Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Markets today are extremely globalized, digital interactions are finding their way into every sphere of life, and communications are increasingly taking place online. Many people are already losing the cultural techniques involved in spontaneous speech and conversational strategy. People with speaking skills like many decision-makers are at a clear advantage. The individual chapters in this textbook therefore focus in concise form on central aspects such as verbal and nonverbal communication, successful personal presentation, commonly used communications models and conversational situations. Intercultural communication is addressed, as well as dress code, manners and small talk. The sections of the book are structured in an easy-to-follow way for beginners and are augmented with exercise sections.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 329
Veröffentlichungsjahr: 2015
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Herausgegeben von Horst Peters
1. Auflage 2016
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-022522-0
E-Book-Formate:
epub: ISBN 978-3-17-029017-4
mobi: ISBN 978-3-17-029018-1
Für den Inhalt abgedruckter oder verlinkter Websites ist ausschließlich der jeweilige Betreiber verantwortlich. Die W. Kohlhammer GmbH hat keinen Einfluss auf die verknüpften Seiten und übernimmt hierfür keinerlei Haftung.
Das vorliegende Lehrbuch Rhetorik und Gesprächsführung ist Teil der Lehrbuchreihe BWL Bachelor Basics. Dieses Buch sowie alle anderen Werke der Reihe folgen einem Konzept, das auf die Leserschaft – nämlich Studierende der Wirtschaftswissenschaften – passgenau zugeschnitten ist.
Ziel der Lehrbuchreihe BWL Bachelor Basics ist es, die zu erwerbenden Kompetenzen in einem wirtschaftswissenschaftlichen Bachelor-Studiengang wissenschaftlich anspruchsvoll, jedoch zugleich anwendungsorientiert und kompakt abzubilden. Dies bedeutet:
• Ein hoher wissenschaftlicher Anspruch geht einher mit einem gehobenen Qualitätsanspruch an die Werke. Präzise Begriffsbildungen, klare Definitionen, Orientierung an dem aktuellen Stand der Wissenschaft seien hier nur beispielhaft erwähnt. Die Autoren sind ausgewiesene Wissenschaftler und Experten auf ihrem Gebiet. Die Reihe will sich damit bewusst abgrenzen von einschlägigen »Praktikerhandbüchern« zweifelhafter Qualität, die dem Leser vorgaukeln, Betriebswirtschaftslehre könnte man durch Abarbeiten von Checklisten erlernen.
• Zu einer guten Theorie gehört auch die Anwendung der wissenschaftlichen Erkenntnisse, denn Wissenschaft sollte kein intellektueller Selbstzweck sein. Deshalb steht stets auch die Anwendungsorientierung im Fokus. Schließlich verfolgt der Studierende das Ziel, einen berufsqualifizierenden Abschluss zu erwerben. Die Bücher haben diese Maxime im Blick, weshalb jedes Buch neben dem Lehrtext u. a. auch Praxisbeispiele, Übungsaufgaben mit Lösungen sowie weiterführende Literaturhinweise enthält.
• Zugleich tragen die Werke dem Wunsch des Studierenden Rechnung, die Lehr- und Lerninhalte kompakt darzustellen, Wichtiges zu betonen, weniger Wichtiges wegzulassen und sich dabei auch einer verständlichen Sprache zu bedienen. Der Seitenumfang und das Lesepensum werden dadurch überschaubar. So eignen sich die Bücher der Lehrbuchreihe Bachelor Basics auch hervorragend zum Selbststudium und werden ein wertvoller Begleiter der Lehrmodule sein.
Die Reihe umfasst die curricularen Inhalte eines wirtschaftswissenschaftlichen Bachelor-Studiums. Sie enthält zum einen die traditionellen volks- und betriebswirtschaftlichen Kernfächer, darüber hinausgehend jedoch auch Bücher aus angrenzenden Fächern sowie zu überfachlichen Kompetenzen. Um auf neue Themen und Entwicklungen reagieren zu können, wurde die Edition bewusst als offene Reihe konzipiert und die Zahl möglicher Bände nicht nach oben begrenzt.
Die Lehrbuchreihe Bachelor Basics richtet sich im Wesentlichen an Studierende der Wirtschaftswissenschaften an Hochschulen für angewandte Wissenschaften, an dualen Hochschulen, Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien und anderen Einrichtungen, die den Anspruch haben, Wirtschaftswissenschaften anwendungsorientiert und zugleich wissenschaftlich anspruchsvoll zu vermitteln. Angesprochen werden aber auch Fach- und Führungskräfte, die im Sinne der beruflichen und wissenschaftlichen Weiterbildung ihr Wissen erweitern oder auffrischen wollen. Als Herausgeber der Lehrbuchreihe möchte ich mich bei allen Autorinnen und Autoren bedanken, die sich für diese Reihe engagieren und einen Beitrag hierzu geleistet haben.
Ich würde mich sehr freuen, wenn das ambitionierte Vorhaben, wissenschaftliche Qualität mit Anwendungsorientierung und einer kompakten, lesefreundlichen und didaktisch an die Bachelor-Studierenschaft abgestimmten Gestaltung zu kombinieren, dem Leser bei der Bewältigung des Bachelor-Lernstoffes hilfreich sein wird und es die Anerkennung und Beachtung erhält, die es meines Erachtens verdient.
Horst Peters
Immer stärker nutzen wir die Möglichkeiten der digitalisierten Kommunikation. Oft tritt an die Stelle des gesprochenen Wortes eine kurze Nachricht über Facebook, Twitter, WhatsApp und soziale Medien. Die Sätze werden kürzer, Worte werden durch Bilder ersetzt.
Der Austausch von Informationen wird schneller, aber auch kurzatmiger. Wer zu tief in diese Welt eintaucht, läuft Gefahr, im Denken den Anschluss zu verlieren. Gleichzeitig wird erwartet, dass man in der Lage ist, rasch gute Präsentationen auszuarbeiten, eine Rede zu halten, Gespräche und Verhandlungen auch mit internationaler Klientel zu führen. Um das zu können, müssen Sie sich Kenntnisse dieser »Soft Skills« aneignen. Dabei hilft Ihnen das vorliegende Buch.
Sprechen und Reden halten lernen Sie hauptsächlich durch regelmäßige Übung. Sie müssen es immer wieder tun. Ob Stegreifrede, ob ausgearbeiteter Vortrag, ob ertragreicher Small Talk oder takt- und respektvolle interkulturelle Kommunikation, zu allen diesen Themen gibt das Buch nützliche Hinweise. Weil in diesem Zusammehang Dresscode, Etikette und Umgangsformen wieder voll im Trend liegen, wird auch dazu etwas gesagt.
Gesprächssituationen im Beruf, aber auch im privaten und gesellschaftlichen Bereich, können Sie besser durchschauen und meistern, wenn Sie einige der gängigen Kommunaktionsmodelle und deren psychologische Ansätze kennen gelernt haben.
