Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Das vorliegende "Vademecum" von Hans Mehlin würdigt zwei herausragende Jubiläen, die das kulturelle Erbe in Bad Säckingen aufs Schönste miteinander verbinden: den 200. Geburtstag des Dichters Joseph Victor von Scheffel und das 150-jährige Bestehen der Badischen Herrengesellschaft Walfischia Säckingen, schreibt Dr. Robert Rauter, der den Vorsitz eben dieser traditionsreichen Vereinigung hat. Scheffel war ein Ehrenmitglied der Gesellschaft. Mit sprachlicher Eleganz und historischem Feingefühl entfaltet Hans Mehlin ein vielschichtiges Panorama des Scheffel'schen Einflusses auf das Selbstverständnis und die Entwicklung der "Herrengesellschaft Walfischia zu Säckingen". Mehlins Buch ist mehr als ein Rückblick: Es ist eine lebendige Hommage an eine Freundschaft zwischen Literatur und Lebensart, mit verspieltem Humor und einer heiteren Geselligkeit. Ein Buch für Kenner und Genießer, die wissen, dass zwischen einem wohlgesetzten Vers von Scheffel und einem gefüllten Glas oft nur ein Lächeln liegt. Der Bad Säckinger Ehrenbürger Dr. Günther Nufer äußerte sich zu diesem Begleitbuch über "Scheffel und Walfischia" folgend: Hans Mehlin führt den Leser geradezu mit einem musikalischem Schwung durch Säckingens Stadt-, Kultur- und Bürgergeschichte.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 78
Veröffentlichungsjahr: 2025
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Dieses Scheffelbegleitbüchlein, ein „Vademecum“, über unsere Region verdankt sein Erscheinen zwei Kulturereignissen: erstens dem 200. Geburtstag des Dichters Joseph Victor von Scheffel. Zweitens dem 150. Jahrestag der „Herrengesellschaft Walfischia“, deren Ehrenmitglied der Humor-Poet gewesen war.
Der Autor schickt voraus, daß dieses Buch aus dem Blickwinkel einer Herrengesellschaft verfasst wurde. Dazu ist das Archiv der „Walfischia“ benutzt worden. Es stellt ein 150-jähriges Säckinger Zeitzeugnis dar.
Siegel der Badischen Herrengesellschaft Walfischia
Im Zentrum des Siegels steht ein Wal, das Symbol der Freiheit, der Harmonie und der Verbundenheit. Für die Kräfte der Natur und grenzenlose Weisheit.
Die gekreuzten Paddel stilisieren die Fischerei und auch Langholz-Flößerei auf dem Rhein nach Basel.
Der gekrönte Visierhelm ist Sinnbild hohen Ranges, zeigt auch Führungsanspruch und kulturelle Einheit.
Der österreichische Schauspieler Raimund Lang hat 1996 folgenden „Prolog für Säckingen“ vorgetragen:
Es ist eine verzückende Beschaulichkeit, die sich einem Besucher dieser Stadt Säckingen vermittelt, wenn er am frühen Morgen das dunstige Rheinufer entlangwandert, durch den frühherbstlich verlebten Schlossgarten schlendert, und die mäßig belebten Straßen und Plätze der Stadt durchqueren möchte.
Kein störender Lärm, kein ungestümes Treiben oder das Treibenlassen des Großstädters würde mit der ihm eigenen Überheblichkeit des Lebens von einer Verschlafenheit und Verträumtheit sprechen wollen.
Selbst die Töne des Trompeters bleiben hier diskret, und seine Welt zwischen Wahrheit und Legende ist eine „Welt von gestern“, womit ein durchziehender Gast das Trugbild der heilen Welt verbinden würde.
Ich gebe gerne zu, dass ich mich diesem Zauber völlig hingebe, mir aber in all dieser Behaglichkeit bewusst halten will, dass unter meiner seelischen Glocke die gewöhnliche, fleischliche Alltäglichkeit weiter bestehen muss, und auch hierzulande das Gemeinwesen mit Gemeinplätzen zu kämpfen hat, da zuweilen Persönlichkeiten wie die Ortsheiligen, der Heilige Fridolin sowie der Schriftsteller Scheffel mit dem Kater Hiddigeigei nur hilfreich sein können, wenn man als Reisender den Schauplatz erkundet.
Die Suggestion Säckingen ist in der Scheffel-Stadt eine Autosuggestion eines kurzfristig Verweilenden, da sie diesen Nimbus einem Prominenten verdankt, der von 1850 bis 1851 seine Zeit hier verbracht hat, und seinerzeit auch Anregungen mitnehmen konnte, die ihn 25 Jahre später zu einem der bekanntesten Männer Deutschlands und weltberühmt werden ließ.
