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Ob Hochgebirge, wilde Küste, Prärie oder endlose Wälder: Das zweitgrößte Land der Erde ist landschaftlich enorm vielfältig. Ein Roadtrip ist bei den Dimensionen ein Muss, wenn man Kanada auf eigene Faust entdecken will. Dieser Reiseführer stellt verschiedene Routen samt Sehenswürdigkeiten und Unterkünften vor, die je nach Zeit und Abenteuerlust ein paar Tage oder Wochen dauern können – vom Städtetrip im Osten bis zum langen Highway in den Norden.
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Seitenzahl: 274
Veröffentlichungsjahr: 2025
ÜBERSICHTSKARTE
WILLKOMMEN IN KANADA
OZEANE, BERGE, WÄLDER
UNSER NACHHALTIGKEITSKODEX
ROUTE 1: IM SÜDEN VON NOVA SCOTIA Küstentour auf Kanadisch
1Halifax / Quirlige Seestadt
2Kejimkujik-Nationalpark / Die einsame Seite
Bär, Bison und Pika /Wildlife am Straßenrand
3Cape Forchu / Kein gewöhnlicher Turm
4Digby Neck & Long Island / Steilküste und Gezeiten
ROUTE 2: IM NORDEN VON CAPE BRETON Unterwegs auf dem Cabot Trail
1Baddeck / Am Salzwassersee
2St. Ann’s Bay / Die Kunsthandwerk-Route
3Cape Breton Highlands National Park / Wanderparadies am Meer
4White Point / Den Ozean zu Füßen
5Nordküste / Raues Ende der Insel
ROUTE 3: VON PORT AUX BASQUES NACH ST. JOHN’S Quer durch Neufundland
1Gros Morne National Park / Geologie in ihrer schönsten Form
2Twillingate / Bei den kalten Kolossen
3Terra Nova National Park / Schwarzfichten und Schwarzbären
4Halbinsel Bonavista / Aussicht mit Vergangenheit
5St. John’s / Kanonen und Kneipen
ROUTE 4: AUF DEM HIGHWAY DURCH DEN OSTEN Gezeiten und Großstädte
1Hopewell Rocks / Felsen wie Blumentöpfe
2Québec City / Das Schloss am breiten Fluss
3Montréal / Metropole mit grüner Mitte
4Ottawa / Die junge Hauptstadt
ROUTE 5: IM SÜDEN ONTARIOS Eine Runde um Toronto
1Toronto / Für Filme wie geschaffen
2Niagarafälle / Zwei Länder, drei Fälle
Meine Top-Ten-Reiseziele in Kanada
3Algonquin-Provinzpark / Auf den Spuren der Gletscher
4Prince Edward County / Ab auf die Sommerinsel
ROUTE 6: DURCH DIE PRÄRIEN Willkommen in der Weite
1Winnipeg / Schatz im Landesinneren
2Regina / Heimat der Mounties
3Grasslands-Nationalpark / Wo Bisons grasen
Beste Feste
4Drumheller / Hauptstadt der Dinosaurier
5Calgary / Tor zu den Rockies
ROUTE 7: AUF DEM TCH DURCH DIE BERGE Der spektakuläre Westen
1Banff-Nationalpark / Wo alles begann
Der perfekte Tag
2Yoho-Nationalpark / Herrliche Aussichten
3Glacier-Nationalpark / Zwischen Wald und Eis
4Mount-Revelstoke-Nationalpark / Roadtrip auf den Berg
5Thompson Valley / Provinz der Gegensätze
ROUTE 8: ICEFIELDS PARKWAY Traumstraße durch die Rockies
1Lake Louise / Mehr als Seen sehen
2Columbia Icefield / Den Gletschern ganz nah
3Jasper / Nationalpark aus der Asche
ROUTE 9: DIE SÜDLICHEN ROCKY MOUNTAINS Über die Pässe und durchs Vorland
1Peter Lougheed Provincial Park / Die Seen von Kananaskis
2Highwood Pass / Alpine Fauna am Straßenrand
3Bar U Ranch / Farmleben von ehedem
4Waterton-Lakes-Nationalpark / Park über Grenzen
5Crowsnest Pass / Wo die Kohle liegt
ROUTE 10: QUER DURCH VANCOUVER ISLAND Von Vancouver in die Wildnis
1Vancouver / Zwischen Gischt und Gipfeln
2Victoria / Die Gartenstadt
3Pacific Rim National Park / Wälder, Wale, Strände
4Strathcona Park / In die wilden Berge
Bootstour durch die Inside Passage/ Historische Schifffahrt
ROUTE 11: AUF DEM YELLOWHEAD HIGHWAY Ab durch die Mitte in British Columbia
1Stewart und Hyder / Ausflug nach Alaska
2Hazelton / Das Zuhause der Gitxsan
3Prince George / Die nördliche Hauptstadt
4Mount Robson Provincial Park / Stolze Kulisse
ROUTE 12: ALASKA & KLONDIKE HIGHWAY Faszination Yukon
1Stone Mountain und Muncho Lake / Hier enden die Rocky Mountains
2Whitehorse / Treffpunkt am Yukon
Spektakel bei Nacht/ Wo das Polarlicht tanzt
3Dawson City / Glückssuche im hohen Norden
Lauras Roadtrip-Playlist/ Musik aus allen Ecken
REGISTER
BILDNACHWEIS
IMPRESSUM
Tipi vor Sternenhimmel in den Prärien
Die »Blumentöpfe« am Kap Hopewell
Trail am Sulphur Mountain
Der Hafen von Montréal
Im Beacon Hill Park in Victoria
Myra Falls auf Vancouver Island
Dampfuhr in Vancouvers Altstadt
WILLKOMMEN IN KANADA
Kanada ist ein Sehnsuchtsziel: Die rauen Küsten, die bunten Herbstwälder, die Weite der Prärien, die Rocky Mountains und nicht zuletzt die Gastfreundlichkeit der Kanadier lohnen die weite Anreise aus Europa. Wer den »wahren Norden, stark und frei«, wie es in der Landeshymne heißt, einmal kennengelernt hat, kehrt oft zurück. Denn das zweitgrößte Land der Erde hat Potential für viele Roadtrips.
