Selbstbewusstsein stärken - Selbstzweifel überwinden - Johann Ceh - E-Book

Selbstbewusstsein stärken - Selbstzweifel überwinden E-Book

Johann Ceh

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Beschreibung

Aus den Ergebnissen einer großen Zahl empirischer Untersuchungen in verschiedenen Kulturkreisen kann geschlossen werden, dass es ein Problem sehr vieler Menschen ist, zu wenig Selbstbewusstsein zu haben. Über 6 Millionen Deutsche zum Beispiel leiden unter sozialen Ängsten. Manche Betroffene sind nur schüchtern, andere ziehen sich ganz von der Außenwelt zurück, weil sie meinen, von anderen abgelehnt zu werden. Seelische Gehemmtheit verhindert eine freie Entfaltung der Persönlichkeit. Selbstbewusstsein ist dem Menschen nicht angeboren, es entwickelt sich von Kindheit an. Die Vermeidung eines Übermaßes an frustrierenden Erlebnissen, Ermutigung durch die Umgebung und Erfolgserlebnisse, die sich auf eigene Leistungen gründen, sowie die Stärkung der Fähigkeit, Frustrationen zu ertragen, schaffen die Basis für Selbstvertrauen, Lebensmut und gesundes Selbstwertgefühl. Dieses Buch weist auf fundierter psychologischer Grundlage einen Weg, der realistisch zwischen Anpassung und Aggressivität zu Erfolg und seelischer Gesundheit führt. Sie lernen praxisbezogen wie Sie Ihr Selbstbewusstsein stützen oder verbessern, Ihre Selbstsicherheit steigern, Ihre Kontaktfähigkeit fördern und Ihre mentalen und emotionalen Potenziale ausschöpfen können. "Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Wer aufhört, treibt zurück." (Benjamin Britten)

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Für meine Enkel

Josefine

und

Anton

„Anyone who has

never made a mistake

has never tried

anything new.“

Albert Einstein

„Our greatest weakness

lies in giving up.

The most certain way to succeed is

always to try just one more time.“

Thomas Edison

„I can´t change the

direction of the wind,

but I can adjust my sails

to always reach my destination.“

Jimmy Dean

Inhalt

Vorwort

Selbstbewusstsein versus Schüchternheit und Ängstlichkeit

Selbstzweifel

Der Wille zur Macht und zur Überlegenheit

Verwechseln Sie Selbstbehauptung nicht mit Aggressivität

„Gewinner“ oder „Verlierer“? – Sie haben die Wahl

Selbstverwirklichung als grundlegender Trieb des Menschen

Abwehrmechanismen im psychoanalytischen Sinn

Erkennen Sie Ihre Schwachstellen

Ihr Leben – stets Risiko und Chance zugleich

Wagen Sie Ihr Glück, aber betrachten Sie es als Dreingabe

Auf Ihre persönlichen Ziele kommt es an

Entwickeln Sie zur Erreichung Ihrer Ziele eine wirksame Strategie

Wie Misserfolge bewältigen?

Keine Angst vor der Angst

Innere Ruhe und Gelassenheit kann man lernen

Progressive Muskelrelaxation

Entspannung durch richtige Atmung

Entspannung durch angenehme Vorstellungen („Entspannungsbilder“)

Systematische Desensibilisierung

Formelhafte Vorsätze

Paradoxe Intention

Leben Sie im Hier und Jetzt

Werden Sie sich Ihrer Einzigartigkeit bewusst

Akzeptieren Sie sich selbst

Nobody is perfect

Stärken ausbauen oder Schwächen ausbügeln?

Dank macht Mitmenschen zu Wiederholungstätern

Mit den eigenen Unzulänglichkeiten (gut) leben

Neid kostet Lebensfreude

„Gönne Dich Dir selbst“ – Ein Mönch coacht einen Papst

Denken Sie positiv

Kann man Optimismus lernen?

Nicht alles persönlich nehmen

Dinge und Menschen sind so, wie sie sind

Schlechte Stimmung – „hausgemacht“?

