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Mit Beginn des "Ruhestandes" hatte ich Zeit, einen alten Traum zu verwirklichen: ohne Flugzeug nur mit Bus, Bahn und Container-Schiff einmal um die Welt. In 7 Monaten bin ich über Russland, China, Hongkong, Australien, Neuseeland, Mexiko wieder zurück nach Bonn gereist. Spannende Zeit mit vielen Erlebnissen, interessanten Menschen und dem Erfahren von unterschiedlichsten Kulturen.
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Seitenzahl: 196
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Der Plan: einmal um die Welt!
Mit dem Zug von Bonn nach Hongkong
Start
Kiev
Rätsel
Moskau
Transsibirische
Baikalsee
Transsib Teil 2 (Irkutsk -> Peking)
Fazit Russland und die Transsib
Peking
Xi An
Shanghai
Hongkong
Fazit China
AGLAIA (Hongkong -> Brisbane)
Australien Brisbane -> Sydney
Brisbane
Byron Bay
Yamba
Coffs Harbour
Bellingen
Port Macquarie
Newcastle
Hunter Valley
Sydney
Fazit Australien
Cap Capricorn (Sydney -> Tauranga)
Neuseeland für 8 Wochen
Tauranga
Whitianga
Whangarei
Bay of Islands
Auckland
Hobbiton
Wellington
Picton
Kaikoura
Christchurch
Arthur’s Pass
Franz-Josef Glacier
Fox-Glacier
Wanaka
Queenstown
Milford Sound
Abel Tasman
Wellington und Napier
Gisborne
Rotorua
Auckland 2 (20.4.-22.4)
Coromandel
Whitianga 2 (24.4.-27.4)
Tauranga 2
Fazit Neuseeland
Cap Capricorn (Neuseeland -> Los Angeles)
LA -> Mexiko
Mexiko für 8 Wochen
Chihuahua
Chepe (Chihuahua -> Los Mochis),
Areponapuchi (Arepo)
Mazatlán
Mexico-City
Oaxaca
Palenque
Tulum
Tulum
Cancun
Holbox
Valladolid
Merida
Bacalar
Veracruz
Fazit Mexiko
White Shark (Veracruz -> Antwerpen)
Fazit Container-Schiffe
Was bleibt?
In meinem Leben bin ich immer schon gerne und viel gereist und habe vor allen mit meiner Familie sehr schöne Reisen u.a. in die USA, Kanada, Botswana, Australien, Vietnam, Norwegen, Griechenland, Spanien machen dürfen. Es gab immer eine Geschichte, die mich gestört hat: Man steigt in ein Flugzeug und ist nach einigen Stunden in einer anderen Welt, Kultur, Sprache. Ich habe aber nie mitbekommen, wie ich denn überhaupt hingekommen bin und auch kein Gefühl, dafür wie weit das jetzt wirklich ist.
Daher kommt mein Traum: Ich will einmal erleben, wie groß diese wunderbare Kugel Erde ist und ich will einmal rund um diesen Globus fahren, ohne diesen Zeitraffer Flugzeug benutzen zu müssen.
Da ist dann langsam folgender Plan gereift:
Nach meiner Rente hat mir meine wunderbare Frau ein halbes Jahr Zeit für mich geschenkt.
Ich versuche, in der Zeit nur mit Bahn, Schiff, Zug, Auto, Bus, .. Richtung Osten um diesen Globus zu kommen.
01.01.18: Bonn-Berlin-Moskau-Irtusk-Peking-Xí an-Shanghai-Hongkong (per Zug)
01.02.18: Hongkong- Australien (per Container-Schiff, Aglaia)
13.02.18: 3 Wochen für Australien (per Bus)
06.03.18: Australien- Neuseeland (per Container-Schiff, Cap Capricorn)
11.03.18: 7 Wochen Neuseeland (per Auto/Bus)
29.04.18: Neuseeland – Los Angeles (per Container-Schiff, Cap Capricorn)
20.05.18: 6 Wochen Mexiko (per Bus)
02.07.18: Mexiko- Antwerpen (per Container-Schiff, APL Holland)
Sehr geholfen hat mir dabei Arne Gudde aus Berlin, der das Projekt mit mir über zwei Jahre entwickelt hat. (www.langsamreisen.de)
Über den gesamten Verlauf konnte meine Familie über einen Tracker (Spot Gen3) immer ersehen, wo ich mich gerade befinde.
