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"Schaff ich das?" - Diese Frage schwingt permanent mit, wenn jemand in die Verantwortung kommt, einen nahen Angehörigen zu pflegen. Dabei geht es um die aufzuwendende Zeit, Umstände, die eigene Psyche und die große Frage: "Wie mache ich es richtig?" Dieses Buch ermöglicht dir auf strukturierte Weise einen breiten und schnell nutzbaren Einstieg in die Pflege, gibt wertvolle Tipps, auch wenn du schon länger pflegst und vor allem kannst du Wichtiges bei Bedarf immer wieder nachlesen. Es stellt eine rasche, übersichtliche Hilfe für pflegende Angehörige dar, sowie einen schnellen Einstieg für Personen, die sich in die Pflege hinein qualifizieren möchten und das nötige Grundwissen gebündelt und übersichtlich vereint haben wollen. Du kannst dieses Buch nutzen - zum kompakten Erlernen wichtigen Grundwissens in der Pflege, - als Ratgeber in deiner individuellen Pflegesituation, - als Nachschlagewerk, - als Begleitlektüre oder Manuskript, wenn du selbst Menschen in pflegerischen Belangen unterweist.
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Seitenzahl: 71
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Vorwort
Einleitung
Kapitel 1 – Jung und Alt ist nicht dasselbe
Veränderungen im Körper alternder Menschen
Veränderungen in der Psyche
Kapitel 2 - Den Alltag sinnvoll gestalten
Tagesstruktur
Aktivierende Pflege
Kapitel 3 – Gelingende Kommunikation
Sender-Empfänger-Modell
Missverständnisse
Vier-Ohren-Modell nach Friedrich von Thun
Allgemeine Umgangs- und Kommunikationsgrundsätze
Nonverbale Kommunikation
Kapitel 4 - Toilettengang, Ausscheidungen, körperliche Tabus
Tipps für die Begleitung zur Toilette
Inkontinenz
Toilettentraining
Kapitel 5 – Gezielte Vorbeugung (Prophylaxen)
Die einzelnen Prophylaxen kurz beschrieben
Kapitel 6 - Maßnahmen zur individuellen Pflege und Mobilisation
Hygiene
Körperpflege des Angehörigen
Kapitel 7 - Gezielte Ernährung
Gesunde, bedarfsgerechte Ernährung
Kleine Ernährungslehre
Ernährung des Angehörigen
Mangelernährung
Trinken
Hilfen beim Essen und Trinken
Kapitel 8 - Umgang mit Medikamenten
Verabreichen
Medikamente richten
Einnehmen
Allgemeines zu Medikamenten
Augentropfen
Zäpfchen
Kapitel 9 - Umgang mit Sterben und Tod
Die fünf Phasen des Sterbens
Grundsätzliches für dem Umgang mit Sterbenden
Gesundheitsakademie Nürnberg und B-O-B Betreuungsdienst
Über den Autor
Die Situation vieler Pflegebedürftiger und ihrer Angehörigen ist oftmals problematisch. Besonders schwierig wird sie, wenn es sich um altersverwirrte, psychisch oder an Demenz erkrankte Menschen handelt. Die Angehörigen stehen den Krankheitssymptomen und Verhaltensweisen dieser Menschen oft hilflos gegenüber. Die Belastungen der pflegenden Angehörigen und Familien mit einem kranken älteren Menschen liegen oft an der Grenze des Leistbaren. Die schleichenden Veränderungen sind für die Angehörigen nur schwer zu ertragen. Die geliebte Mutter, die ihr Leben hindurch für die Familie gesorgt hat, wird auf einmal zum hilflosen Kind.
Oft sind es Kleinigkeiten, die die Situation erträglicher und humaner gestalten könnten, wie ein Friseurbesuch, mal wieder in Ruhe eine Zeitung lesen, eine Nacht ungestört durchschlafen oder einfach nur einmal in Ruhe die Wohnung aufräumen können.
Damit pflegende Angehörige nicht ratlos und allein in ihrer Situation zurückgelassen werden, haben sie Anspruch auf professionelle Schulung, die von den Pflegekassen finanziert wird.
Dieses Buch ist genau zu diesem Zweck entstanden, damit Angehörige die Grundlagen der Pflege kurz, prägnant und übersichtlich lernen und immer wieder nachlesen können. Ebenso kann dieses Buch als übersichtliches Manuskript für Pflegelernende verwendet werden oder für Pflegeinteressierte im Allgemeinen.