Niemand kann Sie ärgern, außer Sie sich selbst

Sofort entscheiden oder „auf die lange Bank schieben“?

Wege zu mehr persönlicher Souveränität

Sich in Gesprächen selbstbewusst und überzeugend verhalten

Lernen Sie situationsadäquat zu reagieren

Wer das Sagen haben will, muss reden können

Ein Nein zu anderen – vielleicht ein Ja zu sich selbst?

Selbstsicherheit und Selbstbehauptung lassen sich trainieren

Körpersprachliche Möglichkeiten

Botschaften, die Ihr Körper aussendet

Überzeugend auftreten – Tipps für eine gelingende Selbstpräsentation

Schließen Sie einen Vertrag mit sich selbst

Komme, was mag!

Statt eines Nachwortes

Literaturangaben

Vorwort

Viele Menschen pendeln zwischen übertriebenem Selbstbewusstsein und schmerzhaften Selbstzweifeln hin und her und manche kämpfen lebenslang gegen die Überzeugung an, nicht gut genug oder gar wertlos zu sein. Das Gefühl für den eigenen Wert – das Selbstwertgefühl – ist eine höchst labile, volatile, fragile Emotion. In keinem anderen Land wird so viel über das Selbstwertgefühl nachgedacht und geforscht wie in den USA. Nur über das Persönlichkeitsmerkmal Intelligenz gibt es mehr Tests als über den Selbstwert. Der US-amerikanische Psychologe Albert Ellis zum Beispiel sieht das Selbstwertgefühl als Dreh- und Angelpunkt des psychischen Wohlbefindens und er propagiert die Selbstakzeptanz als Zeichen psychischer Gesundheit. Sein therapeutisches Mantra lautet: Ich bin wertvoll, weil ich existiere, einfach deshalb, weil ich lebe.

Die Einstellung der Psychologie zum Problem des Selbstwertgefühls und zu den Möglichkeiten, es zu verbessern, hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Selbstwert ist demnach weniger das Ergebnis von Bewunderung, Lob oder Respekt, sondern man sieht darin viel mehr die fundamentale Fähigkeit, sich selbst zu mögen, so wie man ist. Bezogen auf andere Menschen heißt das: Man liebt jemanden nicht für seine Leistungen oder seine Eigenschaften. Man liebt einen anderen Menschen, zum Beispiel ein Kind, auf eine Art, die unbedingt ist. Dasselbe gilt auch für die Selbstliebe – besser: Selbstakzeptanz. Gesunde Selbstliebe ist nicht darauf angewiesen, dass man immer alle Erwartungen oder Anforderungen erfüllt, sie ist nicht abhängig von dem, was man leistet. Ein gesundes, stabiles Selbstwertgefühl ist positiv korreliert mit einer tief verankerten Selbstakzeptanz. Das heißt nicht, dass sich Menschen mit einem stabilen Selbstwertgefühl angesichts von Ablehnung, Versagen oder Scheitern nicht auch schlecht fühlen können. Aber, das wirft sie nicht aus der Bahn, weil ihre Selbstakzeptanz eine verfestigte Eigenschaft geworden ist.

Ein solches belastbares psychisches Sicherheitsnetz baut nicht auf Leistungen und Vergleichen auf und ist damit nicht abhängig von äußeren (kontingenten) Bekräftigungen oder Schwächungen, von unbeeinflussbaren Faktoren und Zufällen. Im Gegensatz dazu muss ein Selbstwertgefühl, das auf Leistungen und Vergleichen aufbaut, das ausschließlich von äußeren Erfolgen abhängig ist, ständig abgesichert und erneuert werden.

In diesem Selbsthilfebuch erfahren Sie, wie Sie Ihr Selbstwertgefühl verbessern und stabilisieren können. Das angestrebte Ziel ist: Den eigenen Wert erkennen, Selbstzweifel besiegen, den inneren Kritiker „in Rente schicken“ und an dessen Stelle einen Freund installieren, der Sie daran erinnert: Du bist okay, weil du du bist!

