Rundgang durch Burg Stolberg - Christian Altena - E-Book

Rundgang durch Burg Stolberg E-Book

Christian Altena

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Beschreibung

Das Buch "Rundgang durch Burg Stolberg" bietet Besuchern der Burg eine umfassende und ansprechende Erklärung der Geschichte und Architektur der Burganlage aus dem 15. Jahrhundert. Eine Buchhälfte ist dem geführten Rundgang durch das Außengelände und die Innenräume reserviert. Der Besucher erfährt Wissenswertes zu der historischen Architektur des 15. bis 20. Jahrhunderts. Informationen zu den Wehrbauten des ausgehenden Mittelalters, zu den Räumlichkeiten der Frühen Neuzeit und den Umbauten im 19. Jahrhundert werden anschaulich an die Hand gegeben. Die zweite Hälfte des Buches ist "Anekdoten, Histörchen und Hintergründen" vorbehalten. Während des Besuchs oder auch danach lassen sich so manche Aspekte der Burggeschichte in kurzen, ansprechenden Texten vertiefen oder auch interessante Themen rund um die Burg kennenlernen. Der Leser soll, auch ohne einen Besuch vor Ort, ein anschauliches und lebendiges Bild der imposanten Burg in Stolberg erhalten. Abgerundet werden die Texte mit über 50, zum Teil farbigen Abbildungen. Farbige Fotos zeigen die Burg, wie sie heute aussieht. Historische Ansichten vermitteln ein Bild der vergangenen Jahrhunderte und zahlreiche Rekonstruktionen und Pläne vertiefen den Einblick in die Architektur. Farbige Wappen der Burgherren und andere Bilder untermalen die vielfältige Geschichte der Burganlage. Praktische Informationen zu Barrierefreiheit, Öffnungszeiten und Erreichbarkeit und Anfahrt sowie wichtige Internetadressen werden natürlich auch angeboten.

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Seitenzahl: 78

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Ein herzliches Willkommen auf Burg Stolberg!

Dieses Buch soll Ihnen als informativer Begleiter bei Ihrer Erkundung der Burg Stolberg dienen.

Sie können Ihren Rundgang nach dem vorgezeichneten Weg gestalten oder das Bauwerk mit seinen weitläufigen und verwinkelten Anlagen auf eigene Faust erkunden. In jedem Fall finden Sie hier die wichtigsten Informationen zur Geschichte und Architektur der Burg.

Es werden wichtige Fakten und interessante Details zu den Bauteilen, Räumen und Funktionen dargestellt, vom späten Mittelalter bis heute. Die über 500-jährige Baugeschichte der Burg Stolberg hinterließ überall ihre Spuren und so werden Sie das Wahrzeichen unserer Stadt unter verschiedenen Gesichtspunkten kennenlernen.

19 Essays mit historischen Themen rund um die Burg und ihre Geschichte gewähren einen genaueren Blick auf das Bauwerk und die Menschen seiner Zeit. Linkerhand finden Sie Anekdoten, Histörchen, Hintergründe, während auf den rechten Seiten die historischen Rundgänge durch die Burg und ihre Geschichte zu finden sind.

Nach wissenschaftlichen Maßstäben erwartet Sie eine informative Zeitreise von den letzten Rittern des Mittelalters, über Edelleute der Renaissance bis zum modernen Fabrikanten, der sich einen prächtigen Alterssitz schaffen wollte. Viel Freude bei der Entdeckung unserer Burg!

Anekdoten, Histörchen, HINTERGRÜNDE

Das Stolberger Schloss - Ein Gedicht von Johann Adam Schleicher 1847

Ritter Wilhelm von Nesselrode - Burgenbauer im späten Mittelalter

Ein "deutsches Bergschloss" - Das Lebenswerk des Moritz Kraus

Der Tolle Bomberg von Stolberg - Moritz Kraus: Lebemann und Freigeist

Stolberger Wappen - Löwe oder Dreifaltigkeit

Zwischen Mittelalter und Renaissance - Struktur einer 'modernen' Burg

Köln und Aachen machen kurzen Prozess - Die Landfriedensexekution 1375

Festessen auf der Burg 1669 - Barockes Speisen Stolberger Herrschaften

Das Spottgedicht des Freiherrn von Pöllnitz - Aachener Kurgäste auf vergnüglicher Landpartie in Stolberg

Kanonendonner und Pulverdampf - Waffen auf der Burg

Bauprojekt: Bergschloss - Baufirmen und Architekten in Kraus' Diensten

Burg Anno 1924 - Zeitensprung

Das Geschlecht von Efferen - Stolbergs große Dynastie 1496-1649

Burgenrettung, die Zweite - Schlechter Mörtel und ein Dutzend Granaten

Willkür und Unrecht - Der Burgherr und sein Schultheiß

Odilia von Efferen - Ein Geschichtlein ums wählerische Burgfräulein

Gebaute Geschichte - Moritz Kraus und der Historismus

Stollen im Untergrund - Wer grub unter der Burg?

