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Gewinne die Gunst der Götter oder verliere dein Leben.
Kassandra ist mit einer magischen Gabe gesegnet. Diese verpflichtet sie dazu, sich den göttlichen Prüfungen im olympischen Palast zu stellen. Die Teilnehmerinnen, die sie bestehen, erwartet ein Leben voller Luxus und Ansehen. Doch für Kassandra geht es um so viel mehr: Nur wenn sie die Prüfungen der Götter meistert, kann sie ihren tödlichen Fluch brechen. Ein schier aussichtsloses Unterfangen, denn ihr feuriges Temperament droht ihr zum Verhängnis zu werden. Ruhige Momente findet sie nur bei Ithas, dem geheimnisvollen Kommandanten der Palastwache. Mit seiner Hilfe hätte sie eine Chance auf Erfolg. Wäre da nicht der unverschämt attraktive Kriegsgott Ares, der ihre Selbstbeherrschung herausfordert wie kein anderer.
Ein magisches Palast-Setting, spannende Trials und eine unnachgiebige Heldin zwischen zwei verboten heißen Love-Interests – der prickelnde Auftakt der neuen romantischen Götterfantasy-Dilogie voller Leidenschaft und Female Rage.
Spice-Level: 1 von 5
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Seitenzahl: 606
Veröffentlichungsjahr: 2026
Isabel Clivia
of
Gods
Verflucht
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© 2026 cbj Kinder- und Jugendbuchverlag
in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,
Neumarkter Straße 28, 81673 München
(Vorstehende Angaben sind zugleich Pflichtinformationen nach GPSR.)
Alle Rechte vorbehalten
Umschlagkonzeption: Alexander Kopainski, www.kopainski.com
unter Verwendung mehrerer Motive von: 3D-Assets von Auguste08, sorayarad, ko8eh-nastya
Vignetten: © Adobe Stock/Illustrator Anna Chelnokova
FK · Herstellung: DiMo
Satz: KCFG – Medienagentur, Neuss
ISBN 9783641331924
www.cbj-verlag.de
For it is a disease that is somehow inherent in tyranny to have no faith in friends.
Aeschylus, Prometheus Bound
Die schwarze Stoffbinde vor meinen Augen hüllt die Welt in Dunkelheit. Xander hält meine Hand und passt auf, dass ich nicht stürze, während ich einen Schritt vor den anderen setze. Ich verschränke meine Finger mit seinen, und lasse mich von ihm führen.
»Sag schon, wohin bringst du mich?«, frage ich lächelnd.
Er streicht mit dem Daumen sachte über meine Haut. »Wenn ich dir das jetzt schon verrate, wäre es keine Überraschung mehr.«
Er klingt fröhlich. Das muss ein ziemlich besonderer Ort sein, wenn er so ein Geheimnis daraus macht.
Wann immer unsere Zeit es zulässt, unternehmen wir Ausflüge, bei denen er mir die schönsten Plätze von Elysium zeigt. Romantische Seen, verborgene Wasserfälle, Tempel an Wegesrändern und Felsklippen mit atemberaubender Aussicht. Noch nie hat jemand mir so viele neue Seiten meiner Heimatinsel gezeigt.
»Du könntest mir wenigstens einen Hinweis geben«, beschwere ich mich gespielt beleidigt.
Xander lacht. »Was verraten dir denn deine Sinne?«
Ich lasse die Umgebung auf mich wirken. Hier draußen weht eine sanfte Brise und bringt Blätter zum Rascheln. In der Luft liegt ein grüner, frischer Duft, und weiches Gras dämpft unsere Schritte. Während unseres Ritts vorhin hat die Mittagssonne auf uns herabgeschienen, doch jetzt ist es kühler geworden.
»Sind wir in einem Wald?«, rate ich.
»Tja, das wirst du bald sehen.«
»Komm schon, sag es mir!«
»Kassandra«, seufzt Xander belustigt. »Du bist wirklich die ungeduldigste Frau, die ich kenne.«
»Sagt der Mann, der beim Kartenspielen die ganze Zeit mit dem Bein auf und ab wippt, während ich über meinen nächsten Zug nachdenke.«
»Du brauchst auch jedes Mal ewig, bis du dich entschieden hast«, behauptet er.
»Ich denke eben viel nach.«
Der Wind trägt sein Lachen davon, und er führt mich weiter über das Gras. Die zarten, weichen Halme kitzeln meine Knöchel.
Wie weit wir wohl geritten sind? Bisher habe ich Neu-Delphi nur für unsere Ausflüge verlassen, und wir waren noch nie in einem Wald, darum habe ich keinen blassen Schimmer, wo wir sein könnten. Vielleicht hätte ich öfter auf eine Karte von Elysium schauen sollen.
Am liebsten würde ich mir das Stück Stoff von den Augen reißen, um zu sehen, wohin Xander mich bringt. Mit jedem weiteren Schritt verändert sich die Umgebung, und der auffrischende Wind lässt mein Kleid flattern. Warme Sonnenstrahlen treffen auf meine nackten Schultern, und unter das sanfte Blätterkonzert mischt sich entferntes Wasserrauschen.
Schließlich lässt Xander mich los, tritt hinter mich und legt beide Hände auf meine Taille.
»Du kannst sie jetzt abnehmen«, raunt er in mein Ohr, woraufhin mein Herz einen Satz macht.
Vorfreudig löse ich den Knoten an meinem Hinterkopf und gebe Xander die Stoffbinde. Wir stehen auf einer Lichtung, die von dicht beieinander stehenden Bäumen umgeben ist. Über uns spannt sich der wolkenlose Himmel, und unter unseren Füßen sprießen Blumen in allen Farben des Regenbogens, ein Zeugnis des ewigen Frühlings, der hier auf Elysium herrscht. Auf der Wiese stehen einige Obstbäume, an denen reife Äpfel, Pfirsiche oder Zitronen hängen. Neben manchen von ihnen befinden sich Statuen aus hellgrauem Stein, so fein gemeißelt, dass sie wie echte Menschen wirken.
Ich schüttele den Kopf, bevor ich mich Xander zuwende. »Du findest immer wieder die erstaunlichsten Plätze.«
Er grinst mich an. Wann immer er auf diese Weise lächelt, hellt sich seine Miene auf und mir wird ganz warm ums Herz.
»Ich hab noch was für dich.«
»Wirklich? Du hast mir doch schon das Paradies gezeigt.«
»Wenn du die Augen noch mal für mich schließt, zeige ich dir mehr«, verspricht er verheißungsvoll.
Ich mache einen Schmollmund, was ihn zum Lachen bringt.
Verdammt, vielleicht bin ich doch zu ungeduldig.
Mit einem tiefen Atemzug schließe ich die Augen und warte. Etwas raschelt, so als würde Xander etwas aus seiner Tasche holen.
»Du kannst sie wieder aufmachen.«
Sofort öffne ich meine Augen. Xander hält nun eine kleine Schale in der Hand, in der sechs leuchtend rote Erdbeeren liegen.
»Wo hast du die her?«, frage ich überrascht.
»Hab sie heute Morgen auf dem Markt für dich gekauft.«
»Aber die sind doch viel zu teuer …«
Lächelnd hält er mir die Schale hin. »Beim letzten Mal hast du erzählt, wie sehr du die magst. Und ich weiß, dass du für deine Schwestern auf vieles verzichtest, also wollte ich dir eine Freude machen.«
Ich schlucke den Kloß in meinem Hals hinunter, bevor ich noch anfange zu weinen. Nicht nur, weil er sich gemerkt hat, dass das meine Lieblingsfrüchte sind. Er weiß, dass ich mit meinem hart verdienten Geld meine Schwestern versorgen muss und mir diesen Luxus nie leisten würde.
»Danke«, wispere ich und nehme die Schale. »Wir können sie auch teilen.«
Xander schüttelt den Kopf. »Die sind alle für dich. Bei der Auswahl hier draußen werde ich schon nicht verhungern.«
Ich halte die Schale fest, schlinge einen Arm um ihn und küsse ihn stürmisch, wobei gefühlt eintausend Schmetterlinge in meinem Bauch umherflattern. Xander seufzt an meinem Mund.
»Keine Frucht könnte so süß sein wie deine Lippen«, flüstert er, bevor er mir noch einen Kuss gibt.
Glücklich löse ich mich von ihm und koste eine Erdbeere. Der intensive, fruchtige Geschmack überwältigt mich. Ich esse noch eine zweite, bevor ich Xander den Rücken zukehre und über die Wiese flaniere.
»Du könntest bleiben«, überlege ich laut. »In Neu-Delphi, meine ich. Dann würden wir uns öfter sehen.«
Für einen Moment durchbricht nur das Rauschen des Windes die Stille.
»Das würde ich gern«, sagt Xander schließlich. »Aber mein Leben ist in Neu-Corinth. Ich kann das Geschäft meiner Familie unmöglich im Stich lassen. Ganz egal, wie gern ich bei dir bin.«
Seufzend stecke ich mir noch eine Erdbeere in den Mund. »Wenn ich könnte, würde ich dich dorthin begleiten. Aber meine Schwestern brauchen mich, und außerdem …«
Ich halte inne, bevor die Worte über meine Lippen kommen. Obwohl ich Xander vertraue, habe ich noch nicht den Mut gefunden, es ihm zu sagen. Dass mein Leben sich in zwei Jahren ohnehin verändern wird und ich deshalb keine Pläne machen kann.
»Außerdem?«, hakt er nach.
