RT Zapper - Robert Tiesler - E-Book

RT Zapper E-Book

Robert Tiesler

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Beschreibung

Das Fernsehen könnte so gut sein. Wenn es nicht so oft so schlecht wäre. Wie war das eigentlich, als das ZDF aus Versehen einen Horrorfilm im Kinderprogramm sendete? Und als Jan Böhmermann wegen seines Erdogan-Zoffs plötzlich in der Tagesschau war? Als wir über den Nachbarn Boateng diskutierten? Und die Reporter plötzlich inmitten der G20-Krawalle in Hamburg standen? Masturbierende Promis im Big-Brother-Haus, ein lieblos durch die Meere gleitendes Traumschiff und Nachrichten im Breaking-News-Modus. Es waren drei aufregende Medienjahre. Kolumnen aus den Jahren 2016 bis 2018.

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Seitenzahl: 402

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort: Das zweite Buch

New Years Eve

Achim Mentzel ist tot

Shop 24 Direct: Heintje

Sarah & Pietro… im Wohnmobil durch Italien

The Big Bang Theory

Punkt 12

Sportschau live: Eiskunstlauf-EM 2016 – Kür der Paare

Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!

Lindenstraße: Lea will eine Chance

Live ran – Football: Super Bowl 50

Roger Willemsen ist tot

ADAC-Fliederball 2015

Tagesschau

Starshine – Das Comedy-Promi Magazin

Mora

Aspekte extra: Die lange Nacht der Berlinale

Domian

Anne Will

Flohmarkt

Wahl 16: Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt

hallo Deutschland

Die Rocky Horror Picture Show

NeoMagazin Royale

Werbung: a-ha – Die neue Best-of

NeoMagazin Royale

Phoenix vor Ort: Merkel-Erklärung zum Fall Böhmermann

ZDF spezial: Abschied von Hans Dietrich Genscher

Wunderwerk Penis – Neues vom männlichen Zentralorgan

Aus für „Sanft & sorgfältig”

Richard III.

NeoMagazin Royale

Eurovision Song Contest 2016

Sport im Osten extra: Die Party zum Aufstieg von RB Leipzig

Mediashop: Hot Belt

Halloween – Die Nacht des Grauens

Tagesschau

Daniela und Lucas – Die Hochzeit

EM live – UEFA EURO 2016: Italien – Schweden

Volle Kanne

Die EM-Alternative: Der goldene Handschuh

Unsere größten Hits

Make Love – Liebe kann man lernen: Wie lieben Teenager?

Das Sommerhaus der Stars – Kampf der Promipaare

No Comment live: Deadly Attack in Nice

Live: Militärputsch in der Türkei

Phoenix vor Ort: Republican National Convention

RTL aktuell

Sportschau – Olympia Rio 2016: Schwimmen, 100 Meter Brust, Frauen

NDR Talk Show

Olympia live: Leichtathletik – Diskus-Finale der Herren

Kessler ist… Hugo Egon Balder

Rügen TV Nachrichten

VIVA Top 100

Die Simpsons: Traumwelten

So kommt Deutschland – Paula, ihr Mann und die Reise zum besten Sex

Lesermeinung: „Wo sollen Kinder sonst pullern?”

Promi Big Brother

Promi Big Brother

Die allgemeine Zentrale

Schwiegertochter gesucht

Rbb spezial: Heißer Herbst

Wir sind die Angst! – Der Verlust der inneren Sicherheit

Netz-O-Rama

InTouch – Stars. Styles. Stories

Match Factor

Zimmer frei! – Der Abschied

Aspekte

Das war zdf.kultur

einsplus: Sendeschluss

OGOT – Old Guys on Tour

Slow TV auf Tele 5: Boccia Boccia

Terror – Ihr Urteil

Schlagerbooom – Das internationale Schlagerfest

Like or Dislike?

Wishlist

Verstehen Sie Spaß?

Tagesthemen

Die US-Wahlnacht im Ersten

#Tweetclips

Deutschland tanzt

Phoenix vor Ort: Merkels Kandidatur

Sarah & Pietro – Die ganze Wahrheit

Schlag den Star

Domian

Echt Julia!

Tagesthemen extra

Bild und die Angst

Daniela und Lucas – Das Weihnachtsfest

Willkommen 2017

Silvesterfeuerwerk am Kölner Dom

RadioZWEI – Wosch denkt, Gotti lenkt

Elbphilharmonie 2017 – Live vom roten Teppich

Handball-WM 2017: Deutschland – Ungarn

Spiegel TV

Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!

Live ran – Football: Super Bowl 51

Traumfrau gesucht

15 Dinge, die Sie über Burger King wissen müssen

Eurovision Song Contest 2017: Unser Song

Lindenstraße: Klartext

KarnevalsKracher

Goldene Kamera Digital Award 2017

Oscar 2017

Goldene Kamera 2017

Eröffnungskonzert Pierre Boulez Saal

Abschied von Bellevue – Großer Zapfenstreich für Joachim Gauck

Circus Halligalli

Schlagercountdown – Das große Premierenfest

Die Top 10 Show

Mario und die Morgencrew

NeoMagazin Royale

Echo 2017 – Der Deutsche Musikpreis

Nervöse Republik – Ein Jahr Deutschland

Little big Stars mit Thomas Gottschalk

Extra 3

Deutschland sucht den Superstar

Naked Attraction – Dating hautnah

Eurovision Song Contest 2017 – 1. Halbfinale

Eurovision Song Contest 2017

I like die 2000er

This is us – Das ist Leben

Sportschau live: Fußball-DFB-Pokal-Finale 2017

Sportschau live: Fußball-Relegation 2017 – 2./3.Liga-Rückspiel

Sondersendung zum Tode von Helmut Kohl

Lorelei und Luke

Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa

Pandas im Anflug

rbb spezial: Land unter – Starkregen in Berlin und Brandenburg

News spezial: Der G20-Gipfel

Anne Will

maischberger: Gewalt in Hamburg – Warum versagt der Staat?

Singen Sie Deutsch! Die 100 besten deutschsprachigen Lieder

Tom Schilling & The Jazz Kids: Kein Liebeslied

Janni & Peer … und ein Baby!

Frag selbst

#DeineWahl – YouTuber fragen… Angela Merkel

Wir lieben Fernsehen!

Überzeugt uns! Der Politikercheck

Promi Big Brother

Wahl 2017: Die 10 wichtigsten Fragen der Deutschen. Klartext mit Claus Strunz

#DeineWahl – YouTuber fragen… Martin Schulz

Wie geht’s, Deutschland?

Das Pubertier – Die Serie

Infomercial: Das ultimative Amigos-Fanpaket

Die versteckte Kamera 2017

Wahl 17: Berliner Runde

Spiegel TV Magazin

Phoenix vor Ort: Aktuelles nach der Bundestagswahl

Tatort: Hardcore

Der Preis ist heiß

Goldene Henne 2017

Schöne Töne

Schlagerbooom 2017 – Das internationale Schlagerfest

Der letzte Flug – Abschied von Air Berlin

Luther – Das Projekt der 1000 Stimmen

Tatort

Ran eSports – Professional. Gaming. Magazine.

Anne Will: Die Sexismus-Debatte – Ändert sich jetzt etwas?

