Schreite durch das Torii - Borghild Delvendahl - E-Book

Schreite durch das Torii E-Book

Borghild Delvendahl

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Beschreibung

Man kann sich dem Zauber Japans nicht entziehen, einem Land, zusammengefügt aus Tradition und modernster Technik. Leuchtende Farben sind eingebettet in neutrales Grau. Die Verbindung von Dieseits und Jenseits ist spürbar in den Schreinen und Tempeln, den religiösen Zeremonien. Die schlichte Form der japanischen Häuser mit ihren fast leeren Räumen und Schiebetüren, der Verbindung mit der Natur faszinieren das Auge ebenso wie die Bauten bekannter Architekten und der schnellste Zug der Welt, der Shinkansen. Magisch erscheint die Silhouette des Fuji san, Jahrhunderte lang ein Pilgerziel. Nicht jedem Besucher ist das Schauspiel vergönnt, zumeist ist der Berg in den Wolken verborgen. Bis ins Detail gestaltete Gärten und das heiße Bad, das Onsen, laden zur Meditation ein. Die überaus höflichen Japaner überraschen mit ihrer Liebe zu Ordnung und Sauberkeit. Schönheit und Anmut der Geishas sowie die Besonderheit der Teezeremonie lassen Bilder entstehen, die man nicht vergisst.

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Seitenzahl: 90

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Inhalt

Prolog

Der japanische Schöpfungsmythos

Die Chrysantheme

Schreine und Tempel

Shinto

Buddhismus

Zen Buddhismus

Der goldene Pavillon

Kyoko-Chi

Philosophenweg in Kyoto

Nanzen-Ji Tempel

Tempelbuch

Bahnhof Kyoto

Shinkansen

Heian Schrein, Kyoto

Fushimi Inari Schrein

Die großen Buddha Statuen in Japan

Miho Museum

Das japanische Haus

Onsen, Wellness auf Japanisch

Die Entdeckung des Tees

Die Teezeremonie

Geisha

Japanischer Garten

Die bunten Karpfen

Japanische Burgen

Fuji-San, der heilige Berg

Friedenspark Nagasaki

Tempelstraße in Nagasaki

Hiroshima

Moderne Architektur in Tokio

Asakusa Tempel, Tokio

Meiji Schrein

Nikko

Prolog

Viele Reisen habe ich im Laufe meines Lebens unternommen. Am Anfang gab es eine umfangreiche Liste aller Länder, die ich unbedingt sehen wollte und inzwischen auch gesehen habe, Japan war nicht dabei. Die Idee, dorthin zu reisen, kam ganz plötzlich, ich hatte das Gefühl, das „Land der aufgehenden Sonne“, von dem ich nur Echo und Schatten kannte, besuchen zu müssen, einzudringen in das Geheimnis einer Nation mit einer Abgeschlossenheit nach außen von über 250 Jahren. Also flog ich im Oktober 2017 zusammen mit meinem Mann nach Osaka. Ja und dann erlag ich dem Zauber dieses Landes. Schreine und Tempel, von Mystik umfangen, gestaltete Gärten und „geliehene“ Landschaften, Wellenlinien in Kies gezogen, leuchtende Torii, die ein heiliges Areal öffneten, die Silhouette des Fuji-san, die farbenfrohen Kimonos mit der großen Schleife auf dem Rücken und die heißen Bäder, die zum Meditieren vor Steingärten einluden, all das erfüllte mich mit Staunen.

Viele, viele Menschen leben in dem drittgrößten Inselstaat der Welt und dennoch fühlt man sich nie bedrängt. Die Japaner bewegen sich diszipliniert und sind der Inbegriff der Höflichkeit. Eine leichte Verbeugung zur Begrüßung und auch zum Abschied sind hier üblich, kein Händedruck und keine Umarmungen, wie wir es in der westlichen Welt gewohnt sind.

Japan wurde im 5. Jahrhundert vor Christus gegründet und stand lange unter dem kulturellen Einfluss des chinesischen Kaiserreichs. Im 6. Jahrhundert gelangte der Buddhismus nach Japan.