Fast zehn Millionen Quadratkilometer umfasst Kanada – nur Russland ist größer. Es erstreckt sich zwischen Atlantik- und Pazifikküste sowie zwischen den USA im Süden und dem Arktischen Ozean im Norden. Dabei durchläuft es drei Klimazonen, von polar bis gemäßigt. Während der hohe Norden von Tundra geprägt ist, wachsen im Südwesten Regenwälder. In Kanada trifft bisweilen Borealer Nadelwald auf Grasland in den Prärien – und Hochgebirge auf Flachland. Der höchste Berg in den Rocky Mountains, der Mount Robson, erreicht eine Höhe von 3.954 Metern, der Mount Logan im Yukon kommt sogar auf 5.959 Meter.
ist das Nationaltier Kanadas. Damit soll an den Pelzhandel erinnert werden, der eine große Rolle in der Landesgeschichte spielte, aber beinahe zur Ausrottung des Bibers geführt hätte. Heute ist er nicht nur auf der 5-Cent-Münze zu sehen, sondern auch wieder weit verbreitet. Wer ihn bei der Arbeit beobachten will, hat dazu etwa bei einem Abendspaziergang auf dem Biber-Holzweg von Hinton in Alberta Gelegenheit.
Menschen leben in Kanada, Tendenz steigend. Auf mehr als 16 Millionen kommt dabei allein die Provinz Ontario mit der stark bevölkerten Metropolregion um Toronto. Insgesamt gehört Kanada mit vier Einwohnern pro Quadratkilometern aber zu den dünn besiedelten Ländern, wozu die einsamen nördlichen Provinzen statistisch viel beitragen.
legt der Trans-Canada Highway von St. John’s auf Neufundland bis Victoria auf Vancouver Island zurück. Damit gehört er in die Top Ten der längsten Straßen der Welt. Er führt durch die zehn Provinzen im Süden des Landes und verbindet die meisten großen Städte miteinander.
und elf Nationalpark-Reservate stehen unter dem Schutz von Parks Canada. Darüber hinaus bieten zahlreiche Schutzgebiete in den Provinzen Wander- und Campingmöglichkeiten. 1885 gegründet, ist der Banff-Nationalpark der älteste in Kanada. Aktuell befinden sich neue Nationalparks in der Warteschlange, denn bis 2030 will Kanada 30 Prozent der Landesfläche unter Schutz stellen.
rote Stühle stehen an Aussichtspunkten in den Nationalparks. Die sogenannten Adirondack Chairs laden zum Ausruhen und Fotografieren auch an weniger bekannten Orten ein, unter #ShareTheChair werden die Fotos online geteilt.
der Welt steht in Medicine Hat in Alberta. Es wurde für die Olympischen Winterspiele 1988 in Calgary gebaut. Platziert an archäologisch bedeutsamer Stelle, ist es vom Trans-Canada Highway aus zu sehen.
liegt der höchste Gebirgspass des Landes am Highway 40 in Kananaskis, der Bergregion südlich von Banff in Alberta. Die Asphaltstraße über den Highwood Pass ist vom 1. Dezember bis 14. Juni gesperrt. Im Hochsommer blühen die Bergwiesen.
Täglich frisch: das Angebot in der Markthalle auf Granville Island in Vancouver
OZEANE, BERGE, WÄLDER
Wer sich das zweitgrößte Land der Erde vornimmt, steht vor der Qual der Wahl: Soll es die Ost- oder die Westküste sein? Großstadt oder einsamer Norden? Die Rocky Mountains oder die Prärie? Kein Wunder, dass viele Reisende zu Wiederholungstätern werden …
So wie hier am im Yukon lässt sich in Kanada vielerorts unberührte Natur entdecken.
Wer Jack Londons Ruf der Wildnis nach Dawson gefolgt, wer mit Anne auf Green Gables über Prince Edward Island getollt ist oder mit Heath Ledger und Jake Gyllenhaal am Brokeback Mountain campte, kennt sie: die Sehnsucht nach Kanada. Nach den Weiten Nordamerikas, den Steppen aus den Cowboy-Filmen, nach den endlosen Wäldern, in denen Bären und Wölfe leben, nach einsamen Straßen und beeindruckenden Gipfeln und Gletschern. Reisende, die den Flug über den Atlantik auf sich genommen haben, kehren mit Geschichten über Tierbegegnungen, herrliche Landschaften und offene, hilfsbereite Menschen zurück. Aber auch voller Verwunderung über die Distanzen: Wer sich jenseits der Ballungsräume bewegt, braucht mitunter Stunden bis zur nächsten Ortschaft und auch eine Tankstelle ist nicht schneller gefunden.