»Ich …« Mit den Fingern streiche ich über die samtige Schale eines Pfirsichs, der am Baum vor mir hängt. »Irgendwie mag ich Neu-Delphi. Das ist mein Zuhause, also … wer weiß, ob ich je von dort wegwill.«
Die Lüge liegt wie ein dunkler Schatten über mir. Mein wahres Zuhause sind meine Schwestern, nicht diese Stadt, in der ich schon so viel gelitten habe. Sie ist eng mit all den schlechten Erinnerungen verwoben, die ich am liebsten hinter mir lassen würde. Wie ein altes Kleidungsstück, dem ich schon lange entwachsen bin. Leider haben wir kein Geld, um woanders ein neues Leben aufzubauen, und ich will mich nicht von Xander abhängig machen.
Während meines Spaziergangs esse ich noch zwei Erdbeeren und betrachte eine der Statuen, die auf der Lichtung verteilt sind. Sie stellt einen jungen Mann dar. Er hat seine Hände erhoben und den Mund weit geöffnet, als hätte der Künstler einen Schrei festhalten wollen.
»Die sehen ziemlich echt aus, findest du nicht?«, frage ich Xander, der ein paar Schritte hinter mir steht.
»Fast schon zu echt.«
»Wer die wohl hier aufgestellt hat?«, wundere ich mich und schaue mich um. »Die Lichtung sieht nicht gerade wie ein Atelier aus.«
Ich betrachte die Statue genauer. Sie ist ein echtes Meisterwerk, das steht fest. Die Gesichtszüge des Mannes sind erstaunlich detailgetreu, und die aufgerissenen Augen spiegeln auf eindrucksvolle Weise Furcht wider. Unter seinem Handgelenk wurde eine kleine Bisswunde in den Stein gemeißelt.
Auch in Neu-Delphi stehen überall Statuen von unseren Göttern und legendären Helden, manche aus Stein, andere aus Gold, aber kaum eine ist so perfekt wie diese.
Getrieben von meiner Neugier sehe ich mir weitere Statuen an. Eine andere stellt eine junge Frau dar, die einen steinernen Apfel in ihrer Hand hält, als hätte sie ihn von dem Baum neben ihr gepflückt. Auch ihre Miene ist angstverzerrt, und wenn man genau hinsieht, erkennt man sogar eine Tränenspur auf ihrer Wange.
Als ich zur nächsten Statue hinübergehe, fühle ich mich plötzlich schwerfällig und mein Gesicht wird ganz heiß.
Habe ich während unseres Ritts hierher zu viel Sonne abbekommen?
Ich suche Schutz im Schatten eines Apfelbaums, direkt neben einer weiteren Frauenstatue.
»Warum gucken die alle so erschrocken?«
»Vielleicht haben sie was gesehen, das ihnen Angst eingejagt hat.«
Xanders Stimme klingt auf einmal verändert. Sie hat einen dunklen Klang angenommen, den ich nicht von ihm kenne.
»Das sind Statuen«, erwidere ich mit schwerer Zunge. »Die können doch gar nichts sehen.«
Warum fühle ich mich so benebelt? Habe ich zu wenig Wasser getrunken?
Ich strecke die Hand aus, um die Statue zu berühren, aber trotz des Schattens ist der Stein merkwürdig warm. Meine Fingerspitzen kribbeln.
»Jetzt sehen sie jedenfalls nichts mehr«, sagt Xander hinter mir.
Meine Stirn ist schweißnass. Ich ziehe meine Hand zurück und lege sie mir auf die Brust. Bei diesen Temperaturen sollte mein Herz schneller schlagen, aber es ist genauso träge wie meine Zunge. Schwarze Punkte flimmern in Scharen über mein Blickfeld.
Ich wende mich Xander zu. »Irgendwie fühle ich mich nicht besonders …«
Wie von allein lasse ich die Schale mit der letzten Erdbeere los. Ich will sie aufheben, doch als ich mich nach vorn beuge, geben meine Knie unter mir nach.
Xander fängt mich auf und hält mich im Arm, während sich die Lichtung um mich dreht und ein hoher, endloser Ton in meinen Ohren schrillt.
»Was …«, stöhne ich, kaum mehr in der Lage, meine Augen offen zu halten. »Was passiert hier?«
»Gerechtigkeit«, raunt Xander.
Eine Schwere erfasst meinen Körper, die mein Bewusstsein unter sich begräbt, und das Letzte, das ich wahrnehme, ist die leuchtend rote Erdbeere auf der Wiese.
***
Als ich zu mir komme, liege ich im weichen Gras, und die Erschöpfung steckt mir immer noch in den Knochen. Mein Rücken schmerzt und mein Kopf dröhnt, als hätte ich einen Schlag abbekommen. Ich blicke an mir hinab. Abgesehen von meinen schmerzenden Muskeln scheine ich keine Verletzungen zu haben.
Hektisch sehe ich mich auf der Lichtung um, doch es ist keine Menschenseele zu sehen.
»Xander?«, rufe ich. »Wo bist du?«
Ich versuche mich daran zu erinnern, was passiert ist. Bevor es mir auf einmal schlecht ging, wirkte er überhaupt nicht besorgt. Fast so, als hätte er damit gerechnet.
In diesem Moment fällt mein Blick auf die Erdbeere im Gras. Wie ein Signalfeuer brennt sich der Anblick in mein Bewusstsein.
Hat er mich damit etwa vergiftet?
Nein, das kann nicht sein. Xander würde so etwas nie tun. Er liebt mich, er würde mich wohl kaum ohnmächtig in einem Wald zurücklassen und dann ohne ein Wort verschwinden.
»Xander?«
Ich schreie seinen Namen, immer wieder und immer verzweifelter, bis meine Stimme bricht. Doch egal, wie oft ich nach ihm rufe, niemand antwortet mir. Nur der Wind, der Grashalme und Blätter beugt, als wären sie seine Untergebenen. Der Wasserlauf in der Ferne plätschert unbehelligt vor sich hin, und da ist noch etwas anderes.
Es klingt wie … ein Zischen.
Ich stehe auf und sehe mich um. Xander ist öfter zu Scherzen aufgelegt, aber das hier ist ganz und gar nicht witzig.
»Verdammt«, fluche ich.
Unruhig laufe ich auf der Lichtung hin und her, in der Hoffnung, dass er gleich zurückkommt. Doch als ich eine Bewegung im Gras bemerke, halte ich abrupt inne. Vor mir richtet sich eine Schlange mit bernsteinfarbenen Augen auf. Ihre jadegrünen Schuppen schimmern im Sonnenlicht. Sie streckt ihre Zunge heraus und gibt ein Zischen von sich, das die gespaltene Spitze tanzen lässt.
»Komm nicht näher«, warne ich sie.
Die Schlange zischt noch einmal, bevor ein goldenes Glühen ihren Körper umhüllt. Das Licht wird immer greller, sodass ich die Augen zusammenkneifen muss. Als ich sie wieder öffne, steht auf einmal eine junge Frau mit dunkler Lockenmähne vor mir. Ihre Augen haben die gleiche Farbe wie die der Schlange, und ihr jadegrünes Kleid ist mit glänzenden Schuppen bedeckt.
»Wer … was bist du?«, entfährt es mir.
»Man nennt mich Medusa.«
Der Name erinnert mich an etwas, das wir vor Jahren im Schulunterricht gelernt haben. Medusa, Stheno und Euryale sind Gorgonen. Jede von ihnen lebt zurückgezogen in einem heiligen Wald auf Elysium, und wer ihr Reich ohne Erlaubnis betritt, bricht das göttliche Gesetz und muss ihren Zorn fürchten. Es heißt, sie könnten einen Menschen mit nur einem Blick zu Stein verwandeln.
Sofort kommen mir die Statuen in den Sinn, die hier überall stehen, und eine schreckliche Erkenntnis trifft mich mit voller Wucht.
Diese Statuen sehen nicht so lebensecht aus, weil ein begnadeter Künstler sie geschaffen hat. Sie sind echt. Das waren mal Menschen. Zumindest, bevor ein Blick von Medusa sie für immer in grauem Schrecken verewigt hat.
»Bitte töte mich nicht!«, flehe ich verzweifelt. »Ich bin nicht absichtlich hergekommen. Mein Freund hat mich mit verbundenen Augen in den Wald geführt, und dann hat er mich betäubt und hier zurückgelassen und … bitte, ich wollte nie das Gesetz brechen!«
Medusas Miene wird kurz weicher, doch dann kehrt der harte Ausdruck zurück. Auf ihren roten Lippen liegt ein bedauerndes Lächeln.
»Die Liebe ist ein Gift, das langsam und lautlos tötet«, sagt sie. »Und während man sich noch im schönsten Rausch der Welt wähnt, siecht man bereits leise dahin.«
Meine Unterlippe zittert.
Liebe.
Meine Mutter hat immer gesagt, selbst der stärkste Schild könne ihr nicht standhalten, weil sie das schärfste Schwert der Welt sei.
Darum musst du aufpassen, in wessen Hände du dein Herz legst.
Bis gerade eben dachte ich, ihren Ratschlag beherzigt zu haben.
»Ich hätte nie gedacht, dass Xander mir so was antun würde«, beteure ich mit bebender Stimme. »Das ergibt alles keinen Sinn.«
»Manche Männer brauchen keinen Grund«, erwidert Medusa. »Sie benutzen dich, bis sie dich nicht mehr brauchen. Und dann …«
Sie sieht mich an, als wäre meine Situation der beste Beweis für ihre Worte.