Die lange Isolierung von der übrigen Welt verleiht diesem Land eine gewisse Fremdartigkeit. Die Untertanen durften Japan nicht verlassen, Kontakte zum Ausland gab es nur im chinesischen Viertel von Nagasaki und durch den Handelsposten der Holländer vor der Küste dieser Stadt.

Nach langen Bürgerkriegen kam es zu einem dauerhaften Frieden in Japan. In den Städten entwickelte sich eine hohe Kultur, Theater, Holzschnitte und die Unterhaltung durch Geishas gelangten zur Blüte.

Die erzwungene Öffnung des Landes und die anschließende Restauration der kaiserlichen Herrschaft im Jahre 1868 läuteten eine neue Ära ein. Wissensdurst und Neugier ließ die Industrialisierung rasch voranschreiten. Äußerlich scheint fast alles in Japan europäisch und amerikanisch geprägt zu sein, doch neben dem modernen Lebensstil herrschen nach wie vor Traditionen in diesem Land. Pilger besteigen heilige Berge, Reisbauern bestellen ihre Felder, Autofahrer unterziehen ihre Fahrzeuge einer rituellen Reinigung beim Schrein, um sie vor Unfällen zu schützen.

Der komfortable Hochgeschwindigkeitszug verbindet Großstädte, daneben begeben sich Bummelzüge gemächlich von einem Ort zum anderen. Bis heute haben uralte Bräuche wie das Bad im Onsen, die Kirschblütenbetrachtung, Geishas und ausgelassene traditionelle Volksfeste überlebt, daneben entwickelt Japan Haushaltsroboter und Hybrid-Motoren.

Das gesamte Land ist durch das starke Traditionsbewusstsein und die Begeisterung für alles Neue geprägt, diese Gegensätze tragen viel zu dem Charme Japans bei.

Der japanische Schöpfungsmythos

Dieser wurde erst im 8. Jahrhundert aufgeschrieben, zwei Jahrhunderte waren die Japaner bis dahin koreanischen und chinesischen Einflüssen ausgesetzt. Im Mittelpunkt des Mythos steht die Entstehung Japans, außerdem die Begründung des Kaisergeschlechts der Tenno.

Am Anfang waren Himmel und Erde nicht getrennt, alles war eins in Form eines Eis. Dann erhob sich der reine und klare Teil nach oben und ward Himmel, der schwere und feste Teil senkte sich herab. Es entstand die Erde, sie trieb auf der Oberfläche des Ur-Ozeans. Nun traten die ersten drei Gottheiten in die Welt, die Gottheiten des Himmels und der schöpferischen Kräfte. Eine vierte Gottheit folgte ihnen, sie besaß die Form eines Schilfrohr-Schösslings und ließ Leben aus dem Ur-Ozean keimen. Eine weitere Gottheit erschuf die himmlische Sphäre, damit gab es fünf himmlische Götter, Weitere zwölf Gottheiten entstanden. Als letzte traten die Geschwister Izanagi und Izagami in die Welt. Ihnen übertrugen die himmlischen Götter die Aufgabe, die Erschaffung des Festlandes zu voll enden. Sie erhielten eine mit Juwelen geschmückte Lanze. Stehend auf dem Regen bogen senkten sie diese in den Ozean, eine salzige Ursuppe, und rührten diesen um. Beim Herausheben tropfte von der Spitze der Lanze Salz herab und wurde eine Insel Japans, Onogaroshima, „die von selbst geronnene Insel“. Darauf errichteten die Geschwister einen Himmelspfeiler und vollzogen den Hochzeitsritus. Es entstehen weitere Inseln, auch die acht großen Inseln Japans.

Bei der Geburt des Feuergottes verbrennt sich Izanami, stirbt und kommt in die Unterwelt. Izanagi sucht sie dort, verstößt aber gegen ihre Bitte, sie nicht anzusehen. Daraufhin wird er aus der Unterwelt verjagt. Von außen verschließt Izanagi diese mit einem Felsen und trennt so die Welt der Lebenden von der der Toten. Izanami schwört, täglich 1000 Leben zu vernichten, Izanagi dagegen, täglich 1000 „Gebärhütten“, Geburten zu erschaffen. So entstand der Kreislauf von Leben und Tod.