Eine Rundreise durch ganz Kanada kommt aufgrund der langen Strecken kaum infrage. Die meisten Touristen entscheiden sich für einen Teil des Landes: Sie fliegen in den Osten nach Halifax oder Toronto, um die Küstenlandschaften Nova Scotias, die Metropolen, die Großen Seen und Wälder zu erkunden. Oder der Weg führt nach Westen, wo die Rocky Mountains, Vancouver und die gleichnamige Insel locken. Manch einer wählt bewusst die Routen in den hohen Norden, um noch mehr Wildnis und Ruhe, aber auch urige Kleinstädte zu erleben.
Doch egal, wie das Ziel lautet: Auf Rädern kommt man immer noch am besten in Kanada voran – trotz der Distanzen. Dabei geht es vergleichsweise gemächlich zu: Schneller als 110 Stundenkilometer darf nirgends gefahren werden. Was die Route 66 oder der Highway 20 für die USA sind, ist der Trans-Canada Highway für Kanada. Die gewaltige Fernstraße verbindet Osten und Westen, Atlantik und Pazifik, quert Gebirge und Steppe. Alle zehn Provinzen und die meisten großen Städte erreicht der Trans-Canada Highway, der mit einem weißen Ahornblatt auf grünem Grund gekennzeichnet ist. 1950 hatte der Ausbau der Route begonnen, die erst 1971 fertiggestellt werden konnte. Seither sind im Osten noch einige Verzweigungen entstanden.
Einen Startpunkt, die Mile Zero, gibt es sowohl in St. John’s auf Neufundland als auch in Victoria auf Vancouver Island. Zwar wäre es der ultimative Roadtrip, beide Orte zu verbinden, aber dafür bräuchte man mindestens neun Tage – bei acht Stunden täglicher Fahrzeit.
Manche Strecken lohnen auch eine Befahrung im Winter, etwa der fast 5.000 Kilometer lange Abschnitt von Halifax nach Calgary. Die eisigen Landschaften und hübsch verschneiten Städte, die sich in diesem Buch vereinzelt finden, zeugen von den Ganzjahresqualitäten des Trans-Canada Highways, der – anders als viele deutsche Autobahnen – mit grandiosen Aussichten und zahlreichen Sehenswürdigkeiten punkten kann.
Seit 1970 gibt es eine Nordvariante, den Yellowhead Highway, der bei Winnipeg vom Trans-Canada Highway abzweigt und nach Nordosten an die Pazifikküste führt. Er ist für all jene interessant, die von Edmonton im Norden von Alberta in Richtung Rockies starten oder die Fähre von Vancouver Island nach Prince Rupert nehmen, die sogenannte Inside Passage, und dann nach Südosten weiterfahren. Eine bedeutende Route, die noch höher in den Norden führt, ist der Alaska Highway. Er beginnt in Dawson Creek in British Columbia und endet fast 2.200 Kilometer später in Delta Junction in Alaska. Nur zum Vergleich: Das entspricht ziemlich genau der Distanz von Berlin nach Istanbul.
Nach Jahrhunderten der Unterdrückung tragen viele indigene Menschen wieder stolz ihre traditionelle Montur auf Festen.
Aber es gibt auch bedeutend kürzere sehenswerte Strecken, die Vielfalt bieten und in ein paar Tagen gefahren werden können: Der Cabot Trail an der Ostküste, der Pacific Rim Highway auf Vancouver Island und der Icefields Parkway durch die Rockies seien an dieser Stelle kurz erwähnt.
Wer sich in Kanada auf einen Roadtrip begibt, sollte in jedem Fall die Distanz bis zur nächsten Tankstelle kennen und das Wetter, je nach Region, im Blick behalten. Viele Mietwagen haben ohnehin Allwetterreifen aufgezogen, sodass eine Tour zu jeder Jahreszeit möglich ist. Schnell geräumte Straßen darf man aber nicht überall erwarten.
Skifahren in den Rockies, Eislaufen auf dem Lake Louise: Für solche Erlebnisse muss man winterliche Straßenbedingungen in Kauf nehmen. Die beste Reisezeit für einen Roadtrip reicht in der Regel jedoch von Mai bis Oktober, wobei in den Bergen im Frühjahr und Herbst auch Straßen und Wanderwege wegen Schnee und Lawinengefahr gesperrt sein können. So ist der Zugang zum berühmten Moraine Lake nur von Juni bis Oktober (im Shuttle-Bus) möglich, weil die einzige Straße zu dem Bergsee regelmäßig Schneefall und Lawinen ausgesetzt ist.
Zur Grundausstattung bei einer Rundreise – vor allem im Westen und Norden – gehört in Kanada Bärenspray. Die Sprühdosen gibt es unter anderem in Bau- und Automärkten wie Canadian Tire oder auch in Outdoorgeschäften. Korrekt angewendet, soll das Capsaicin-haltige Spray angreifende Bären zur Flucht bewegen. Die meisten Reisenden und selbst die Einheimischen werden nie in die Situation geraten, das Spray einsetzen zu müssen, aber wer im Bärenland unterwegs sein und auch wandern gehen will, sollte es besser dabeihaben, aufmerksam und geräuschvoll sein.
Neben einer guten Playlist (siehe Seite 184) gehören zu einem langen Roadtrip natürlich Snacks und Kaffee. Beliebt bei Einheimischen wie Touristen sind die Zwischenstopps bei Tim Hortons, Kanadas bekanntester Fast-Food-Kette, die von dem Eishockeyspieler Tim Horton 1964 als Kaffee- und Donutladen gegründet wurde. Wenn Sie dort jemanden einen Double-Double bestellen hören, bekommt er oder sie den Kaffee mit je zwei Portionen Zucker und Kaffeesahne. Der Geschmack ist, nun ja, Geschmackssache, aber mit Timbits, gebackenen Donutkugeln, wird daraus ein süßer Genuss – und los geht die Fahrt. Wer sich von mitunter langen, geraden Streckenabschnitten nicht abschrecken lässt, wird mit grandiosen Szenerien und einmaligen, auch tierischen Begegnungen belohnt.