Ich presse meine Lippen fest zusammen und bekomme kaum Luft. Xander hätte anders sein sollen. Er war freundlich, zuvorkommend, witzig … und offensichtlich ein Lügner.
»Lass mich gehen«, wispere ich. »Bitte, er hat mich ohne mein Wissen hergebracht. Er sollte bestraft werden.«
»Das sollte er«, stimmt Medusa mir zu. »Aber ich vermute, er ist bereits geflohen. Es liegt also nicht mehr an mir, ihn zur Rechenschaft zu ziehen. Ich kann nur jene bestrafen, die mein Antlitz erblickt haben.«
Wieder zuckt mein Blick zu einer der Statuen. Der Schrecken dieser Menschen zeigt, was sie in ihren letzten Momenten gefühlt haben müssen. Sie hatten Todesangst, und jetzt stehen sie als Mahnmale auf dieser Lichtung.
»Tu das nicht.«
»Ich muss«, beharrt Medusa, und wieder blitzt Trauer in ihren schönen Gesichtszügen auf. »Das ist meine Pflicht. Ich kann nur entscheiden, ob ich dich hier und jetzt zu Stein verwandle oder dich verfluche. Die einzige Gnade, die ich dir erweisen kann, ist, dich dein Schicksal selbst wählen zu lassen.«
Ich schlucke. »Mich verfluchen?«
Sie nickt. »Der Fluch wird sich über deine Haut ausbreiten und Spuren hinterlassen. Langsam, aber gewiss. Wenn er dein Herz erreicht, wird es zu Stein. Und in diesem Moment endet auch dein Leben.«
»Also werde ich so oder so sterben«, entfährt es mir.
Ich fahre mir mit zitternder Hand durchs Haar. Versuche den magischen Funken in mir zu erreichen, der mich vielleicht retten könnte. Seit ich ihn zum ersten Mal gespürt habe, wehre ich mich gegen diese zerstörerische Macht in mir. Doch jetzt, da ich sie brauche, ist sie plötzlich unerreichbar für mich, verborgen hinter der lähmenden Angst. Es kommt mir so vor, als wäre ich bereits zu Stein erstarrt.
»Ich will nicht sterben«, sage ich schwer atmend. »Meine Schwestern brauchen mich. Das hier ist nicht gerecht.«
Medusas Lächeln wirkt traurig. »Ich weiß. Aber wenn du dich für den Fluch entscheidest, bleibt dir genug Zeit, um selbst für Gerechtigkeit zu sorgen.«
Das klingt, als würde sie damit Xander meinen. Er mag sich außerhalb ihrer Reichweite befinden, aber ich könnte ihn aufspüren. Herausfinden, warum er mir das angetan hat. Ihn die Konsequenzen spüren lassen, vor denen er feige geflüchtet ist. Er würde es verdienen, und ich werde ihm nicht den Gefallen tun, als Statue auf dieser Lichtung zu enden.
»Dann verfluche mich«, sage ich, obwohl ich alles andere will als das.
»Streck deinen Arm aus.«
Medusa mustert mich abwartend. Am liebsten würde ich fliehen und das Schicksal herausfordern, aber damit würde ich riskieren, zu Stein verwandelt zu werden.
Zögerlich strecke ich meinen Arm aus. Medusa kommt näher und schließt ihre kalten Finger um meinen Unterarm. Dann senkt sie ihren Kopf. Ihre gespaltene Zunge fährt über meinen Handrücken, nur hauchzart, aber es reicht, um mich frösteln zu lassen.
»Gerechtigkeit muss man sich erkämpfen«, sagt sie, bevor sie zurücktritt. »Nichts, was von Bedeutung ist, kann ohne Opfer gewonnen werden. Vergiss das nie, Gesegnete.«
Gesegnete.
Überrascht starre ich sie an. »Woher weißt du …?«
Auf ihren Lippen liegt ein geheimnisvolles Lächeln. »In dir brennt ein Feuer. Daran kann kein Fluch dieser Welt etwas ändern.«
Meine Haut pocht, wo ihre Zunge sie berührt hat. Ich mustere mit laut pochendem Herz meinen Handrücken. Als ich mit dem Finger über den winzigen grauen Fleck streiche, der jetzt dort prangt, fühlt er sich rau und schmerzhaft an. Meine Augen füllen sich mit Tränen und ich ringe um Fassung, indem ich mir auf die Unterlippe beiße.
In dir brennt ein Feuer.
Ich weiß. Bei den Göttern, das weiß ich. Aber auch ein Feuer kann keine Mauern aus Stein niederreißen.
Heute Abend scheint jeder einzelne Platz im Keller der Taverne besetzt zu sein. Das ist gut, denn es bedeutet, dass mehr Leute auf die Kämpfe wetten und ich zumindest ordentlich dafür bezahlt werde, wenn ich mich schon prügeln muss.
Im erhöhten Ring in der Mitte findet gerade noch ein anderer Kampf statt, der einige Zuschauer von den Stühlen gerissen hat. Sie feuern ihren Favoriten lautstark an oder versuchen, den Gegner mit Sticheleien zu irritieren.
Ich beobachte das Geschehen aus der Ferne, während ich an einer der äußeren Wände lehne, und spare mir meine Energie auf.
Als Nächstes bin ich dran.
Ich betrachte meine linke Hand, die ich sorgfältig bandagiert habe, damit niemand die Fluchmale auf meiner Haut sieht. Menschen wie ich, die ein göttliches Gesetz gebrochen haben, werden von vielen Leuten nicht gerade freundlich behandelt, und mir sieht man es leider sofort an. Ich bin nicht scharf darauf, im Ring von betrunkenen Zuschauern beleidigt zu werden. Es reicht, dass ich gleich wieder diesen verdammten Spitznamen hören muss und deswegen belächelt werde.
Meine Haut pocht geradezu unter der Bandage. Jeder Hautkontakt tut weh, und meine Knöchel schmerzen noch vom letzten Mal, aber ich habe keine Wahl. Ich brauche das Preisgeld.
Der Kampf geht zu Ende und Petros klettert in den Ring, um den Sieger zu verkünden. Seine purpurfarbene Robe bauscht sich, als er in die Mitte marschiert. Er reißt den Arm des siegreichen Mannes in die Höhe und fordert die Menge dazu auf, ihm zuzujubeln.
Ich straffe die Schultern und mache mich bereit. Kurz vor meinen Kämpfen habe ich immer das Gefühl, dass meine Schmerzen sich verschlimmern, so als ahnte mein Körper, was auf ihn zukommt. Laut Nika schaut mein heutiger Gegner oft zu tief ins Glas, mit ein bisschen Glück wird es diesmal also nicht allzu hart.
»Und jetzt dürfen wir uns noch auf einen weiteren Kampf freuen«, ruft Petros. »Ein paar von euch kennen sie bereits, andere lernen sie jetzt kennen: die bezaubernde Kassandra.«
Ich verdrehe die Augen, bevor ich mich von der Wand abstoße und zum Ring marschiere.
Gefährlich wäre mir lieber als bezaubernd, aber wenn man einmal einen Namen hat, rückt Petros nie wieder davon ab.
Ein letztes Mal kontrolliere ich den Sitz meiner Bandagen unter dem langen Oberteil, bevor ich in den Ring klettere.
Kurz lasse ich meinen Blick über die Menge schweifen. Manche Gäste verziehen den Mund zu einem schiefen Grinsen, andere runzeln skeptisch die Stirn. Einige sind so oft hier, dass sie mich eigentlich nicht mehr unterschätzen sollten.
»Begrüßt außerdem ihren heutigen Gegner«, fährt Petros hinter mir fort. »Den gnadenlosen Dimitrios.«
Moment mal …
Dimitrios?
Ich schaue mich um, und als ich sehe, wer kurz darauf in den Ring steigt, erstarre ich zu Eis. Der Kerl ist ein Riese. Seine Oberarme sind so dick wie manche Oberschenkel, und seine krumme Nase scheint schon einige Male etwas abbekommen zu haben. Was mich allerdings am meisten besorgt, sind seine absurd großen Hände. Mit denen kann man Faustschläge verteilen, die anderen das Genick brechen.
Hilfe suchend schaue ich zu Nika hinüber, doch sie steht hinter dem Tresen im Halbdunkel, sodass ich ihren Gesichtsausdruck nicht erkennen kann.
»Sollte ich nicht gegen Gregorios kämpfen?«, frage ich Petros.
Er hebt seine buschigen Augenbrauen. »In der Tat. Aber der konnte heute Nachmittag schon fast nicht mehr stehen, das wäre also kein Kampf geworden, sondern eine Beerdigung. Gut, dass wir kurzfristig Ersatz gefunden haben. Gebt euch die Hände, wenn ihr bereit seid.«
Ich fürchte, die Beerdigung wird meine, wenn ich mir diesen Muskelberg so ansehe.
Ich sollte den Kampf abblasen. Aber ich kann es mir nicht leisten, auf das Geld für meine Teilnahme zu verzichten. Bald beginnen die olympischen Prüfungen, und in meiner Lage gehe ich lieber nicht davon aus, dass ich sie bestehe.
Am liebsten würde ich gar nicht erst daran teilnehmen, doch sie sind für volljährige Gesegnete wie mich verpflichtend. Frauen, die sich weigern, verlieren ihre magische Gabe, was dem gesellschaftlichen Ruin gleichkommt. Niemand würde freiwillig darauf verzichten, sich den Göttern zu beweisen. Aber so weit, wie mein Fluch bereits fortgeschritten ist, bleibt mir ohnehin nicht mehr viel Zeit. Bevor ich sterbe, will ich so viel Geld wie möglich verdienen, damit meine Schwestern nach meinem Tod zurechtkommen.