Extra spezial: Deutschland nackt

Tagesthemen extra: Jamaika-Sondierung gescheitert

50 Jahre Hey Music: Danke Jürgen Jürgens – Die große Abschiedsgala mit vielen Freunden und Wegbegleitern

@mediasres

Amazon – Gnadenlos erfolgreich

Peter Hahne: Fußball, Gott und die große Bühne

Club der roten Bänder

Feuer, Wasser und Posaunen

Silvestershow mit Jörg Pilawa

Das Traumschiff: Los Angeles

#HarryDieEhre – Harry G aus dem ZwicklApartment

So was wie Angst – Eine Suche mit Anke Engelke

phoenix vor Ort: Pressekonferenz zum Ende der Sondierungen

Malvina, Diaa und die Liebe

Schlagerchampions – Das große Fest der Besten

Trailer: N24 heißt jetzt Welt

Werbung: Ford Kuga

Generation '89 – Erwachsenwerden im Wendejahr

Beat the Box

Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!

Live ran: SuperBowl52

Die Notrufzentrale

Olympia 2018: Die Eröffnungsfeier

Pyeongchang 2018 live: Snowboard – Halfpipe, Herren

Aufbruch ins Ungewisse

maischberger: Wozu brauchen wir noch ARD und ZDF?

Promi Undercover Boss: Detlef Soost

Krause kommt!: Michael Wendler

Tatort: Im toten Winkel

7 Tage... unter radikalen Christen

Stars im Spiegel – Sag mir, wie ich bin!

Das Traumschiff: Malediven

Der Lissabon-Krimi: Der Tote in der Brandung

Breaking News: Zwischenfall in Münster

Ntv live: Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress

Echo 2018

Raus aus den Schulden – Promi-Spezial: Nadja Abd el Farrag

Radioeins-Nachrichten

Tatort: Weil sie böse sind

Maischberger: „Man wird ja wohl noch sagen dürfen!” – Wie diskriminierend ist Sprache?

Eurovision Song Contest 2018

Harry & Meghan

Die Mary-Roos-Story

ZiB spezial: Wladimir Putin – Das Interview

RTL aktuell

Breaking News: Seehofer kündigt Unionsbündnis auf

The Big Bang Theory

Hart aber fair: Der Ball rollt, noch ist alles drin - Viel Spaß bei der WM in Russland?

Zahltag! Ein Koffer voller Chancen

Reinhold Beckmann trifft... Jan Fedder

Trailer: Schlager für alle

Promi Big Brother

Rock.kitchen

Paula kommt – Sexpedition Deutschland

Thadeusz und die Beobachter

Babylon Berlin

World Wide Wohnzimmer: Ich hate da mal eine Frage – Exsl95

RTL-Nachtjournal

Live: Pressetalk des FC Bayern München

Schlagerbooom 2018 – Alles funkelt! Alles glitzert!

Jäger der versunkenen Lok

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1

Fest & flauschig

Wontorra – der O₂ Fußball-Talk

Dunja hayali

Tagesschau

No more Boys and Girls

Bruder vor Luder

VIVA forever – Die Show

Darts-WM 2018

Silvestershow mit Jörg Pilawa

Silvester im Südwesten: Willkommen 2019

Anhang Die Jahresrückblicke

Das war 2016

Das war 2017

Das war 2018

Vorwort: Das zweite Buch

Drei Jahre danach. 2016 ist der erste Band mit den besten Kolumnen aus 20 Jahren erschienen. Seitdem hat sich einiges getan. In der Politik, in der Gesellschaft, in den Medien. Wer dieses Buch und die 230 Texte darin liest, wird das merken.

Seit 1996 gibt es die Kolumne „RT Zapper”, wie es dazu kam und wie das weiter ging, erzählte ich im Vorwort des ersten Buches.

Inzwischen hat sich die Mediennutzung stark verändert.

Streaming-Dienste lösen mehr und mehr das herkömmliche Fernsehen ab.

Überall, im Fernsehen, in sozialen Medien, geht es um Aufmerksamkeit. Da werden Themen zu Skandalen aufgebauscht – und das scheinbar jeden Tag. Überall schreien uns Aufreger entgegen, und immer öfter lassen sich die Menschen aufregen.

Das spiegelt sich wider in immer neuen Empörungswellen. Jemand tut was, ein anderer ist empört, und immer mehr empören sich, und morgen ist alles schon wieder vergessen.

Davon gibt es einige Beispiele, die sich in den vergangenen Jahren aufgetan haben.

Deshalb täuscht der Eindruck auch nicht, dass auch die Fernseh- und Medienkritik immer öfter auch politisch oder gesellschaftskritisch ist. So steht dann auch hier und da die Frage im Raum: Wer soll da eigentlich manipuliert werden? Was hat Person XY mit seinen Worten oder Taten anrichten wollen?

Viele solcher Analysen befinden sich in diesen Kolumnen aus den Jahren 2016 bis 2018.

Aber natürlich spielt auch weiterhin der ganz normale Fernseh-Irrsinn in diesem Buch eine Rolle. Denn bekloppte Sendungen gibt es immer wieder.

Die Konzentration auf drei Jahre macht es in diesem Buch aber auch möglich, genauer hinzuschauen, was denn eigentlich alles passiert ist. So ist dieses Buch auch ein spannender Rückblick auf drei zurückliegende Jahre geworden.

New Years Eve

FR 01.01.2016 | 5.30 Uhr | CNN

Wenn Deutschland schon längst den Jahreswechsel vollzogen hat, zieht die US-Ostküste nach. Der Jahreswechsel auf dem Times Square in New York, jedes Jahr live übertragen von CNN, gehört zu einem guten Ende einer Silvesternacht.

Denn was Berlin immer noch nicht drauf hat, das ist in New York selbstverständlich.

Mitternacht in Berlin: Die Kameras sind auf das Brandenburger Tor gerichtet, irgendwo da ganz hinten, ganz klein im Bild, macht es piff und puff, und ein niedliches Feuerwerk beginnt. Große Bilder und Emotionen? Fehlanzeige. Berlin kann es einfach nicht.

Sydney, ein paar Stunden davor: Mega-Feuerwerk im Hafen. Auch andere Städte liefern jedes Jahr tolle Bilder. Berlin nicht.

Dann, sechs Stunden nach uns: New York. Der Übergang ins neue Jahr ist eine schöne, irgendwie rührende Abfolge von Traditionen: Um 23.59 Uhr senkt sich ein goldener Ball herab, auf der Mega-Anzeigetafel am Times Square läuft der Countdown, alle zählen die Sekunden runter. Um Mitternacht singen alle „Old lane syne”.

Dann ertönt Frank Sinatras „New York, New York”, danach „Wonderful World”. Dazu liegen sich alle in den Armen. Es ist kein Mega-Spektakel – aber es sind schöne Bilder, die New York da liefert. Muss live echt schön sein!

Achim Mentzel ist tot

Oben, im Himmel, haben sie jetzt vermutlich ein bisschen Angst.

Wird er ständig „Sauer macht lustig” singen? Oder die alten Songs der Stones? Eines aber ist klar: Es wird ein Stück lustiger da oben.

Die Spreewaldgurken tragen Trauer. Achim Mentzel ist tot. Er wurde nur 69 Jahre alt, brach am Montagmittag zu Hause in Gallinchen plötzlich zusammen und verstarb wenig später. Das kommt mir leider bekannt vor.

Ein toller Mensch hat uns da verlassen. Okay, „Achims Hitparade” war jetzt nicht so meins. Und irgendwie war er ja auch immer unfreiwillig komisch, wenn er seine Moderationstexte runterstotterte.

Dann aber kam Oliver Kalkofe mit seiner „Mattscheibe” und zog Achim durch den Kakao. Und was machte Achim? Lachte drüber.

Lachte mit. Machte mit. Es entstand die sehr besondere Kalkofe-Mentzel-Freundschaft. Der Zonenzausel, wie Kalkofe ihn nannte, hatte Humor. Lachte. Sorgte dafür, dass sein Publikum Spaß hatte und scherte sich gar nicht drum, wenn man ihn verarschte. Er hatte es Mitte der 90er verstanden: Diese Verarsche war goldene PR – für ihn. Und er nutzte das, und plötzlich kannten ihn auch die jungen Leute.