Das Buch bietet Ihnen viele Hinweise, Ratschläge und Übungen. Für Themenfelder, die Sie vertiefen möchten, finden Sie auf dem Markt ein großes Angebot an Trainern, Coaches, Seminaren und Workshops aller Art und im Buch ein Literaturverzeichnis zur ersten Orientierung.
Im Text ist die Rede von Professor, Redner, Präsentator usw. Gemeint ist selbstverständlich immer auch die Professorin, die Rednerin, die Präsentatorin.
Zu guter Letzt statte ich Dank ab an den Kohlhammer Verlag, insbesondere die Verlagsleitung mit ihrem Lektor Dr. Uwe Fliegauf, der immer wieder mit wachem Blick und ordnender Hand für die Realisierung des Werks gesorgt hat. Für die Illustrationen zur Körpersprache danke ich Thorsten Renken. Frau Dr. Simone Bagel-Trah danke ich dafür, dass sie Portraitfotos zur Verfügung gestellt hat. Bei den Clubabenden der Düsseldorfer Toastmasters haben mich viele vorbildliche, frei gehaltene Reden und Rede-Bewertungen immer wieder inspiriert. Auch dem Impro-Theater Phönixallee, Düsseldorf, danke ich für wertvolle Anregungen und die Gelegenheit zum praktischen Mitwirken. Prof. Dr. Horst Peters, der Herausgeber, hat mich dazu angeregt, dieses Buch zu schreiben. Dafür danke ich ihm herzlich.
Meinen Lesern wünsche ich viel Erfolg auf Ihrem (Lebens-)Weg!
Hans Kraft
Geleitwort des Reihenherausgebers
Autorenvorwort
1 Geschichte der Rhetorik
1.1 Definition des Begriffs
1.2 Geschichte der Rhetorik
2 Vor der Rede
3 Die Rede
3.1 Nonverbale Kommunikation
3.1.1 Die Körpersprache
3.1.1.1 Aussehen und Äußeres
3.1.1.2 Wohin schaue ich bei großen Gruppen im Saal?
3.1.1.3 Körpersprache des Saales
3.1.1.4 Stand und Körperhaltung
3.1.1.5 Gestik des Redners
3.1.1.6 Was sollte ein Redner auf keinen Fall tun?
3.1.2 Wirkung der Sinne
3.1.2.1 Olfaktorik
3.1.2.2 Gustatorik
3.1.2.3 Haptik
3.1.2.4 Akustik
3.1.2.5 Visuelle Kommunikation – Optik
3.1.2.6 Paralinguistische/parasprachliche Aspekte
3.1.2.7 Ängste und Lampenfieber
3.1.3 Was ist »Flow«?
3.1.4 Übungen zum Abbau von Angst und Hemmungen
3.2 Verbale Kommunikation
3.2.1 Atmung
3.2.2 Stimme
3.2.3 Pausen
3.2.4 Dialekte und dialektale Einfärbungen
3.2.5 Füllwörter
3.2.6 Wirkung von Stimme und Redner
3.2.7 Rhetorische Mittel
3.2.8 Bewusste Störungen
3.2.9 Faire/unfaire Dialektik
3.2.10 Saal und Zuhörer ansprechen
3.3 Redearten
3.4 Etikette und Dresscode (»Knigge«)
3.4.1 Begrüßungsrituale
3.4.2 Dresscode
3.4.3 Etikette im Geschäftsleben
3.4.4 Tischsitten
3.5 Neue Kommunikationsformen – gutes Benehmen im Umgang mit modernen Medien
3.5.1 Smartphones oder Tablet-PC
3.5.2 Online oder offline kommunizieren?
3.5.3 Political Correctness
4 Kommunikationsmodelle
4.1 Sigmund Freud
4.2 Paul Watzlawick
4.3 Friedemann Schulz von Thun
4.4 Thomas A. Harris und Eric Berne
4.5 Roger Fisher und William L. Ury
4.6 Richard Bandler und John Grinder
5 Aktives Zuhören
6 Besondere Redeanlässe
6.1 Gesprächsführung
6.2 Small Talk
6.3 Bewerbungsgespräch
6.4 Mitarbeitergespräch
6.5 Zielvereinbarungsgespräch
6.6 Konfliktgespräch
6.7 Verkaufsgespräch
7 Interkulturelle Kommunikation
Literaturverzeichnis
Stichwortverzeichnis
In diesem Kapitel erfahren Sie etwas über die Geschichte der Rhetorik. Dabei wird den Fragen nachgegangen, seit wann es die Rhetorik gibt, wieviel und durch wen wir davon wissen, welchen Stellenwert die Rhetorik heute noch hat und schließlich, ob wir im Zeitalter der Online-Kommunikation überhaupt noch Rhetorik brauchen.
Rhetorik ist ein Wort der griechischen Sprache (rhetorike techne) und bedeutet deutsch Redekunst bzw. die Kunst der Beredsamkeit. »Durch die Rede«, heißt es bei Ritter (1992, Sp. 1014), »will der Sprecher bei den Hörern ein bestimmtes Ziel erreichen; dies gelingt mit manchen Formen der Rede besser als mit anderen; Beobachtung und Erfahrung (Empirie) führen zur Bevorzugung der wirkungsvolleren Ausdrucksmöglichkeiten, also zur Redekunst«.
Rhetorik war schon in der griechischen Antike als Disziplin bekannt und spielte insbesondere bei der politischen Meinungsbildung in Athen und griechischen Stadtstaaten eine herausragende Rolle. Rhetorik ist eine erlernbare Technik.
Die Aufgabe der Rede ist es, den Zuhörer von einer Aussage zu überzeugen oder zu einer bestimmten Handlung zu bewegen. Dafür stellt die Rhetorik das notwendige Handwerkszeug bereit. Das ist der Sinn von Rede-»Kunst«, das Können einer bestimmten Fertigkeit, reden:
«Rhetorik ist die Technik, Einverständnis herzustellen.[…] Rhetorik ist eine Technik.« (Gast, 2006, S. 2)
«Unter ›Rhetorik im weiteren Sinne‹ ist die von jedem am sozialen Leben aktiv beteiligten Menschen geübte ›Kunst der Rede überhaupt‹ […], unter ›Rhetorik im engeren Sinne‹ (Schulrhetorik) die seit dem 5. Jh. v. Chr. als lernbarer Unterrichtsgegenstand ausgebildete Kunst der […] Parteirede […] zu verstehen.« (Lausberg, 1971, S. 13)
Aber Rhetorik soll auch Wissenschaft sein, nämlich diejenige vom wirksamen Reden. Dabei analysiert sie Reden und deren Überzeugungskraft und erarbeitet die erforderlichen theoretischen Grundlagen (dazu Allhoff u. Allhoff, 2006).