Ich wünsche allen Lesenden, dass es Sie in Ihrer Situation gut zu unterstützen vermag, und Sie die professionellen Hilfen finden, die Ihnen individuelle Entlastung bringen.
Melitta Schmerle
Geschäftsführerin von B-O-B Betreuungsdienst und Gesundheitsakademie Nürnberg
Jemanden zu pflegen ist eine verantwortungsvolle, zugleich aber auch belastende Aufgabe. Viele Menschen stehen dieser Situation plötzlich und oft unvorbereitet gegenüber. Was tun? Es fehlt an entsprechender Fachkenntnis, Fragen gibt es viele und das Spektrum an nötigem Wissen ist breit.
„Als Kind haben sich meine Mutter und mein Vater um mich gekümmert, nun ist es genau umgekehrt“. Rollenwechsel! Das ist für alle Beteiligten zunächst mit einer gewissen Scheu, ja auch Scham verbunden. Sowohl der Pflegende wie auch der Pflegebedürftige brauchen Zeit und Kraft, in diese Situation hineinzuwachsen. Dabei müssen immer wieder Grenzen der Nähe und Intimität überwunden werden, die bisher tabu waren.
Versuche, dich innerlich dafür zu öffnen, reiße jede blockierende Mauer ein! Nur so wirst du die nötige Freiheit gewinnen können und gleichzeitig die Fähigkeit entwickeln, Vertrauen bei deinem Angehörigen auch in diesen „Tabu“-Bereichen aufzubauen. Mit aufrichtigem Vertrauen lässt sich die Situation beidseitig wesentlich leichter meistern. Das bedeutet allerdings auch, die Sache nicht mit Gewalt erzwingen zu wollen, sondern kontinuierlich daran zu arbeiten und darin zu wachsen.
Dieser Leitfaden „Schaff ich das?“ kann weder dem Anspruch auf Vollständigkeit in den einzelnen Bereichen gerecht werden, noch übermäßig in die Tiefe gehen, denn sonst wäre es kein Leitfaden mehr, der die Menge wichtiger Aspekte in konzentrierter Kürze vereint, sondern ein Fachlehrbuch.
Der Vorteil dieses Büchleins besteht darin, dir auf strukturierte Weise einen breiten und schnell nutzbaren Einstieg in die Pflege zu ermöglichen und du kannst Wichtiges bei Bedarf immer wieder nachlesen.
Es soll eine rasche, übersichtliche Hilfe für pflegende Angehörige darstellen, wie auch einen schnellen Einstieg für Personen, die sich in die Pflege hineinqualifizieren möchten und das nötige Grundwissen kompakt und übersichtlich vereint haben wollen.
Literatur wie diese lebt davon, dass sie sich verändert, Neuerungen aufnimmt und sich immer wieder an die jeweiligen Bedürfnisse anpasst. Deshalb ermuntere ich dich, mir deine Resonanz zu schreiben, Hinweise für mögliche Ergänzungen für deinen persönlichen Bedarf, aber auch, wo du in diesem Buch genau den Zweck für deine individuelle Situation erfüllt siehst. Nur so kann ich es kontinuierlich aktualisieren, damit es bleibend genau die Hilfe für viele Leser darstellen kann, die Sinn und Zweck des Büchleins ist. Meine E-Mail-Adresse findest du ganz hinten im Buch.
Packe die Herausforderung Pflege an. Es wird sicher bei weitem nicht immer leicht sein, aber sie kann eine Chance werden, persönlich zu wachsen, neue Perspektiven zu gewinnen und sich für dich letztendlich vielleicht sogar als eine Bereicherung in deinem Leben entwickeln.
Roland Greger - November 2020
Zwei Hinweise:
Pflege bedeutet immer, Beziehungen zu leben, Menschen nahezukommen und Mauern und Distanzen abzubauen. Das ist unvermeidbar, das ist aber auch einer der schönen Aspekte der Pflege: Locker, ungezwungen, positiv sein!
Aus diesem Grund lege ich in diesem Buch das steife, trennende „Sie“ ab und benutze das vereinende „du“, denn in irgendeiner Weise sitzen wir alle im gleichen Boot.