Die Welt birgt viele Wunder, Abenteuer und spektakuläre Aussichten, die wir gerne erkunden möchten. Doch sie ist auch leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Hier ein paar Tipps, wie wir unsere Welt nachhaltig entdecken können:
Die Hauptsaison meiden: Wenn wir nicht gerade auf die Ferienzeiten angewiesen sind, können wir der Umwelt einen großen Gefallen tun, indem wir in der Nebensaison verreisen. Damit tragen wir zu einer gleichmäßigeren Auslastung der Umwelt und der Infrastruktur bei, und der Urlaub wird dazu auch noch wesentlich entspannter.Die Aufenthaltsdauer dem Reiseziel anpassen: Je weiter das Reiseziel ist, desto länger sollte der Aufenthalt sein. Dadurch lernen wir die Region nicht nur intensiver kennen, sondern stärken sie ganz nebenbei noch durch unsere Ausgaben vor Ort. Anfahrtsintensive Tagesausflüge sollten besser vermieden werden, das bedeutet nur Stress, sowohl für die Umwelt als auch für uns selbst.Umweltbewusst fahren: Reisen mit dem Auto oder Wohnmobil sind grundsätzlich umweltfreundlicher als mit dem Flugzeug, dennoch können wir noch mehr tun und zum Beispiel den Kraftstoffverbrauch minimieren, indem wir vorausschauend fahren, so wenig Last wie möglich mit uns führen und die Umgebung vor Ort mit dem Fahrrad oder zu Fuß erkunden.Nur dort parken und campen, wo es erlaubt ist: Selbst wenn wir uns noch so vorbildlich verhalten und unseren Aufenthaltsort so hinterlassen, wie wir ihn vorgefunden haben, stören wir den Lebensraum von Wildtieren und hinterlassen unsere Spuren und Gerüche. Auch Lagerfeuer entzünden wir ausschließlich an den dafür vorgesehenen Stellen und achten dabei auf Waldbrandstufen und Naturschutzgebiete.Ressourcen gewissenhaft nutzen: Manche Umweltressourcen sind bereits knapp, endlich sind auf jeden Fall alle. Um sie zu schonen, sollten wir sparsam mit ihnen umgehen, gerade in Gegenden, in denen zum Beispiel Wasser oder Strom nicht im Überfluss vorhanden sind.Ein guter Gast sein: Nachhaltig unsere Umgebung zu erkunden, bedeutet auch, der hiesigen Flora und Fauna mit Respekt zu begegnen. Pflanzen sollten auf keinen Fall gepflückt werden, aber sie stehen uns bestimmt gerne Modell für das eine oder andere Foto. Das Gleiche gilt für wilde Tiere: Wir füttern sie nicht, halten Abstand und beobachten sie aus der Ferne.Auf den Wegen bleiben: Wer die vorgegebenen Wege verlässt, dringt nicht nur in die Rückzugsräume heimischer Arten ein, sondern trägt auch dazu bei, dass sich neue Wege bilden, was zur Erosion des Bodens führt.Abfall wieder mitnehmen: Plastikverpackungen jeglicher Art, Dosen, Flaschen und Papiertaschentücher (es dauert Jahre, bis sich ein einzelnes Taschentuch vollständig abgebaut hat!) gehören nicht in die Natur, sondern artgerecht entsorgt. Am besten gleich eine wiederverwendbare Brotdose oder Trinkflasche mitnehmen. Dazu zählen natürlich auch Toilettenpapier und der Inhalt von (Chemie-)Toiletten. Entsprechende Entsorgungsstationen finden sich überall.Lokal kaufen: Dadurch lernen wir Land und Leute besser kennen und unterstützen die regionale Wirtschaft, außerdem sind regionale Produkte meist auch preisgünstiger und qualitativ hochwertiger.So, wie wir die Umwelt respektieren, wollen wir auch unseren Mitmenschen und deren Kultur Respekt entgegenbringen, gerade im Hinblick auf deren Traditionen, Religion oder typische Gebräuche. Ein Lächeln oder ein paar Worte in der Landessprache können bereits Berge versetzen!
Zwei jährliche Graffiti-Festivals bringen immer mehr Farbe auf Montréals Wände.
ROUTE 1: IM SÜDEN VON NOVA SCOTIA
Die kleine Provinz an der Ostküste ist der perfekte Einstieg ins Land – mit hübschen Orten, angenehmen Straßen, vielen Leuchttürmen, wilder Natur und vergleichsweise kurzen Entfernungen. Von der quirligen, weltoffenen Metropole Halifax bis zum einsamen Strand ist alles dabei.
Start: Halifax
Ziel: Grand Pré
Länge: 811 Kilometer
Dauer: 8 Tage
Beste Reisezeit: Juni bis September
Fischerei ist in Nova Scotia allgegenwärtig. Rustikal geht es im geschützten Hafen von Peggy’s Cove zu, nicht weit vom berühmten Leuchtturm.
Dieser Roadtrip wird uns von der Hauptstadt Halifax aus um den südwestlichen Teil von Nova Scotia führen. Die Halbinsel im Atlantik war von Mi’kmaq bewohnt, als im 17. Jahrhundert erst französische, dann britische und deutsche Einwanderer ins Land kamen. Heute hat die Provinz mehr als eine Million Einwohner, aber auch wildes Hinterland und eine weitgehend ruhige, zerklüftete Ostküste.