Die Beschäftigung mit der Redekunst hat eine lange Tradition, die über 2000 Jahre zurückreicht. Platon (428-348 v. Chr.) und vor allem Aristoteles (384-322 v. Chr.), die herausragenden Denker der alten europäischen Philosophie, haben das dazu vorhandene und überkommene Wissen strukturiert und systematisiert. Seitdem ist es über die Jahrhunderte, im Kern kaum verändert, auf uns gekommen. Sokrates (469-399 v. Chr.), Cicero (106 v.- 43 n. Chr.), Quintilian (35-96 n. Chr.), Seneca (1-65 n. Chr.) und Plutarch (45-125 n. Chr.) sind berühmte Namen in der Ahnengalerie großartiger Rhetoren. Die legendären Meister der Redekunst, wie zum Beispiel Gorgias (490-396 v. Chr.), hielten gegen Bezahlung prunkvolle Reden und konnten mit ihrem Können reich werden.
Als Disziplin fällt die Rhetorik in den Kanon der »sieben freien Künste«, die im griechischen Kulturkreis unter »enkyklios paideia«, im römischen Kulturkreis unter »septem artes liberales« bekannt waren.
Sie setzen sich zusammen aus drei (Trivium) und vier (Quadrivium) Künsten. Zum Trivium gehörten Grammatik, Rhetorik und Dialektik, zum Quadrivium Arithmetik, Geometrie, Astrologie/Astronomie, Musiktheorie. Rhetorik war also Teil des Triviums, der »trivialen«, also leicht nachvollziehbaren Fertigkeiten. Es wurde erlernt, gut und richtig zu reden. (Dolch, 1982) Den freien Männern – nicht den Sklaven – wurden diese handwerklichen Fertigkeiten vermittelt. Am Ende der Ausbildung konnten sie das Gelernte praktisch anwenden, also zum Beispiel gut, verständlich und sprachlich einwandfrei zu einem vorab gestellten Thema vortragen. »Wenn man die Rhetorik befragt, wo ihr ureigener Ansatzpunkt gegenüber anderen mit Sprache und Kommunikation befassten Disziplinen ist, dann kann die Antwort nur lauten: bei dem als Orator handelnden Menschen.« (Knape, 2012, S. 33)
Halten Sie die Augen offen und finden Sie heraus, ob die Ihnen bekannten Personen ohne weiteres in der Lage sind, diese »trivialen« Aufgaben zu erledigen.
Trivium (Sprachkünste) Quadrivium (Mathematische Künste)
Die sieben freien Künste (Enkyklios paideia/septem artes liberales)
Von alters her wurde eine aus fünf Teilen bestehende Vorgehensweise angewandt, um eine Rede zu entwickeln und vorzutragen. Diese, aus der Erfahrung gewonnene Vorgehensweise hat sich bewährt und wird auch heute noch benutzt. Die klassischen Bezeichnungen der Teile sind:
Inventio
• Zunächst (inventio) ist das Problem zu benennen, das Thema, über das die Rede gehen soll.
• Wenn das Problem dingfest gemacht worden ist, wird im nächsten Schritt (dispositio) Material dazu gesammelt. Recherchen sind anzustellen, Informationen einzuholen, eventuell auch Befragungen durchzuführen.
• Im dritten Schritt (elocutio) wird das gesammelte Material geordnet und strukturiert. Sätze müssen geformt werden, wobei auf die Wortwahl und den Adressatenbezug zu achten ist. Der so entstandene Text bedarf oft auch noch eines gewissen Schmuckes, um nicht zu trocken und fad zu klingen. Also müssen Redefiguren und stilistische Mittel eingebaut werden.
• Nach Abschluss dieses Schrittes kommt als vierter Teil das Einprägen der Rede (memoria), eventuell auch das Auswendiglernen. Dabei kommt es nicht darauf an, jeden Satz und jede Passage auswendig im Kopf zu haben. Der logische Ablauf und die Entwicklung der Gedanken müssen klar sein. Ansonsten besteht die Gefahr, dass »leeres Stroh« gedroschen wird.
• Als letzter Schritt (actio/pronunciatio) erfolgt der eigentliche Vortrag, die Rede, die Präsentation (vgl. dazu auch Duden, 2004, S. 32ff.; Allhoff u. Allhoff, 2006, S. 249ff.)
In der Antike war die Redekunst wichtig in der politischen Debatte und bei juristischen Auseinandersetzungen – dabei stehen sich zwei Auffassungen gegenüber:
• Die eine Auffassung, vertreten zum Beispiel durch Protagoras (490-411 v. Chr.), will mit den Mitteln der Rede die Wahrheit zu einem Thema herausfinden und darstellen.
• Die andere Auffassung vertritt die These, dass »wahr ist, was man für wahr hält«. Der berühmte Vertreter dieser Richtung ist Gorgias, der fest an die Macht des Wortes glaubte.
Nach dem Ende der griechischen Stadtstaaten (338 v. Chr.) ging die Redekunst auf die neuen Herren über, die Römer. Der herausragende Vertreter der römischen Rednerzunft war Cicero. Er strebte nach dem Ideal des perfekten Redners. Dieser sollte bei seinen Auftritten zeigen, dass er Beredsamkeit, Redlichkeit und Klugheit in sich vereinigte.
Der perfekte Redner ist beredtsam, redlich, klug.
Im Mittelalter nahm die Bedeutung der Rhetorik ab. Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches (476 n. Chr.) entstand kein Rechtsgebilde, das einer juristischen Redekunst bedurft hätte wie bei den Römern. Wichtige Verträge, Vereinbarungen, Absprachen wurden von kleinen Zirkeln aus Fürsten und hohen Adeligen ausgehandelt.
Im Lehrplan des Mittelalters diente die Rhetorik zur Auslegung von Bibelstellen. Die »sieben freien Künste« waren zum Beispiel zurzeit Kaiser Karls des Großen die Vorstufe zum Studium der Heiligen Schrift. Die Rhetorik spielte eine zentrale Rolle in der Predigt bei den besonders dafür ausgebildeten Dominikanern. Deren Ordenskürzel O.P. »Ordo fratrum praedicatorum« verweist auf das Predigen.
Erst in der Neuzeit lebte mit der Renaissance die Rhetorik wieder auf. Bei Luther (1483-1546), Melanchthon (1497-1560) und den Protestanten wogen Wort und Schrift (Bibel) weit mehr als die Aussagen und Stellungnahmen von weltlichen und geistlichen Autoritäten. Die Prediger-Ausbildung bei den Protestanten sollte sie befähigen, allen Bevölkerungsgruppen auf eine jeweils angemessene Weise mündlich das Wort Gottes zu vermitteln. Um das zu können, mussten sie dem »Volk aufs Maul« geschaut haben.
Seit jener Zeit nahm die Rhetorik einen stetigen Aufschwung.
Vor allem in Deutschland geriet diese Kunst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wegen des systematischen Missbrauchs durch Demagogen in Verruf. Mit den Elementen und Stilmitteln der Rhetorik wurde nicht mehr das Wahre, Gute und Schöne angestrebt, sondern das Gegenteil vermittelt: Hass, Feindschaft, Krieg, Lüge. An die Stelle von argumentativer Redekunst trat die Propaganda.