Mangelndes Selbstbewusstsein ist vor allem die Folge zweier weit verbreiteter Ängste, die aufgrund von Erfahrungen in der Kindheit entstanden sind: Der Angst abgelehnt zu werden und der Angst zu versagen.

1990 veröffentlichte ich das Buch „Ihr Weg zu mehr Selbstbewusstsein. So bringen Sie sich wirksam auf Erfolgskurs“, das im Laufe der Jahre drei Auflagen erlebte. Die wesentlichen Inhalte des vorliegenden Werkes wurden – zum Teil in überarbeiteter und ergänzter Form – diesem nicht mehr im Handel erhältlichen Buch entnommen. 2017 erschien von mir das Buch „Ja, ich kann das! Leistungssituationen angstfrei bewältigen. Souverän und gelassen auftreten, entscheiden, handeln“. Einige Passagen stammen – ebenfalls überarbeitet – aus diesem Werk.

Johann Ceh

Biberach an der Riß, April 2018

Selbstbewusstsein versus Schüchternheit und Ängstlichkeit

Ein selbstbewusster Mensch kennt seinen eigenen Wert und lässt auch seine Partner gelten. Er weist verdientes Lob nicht ab, sondern nimmt es gelassen an, er reagiert adäquat auf Reize seiner sozialen Umgebung und drückt seine Gefühle angemessen aus. Selbstsichere Persönlichkeiten verleugnen sich nicht selbst und haben es nicht nötig, andere herabzusetzen, um sich selbst dadurch scheinbar aufzuwerten. Ihnen sind Selbstverwirklichung und Entscheidungsfreiheit meist wichtiger als gewinnen oder verlieren, und sie sind weitgehend unabhängig vom Urteil anderer.

Selbstverwirklichung heißt, dass jemand wird, was er werden kann. Selbstverwirklicht, selbstsicher und human sein bedeutet auch:

Empfindsam sein, aber nicht empfindlich oder gereizt

Strebsam sein, aber nicht verbissen

Überzeugt sein, aber nicht fanatisch

Konsequent sein, aber nicht rücksichtslos

Erfolgreich sein, aber nicht überheblich

Ehrlich sein, aber nicht lieblos

Humorvoll sein, aber nicht verletzend.

Im Gegensatz dazu zweifelt der schüchterne und ängstliche Mensch häufig an seinen Fähigkeiten – oftmals auch an seinem Wert. Menschen mit einem geringen Selbstbewusstsein sprechen meistens leise. Sie fangen von sich aus nur selten Gespräche an, drücken sich häufig um eine klare Aussage und auch um ein „Nein“ und sie sehen dem Gesprächspartner oft nicht in die Augen.

Selbstzweifel

Alle Menschen – besonders solche mit einem defizitären Selbstwertgefühl (SWG) – haben einen „inneren Kritiker“, eine innere Stimme, die ständig an ihnen herummäkelt und sie schlecht macht. In der Regel ist es die Stimme der Eltern oder anderer Erziehungspersonen. Es sind ihre Zurechtweisungen und ihre Kritik, die man verinnerlicht (internalisiert) hat.

Oft handelt es sich um einschränkende Gedankenmuster, die nichts mehr mit der aktuellen Wirklichkeit zu tun haben. Eltern versuchen meist grundsätzlich einen „besseren“ Menschen aus ihrem Kind zu machen, und genau das ist auch die Funktion des inneren Kritikers. Er kommentiert und bewertet, kritisiert und beschimpft und er erzählt uns, was wir zu tun und zu lassen haben.

„Geht nicht!“, „Klappt sowieso nicht!“ – der innere Kritiker hält uns von Veränderungen ab und scheut das Risiko. Im Grunde genommen will er nur ungestörte Geborgenheit ohne jede Veränderung.