Mein Neffe Till Weber war so freundlich, mir einen privaten Blog einzurichten, in dem ich wesentliche Teile dieses Buches als Reisetagebuch entworfen habe und an dem viele nette Menschen mit Kommentaren Anteil genommen haben. Da diese Kommentare zum Teil sehr privat waren, habe ich diese hier nicht veröffentlicht. Sarah Dickel (www.niederrheinblond.de), der Partnerin von Till danke ich für das kritische Gegenlesen dieses Buches .
Samstag, Dezember 23, 2017
Die Route incl. Übernachtungen ist bis Honkong soweit geplant, da ich mir das spontane Hotelsuchen in Russland oder China doch nicht zugetraut habe. Der nette Arne Gudde vom Reisebüro „langsam Reisen“ hat mir auch schon alle Bahn-Tickets in Russland und China gebucht; die Post hat es sogar geschafft, den Reisepass mit den Visa und die Zug-Tickets hier abzugeben.
Rucksack und Daypack liegen in meinem Zimmer und beim ersten Probepacken kam ich auf 14 kg für den Rucksack und 4,4 kg für den daypack. Ich werde sicherlich einen Teil der Wintersachen in Hongkong entweder in ein Paket packen oder dort verschenken. Bin doch ein wenig aufgeregt.
Montag, Januar 01, 2018
Erst mal vielen Dank für die vielen Einträge im Blog und die Mails! Mein Projekt hat anscheinend doch viele angesprochen.
Heute morgen war ich ziemlich aufgeregt und musste alle Taschen noch mal kontrollieren.
Meine Familie hat mich dann zum Bahnhof gefahren und gerade bin ich in Berlin angekommen. Morgen geht es dann nach Warschau und dann mit zwei Übernachtungen im Zug über Kiew nach Moskau.
Bin ganz gespannt, wie die Reise so wird.
Mittwoch, Januar 03, 2018
Nach etwas kurzer Nacht (Zöllner um 1:00 und lautem Spurwechsel bis 2:00) bin ich ab 12:00 mit der Metro durch Kiev unterwegs und befolge die Tipps meines kenianischen Mitreisenden Sack aus der Nacht. 24 Jahre alt, spricht fließend 5 Sprachen, Bachelor in Psychologie in Frankreich, schließt gerade seinen Master in Leipzig/Kiev ab.
In Kiev ist der Weihnachtsmarkt noch voll zu Gange, weil Weihnachten hier erst am Samstag ist.
Heute Abend geht es wieder mit dem Nachtzug nach Moskau vorausgesetzt ich finde den Zug bei diesen Schriftzeichen.
Donnerstag, Januar 04, 2018
Von welchem Gleis fährt der Zug, der um 19:33 nach Moskau geht?
Hier die Auflösung:
Nach 1,5 Stunden Versuch, diese Tafel zu verstehen und etwa 15 befragten Reisenden habe ich Arne Gudde in Berlin angerufen.
Der rief mich auch prompt zurück, der Zug würde ordnungsgemäß fahren. Ich sollte einfach noch mehr Leute befragen. Die Dame vom Informationsschalter sprach kein Englisch und schickte mich unwirsch weg.
Nach weiteren 10 Befragten dann die Auflösung; Eine freundliche Deutschrussin erklärte mir, dass ich auf der falschen Tafel suchen würde. Das seien die Ankunftszeiten, die Abfahrtzeiten würden da hinten auf der kleinen Tafel unter der Treppe stehen.
In Moskau habe ich im Wesentlichen nur die Innenstadt um den roten Platz gesehen. Sehr nette und freundliche Menschen, wenn ich in der Metro mal wieder mit der Schrift nicht zu Recht kam, hat sofort mir jemand Hilfe angeboten. Und deren Englisch war besser als meines, was bei mir auch nicht so schwierig ist.
Erst mal nur Bilder!
