochen worden und erwarten, dass der Redner dazu etwas sagt. In dem Fall, in dem man mit dem Titel unzufrieden ist, sollte man ausweichen.

Besser:

„Im Titel schwingen ja schon viele interessante Aspekte mit, auf die ich im Weiteren eingehen möchte.“

oder:

„Der Titel stellt mir eine interessante Aufgabe, die ich gerne annehme.“

Ob Sie dann wirklich den Titel „abarbeiten“ oder eine Rede halten, die in eine andere Richtung geht, ist oftmals nicht so erheblich. Am Ende der Rede werden Sie danach beurteilt, ob Sie das Auditorium erreicht haben, nicht ob in Ihrem Beitrag exakt der Titel der Rede abgefilmt wurde. Aber auf diese elegante Umgehungsart vermeiden Sie die Konfrontation und den Gesichtsverlust beim Veranstalter, dem Sie ja mit der Titelkritik sagen würden: „Leider sind Sie zu dumm, einen vernünftigen Titel zu formulieren.“

Wenn Sie Einfluss auf den Titel der Rede haben, versuchen Sie ihn möglichst spritzig zu formulieren. Der Titel ist ja die Werbung für die Rede, und Werbung sollte ansprechen. Gut ist ein Titel mit einem eher reißerischen und einem nüchternen Teil – so werden alle Bedürfnisse befriedigt.

So nicht:

„Die Weiterentwicklung der Europäischen Union unter Berücksichtigung des Ausscheidens Großbritanniens“

Besser:

„Brexit sei Dank: Die EU startet durch.“

„Brexit sei Dank“ bürstet die landläufige Auffassung, dass das Ausscheiden Großbritanniens aus der EU für diese eine Katastrophe sei, gegen den Strich. Das generiert Aufmerksamkeit, wie ja immer das Ungewöhnliche dafür sorgt, dass wir aufmerken. Und „Die EU startet durch“ heißt: Wir sprechen über die Zukunft der Europäischen Union und in dieser Zukunft liegen Chancen.

Die erste Frage lautet:

Um welches Thema geht es und wie ist der Titel formuliert?

Nehmen wir ein Beispiel, das sich durch das vorliegende Buch ziehen wird. Die Festrede zum Thema „75 Jahre Freiwillige Feuerwehr Bommelbach“. Dieses Thema wird unserem fiktiven Redner Max Mustermann gestellt. Er weiß also, worüber er reden soll – aber eigentlich weiß er noch nichts. Immerhin hat er durch die Anfrage erfahren, dass es in Bommelbach eine Freiwillige Feuerwehr gibt, die offensichtlich seit 75 Jahren besteht. Bevor er festlegen kann, wie er sich dem Thema nähert, muss er weitere Fragen klären.

Die zweite Frage lautet:

„Vor wem soll ich reden?“

Jede Rede muss auf die Zielgruppe zugeschnitten sein. Sie ist nur gut und wirkungsvoll, wenn sie die Adressaten erreicht und das heißt, wenn sie sie anspricht. Das geht aber nur, wenn man weiß, um wen es sich handelt. Es ist ein Unterschied, ob man vor einer Kinder- oder vor einer Seniorengruppe steht, ob man zu Menschen mit einer berufspraktischen Ausbildung oder Akademikern spricht, ob die Zuhörenden von dem Thema etwas verstehen oder sich eine Einführung in einen Bereich erhoffen. Wer denkt, er müsse das nicht wissen, er sei immer gut, hat schon verloren. Man sollte sich bemühen, über die Zuhörenden so viel wie möglich herauszufinden. Bei Politikern erlebt man das öfter als einem lieb sein kann, dass sie eine für sie vorbereitete Rede halten, die völlig am Publikum vorbeigeht. Da spricht der Minister vor Fachleuten, die in täglicher Arbeit die Kooperation im Donauraum organisieren, und erzählt ihnen, dass die Donau ein langer Fluss sei – keine Neuigkeit für die Experten, tatsächlich ist die Donau mit rund 2.850km der zweitlängste Fluss in Europa. Bei den Zuhörern bleibt als Eindruck hängen: Da weiß einer nicht, vor wem er spricht und speist uns mit Lexikonwissen ab.