Dimitrios grinst mich hämisch an und streckt mir die Hand entgegen. Bei den Göttern, ich hasse diesen Kerl jetzt schon. Der sieht aus, als würde er mich verprügeln wollen.
Trotzig nehme ich seine Hand und drücke fest zu. Er drückt fester.
Schnell lasse ich ihn los und trete zurück. Ich darf keine Schwäche zeigen, egal wie nervös ich gerade bin.
»Also dann«, ruft Petros. »Kämpft!«
Die Menge jubelt verhaltener als vorhin. Alle scheinen damit zu rechnen, dass das hier schnell vorbei sein wird. Was eventuell daran liegen könnte, dass mein Gegner ein wandelnder Zerstörer ist.
»Bist du sicher, dass du das hier tun willst, Kleine?«, ruft er amüsiert. »Du bist vielleicht muskulöser als die meisten Frauen, aber das heißt nicht, dass du dich mit den großen Jungs messen kannst.«
Meine Kehle ist staubtrocken. Wenn ich in die Nähe seiner Pranken komme, riskiere ich Knochenbrüche, also brauche ich eine gute Strategie. Seine Beine sind im Vergleich zu seinen Armen auffallend schmal, was wenig überraschend ist. Wozu weglaufen, wenn man seine Gegner auch einfach zerquetschen kann?
»Denkst du, ich fasse dich mit Samthandschuhen an, weil du eine Frau bist?«, fragt er. »Dass ich dir den Sieg schenke, weil ich dein hübsches Gesicht nicht verunstalten will?«
Im Publikum erklingen einige Lacher. Gerade werden Wetten auf den Sieger abgeschlossen, und ich bin sicher, dass nur die sehr Betrunkenen auf mich setzen. Oder diejenigen, die nichts zu verlieren haben.
»Ich denke, du redest zu viel«, erwidere ich, woraufhin Dimitrios lacht.
»Ein nettes Gespräch schadet nicht, oder? Ich will dich schließlich nicht schon in den ersten Sekunden fertigmachen.«
»Du bist ja richtig großzügig.«
»Tja, so bin ich«, tönt er. »Und ich habe noch viele andere Qualitäten.«
Mir entfährt ein entnervter Seufzer, bevor ich die Arme vor den Körper hebe, meinen Stand festige und mich bereit mache. Hoffentlich kämpft der Kerl genauso mies, wie er flirtet, dann habe ich eine Chance.
»Normalerweise schlage ich keine Frauen«, ruft Dimitrios, als müsste er die Gunst des Publikums gewinnen. »Aber wenn sie mich darum bitten, mache ich natürlich eine Ausnahme.«
Verdammt, er muss dringend den Mund halten, sonst übergebe ich mich. Auf ihn. Vielleicht findet er das ja so widerlich, dass er freiwillig aufgibt. Wäre eine interessante Strategie. Sieg durch Anekeln.
Ich fange an zu tänzeln und erwarte mit rasendem Herzen den ersten Angriff. Dimitrios stürmt auf mich zu und holt aus. Bevor er mich mit seiner absurd großen Faust trifft, weiche ich mit einem Sprung zur Seite aus.
Viel Zeit lässt er mir nicht, um mich auf die nächste Attacke vorzubereiten. Als er auf mich zukommt, ducke ich mich unter ihm weg und verpasse ihm einen Schlag in die Magengrube. Er verliert kurz das Gleichgewicht, fängt sich jedoch schnell wieder und grinst mich an.
»Netter Trick!«
Ihm fehlen ein paar Zähne. Interessant. Das könnte bedeuten, dass er seinen Kopf nicht gut schützt.
Das Publikum jubelt immer ausgelassener. Ich halte Abstand zu Dimitrios, in der Hoffnung, dass er mir irgendwann eine Schwäche in seiner Deckung zeigt. Den Schlag von eben spüre ich immer noch in meiner Hand, obwohl es nicht die mit den Fluchmalen ist.
In den nächsten Minuten weiche ich seinen Angriffen aus und versuche einige Konter zu setzen. Ich bleibe durchgängig in Bewegung und trete ein paar Male nach ihm, aber es gelingt mir nicht, zwischen seine Beine zu zielen, und die Treffer gegen andere Körperstellen machen ihm kaum etwas aus.
Bei meinem nächsten Versuch bin ich zu langsam, sodass er mich mit beiden Händen packt und durch den Ring wirft, als würde ich nichts wiegen. Ich komme unsanft auf und keuche.
Dimitrios marschiert auf mich zu, doch ehe er mich erreichen kann, richte ich mich auf und mache einige Schritte nach hinten.
Mist, der sollte mich besser kein zweites Mal erwischen. Meine Hüfte schmerzt an der Stelle, auf der ich gelandet bin.
Die Leute um uns herum reagieren immer ungehaltener. Manche brüllen seinen Namen, andere meinen. Ihm jubeln sie lauter zu, sicher weil die allermeisten auf ihn gewettet haben.
Inzwischen kommen die Hiebe von Dimitrios immer schneller hintereinander, so als wollte er es endlich hinter sich bringen. Ich versuche jedes Mal rechtzeitig auszuweichen, damit mir weitere Schmerzen erspart bleiben. Schweiß rinnt ihm aus jeder Pore und verrät, dass er zwar Kraft, aber wenig Ausdauer hat. Seine finsteren Gesichtszüge erinnern mich für den Hauch einer Sekunde an jemand anderen, und bei der Erinnerung frisst sich sengend heißer Zorn durch meinen Körper.
Nicht jetzt, denke ich angespannt. Nicht hier.
Den Moment, in dem ich durch meine erwachende Magie abgelenkt bin, nutzt Dimitrios aus und trifft mich mit einem Schlag am Kinn. Beim Aufprall beiße ich mir fest auf die Zunge. Kurz darauf landet ein Tritt in meinem Magen, der mich zu Boden schickt.
Stöhnend presse ich mir die Hand auf den Mund, wo sich der Geschmack von Blut ausbreitet. Dimitrios stellt seinen Fuß auf meinen Rücken und drückt mich zu Boden.
»Gibst du auf?« Seine Stimme ist höhnisch. »Du musst doch wissen, dass du keine Chance hast.«
Alles tut weh. Meine Hüfte, mein Rücken, meine Zunge und meine verfluchte linke Körperhälfte. Aber die Schmerzen sind jetzt zweitrangig. Weil ich spüre, wie dieses zornige, heiße Gefühl in mir hochkriecht. Meine magische Gabe, die sich vor einigen Jahren zum ersten Mal gezeigt hat und mich zu einer Gesegneten macht. Sie bereitet mir häufiger Probleme, aber eigentlich passiert das nie, wenn ich kämpfe.
»Komm schon, bezaubernde Kassandra«, ruft Dimitrios. »Tu uns beiden den Gefallen und gib auf, bevor ich dir wehtue.«
Er drückt seinen Fuß fester in meinen Rücken.
»Aber vielleicht stehst du ja auf Schmerzen«, mutmaßt er. »Gefällt es dir, verprügelt zu werden? Ist es das?«
Hitze frisst sich durch jeden Winkel meines Körpers, so erdrückend, dass ich spüre, wie sie in meinen Fingerspitzen prickelt.
Nein, nein, nein.
Ich hebe den Kopf und blicke in die johlende Menge, um mich von dem Gefühl abzulenken. Alle starren gebannt auf das Geschehen, und weiter hinten, in der Nähe der Tür, sehe ich etwas, das mich für einen Augenblick alles andere vergessen lässt.
Meine Schwestern.
Sie stehen eng beisammen im hinteren Teil des Kellers. Obwohl es wirklich laut ist, kann ich hören, wie inbrünstig Cora meinen Namen schreit und mir zuruft, dass ich meinen Gegner fertigmachen soll. Penelope drängt sich dicht an sie und klammert sich an ihren Arm, während ihre großen, besorgten Augen auf mich gerichtet sind.
Die beiden sollten nicht hier sein.
Ich habe ihnen eintausendmal gesagt, dass sie viel zu jung für so einen Ort sind, und ihnen verboten, zu meinen Kämpfen zu kommen. Sie sollen nicht mitansehen müssen, wie ich verprügelt werde.
»Ich gebe dir noch fünf Sekunden«, droht Dimitrios. »Kommt schon, Leute, zählt mal für mich!«
Die Menge tut, was er sagt, und fängt an herunterzuzählen.
Fünf.
Elender Mistkerl.
Vier.
Ich sollte es nicht tun.
Drei.
Aber ich muss.
Zwei.
Ich beiße die Zähne zusammen, greife nach hinten und schließe die Finger um seinen nackten Knöchel. Er schreit schmerzerfüllt auf, weil meine Berührung heiß wie Feuer ist.
Für einen Augenblick verliert er die Fassung und hebt den Fuß von meinem Rücken. Ich nutze seine Verwirrung, um aufzuspringen und ihn anzugreifen. Zuerst verpasse ich seiner Nase einen Schlag mit meinem Handballen. Schmerz zuckt durch meinen ganzen Arm, aber das Knacken und sein Stöhnen verraten mir, dass ich ihn ordentlich erwischt habe.
Bevor er sich berappeln kann, lande ich einen Tritt in seinen Weichteilen.