Die Moskau, rechts der Kreml
Café Bosco im Kaufhaus GUM am roten Platz, 1893 erbaut
Die Basilius-Kathedrale auf dem roten Platz
Samstag, Januar 06, 2018
So, jetzt kommt der lange Teil der Zugfahrt quer durch Russland bis Irkutsk am Baikalsee. Bin wegen meiner Erfahrungen in Kiev früh los, aber der Bahnhof der Transsib ist auf ausländische Reisende bestens vorbereitet, alle Ansagen auch auf wirklich gutem Englisch und der Fahrplan auch übersichtlich.
Sitze um 14:00 im fahrenden Zug. Auf die Idee am orthodoxen Heiligabend in den Zug zu steigen, sind aber nur wenige gekommen. Der Zug ist nur halbvoll und ich teile mir den Wagen mit einem circa 50 Jahre alten, sehr freundlichen Herren, der mit irgendwie erklärt, dass er seit 3 Jahren irgendwo in Deutschland lebt, der spricht leider aber kein Wort Deutsch und der Google-Translator hat auch noch keine kyrillischen Schriftzeichen drauf. Das macht hier die Kommunikation etwas schwierig und die Essensbestellungen auch etwas abenteuerlich. Also es gibt hier sowas wie einen Speisewagen, mal sehen, wie das hier so läuft.
So gegen Abend wird der Zug dann doch voll und es kommen noch zwei weitere Gäste ins Abteil, ein 17-jährige junger Mann in Uniform und eine jüngere Frau, die von ihrer Mutter ins Abteil gebracht wird. Die junge Frau streitet sich erst mal mit den beiden anderen über die Unterbringung des Gepäckes. Der junge Mann versucht mit mir ins Gespräch zu kommen, wir schauen erst einmal ein wenig von einem Film, dann "plaudern" wir per Google-Translator über alles Mögliche, die Einladung zum Wodka wird von dem 17-jährigen angenommen, die anderen wollen nicht. Die junge Frau versteht zwar ein paar Brocken Englisch, hat aber keine Lust auf Kommunikation. Außerdem scheint sie Grippe zu haben, sie hustet ziemlich und hat Fieber. Wir gehen um 9:00 alle schlafen und schlafen bis 8:00 am Sonntag morgen.
Die Essensversorgung ist irgendwie schwierig, ich werde zwar dauernd gefragt, was ich denn zu essen haben will und ich bestelle auch, aber bisher habe ich noch nichts bekommen. Irgendwas mache ich da wohl falsch, habe aber noch 4 Portionen Instant-Suppen bei mir, werde also nicht verhungern und heißes Wasser gibt es in so einem großen Vorratsbehälter rund um die Uhr im Wagon.
Draußen liegt viel Schnee, Außentemperatur laut Google -7 °C, und an jedem Bahnhof kloppen die Bahnleute mit langen Stangen an den Rädern rum, keine Ahnung was das soll.
9.1.18
So, Dank Denis und Katja konnte ich meinen Internet-Zugang reanimieren. Am Ural ist vorgestern Nacht Gregory, der 17-jährige Soldaten-Kadett und gestern Nachmittag in Omsk Michael und die junge Frau ausgestiegen. Michael kehrt am 28. per Flugzeug wieder nach Deutschland zurück. Er arbeitet seit 3 Jahren in irgendeinem Werk in Deutschland und spricht so viel Deutsch wie ich russisch. Da läuft meines Erachtens was falsch. In Novosibirsk sind dann in der der Nacht Katja und Denis eingestiegen, zwei Jura-Studenten die auf dem Weg nach Chita (Bahnkilometer 6.200 der Transsib, Moskau ist 0 Kilometer und Novosibirsk 3.300 km) sind. Nette Unterhaltung und alle sind froh, dass es den Google-Translator gibt. Die beiden haben zwar ein paar Grundkenntnisse Englisch, aber Mr. Google ist auch hier unerlässlich.
Habe heute morgen die ersten 3.800 Bahnkilometer hinter mich gebracht und es ist schon spannend hier, Außentemperatur -17°C, die beiden Studenten schlafen noch und ich trinke mir meinen Tee.