Im angelsächsischen Raum hat es dagegen durch die Kriege und deren Folgen keine vergleichbaren Brüche in der altüberkommenen Redekunst gegeben. An allen nennenswerten Universitäten haben die Rede- und Debattierclubs sehr lange Tradition.
In Deutschland erfolgte dagegen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die entschiedene Abkehr von der durch Missbrauch in Verruf geratenen Rhetorik. Erst in jüngerer Zeit lässt sich hier eine Veränderung feststellen – an den weiterführenden und Hochschulen hält verstärkt die Redekunst wieder Einzug. Vielfach taucht sie zum Beispiel in den Wirtschaftswissenschaften unter den »Soft Skills« wieder auf, die »mit dazu gehören«. Auch setzt sich die Einsicht durch, dass Inhalte allein sich nicht von selbst an den Mann oder die Frau bringen lassen.
Der Bedarf an Rhetorik und an der Vermittlung des entsprechenden Könnens ist stark gestiegen und der Markt reagiert auf diese Veränderung. Überall werden Sie Trainer und Coaches finden, die mit dem Anspruch auftreten, Sie für den gelungenen Auftritt fit zu machen. Bevor Sie Ihr Geld ausgeben, prüfen Sie sorgfältig, wie es mit den rhetorischen Fähigkeiten dieser Personen steht. Halten sie regelmäßig wichtige Reden vor großem Publikum? Sind es erwiesene Praktiker des gesprochenen Wortes und der frei vorgetragenen Rede? Oder handelt es sich um Theoretiker, die vom gesprochenen Wort etwa so viel verstehen wie der Blinde von der Farbe? Leider wird die »Populärrhetorik«, zumeist in Form von Verkäuferschulungen oder Managementtrainings angeboten, auf einem sehr niedrigen Niveau rhetorischer Sozialtechniken betrieben.
Seriöse Rhetorik finden Sie heute wieder an Hochschulen, wo sie wissenschaftlich untermauert und praxisbezogen zugleich gelehrt wird. Sie können in diesem Feld auch zum Master-Abschluss kommen.
Spannend sieht die rasante Entwicklung der elektronischen Kommunikationsmöglichkeiten aus. Wenn alle über Smartphone, WhatsApp, Facebook, Twitter usw. miteinander in Kontakt treten können, gibt es dann noch Bedarf an großen Reden vor großem Saal? Oder werden bald große Reden auch nur noch im Fernsehstudio ohne anwesendes Publikum gehalten?
Wenn Sie sich näher mit der Geschichte der Rhetorik befassen möchten, könnten Sie sich zunächst mit Überblicksartikeln aus Wikipedia oder in Nachschlagewerken wie Brockhaus (2006), Duden (2004) und Ritter (1992) informieren. Bei noch stärkerem Interesse sollten Sie die Übersetzungen der klassischen Autoren heranziehen, etwa Aristoteles (2012) oder Quintilian (1974).
Ihnen wird völlig klar sein, dass eine Rede nicht beginnt, wenn Sie auf der Bühne stehen und das erste Wort sprechen. Jede Rede hat einen Vorlauf, nämlich die Festlegung des Themas der Rede und die Beschäftigung mit dem Thema. Selbst eine Stegreifrede beginnt in der Regel nicht so, dass Sie sofort nach der Themenstellung anfangen zu sprechen. Sie haben dann noch etwa eine halbe Minute Zeit, um sich zu konzentrieren und sich etwas einfallen zu lassen. Auch die Könner, etwa die Mitglieder eines Improvisationstheaters wie der Düsseldorfer »Phönixallee«, bekommen einen, wenn auch äußerst kurzen Zeitraum für die Reflexion, legen dann aber sofort los. Auf Zuruf aus dem Publikum sind sie in der Lage, den Inhalt sofort in Reimform zu bringen und vorzutragen oder auch als Opernarie und andere Formen des gesanglichen Ausdrucks. Stark!
In diesem Kapitel erfahren Sie etwas darüber, wie Sie sich stimmlich, mental, körperlich und organisatorisch auf Ihren Auftritt vorbereiten könnten, ja sollten. Dazu werden konkrete, praktische Empfehlungen gegeben (Daw, 2013, S. 20f. und Dignen, 2012, S. 38-45).
Als Redner bzw. Vortragender sind Sie der Herr des Verfahrens und tragen sämtliche Verantwortung für die organisatorischen Rahmenbedingungen ihrer Rede:
Vor der Rede bedenken – Organisation
Stimme vorbereiten
Für jeden Redner kontraproduktiv und nachteilig sind ein monotoner Vortrag und ein immer gleicher Sprechrhythmus. Die Zuhörer nehmen darin den stärksten Feind des Redners wahr: Immer dieselbe Leier.
Zum System der Stimme und damit zu den wichtigsten Determinanten ihres individuellen Klangspekturms gehören: Zunge, Mund, Stimmbänder, Gesichtsmuskulatur und Zwerchfell. Sie können den Klang Ihrer Stimme merklich erweitern, wenn Sie alle diese Komponenten regelmäßig und systematisch trainieren. Die dazu erforderlichen Trainingseinheiten sind relativ kurz und können unabhängig vom Ort fast überall durchgeführt werden.
Entspannungsübungen
Stehen oder sitzen Sie aufrecht.
Versuchen Sie, sich zu entspannen. Das können Sie erreichen, indem Sie zum Beispiel die Luft langsam durch die Nase einatmen und zwei Sekunden halten. Danach langsam durch die Nase wieder ausatmen. Wiederholen Sie diesen Vorgang einige Male. Die Übung erfüllt ihren Zweck, wenn Sie spüren, dass sich Ihr Zwerchfell beim Einatmen dehnt. Beim Ausatmen sollten Sie spüren, wie sich Ihr Zwerchfell zusammenzieht und die Luft durch den Mund nach außen drückt. Nach einigen Wiederholungen tritt der Entspannungs-Effekt ein: Sie werden ruhiger, etwaige Verkrampfungen lockern sich.
Als nächstes aktivieren Sie Ihre Stimmbänder, indem Sie beim Ausatmen einen Summton erzeugen. Es ist nicht wichtig, wie dieser Laut klingt. Es ist Ihr ganz eigener, ganz persönlicher und individueller Naturalton. Danach führen Sie noch einige kurze Übungen für Ihre Lippen und Ihre Zunge durch, damit Sie optimale Voraussetzungen dafür schaffen, auf der Grundlage des Naturaltons den eigentlichen Klang Ihrer Stimme und eine beeindruckende stimmliche Wirkung Ihrer Rede oder Ihres Vortrages zu erzeugen. (Pede, 2003).
Weitere Übungen
1. Massieren Sie Ihre Gesichts- und Wangenmuskeln mit den Händen. (Wenn Sie dabei beobachtet werden, wird es auf andere komisch wirken. Das macht nichts; üben Sie allein oder vor einem Spiegel; lassen Sie sich nicht davon abhalten.)