Izanagi vollzieht nach seinem Besuch in der Unterwelt eine rituelle Reinigung in einem Fluss. Es entstehen beim Waschen seiner Augen neue Gottheiten, die Sonnengöttin Amaterasu, der Mondgott Tsukiyomi-No Nomikito und Susanoo für die Gefilde des Meeres.

In der japanischen Mythologie ist der Polarstern die Himmelsmitte, von der Erde aus betrachtet ändert er seine Position nicht, es scheint, dass alle anderen Sterne um dieses zentrale Himmelsgestirn kreisen. Also befindet sich „der Herr der hehren Himmelsmitte“, so bezeichnen ihn die Mythen, im Zentrum des Universums und beherrscht die gesamte Welt. Die japanische Bezeichnung für solch einen Himmelskaiser ist „Tenno“.

Die Tenno berufen sich außerdem auf ihre Abstammung von der Sonnengöttin, hier findet man zusätzlich die Machtstütze der japanischen Kaiserdynastie. Temmu, der erste Kaiser wurde deshalb als Gott verehrt.

Warum der japanische Kaiser sterblich ist

Vor langer Zeit schickte die Sonnengöttin ihren Enkel Ninigi herab, er sollte die Erde regieren. Sie übergab ihm Reisrispen, damit er Reis anbaue, der den himmlischen Göttern geopfert werden sollte. Außerdem erhielt er einen Spiegel, verbunden mit seinem Versprechen, diesen als Sinnbild ihrer Seele stets zu verehren.

Als Ninigi den Berg Takachiho auf der Erde betrat, bot ihm der Berggott seine zwei Töchter an. Eine davon war hässlich mit dem Namen „unwandel barer Felsen“, die andere vollendet schön, genannt „Blütenpracht“. Ninigi wählte die Schönheit. Diese Entscheidung war falsch, er hätte beide Töchter wählen müssen, um ein dauerhaftes Leben in Schönheit zu erzielen. Alle japanischen Kaiser haben daher nur ein relativ kurzes Leben.

Der Enkel Ninigi bestieg als erster den „Chrysanthementhron“. Der heutige Kaiser Akihito ist somit der 125. Tenno und Nachfahre der Sonnengöttin.

Die Chrysantheme

Kirschblüten künden vom Frühling und erinnern an die Vergänglichkeit irdischer Schönheit.

Die Chrysantheme nimmt Bezug auf den Herbst und ist Symbol für Glück und Gesundheit.

Seit dem 12. Jahrhundert symbolisiert sie das japanische Kaiserhaus, heute ist sie die Nationalblume des Landes. Es gibt einen Chrysanthemen Thron und einen Chrysanthemen Orden. Im 8. Jahrhundert gelangte sie als Heilpflanze aus China nach Japan. Sie wurde gegen Erkältungen benutzt und sollte langes Leben garantieren.

In der Edo-Zeit durfte das Volk Chrysanthemen züchten, heute gibt es 350 verschiedene Arten, einige von ihnen mit einem Blütendurchmesser von 30 cm, andere wechseln während der Blütezeit ihre Farbe.

Ende Oktober, Anfang November finden in vielen Schreinen Festivals statt, hier werden die schönsten Exemplare ausgestellt.

Berühmt sind in Japan die Chrysanthemen Puppen Kikuningyo, lebensgroß, ganz aus Chrysanthemen Blüten bestehend. Dargestellt werden berühmte Persönlichkeiten oder Gestalten aus Sagen und Literatur.

Die kaiserliche Blume ist im japanischen Reisepass abgebildet, eine 16-blättrige Chrysanthemen Blüte, sie dient als nationales und kaiserliches Siegel. Zu sehen ist sie auch auf der 50-Yen Münze. Japans erster Satellit trug den Namen Kiku. Mit den gelben Blüten verziert man kalte Speisen, die weißen sind für die Toten.

