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Wir kommunizieren, ohne es gegebenenfalls zu wollen. Der Medienwissenschaftler André Seelmann und der Historiker Christian Schölzel schärfen auf unterhaltsame Weise den Blick, wie es denn die "Erfolgreichen" geschafft haben, Menschen für sich zu gewinnen; "rumzukriegen". Ganz unterschiedlich fällt der Befund bei den hier vorgestellten Persönlichkeiten von der Antike bis heute aus.
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Seitenzahl: 106
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Christian Schölzel, promovierter Historiker, Autor, Kurator und Gründer des Geschichtsbüros Culture and more, lebt in Berlin sowie in Dänemark.
André Seelmann, Medienwissenschaftler, Markt- und Sozialforscher und Autor, lebt in Hamburg sowie auf Mallorca.
Intro
Rudolph Moshammer – Modemacher machen Leute
Warren Buffett – investiere in dich selbst
John F. Kennedy – strategische Charme Offensive
Clärenore Stinnes – rasend in der Männerwelt
Elon Musk – der charmante Hasardeur
Agrippina die Jüngere – gegen die Widrigkeiten der Zeit
Rolf Eden – Glück muß man denken
John Drewe – das große Spiel um die Wahrheit
Axel Springer – der intuitive Medienzar
Hans Albers – ein ganzer Kerl
Ralf Dümmel – Geld mit Herz ist geil
Aristoteles Onassis – ein Mann, der nie untergeht
Steve Jobs – eine Lektion in Reduktion und Minimalismus
Walther Rathenau – die Suche nach dem rechten Maß der Dinge
Margaret Thatcher – eisern, konsequent und fast kompromisslos
Jeff Koons und Damien Hirst – die perfekten Kunst-Verkäufer
Regine Hildebrandt – die märkische Mutter Theresa
Wolfgang Grupp – schwäbischer Traditionalist und Tüftler
Peter Thiel – Take it or Leave it
Doro Pesch – Positivität aus Passion
Wir benötigen Kommunikation im Privaten, im Arbeitsleben, überall. Und wir kommunizieren, ob wir es beabsichtigen oder es vielleicht gerade gar nicht wollen. Paul Watzlawick sagte: „Man kann nicht nicht kommunizieren, denn jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren.“
So wie wir ohne viel Bewusstsein atmen, so kommunizieren und verhalten wir uns, zumindest einen großen Teil unseres Lebens, ziemlich automatisch. So sind wir eben, das ist Teil unserer Persönlichkeit, so meinen wir.
Natürlich gibt es besondere Situationen, in denen unser Bewusstsein für unseren Auftritt und unsere Außenwirkung deutlich steigt, für das Bewerbungsgespräch, das erste Date oder eine Rede vor Publikum. Hierfür überlegen wir uns doch sehr genau, was wir sagen, wie wir uns anziehen und wie wir insgesamt wirken wollen. So wollen wir beim Date charmant und humorvoll rüberkommen, beim Bewerbungsgespräch dagegen eher kompetent und seriös. In jedem Falle wollen wir unsere gegenüber für uns gewinnen, Zustimmung erhalten, wir wollen sie oder ihn „rumkriegen“.
„Rumkriegen!” ist kein Flirtratgeber für Spätpubertierende, sondern eine Sammlung von Portraits erfolgreicher Personen. Wie haben die es gemacht, was sind deren Geheimnisse und was können wir von diesen Beispielen lernen? Die zwanzig Kurzportraits in diesem Buch handeln von Leben und Werk – teils vergessener – Prominenter, das auf unterhaltsame Weise in Erinnerung gerufen wird. Wie hingen ihre Methoden des Kommunizierens mit dem Erfolg zusammen?
Ganz unterschiedlich sind die biographischen Gewürzmischungen. Viele erfolgreiche Menschen sind Naturtalente, denen neben vielen anderen Dingen eben auch der öffentliche Auftritt fast immer perfekt gelingt.