Er geht reflexartig in die Knie. Blut tropft bereits aus seiner Nase, aber heute kenne ich kein Erbarmen mit meinem Gegner. Weil ich weiß, dass er mich besiegen wird, wenn ich jetzt nicht Ernst mache.
Noch einmal ziele ich auf seine Nase, was dafür sorgt, dass er noch mehr blutet. Im Publikum schreien einige Leute genauso laut wie Dimitrios.
Er versucht aufzustehen, doch als er das Blut in seiner Handfläche bemerkt, kneift er kurz die Augen zusammen und zittert ein wenig. Während ich zurückweiche, weil ich fürchte, dass er sich jetzt an mir rächen wird, beginnt er zu taumeln. Fast, als wäre er betrunken.
Dann wird mir plötzlich etwas klar.
Er kann sein eigenes Blut nicht sehen.
Schwankend sinkt Dimitrios zu Boden und legt sich auf den Rücken, während er auf einmal auffallend blass im Gesicht ist.
»Also gut, ich glaube, das reicht!«, ruft Petros von außerhalb des Rings und klettert zu uns nach oben. »Wir wollen ja nicht, dass er uns den Ring vollblutet. Unsere Siegerin ist … Kassandra!«
Die Menge bricht in lauten Jubel aus.
Petros reißt meinen Arm nach oben, damit die Leute mich feiern, doch ich kann nur Dimitrios ansehen. Mein Blick fällt auf seinen Knöchel. Dorthin, wo ich ihn eben berührt habe, und auf die hauchzarte, rötliche Verbrennung.
Verdammt.
»Kümmere dich um ihn«, sage ich zu Petros und deute auf Dimitrios. »Er muss den Kopf nach vorn halten, damit das Blut nicht in den Rachen läuft. Und er soll seine Nasenflügel zusammendrücken.«
Danach verlasse ich den Ring, so schnell ich kann, und eile zu meinen Schwestern. Sofort drücke ich beide fest an mich.
»Ihr solltet doch nicht herkommen«, rüge ich sie. »Was, wenn euch auf dem Weg hierher was passiert wäre?«
»Ich bin vierzehn!«, protestiert Cora. »Wenn irgendwer was will, mache ich ihn fertig, so wie du diesen Typen.«
»Ja, genau wie du es uns gezeigt hast«, ruft Penelope.
Mir entfährt ein ersticktes Lachen, bevor ich sie loslasse und beide ansehe. Eigentlich will ich sauer auf sie sein, aber ich kann es einfach nicht. Sie sind hergekommen, um mich anzufeuern. Um mich zu unterstützen.
»Das ist nur zur Selbstverteidigung!«, schärfe ich ihnen ein. »Ihr macht bitte nie das, was ich hier tue, ist das klar? Und jetzt raus mit euch, das ist kein Ort für euch.«
»Für dich auch nicht«, erwidert Cora. »Du machst das nur wegen uns.«
»Stimmt. Und ich würde es immer wieder tun. Also ab mit euch nach draußen. Ich hole jetzt mein Preisgeld ab, und dann gehen wir nach Hause.«
Am besten, bevor Dimitrios richtig zu sich kommt und bemerkt, dass er eine Verbrennung am Bein hat. Wenn er herausfindet, dass ich eine Gesegnete bin, habe ich ein Problem. Und wenn ich es nicht schaffe, die Hitze in mir loszuwerden, die immer noch in mir brodelt, habe ich gleich noch eins.
Während meine Schwestern den Keller verlassen, bahne ich mir zwischen den Tischen hindurch einen Weg zum Tresen im hinteren Teil des Raumes. Ein paar Gäste rufen mir etwas zu oder stoßen auf mich an. Ich bin so in Eile, dass ich nicht einmal innehalte, als ich aus Versehen gegen einen großen Kerl pralle, der einen Kapuzenumhang trägt.
Beim Tresen angekommen, winke ich Nika zu mir.
»Hätte nicht gedacht, dass du den Kerl schaffst«, sagt sie anerkennend und fasst sich an ihren Mondsichel-Ohrring. »Tut mir leid für die spontane Planänderung.«
»Schon gut, hab’s ja überlebt.«
»Dieses Mal.«
Sie betrachtet mich sorgenvoll aus ihren gütigen Augen. Nika ist hier unten so etwas wie die Mutter für alle, die Getränke ausschenkt, Kämpfe ansetzt und Wetten abwickelt. Ich habe schon in einigen Tavernen von Neu-Delphi gekämpft, aber in dieser bin ich am liebsten, weil sie sich immer darum kümmert, dass ich mein Geld bekomme, und mir hilft, mich auf meine Gegner vorzubereiten.
»Heute ist übrigens dein Glückstag«, meint sie und schiebt einen Stoffbeutel über den Tresen. »Dein Lohn.«
Skeptisch nehme ich den Beutel in die Hand, der ungewöhnlich schwer ist. Als ich die Schnur darum löse und hineinspähe, reiße ich überrascht die Augen auf. Da drin sind Goldmünzen. Bestimmt zwanzig. Mein Preisgeld beträgt sonst selten mehr als zehn Silbermünzen.
»Aber wie …«
»Jemand hat eine Menge Geld auf deinen Sieg gesetzt«, meint Nika grinsend. »Er war der Einzige heute. Und er wollte, dass du einen Teil von dem Gewinn abbekommst.«
Sprachlos starre ich die Münzen im Beutel an. Für mich ist das ein halbes Vermögen. Es kann meine Schwestern monatelang durchbringen.
Wer auch immer der Kerl war, muss unglaublich reich sein. Manchmal verirren sich wohlhabende Geschäftsleute in die Absteigen von Neu-Delphi, wo die illegalen Kämpfe stattfinden, aber noch nie hat einer von denen mir was von seinem Gewinn abgegeben. Bestimmt war er unendlich betrunken, anders kann ich es mir kaum erklären.
»Hast du ihn gesehen?«, frage ich Nika.
»Nicht wirklich«, sagt sie. »Hatte seine Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Die Reichen machen das alle, weil sie hier unten nicht gesehen werden wollen. Aber er hatte eine angenehme Stimme. Und er wollte, dass du das hier bekommst.«
Sie schiebt einen Zettel und noch etwas anderes über den Tresen. Eine filigrane Halskette aus Gold mit einem roten Kristallanhänger, der wie ein kleiner Schild aussieht. Ich greife nach dem Zettel, auf dem in einer eleganten Handschrift etwas geschrieben steht.
Was für ein bezaubernder Kampf. Ich wusste, dass du gewinnen würdest. Nimm dies als Zeichen meiner Dankbarkeit. Und als Erinnerung daran, dass nicht jeder mutige Frauen unterschätzt.
Ich lasse das Papierstück und die Kette im Stoffbeutel verschwinden und starre Nika überrascht an. Sie zuckt mit den Schultern, als würde sie damit sagen wollen, dass manche Menschen eben merkwürdig sind.
Ich wüsste zu gern, wer das geschrieben hat. Aber gerade habe ich keine Zeit, um über die Identität meines geheimnisvollen Gönners nachzudenken. Weil ich immer noch die zerstörerische Hitze meiner Gabe in mir fühle. Sobald ich meine Schwestern nach Hause gebracht habe, muss ich sie loswerden. Damit kein weiteres Unglück passiert, das ich nicht rückgängig machen kann.
Kurz nach Mitternacht sind die Straßen von Neu-Delphi verlassen. Nur das Feuer in den Schalen am Wegesrand und die Abertausenden Sterne am Himmelszelt erleuchten die schlafende Stadt.
Während die Magie meinen Körper zum Glühen bringt und meine Fingerspitzen jucken lässt, gleitet mein Blick immer wieder zur Anhöhe im Norden, wo der Tempel von Athene thront. Früher, als wir noch dort oben gelebt haben, war ich häufig zum Beten in ihrem Heiligtum. Jetzt mache ich mir die Mühe, den Tempelberg zu besuchen, nur noch dann, wenn ich so aufgewühlt bin wie jetzt.
Ich eile durch die engen Gassen des Südviertels, in denen sich ein baufälliges Haus an das nächste reiht. Im Gegensatz zu den Prachtstraßen von Neu-Delphi finden sich hier nur wenige Statuen von Göttern oder Helden. Keiner pflegt die Blumenbeete oder stutzt die Bäume zurecht. Trotzdem mag ich es, in diesem Stadtteil unterwegs zu sein. Hier ist man dem Meer näher. Dem Wellenrauschen, dem salzigen Wind und den kreischenden Möwen, die manchmal sogar zu so später Stunde zu hören sind.
Der Tempelberg ist über mehrere Wege zu erreichen, aber wenn ich es eilig habe, nehme ich die Abkürzung über die steilen Steintreppen im Osten. Die Anstrengung während des Aufstiegs hilft mir wenigstens kurzzeitig dabei, den brodelnden Zorn in Schach zu halten.
Trotz der Dunkelheit habe ich von hier oben eine gute Aussicht auf die Stadt. Vor den Haupttoren am Horizont ragt die gigantische Statue von Zeus in die Höhe, an der jeder vorbeikommt, der Neu-Delphi über den Landweg besucht. Im Hafenbereich steht dagegen eine von seinem Bruder Poseidon, zu dem die Schiffskapitäne für einen guten Fang und eine sichere Rückkehr beten, bevor sie in See stechen. Ganz in der Nähe befindet sich auch die Färberei, in der ich nachmittags zuletzt häufig geschuftet habe.