2012 traf ich Achim Mentzel in Kremmen. Er war zu Gast bei unserer „Mitreden”-Talkshow im Theater „Tiefste Provinz”. Achim kam extra aus Cottbus – und zeigte, was ein Entertainer drauf haben muss. Hinter der Bühne noch konzentriert, durchaus ernsthaft, schaltet er auf der Bühne um. Da war er ganz der Achim, die Stimmungskanone, die wir kannten. Ein Stichwort genügte, und er erzählte spannend und witzig aus seinem bewegten Leben.

Wie er mit der Musik begann, von seiner Flucht in den Westen und der Heimkehr in die DDR – und natürlich über den West-Siegeszug in „Kalkofes Mattscheibe”.

Nun tingelt er nicht mehr. Und der Reigen der Entertainer wird wieder ein bisschen kleiner. Mach’s gut, Achim! Warst ein doller Typ!

Shop 24 Direct: Heintje

DO 07.01.2016 | 3.45 Uhr (Fr.) | Astro TV

Achtung, Breaking News! Es sind total seltene Musikaufnahmen von Heintje gefunden worden! Nach vielen Jahrzehnten können sie nun endlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden!

Seltsam, bislang habe ich von dieser Musiksensation gar nichts in der „Tagesschau” gehört. Aber vermutlich schaut sonst nachts um 3.45 Uhr niemand Fernsehen. Schon gar nicht Astro TV.

Aber das ist vielleicht auch besser so, denn nun kann ich diese Meldung also fast exclusiv auch an dieser Stelle verkünden.

Endlich also dürfen wir die Hits von Heintje wieder hören. Heintje, der junge Holländer, der in den 60ern die Mütterherzen zum Bröckeln brachte – bis er in den Stimmbruch kam. Jetzt, endlich, können wir ihn wieder singen hören: „Mama”, das „Schwalbenlied”, „Oma so lieb”, „Mamatschi” und natürlich der Kracher „Heidschi Bumbeidschi”.

Ich bin so glücklich, dass ich…

Ähm, wie bitte?

Es gibt das Zeug überall sonst auch zu kaufen? Es sind gar keine verschollene Aufnahmen? Bei Amazon und Co. kann ich auch Heintje-CDs kaufen? Die Aufnahmen sind gar nicht selten?

Nun ja. Vielleicht haben ja die Leute vom „Shop 24 Direct” irgendwelche ganz speziellen, verrauschten Original-Aufnahmen gefunden. Irgendwas muss schließlich dran sein an der von denen verbreiteten Meldung. Immerhin würden solche Teleshopping-Leute doch nie, nie, nie Stuss reden, oder?

Im Shop gibt es 80 seiner größten Hits auf vier CDs. 80? Größte Hits? Heintje hatte 80 Hits? Das Ganze gibt es jedenfalls für ‘nen guten Fuffi plus Versandkosten. Ist ja, ähm, ein Schnäppchen.

Andererseits: Sind ja so seltene Aufnahmen, nicht wahr?

Sarah & Pietro… im Wohnmobil durch Italien

MO 18.01.2016 | 21.15 Uhr | RTL II

Sarah und Pietro haben jetzt ein Baby. Also, sagen sie jedenfalls.

Sie zeigen es uns aber nicht, denn sie möchten nicht, dass es im Fernsehen vorgeführt wird.

Okay, ja, sie haben eine Serie über Sarahs Schwangerschaft gemacht und über die Geburt und die Schwierigkeiten danach berichtet – aber, richtig: Da muss man konsequent sein und das Privatleben raushalten.

Oder so ähnlich. So ganz habe ich das nicht verstanden.

Sarah und Pietro – einst waren sie „DSDS”-Kandidaten und verliebten sich – leben heute davon, ihr Leben von Kameras filmen zu lassen.

Was verständlich ist, denn das Leben der beiden, ist so spannend, dass… gähn… man das ja unbedingt… gähn… sehen muss.

Am Montagabend startete bei RTL II „Sarah & Pietro… im Wohnmobil durch Italien”. Ein wahrer Thriller: Pietro, der über dem Kinderwagen gebeugt sein Baby bespaßt (was wir ja nicht sehen dürfen, da das Baby privat bleibt). Pietro, wie er Sarah massiert. Pietro und Sarah, die gemeinsam die Großeltern besuchen und sich nichts zu sagen haben.

So viel Spannung muss man erst mal aushalten.

Und was ist nun mit Italien? Der Pietro ist der Meinung, dass die Liebe zu Sarah zwar noch da sei, man habe aber keine Zeit für sich.

Und was tut man dagegen?

Na, kommste nicht drauf?

Ist doch klar! Man schnappt sich seine Liebste, das Baby, die Großeltern und das RTL-II-Team und reist mit dem Wohnmobil durch Italien.

Wie romantisch! Ja, da hat man dann mal echt Zeit für sich.

The Big Bang Theory

MI 20.01.2016 | 23.25 Uhr | ProSieben

Vor fünf Wochen lief bei ProSieben die letzte Ausgabe von Stefan Raabs „TV total”. Viermal in der Woche lieferte er eine Stunde lang tagesaktuelle Unterhaltung.

Und die Frage aller Fragen war, was sich denn ProSieben als Ersatz dafür ausgedacht hat. Spätestens seit dieser Woche wissen wir: nichts.

Montag: ProSieben zeigte von 20.15 bis 23.50 Uhr „The Big Bang Theory”. Acht Folgen, davon eine neu.

Dienstag. ProSieben zeigte von 22.10 bis 23.55 Uhr „The Big Bang Theory”. Vier Folgen, allesamt Wiederholungen.

Mittwoch. ProSieben zeigte von 22.00 bis 1.40 Uhr „The Big Bang Theory”. Acht Folgen. Das heißt: eigentlich nur vier, danach die vier selben noch mal. Allesamt Wiederholungen.

Donnerstag: ProSieben zeigt von 22.10 bis 23.55 Uhr „The Big Bang Theory”. Vier Folgen, allesamt Wiederholungen.

In Sachen Ideenarmut und programmlicher Lustlosigkeit ist ProSieben momentan ganz vorne dabei. Gibt es denn wirklich nichts anderes zu senden als immer und immer wieder dieselbe Sitcom? Die noch dazu vormittags, nachmittags und nachts auch in mehreren Blöcken zu sehen ist.

Late Night in Deutschland: dringend vermisst!

Punkt 12

Neues Glück für Teresa Enke

DO 28.01.2016 | 12.00 Uhr | RTL

Die Klatschjournalisten sind sehr aufgeregt. Es heißt, dass Teresa Enke wieder geheiratet hat. Es heißt, dass sie schwanger war und ein Kind bekommen hat. Und, jetzt kommt’s: Schon vor zwei Monaten!

Im RTL-Mittagsmagazin „Punkt 12″ war das am Donnerstag ein ganz heißes Thema.

Teresa Enke also. Die Frau von Robert Enke, der sich im November 2009 das Leben nahm. Mehr als sechs Jahre danach scheint sie also ihr neues Glück gefunden zu haben, und erst jetzt ist das bekannt geworden.

Frau Enke sagt natürlich nichts dazu – warum sollte sie auch? Bei „Punkt 12″ kommt stattdessen eine Psychologin ins Spiel, die sagt, dass das ja normal sei, und Robert Enke immer ein Teil von Teresa Enke sei. Und dass es doch schön sei, weiterzumachen. Und dass man ja nicht ewig trauern könne. Bla, bla.