Andere müssen ihre Kommunikationsfähigkeiten erlernen und hart erarbeiten. Gute Kommunikation braucht ein gesundes Selbstbewusstsein – und Erfolg macht selbstbewusst. Das berühmte Problem, ob Huhn oder Ei zuerst da waren. Wir werden diese Frage nicht beantworten und auch nicht ergründen können. Wir haben einfach großen Spaß daran, den anderen, den Erfolgreichen zuzuhören, über deren Schulter und in deren Nähkästchen zu schauen und lassen Sie hiermit daran teilhaben. Das ist kein Lehrbuch der Kommunikation und auch kein Ratgeber, sondern ein bunter Blumenstrauß interessanter Leben, mit vielen Unterschieden, aber auch Gemeinsamkeiten. Immer wieder tauchen die folgenden Begriffe auf: Willen, Herz, Geist, innere Freiheit, Einsatz moderner Technik, der historische Kairos sowie Beharrlichkeit.
MODEMACHER MACHEN LEUTE
Modedesigner und Autor (1940 bis 2005)
„Sie sind ein ganz besonderer Mensch! Glauben Sie mir.“
Es ist dieses sanfte Oberbayerisch, welches – wechselseitige österreichisch-bayerische Nickeligkeiten hin oder her – für das ungeübte Ohr eine fast elegant singende Wiener Melodie anzunehmen scheint. Moshammer sprach es. Als Modezar von München verkörperte er auch im Kleidungsstil die Eleganz eines Sonnen königs und war Teil des Jetsets der Isar-Metropole.
Der alte Spruch, hinter jedem erfolgreichen Mann stünde eine starke Frau, gilt im Grunde auch für Rudolph Moshammer. Von seiner Mutter her, „der Mama“, erklärt sich alles. Neben Else Moshammer durfte es keine andere Göttin geben! Sie war der Motor allen Geschehens. Ihr Geschöpf war „Mosi“. Als Homosexueller hatte er kein Interesse an Partnerschaften mit Frauen.
Moshammer wird 1940 in München geboren. „Ramma damma; ramma der i!“ Räumen tun wir, räumen tue ich! Das war die Losung der Münchner, die ihre kriegszerstörte Stadt wieder aufbauten. Moshammers Jugend war zunächst geprägt vom Wirtschaftswunder. Der Vater sicherte der Familie als leitender Angestellter einer Versicherung ein bürgerliches Auskommen.
Mitte der 1950er Jahre jedoch verlor er seine Arbeit – und fand keine neue. Das Familienoberhaupt versuchte aus sozialer Scham, alles zu vertuschen. Er verfiel dem Alkohol. Mutter und Sohn fühlten sich vom betrunkenen Moshammer bedroht. Die Gefahr der Obdachlosigkeit kam auf.
Moshammer und seine Mutter schafften es.
Vom einfachen Einzelhandelskaufmann gelang Rudolph Moshammer der Aufstieg zum Inhaber eines Modehauses – an der schicken Maximilianstrasse, unweit der Oper.
Beharrlichkeit, kaufmännisches Geschick, die Unterstützung von Geldgebern, 1968 eröffnete er die Boutique „Carneval de Venise“.
Das Geschäft wurde sein Leben. Gerd Käfer lieferte zur Eröffnung die Delikatess-Häppchen. Der Ton war gefunden und nun kamen sie alle: der schwedische König Carl XVI. Gustaf, Roberto Blanco, José Carreras, Friedrich Karl Flick oder Thomas Gottschalk. Münchner Bussi-Bussi-Szene meets Jetset: „Mosi“ bot die Bühne … ein Cross-Marketing für Geld und Eitelkeiten.
Eine Ware mochte hochwertig oder gewöhnlich sein und Geschmäcker sind bekanntermaßen verschieden.
Doch „Mosi“ gab die Richtung vor. Die rokokoartige Inszenierung, gleichsam der Hof, zu dem man Zugang erhielt, schuf die Bühne.
Ein Kunde betrat den Laden nahe der Oper und wurde von Moshammer zum Strahlen gebracht: „Sie sind ein ganz besonderer Mensch!“ Kleider machen Leute. Sie schaffen oder unterstreichen Habitus. Moshammer wusste dies und schneiderte den Menschen, die zu ihm kamen, die Sonne auf den mehr oder weniger wohl geformten Leib.