Wenn Sie sich überlegen, was grundsätzlich dran ist an der Kritik und den Bedenken, kann der Kritiker sogar als hilfreiches Korrektiv wirken. Akzeptieren Sie Ihre innere Stimme als Teil von Ihnen selbst. Ihr bester Freund wird sie deshalb mit Sicherheit noch lange nicht.

Wenn Sie an Ihren Fähigkeiten, etwas zu sein, zu haben oder erreichen zu können, zweifeln, werden Sie es vermutlich auch nicht erreichen. Sie werden ständig andere beneiden, die den Mut haben, den Sie sich durchgängig versagen, indem Sie an Ihren Fähigkeiten zweifeln und sich einreden, nicht genügend begabt oder nicht gut genug zu sein.

Sie können Selbstzweifel nur überwinden, wenn Sie das tun, woran Sie zweifeln, und wenn Sie dabei erleben, dass Ihre Zweifel unbegründet waren. Wenn Sie das üben, worin Sie unsicher sind, haben Sie die Chance, Ihr Selbstvertrauen zu steigern, und je öfter Sie erleben, dass Ihnen etwas immer besser gelingt, umso mehr schwinden Ihre Selbstzweifel und Ihr Selbstvertrauen wächst.

Sie können Ihr Selbstwertgefühl verbessern, wenn Sie sich auf Ihre Stärken, Erfolge, liebens- und bewundernswerten Seiten besinnen.

Allerdings: Unspezifische Selbstbestätigungen, Selbstbejahungen (Selbstaffirmationen) wie: „Ich bin stark!“, „Ich schaffe das!“, „Ich bin toll!“, „Ich bin etwas Besonderes!“ bringen – bedingt durch die große Differenz zwischen subjektiver Befindlichkeit und Wirklichkeit – nicht viel. Der Wert von Selbstbekräftigungen und positiven Selbstgesprächen muss durchaus differenziert gesehen werden: Menschen mit einem gut entwickelten, stabilen SWG fühlen sich nach positiven Selbstgesprächen noch besser, während Menschen, die unter ihrem geringen Selbstwertgefühl leiden, sich danach oft als noch schlechter empfinden.

Eine mögliche Begründung dafür könnte sein: Weil die Selbstaffirmationen so extrem vom eigenen negativen Selbstbild abweichen, wird der große Abstand zwischen dem, wie sich eine Person fühlt und wie sie gerne wäre, besonders intensiv wahrgenommen. Das heißt: Wer unter einem geringen SWG leidet, kommt sich nach solchen Übungen nicht selten erst recht als Versager vor. Selbstaffirmationen sind nur hilfreich, wenn sie auf tatsächlich vorhandenen Fähigkeiten und Eigenschaften aufbauen, handlungsorientiert sind und sich auf konkrete Wenn-dann-Situationen beziehen.

Ein Beispiel:

„Wenn mich jemand kränkt, darf und werde ich ihm sagen, was mich ärgert.“

"Das Problem dieser Welt ist, dass die intelligenten Menschen so voller Selbstzweifel und die Dummen so voller Selbstvertrauen sind."

Charles Bukowski

Der Wille zur Macht und zur Überlegenheit

Alfred Adler, den Begründer der Individualpsychologie, störte an Freuds Psychoanalyse vor allem die starke Betonung des Sexualtriebs. Nach Adler gibt es in der menschlichen Psyche einen wesentlich fundamentaleren Impuls als den Eros: den Trieb zur Selbsterhaltung.

Adler sieht im Willen zur Macht und zur Überlegenheit den elementarsten Trieb des Individuums. Bei Menschen, die unter Organminderwertigkeiten 1 leiden, ist dieses Bedürfnis nach Ausgleich – Adler nennt es Kompensation – besonders stark ausgeprägt (vgl. S. →).

Man unterscheidet drei Arten der Kompensation.

Der an einer Organminderwertigkeit leidende Mensch trainiert das minderwertige Organ so lange und intensiv, bis sich anderen Menschen gegenüber eine Überlegenheit einstellt.