Dazu noch Archivaufnahmen von Teresa – und sieht man da etwa den Babybauch?

Meine Güte, ist das alles aufregend.

Na ja, nicht wirklich. Teresa Enke ist zu wünschen, dass sie ein schönes Leben abseits der Boulevardmedienmeute führen kann.

Sportschau live: Eiskunstlauf-EM 2016 – Kür der Paare

SA 30.01.2016 | 10.00 Uhr | einsfestival

In der Niederlage lächeln. Das ist wohl das allerhärteste Geschäft, das Sportler zu leisten haben. Aber Niederlagen gehören zum Sport dazu. Es ist trotzdem hart, verdammt hart.

Es gibt eben nicht nur die Jubelmomente wie davor beim Handball oder beim Tennis.

Am Sonnabendmittag übertrug einsfestival live die Kür der Paare bei der Eiskunstlauf-EM 2016 in Bratislava. Die beiden für Deutschland tanzenden Aljona Savchenko und Bruno Massot hätten eventuell noch Gold holen können, wenn sie eine nahezu perfekte Kür ablieferten.

Dann aber patzten sie. Mehrere Figuren klappten nicht wie geplant. Für das Eislaufpaar ein ganz bitterer Moment.

Aljona Savchenko lächelte ihn nach dem Ende der Kür weg.

Lächeln, weiterlächeln. Haltung bewahren. Nichts anmerken lassen. Bruno Massot dagegen konnte das nicht. Er konnte nicht lächeln, er war todunglücklich, schüttelte immer wieder den Kopf.

Untröstlich war er, Aljona konnte nichts tun, keine Aufmunterung half.

Und das sind sie dann, die Niederlagen, die traurigen Momente, die es aber immer wieder gibt. Und einem immer wieder das Herz zerreißen.

Die beiden landeten auf dem 2. Platz. Silbermedaille. Gefreut haben sie sich darüber nicht. Vorerst nicht. Denn auch Silber muss man ja erst mal schaffen.

Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!

Das große Finale 2016

SA 30.01.2016 | 22.15 Uhr | RTL

Der Sieger sitzt da und kann es nicht fassen. Weint leise vor sich hin. Und kann es immer noch nicht glauben, was da gerade mit ihm passiert ist. Menderes Bagci ist Dschungelkönig 2016. Ihn haben die RTL-Zuschauer am späten Sonnabendabend zum Sieger der 10. Staffel von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!” gekürt.

Und wieder mal womit? Mit Recht!

Eines muss man den Zuschauern ja lassen: Am Ende erkennen sie meistens doch, wer im Dschungelcamp den besten Eindruck hinterlassen hat. Menderes kannten wir vorher als ewigen DSDS-Kandidaten. In den vergangenen 16 Tagen haben wir ihn ein wenig näher kennenlernen dürfen. Schüchtern ist er, vielleicht ein wenig naiv. Aber auch fleißig. Wie ein Bienchen arbeitete er im Camp, oft im Hintergrund. Und er blieb dabei uneigennützig, es ging ihm nicht zwingend darum, ständig im Rampenlicht zu stehen. Er ist sozial, er mischte sich erstaunlicherweise in keinen der vielen Streits ein, und das ist wirklich eine Leistung. Menderes ist ein sympathischer Typ.

Gleichzeitig ist zu hoffen, dass ihm dieser Erfolg nicht zu Kopf steigt. Oder besser: Dass er die richtigen Leute um sich hat, die ihn jetzt nicht Dinge machen lassen, die er vielleicht gar nicht will.

Die Freude von Sonja Zietlow und Daniel Hartwich, dass Menderes es geschafft hat, war ganz sicher auch nicht gespielt. Sie haben das alles vermutlich genauso gesehen, wie sie immer wieder durchblicken ließen.

Und sonst? Helena Fürst entwickelte sich im Laufe der Tage mehr und mehr zum Sozialmonster. Da war es manchmal schon erschreckend und alles andere als lustig zu beobachten, wie sie verbal auf den anderen herumtrampelte. Sie macht den Eindruck, dass sie ihre Gegner mit Worten gnadenlos niederprügelt – und die am Boden Liegenden noch dreimal tritt.

Das allseitige Auftamen war groß, als Fürst am Freitagabend endlich gehen musste.

Auch wenn das 2016er-Dschungelcamp am Ende zumindest immer recht interessant war, auch wenn man den Machern immer noch die ganz große Liebe zum Format ansieht – ein bisschen ist dann doch die Luft raus aus dem Format.

Aber bis Januar 2017 haben wir das bestimmt wieder vergessen – und freuen uns dann auf Staffel 11!

Lindenstraße: Lea will eine Chance

SO 31.01.2016 | 18.50 Uhr | einsfestival

Wahnsinn! Die deutschen Handballer sind Europameister geworden! Fast 13 Millionen Menschen sahen das Spiel am frühen Sonntagabend und konnten am Ende mitjubeln, als in Krakau die (erschreckend hässliche) Siegerschale übergeben worden ist.

Dummerweise war an diesem Abend aber für die „Lindenstraße” im Ersten mal wieder kein Platz, und das jetzt schon zum zweiten Mal in Folge. Stattdessen ist sie zu einsfestival abgeschoben worden – und im Internet war sie natürlich auch abrufbar.

Dennoch: Das ist bitter, vor allem für die Macher der Serie.

Denn die Folge „Lea will eine Chance” war nicht irgendeine lahme Story, die man hätte ruhig verpassen können. Nein, dahinter verbirgt sich ein echter Showdown.

Alles begann am 6. Dezember 2015. Zum 30. Jubiläum der Serie ist die „Lindenstraße” live gesendet worden, und die ARD trommelte mächtig dafür.“Hinter der Tür” hieß das Kapitel, und hinter der Tür ist Erich Schiller gestorben, eine der Figuren, die 25 Jahre dabei war. Und irgendwer war schuld an seinem Tod. Ein Mord?

Tja. Dumm nur, dass viele Zuschauer die Auflösung gar nicht mitbekommen.

Am Sonntag ist diese ganze Geschichte aufgelöst worden. Am vergangenen Sonntag – auch diese Folge lief wegen Handballs auch nur im kleinen Kreis bei einsfestival – war das schon absehbar, wer es war. Nun spitzte sich das zu und strebte auf den Höhepunkt zu. Eine echte Highlightfolge voller Spannung, Dramatik und Trauer.

Sowohl am 24. als auch am 31. Januar war wegen des stundenlangen Live-Sports kein Platz für die „Lindenstraße” im Ersten. Und auch an den anderen Tagen ließ sich nichts machen.

Mit großen Tamtam ist eine Storyline eröffnet worden, und am Ende scheint es bei der ARD niemanden mehr zu interessieren, wie viele Leute den Showdown mitbekommen.

Nur Hardcorefans werden einsfestival geschaut haben, denn die allermeisten werden beim Handball gewesen sein. Die Mediathek nutzen auch noch lange, lange nicht so viele Leute, als das als Ersatz angesehen werden kann.

Warum ist es im Tanker ARD einfach nicht möglich, irgendwo im Laufe einer Woche einen vernünftigen Ersatzsendeplatz zu finden?

Ist es schlicht wurscht, was man wo sendet? Immerhin ist die „Lindenstraße” eine Fortsetzungsgeschichte, und ist man zweimal nicht dabei gewesen, wie es schwieriger, den Faden wieder aufzunehmen. Und in diesem besonderen Fall hat man ihn ganz verloren.

live ran – Football: Super Bowl 50

SO 07.02.2016 | 23.15 Uhr | Sat.1

Was für ein geiler Super Bowl!

Der beste Super Bowl aller Zeiten!

Was für ein super geiles Footballspiel!

