Schäbiges Schmuckkästchen - Noémi Kiss - E-Book
Beschreibung

≫Mit hellwachem Blick reist Noémi Kiss durch Osteuropa, mit feinen Strichen halt sie versehrte Städte, Landschaften und Schicksale fest. Ein Leseabenteuer der besonderen Art, berührend und entdeckungsreich.≪ Ilma Rakusa, Publizistin ≫Eine wagemutige Schriftstellerin≪ NZZ Seit zehn Jahren sind sie stete Reiseziele von Noemi Kiss: Galizien und die Bukowina, die ehemaligen Ränder des Habsburger Reiches, aber auch Siebenbürgen in Rumänien und die Vojvodina in Serbien, ehemalige ungarische Gebiete. Meist mit dem Bus über Land und immer mit im Gepäck: der alte Baedeker, die Gedichte Paul Celans und weitere prosaische Begleiter. Ihre Schilderungen vergewissern uns: Es gibt kein Reisen ohne Erinnerung. Passagen in den Osten bedeuten ein Herantasten an Landschaften, Architektur und Menschen, die einen Ort prägen. So findet Noémi Kiss die osteuropäische Weite in den Gesichtern, in den Abgründen und Stimmungen derer, die ihr begegnen, sensibel und atmosphärisch zugleich, in ihrer Widersprüchlichkeit aufregend. Noémi Kiss' Aufmerksamkeit holt den geschichtlichen Glanz hinter der abgenutzten Kulisse hervor und schafft in der gegenwärtigen Unordnung Perspektiven. Ihre Offenheit macht dieses Osteuropaauthentisch und deshalb glauben wir ihr.

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Seitenzahl:235

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Die Originalausgabe ist 2009 unter dem Titel Rongyos ékszerdoboz. Utazások keleten im Magvető Verlag, Budapest, erschienen. Bei der vorliegenden Ausgabe handelt es sich um eine von der Autorin überarbeitete und erweiterte Fassung.

1. eBook-Ausgabe 2015

© 2009 Noémi Kiss

© der deutschsprachigen Ausgabe: 2015 Europa Verlag GmbH & Co. KG, Berlin · München · WienUmschlaggestaltung: Hauptmann & Kompanie Werbeagentur, Zürich

Lektorat: Palma Müller-Scherf, Berlin

Satz: BuchHaus Robert Gigler, München

eBook-ISBN 978-3-944305-98-1

eBook-Herstellung und Auslieferung:

Brockhaus Commission, Kornwestheim

www.brocom.de

Das eBook einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Der Nutzer verpflichtet sich, die Urheberrechte anzuerkennen und einzuhalten.

Alle Rechte vorbehalten

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INHALT

DURCH DIE BUKOWINA

VOLKSRENOVIERUNG · Das Land der Sachsen

NIGHT GERADE, SONDERN KRUMM UND GELD · Czernowitz

SCHÄBIGES SCHMUCKKÄSTCHEN · Lemberg

DIE ENGLISCHE SCHULE · Erinnerungen an Gödöllő

GEOGRAFISCHER AUSRUTSCHER · Vojvodina: Von Sombor nach Subotica

FICKÓ · Siebenbürgen

TIEFE BISSWUNDEN · Galizien

GLOSSAR

QUELLEN

DURCH DIE BUKOWINA

»Laven, Basalte, weltherzdurchglühtes Gestein. Quelltuff, wo uns das Licht wuchs, vor dem Atem.«PAUL CELAN, Entwurf einer Landschaft

Unsere Jahrhundertwende

Vor Kurzem bekam ich von einer Verfechterin der Erinnerung, einer Antiquarin, die ich in einem verlassenen Städtchen nahe der Schweizer Alpengrenze kennengelernt hatte, ein Geschenk. Sie überraschte mich mit dem Buch Illustrierter Führer durch die Bukowina, 1901. Als ich mich von ihr verabschiedete, sagte sie mir vertraulich: Sie überreiche mir den Reiseführer gegen das Vergessen der Vergangenheit. Als ich damals den blauen, in Wien herausgegebenen Baedeker mit dem monarchischen Titelblatt in der Hand hielt, da wusste ich noch nicht, dass mir die Beschreibung des Kronlandes in Kürze nützlich sein würde und ich sogar dorthin führe.

Der Wunsch meiner Bekannten wurde Wirklichkeit. Ich vergaß die Vergangenheit schnell, denn die Gegenwart im Osten Europas ist derart chaotisch und ungeordnet, dass die Erinnerung gerade in dieser Unordnung zu Leben erwacht.

Ich fuhr an den Ort, an den mich der Autor des Buches und die Geberin geschickt hatten. Zu seltsamen Wörtern und ungewohnten Orten, über die ich gelesen hatte, noch bevor ich mich ihrer Existenz vergewisserte. Ich war umgeben von mehrfach abgeänderten geografischen Zeichen, über diese Landschaft hatte ich mich sehr viel früher im Ton der Jahrhundertwende informiert, als ich sie dann durch eine von den alten Dingen etwas beschlagene Brille erblickte. Sie war wunderschön, kahl, arm und grau, begeisternd und bedrückend zugleich.

Lange Terrassen, windschiefe Gebäude, Felder und Mandelbäume breiteten sich statt der Linien der Landkarte vor mir aus. So konnte ich das Land der Bücher selbst in Augenschein nehmen, sehen, ob es wirklich so war, wie die nach dem Krieg emigrierten Exilschriftsteller erzählten oder wie die Geschichtsschreiber versuchten, die Katastrophen zu beschönigen. Den Namen dieser heute schon eher fiktiven Landschaft, der Bukowina, leitet der aus Czernowitz stammende Dichter Paul Celan nach seiner Etymologie aus dem Wortstamm ab. Sie ist ein Produkt der Wirklichkeit und der Fantasie zugleich. Die zu überwindende Entfernung führt in ein Labyrinth, denn der Ort fordert dem Reisenden bedeutende geistige und körperliche Kraft ab, sogar seine Seele beansprucht er in ganz außerordentlicher Weise. Er fordert Eindeutigkeit und stellt einen ständig vor Entscheidungen, er erwartet Urteile, ist aber unglaublich schwer zu beurteilen, denn mal ist die Bukowina glanzvoll und reich, ein anderes Mal entsiedelt und fürchterlich anzusehen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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