Ausgehend von den Erfahrungen in der Jugend und vielleicht nicht ganz ohne Blick auf sein Image als Geschäftsmann unterstützte Moshammer Obdachlose und Alkoholiker, die „trocken“ werden wollten. Er unterstützte eine Einrichtung für Suchtbekämpfung und widmete den Obdachlosen von München viel Engagement und Geld. Die von Nichtsesshaften wesentlich mit gestaltete und vertriebene Münchner Straßenzeitung „Biss“ erfuhr viel Hilfe von Moshammer. Im Jahr 2000 gründete er die Stiftung „Licht für Obdachlose“.
Moshammer kannte nicht nur den Weg in die Herzen der Münchner Schickeria, er vermochte es, auch mit den Medien auf charmante Weise zu flirten.
Gerne präsentierte er sich in kleineren Rollen in Filmen, Theaterstücken oder Werbespots. Sogar in der Vorauswahl zum Eurovision Song Contest schien er zeitweilig die deutsche Antwort auf den US-Showstar Liberace zu sein.
In späteren Jahren verstand „Mosi“ es, seine selbst kreierte Marke zu pflegen und zu popularisieren. Hierzu zählten barocke Auftritte bei öffentlichen Veranstaltungen, die zur Schau gestellten Rolls-Royce-Limousinen – und natürlich Hündchen „Daisy“, ein Yorkshire Terrier (genauer: vier Weibchen in Folge), die alle denselben Namen erhielten.
Moshammer inszenierte sich mit seiner Haarpracht als eine stets wieder erkennbare Mischung aus dem von ihm verehrten bayerischen König Ludwig II. und einem barocken Fürsten. Für die Marke Moshammer sollte aber auch nicht das Auftreten von Else Moshammer unerwähnt bleiben. Sie fügte sich ästhetisch ein, war Herrscherin-Mutter und trug stets violette Haare.
Mutter Else trieb ihren Sohn zu immer neuen beruflichen Erfolgen an. Er sakralisierte sie bis hin zum Mausoleum auf dem Münchner Ostfriedhof.
Moshammer selbst wurde 2005 ermordet und fand seine letzte Ruhe an der Seite seiner Mama.
Der Wunsch nach „Heilung“ des sozialen Absturzes, die Suche nach Mutterliebe: Sie trieben Moshammer an.
Wie „kriegte“ er Menschen „rum“? Er verstand sich auf die soziale Klaviatur von Milieus, er war ein Netzwerker und gab den meisten Menschen das Gefühl, etwas „ganz Besonderes“ zu sein.
INVESTIERE IN DICH SELBST
Investor und Unternehmer (1930 geboren)
Warren Buffett ist einer der größten, manche würden sagen der größte, Investoren aller Zeiten. Als Gründer und CEO der Investmentfirma Berkshire Hathaway hat er enorme Erfolge erzielt. Mit einem Startkapital von ca. 100.000 US-Dollar in den 60er Jahren wurde er, je nach jährlicher Berechnung, zum reichsten oder einem der reichsten Menschen der Welt.
Buffett hat keine Autobiografie geschrieben oder ein Buch über seinen Anlagestil veröffentlich. Es gibt lediglich ein paar Essays; zudem spricht er einmal im Jahr zu seinen Anlegern und Fans in Form seiner legendären „Letters to the Shareholders“. Trotzdem ist Buffett omnipräsent, vor allem für jene, die irgendwann mal beginnen, sich mit Aktien zu beschäftigen. Sie kommen kaum um ihn herum. Es gibt unzählige Bücher über sein Leben, seinen Werdegang und seine Investmentprinzipien. Auf letzteren liegt natürlich der Fokus, Neueinsteiger und erfahrene Anleger wollen gleichermaßen vom Großmeister lernen. Buffett erscheint heute als charmanter „Business-Opa“, der die Komplexität der Geldanlage eloquent und mit witzigen Kommentaren gespickt weitergibt. Seine Businessratschläge erscheinen leicht verständlich, sind pointiert und oft witzig.
