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… und der Oscar geht an … Vor ein paar Jahren hatte die berühmte Schauspielerin, Ida Rubin, die Liebe ihres Lebens gefunden. Den fünfzehn Jahre jüngeren Hansi Glas. Bald sollte sich herausstellen, dass beide eine bewegte Vergangenheit verband. Zu dem perfekten, unzertrennlichen Quartett gehörte noch Idas begabtes, hochintelligentes, bildhübsches Töchterchen Susi-Rose - Vater unbekannt - und Idas Manager Robin, ein Mann mit vielen Geheimnissen. Nach einer live im TV ausgestrahlten Talkshow kam es im Anschluss in ihrer Garderobe zu einem folgeschweren Eklat.
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Seitenzahl: 92
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Elvira Alt
Rubinglasscherben
Detektei Indiskret
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Ein glückliches Ereignis – es wird ein Mädchen
Impressum neobooks
Ida fiel am Telefon gleich mit der Tür ins Haus. „Ich bin schwanger!“
Guido knirschte mit den Zähnen und war für einen Moment sprachlos. Dieser Scheißkerl. „Glückwunsch.“ Sein Herz übersprang einen Schlag. Lieber Gott, warum nicht ich? Ich hätte ihr doch die Sterne vom Himmel geholt. Nicht nur einen, alle! Andererseits fühlte er sich geschmeichelt, dass sie sich ihm anvertraute.
Beide schwiegen für einen Moment.
„Hilf mir. Ich schaff das nicht allein.“
„Selbstverständlich.“ Guido starrte mit blindem Blick durch die verschmutzten Panoramafenster. Wie gern spielte er für sie die Feuerwehr. Ida, mit ihrem überwältigenden Charme. Guido, der hoffnungslose Romantiker hätte Ida doch so gern auf Händen getragen, aber sie hatte sich für seinen Bruder entschieden.
Es bestand akuter Handlungsbedarf.
Guido der Fuchs
Sie war zu jung um sich mit einer trostlosen Zukunft abzufinden, die vor ihr zu liegen schien. Zu hübsch und temperamentvoll, um sich in ein Leben der nie nachlassenden Qual und niederdrückenden Verantwortung zu fügen. Sie war ein Schmetterling, der nie die Gelegenheit hatte, seine Flügel auszuprobieren, eine junge, gefühlvolle Frau ganz besonderer Art, voller Liebe, Poesie und Melodie.
Jahrelang hatte sie von dem Tag geträumt, das Kinderheim zu verlassen. Egal wie. Als Neugeborenes, mittels einer Babyklappe entsorgt, fieberte sie diesem Tag genauso eifrig entgegen, wie ein Häftling seiner Entlassung aus dem Gefängnis.
Und nun war Amanda seit Wochen auf der Flucht.
Sie blieb nie länger als zwei Nächte im gleichen Hotel und maximal eine Woche in der gleichen Stadt.
Getrieben von panischer Angst um ihr Leben.
Sie nahm jede Arbeit an die sie bekommen konnte um etwas Geld zu verdienen.
Amanda stand auf und trat ans Fenster. Das Zimmer ging auf eine Straße der Altstadt hinaus. Es war nicht schmutzig, aber düster, beinahe dunkel, das Mobiliar altmodisch. Ein schmales Bett, ein Stuhl, ein kleiner, runder Tisch.
Der Geruch von Knoblauch und Zigarettenrauch wetteiferten um die Vorherrschaft.
Die Fliesen unter ihren Füßen strahlten Hitze aus. Sie klappte die Läden auf und blickte hinunter, auf die Häuser in der Nachbarschaft, die in der Sonne glühten. Ein goldener Dunst überzog die Dächer mit einer schimmernden Patina. Nur die Touristen, teils mit kunterbunten Tattoos, waren um diese Tageszeit auf den Beinen und streiften mit großen Augen durch die Gassen, um Erinnerungsfotos zu schießen. Das Pflaster so heiß, das sogar die Schuhsohlen festklebten.
So viele Fremde mit Kameras. Jeder einzelne hätte unbemerkt ein Foto von ihr machen können. Sie beobachtete das Treiben der Menge, sah, wie um die Verkaufsstände Reisegruppen aufeinanderprallten und sich gegenseitig den Weg versperrten.
Im selben Moment, als sie sich abwandte, registrierte sie plötzlich in einem Hauseingang eine zuckende Bewegung. Amanda verharrte reglos, den Blick starr auf die Stelle gerichtet. – Ich kann nichts sehen, kann er mich sehen?
Und dann kam die Gestalt, die sich vor der Hitze in diesem Hauseingang verkrochen hatte zum Vorschein, trabte gemütlich davon und verschwand in der nächsten Straße. Eine Katze!
Amanda lebte aus einem kleinen Koffer, der nur das allernötigste enthielt. Die Kunst des Überlebens. Mit Make-up und Nagellack sowie Lidschatten, Wimperntusche und Lippenstift, hielt sie sich erst gar nicht mehr auf. Im Laufe der Zeit hatte sie sämtliche Gewohnheiten, die sie aufhielt oder langsamer machten, abgelegt.