Rauher Ton im Tal der Vicht - Stolberger Zwist im 16. Jahrhundert

Historischer Rundgang

Rundgang durch die Geschichte Ein Überblick

Eine kurze Bau- und Burggeschichte

Rundgang durch die Burg

Blick von außen

Torburg

Vorburg

Palas

Palas-Anbau

Westturm

Torbau

So genanntes Söldnerhaus

Burghof

Ehemalige Schildmauer

Großer Turm

Mauertürme

Im Innern

Palas

Palas-Anbau

Wehrgang

Westturm

Großer Turm

Lageplan

Historische Daten

Weitere Informationen

Der Autor

„Das Stolberger Schloss“

Ein Gedicht von Johann Adam Schleicher, Stolberg 1847

Die folgenden Verse bilden die Einleitung zu einer umfassenden lyrisch-epischen Darstellung der Weltgeschichte von Karl dem Großen bis Napoleon, die Johann Adam Schleicher über siebzigjährig unter dem starken Eindruck der historischen Umwälzungen seines Lebens niederschrieb. Als begeisterter Anhänger der Ideale der französischen Revolution und politisch aktiver und gebildeter Bürger aus Stolberger Industriellengeschlecht betrachtete er kritisch und interessiert die historischen Entwicklungen und betätigte sich schriftstellerisch und künstlerisch.

Hohes Schloß, mit deinen weiten Zinnen,

Aufgetürmt aufzackigem Gestein,

Du sah’st den Strom der Zeit vor dir zerrinnen

Und standest fest dem Wogendrange ein.

Wo nun die Eulen und Dohlen nisten,

Wo schauerlich um Mitternacht ihr Ruferschallt,

Wie uns die Sage lehrt, tät Kaiser Karl sich rüsten

Zur hohen Jagd ringsum durch Berge, Tal und Wald.

Welche Zeiten sind seitdem dahingeschwunden?

Welche Früchte trug der Baum der Zeit?

Hat die Menschheit vorwärts oder rückwärts sich gewunden?

Ist sie vorangereift zur Ewigkeit?

Rollt aufmit mir die Blätter der Geschichte,

Mit Elend, Jammer, Blut undTränen angefüllt;

Vor diesem Forum, diesemWeltgerichte,

Vor dem es nur dereinst umWahrheit gilt.

Burg Stolberg, Holzstich 1852

Rundgang durch die Geschichte: ein Überblick

Die Burg Stolberg liegt inmitten der historischen Altstadt von Stolberg. Sie ist der Siedlungskern, um den sich die Stadt als kleiner Burgflecken entwickelte. In ihrem Schatten fühlten sich die Bewohner sicher und geschützt gegen feindliche Eindringlinge. Hoch auf ihrem Kalksteinfels wacht die Burg über das weitläufige Vichtbachtal, in dem sich die heutige Innenstadt erstreckt. Eine erste Burg fand sich seit etwa 1110 auf dem Felsen, die heutige geht auf das 15. Jahrhundert zurück.

Burg und Altstadt von Stolberg

Gebaut ist die Burg aus dem örtlichen Kalkstein, Blaustein genannt nach seiner Färbung bei frischem Bruch, aus dem auch der Fels selbst besteht. Sie ist eine der wenigen erhaltenen Höhenburgen im Aachener Raum und als spätmittelalterliche Burganlage eine wahre Seltenheit. Denn um 1450, als die Burg erbaut wurde, fanden sich nicht mehr viele Ritter, die einen Burgenbau bewältigen konnten und wenige Jahre später war die Zeit der Burgen vorbei.

Heute sehen wir eine trutzige Burg vor uns, die im Kern auf diesen Bau zurückgeht. In der Renaissance erhielt die Anlage schlossartigen Charakter. Ende des 19. Jhs. erfolgte ein umfangreicher Umbau im historistischen Stil, durch den die Burganlage stark geprägt ist. Die Burgenrenaissance hinterließ auch in Stolberg ihre Spuren. Das endgültige Erscheinungsbild erhielt die Stolberger Burg, als sie ab 1951 großzügig umgestaltet wurde.