Wie gut, dass wir Frank Buschmann haben. Ohne hätten wir in der Nacht zum Montag gar nicht so genau mitbekommen, ob der 50. Super Bowl nun gut oder nur so lala war. Buschi teilte es uns immer wieder laut schreiend und besoffen vor Begeisterung mit.

Ich mag Frank Buschmann eigentlich, denn er kommentiert locker und flüssiger als so manch anderer Sportkommentator.

Aber was er bei Sat.1 ablieferte, war dann doch eine Spur to much.

Immer wieder plärrte er seine Begeisterung ins Mikro. Es ist zwar schön, wenn sich die „Geilheit” eines Footballspiels auch auf den Kommentator auswirkt, aber wenn ich einen Fanboy beim kommentieren zuhören will, dann gehe ich auf Fanseiten.

Buschi, du kannst gern weiter begeistert sein, du darfst sogar laut sein, aber du musst uns nicht alle paar Minuten zuschreien, wie geil du das, was du da siehst (und wir auch), findest. Und wenn das auf Twitter jemand kritisch anmerkt, dann musst du auch nicht auf „beleidigte Leberwurst” machen, von wegen „Mimimi, geh schlafen!”.

Da möchte man eher rufen: Komm mal wieder runter!

Roger Willemsen ist tot

Roger Willemsen war ein Intellektueller. Aber keiner dieser hochnäsigen, die kein Mensch verstanden hat, wenn man ihm zuhörte.

Roger Willemsen war aber auch keiner aus dem Volke. Vielmehr war er die Brücke zwischen beiden. Er war das Bindeglied zwischen der Kulturelite und der Frau Müller von nebenan. Und beides ist hier nicht böse gemeint.

Aber Willemsen hörte man immer gern zu. Er war ein kluger Mensch, der die Dinge so ausdrücken konnte, dass man immer mitkam. Und wenn man mal nicht mitkam, dann hörte man ihm trotzdem gern zu.

Ich habe ihn zweimal live erlebt. Einmal 2009 in Neuruppin, da stellte er sein Bangkok-Buch vor. Bei dieser Lesung waren viele Menschen, und es waren Menschen aus allen möglichen Schichten. Sie alle hingen an seinen Lippen, sie alle mochten seine sympathische, bodenständige, humorige Art. Denn auch das war es, was ihn auszeichnete: sein Humor. Manchmal beißend und spottend, und auch das oft zu recht.

Sein Bildband über Bangkok war übrigens fesselnd. Was für tolle Fotos – und dazu die Texte. Spannend, nahegehend, toll beobachtend.

Zuletzt las ich sein Buch über sein Jahr im Bundestag. Auch das war an vielen Stellen spannend, manchmal lustig und an vielen Stellen ebenfalls gut beobachtet.

Roger Willemsen war ein genauer Beobachter. Ein guter Zuhörer und Fragensteller.

Ich bin 1993 auf ihn gestoßen, damals moderierte er bei Premiere die Talkshow „0137″ und (oft noch interessanter): „Willemsen – Das Fernsehgespräch”. Eine Stunde redete er mit einem Promi, und auch da hing man an den Lippen der beiden. Später im ZDF gab es immer freitags „Willemsens Woche”. Ohne ihn würde ich Leute wie den Aktivist Raul Krauthausen oder den genialen (auch schon verstorbenen) Musiker Michel Petrucciani nicht kennen.

Nun also „war” er. Roger Willemsen ist tot. Mit nur 60 Jahren. Krebs. Innerhalb von einem guten halben Jahr hat die Krankheit ihn besiegt.

Wenn ich ihn in den Nachrufen so reden höre, wirkt er immer noch jung und agil, und ich kann nicht glauben, dass er „war”. Er wird fehlen.

ADAC-Fliederball 2015

MO 08.02.2016 | 22.45 Uhr | RIK-tv

Ach, war das aber schön beim ADAC-Fliederball. Die High Society aus Schwetzingen kam zusammen. Alles war schick. Der erste Bürgermeister hatte auch was zu sagen. Und der Oberbürgermeister ebenfalls. Die Leute hatten Spaß, viele haben getanzt.

Das klingt ja… also, nun ja.

Normalerweise geht ein Kamerateam zu einem Event, filmt alles ab, und dann gibt es einen mehrminütigen Beitrag. Beim Lokalsender RIK-tv aus Ketsch in Baden-Württemberg ist das ein wenig anders: Da geht jemand mit der Kamera zu einem Event – und zu sehen ist dann: alles. Das komplette Material. Ohne Rücksicht auf eventuelle (nein: ganz sichere) Langeweile.

So lief am Montagabend ein Film über den „ADAC-Fliederball 2015″ in Schwetzingen. In epischer Breite ist gezeigt worden, wie die Leute im Saal ankommen und begrüßt werden. Wie sie tanzen.

Wie sie essen. Und wie sie wieder tanzen. Und wie noch ein paar Leute ankommen. Und was die verschiedenen Bürgermeister sagen.

Das alles wirkt wie ein ungeschnittenes Homevideo, und das Bittere daran ist: Vermutlich ist es auch genau das. Und die Frage ist: Wer möchte sich das in epischer Breite ansehen?

Das hat ja jeder schon mal erlebt: Man ist bei Freunden und bekommt dort ein Video von einer Familienfeier gezeigt – und der Film will einfach nicht aufhören, und eigentlich möchte man sagen: Lass mal gut sein.

So sitzt man als Zuschauer auch fassungslos da, wenn auf RIK-tv eine halbe Ewigkeit diese Feier breitgetreten wird. Jeder, der nicht beim ADAC-Fliederball dabei war, wird sich dafür kaum interessieren.

Direkt im Anschluss gab es bei RIK-tv eine Sendung, in der ein Seniorenchor sang. Volkslieder. Popsongs. Mindestens eine halbe Stunde, ohne jede Gnade, dass es mal vorbei sein könnte.

Komplett ohne Schnitt, ab und zu ein Schwenk, weil leider nicht alle Chormitglieder ins Bild passten.

Das alles live ist ja sicherlich ganz nett – aber mal im Ernst: Wer schaut sich so was an? Wer ist die Zielgruppe dieses Lokalsenders?

Anderntags gab es einen ewig langen Bericht darüber, wie irgendwelche Frauen einen Ausflug in den Spreewald machen. Wir sehen die Kahnfahrt. Und viel Wasser. Und den Kahn. Dann steigen mal alle aus, gucken sich was an, und weiter geht die Kahnfahrt. Sehr, sehr spannend.

Das Schlimme ist ja: Es ist nicht mal die Faszination des Grauens.

Das Grauen wäre ja noch irgendwie interessant. Aber es ist einfach nur: langweilig und nichtssagend.

Tagesschau

Zugunglück bei Bad Aibling

DI 09.02.2016 | 10.35 Uhr | Bayerisches Fernsehen

In Bad Aibling in Bayern passiert ein schreckliches Zugunglück, und was zeigt das Bayerische Fernsehen an diesem Dienstagvormittag?

Die „Närrische Weinprobe”.

Erst vier Stunden nach dem Unglück reagiert man beim BR, bricht die Faschingssendung ab und schaltet sich zum Ersten zur „Tagesschau”.

Einige Medienblogger sind schon wieder munter dabei, sich zu empören, empören, empören. Vier Stunden hat der BR gebraucht, um zu reagieren? Darüber kann man sich empören, dass das so lange gedauert hat – man kann sich aber auch mit der Situation an diesem Dienstagmorgen mal näher befassen.

Um kurz vor 7 Uhr ist es passiert. Auf einer eingleisigen Strecke stoßen zwei Züge frontal zusammen. Das Unglück passiert nahe Bad Aibling, in einer schwer erreichbaren, schwer einzusehenden Gegend, in einem Waldstück.