Die Essensversorgung ist mittlerweile geklärt, nach vielen internen Diskussionen zwischen der Schaffnerin dieses Wagens (jeder Wagen hat seinen eigenen Schaffner) und der Küche ist in meinem Ticket die Verpflegung nicht inbegriffen. Ich kann aber jederzeit was aus dem Bordrestaurant bestellen oder dort rübergehen. Ich kombiniere also derzeit die Instant-Suppen und Bordrestaurant. Der Übergang zwischen den Abteilen ist was abenteuerlich, ich konnte gestern mir die Hände nicht abtrocknen und hatte Mühe, mit nassen Fingern nicht an den Griffen festzufrieren, also bei -17°C immer schön die Hände abtrocknen!
Katja und Denis bringen mir ganz geduldig das Kartenspiel "Dummkopf" bei, von dem ich vorher auch schon mal was gelesen hatte. Das ist so ein kompliziertes Mau-Mau-Spiel mit Angreifern und Verteidigern. War echt lustig mit den beiden. Die studieren beide in Chita, leben noch bei den Eltern und wollen nach der Militärzeit von Denis in Novosibirsk zusammenziehen. Vom Alter bin ich gerade mal ein Spur jünger als deren Großeltern und mit meinen Reiseplänen muss ich für die völlig abgedreht klingen. Wir verabschieden uns am 10.1. morgens in Irkutsk (Bahnkilometer 5.193) ganz herzlich, bekomme von den beiden sogar noch ein kleines Abschiedsgeschenk. War schon ein wenig wehmütig, weil ich darauf nicht vorbereitet war.
Mittwoch, Januar 10, 2018
Wider Erwarten finde ich auf Anhieb die Straßenbahn zum zentralen Busbahnhof und bekomme an Schalter sofort ein Ticket für Listwjanka am Baikalsee. Der Minibus hat auf der verschneiten Fahrbahn ein Höllentempo drauf, überholt ständig und kommt pünktlich um 14:30 dort an.
Eigentlich ein TUI-Örtchen, aber es scheint absolute Nebensaison zu sein, von den Büdchen hat nur jede zehnte offen. Ich checke im Hotel ein und gehe erst mal was spazieren nach den 4 Tagen ohne Bewegungen. Schon die Fahrt hierher war eindrucksvoll und der See ist riesig.
Erst mal Körperpflege, dann Waschtag und um 18:00 gehe ich hier was essen.
11.1.18
Werde um 11:00 von Ivan abgeholt, den ich schon von Deutschland aus für den Tag gebucht hatte. Der ist für heute mein persönlicher Guide. 24 Jahre alt, Master in Touristik, spricht gutes Englisch und reist mit seiner Frau selber gerne. Die beiden haben ein drei Monate altes Baby und er betreibt seine eigne Firma mit bis zu 10 Guides. Zurzeit sei absolute Nicht-Saison, alle anderen Guides seien in Urlaub. Ansonsten überwiegend chinesische Touristen, er habe mehrere Chinesen als Guide eingestellt, um das mit der Sprache hinzubekommen. Will genau wissen, warum ich gerade bei ihm gebucht habe.
Wir fangen in einem netten Freilichtmuseum an, Kommern in russisch. Sehr nett aufgebaut, der Jupp (Leiter des Freilichtmuseums in Kommern) hätte seinen Spaß. Uralte Bauernhäuser mit dem Kacheloffen in der Mitte, so wie mein Vater mir die russischen Bauernhäuser aus dem 2. Weltkrieg beschrieben hat. Musste an die Geschichten meines Vaters denken. Der hat den ganzen Russlandfeldzug als einfacher Soldat erlebt und war von 1944 bis 1950 in russischer Kriegsgefangenschaft. Während der deutschen Eroberung von Russland hatte er es sich angewöhnt, bei der Einquartierung in den kleinen Dörfern als Begrüßung erst einmal eine Ikone an die Wand zu malen und damit häufig eine freundlichere Stimmung herstellen können.
Habe ich auch so Ivan erzählt, der ist ganz fasziniert von der Story. Dann zum Hundeschlitten-Fahren:
Tolles Gefühl mit 8 kläffenden Hunden da vorne bei Sonnenschein durch den verschneiten Wald zu sausen. Ansonsten sind die Hunde wie die kleinen Kinder, machen jede Menge Unsinn, kloppen sich ohne Ende, machen ohne Ankündigung Pinkelpause und Tatjana hinter mir gibt die ganze Zeit Kommandos, lobt, brüllt, einfach köstlich. Da die Hunde Auslauf brauchen, bekomme ich eine extra lange Runde, wir sind fast eine Stunde unterwegs.