Ritter Wilhelm von Nesselrode

Burgenbauer im 15. Jahrhundert

Wappen von Nesselrode, um 1790

Die Herren von Nesselrode waren ein Adelsgeschlecht, das in der Gegend von Leichlingen bei Solingen ansässig war. Die erste Nennung war 1303 mit ihrem ältesten Ahnherrn Heinrich Flecke von Nesselrode. Da Mitglieder der Familie in der Schlacht bei Worringen erfolgreich auf Seiten des Herzogs Johann I. von Brabant gegen den Erzbischof von Köln gekämpft hatten, erhob er sie in den Ritterstand. Nach und nach baute das bergische Uradelsgeschlecht der Nesselrodes seinen Einfluss bei den Herzögen von Jülich-Berg aus. Wilhelm von Nesselrode (*um 1395, + 1471) war seit 1442 Ratgeber und Financier seines Landesherrn. Als Gegenleistung wurde er Amtmann zahlreicher Ämter, so bspw. von Grevenbroich, Randerath und Düren. Bis 1445 gelangte er in den Besitz der Herrschaft Schönforst, dem heutigen Aachen-Forst, mit der auch die weltliche Verwaltung der Reichsabtei Kornelimünster sowie die Herrschaft Stolberg verbunden war. All diese Güter brachten einen reichen Ertrag. Stolberg, das eher unattraktiv war, wusste er zu nutzen. Als erfahrener Adliger aus dem Bergischen, wo auch Eisenverarbeitung betrieben wurde, wusste er um die wirtschaftlichen Vorteile des Stolberger Tals. Auch hier waren genug Wasserkraft, Holz und Erzlagerstätten vorhanden, um eine Herrschaft auf metallurgischer Basis zu etablieren.

Im endenden Mittelalter waren die meisten Ritter zu arm, um neue Burgen zu errichten. Brauchten sie meist auch nicht, da sie ihre alten Rittersitze hatten. Wilhelm von Nesselrode war ein Ritter von besonderem Stand. Wo er Herrschaften in Besitz nahm, baute er die Burgen neu auf. So in Schönforst, wo die Burg ruinös war, aber auch im Westerwald Burg Ehrenstein und Burg Windeck an der Sieg. Burg Stolberg ist die einzige, die noch unter Dach steht. Schönforst ist seit 1884 endgültig untergegangen, Windeck und Ehrenstein sind Ruinen. Allen ist gemein, dass Wilhelm sie unter modernen Gesichtspunkten des 15. Jahrhunderts mit Geschütztürmen ausstatten ließ.

Wilhelms gleichnamiger Sohn und Herr zu Rheydt entledigte sich 1483 des Stolberger Besitzes. Seinem Vater kommt das Verdienst zu, die Herrschaft, die Burg und damit die Siedlung Stolberg am Abend des Mittelalters neu begründet zu haben. Den zaghaften Anfängen setzten die Herren von Efferen im folgenden Jahrhundert die Krone auf.

Eine kurze Burg- und Baugeschichte

Anfang im Dunkel der Geschichte

Der erste Hinweis auf eine Herrschaft in Stolberg ist die urkundliche Nennung von Reinard von Stolberg, der wohl 1118 als Ritter in Stolberg Herr über die Burg war. Wie diese aussah, ist nicht bekannt. Von seinen Nachfolgern ist die Burg wohl ausgebaut worden, aber der einzige konkrete Hinweis bezieht sich auf die Burgkapelle, an deren Ausstattung sich der Magistrat von Aachen im 14. Jh. beteiligte. Man kann eine typische mittelalterliche Höhenburg mit einfachen Umfassungsmauern, Wirtschaftsgebäuden und einem repräsentativen Palas als herrschaftlicher Wohnstätte im Kernbereich vermuten. Als weit sichtbares Machtsymbol stand wahrscheinlich ein hoher Bergfried auf der höchsten Felskuppe, dort, wo sich heute der Große Turm erhebt.

Wappen der Herren von Frenz

Unter ungeklärten Umständen gelangte die Herrschaft Stolberg im 13. Jh. an das Geschlecht derer von Frenz, die im nahen Eschweiler Raum ihre Residenz hatten. Bis ins frühe 14. Jh. kann noch ein letzter Spross der Stolberger Herrenfamilie, Johannes von Stolberg, als Chorherr im Kölner St.-Gereons-Stift nachgewiesen werden. Das Frenzsche Wappen mit dem Löwen auf rotem Grund ging zurück auf deren Limburger Lehnsherrlichkeit, die Stolberger Linie derer von Frenz fügte als Unterscheidungsmerkmal Turnierbalken und Schindeln hinzu. In dieser Form wurde das Wappen der Stadt Stolberg im Jahr 1880 als ältestes nachweisbares Herrscherwappen der Stadt als städtisches Wappen genehmigt. Durch Schenkung ging die Herrschaft Stolberg mit Burg und Dorf 1324 an das Geschlecht derer von Reifferscheid über, die mit der sehr bescheidenen Herrschaft nicht viel anzufangen wussten und sie in dem von Pest, Hunger und Not geprägten Jahrhundert an Verwandte als Verwalter übergaben.

Ein Ende mit Schrecken