Wir verlassen Halifax auf dem Highway 3, der Lighthouse Route, nach Yarmouth. Er verläuft näher am Meer als der geradlinigere Highway 103 mit demselben Ziel. Vorerst fahren wir aber ab und biegen links auf die Straße 333 nach Peggy’s Cove ein. Das Fischerdorf ist für seinen mehr als 100 Jahre alten Leuchtturm bekannt – dem am häufigsten fotografierten in Nova Scotia. Wer übernachtet, kann den Spaziergang zu den alten Bootshäusern an der Bucht und auf die neue Aussichtsplattform mit etwas mehr Ruhe genießen.
Wir folgen der 333 weiter, nun mit Blick in die St. Margarets Bay. In Upper Tantallon geht es links zurück auf den Highway 3 (West) – oder auf den Highway 103, um schneller voranzukommen. Dem kehren wir spätestens an der Ausfahrt Mahone Bay für zwei sehenswerte Küstenstädte den Rücken zu.
Das idyllische Mahone Bay ist vor allem für seine drei Kirchen bekannt. Obwohl die Siedlung nur knapp über 1.000 Einwohner zählt, folgen an der Uferstraße United Church, St. John’s Church und St. James’ Church unmittelbar aufeinander. Am Ortseingang gibt es einen Aussichtspunkt. Die bunten Fassaden der Holzhäuser sowie eine Vielzahl kleiner individueller Läden und Bistros lassen sich bei einem Rundgang entdecken. Keine Viertelstunde Fahrt trennen es von Lunenburg, dessen Name von deutschsprachigen Einwanderern kündet, die sich hier 1751 im Auftrag der britischen Regierung ansiedelten. Wegen seiner Altstadt im typisch britischen Kolonialstil wurde Lunenburg 1995 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Sehenswert ist auch der Hafen mit dem Fischereimuseum und der Nachbau des berühmten Segelboots »Bluenose II«, das zu Hafenrundfahrten in See sticht.
Auch Merkwürdigkeiten wie die vermeintliche UFO-Absturzstelle bei Shag Harbour gibt es an der Lighthouse Route zu entdecken.
Für einen weiteren Exkurs in die deutsche Geschichte nehmen wir einen Umweg in Kauf. Wir starten auf dem Highway 3 weiter nach Bridgewater, wo er auf die 103 trifft. Etwa 20 Minuten später verrät das Schild am Exit 17A, wo es hingeht: East/West Berlin – und das ohne Zeitreise. Vorerst folgen wir der Straße für sieben Kilometer nach Port Medway, wo neben dem kleinen Leuchtturm von 1899 ein Picknickhäuschen zu einer Rast einlädt. Wir fahren die Straße ein Stück zurück, bis links die Eastern Shore Road abzweigt. Auf ihr erreichen wir erst West Berlin, biegen links ab und besuchen dann East Berlin. Die winzigen Siedlungen heißen keineswegs so, um der deutschen Teilung zu gedenken – sie tragen ihre Namen bereits seit dem 19. Jahrhundert. Nun locken sie deutsche Touristen in diese ruhige Ecke. Immerhin hat Nova Scotias Ost-Berlin einen Strand.
Von West Berlin fahren wir über Beach Meadows nach Brooklyn, wo wir wieder auf den Highway 3 treffen. Wir folgen ihm rund eine halbe Stunde bis zum Exit 22, der uns in die wilde Küstenlandschaft des Kejimkujik National Parks führt. Die St. Catherines River Road endet am Wanderparkplatz.
Zurück auf dem Highway 103, legen wir rund 70 Kilometer bis Exit 29 zurück, wo wir auf den Highway 3 nach Yarmouth wechseln. Unterwegs machen wir eine Pause in Shag Harbour am UFO-Landeplatz. Richtig gelesen: 1967 haben mehrere Bewohner des Fischerdorfs ein UFO ins Meer stürzen sehen. Daran erinnert ein Picknickplatz mit einem skurrilen Alien-Hummer.
Yarmouth war früher ein bedeutender Hafen für Segelboote. Heute legen hier Fischerboote und die Schnellfähre aus Maine an. Zeitzeugen des Golden Age of Sail sind die Kapitänshäuser in der Collins Street, nur einen Spaziergang von den Cafés in der Main Street entfernt. Auf der anderen Seite der Bucht steht das schlanke rot-weiße Cape Forchu Lighthouse, der höchste Leuchtturm Nova Scotias.
Wir verlassen Yarmouth auf dem Highway 1 nach Norden, dem Evangeline Trail. Die Westküste der Provinz wurde von französischen Siedlern, den Akadiern, geprägt. In Saint Bernard halten wir nach rund einer Stunde Fahrt an der gleichnamigen katholischen Kirche mit ihrer Granitfassade, die an europäische Kathedralen erinnert. Kurz darauf fahren wir auf die 101 Richtung Digby, biegen aber vorher nach Long Island ab. Das bringt uns auf die Digby Neck genannte Halbinsel und mit einer Fähre weiter nach Long Island an der Bay of Fundy zur Wal-Beobachtung.