Blick über den Baikalsee-See
Nach Wanderung auf einen Berg zum Aussichtspunkt, weiterem Museum und einer orthodoxen Kirche, landen wir zum Abschluss gegen 18:00 auf dem lokalen Fischmarkt, Ivan erklärt mir kurz die Gepflogenheit und verabschiedet sich, nicht ohne um einen Eintrag bei Tripadvisor zu bitten. Das Ergebnis des Fischmarktes, sieht zwar nicht so doll aus, ist aber total lecker.
rechts oben Lammspieß, rechts Mitte geräucherter Omul (gibt es nur hier!), unten frisch eingelegter Hering, links Fladenbrot, oben Mitte russisches Bier!
Freitag, der 12.1.18
Der Frühstücksraum ist mit etwa 30 lautstarken Chinesinnen besetzt, daher heute auch großes Frühstücksbüffet mit allen asiatischen Feinheiten inclusive verschiedener Frühstückssuppen. Für mich entdecke ich sogar Müsli, das mir erst mal gegönnt habe. Packen, sortieren, auschecken. Sitze um 11:30 im Minibus nach Irkutsk, dort muss ich eine halbe Stunde auf die Bahn 4a Richtung Bahnhof warten, hätte mir doch besser doch eine lange Unterhose angezogen. Finde auch rasch das Hostel, wieder out off Season, außer mir gibt es derzeit nur noch einen einzigen Gast. Für 14 € ein Einzelzimmer ist für mich völlig in Ordnung. Mache mir einen Tee in der Gemeinschaftsküche und wärme mich auf. Gehe nachher für die Zugfahrt einkaufen und wollte mir hier heute Abend was kochen.
Die Mitfahrerin aus der Transsib mit Husten und Fieber scheint mir ihren Virus doch weitergeben zu haben. Habe eine ordentliche Erkältung und huste in der Nacht so heftig, dass die Hostel-Betreiberin nachts an meine Tür klopft und mir Hustenbonbons schenkt.
Morgen geht es früh los, der Zug fährt um 8:08 ab. Das Hostel ist aber nur 300 Meter von Bahnhof weg, muss nur Zeit für die Eingangskontrollen am Bahnhof einplanen, das geht da zu wie am Flughafen mit Gepäckdurchleuchtung und Schleusen. An meinem Leatherman-Kombi-Tool mit doch ordentlichen Messern, Sägen und Zangen hatte aber bisher keiner was auszusetzen.
Samstag, Januar 13, 2018
6:15 aufstehen, bin um 7:00 auf dem Weg zum Bahnhof. Der Zug läuft auch schon um 7:15 ein, also alles ganz easy. Bahnsteig 3, Zug Nr. 4, Wagon Nr. 5, Platz Nr. 11, geht doch alles. Das ist aber ein chinesischer Zug und ist schon was älter. Also längst nicht so warm, die Heizung des Wagons besteht aus einem Kohleofen (s. links) und die Sanitärverhältnisse sind eher „bescheiden“, naja was soll´s. Mal sehen, wie warm es heute Nacht bleibt.
Mit im Abteil sitzt der 43-jährige Ramba, der stammt aus der Mongolei und lebt davon, Touristen durch die Mongolei zu führen Tel. 99011309, hat daher ein paar Brocken Deutsch drauf, die zu einem Gespräch aber nicht reichen. Google-Translator geht auch nicht, weil er die Brille nicht dabei hat. Naja, man versteht sich auch so, wir tauschen Fotos über die Familien aus und teilen das Essen. Ich bin immer noch ordentlich erkältet, werde mit mongolischer Medizin versorgt: Paracetamol + Aufputschmittel, ist gut!
Nach einer schönen Fahrt durchs Gebirge tuckert der Zug drei Stunden lang am Ufer des Baikalsees entlang. So viele Fotos kann ich gar nicht machen. Der See ist schneebedeckt, die Berge auf der anderen Seite zu sehen, das ganze bei Sonnenschein.
So langsam geht es dann Richtung Mongolei.
15.1.18
So nach zwei Tagen ohne Internet durch die Mongolei habe ich in Peking auch gerade das Appartement von Alice gefunden.