2. Dehnen und bewegen Sie sämtliche Gesichts- und Kopfmuskeln.
3. Bewegen Sie die Kiefer und ziehen Sie die Augenbrauen hoch und herunter. Wenn Sie diese Übungen regelmäßig ausführen, wird Ihre Gesichtsmuskulatur immer beweglicher und flexibler.
4. Erkunden Sie mit Ihrer Zunge bei geschlossenem Mund den gesamten Mund-Innenraum. Öffnen Sie dann den Mund und strecken Ihre Zunge über die Lippen hinaus in sämtliche Richtungen. Sprechen Sie abschließend einige Zungenbrecher, erst langsam, dann schneller.
Organisatorisches
Denken Sie stets daran, dass der Veranstaltungsort ein integraler Bestandteil Ihrer Präsentation ist, weshalb Sie die örtlichen Gegebenheiten umso sorgfältiger mitberücksichtigen bzw. -gestalten sollten. Dazu einige Gedanken:
• Vielleicht sind die Stühle in sehr engen Reihen gestellt und erzeugen Platzangst nach dem Motto »Nur weg von hier« – das sollten Sie ändern lassen!
• Es könnte vorkommen, dass Sie in einem Raum auftreten sollen, der keine Fenster hat. Dann droht eventuell Sauerstoffmangel, der Ihrem Vortrag sehr abträglich wäre – lassen Sie deshalb vorher lüften!
• Technische Probleme hinterlassen einen schlechten Eindruck – testen Sie Mikrofon, Laptop, Beamer und Laserpointer unbedingt vorher, um das Risiko zu minimieren!
• Sollte Ihr Auftritt kurz nach dem Mittagessen oder einer Verpflegungspause angesetzt sein, werden die Zuhörer müde sein – bald wird biorhythmische Friedhofsruhe eintreten. Reden Sie also lebendig, überbringen Sie verständliche Botschaften und interessieren Sie das Publikum!
• Die Bühne ist 2 Meter hoch, aber im Raum befinden sich lediglich zehn Personen – verlassen Sie, falls dies möglich ist, das Podest und gehen Sie auf das Publikum zu!
• Klären Sie vorab mit dem Veranstalter, ob die vorgegebene Zeit strikt eingehalten werden muss oder ob eine flexible Handhabung möglich ist, ansonsten wird Ihr Vortrag ein Opfer der Zeit!
Diese wenigen Punkte aus gelebter Praxis sollen Ihnen sagen: In der Planung und mentalen Vorbereitung dürfen Sie nichts als gegeben voraussetzen. Planen Sie zeitlichen Spielraum für die Lösung von Problemen vor Ort ein. Seien Sie auf vieles vorbereitet, damit Sie flexibel reagieren und auch improvisieren können.
Tipps
• Treffen Sie frühzeitig vor Ihrem Auftritt ein.
• Persönlich Akustik und Sicht nach vorne testen.
• Selber im Raum Probe sitzen.
• Ist die Sicht zur Bühne überall gut?
• Gehen Sie die Bühne ab, finden Sie den besten Standort.
• Sie sind der Redner, deshalb: keine Verantwortung auf Dritte abschieben.
Ihre Rede, Ihr Vortrag oder Ihre Präsentation erzielt die Wirkung bei den Zuhörern im Wesentlichen durch drei Komponenten:
• das Thema und den Inhalt,
• das gesprochene Wort und die Stimme,
• die Art und Weise des Vortrags.
Für die letzten beiden Komponenten werden meistens die Begriffe »verbale Kommunikation« und »nonverbale Kommunikation« bzw. »Körpersprache« benutzt. Diese Begriffe dürften Ihnen geläufig sein, weil Sie diese schon oft gehört haben. In den beiden folgenden Kapiteln erfahren Sie Näheres dazu.
Was wird unter »Körpersprache« verstanden? Die Körpersprache umfasst alle Bereiche des Körpers, die bei einem Vortrag, einer Rede oder Präsentation willkürlich oder unwillkürlich aktiviert werden. Zu betrachten ist also der Körper vom Kopf bis zu den Zehenspitzen, aber auch die Atmung, der Blick, die innere und äußere Spannung und die aus vielerlei Komponenten aufgebaute Ausstrahlung eines wirkungsmächtigen Redners.
Auch die Körpersprache, die wir im Normalfall unwillentlich benutzen, können Sie gezielt steuern, deshalb finden Sie in den folgenden Abschnitten Übungen, mit denen Sie das Gelesene praktisch umsetzen können (vgl. dazu auch: Dignen, 2012, S. 38-45).
Jemand, der vor Publikum spricht, muss sich vor seinem Auftritt auch Gedanken um sein Äußeres machen. Er muss wissen, vor welchen Zuhörern er spricht, wie deren Bildungsstand und Erwartungshorizont ist. Sollte es sich um eine Präsentation innerhalb eines Unternehmens handeln, müssen Sie sich als Redner sehr genau darüber informieren, welche Hierarchiestufen im Saale vertreten sind.
Im Hinblick auf das äußere Erscheinungsbild müssen Sie sich die Frage beantworten, welche Kleidung für Sie die angemessene ist. Sie muss Niveauhaben und in Qualität und modischem Standard derjenigen entsprechen, die im Saal als die am besten Gekleideten Platz nehmen. Sie als Redner sollten frisch und ausgeruht wirken und eine möglichst gesunde Gesichts- und Hautfarbe haben. Dafür müssen Sie sich regelmäßig bewegen, Sport treiben, gesund ernähren und genügend Schlaf bekommen.
Ihr Publikum wird Ihnen einen solchen Auftritt mit einer viel größeren unausgesprochenen Akzeptanz danken, als wenn Sie rücksichtslos auftreten und in schriller Kleidung den Paradiesvogel spielen. »Jede Berufssparte hat heute ihre eigene Bekleidungsuniformität, die sie aus dem Angebot der zurzeit üblichen Kleidung auswählt.« (Wrede-Grischkat, 1998, S. 95)
Aus dem Gesagten wird klar, dass Ihr Lebensstil eine Rolle spielt. Selbstdisziplin, konsequentes Handeln und klare Strukturen bringen langfristig die Früchte, die dann ein gutes Entree auf der Bühne und vor dem Saal erst möglich machen. Das sind die wichtigen äußeren Komponenten, auf die Sie achten sollten.
Abb. 1: Passendes Aussehen des Redners beim Vortrag
Schauen Sie weder ängstlich auf den Boden noch hilfesuchend nach oben oder gar aus dem Fenster. Grundsätzlich gilt für jeden guten Redner: Nehmen Sie Blickkontakt zu Ihren Zuhörern auf!