Zurück auf dem Highway 101, halten wir uns Richtung Osten und nehmen am Exit 23 den Highway 1 nach Annapolis Royal. Dort besichtigen wir Fort Anne. Im Offiziersgebäude erzählt eine Ausstellung die Geschichte dieses einst umkämpften Orts. Gleich in der Nähe liegen die Historic Gardens, eine liebevoll gestaltete Parkanlage, wo man sich die Beine vertreten und selbstgemachte Eis-Sandwiches essen kann. Wir folgen dem Highway 1 nach Norden am Annapolis River entlang, bis die Straße bei Bridgetown auf die 101 Richtung Halifax abzweigt. Als letzter Stopp nach fast einer Stunde Fahrt bietet sich die UNESCO-Welterbestätte Grand Pré an. Dazu biegen wir nach Grand Pré ab und lassen uns vom Bibersymbol zur Historic Site leiten. Das Museum und ein Aussichtspunkt in der Nähe rücken die Kulturlandschaft in den Fokus, die die Akadier mittels Dammbau dem Marschland abgerungen haben.
EINKEHREN
EVAN’S SEAFOOD/DARTMOUTH
Das Fisch- und Meeresfrüchterestaurant in der Nähe des Fähranlegers wird von einem ehemaligen Fischer betrieben. Terrasse mit Blick auf Hafen und Skyline von Halifax. Auf der Karte stehen Nova-Scotia-Klassiker, aber auch kreative Fischgerichte wie Forellenburger und Jambalaya, evansfreshseafoods.com.
LIGHTSHIP BREWERY/LUNENBURG
Brauerei mit Café und Imbiss, schöner Aussicht auf Lunenburg von der Terrasse und einer Auswahl an Craft-Bieren und Cider. Dazu gibt es Pizza aus dem Holzofen oder Snacks, etwa Poutine und Lobster Mac N’Cheese, lightshipbrewery.ca.
THE SHANTY CAFÉ/YARMOUTH
Zwischen Hafen und Main Street, in einem auffälligen Steinhaus, empfiehlt sich das Café zum Frühstücken oder Mittagessen. Die Karte enthält kreative kanadische Klassiker und überrascht mit kubanischen Gerichten, instagram.com/shantycafe.
LONGFELLOW RESTAURANT/GRAND PRÉ
Erinnert an ein Diner mit Retro-Charme, serviert moderne regionale Küche aus frischen und guten Zutaten aus dem Annapolis Valley. Vom Frühstück bis zum Abendessen geöffnet, es gibt auch Kuchen. Auf dem Gelände der Evangeline-Pension, theevangeline.ca.
ÜBERNACHTEN
LIGHTHOUSE LANE COTTAGES/INDIAN HARBOUR
Sechs liebevoll eingerichtete Bungalows an der Küste, alle mit Bad, kleiner Küche und Terrasse sowie Zimmer samt Bad im Haupthaus mit Meerblick. Nur eine kurze Fahrt von Peggy’s Cove entfernt, lighthouselanecottages.ca.
THE QUARTERDECK RESORT/SUMMERVILLE CENTRE
Großes Resort in der Nähe des Summerville Beaches mit verschiedenen Unterkünften, von Apartments über Lofts bis zum Ferienhaus, einige direkt am Strand gelegen. Auf dem weitläufigen Gelände gibt es Spa-Angebote, Indoor- und Outdoorpool, Restaurant und Surfshop. 20 Kilometer vom Kejimkujik-Nationalpark Seaside, quarterdeck.ca.
DOCK AND DOZE MOTEL/BRIER ISLAND
Mini-Pension mit Ferienwohnung für drei bis fünf Personen und zwei Apartments, jeweils mit zwei Betten, kleinem Kühlschrank und Mikrowelle ausgestattet. Alle Zimmer mit TV, Wi-Fi und Privatbädern. Direkt an der Fähre mit tollem Blick auf Long Island und die Bucht, [email protected].
THE INN AT GRAND PRÉ WINERY/GRAND PRÉ
Frisch renoviertes, historisches Gasthaus auf dem Grundstück des ältesten Weinguts von Nova Scotia. Sechs verschiedene, komfortabel und schick eingerichtete Zimmer, alle mit Smart TV, Mini-Kühlschrank und privatem Bad. Das schmackhafte Frühstück ist inklusive, grandprewines.com.
Die Kirche von Saint Bernard lässt die französische Herkunft der Siedler erkennen.
HALIFAX
Obwohl kaum eine halbe Million Einwohner hier leben, fehlt es Nova Scotias Hauptstadt an nichts: Kultur, Kunst, vielfältige Restaurants – und zugleich sorgen die aufgeschlossenen Haligonians für Großstadtatmosphäre. Hinzu kommen wahre Traumstrände in Stadtnähe und eine eher ungewöhnliche Geschichte.
Auf den Holzstegen spazierengehen, Schiffe beobachten, Live-Musik lauschen oder in eines der Restaurants einkehren: Am Hafen von Halifax ist immer etwas los.
Schon beim Landeanflug auf Halifax besteht kein Zweifel: Die dichten Nadelwälder heißen einen in Kanada willkommen. Nova Scotia, etwa so groß wie Kroatien, hat nur knapp über eine Million Einwohner. Fast die Hälfte davon leben in Halifax, entsprechend dünn besiedelt ist der Rest der Provinz. Und das macht Halifax zu einem guten Ort zum Ankommen – übersichtlich, mit vielen Sehenswürdigkeiten und netten Bewohnern, den Haligonians.
Das Klima in Nova Scotia ist gemäßigt, aber mit einer Besonderheit: dem Küstennebel, der Halifax ein Drittel des Jahres im Griff hat. Das hat seiner Bedeutung als Hafenstadt keinen Abbruch getan: Halifax hat den ältesten Militärhafen im ehemals britischen Teil Nordamerikas. Seine Marinewerft wurde 1758 errichtet – unter der Aufsicht von keinem Geringeren als James Cook. Heute ist der Hafen ein bedeutender Umschlagplatz und ein guter Ausgangspunkt für einen Stadtrundgang.