Es tut weh, an den herrschaftlichen Villen mit den efeubewachsenen Fassaden vorbeizugehen, die auf dem Tempelberg erbaut wurden. In so einer haben wir auch mal gelebt. Damals, vor jener schicksalshaften Nacht.
Am höchsten Punkt des Bergs steht der Tempel von Athene, ein wunderschönes Gebäude, das von weißen Marmorsäulen gestützt wird. Tagsüber halten sich viele Menschen auf dem Vorplatz auf, aber nachts ist das Gelände verlassen.
Darauf bedacht, die verzierte Eingangstür aus Holz nicht mit meinen glühenden Händen zu berühren, drücke ich die Klinke mit meinem Ellbogen herunter und stemme mich mit meinem Körpergewicht gegen die Tür. Dann husche ich durch den Türspalt und lasse sie hinter mir zufallen.
Im Inneren ist es noch dunkler als draußen. Obwohl am Ende der Halle Hunderte Kerzen aufgestellt sind, ist nur eine Handvoll von ihnen entzündet.
Sobald ich mich vergewissert habe, dass außer mir wirklich niemand hier ist, haste ich den Gang zwischen den Holzbänken entlang, geradewegs auf den Altar zu, hinter dem eine große Bronzestatue steht. Sie stellt eine Frau in Rüstung dar. In ihrer Hand befindet sich ein runder Schild, auf dem ein Kopf mit Schlangenhaar abgebildet ist.
Ich verneige mich, um Athene meinen Respekt zu erweisen, bevor ich mich den Kerzen widme.
Endlich.
Erleichtert nehme ich einen Docht zwischen Daumen und Zeigefinger und höre auf, mich gegen die Magie in mir zu wehren. Als hätte ich eine Gefängnistür entriegelt, fließt sie zu meinen Fingerspitzen und sprüht Funken. Sofort leuchtet am Ende des Dochts eine Flamme auf. Ich ziehe meine Hand zurück und wiederhole den Vorgang, immer und immer wieder, bis jede Kerze hinter dem Altar brennt und die aufgestaute Wut verfliegt.
Der Rauch in meinem Kopf lichtet sich langsam, die Hitze verschwindet, und ich habe das Gefühl, wieder besser atmen zu können.
Frustriert seufze ich auf. Das habe ich jetzt davon, dass ich mich regelmäßig mit diesen verrohten Typen abgebe. Ich hätte irgendein Handwerk lernen sollen. Tischlern oder so.
Vor meinen Schwestern würde ich es nie zugeben, aber trotz des unerwarteten Geldsegens mache ich mir Sorgen. Darum, dass ich bei den Prüfungen scheitere und ihnen nicht das Leben bieten kann, das sie verdienen. Wir haben Ersparnisse. Dafür habe ich gekämpft. Trotzdem reicht das nicht, um sie zu versorgen, bis sie volljährig sind. Nur, wenn ich die olympischen Prüfungen bestehe, werden sie auch nach meinem Tod ein gutes Leben haben. Erfolgreiche Teilnehmerinnen bekommen ein Haus im besten Bezirk der Stadt, eine angesehene Position in einem Tempel, und ihre gesamte Familie genießt hohes gesellschaftliches Ansehen. Das zu schaffen, muss mein Ziel sein.
Die Prüfungen finden alle fünf Jahre im Palast der Götter statt und sollen zeigen, ob eine Gesegnete würdig ist, ihre magische Gabe zu tragen. Den Segen, den das Schicksal Frauen wie mir zugedacht hat. In der Regel tragen sie allerdings keinen Fluch mit sich herum. Dafür muss man sehr spezielle Gesetze brechen, und in den Augen der meisten Leute gilt man mit so einem Fluch von vornherein als unwürdig. Für so ziemlich alles. Was, wenn die Götter das genauso sehen?
Ich sinke vor dem Altar auf die Knie. Dann schaue ich zu Athenes Antlitz hinauf, das eine seltsam tröstliche Ruhe ausstrahlt.
»Was soll ich nur tun?«, wispere ich. »Am liebsten würde ich dich um göttlichen Beistand bitten oder um Vergebung, aber ich …«
Athene starrt auf mich herab. Ihr bronzefarbenes Ebenbild strotzt vor Autorität, als wüsste es, was richtig und was falsch ist.
»Mir ist klar, dass du nur eine Statue bist. Aber es heißt, ihr Götter seid uns in euren Tempeln nahe. Dass ihr unsere Gebete hört und uns leitet. Und ich könnte gerade wirklich ein Zeichen gebrauchen. Bin ich es wert, die Prüfungen zu bestehen? Oder sollte ich mich besser vor meiner Pflicht drücken und so viel Geld wie möglich mit Kämpfen verdienen, bevor ich sterbe oder irgendwer herausfindet, dass ich trotz meiner Gabe nicht an den Prüfungen teilnehme?«
Jeder weiß, dass sie tödlich enden können. Trotzdem träumt jedes Mädchen davon, gesegnet zu sein und sich den Göttern zu beweisen. Manche von ihnen kommen auch zurück, nachdem sie bei den Prüfungen gescheitert sind – ohne ihre Magie, denn die dürfen nur jene besitzen, die sich als würdig erweisen. Ich habe meine Gabe schon oft verdammt, also würde mir das wenig ausmachen. Aber für mich bedeutet Scheitern sterben, und selbst wenn ich überlebe, wird das nur von kurzer Dauer sein.
Ich senke den Kopf und schließe die Augen, in der Hoffnung, dass Athene mir auf irgendeine Weise antwortet. Leider spüre ich gar nichts. Keine Erleuchtung, keinen Beistand oder sonst was. Nur meine schmerzende Hand, die ich bandagiert habe, damit niemand die Spuren meines Fluchs sieht, der sich inzwischen bis über meine linke Schulter ausgebreitet hat. Vielleicht erhört Athene ja nur die Gebete der Nicht-Verfluchten.
»Ich weiß, dass die Prüfungen meine Pflicht sind«, murmele ich. »Und ich möchte auch daran teilnehmen. Aber meine Schwestern …«
Die Statue bleibt still.
Schwer zu sagen, wie lange ich vor dem Altar ausharre und auf eine Eingebung warte. Doch sie kommt nicht, also stehe ich irgendwann auf und werfe einen letzten hoffnungsvollen Blick auf Athenes Antlitz, bevor ich ihr seufzend den Rücken zukehre.
In dem Moment, als ich den Gang zwischen den Bänken betrete, öffnet jemand die Tür zum Tempel.
Ein großer Kerl kommt herein, gekleidet in einen schwarzen Umhang, dessen Kapuze er tief ins Gesicht gezogen hat. Nachdem er leise die Tür hinter sich geschlossen hat, hebt er den Kopf.
Ich spanne mich an.
Während er mit langsamen Schritten den Korridor entlangschreitet, balle ich die Fäuste. Ich rechne schon damit, dass er Ärger sucht, doch er geht achtlos an mir vorbei, als wäre ich gar nicht hier. Dann setzt er sich auf die Bank in der ersten Reihe und nimmt die Kapuze ab.
Es überrascht mich, wie jung er ist. Etwas an seinem selbstsicheren Gang hat mich vermuten lassen, er wäre deutlich älter als ich, aber es können nicht viele Jahre sein. Schwarzes, leicht gewelltes Haar umrahmt sein langes, kantiges Gesicht. Im Feuerschein der Kerzen wirken seine grauen Augen wild und stürmisch. Der Dreitagebart verleiht ihm eine verwegene Ausstrahlung, die im starken Kontrast zu seinen goldenen, juwelenbesetzten Armreifen steht. Wie Schlangen winden sie sich eng um seine Handgelenke.
So einen feinen Schmuck tragen nur reiche Leute. Ich habe diesen Kerl noch nie im Tempelbezirk gesehen, vermutlich ist er ein wohlhabender Geschäftsmann von außerhalb. Andererseits passen die Armreifen nicht zum Rest seiner Erscheinung. Vielleicht hat er sie gestohlen und will die Götter jetzt um Vergebung bitten.
»Was machst du zu dieser späten Stunde in einem Tempel?«
Seine Stimme ist rau, so als hätte er sie schon länger nicht mehr benutzt.
Er ist attraktiv, und genau das lässt mich zögern, zu antworten. Der letzte Kerl, den ich interessant fand, hat dafür gesorgt, dass ich langsam zu Stein werde.
Ich sollte wirklich gehen, aber meine Neugier ist stärker, darum setze ich mich ihm gegenüber auf die Bank.
»Orientierung, schätze ich«, beantworte ich seine Frage und betrachte die Statue. »Oder Weisheit. Das hier ist immerhin Athenes Tempel.«
»Weisheit findet man häufiger im eigenen Herzen als in einem Tempel.«
Ich kneife die Augen zusammen und sehe zu dem Fremden hinüber, der seelenruhig auf seinem Platz sitzt und Athenes Abbild beobachtet. »Wenn du das denkst, warum bist du dann ausgerechnet hierher gekommen?«
Er verzieht keine Miene. »Wegen der Stille. Die ist in göttergeweihten Tempeln lauter als anderswo.«
Seine Worte klingen höhnisch, und es fühlt sich an, als würde er sich über mich lustig machen, weil ich wie ein naives Mädchen nachts in einem Tempel sitze und mir etwas davon erhoffe.