Von unten oder oben und von außerhalb des Raumes wird Ihnen keinerlei Unterstützung zukommen. Während Ihres Vortrags sind Sie auf sich allein gestellt, und Ihr Publikum erwartet von Ihnen zu Recht, dass Sie mit voller Konzentration bei ihm sind. Pabst-Weinschenk (2000, S. 35) sagt dazu: »Der Blickkontakt ist nicht nur ein Zeichen für den Mitteilungswillen, sondern der Zuhörer fühlt sich angesprochen.« Vermeiden Sie den Fehler, von dem oft berichtet wird, nämlich den Versuch, in einem größeren Saal zu möglichst vielen Personen Blickkontakt aufzunehmen. Sie werden es nicht schaffen. Und der negative Effekt wird sein, dass Sie für flüchtig, unstet und gehetzt gehalten werden. Bleiben Sie ruhig und behalten Sie die Nerven. Es genügt in diesem Fall vollkommen, durch gezielten Blickkontakt zu einzelnen Personen die beiden Seiten und die Mitte des Saales anzusprechen.
Durch den erfolgreichen Blickkontakt wird das Umfeld der Person, die Sie anschauen einbezogen. Es entsteht dort ein Wir-Gefühl der Solidarität und dies verstärkt den wohltuenden Eindruck im Publikum, ebenfalls angesprochen zu sein. So kann es Ihnen gelingen, durch Blickkontakt mit relativ wenigen, aber strategisch gut platzierten Personen sehr große Teile des Saales anzusprechen.
Auch der Saal hat eine Körpersprache, die es im Blick zu behalten und zu beachten gilt.
Zunächst und vor allem muss Ihre Körpersprache die Klarheit und zentrale Botschaft Ihrer Rede unterstützen. Die Zuhörer dürfen nicht von den Kernaussagen abgelenkt oder verwirrt werden. Auch soll die Körpersprache dem Saal signalisieren, dass Sie ungezwungen auftreten, Selbstvertrauen ausstrahlen und professionell arbeiten.
Bei einem interessanten, fesselnden Vortrag kann eine symbiotische Wechselwirkung zwischen Redner und Zuhörern entstehen. Die dabei entstehende Atmosphäre im Raum lässt sich durch gut verständliche Bilder beschreiben. Die Zuhörer spitzen ihre Ohren, hängen wie gebannt an den Lippen des Redners, saugen seine Worte förmlich auf und werden von seiner Begeisterung schier mit- und von den Stühlen gerissen. Von seinem Humor werden sie angesteckt, und die Spannung der gekonnt vorgetragenen Schlusspassage lässt den Beifall aufbranden bis hin zu stehenden Ovationen.
Wenn Trauriges oder Schreckliches zu berichten ist, kann der Saal auch verstummen, wie erstarrt erscheinen oder wie versteinert dasitzen. Die Zuhörer können durch Erzählungen besonders trauriger Ereignisse zu Tränen gerührt werden. Schauergeschichten können zu Unsicherheit und Angst führen, die Zuhörer wirken beklommen, die Gesichter verfärben sich oder verlieren ihre Farbe. Auch Wut und Hass lassen sich schüren, wenn ein schwarzes Schaf oder die Verursacher allen Übels gemeinsam ausgemacht worden sind.
Ein erfahrener Redner erkennt die Reaktionen und Stimmungen im Saal und kann auch versuchen, die Stimmungen zu beeinflussen oder zu steuern. Dagegen missbrauchen Demagogen (»Volksverführer«) die Redekunst, um Menschen(mengen) stimmungsmäßig in bestimmte Richtungen zu lenken. Es geht ihnen nicht primär um den Wahrheitsgehalt des von ihnen Vorgetragenen, sondern darum, eine bestimmte Wirkung willentlich zu erzeugen. Demagogische Redner treten insbesondere im religiösen und politischen Bereich auf. Durch die Polarisierung eng verwandter Gefühle versuchen sie, die Zuneigung oder Liebe zu einem Vorbild, Führer oder göttlichen Wesen zu entflammen bzw. im Gegenzug den Hass auf »die Anderen« zu erzeugen. Solche Personen treten zu allen Zeiten und überall auf. In unserem Kulturkreis zum Beispiel rücken in den letzten Jahren immer wieder fanatisierte »Hassprediger« in den Vordergrund, die die einzig korrekte Auslegung des Korans für sich in Anspruch nehmen.
Unterhalb dieser Extreme gibt es noch weitere Symptome für die Körpersprache des Saales. Ein Redner kann den Kontakt zum Saal auch dadurch verlieren, dass er »über die Köpfe« hinweg spricht. Er überfordert dann sein Publikum. Er kann es auch durch zu simple Mitteilungen und primitive Botschaften unterfordern. Das müssen Alarmzeichen für den aufmerksamen Redner sein. Der Saal ist bei solchen Anzeichen dabei, sich vom Redner und seinem Vortrag abzuwenden. Die Präsentation droht zu scheitern. Wenn der Redner sich darum nicht kümmert, sondern stur »seine Nummer« durchzieht, wird er versagen. Er kommt dann zwar über die Zeit, aber seine Rede war nutzlos, denn sie stieß auf »taube Ohren« und fand keine Resonanz, war also »in den Wind« gesprochen. Also müssen Sie als Redner sofort eingreifen, wenn die ersten Anzeichen nachlassender Aufmerksamkeit des Saales Sie erreichen:
• kein Blickkontakt mehr,
• Augen fallen zu, wandern, verdrehen sich,
• Zuhörer schlaffen ab, ermüden, verlieren den Faden,
• Unruhe setzt ein; räuspern, hüsteln, flüstern, tuscheln; Füße werden gescharrt,
• einige Zuhörer stehlen sich aus dem Saal; stimmen »mit den Füßen« ab.
Versuchen Sie, den ganz wichtigen Blickkontakt wieder herzustellen, und das zunächst bei strategisch wichtigen Personen im Saal. Durch eine geschickt eingelegte kurze Pause, rhetorische Frage, Zwischen-Zusammenfassung können Sie die Aufmerksamkeit wieder steigern. Bei einem trockenen Thema hilft ein Witz, eine Aufheiterung. Wenn dies alles nicht fruchtet, bleibt Ihnen manchmal nichts anderes übrig, als explizit das bevorstehende Ende des Vortrags anzukündigen. Das müssen Sie dann rasch schaffen nach dem Motto: »Das Ende mit Schrecken ist immer noch besser als ein Schrecken ohne Ende«.
Vorbemerkung zur Physiologie
Seien Sie sich vor Ihren Auftritten stets bewusst, dass Sie körperliche Grundlagen mitbringen, über die Sie selber eventuell gar nicht viel wissen, die Sie vielleicht auch gar nicht besonders bemerken.
Sie müssen Luft holen, atmen, möglicherweise schwitzen Sie auch vor Nervosität oder wegen zu hoher Temperatur im Saal. Sie blinzeln mit den Augen, ab und zu schlucken Sie oder müssen sich räuspern. Vielleicht zittern auch Ihre Hände und Arme vor und während des Auftritts. Alle diese Vorgänge sind völlig normal und bieten keinen Anlass zur Besorgnis. Aber Ihre Zuhörer nehmen die körperlichen Äußerungen wahr, und wenn sie zu stark ins Spiel kommen, können sie für das Publikum zur Störung, vielleicht sogar zum Ärgernis werden oder auch zur Erheiterung beitragen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie um Ihre körperlichen Grundlagen wissen und sich bei Ihren Vorträgen selbst beobachten oder von Freunden beobachten lassen.