Um 8 Uhr berichtet die „Tagesschau”, ohne dass Einzelheiten bekannt sind.

Um 9 Uhr berichtet die „Tagesschau”, und es gibt es kurze telefonische Einschätzung eines Reporters vor Ort, aber noch keine bewegten Bilder.

Gegen 9.50 Uhr unterbricht Das Erste das Programm für eine kurze Extra-„Tagesschau“, es gibt erste Bilder und eine Einschätzung eines Korrespondenten. Das ganze schlimme Ausmaß wird langsam klar.

Um 10.35 Uhr läuft die nächste „Tagesschau“ mit ausführlicheren Berichten.

Bis nach 9.30 Uhr war somit das ganz furchtbare Ausmaß des Unglücks noch nicht klar. Also scheint man sich beim BR entschieden zu haben, das Programm erst mal weiterlaufen zu lassen. Es ist der Fastnachtsdienstag, da gibt es ein heiteres Vormittagsprogramm. Das ist ein wenig unglücklich, ja. Es gab immerhin Einblendungen, mit denen informiert worden ist.

Um 10.35 Uhr endete der BR-Fasching abrupt, das Bayerische Fernsehen übernahm die Tagesschau.

Klar, der BR hätte noch schneller reagieren können. Aber wegen der widrigen Umstände war schlichtweg sehr lange nicht klar, welches Ausmaß das Zugunglück hatte, dass es so groß war, dass man nicht nur bei der „Tagesschau2 handeln musste, sondern auch im Dritten des BR.

Andererseits: Auch wenn so ein Unglück in Bayern passiert, ist die erste Adresse eh Das Erste mit der „Tagesschau“ – und die hielt die Menschen auf dem Laufenden.

Im Dritten läuft die Nachrichtenmaschine etwas langsamer an. Das kann man sicherlich kritisieren, das kann man sicherlich besser machen – aber die ARD als Gesamtverbund und eben auch der BR für die ARD hat gearbeitet.

Starshine – Das Comedy-Promi Magazin

DO 11.02.2016 | 23.00 Uhr | RTL II

Micaela Schäfer holt ständig und überall ihre Brüste raus. Das wissen wir schon. Was wir noch nicht wussten: Sie macht täglich Nacktflöten. Auch beim Frühstücken holt sie ihre operierten Titten raus. Auf der Straße trägt sie Klamotten, die auch nichts verhüllen. Irre? Joa.

Georgina Fleur macht gern Selfies. Nur leider bekommt sie von sich selbst immer zu wenig aufs Bild. Deshalb lässt sie eine aufwändige OP machen, bei der ihr der rechte Arm stark verlängert wird, und ein Team von RTL II ist exklusiv dabei.

Irre? Total.

Aber ein Fake.

Am Donnerstagabend startete bei RTL II “Starshine – Das Comedy-Promi-Magazin”. Denn alle Storys, die dort gezeigt werden, sind nicht echt. Sie sollen lustig sein.

Und im Grunde sind sie das auch.

Dass die Sendung trotzdem nicht so richtig zündet, liegt zum einen an Moderatorin Collien Ulmen-Fernandes, die in dem Magazin die etwas überdrehte Ansagerin leider nur schlecht und sehr gestelzt spielt. Zum anderen daran, dass man diese bekloppten Geschichten fast glauben möchte. Insbesondere die Micaela-Story, die noch vor dem Vorspann lief, hätte auch wahr sein können, denn Frau Schäfer tut ja bekanntermaßen vieles, um ihre beiden Rundungen zu präsentieren.

Hinzu kommt: RTL II hat so viele bescheuerte Sendungen im Programm, dass diese – die, ja gewollt überdreht-bescheuert sein will – kaum heraussticht, kaum auffällt.

„Starshine” hat aber dennoch Potenzial, und vor allem darf man gespannt sein, welche Promis sich in den kommenden Wochen für die ausgedachten Storys hergeben.

Mora

SO 14.02.2016 | 20.15 Uhr | ARD-alpha

Ein Mann bastelt an einer Taschenuhr. Er ist Uhrmacher. Er hat viel Zeit. Er setzt das Räderwerk ein. Er schraubt, er guckt, er schraubt weiter.

Alles ganz in Ruhe.

Und der Zuschauer ist dabei. Auch ganz in Ruhe. Eine Stunde lang, in Echtzeit. Ohne Schnitt. Ohne Musik. Ohne Erklärung. Einfach nur ich und der Uhrmacher – und das, was er da tut.

Der Bildungskanal ARD-alpha bietet sonntagabends zur Primetime das absolute Alternativprogramm zum allgemeinen Flimmern und Rauschen: „Mora” ist Slow-TV.

Vier Kameras halten fest, was in der Werkstatt des Uhrmachers passiert, permanent im Splitscreen. In Nahaufnahme, von der Seite und zwei Raumansichten.

Das muss man sich erst mal trauen als Fernsehmacher – aber auch als Zuschauer. Denn eine ganze Stunde lang kann er sich voll und ganz auf das konzentrieren, was da passiert. Die pure Entschleunigung, denn was real 15 Minuten dauert, passiert auch in „Mora” 15 Minuten lang.

Eine Stunde also Basteleien an einer Uhr. Das kann spannender sein, als man vielleicht denkt. So was kann richtig fesselnd sein!

Am 21. Februar geht es um eine Gruppe Synchronschwimmerinnnen beim Training.

aspekte extra: Die lange Nacht der Berlinale

DI 16.02.2016 | 0.55 Uhr (Mi.) | ZDF

Berlin ist im Festivalfieber, und da mischt das ZDF ordentlich mit – mit einem „aspekte extra” und „Die lange Nacht der Berlinale”. In einem Studio über dem Potsdamer Platz, also im Herzen der Berlinale, begrüßten Tobias Schlegl und Katty Salié Filmemacher, Schauspieler und Musiker.

Die Zuschauer erfuhren etwas über aktuelle Festivalfilme, über neue und alte Strömungen und einfach über das, was auf der Berlinale 2016 so los ist.

Und das war eine wirklich spannende, abwechslungsreiche Unterhaltungssendung mit Niveau und Anspruch. Eine schöne Mischung aus Talks, Einspielern und Live-Musik. Zwei Stunden lang. So muss es sein, ZDF!

Aber: Warum, um Gottes Willen, läuft so etwas erst nachts um 0.55 Uhr? In der Nacht zum Mittwoch? Warum wird so eine aufwändige Produktion im tiefsten Nachtprogramm (nein, man kann nicht mal mehr vom Spätprogramm sprechen) versenkt?

Warum muss man bis kurz vor 3 Uhr in der Nacht wach bleiben, um so eine Infotainment-Perle zu sehen?

Wozu hat das ZDF seine drei Spartensender, wenn es nicht mal möglich ist, wenigstens dort diese Sendung live oder wenigstens früher zu senden?

Sicherlich, so eine Berlinale-Sendung ist thematisch ab und zu etwas speziell – aber sicherlich hätte man noch ein paar Zuschauer mehr erreicht. Zu einer anständigen Sendezeit.

Domian

Anruferin wird on Air verprügelt?

MO 22.02.2016 | 1.00 Uhr (Di.) | WDR

Zwischenfall bei Jürgen Domian. In seiner Telefontalk-Sendung am sehr späten Montagabend im WDR sprach er mit einer jungen Frau. Sie, Christin, erzählte, dass sie oft von ihrem muslimischen Freund verprügelt werde. Die beiden hätten ein Kind miteinander, und nur dieses Kind würde dafür sorgen, dass die beiden noch zusammen seien.