Kilometerlang, vom Casino bis zum Discovery Center, führt eine hölzerne Promenade am Ufer entlang – mit Sitzgelegenheiten, Spielplätzen, Skulpturen und jeder Menge Shops und Essensangeboten, vom Imbiss bis zum feinen Restaurant. Dieser Teil des Hafens ist ein Lieblingsort von Touristen und Einheimischen geworden. Zahlreiche Veranstaltungen wie das Busker Festival und das Jazz Festival finden an der Waterfront statt. Hier startet auch die Fähre nach Dartmouth, die als öffentliches Verkehrsmittel einen günstigen Blick auf die Skyline von Halifax gewährt.
Dass sich in Halifax eine der schlimmsten Katastrophen Kanadas mit fast 2.000 Toten ereignet hat, sieht man der Stadt längst nicht mehr an. 1917 stießen an einer Engstelle nördlich des Hafens zwei Schiffe zusammen. Eines hatte explosive Fracht an Bord, die es wie eine Bombe detonieren ließ. Welche furchtbaren Auswirkungen die Halifax Explosion hatte, erfährt man im Maritime Museum of the Atlantic an der Uferpromenade. Das älteste und größte Seefahrtsmuseum Kanadas befasst sich zudem mit der Geschichte der Segel- und Dampfschifffahrt, der Navy und einem weiteren katastrophalen Event, das mit Halifax verbunden ist: dem Untergang der »Titanic«. Schiffe aus Halifax sammelten damals die Opfer ein, ihre Gräber befinden sich auf dem Fairview Lawn Friedhof.
Wo die Uferpromenade im Süden endet, lohnt es sich, noch ein Stück weiterzugehen. Denn am Pier 21 liegt ein weiteres Museum: das Canadian Museum of Immigration. Rund eine Million Menschen sind im 20. Jahrhundert über diese Anlegestelle nach Kanada gekommen. Wie die Ankunft ablief, aber auch die Jahrhunderte zuvor sowie die aktuelle Einwanderung werden dort multimedial aufgearbeitet.
Für einen Blick über die Stadt empfiehlt sich ein Spaziergang zur Zitadelle. Dazu läuft man etwa auf der Höhe des Maritime Museums die Sackville, die Prince oder die George Street hoch, die vom Hafen geradewegs zum grünen Hügel mitten in der Stadt führen. Entlang an einer ziemlich wilden Mischung aus historischen Backsteingebäuden und modernen Glasfassaden geht es steil bergauf. Vorbei am Uhrenturm steigt man die letzten Meter zu der historischen Verteidigungsanlage hoch. Nicht erschrecken, wenn es dort knallt: Täglich um 12 Uhr wird die Noon Gun abgefeuert – seit 1856. Auch Wachablösungen, Truppeninspektionen und Vorführungen der Dudelsackbläser gehören zum Sommerprogramm des Militärmuseums.
Kein Luxus: Eine Schiffskabine für die damalige Überfahrt nach Kanada gibt es im Museum am Pier 21 zu sehen.
SONNENBADEN UND SURFEN
Für tolle Sandstrände muss man nicht weit fahren: In der Nähe von Dartmouth liegt der MacCormacks Beach mit flachem Wasser zum Rauswaten, ein Stück östlich der Rainbow Haven Beach und der bei Surfern beliebte steinige Lawrence Town Beach. Drei Buchten und ein Wanderweg warten südlich von Halifax im schönen Crystal Crescent Beach Provincial Park. Übersicht: discoverhalifaxns.com (Stichwort: best beaches).
DONAIR ESSEN
Das typische Fast Food von Halifax erinnert nicht nur sprachlich an Döner: Es handelt sich ebenfalls um eine mit Fleisch gefüllte Pita-Tasche. Aber dazu kommen ausschließlich Tomaten und Zwiebeln sowie eine süße Knoblauchsoße. Entstanden ist das Gericht in den 1970-Jahren. Zubereitet wird es unter anderem bei Tony’s Famous Donair in der Robie Street, bei King of Donair an der Quinpool Road (auch eine gute Adresse für Street-Art) und bei Pizza Corner, Blowers Street zwischen Zitadelle und Hafen.
FIRST NATION KENNENLERNEN
Vor den europäischen Einwandern lebten bereits die Mi’kmaq in Nova Scotia, das deshalb auch Mi’kma’ki heißt. Die Ausstellungen im Maritime Museum und in der Zitadelle geben Einblicke in das Wissen und die Geschichte der Ureinwohner.
KEJIMKUJIK-NATIONALPARK
Wer den Nationalpark an der Küste besuchen will, muss das Fahrzeug stehen lassen. Denn diese Landschaft lässt sich nur zu Fuß erkunden. Es gibt noch einen zweiten Park-Teil im Landesinneren, der außerdem zum Paddeln und Campen einlädt. Bei geführten Touren kann man dort Felszeichnungen bestaunen.
Die Küsten in und um Kejimkujik sind wild und einsam, Ortschaften gibt es in dieser Region kaum. Ruinen an Land zeugen von aufgegebenen Farmen.
Vereinzelt sprenkeln Fichten die Landschaft. Das dichte Buschland gibt nach und nach den Blick frei auf die einsame Küste. Herrlicher Sand und große Felsen empfangen die Wanderer im Kejimkujik-Nationalpark. Mit etwas Glück entdeckt man Robben, die sich im Sand ausruhen, oder den seltenen Flötenregenpfeifer am Strand. Der kleine Vogel ist durch den schwarzen Ring am Hals erkennbar und gehört zu den bedrohten Tierarten Kanadas. An der Ostküste findet er Schutz: Nur ein Teil des Nationalparks ist zugänglich, der Rest bleibt als Wildnis sich selbst überlassen. Zur Brutsaison wird der Strand für die Besucherinnen und Besucher gesperrt.