»Ich wäre froh, wenn ich nur Stille bräuchte«, erwidere ich. »Aber wer solche Armreife trägt, hat wohl wenig andere Probleme.«
Er senkt den Kopf und betrachtet seinen Schmuck, bevor sich ein flüchtiges Lächeln auf seine Lippen schleicht. »Nicht alles, was glänzt, ist wertvoll.«
Ich verdrehe die Augen. Scheint, als wäre der Kerl eine Sprüche-Sammlung auf zwei Beinen.
Mit erhobenen Brauen starre ich die Armreife an. »Also die sind sicher keine Fälschung.«
Sein Lächeln wird zynisch. »Die sind tatsächlich aus echtem Gold. Das macht sie aber nicht wertvoller für mich.«
»Wenn du sie nicht willst, kannst du sie gern mir schenken«, schlage ich scherzhaft vor.
»Glaub mir, du würdest sie nicht wollen. Reichtum kann nicht jedes Problem lösen.«
»Ich weiß«, erwidere ich und verdränge eine ungeliebte Erinnerung. »Manche allerdings schon.«
Er verschränkt die Arme hinter dem Kopf. »Geld kann ich dir heute Nacht leider nicht bieten, aber vielleicht ja einen guten Rat. Die Statue wird ihn dir jedenfalls nicht geben.«
Wieder richte ich meinen Blick auf Athenes Ebenbild, um seinem auszuweichen. Er hat recht, sie wird mir nicht antworten. Wer weiß, vielleicht hat sie mir ja diesen Fremden geschickt. Die Wege unserer Götter sind unergründlich.
»Da gibt es eine Entscheidung, die ich treffen muss«, erkläre ich. »Eigentlich sollte ich gar nicht erst abwägen müssen. Aber gerade kommt es mir unmöglich vor, einen Weg zu wählen.«
»Unmöglich sagen normalerweise nur Leute, die vor etwas Angst haben.«
»Tja, ich habe Angst. Ganz egal, wie mutig ich gern wäre.«
Schweigen breitet sich im Tempel aus. Die Statue wirft einen langen Schatten, der durch das Kerzenlicht hin und her zuckt.
»Hast du denn einen Grund, um mutig zu sein?«, fragt der Fremde nach einer Weile.
Vor meinem geistigen Auge verwandeln sich die kleinen Flammen zu einem großen Feuer und der Kerzenduft wird zu giftigem Qualm. Schreie und knarzende Holzbalken füllen die Stille der Nacht.
Ich sorge für euch, versprochen.
»Den besten«, wispere ich.
»Dann kennst du die Antwort. Wenn du einen guten Grund für Mut hast, dann wirst du ihn im richtigen Moment auch finden.«
Jetzt sehe ich den merkwürdigen Kerl mit dem geheimnisvollen Lächeln doch wieder an. »Und was, wenn es gute Gründe gibt, um Angst zu haben?«
Sein Blick scheint in weite Ferne zu gleiten, als gäbe es dort etwas, das ich nicht sehen kann. »Angst ist ein zweischneidiges Schwert. Sie kann dich schützen. Aber manchmal beschützt sie auch diejenigen, die dich am Boden halten wollen. Es liegt an dir, zu entscheiden, wie du dieses Schwert nutzen willst. Gibst du es denen, die es geschmiedet haben? Oder willst du es selbst halten?«
Seine Worte erinnern mich an etwas, was meine Mutter mir mal gesagt hat. Dass Vertrauen eine Waffe ist, die man für jemand anderen schmiedet. Vielleicht gilt das auch für Angst.
Jemand öffnet die Tür und reißt mich aus meinen Gedanken. Überrascht fahre ich herum und entdecke eine junge Frau, die den Tempel betritt. Sie trägt einen dunkelbraunen Umhang mit einer Kapuze, ähnlich wie der Kerl auf der Bank neben mir. Mit schnellen Schritten eilt sie über den Teppich, bis ihr Blick auf mich fällt. Sie wird langsamer und bleibt zwischen dem Fremden und mir stehen.
»Ich dachte, wir wären allein«, sagt sie sichtlich verwirrt.
»Das sind wir«, behauptet er und wendet sich wieder mir zu. »Sie ist nur eine verlorene Seele, die nach Athenes Weisheit gesucht hat. Aber die hat sie inzwischen vielleicht schon gefunden, nicht wahr?«
Ein schiefes Lächeln umspielt seine Lippen, und ich kann nicht anders, als ebenfalls einen Mundwinkel hochzuziehen.
Verlorene Seele.
Wenn der wüsste, wie passend das ist.
»Stimmt, die Göttin hat mir sehr geholfen«, antworte ich. »Und das, obwohl ich hörte, dass sie Besuchern des Tempels oft mit Stille begegnet.«
Jetzt erreicht das Lächeln seine Augen. »Manchmal scheint sie sich dazu hinreißen zu lassen, von ihren Gewohnheiten abzuweichen.«
Ich werfe ihm einen amüsierten Blick zu. Die junge Frau, die offensichtlich wegen ihm hergekommen ist, mustert mich. Sieht aus, als wäre ich unerwünscht. Während ich aufstehe, wende ich mich noch einmal an meinen unerwarteten Berater.
»Ich denke, ich werde das Schwert behalten«, sage ich zu ihm. »Die Vorstellung, dass es in den Händen von jemand anderem liegt, gefällt mir nicht.«
Nachdem ich mich an der jungen Frau vorbeigeschoben habe, lasse ich die beiden allein im Tempel zurück, um sie nicht länger zu stören. Wer weiß, vielleicht sind sie Liebhaber oder Freunde.
Im Schutz der Dunkelheit mache ich mich auf den Weg nach unten, wobei mir Medusas Worte durch den Kopf gehen.
In dir brennt ein Feuer. Daran kann kein Fluch der Welt etwas ändern.
Manchmal wäre ich froh, wenn es nicht so heiß brennen würde. Aber wenigstens kann ich dank meiner Gabe dafür kämpfen, dass meine Schwestern bald ein besseres Leben führen – im Palast der Götter. Dem Ort, an dem Träume wahr werden. Oder für immer zerbrechen.
Heute ist der große Tag.
Ich beobachte mich selbst im Spiegel, während meine Schwestern mich herrichten. Cora legt mir einen silbernen Gürtel um die Taille, um dem weißen, bodenlangen Kleid ein wenig mehr Struktur zu geben. Penelope befestigt den dreifach gewundenen Silberarmreif an meinem Oberarm. Einst hat er unserer Mutter gehört. Sie war Schmiedin, und obwohl sie meistens mit Waffen beschäftigt war, hat sie die Schmuckherstellung geliebt.
Das Kleid ist nur einseitig schulterfrei. Mein anderer Arm ist vom weißen Stoff des Kleides bedeckt, damit niemand meine graue, verfluchte Haut auf dieser Seite sieht. Penelope platziert ein Lorbeer-Diadem aus Bronze auf meinem Kopf und steckt einige Strähnen hoch, während die übrigen Haare in langen Wellen nach unten fallen. Ich wollte das Diadem verkaufen, auch wenn es nicht besonders wertvoll ist, aber meine Schwestern haben darauf bestanden, dass ich es behalte.
»Du siehst aus wie sie«, wispert Cora ehrfürchtig und bewundert mich durch den Spiegel.
Wie sie. Unsere Mutter.
Früher habe ich oft gehört, wie ähnlich ich ihr sehe. Sie hatte das gleiche dichte, dunkelblonde Haar. Die gleichen hellbraunen, fast bernsteinfarbenen Augen, Sommersprossen um die spitze Nase und strenge, markante Gesichtszüge, die besser zu ihr gepasst haben als zu mir. Es wäre mir lieber gewesen, wenn meine Schwestern ihr gleichen würden. Stattdessen sehen sie ihrem Vater ähnlich. Aber er wird nie überschatten, was ich für sie empfinde.
»Ich vermisse Mama«, sagt Penelope und schmiegt sich auf der guten Seite an mich.
Ich lege meinen Arm um sie. »Das tue ich auch, Prinzessin. Jeden Tag.«
Sie schnieft. »Wir wollen dich nicht auch noch verlieren.«
Die Worte brennen geradezu, als hätte sie damit meine graue, verfluchte Haut berührt. Beim Tod unserer Mutter war sie erst neun Jahre alt. Als ihr Vater starb, war sie elf. Und jetzt, drei Jahre später …
»Versprich uns, dass du es schaffst«, sagt Cora mit bemüht fester Stimme. »Du musst zu uns zurückkommen.«
Mein Hals wird eng. Sie wissen nicht, wie sehr ich zweifle, wenn niemand hinsieht. Dass die starke Kämpferin auch eine andere, verletzliche Seite hat. Wegen meines Fluchs habe ich keine Ahnung, ob ich überhaupt zu den Prüfungen zugelassen werde. Aber für sie will ich es versuchen. Ich habe ihnen schon genug genommen, also werde ich alles dafür tun, ihnen etwas zurückzugeben.
Mit Mühe ringe ich mir ein Lächeln ab. »Ich kämpfe dafür, euch wiederzusehen. Genau wie in der Taverne. Versprochen.«
Das ist die Wahrheit. Egal, wie das Ganze ausgeht, ich will die beiden wenigstens ein letztes Mal in die Arme schließen. Ich muss wissen, dass sie zurechtkommen, wenn es mich nicht mehr gibt.
»Aber falls ich es nicht schaffe …«, sage ich vorsichtig. »Versprecht mir einfach, aufeinander aufzupassen. Sucht euch Arbeit, sobald das Geld ausgeht. Irgendwo, wo man euch gut behandelt. Und keine Kämpfe, verstanden?«
»Du schaffst es ganz bestimmt«, erwidert Penelope sofort, und trotz ihrer glasigen Augen habe ich nie jemanden mit mehr Überzeugung gesehen.