Aber der Reihe nach: In Ulan Bator ist Ramba ausgestiegen, dafür stieg Florian aus München ein. 29-jähriger Unternehmensberater, der Urlaub in der Mongolei gemacht hat und bei -30 Grad ziemlich durchgefroren war. Der ist ziemlich international unterwegs, er hatte ein Praktikum für drei Monate in Shanghai während des Studiums absolviert und war schon privat und beruflich in allen möglichen Ländern. Habe viele Tipps bekommen, nette Gespräche, Vodka.
Meine Erkältung klingt langsam ab, vielleicht hätte ich den Vodka früher trinken sollen.
Die Strecke durch die Mongolei war zum Teil eine Tiersafari: Kamele, Pferde, Rehe, Antilopen und Geier in großen Herden, hat uns beide überrascht.
Nach zwei Nächten auf harten Prischen sind wir dann in Peking angekommen und Florian hat mir noch bei der Suche nach der Metro geholfen, aber anscheinend sind wir in die falsche Richtung eingestiegen, also noch mal kehrt. An der Haltestelle komme ich nicht raus, weil ich ja nur vier Stationen bezahlt habe, aber mit hin und zurück 12 Stationen gefahren bin. Ein mitleidiger Schaffner lässt mich raus. Dann suche ich Alice, was ohne Internet nicht geht, finde zwar das Gebäude, aber nicht den Eingang und weiß die Zimmer-Nummer nicht. Nach dem zweiten Cappuccino finde ich ein Café mit freiem Wlan und Alice dirigiert mich per chinesischen Whatsapp, dem wechat, über einen Hinterhof und einen ziemlich gruseligen Kellereingang in ihr Apartment, der Schlüssel liegt unter der Türmatte. Es begrüßt mich eine schmusige Katze.
Blick aus dem Fenster bei Alice in Peking
Russland war für mich ein sehr europäisches Land mit einer guten Infrastruktur und sehr freundlichen Leuten. Sehr angenehm und das Englisch der Russen war in der Regel besser als meines.
Die Transsib ist ein tolles Erlebnis, man muss anscheinend ein wenig aufpassen, wann der Zug überwiegend von Touristen bevölkert wird. Bei mir im Januar hatte ich das Problem überhaupt nicht.
Die zweite Klasse mit vier Betten pro Abteil war für mich völlig in Ordnung. Bei der ersten Klasse mit eigener Dusche wird man wahrscheinlich nur unter Touristen unterwegs sein und die dritte Klasse muss super von der Atmosphäre sein, aber mit der Bettlänge gibt es angeblich bei Menschen über 170 cm ein Problem.
Eine Flasche Wodka ist immer eine gute Idee. Und denkt an die Bade-Latschen, es ist tierisch heiß im Winter in den Wagen und der Gang zur Toilette mit Winterstiefeln ist nicht so „sexy“.
Dienstag, Januar 16, 2018
Also AirBnb ist knuffig, wenn man die Wohnung erst mal gefunden hat. Alice arbeitet in einem Reisebüro und vermittelt für chinesische Kunden Europareisen und sie hat immer viele Gäste hier. Mit Alice wohnt hier Garvin, ein Brite, der mal für 10 Jahre in Deutschland gelebt habt, unter anderem hat er in Bonn bei der Deutschen Welle gearbeitet, findet aber Bonn viel zu klein, Köln hätte gerade noch eine annehmbare Größe. Garvin war jetzt für 2 Jahre hier in Peking im Auftrag eines Fernsehsenders und wird aber in 14 Tagen wieder nach UK zurückkehren, um dann eine Stelle in Istanbul anzutreten.
Ansonsten ist man irgendwie für die Tage Teil der WG hier, benutzt die Küche mit, sitzt im Wohnzimmer, unterhält sich. Die Fotos der Katze zu Hause werden ebenso bewundert, wie die Familienfotos.
Nach doch unruhiger Nacht mit noch viel Husterei, wache ich um 7:30 auf, trinke noch einen Tee mit den beiden, die gehen dann arbeiten und ich bin erst mal wieder mit der Katze allein. Fahre dann erst mal zum Bahnhof, um die Gutscheine für die chinesischen Züge in echte Fahrscheine umzutauschen. Ist ein wenig kompliziert, bis ich den richtigen Schalter dafür gefunden habe, das sind ja immer Mengen an Menschen hier.