Auch mit wenig Zeitpolster lohnt sich ein Stopp am Kejimkujik Seaside, dem Küstenteil des Nationalparks. Denn vom Parkplatz zum Strand ist es nicht viel mehr als ein Spaziergang. Je nach Ziel stehen zwei Wanderwege zur Verfügung: der einfache Harbour Rocks Trail, der geradewegs an die Küste und damit zu den Harbour Rocks genannten Findlingen führt, bevor er links abbiegt zum langen weißen St. Catherines River Beach. Auf derselben Route geht es zurück, 5,6 Kilometer kommen dabei zusammen. Für den als schwierig eingestuften Port Joli Head Trail biegt man rechts ab und folgt dem 4,4 Kilometer langen Rundweg durch eine sumpfige Küstenlandschaft um die Landzunge herum.
Die Seaside macht dabei nur einen kleinen Teil des Kejimkujik-Nationalparks aus – der weitaus größere liegt rund 100 Kilometer entfernt im Landesinneren. Dort gibt es eine reichliche Auswahl an Wander- und Fahrradwegen. Die Szenerie ist auch eine ganz andere: Statt zwischen einzelnen Bäumchen steht man dort im Mischwald. Über 300 Jahre alte Hemlocktannen sowie alte Laubbäume haben die Ära des Holzeinschlags überlebt, bevor das Gebiet 1974 unter Schutz gestellt wurde. Einen Einblick vermittelt der fünf Kilometer lange Lehrpfad Hemlocks and Hardwood. Weitere Tipps hält das Besucherzentrum am Eingang des Parks bereit, hinter dem auch der kurze Weg zu den Mill Falls startet – einer Reihe hübscher Wasserkaskaden.
Die Straße in den Park führt am Mersey River entlang, wo unterwegs schöne Picknickbänke warten, bis zum Herzstück von Kejimkujik, dem gleichnamigen großen See. An Jake’s Landing kann man – mit Reservierung bei Whynot Adventure – Boote und Paddle Boards ausleihen, um den Fluss oder den See mit seinen zahlreichen Inseln zu erkunden. Ursprünglich hieß er Fairy Lake, also Feensee. Über Jahrtausende diente er den Mi’kmaq als saisonaler Lebensort, aber auch als Rastplatz auf ihren Wanderungen. In ihrer Sprache bedeutet Kejimkuji’ jk »kleine Feen«. Im Gedenken an diese kulturelle Bedeutung wurde der Park 1995 als Nationale Geschichtsstätte ausgezeichnet. Wie ein traditionelles Camp aussah, wie man ein Kanu aus Birkenrinde baut und welche Geschichten die Mi’kmaq mit diesem Ort verknüpfen, kann man nun im Park lernen. Dazu bietet der Nationalpark im Sommer Touren zu Wasser und Land sowie verschiedene Veranstaltungen an. Nur im Rahmen einer Führung ist es möglich, sich die Petroglyphen anzusehen – eine der größten Sammlungen von Felsbildern in Nordamerika.
Strandläufer und andere Küstenvögel machen den Parkteil am Ozean zu einem Paradies für Vogelbeobachter.
PICKNICK IM PARK
Einige Cafés und Imbisse in Halifax, Annapolis Royal und in kleineren Ortschaften im Umkreis der beiden Parkteile machen von Juli bis Oktober bei der Aktion Perfect Picnic mit. Das heißt: Sie bereiten auf Vorbestellung Sandwiches oder Wraps zu und richten Snacks und Getränke her, die man zu den idyllischen Picknickplätzen oder roten Stühlen mitnehmen kann. Menüs und weitere Details stehen unter: parks.canada.ca (Stichwort: piquenique-picnic).
STERNE GUCKEN
Kejimkujik ist auch ein geschützter Sternenpark, was angesichts seiner Abgelegenheit nicht weiter überrascht. Zur Sternenbeobachtung kann man sich von Juni bis Oktober ein Set mit Fernglas, Sternenkarte und mehr ausleihen oder auf dem Jeremy’s Bay Campingplatz Geschichten über Sternbilder lauschen. Sogar eine geführte Nacht-Kanutour wird angeboten. Infos unter: parks.canada.ca (Stichwort: sky preserve).
SCHLAFEN IM NATIONALPARK
Im schmalen Küstenabschnitt mit seinen 22 Quadratkilometern Fläche gibt es keine Übernachtungsmöglichkeit, aber im mehr als 380 Quadratkilometer umfassenden Inlandteil des Kejimkujik-Nationalparks schon. Auch für Nicht-Camper stehen dort Zelte und Hütten zur Verfügung, eigene Schlafsäcke müssen allerdings mitgebracht werden. Unterkünfte: parks.canada.ca (Stichwort: accom Kejimkujik).
BÄR, BISON UND PIKA
Große und kleine Tiere in freier Natur zu sehen, ist für viele Kanada-Reisende ein wichtiger Teil ihres Urlaubstraums. Abseits der Städte kann dieser Wunsch schnell Wirklichkeit werden und wer sich an die Sicherheitsregeln hält, muss sich auch nicht vor unerwünschten Begegnungen mit Grizzlys fürchten.
Die Bisonherde im Waterton-Nationalpark lässt sich bei einer Fahrt durchs Gehege beobachten.