Marotten und irritierende Angewohnheiten sollten Sie vermeiden, besser noch ganz ablegen. Versuchen Sie immer wieder, Ihre Atmung zu kontrollieren, um ruhig und ausgeglichen zu bleiben. Atmen Sie langsam und gleichmäßig, verfallen Sie unter Stress nicht in ein flaches Hecheln oder gar in Schnappatmung.
Wenn Sie einen Vortrag oder eine Rede halten sollen, noch dazu in einer Fremdsprache, können sich Angstgefühle einstellen (Kap. 3.1.2.7). Das ist ein völlig normaler Vorgang. Was kann Angst in solchen Situationen bewirken? Nun, Sie kann Ihre Körperhaltung beeinflussen. Wer Angst verspürt, versucht vielleicht, vor der Gefahr zu fliehen, sich wegzuducken. Unwillkürlich werden die Schultern eingezogen, das Körpergewicht ständig von einem Bein auf das andere verlagert. Der Blick geht auf den Boden, den leeren Raum im Saal, zum Fenster hinaus oder gegen die Decke. Redner, die von der Angst nicht wegkommen, drehen den Körper auch immer wieder zur Rückwand und betrachten die Folien oder irgendwelche Grafiken auf dem Flipchart. Dazu sprechen sie noch Teile ihres Vortrags gegen die Wand anstatt sich dem Saal zuzuwenden. Der Blickkontakt mit den Zuhörern wird immer wieder unterbrochen, die emotionale Beziehung zum Publikum wird brüchig und gar nicht erst richtig aufgebaut.
Was können Sie tun, um diese Ängste abzubauen und die damit verbundenen, mitunter gravierenden Fehler zu vermeiden? Versuchen Sie ganz bewusst, Ihre Körperhaltung zu kontrollieren. Sie brauchen festen Boden unter den Füßen und Bodenhaftung. Deshalb ist in der Ausgangsposition eine stabile Haltung einzunehmen. Sie müssen sich auf Ihre Stützmuskulatur verlassen können, denn diese hat die Aufgabe, Ihr Körpergewicht zu tragen. Sie sind deshalb gut beraten, sich zu bewegen und ganz gezielt regelmäßig etwas zum Erhalt und Aufbau Ihrer gesamten Stützmuskulatur zu tun.
Stabile Haltung:
• Füße etwa schulterbreit
• Möglichst in einer Linie mit den Beckenknochen
• Fußspitzen etwa 10 Grad nach außen
• Knie nicht völlig durchdrücken, um Gelenke zu entlasten
Abb. 2: Die günstige Ausgangsposition einer Rednerin
Abb. 3: Die günstige Ausgangsposition des Redners – Variante 1 Geöffnete Haltung und dem Publikum gezeigten lockeren, offenen Händen sollen signalisieren: ich bin offen und ehrlich
Abb. 4: Die günstige Ausgangsposition des Redners – Variante 2 Aufrecht, gerade, Arme breit auseinander: ich bin offen, ich stehe vorne und spreche zu euch allen
Abb. 5: Die günstige Ausgangsposition des Redners – Variante 3 Redner ist entspannt, offen und wendet sich der rechten Seite des Saales zu
Starke und souveräne Körperhaltung
Vor dem Beginn Ihrer Rede sollten Sie sich noch nicht im Raume bewegen oder aus unerfindlichen Gründen auf der Bühne hin und her laufen. Bleiben Sie mittig stehen, schauen Sie zu Beginn Ihrer Rede dem Publikum frontal ins Gesicht. Die Ansprache beider Seiten des Saales können Sie in dieser Haltung durch leichte Bewegungen aus der Hüfte heraus erreichen.
Wenn Sie in dieser wichtigen Eröffnungsphase zu Beginn der Rede von sich selber wissen, dass Sie aufrecht stehen, groß wirken, die Schulter zurückgenommen und das Kinn gehoben haben, ist bereits viel gewonnen. Während der ersten Sätze ist es nicht nötig, dass Sie sich von der Stelle bewegen. Aus der Wahrnehmung des Saales heraus wirken Sie bei Berücksichtigung dieser Punkte selbstsicher und souverän. Das Problem von Angst, Hemmung und Lampenfieber tritt in den Hintergrund oder schwindet gänzlich.
Tipp: So signalisieren Sie Stärke
Mit bestimmten Körperhaltungen werden während Ihrer Rede Hormone freigesetzt, die Ihr Bewusstsein und Ihre Gefühle positiv beeinflussen, Testosteron und niedriges Cortisol. Die Kombination führt zu Stärke und Selbstbewusstsein. Solche Haltungen sind z. B.
• Hände auf die Hüften, Ellenbogen weit ausgestreckt,
• Arme so breit wie möglich ausstrecken (Klafter),
• Arme nach oben, weit über den Kopf hinaus, den Himmel greifen.
Schwache und spannungslose Körperhaltung
Immer wieder können Sie Personen beobachten, die mit schlurfenden Schritten, hängenden Schultern und unstetem Blick versuchen, eine Rede oder einen Vortrag zu halten. Verschärfend kommt dann noch dazu, dass Gestik und Reaktionen ohne Dynamik durchgeführt werden. Ein echter Blickkontakt mit dem Saal wird nicht hergestellt. Personen mit einer solchen Art des Auftritts verspielen viel an möglichem Kredit. Sie werden es sehr schwer haben, andere anzuspornen oder zu Aktivitäten und Maßnahmen zu bewegen. Denn sie selber vermitteln den Eindruck, gleichgültig und antriebslos zu sein.
Angespannte Körperhaltung
Andererseits kann die Körperspannung zu intensiv sein. Dabei sind dann die Schultern hochgezogen, die Halsmuskulatur wird stark angespannt. Im Gesicht spielt sich wenig ab, die Augen sind auf einige wenige Punkte fixiert. Die Person bewegt sich zudem unnatürlich steif durch den Raum und über die Bühne. Durch eine solche Haltung bringen Sie dem Saal zum Ausdruck, wie anstrengend der Auftritt für Sie ist und mit wie viel Einsatz von Energie Sie versuchen, heil über die Runden zu kommen, ohne die Kontrolle über die Lage zu verlieren.
Von Anspannung, Angst und Furcht geprägt wirkt Ihr Auftritt insbesondere dann, wenn Sie versuchen, sich vor dem Publikum zu verstecken. Dabei wird der Oberkörper nach vorne gebeugt, der Kopf gesenkt. Blickkontakt mit einzelnen Personen wird möglichst vermieden. Stattdessen schauen Sie misstrauisch von unten nach oben. Durch bestimmte Gesten und Haltungsänderungen wird zudem deutlich, dass Sie den Körper schützen, eventuell erwarten Sie unbewusst plötzlich Schläge aus dem Hinterhalt. Mit einem Redner, der sich weg duckt und verängstigt wirkt, kann ein Saal nicht viel anfangen.