Schon das klang dramatisch und unschön.

Dann aber hörte man, dass ein Mann das Zimmer betrat und die Frau, die gerade mit Domian telefonierte, anschrie. Mit wem sie telefoniere, wollte er wissen. Man hörte, wie er sie schlug.

Was für ein Schock. Die Redaktion kappte sofort die Leitung ins Studio, und Jürgen Domian war sichtlich erschrocken. Er mache sich ernsthaft Sorgen, sagte er. Die Redaktion werde sich um die Frau kümmern.

Die Polizei ist gerufen worden, die tauchte dann auch tatsächlich in der Wohnung des Paares auf.

Nun aber wird die Geschichte wirklich undurchsichtig. In der „Bild” behauptet die junge Frau nun, man habe Domian reingelegt. Die Story sei ausgedacht gewesen, sie habe dem Mann ein Zeichen gegeben, nun laut zu werden. Auch die Polizei vor Ort in Castrop-Rauxel habe keinen Hinweis auf eine Straftat gefunden.

Domian bezweifelt das jedoch, er ist der Ansicht, der Anruf könnte echt gewesen sein, und es heißt, dass der WDR Anzeichen habe, dass der Anruf nicht gefaked gewesen sei. Was das für Anzeichen seien, ist aber unklar.

Die Staatsanwaltschaft will Ermittlungen wegen Vortäuschung einer Straftat aufnehmen.

Als Zuschauer und Zuhörer ist man so oder so entsetzt. Ist eine Straftat passiert, dann ist das schlimm. Schlimm wäre es aber auch, wenn eine Straftat vorgetäuscht worden wäre. Das wäre so richtig asi, denn die Frau hat immerhin gute sechs Minuten lang über ihr furchtbares Leben berichtet, sie hat eine halbe Ewigkeit dargelegt, was ihr passiert, in allen Einzelheiten. Und wenn ein Muslim eine Christin verprügelt – dann wäre das natürlich auch ein gefundenes Fressen für alle möglichen Demagogen.

Aber sie klang dabei ängstlich, manchmal brach ihr die Stimme weg – wobei man im Nachhinein überlegen könnte, ob sie dich da eventuell ein Lachen verkneifen musste.

Es wird spannend, was die Ermittlungen ergeben.

Anne Will

Heiko Maas und sein Anklatscher

SO 06.03.2016 | 21.45 Uhr | Das Erste

Eines muss man Anne Will lassen: Sie sorgt für frischen Wind am Sonntagabend. Wenn Gäste in ihre Talkshow kommen, gibt es keine Kuscheleien. Anne Will ist verdammt gut vorbereitet, sie ist hellwach, sie hört ganz genau zu, was ihre Gäste sagen – und wenn sie Müll reden, dann fällt ihr das auf, dann spricht sie das an.

Schon mehrfach zeigte sie in den vergangenen Wochen, dass man sie nicht einfach so auf den Arm nehmen kann, dass sie Phrasen schon mal als solche entlarvt.

Und andere Auffälligkeiten. Am Sonntag war Justizminister Heiko Maas (SPD) zu Besuch bei Anne Will. Schon bald fiel etwas auf: Immer wenn Maas irgendwas sagte, klatschte jemand im Publikum besonders laut – und meist als Einziger. Jemand versuchte sich da als Anklatscher, der versuchte, das Publikum mitzureißen.

Anne Will wurde es schnell zu bunt. Als die eine Person wieder mal laut und allein klatschte, begrüßte die Moderatorin den Sprecher von Heiko Maas.

Ja, genau, Heiko Maas brachte sich einen eigenen Mann mit, der ihn beklatschten sollte. Maas war das sichtlich peinlich, als er damit aufgeflogen ist. Und wurde so zum Lacher des Tages.

Aber mal ehrlich: Was Außergewöhnliches ist das das nicht.

Talkshowgäste nehmen sich sehr oft „Fans” mit, die an passenden Stellen zu klatschen haben – und im Idealfall andere im Publikum animieren, auch zu applaudieren.

Maas’ Sprecher war einfach nicht clever genug, das so zu machen, dass es nicht auffällt. Und, wie gesagt: Anne Will spricht diese Auffälligkeiten an, und das ist gut so.

Flohmarkt

DO 10.03.2016 | 18.50 Uhr | SR Fernsehen

Frau Marx hat ausgemistet. Alte Puppen, Bilder, ein Teletubbies-Poster, Teller, Uhren und sonstiger Nippes. Damit ist sie nach Saarbrücken zum SR gefahren und hat den Kram im Studio ausgebreitet. Nun steht sie da und wartet mit dem Moderator darauf, dass jemand anruft und den Plunder haben will.

Der Saarländische Rundfunk scheint mit seinem Programm ein wenig aus der Zeit gefallen und irgendwann in den frühen 80ern hängengeblieben zu sein. Zur besten Regionalfernseh-Sendezeit läuft im SR Fernsehen donnerstags der „Flohmarkt”.

Eine halbe Stunde lang sehen wir den Nippes von Frau Marx, und ständig rufen Leute an, um den Glasdelphin zu kaufen, das Gemälde und tatsächlich auch um das (nicht ganz billige) Teletubbies-Poster zu erwerben. Oder um sich noch mal die Kaffeekanne anzuschauen, zu der die Kamera dann mal fix (na ja, nicht ganz so fix – Handkameras hat der SR nicht) ranzuzoomen.

Sämtliche Preise stehen an den Gegenständen, die im Marxschen SR-Flohmarkt verramscht werden sollen, und erstaunlicherweise kommt nicht ein Anrufer auf die Idee, vielleicht mal zu handeln, wie es ja auf dem Flohmarkt eigentlich üblich ist. Ganz brav zahlen sie, was Frau Marx haben will.

Was ja überhaupt zu der Frage führt, warum der SR für irgendwelche Leute irgendwelchen Kram verkauft. Ist das nicht Teleshopping? Und darf der SR teleshoppen?

Aber wie das immer so ist. Der „Flohmarkt” im Vorabendprogramm ist pupsig-bieder und entspricht keinen aktuellen Sehgewohnheiten. Irgendwie fesselnd ist es dann aber doch, 30 Minuten lang zuzusehen, wie SR-Zuschauer willig überflüssigen Plunder kaufen.

Wahl 16: Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt

SO 13.03.2016 | 17.30 Uhr | Das Erste

Tja, liebe Politiker, war kein so schöner Wahltag, oder? AfD in Sachsen-Anstalt 24 Prozent. Da kann einem schon mal ganz übel werden, und die Frage wird erlaubt sein, wann denn endlich die Grenzen nach Sachsen-Anhalt geschlossen werden – und wann die entsprechende Fluchtwelle einsetzt.

Es ist erstaunlich, dass die meisten Politiker diese Situation aber immer noch schönreden wollen. Am Sonntagabend kamen sie in der „Wahl 16″-Sendung im Ersten immer wieder zu Wort. Und immer wieder bekamen sie mehr oder weniger kritische Fragen, die sie dann gern mal einfach nicht beantworteten.

Wahlschlappe für die CDU in Baden-Württemberg? Ach was, erst mal vielen Dank an die vielen Wahlhelfer, die einen tollen Job gemacht hätten. Und dass man ja das Wahlziel erreicht habe, Rot-Grün abzuwählen. Laber-Rhabarber.

Ein scheiß Abend für die SPD in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt? Ach was, ist doch ein hervorragender Abend – also in Rheinland-Pfalz, da läuft es doch dufte. Und in BaWü, da wollten sie halt alle den Kretschmann. Bla bla.

AfD-Katastrophe? Ach was, die FDP ist doch immerhin in drei, äh, zwei Landtagen vertreten. Das ist doch toll!