Die Organminderwertigkeit bleibt bestehen; es werden jedoch überdurchschnittliche Leistungen in anderen Bereichen angestrebt.

Die Organminderwertigkeit bleibt erhalten, und der betroffene Mensch flüchtet in die Neurose. Mit Hilfe dieser Erkrankung hofft er – gegebenenfalls durch „Tyrannisierung“ seiner Umwelt – Macht ausüben und Überlegenheit gewinnen zu können, da seine Mitmenschen wegen seiner Krankheit Rücksicht auf ihn nehmen müssen.

Kompensation tritt nicht nur bei Organminderwertigkeiten auf.

Auch Minderwertigkeitsgefühle allgemeiner Art können Kompensationsverhalten auslösen. Aus einer erlebten – und erlittenen – Schwäche entsteht so Kraft für besondere Leistungen.

Spektakuläre Beispiele für die Anwendung des tiefenpsychologischen Prinzips „Kraft aus Schwäche“ sind gelegentlich im Leistungssport zu beobachten.

Wilma Rudolph erkrankte als kleines Mädchen an Kinderlähmung und gewann bei den Olympischen Spielen in Rom 1960 drei Goldmedaillen in den Sprintwettbewerben der Frauen. Beim ehemaligen Olympiasieger im Hammerwerfen Harold Connolly ist ein Arm sieben Zentimeter kürzer als der andere.

Auch das Streben nach Berufserfolg ist vielfach kompensatorischer Natur. Viele bereits erfolgreiche Menschen werden durch einen unbändigen Willen zur Macht immer weiter vorwärtsgetrieben. Eine Ursache dafür ist der Vergleich mit anderen: Fast jeden Tag begegnen sie Menschen, die noch mächtiger und erfolgreicher sind als sie selbst.

Der Versuch, Minderwertigkeitsgefühle durch besondere Leistungen zu kompensieren, ist auf Dauer gesehen jedoch nur dann von Erfolg gekrönt, wenn es gleichzeitig gelingt, die zugrundeliegenden Schwächen zu akzeptieren. Nur dadurch wird die Gefahr der Überforderung vermieden und letztendlich Seelenfrieden erreicht.

1 Den Begriff der Organminderwertigkeit führte Adler 1907 ein. Er dachte an einzelne Organe oder ganze Organsysteme, die mangelhaft ausgebildet sind (morphologische Organminderwertigkeit) und an eine den Anforderungen nicht genügende Arbeitsweise von Organen (funktionelle Organminderwertigkeit).

Verwechseln Sie Selbstbehauptung nicht mit Aggressivität

Selbstsicherheit ist weit mehr als eine Strategie der Selbstverteidigung. Wer selbstsicher ist, kann sich offen und aufgeschlossen geben, seine Gefühle angstfrei äußern und seine Rechte wahrnehmen und Interessen durchsetzen, ohne die Rechte anderer zu verletzen. Wer für sich selbst eintritt und so agiert, dass er vor seinem Handeln selbst Achtung haben kann, fördert sein Selbstwertgefühl.

Man kann davon ausgehen, dass Sie, solange Sie selbstbewusst handeln, Ihr Selbstwertgefühl bewahren. Wenn Sie Zweifel haben, ob eine bestimmte Handlung selbstbewusst war, fragen Sie sich, ob sich Ihr Selbstwertgefühl auch nur ein bisschen gesteigert hat. Beantworten Sie diese Frage mit „Ja“, so war sie selbstbewusst. Ist Ihre Antwort „Nein“, war sie es nicht.

Selbstunsichere Menschen sind oft passiv. Sie richten ihr besonderes Augenmerk darauf, Konflikten aus dem Weg zu gehen, versuchen häufig andere zu manipulieren und drücken sich oft um die Verantwortung für ihr Tun.

Der „aggressive Mitmensch“ hingegen zeigt meist Aktivität und Handlungsbereitschaft bei der Erreichung seiner Ziele und bei der Lösung von Konflikten – allerdings verletzt er dabei nicht selten die Rechte anderer. Selbstbehauptung ist angemessenes Eintreten für sich selbst. Aggressivität richtet sich gegen andere.