Ich umarme meine Schwestern stürmisch. Dabei schießt ein Spannungsschmerz durch meinen linken Arm, der sich bis zu meiner Schulter zieht.
Manchmal, wenn der Schmerz mich nachts weckt und ich die Schluchzer zurückhalten muss, wünschte ich, endlich von diesem Fluch erlöst zu sein. Aber jetzt denke ich nicht mehr darüber nach. Ich habe meinen Schwestern versprochen, alles zu tun, um sie noch mal wiederzusehen, und dieses Versprechen werde ich halten.
***
Auf dem Platz vor den Haupttoren sind heute Morgen so viele Menschen, dass man denken könnte, der Jahreswechsel stünde kurz bevor. In ihren feinsten Festtagskleidern drängen die Leute sich dicht aneinander, und sogar in den angrenzenden Gassen braucht man ewig, um voranzukommen. Es sind viele Familien hier. Die Eltern tragen ihre Kinder auf den Schultern, damit sie einen guten Blick auf die vier goldenen, mit Blumen geschmückten Kutschen im Zentrum des Platzes haben.
Am Tag der Abreise vor fünf Jahren war ich auch hier. Damals habe ich die Gesegneten bewundert und mir vorgestellt, wie ich in einer weißen Robe unter dem Jubel der Bewohner von Neu-Delphi zum Götterpalast aufbreche. Alles ist genauso, wie ich es mir erträumt habe – die prunkvollen Kutschen, die majestätischen Pferde und die feiernde Menge. Nur ich bin anders.
Gemeinsam mit meinen Schwestern schlängele ich mich zwischen den Schaulustigen hindurch. Wann immer mich jemand von links anrempelt, schießt ein stechender Schmerz durch meinen Körper und ich muss die Zähne zusammenbeißen. Hier hat sich gefühlt die halbe Stadt versammelt, und ich bin froh, dass die meisten Leute uns wenigstens Platz machen, wenn sie mein weißes Kleid bemerken. Es dauert trotzdem einige Minuten, bis wir es endlich geschafft haben, uns durchzukämpfen.
Cora legt ihre Hand auf meine rechte Schulter. »Schau mal, in einer davon wirst du zum Palast fahren!«
Sie klingt ehrfürchtig, während sie die goldenen Kutschen bewundert. Schwarz gekleidete Gardisten stehen um sie herum und halten Wache.
»Ich will euch nicht allein lassen«, sage ich zögerlich und wende mich ihnen zu.
»Wir kommen schon klar.« Cora stellt sich hinter mich. »Hier, das wird dich an zu Hause erinnern.«
Sie legt mir eine Halskette um, deren Anhänger einen kleinen Amboss darstellt. Das Symbol von Hephaistos, dem Schmiedegott. Unsere Mutter hat ihn verehrt, darum hat sie häufig Schmuck mit dieser Symbolik angefertigt. Vielleicht habe ich ja deshalb die Gabe des Feuers.
»Das ist Mamas Kette«, murmele ich und nehme den Anhänger zwischen meine Finger.
»Sie hätte gewollt, dass du sie bekommst.« Cora grinst. »Die wird auf dich aufpassen.«
»Aber ich habe doch schon die andere …«, antworte ich und berühre die goldene Kette mit dem Schildanhänger.
Ich weiß nicht einmal, warum ich sie behalten habe, statt sie zu verkaufen. Dabei könnte der rote Edelstein, der den Anhänger ziert, ein Rubin sein. Trotzdem habe ich es nicht geschafft, mich davon zu trennen. Weil sie ein Beweis dafür ist, dass jemand an mich geglaubt hat, egal wie unwahrscheinlich mein Erfolg auch gewesen sein mag.
»Ihr solltet Mamas Kette tragen«, sage ich zu meinen Schwestern. »Uns ist so wenig von ihr geblieben.«
»Dann musst du sie uns wohl zurückbringen«, meint Penelope schelmisch. »Ein Grund mehr kann nicht schaden, oder?«
Meine beiden Schwestern schenken mir ihr wärmstes, optimistischstes Lächeln. Sie glauben von ganzem Herzen an mich, genau wie mein geheimnisvoller Gönner. Wenn ich mich nicht gerade so zusammenreißen würde, würde ich jetzt losheulen.
»Danke«, flüstere ich, bevor ich ihnen um den Hals falle. »Ich liebe euch so, so sehr.«
»Wir dich auch«, murmelt Cora.
»Und wir sind unglaublich stolz auf dich«, fügt Penelope hinzu.
Ich werde die beiden schrecklich vermissen. Alles, was ich in den letzten Jahren getan habe, jeder Kampf und all die Dinge, auf die ich nicht stolz bin, war nur für sie. Ich habe mir Finger und meinen Stolz brechen lassen, habe Blut gespuckt und Speichel von meiner Wange wischen müssen. Und alles, was ich in den nächsten Wochen tun werde, wird auch für meine Schwestern sein. Wenn sie glücklich sind, dann war jedes einzelne Opfer es wert.
Nachdem ich mich von ihnen verabschiedet habe, gehe ich auf einen der Gardisten bei den Kutschen zu. Er trägt sein schwarzes Haar zu einem hohen Knoten gebunden und hat die Seiten über seinen Ohren kahl rasiert. Die dunkle Kleidung schmiegt sich eng an seinen Körper und betont jeden Muskel. Seine tätowierten Oberarme sind angespannt, während er ein Stück Pergament vor sich hält.
»Entschuldigung?«
Er sieht von der Liste auf und richtet seine braunen Augen auf mich. Der ernste Gesichtsausdruck verwandelt sich in ein breites Grinsen.
»Name?«, fragt er.
»Kassandra Sotiriou.«
Prüfend studiert er das Pergament, wobei seine dichten Brauen sich immer weiter zusammenschieben. »Hm, du stehst gar nicht auf meiner Liste.«
»Welche Liste?«
»Die, auf der die Namen aller Gesegneten stehen, die sich für die Prüfungen angemeldet haben«, erklärt er. »Wie sollen wir sonst wissen, wie viele Kutschen wir schicken müssen?«
Ich starre ihn entgeistert an.
Verdammt.
Ich wusste nicht, dass eine Anmeldung nötig ist. Bisher bin ich davon ausgegangen, dass man einfach am Abreisetag auftaucht. Schließlich sind Gesegnete dazu angehalten, ihre Gabe bis zu den Prüfungen geheim zu halten. Vielleicht hätte ich doch zu dieser Kundgebung gehen sollen, die vor ein paar Wochen stattgefunden hat. Aber zu dem Zeitpunkt war ich damit beschäftigt, von einem Typen verprügelt zu werden, der einen Kopf größer und zwei Oberarme breiter war als ich. Was ich besser nicht erwähnen sollte.
»Ah, die Liste«, rufe ich. Mir kommt es so vor, als hätte ich das wissen müssen, wenn ich die Veranstaltung nicht geschwänzt hätte. »Da sollte mein Name eigentlich drauf sein. Kassandra, zweiundzwanzig Jahre, aus Neu-Delphi. Ich bin gesegnet. Hier, ich kann’s beweisen.«
Mit Mühe schaffe ich es, einen kleinen Feuerfunken zwischen meinen Fingern zu entfachen.
»Hm«, murmelt der Gardist und blickt sich um. »Du bist wirklich gesegnet. Aber wir haben klare Regeln, und du stehst nicht auf der Liste, also –«
»Zum Tartaros mit deinen Regeln«, schimpft eine junge Frau und stellt sich neben ihn.
Auch sie trägt die schwarze Kleidung der Palastgarde. Trotz des Größenunterschieds von fast zwei Köpfen wirkt sie nicht weniger einschüchternd. Ihre stechend blauen Augen funkeln entschlossen. Auf ihrem Rücken trägt sie zwei gekreuzte Schwerter, und angesichts ihrer beeindruckenden Armmuskulatur habe ich keinen Zweifel daran, dass sie damit umzugehen weiß.
»Dass dir das Protokoll egal ist, wundert mich nicht«, meint der Gardist.
Sie schürzt die Lippen. »Die Prüfungen sind für alle Gesegneten verpflichtend. Davon abgesehen haben wir vier Kutschen und fünf Frauen. Tun wir mal nicht so, als gäbe es keinen Platz für eine weitere.«
»Darum geht’s doch gar nicht. Außerdem sammeln wir auf dem Weg zum Palast noch welche ein.«
»Jetzt mach dir mal nicht in die Hose, Darius! Zeus wird dich nicht mit seinen Blitzen pulverisieren, weil du ihm eine Gesegnete zu viel bringst. Du bist immer so überkorrekt.«
Er verschränkt seine breiten Arme vor der Brust. »Und du bist nicht korrekt genug. Also müssen wir das wohl den Kommandanten entscheiden lassen.«
Die Frau seufzt entnervt. »Der wird mich auslachen, wenn ich ihm das erzähle. Wir lassen sicher keine Gesegnete hier.«
Mit kurzen, schnellen Schritten marschiert sie davon und kehrt wenig später mit einem Mann an ihrer Seite zurück, der tatsächlich aussieht, als hätte er gerade gelacht. Doch als sein Blick auf meinen trifft, löst Überraschung die gute Laune ab.
Es ist der Kerl aus dem Tempel.