Joseph Victor Scheffel, Karlsruher Beamten Sohn, hatte aus dem Gehorsam zum Vater ein ungeliebtes Jurastudium bis zu Ende gebracht und in Säckingen eine Karriere im juristischen Staatsdienst begonnen. Seine Neigung galt der Kunst und seine Begabung vermutete er in der Malerei. So wird aus dem stillen verinnerlichten fleißigen Musterknaben während der Heidelberger Semester ein recht fideles Kneipgenie, der die übliche Sperrstunde als Freiheitsberaubung empfand und in der Institution des Nachtwächters in Säckingen alsbald eine feindliche Spezies erblickte.
Sein unterdrückter, revolutionärer „Seelenschmerz“ führte in Säckingen im „Goldenen Knopf“ zu einem aktenkundigen Eklat. Ein bürgerliches Exempel mit Selbstbehauptung in der weinseligen Umnebelung, das aber keinesfalls einer erlösenden Entspannung im frühen Morgengrauen entbehrte, und stattdessen in einem spießbürgerlichen Bürokratismus mündete. Scheffel war nicht unschuldig an solcher Eskalation. Jahrzehnte später bekräftigte er wiederum diese Art verbissener Beharrlichkeit, als er einige Radolfzeller Fischer mit der Schrotflinte vom Grundstück schoss, was ihm konkret einen verlorenen Prozess und tiefe Kränkung seiner depressiven Lebensweise eintrug.
Vielleicht hat ihn die Nacht im "Goldenen Knopf" zu seinem Entschluss bewogen, einem Beamtenleben bald "valet" zu sagen. Doch die äußeren Umstände zwangen ihn noch zu zwei Anstellungen in Bruchsal und in Donaueschingen, ehe er 1852 nach Süden ziehen konnte, um sich in "Olevano Romano", dem Arkadien der deutschen Romantiker in den Sabiner Bergen, vor Ort in der Kunstmalerei weiterzubilden. Aber dort, in der gastfreundlichen "Casa Baldi" und im dunklen "Eichenhain der Serpentara", an Orten, die zu einer schwelgerischen Lebensfreude passen, erkannte Scheffel seine Grenzen in der Malerkunst.
Schweren Herzens verließ er "Olevano" und zog weiter ins milde „Capri“, wo er den Zeichenstift mit der Schreibfeder tauschte und zu dichten begann. Aus dem, was er von Säckingen mitgebracht hatte, entstand das Trompeter-Epos, wurde ein Bestseller, der ihn über Nacht zum Nationaldichter gekürt hat.
Mit dem historischen Roman Ekkehard wiederholte Scheffel den Erfolg und bewährte sich überdies als wortspielerischer Lyriker. Er war zum „Bildungsgut“ seiner Epoche geworden, was ihm das Leben eines Dichterfürsten auf der Halbinsel Mettnau im Schloß auf der Seehalde am Bodenseeufer ermöglicht hat.
Tatsächlich war er kein Dichter von visionärer Kraft, doch er verstand es bestens, den Geist seiner Zeit, nach der fehlgeschlagenen badischen „Revolution“, in die bürgerliche Sicherheit und eine transportierte Enttäuschung der „gescheiterten Revolutionsjahre“ mit seinem Humor und Bildung in Verse zu kleiden.
Bild von Joseph Victor von Scheffel im Jahr 1881. Der erfolgreiche Dichter lebte damals in Radolfzell, auf der Mettnau, im Haus am Ufer des Bodensees.
Prolog
Wenn man in Säckingen ankommt
Die Walfischia Stube Bad Säckingen
Im Schwarzen Walfisch zu Askalon
Die Gründung im Schwarzen Walfisch
Das liberale Baden zu Scheffels Zeiten
Herrengesellschaften in Baden
Das Denkmal Walfischia Stube Säckingen
Scheffels Nachfahren in der Walfischia
Jungwale tauchen auf
Der Scheffelgeist in Bildern und Sprache
Das Tier in Scheffels Humor
Vaganten wandern in die Welt
Honorige Herren – humorvolle Heiterkeit
Der Dichter und die Bildungsbürger
Kater Hiddigeigei und der Scheffelgeist
Den Gaudeamus Walen zum 150. Jubiläum
Geleitwort des Oberwals
Literaturverzeichnis
Epilog
Der Autor
Leben Sie gefälligst hoch! So ähnlich hätte mich im Frühjahr 1989 Joseph Victor von Scheffel als neuen Forstamtsleiter unter vielen "braven Säckingern" bei der Amtseinführung im „Trompeterschloss-Festsaal“ willkommen geheißen, zumal "der Oberförster", wie er im Epos Trompeter von Säckingen tituliert wurde, sich bald auf den Spuren Scheffels bewegen sollte.
Mir war bei diesem „Behörden Anlass“ nicht bewußt, daß der „Oberförster“ auch in die "Walfischia-Stube" neben dem Gasthaus „Hiddigeigei“ eingeladen wird, um mit Scheffels Sprösslingen Kontakte zu knüpfen.