Die U-Bahn ist übrigens einfacher zu bedienen, als die Metro in Moskau, da dort überall gut lesbare englische Schriftzüge stehen. Ansonsten super moderne U-Bahnen, die in der Regel im 5-Minuten- Takt fahren. Am Bahnhof gibt es drei Macdoof und zwei KFC, nach etwas Mühe finde ich einen chinesischen Imbiss, bin der einzige Europäer hier und frühstücke erst mal Nudeln mit Hühnchen, bisschen scharf, aber ok.
Dann versuche ich, zur verbotenen Stadt zu kommen. Alice und Garvin hatten mir wenig Hoffnungen auf Tickets gemacht, seit 2015 gäbe es keine Tickets mehr so zu kaufen, sondern man müsste die Tickets über ein Reisebüro online bestellen. Riesiges Gelände mit dem Platz des himmlischen Friedens davor.
Laufe dann Richtung verbotene Stadt, um mich für morgen schon mal zu orientieren. Siehe da: Nebensaison, die Kassen sind geöffnet und ich bin um 13:00 mit einem deutschsprachigen Audioguide unterwegs. Wie sich das für mein Alter ja gehört, habe ich sogar den Seniorenrabatt von 50% erhalten. Bin dann bei strahlendem Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen in der verbotenen Stadt unterwegs. Wenige Gruppen, überwiegend Chinesen, ganz wenige "Ausländer". Also ein Riesengelände mit ganz vielen Einzelpalästen. House of Cards ist übrigens harmlos gegenüber der chinesischen Kaisergeschichte, wer da alles umgebracht, vergiftet und verbannt wurde. Und wie viele Konkubinen der Kaiser immer so gleichzeitig hatte und die Kaiserin hat dann systematisch alle Kinder aus solchen Verbindungen umbringen lassen, alles nicht so nett.
Sitze jetzt in einem Café mit freien WLAN und wundere mich über meine müden Beine, mein Schrittzähler erzählt mir aber gerade, dass ich heute 14 Kilometer gelaufen bin. Morgen will ich in den Sommerpalast etwas außerhalb und für Donnerstag will ich eine Tour zur Mauer buchen, wird hier für 30 Euro angeboten, angeblich ohne Verkaufstopp.
17.1.18
Weil es heute morgen nach schlechtem Wetter aussah, bin ich dann heute hier in der Umgebung des Appartments geblieben. Der Husten ist auch was weniger geworden, konnte gut schlafen.
Erst zum Hutong-Viertel, einem alten chinesischen Viertel mit vielen kleinen verwinkelten Gassen und kleinen Häuschen mit vielen Hinterhöfen. Da gibt es Essstände ohne Ende und ganz viele unterschiedliche Sachen zu probieren. Die Fleischspiesse waren lecker, die süßen Kuchen mit Vanille-Pudding innen ebenfalls, die Teigbällchen mit Soja-Blättern innen und Ketchup und Mayo waren nicht so toll, die panierten Shrimps waren wieder lecker.
Aber gegen Mittag ist das ganze ziemlich touristisch überlaufen und ich bin ja kein Tourist, oder?
Also dann per U-Bahn zum Lama-Tempel. Da sind dann keine Touristen, sondern viele ältere Chinesen, die was für ihre Gesundheit tun. Ganz viele laufen einfach gemütlich rückwärts, andere machen in Gruppen Gymnastik, andere spielen in Gruppen so was wie Minigolf, aber auf Kunstrasen und mit so kleinen Torbogen und komplizierten Spielregeln, eine ältere Chinesin, die wie 80 Jahre aussieht, spielt mit einem Diabolo und macht gymnastische Bewegungen dabei. Sehr ruhig und entspannent fahre in die Innere Dongzhimen-Strasse zu Alice zurück. In einem supereleganten Kaufhaus entdecke ich eine Buchhandlung, in der man auch einen Kaffee trinken kann. Morgen fahre ich dann zur chinesischen Mauer, werde gegen 7:00 im nächsten Hotel abgeholt.
18.1.18 Die große Mauer