Chrysantheme

Schreine und Tempel

Beide Bauten dienen religiösen Handlungen und sind Orte für Gebete, unterscheiden sich jedoch durch die Art der Religion, die hier praktiziert wird und durch ihre Architektur.

Shinto und Buddhismus sind die beiden bedeutendsten Religionen des Landes und durch ihre lange, gemeinsame Geschichte nicht immer leicht zu unterscheiden. Der wichtigste Unterschied zwischen beiden ist wohl die Diesseitsbezogenheit des Shinto und der Blick auf das Jenseits des Buddhismus. Die meisten Japaner verbinden beide Glaubensrichtungen, Hochzeiten feiern sie im Sinne des Shinto, Beerdigungen werden nach den Ritualen des Buddhismus vollzogen.

Als der Buddhismus im frühen Mittelalter eingeführt wurde, akzeptierten die Mönche die japanischen Kami (Götter) als Manifestationen Buddhas und seiner Bodhisattvas. Im Gegenzug wird Buddha vom Shinto als Kami, einer ihrer Gottheiten betrachtet.

Shinto

Shinto, auf deutsch „Weg der Götter“ ist eine ethnische Religion, ausschließlich in Japan verbreitet, sie entstand aus Naturglauben und chinesischem Ritus.

Es gibt keinen Gründer, keine theologischen Texte, keine religiösen Vorschriften und Gebete. Viele Götter sind es, die im Shinto verehrt werden, sie können gut oder böse sein, können sündigen und sind nicht allmächtig, bewohnen die Natur oder einen Schrein. Diese Kami kümmern sich um das Wohl der Menschen im Diesseits und erhalten dafür Speiseopfer und Unterhaltung. Shinto Gottheiten können die Form von Menschen, Tieren, Gegenständen und abstrakten Wesen annehmen.

Die Verehrungsstätten des Shinto sind die Shinto Schreine.

Zur Zeit der Meiji Restauration war die Herrschaft der Shogune beendet, an ihre Stelle trat ein moderner Nationalstaat mit dem Tenno als Oberhaupt. Shinto wurde zum nationalen Kult und als ideologisches Mittel zur Wiederbelebung der Macht des Kaisers benutzt. Die gemeinsame Verehrung von Kami und Buddha ward nicht mehr gestattet. Shinto Schreine wurden landesweit zu Verehrungsstätten des Tennos. Mit Rücksicht auf die verfassungsmäßig festgelegte Religionsfreiheit bestand der Schreinkult nicht als religiöser Akt, sondern definierte sich als patriotische Pflicht, daraus resultiert die Bezeichnung Staats-Shinto in der Nachkriegszeit. Nach der Niederlage Japans im 2. Weltkrieg wurde Shinto als Staatsreligion verboten, 1946 verzichtete der Tenno auf jeden Anspruch auf Göttlichkeit.

Schreine

Der Ise Schrein, in der Stadt Ise, steht an oberster Stelle in der Rangordnung, hier wird die Sonnengottheit, die Urahnin des Tennos verehrt. Damit gilt der Kaiser als Oberhaupt des Shinto. Von Beginn des Kaisertums bis zum 2. Weltkrieg schrieb man dem japanischen Herrscher deshalb göttlichen Status zu.

Der Begriff „Schrein“ bezeichnet ein Bauwerk, in dem ein göttlicher Verehrungsgegenstand aufbewahrt wird. Eine Schrein-Anlage weist mehrere Haupt- und Nebenschreine auf.

Herbstlaub rahmt Torii

Heiliges ruhet im Schrein,

das Gebet beginnt.

Jeder Schrein besitzt ein Torii, auf deutsch „Vogelsitz“, ein symbolisches Eingangstor. Gefertigt aus Holz oder Stein, zinnoberrot lackiert, markiert es die Grenze zwischen dem menschlichen Bereich und dem der Götter. Für Abgrenzungen verschiedener Areale werden ebenfalls Torii gesetzt. Jedes Torii ist durch zwei Querbalken gekennzeichnet. Der obere liegt auf den beiden Säulen auf, der untere schneidet und verbindet sie.