Der Dichter Scheffel war meinen Gymnasiallehrern im Jahre 1968 am Hebelgymnasium in Lörrach aber keine literarische, historische Stunde wert gewesen, obwohl der Poet auch Johann Peter Hebel schätzte und bei den Barrikaden Heckers und Struves stand, beschränkten ihn meine Lörracher Gymnasiallehrer auf einen „biederen Dichter und einen Sauf Poeten“. Scheffels Briefe als 2. Sekretär beim Parlamentarier Karl Th. Welcker interessierten meine Lehrer kaum.
Doch bei einem Wissenschaftlichen Kolloquium im Säckinger Kursaal mit ausgezeichneten Referenten, etwa G. Mahal, H. Schmidt-Bergmann, W. Berschin und dem Thema „Ein Poet, gefeiert und geschmäht“ wuchs meine Sympathie für das Werk des Dichters. Ich war begeistert, von seinen Erlebnissen zu lesen, und verglich seine mit meiner Ankunft in Säckingen. Mich beschäftigten Scheffels Briefe nach Karlsruhe:
Scheffels Ankunft in der Ersten Epistel 6. 1. 1850.
„Also auch in Säckingen! Heute vor acht Tagen um Mitternacht habe ich meinen Einzug gehalten. Das erste Wesen, was ich allhier ansichtig wurde, war ein biederer Hausknecht, der sich nach einigen Pausen meiner erbarmte und mich mit dem Koffer in die Stadt Säckingen auf den Marktplatz vor das Gasthaus zum "Chnopf" führte. Seit Mittwoch sitze ich festgemauert in meiner Amtsstube, und helfe an der Weltverbesserung durch juristische Vermehrung der Aktenfaszikel…. und schreibe wieder im Gefühl meiner Würde, daß die Feder knarrt und das Papier rauscht und braust. Im Mittelpunkt meines hiesigen Lebens, in der Schreibstube, seitab vom Marktplatz in Säckingen ohne Skrupel in einem Amtsrevisorat.
Scheffel spottet weiter: „Schenk diesen Amtsherren einen besseren Verstand, daß sie die bürgerliche Rechtspflege besser führen. Wenn sich alles von selbst erledigte, dann wäre gut, Amtmann zu sein.
Dazu hat nicht wenig der hochhehre Grundsatz des Aktuars beigetragen, den ich mir alsbald angeeignet habe. Der pflegt nämlich zu jeder Tageszeit und bei jeder Gelegenheit den Spruch auszuführen: Sei mir heute nichts zuwider!... Wenn doch nur ein Heiliges Kreuz Donnerwetter das Amtshaus verschlüge“ …..
Scheffels weitsichtige, unbürokratische Empfehlung der modernen Verwaltungskunst beeindruckte mich. Ich nahm mir zu Herzen, wie sein Aktuar zu denken: „Sei mir jungem Oberförster heute nichts zuwider“!
Den damaligen Oberförster August Menger, meinen historischen Amtsvorgänger, hatte Scheffel 1850 bei der Fridolinprozession im Trompeter von Säckingen unter den Säckinger Honoratioren folgend vermerkt:
„Kerzentragend schritt der junge Bürgermeister und die Würdenträger: Amtmann und Rentei-Verwalter, auch der alte Oberförster, … der nur des Dekorums halber …, denn mit Prozession und Kirche stand er nicht auf bestem Fuße, betet lieber drauß im Wald“.
Der damalige Oberförster und Wal August Menger Wegen meiner 1989 angeordneten Residenzpflicht, lebte ich darauf in Rufweite zum Scheffel-Denkmal im Schlossgarten. Nahe bei der „Walfischia Stube“.
Bei einer Vortragsveranstaltung im Trompeterschloß mit großen Konstanzer Literatur-Musik-Experten wie Oettinger und Weidhase vernahm ich „Hiddigeigeis“ Liebesthemen „Warum küssen sich die Menschen?“ Ein humorvoller Beitrag aus den Werken Scheffels. Ich begann begeistert, dem Autor näherzukommen.
Der Scheffel-Biograph, Friedrich Bentmann, schrieb 1982 sehr ähnlich wie Günther Mahal im Jahr 1986, daß es nicht nur als „68-er“ zum guten Ton gehöre, Scheffels Werke gering zu schätzen oder lässig mit den Achseln zu zucken, wenn man Literatur meine. Man höre in den literarischen Zirkeln, daß Scheffel in Begeisterung für das frühe Mittelalter die eigenen Illusionen vor den Bildungsbürgern ausgebreitet hat. Scheffel sei einer rationalen Weltsicht ausgewichen. Er habe sich dem Lesegeschmack der bürgerlichen Schicht angepasst. Man müsse den Autor als einen geschätzten Modepoeten des 19. Jhdt. bezeichnen.
Aber weit gefehlt, schreiben Bentmann und Mahal: Kein geringerer Dichter, als Theodor Fontane habe begeistert über Scheffels Werk geurteilt: "es ist fein, kenntnisreich, gerecht, humoristisch. Poeten-Arbeit durch und durch". Seine „Gaudeamus-Lieder“