„Gewinner“ oder „Verlierer“? – Sie haben die Wahl

„Gewinner“ fühlen sich nicht von der Wertschätzung anderer abhängig, und sie unterscheiden sich von den „Verlierern“ nicht durch die Anzahl der Misserfolge, die ihnen ins Haus stehen, sondern durch die Art und Weise, wie sie mit ihren Misserfolgen umgehen. Wer seine Fehler und Misserfolge erkennt, zu ihnen steht, sie analysiert und die gewonnenen Erfahrungen für das weitere Leben nutzbar macht, verhält sich als „Gewinner“. Im Gegensatz dazu verleugnen und vertuschen „Verlierer“ ihre Schnitzer und suchen die Ursachen für Fehler und Misserfolge ausschließlich bei anderen.

Weitere Charakteristika von Gewinner- und Verlierertypen sind in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt. Versuchen Sie, sich in der Aufstellung wiederzuerkennen und machen Sie sich mit Hilfe der Hinweise auf den Weg zum Gewinner.

Bedenken Sie: Nicht nur in sportlichen Wettbewerben ist der Abstand zwischen den Siegern und den Nächstplazierten gelegentlich winzig. Auch viele Rennen im Alltagsleben werden durch „Zielfoto-Entscheid“ gewonnen.

Der „Gewinner“

Der „Verlierer“

hat gelernt, sich selbst zu mögen und akzeptiert sich und andere mit Stärken und Schwächen.

mag sich selbst nicht und leidet unter Minderwertigkeitsgefühlen.

reagiert auf das konkrete Verhalten anderer, nicht auf Statussymbole.

ist ausgesprochen autoritäts- und machtgläubig.

verhält sich kooperativ und wächst mit den Erfahrungen, die er im Umgang mit seinen Mitmenschen macht.

sieht sich vorwiegend im Konkurrenzkampf und Konflikt mit anderen.

freut sich über seine Leistungen und genießt seine Erfolge.

ist mit dem, was er leistet und erreicht, permanent unzufrieden.

ist nicht daran interessiert, andere zu beherrschen.

möchte andere beherrschen und braucht Menschen, auf die er sich bedingungslos verlassen kann.

verfügt über Autonomie, Spontaneität und Flexibilität.

sehnt sich nach Kontrolle, klarer Strukturierung und Steuerung.

kann zuhören, wenn andere ihm ihren Ärger zeigen und ihn kritisieren.

reagiert verletzt auf Kritik durch andere.

wählt Freunde, die selbst autonom sind und die Autonomie anderer respektieren.

bevorzugt starke und mächtige Freunde.

hilft anderen, wenn sie es wünschen.

verurteilt andere wegen ihrer Fehler.

fürchtet sich nicht davor, Gefühle zu zeigen und auszuleben.

zeigt nur selten Gefühle oder vertuscht sie.

bewahrt sich bei Rückschlägen den Glauben an sich.

sieht jeden Rückschlag als persönliche Niederlage.

übernimmt die Verantwortung für sein Leben.

macht andere für seine Lebensgestaltung verantwortlich und haftbar.

betrachtet die Zeit als wertvolles Gut, das er nicht durch sinnloses Tun vergeudet.

„schlägt die Zeit tot“ und hat deshalb keine Zeit zu Muße und Entspannung.

hat situationsbezogene, alternative Pläne zur Auswahl.

lebt starr nach „Plan X“, den er schicksalhaft über sich verhängt erlebt.

kennt seine Vergangenheit, lebt bewusst in der Gegenwart und plant die Zukunft.

lebt in der Erinnerung an die Vergangenheit, träumt von der Zukunft und hat gleichzeitig Angst davor.

benutzt seinen Verstand, um Informationen zu sammeln, zu prüfen und selbstständig zu entscheiden.

benutzt seinen Verstand, um durch Intellektualisierung Mitmenschen zu „erschlagen“ oder durch Rationalisierung eigene Handlungen zu entschuldigen beziehungsweise zu rechtfertigen.

betrachtet und behandelt das andere Geschlecht als gleichwertig.

betrachtet und behandelt das andere Geschlecht als höher- oder minderwertig.