Der Portier war nicht zu sehen, als sie in die Lobby kam, um ihre Rechnung zu bezahlen. Das Mädchen hinter der Theke sah fröhlich und freundlich aus. Amanda bezahlte und verließ die kleine Pension.
Wie üblich, an heißen Sommertagen, waren die Straßen ein einziges Meer von schwitzenden Touristen. Ellenbogen an Ellenbogen schoben sie sich hin und her, teure Fotoapparate um den Hals, die krebsroten Gesichter mit Schlapphüten und Baseballkappen beschattet.
Stets auf der Hut vor Taschendieben, den Avancen von zahllosen fliegenden Händlern, tauchte sie in das Gedränge ein. In Menschenmengen fühlte sie sich sicher, anonym, geschützt. Es war natürlich eine Illusion, es gab keinen wirklich sicheren Ort. Während sie die Straße überquerte, während sie knipsende Touristen umkurvte und Kinder, die an einem Eis schleckten, wusste sie, dass sie nur allzu leicht entdeckt werden konnte.
Menschenansammlungen boten Deckung für Gejagte und Jäger.
Sie war auf dem Weg zu einer nahegelegenen Pizzeria. Dort stand sie seit drei Tagen in der Küche und wusch bergeweise schmutziges Geschirr.
Der Tag ging und die Nacht nahm seinen Platz ein.
Ein Mann war ihr aufgefallen, der mit einem Glas Bier an der Theke saß. Jedes Mal erhaschte sie einen Blick auf ihn - und er einen Blick auf sie -, wenn die Schwingtür zur Küche von den Kellnern mit dem Fuß aufgestoßen wurde.
Amanda versuchte ihren Fluchtimpuls niederzukämpfen.
Sie musste verschwinden, noch heute Nacht.
Nach Feierabend ließ sie sich ihr Geld auszahlen, nahm ihre Habseligkeiten, die sie immer bei sich trug, und verschwand in der Dunkelheit.
Sie lief hinunter zum Main und versteckte sich unter einer Brücke.
In der Morgenröte, als sie sich in Sicherheit wog, stand sie auf und ging zum Fluss. Amanda packte ihr mitgebrachtes Hörnchen aus und teilte es mit den Enten und Schwänen.
Hin und wieder kamen Radfahrer, ein paar Jogger, Hundefreunde mit ihren Vierbeinern, hinter ihrem Rücken vorbei. Sie konnte sie hören und ihre Nähe spüren, aber nicht sehen, denn sie wagte es nicht sich umzudrehen.
„Kaffee?“
Auf einer Bank hinter ihr saß der Mann aus der Pizzeria mit zwei Bechern heißem Kaffee.
„Ich wusste nicht ob Du ihn mit Milch und Zucker trinkst“, sagte er freundlich besonnen.
Er hatte das Gesicht eines in die Jahre gekommenen Engels aus der Sixtinischen Kirche. Amanda war wie hypnotisiert von seiner Erscheinung, ein imposanter Mann mit außergewöhnlicher Persönlichkeit.
Er stand auf und ging auf sie zu. „Mein Name ist Guido, man nennt mich den Fuchs, und wie heißt Du?“
Sie stotterte. „Amanda.“ Ihre Stimme war dünn wie Papier und ihr Herz schlug plötzlich ganz schnell.
„Schön Deine Bekanntschaft zu machen.“ Guido war fasziniert von ihrer betörenden Schönheit. Er hatte das Gefühl sie ein Leben lang gesucht zu haben. Sie erinnerte ihn an seine ganz große Liebe. Ida Rubin. „Komm mit, ich will Dir was zeigen.“ Beim Gehen zog er leicht sein Bein hinterher.
Sie saßen, Amanda im Schneidersitz, Guido auf einem Baumstamm, an einem See, eigentlich waren es zwei. Eine liegende Acht. Amanda dachte an die Unendlichkeit.
Auf der gegenüberliegenden, rechten Seite, befand sich ein Campingplatz, gut besucht. Es begann zu regnen. Sie sahen, wie zahllose kleine Geschosse aus Wasser die Oberfläche des Sees durchschlugen. Einige Camper rannten mit Sonnen- und Regenschirmen herum. Sie sahen aus wie bunte, lebendig gewordene Pilze.
Auf der linken Seite stand lediglich ein großer schwarzer Tour Bus, versteckt hinter Büschen und Bäumen.
Guido deutete darauf. „Dort wohnt eine Freundin von mir. Wir kennen uns flüchtig von früher, aus der Tanzschule. Ida Rubin. Sie ist ein aufgehender Stern am Himmel. Wenn Du willst, kannst Du bei ihr als Kindermädchen arbeiten. Du wirst es bei ihr gut haben.“
Amanda fuhr herum und sah ihn mit großen Augen an. „Du hast aber ein ganz schönes Tempo drauf. Was erwartest Du als Gegenleistung? Wo ist der Haken?“ Sie versuchte entspannt zu wirken, ihn nicht anzustarren, zu taxieren.