Ganz anders und sehr positiv wirken Sie, wenn Ihr Auftritt frisch und frei daher kommt. Das Publikum nimmt unbewusst sofort dankbar wahr, dass die Spannungsverhältnisse des Körpers mit dem Innenleben harmonisch zusammenwirken, und umgekehrt. Wenn Sie zugleich locker statt verkrampft und dennoch aufrecht stehen, wirken Sie offen und für Neues zugänglich. Ein direkter Blick aus einem freundlichen Gesicht macht Sie, ohne dass überhaupt ein Wort gesprochen wird, zu einer sympathischen Erscheinung. Damit haben Sie hinsichtlich Ihres dann folgenden Vortrags bereits die »halbe Miete« drin. Denn die Erfahrung lehrt, dass mit einer offenen, stimmigen und sympathischen Körpersprache zumeist auch eine gelungene Rede einhergeht.
Blickkontakt
Blickkontakt ist in allen Kulturen wichtig. Es bestehen unterschiedliche, ungeschriebene »Regeln« darüber, wer wen und wie lange anschaut. Nicht-Muttersprachler können den Blickkontakt zu ihrem Auditorium aus mehreren Gründen verlieren. Sie versuchen, sich an bestimmte Vokabeln zu erinnern und schauen dabei nach oben und weg vom Saal. Oder sie starren auf die PowerPoint Wand, wo alle die Worte stehen, derer sie sich zu erinnern versuchen.
Aufgeregte und nervöse Redner neigen auch dazu, sich auf eine bestimmte, dominierende Person im Saal zu konzentrieren und alle anderen zu übersehen. Das geschieht vor allem in Reden vor kleineren Gruppen. Die Studentin oder der Student schaut dann stets auf die im Raume anwesende Lehrperson.
Noch intensiver ist die Fixierung auf die wichtige Figur im Raum bei Studenten, die aus Kulturräumen mit stark ausgeprägten Hierarchieebenen stammen. Der Blick bleibt dann dort haften, wo die größte Autorität und Machtfülle vermutet wird.
Was können Sie tun, um guten Blickkontakt zu halten?
Halten Sie Blickkontakt, während Sie nach Worten suchen. Falls das schwierig ist, schieben Sie eine Frage ein, z. B.: »Wie soll ich das ausdrücken?« oder »Was wäre ein gutes Beispiel?« Dadurch wird der Eindruck erweckt, dass Sie nach guten Gedanken suchen statt lediglich nach Worten. (Dignen, 2012, S. 38-45)
Anstatt die Präsentation an der Wand anzustarren und zu sprechen, dieses üben: Zeigen, umdrehen, sprechen. Als erstes also auf die in Rede stehende Stelle der Präsentation zeigen. Danach umdrehen und den Saal anschauen. Wenn der Blickkontakt wieder hergestellt ist, mit dem Reden beginnen. »Der Blickkontakt ist nicht nur ein Zeichen für den Mitteilungswillen, sondern der Zuhörer fühlt sich angesprochen.« (Pabst-Weinschenk, 2000, S. 35)
Um zu vermeiden, dass Sie sich nur auf eine bestimmte Person(nengruppe) im Saal konzentrieren, bauen Sie Fragen wie »Was halten andere davon?« oder »Gibt es andere Meinungen dazu?« ein.
Mimik und Gesichtsausdruck
Heilmann (2011, S. 54) definiert Mimik kurz und griffig als Bewegungen der Gesichtsmuskulatur eines Menschen.
Anthropologen haben eine Anzahl weltweit bzw. kulturübergreifend gültiger menschlicher Gesichtsausdrücke herausgearbeitet – lächeln, das Gesicht verziehen, Augenbrauen hochziehen usw., mit denen Gefühle wie Freude, Wut, Trauer und Angst gezeigt werden. Die Reaktionen auf bestimmte Gesichtsausdrücke können jedoch unterschiedlich ausfallen. Für viele Menschen bedeutet z. B. ein lächelndes Gesicht den Ausdruck von Höflichkeit, Freundlichkeit und Vertrauen. Für viele andere wiederum ist genau dieses Verhalten ein Ausdruck von Nervosität, Oberflächlichkeit und mangelnder Professionalität.
Abb. 6: Idealisierte Mimik bei den Emotionen Freude und Angst
Abb. 7: Idealisierte Mimik bei den Emotionen Ekel und Staunen
Abb. 8: Idealisierte Mimik bei den Emotionen Wut/Hass und Trauer
Es ist schwierig, eine bestimmte Mimik bei Reden oder Vorträgen zu empfehlen, auch hier gibt es kein Patentrezept. In jedem Fall sollten Mimik und Gesichtsausdruck zu Thema und Form des Vortrags bzw. der Rede passen – andernfalls entstehen weitreichende Irritationen. Um zu vermeiden, dass Ihnen die Züge entgleiten und Sie im wahrsten Wortsinne das Gesicht verlieren, sollten Sie sich folgende Fragen stellen und gezielt Übungen dazu durchführen, z. B. mithilfe von Videoaufzeichnungen oder durch genaue Beobachtung von Externen:
• Was ist mein Gesichtsausdruck?
• Bin ich sehr ausdrucksstark oder nur mäßig ausdrucksstark?
• Welche Gesichtsausdrücke lassen mich sicher und professionell erscheinen und unterstützen die Aussagen in meinem Vortrag?
• Welche Gesichtsausdrücke lassen mich noch sicherer erscheinen?
• Welche Gesichtsausdrücke lenken die Zuhörer vom Inhalt meines Vortrages ab?
Echtes und aufgesetztes Lächeln/Grinsen – Gefühle
Bei unterschiedlichen Gesichtsausdrücken werden vor allem die Augenpartie und der Mund wahrgenommen. Bekannt, gleichwohl auch von geübten Rednern oft unterschätzt, ist die immense Wirkung eines echten und aufrichtigen Lächelns.
Wenn einem Redner in bestimmten Situationen ein echtes Lächeln nicht gegeben ist oder nicht zustande kommt, wird oft versucht, mit einem gekünstelten durchzukommen und dieselben Wirkungen zu erzielen. Dabei entsteht dann sehr oft ein künstliches Grinsen. Es wird verursacht durch die Muskeln um den Mund, die Augenmuskeln sind nicht beteiligt. Aus der politischen Klasse ist dieses in ein aufgesetztes Grinsen abgleitende Lächeln bekannt. Auf Dauer lassen sich die Zuschauer und Zuhörer davon nicht beeindrucken. Im Gegenteil, vielfach wird es als lästig oder debil eingestuft.
Vermeiden Sie also unter allen Umständen, ein nicht authentisches, gekünsteltes Grinsen – ihr Publikum dankt es Ihnen nicht!