Aufgrund geschlechterspezifischen Anreden-Müssens wird unsere schöne deutsche Sprache immer holpriger gemacht: Spreche ich hier „Leserinnen und Leser“ an, „Leser*innen“, „Lesende“ oder ganz einfach „den Leser“? Zugunsten eines flüssigen Leseflusses habe ich mich in meinen Büchern für die letztere Form entschieden, unabhängig vom Geschlecht der betreffenden Personen.
Herz-Kreislauf
Das Herz eines Älteren schlägt wesentlich langsamer. Unter Belastung kann ein junger Erwachsener schon mal 200 Schläge pro Minute erreichen. Das ist bei einer älteren Person deutlich weniger. Die Folge daraus ist ein geringerer Sauerstofftransport im Blut.
Desweiteren büßen die Blutgefäße ihre Elastizität ein und der Blutdruck steigt im Allgemeinen. Eingelagertes Kollagen im Reiz-Leitungssystem des Herzens sorgt häufig für Herzrhythmusstörungen.
Atmung
Eine ältere Person ist anfälliger für Erkrankungen wie Lungenentzündung oder COPD (Chronisch obstruktive Lungenkrankheit), denn die Lungenbläschen verlieren ihre feine Struktur. Eine Folge daraus ist eine geringere Elastizität des Lungengewebes, wodurch sich Ein- und Ausatmung verschlechtern. Auch hier ist die Folge, dass weniger Sauerstoff ins Blut gelangt und der Körper deshalb nicht mehr so belastungsfähig ist.
Magen-Darm-Trakt
Das Schlucken fällt schwerer und der Magen entleert sich weniger gut. Der Darm wird träger, was sich ungünstig auf den gesamten Stoffwechsel auswirkt.
Nieren und Harnwege
Die Nieren arbeiten im Alter nicht mehr so gut. Dadurch werden Giftstoffe langsamer aus dem Körper ausgeschieden, was zu einer längeren Verweildauer zum Beispiel von Medikamenten im Körper führt.
Blut / Immunsystem
Unser Knochenmark ist zuständig für die Blutbildung. Jedoch nimmt es im Alter zunehmend ab. Rote Blutkörperchen werden in der Regel nach wie vor ausreichend gebildet, die sich ebenfalls im Blut befindlichen Immunzellen dagegen drastisch weniger. Dadurch verringert sich die Abwehrfunktion im Körper wesentlich.
Hormone
Die Hormonfunktion verändert sich im Alter. Man nimmt an, dass bei Älteren für gleiche Funktionen im Körper mehr Hormone nötig sind als bei Jungen.
Gehirn und Nerven
Die Gehirnfunktion nimmt deutlich ab. Davon betroffen sind die Motorik, das Sehen und Sprechen. Gleichzeitig stellt sich ein deutlicher Verlust des Gedächtnisses, der Merkfähigkeit und allgemeiner geistiger Flexibilität ein. Was im Alter allerdings zunehmen kann, ist die Fähigkeit, das Denken inhaltlich auszugestalten.
Sinnesorgane
Geruchs- und Geschmacksinn nehmen ab, sowie Hören, Sehen und auch der Gleichgewichtssinn. Hunger und Durst sind zwar nach wie vor vorhanden, werden aber von der älteren Person oft wesentlich weniger wahrgenommen.
Knochen und Muskeln
Die Knochendichte nimmt im Alter ab, auch die Knorpel, vor allem in den Gelenken. Die Folge sind häufigere Knochenbrüche und Gelenkprobleme. Muskelmasse wird abgebaut, was die körperliche Belastbarkeit verringert und gleichzeitig zu langsameren Reaktionszeiten führt.
Haut
Die Durchblutung der Haut nimmt deutlich ab, Schweiß- und Talgdrüsen arbeiten weniger gut. Die Haut wird dadurch anfälliger für Verletzungen und Infektionen. Die Heilung von Wunden ist stark eingeschränkt.
Wichtig: Wir reden hier nicht von krankheitsbedingten psychischen Veränderungen, zum Beispiel Demenz, sondern von ganz normalen, sich mit dem Alter einstellenden Vorgängen.
Freude und Niedergeschlagenheit sind weniger weit voneinander entfernt. Alte Menschen sind nicht so überschwänglich freudig, aber ebenso nicht mehr komplett am Boden zerstört.
Charakter- und Persönlichkeitsmerkmale, die eine Person bereits in jungen Jahren hatte, können sich im Alter noch wesentlich ausgeprägter zeigen.