„Böse ist der, der Böses denkt. Ich bin auf der Suche nach einer Gefährtin, einer Seelenverwandten, einer Verbündeten, einer Informantin, einem Spion … Ich weiß dass Du auf der Flucht bist und ich kann Dir helfen.“
„Woher willst Du das wissen?“ - Verdammt -, dachte sie.
„Ich bin Privatermittler bei der Detektei Indiskret und ein Vöglein hat mir gezwitschert, dass Dich die Zirkusleute suchen … ich werde Dir neue Papiere besorgen und Dich Ada nennen, Ada Scherben“, funkelte Guido sie mit seinem Zahnpasta-Lächeln an. „Du bist vorerst raus aus der Schussbahn, weg vom Fenster. Ich bin weder lieb, noch nett, noch pflegeleicht, aber ich möchte Dir helfen. Haben wir einen Deal? Eine Hand wäscht die andere.“
Er hatte Recht. Sie hatte nichts zu verlieren. Sie war schon einmal mit einem Fremden durchgebrannt …
Sie konnte und wollte mit dieser Anspannung und der ständigen Angst nicht mehr leben. Sie musste bald irgendetwas unternehmen – und willigte ein, nickte stumm. Ein Rinnsal Kraft und Hoffnung sickerte durch ihren Körper. Sie verspürte den Hauch einer Chance. Ein Funke von Sympathie sprang über.
Das Juwel und sein Engel
Ida hatte vor ein paar Jahren die Liebe ihres Lebens gefunden. Sie liebte ihn abgöttisch! Hansi, Hansi Glas! Mit großem Erfolg gab sie immer wieder bei Pressekonferenzen folgende Weisheit zum Besten. „Ich liebe Hansi und er liebt mich! Wir werden niemals heiraten, denn trotz einer perfekten Verbindung ist eine Hochzeit der Liebe Tod, die Ehe, ein überstrapazierter Begriff. Obwohl, ich muss zugeben, unsere Nachnamen ergäben ein herrliches Wortspiel: Glas-Rubin, oder Rubin-Glas.“
Eingeimpftes Gedankengut von Robin.
Routiniert, wenn es richtig war lächelnd oder ernst, eine Schauspielerin eben und ein intelligente noch dazu.
Ida gab Hansi einfach alles – alles, außer Intimität und einer Bankvollmacht, lediglich ein bisschen Kleingeld. Er war finanziell von ihr abhängig. Sie war der Überzeugung, dass er mit ihrem Vermögen verschwinden würde, denn immerhin war sie fünfzehn Jahre älter als er. Sie hatte einen unglaublich feinen Instinkt. Zu der kleinen Familie gehörte auch Idas Tochter Susi-Rose. Hansi war nicht der Vater aber Susi-Rose liebte ihn über alles. Er wurde von ihr mit Beschlag belegt, als sei er ihr persönliches Eigentum. Sie liebte ihn vom ersten Moment ihrer Begegnung, klebte an ihm wie Honig – doch Hansi konnte sie nicht ausstehen, er fand sie einfach nur zum Kotzen. Dieses kleine, zuckersüße Ding, dieser von der ganzen Welt geliebte Rauschgoldengel, der ständig und überall im Mittelpunkt stand.
Er mochte gar keine Kinder, er hasste sie regelrecht, aber er riss sich am Riemen.
Wie sehr liebten Ida und Hansi Susi-Rose – besonders Hansi – in der Öffentlichkeit. Er liebte diese kleine Kröte genau so sehr wie sie ihn. Eine perfekte Vorstellung für die Presse. Waren sie doch ständig von Reportern und Fotografen umringt. Immer neue Storys über diese wunderbare Liebe. Wie oft hatte er in den letzten Jahren gedacht: Susi-Rose bring ich um und die Mutter dazu. Ganz schön schlau, das perfekte Verbrechen, natürlich reine Hysterie. Dazu war er fiel zu feige. Wie oft im Leben hatte man denn schon einen Goldfisch an der Angel? Man schwört, dass man diese Frau liebt, von der Erde bis zum Mond und wieder zurück und ihre kleine Tochter ebenfalls. Glück, soviel Glück wie ein Friedhof, wenn die Pest ausbricht.
Seit vielen Jahren bekam die Boulevardpresse folgendes vorgesetzt: Ida, die Himmlische mit ihrer bezaubernden Tochter, ledig. Sie weigerte sich mit Erfolg, den Namen des Vaters zu nennen. Susi-Rose, dass Wunschkind, dass Kind der Liebe. Bezaubernd, schon als Baby gut vermarktet, wurde von Jahr zu Jahr immer hübscher.
Ihre Vermarktung und – wer ist der Vater? – hatte sich Robin, Idas Manager, ausgedacht. Vielleicht war er sogar der Vater, möglich wäre es gewesen. Sie führten praktisch eine Ehe zu viert, ohne Trauschein. Jede Entscheidung musste von Robin abgesegnet werden.
„Mein Juwel“ nannte Hansi Ida und sie ihn „meinen Engel“.
Der Skandal