Insgesamt hat Buffett eine einnehmende Persönlichkeit und man hört ihm einfach gern beim Reden zu.
Dank YouTube sind wir in der Lage, Warren Buffett und seinem Denken sehr nahezukommen und von ihm zu lernen.
Artikel und Bücher über Buffett beschäftigen sich zumeist mit seinem Scharfsinn als Investor und seinem unglaublichen Wissen darüber, was Unternehmen erfolgreich macht.
Schon in seiner Kindheit und Jugend entwickelt Buffett unternehmerisches Interesse, von Beginn an mit dem klaren Ziel, Geld zu verdienen. So kauft er von seinem Großvater, der einen Lebensmittelladen hatte, paketweise Cola und Kaugummi. Letztere verkauft er einzeln und mit Profit weiter an seine Mitschüler, die Cola ebenso von Haus zu Haus. Mit elf Jahren kauft er seine erste Aktie und setzt sein Fahrrad von der Steuer ab, schließlich nutzt er das Rad geschäftlich, um damit am frühen Morgen die Zeitung auszutragen. Außerdem sammelt er Golfbälle in der Nähe von Golfplätzen und verkauft diese an die Plätze sowie die Spieler zurück und installiert drei Flipperautomaten in verschiedenen Friseursalons. Die Betreiber merken schnell, wie profitabel das Geschäft mit den Flipperautomaten ist und drängen den nerdigen Jungen aus dem Geschäft. Sie betreiben die Automaten nun selbst.
Warren Buffett erscheint wie ein natürliches Business-Genie, und sicher ist da auch viel Wahres dran.
Der frühe Buffett ist aber auch ein Außenseiter, ein zum Teil bizarrer, altkluger Junge, der sich lieber mit Erwachsenen unterhält als mit seinen Altersgenossen, aus dem es beim Sprechen nur so raussprudelt, der aber nicht immer merkt, wenn es anderen damit zu viel wird und ihnen direkt auf die Nerven geht. Er legt kaum Wert auf sein Äußeres, trägt vollkommen abgelaufene Sneakers, ist sportlich aber wenig erfolgreich, was ihn allerdings auch nicht wirklich interessiert. Im späteren Leben darauf angesprochen, dass er so wenig Wert auf seine Kleidung legen würde, sagte er mit seinem typischen Buffett-Understatement: „Ich trage teure Anzüge, sie sehen an mir nur billig aus.“
Buffett ist in seinen frühen Jahren noch nicht der brillante Kommunikator, als den wir ihn jetzt, aus den ungezählten Interviews und TV-Dokumentationen und natürlich vom Woodstock der Kapitalisten, also der einmal im Jahr in Omaha, Nebraska, stattfindenden Berkshire Hathaway Jahreshauptversammlung, kennen. Zehntausende Anleger und Fans pilgern jedes Jahr dorthin. Hier beantwortet Warren Buffett stundenlang, zusammen mit seinem Partner Charlie Munger, Fragen des Publikums. Die Leichtigkeit und Schlagfertigkeit, die er dort an den Tag legt, wurden ihm, anders als sein genuines Interesse für Geldanlage und Unternehmertum, nicht in die Wiege gelegt. Er hat jedoch früh erkannt, dass er, wenn er als „Money-Manager“ das Geld anderer Leute anlegen möchte, ohne vernünftige Kommunikationsfähigkeiten nicht auskommen würde.
Sein ganzer Auftritt, sein Stil und seine Art zu kommunizieren, brauchte nach seiner Ansicht Optimierung.
Das wurde ihm bereits klar, als er noch Student an der Columbia University war.
Warren Buffett ist nur zum Teil Autodidakt. Er hat ein erfolgreiches Studium an der Columbia Business School absolviert und einen MBA gemacht. Klar, er hat bereits vorher Unmengen von Büchern über Wirtschaft und Geldanlage gelesen, schon als Teenager alles was es in der Bibliothek in Omaha dazu gegeben hat und er liest jedes Jahr, und das schon seit Jahrzehnten, hunderte Geschäftsberichte. So kennt man Warren Buffett.