Die Grünen am Abnippeln? Ach was, in BaWü lief es doch hervorragend, da muss man doch nicht drüber reden, dass es in den anderen beiden Ländern nur knapp für den Einzug ins Parlament reichte.

Dass sich immer mehr Menschen über die leeren Politiker-Worthülsen ärgern, sollte niemanden wundern. Dass sie den Stuss trotzdem munter absondern, aber schon.

hallo Deutschland

Babette von Kienlins Schwächeanfall

MO 14.03.2016 | 17.10 Uhr | ZDF

2001, als Babette von Kienlin noch Babette Einstmann hieß, sorgte sie mit einem Kollaps für Wirbel, den sie vor laufender Kamera erlitt. Während eines Interviews in der „Drehscheibe Deutschland” fiel sie um. Sie war schwanger, was sie da aber noch nicht wusste. 15 Jahre danach hat sie wieder einen Schwächeanfall, und wieder in der „Drehscheibe”. Während einer Interviews sackte sie am Montagmittag auf ihrem Pult zusammen.

Wie geht man als Sender in so einer Situation damit um? Das ZDF spielte relativ fix einen Beitrag ein.

Und danach? Die komplette Sendung fehlt in der Mediathek. Wer sich ansehen möchte, was da passiert ist, findet da nichts.

Scheinbar wollte man die Moderatorin damit ein wenig schützen.

Was natürlich in der Youtube-Welt eher schwierig ist.

Um so seltsamer ist, dass das ZDF diese Szene am Nachmittag im Magazin „hallo Deutschland” noch mal zeigte – um den Leuten zu sagen, dass es Babette von Kienlin wieder gut gehe. Dass man den Kollaps dafür nochmal zeigen musste, ist merkwürdig. Zumal dadurch der Weg zu Youtube und Co. erst recht frei wurde – und die Szene im Netz nun die Runde macht.

Vermutlich sieht es Babette von Kienlin locker – und sie stand am Dienstag ja auch schon wieder vor der Kamera. „Die ganze Sendung”, wie sie schmunzelnd sagte.

Die Rocky Horror Picture Show

Nicht am Karfreitag!

FR 25.03.2016 | 0.00 Uhr | (Sa.) | kabeleins

„Die Rocky Horror Picture Show” lief nicht das erste Mal bei kabeleins. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass der Klassiker von 1975 erst um Mitternacht lief. Und dennoch hatte es einen Grund, warum er diesmal erst um genau Mitternacht anfing.

Früher hätte er an diesem sehr späten Freitagabend – oder eher: Sonnabendmorgen – gar nicht laufen dürfen. „Die Rocky Horror Picture Show” ist nämlich für Ausstrahlungen am Karfreitag gesperrt. Der Film darf an diesem „stillen Feiertag” nicht gezeigt werden. Also auch nicht am Totensonntag oder am Volkstrauertag.

Die FSK beurteilt nämlich nicht nur, ab wie viel Jahren sich jemand einen Film ansehen darf. Laut Grundgesetz, Artikel 140, sind Sonntage und christliche Feiertage gesetzlich geschützt, und „stille Feiertage” wie eben der Karfreitag haben einen noch höheren Schutz. Das Verbot gibt es seit 1980, und auf der Liste stehen aktuell 756 Filme.

Dazu gehören „Final Destination” oder „Die Feuerzangenbowle”, „Police Academy” und „Mary Poppins”, Bud Spencers „Banana Joe” und Thomas Gottschalks „Piratensender Powerplay”, „Animal Farm”, und die „Eis am Stiel”-Filme, „Hostel” und „Ring” und viele, viele weitere Filme. Bei einigen verständlich – bei anderen erscheinen eher Fragezeichen.

All diese Filme sind Karfreitag also verboten. Wie ja auch Tanzveranstaltungen am Karfreitag verboten sind.

Albern? Überholt? Blödsinnig?

Mag sein. Gegner dieser Regel sagen ja, Kirche und Staat dürften sich nicht vermischen, weshalb auch solche Regelungen unzulässig seien.

Aber so lange der Karfreitag ein Feiertag ist, man diesen auch gern in Anspruch nimmt, sollte man doch im Gegenzug mit diesen Regeln auch keine Probleme haben. Quasi ein Kompromiss.

Und bei kabeleins hat man dann ja schließlich auch keine Minute zu lang gewartet, um dann um Punkt Mitternacht „Die Rocky Horror Picture Show” zu starten.

NeoMagazin Royale

Die Erdogan-Schmähkritik

FR 01.04.2016 | 1.20 Uhr | (Sa.) | ZDF

Beim ZDF zeigt man nur gute Satire. Heißt es. Also, wirklich richtig gute Satire. Man habe da gewisse Ansprüche. Sagt der Programmchef. Die sind wirklich richtig, richtig hoch.

Im Sommer scheint man da aber nicht so genau hingeschaut zu haben. Denn während man miese Satiresendungen wie „Die Lars Reichow Show” trotzdem sendete, ist das nun im Fall von Jan Böhmermann anders.

Donnerstagabend bei zdf_neo: Jan Böhmermann ereifert sich im „NeoMagazin Royale” über den türkischen Präsidenten Erdogan und seinen Angriff auf das NDR-Satiremagazin „extra 3″.

Böhmermann sprach davon, dass es einen Unterschied gebe zwischen Satire, also politischer Satire, und einer in der Tat nicht erlaubten Schmähkritik. Daraufhin zeigte Böhmermann, was denn Schmähkritik sei. Und legte los.

Unter anderem heißt es da über Erdogan: „Pervers, verlaust und zoophil.” Er trete und haue Christen, schaue dabei stets Kinderpornos. „Oh Recep, bist kein Freund der Menschen, im Kern der türkische Charles Manson.”

Und so weiter.

Danach mutmaßten Böhmermann und sein Sidekick Ralf Kabelka, dass die Passage ja sowieso bald aus der ZDF-Mediathek verschwinde.

Und recht hatten sie. Einen Tag nach der Erstausstrahlung ist der Ausschnitt aus der ZDF-Mediathek verschwunden.

Als die Show am Freitag – na ja, eher am Sonnabendmorgen – auch im ZDF lief, war sie kürzer als noch am Abend davor bei zdf_neo. Der Erdogan-Teil fehlte.

Begründung des ZDF: Es gebe Grenzen der Ironie und der Satire. In diesem Fall seien sie klar überschritten worden.

Ach ja, ist das so? Und hat man am Donnerstag noch nicht so genau hingehört? Mal abgesehen davon, dass dieser Teil der Sendung nicht der lustigste und auch gar nicht so aufregend war – eher ein bisschen pubertär –, aber dass da irgendwelche Grenzen überschritten sein sollen, kann ich nicht erkennen.

Letztlich wollte Böhmermann zeigen, was denn Schmähkritik ist, und er hat klar gesagt, dass es genau das ist, und dass genau das ja nicht erlaubt sei.

Im Grunde ist genau das: Satire. Muss einem nicht gefallen, kann man doof finden, ist aber immer noch Satire.

Ich habe eher den Eindruck, dass man beim ZDF gar nicht so genau hingehört hat, dass man eher Angst hatte, es könne gleich noch ein Skandal passieren und dass Erdogan gleich den ganzen Lerchenberg abfackeln lässt. Da kniff man lieber den Schwanz ein (was jetzt hoffentlich keine Schmähkritik ist).

Der Skandal scheint von Böhmermann provoziert worden zu sein, beim ZDF hat man entweder mitgemacht oder ist voll drauf reingefallen. Oder man war halt wirklich zu doof, um zu kapieren, worum es ging.