Tabelle 1: „Gewinner“ oder „Verlierer“

Nach der von den amerikanischen Psychologen Eric Berne und Thomas A. Harris entwickelten Transaktionsanalyse kann das „Lebens-Drehbuch“ (Skript) jedes Menschen grob durch vier Grundanschauungen (Lebenseinstellungen, Grundeinstellungen) charakterisiert werden:

„Ich bin o. k. – Du bist o. k.“

„Ich bin o. k. – Du bist nicht o. k.“

„Ich bin nicht o. k. – Du bist o. k.“

„Ich bin nicht o. k. – Du bist nicht o. k.“

Diese Einstellungen zu sich selbst beziehungsweise gegenüber anderen Menschen werden in der folgenden tabellarischen Zusammenstellung beschrieben.

Ich bin Du bist

o. k.

nicht o. k.

o. k.

Psychisch gesunde Grundanschauung – „Das Leben ist lebenswert“ – die die Position eines Menschen widerspiegelt, der sich und andere akzeptiert, realistische Erwartungen besitzt und Probleme konstruktiv löst.

Introjektive Grundanschauung – „Mein Leben ist nicht viel wert“. Dies ist die Position eines Menschen, der sich im Vergleich mit anderen unterlegen und minderwertig fühlt, sich zurückzieht und häufig in depressive Stimmungen verfällt.

nicht o. k.

Projektive Grundanschauung - „Dein Leben ist nicht viel wert“. Das ist die Position eines Menschen, der sich verfolgt und als Opfer sieht. Für seine Not und sein Unglück ist die Umwelt verantwortlich. Diese Einstellung kann in Aggressivität und Verfolgungswahn münden.

Die Grundanschauung der Sinnlosigkeit – „Das Leben ist nicht lebenswert“. Dies ist die Position eines Menschen, der das Interesse an sich, an anderen und am Leben generell verloren hat.

Tabelle 2: Die vier Grundeinstellungen (Lebenseinstellungen) in der Transaktionsanalyse

Je stärker das Selbstwertgefühl eines Menschen ausgeprägt ist, desto stärker und sicherer fühlt er sich im Umgang mit anderen. Das Selbstwertgefühl drückt das O.k.- oder Nicht-o.k.-Gefühl aus, das ein Mensch in seinen sozialen Beziehungen entwickelt.

Die oben angeführten Lebenseinstellungen sind – aus transaktionsanalytischer Sicht – nicht starr und unveränderbar. Jeder Mensch hat – in der Regel im Laufe eines therapeutischen Prozesses – grundsätzlich die Möglichkeit, „Prägungen“ zu erkennen, zu reflektieren und Veränderungen bei sich einzuleiten.

Das Gesprächsziel der Transaktionsanalyse besteht darin, den Partner zu einer „Ich bin o.k. – Du bist o.k.-Haltung“ zu veranlassen – jener Grundhaltung, durch die ein Gewinner-Skript gekennzeichnet ist. Ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu dieser Lebenseinstellung besteht darin, sich selbst annehmen zu können. „Akzeptieren Sie sich selbst, sagen Sie ja zu sich nach dem Motto: ,Ich bin o.k.'. Diese Einstellung ist die Grundlage für Veränderungen. Aus der Nicht-o.k.-Position heraus müssen Sie sehr viel Energie darauf verwenden, das unerwünschte Verhalten abzuwehren; Energie, die Sie besser dazu benutzen sollten, Neues zu erlernen und auszuprobieren.“2

2 Ceh, J.: Konflikte und Aggressionen bewältigen, München 1988, S. 123

Selbstverwirklichung als grundlegender Trieb des Menschen

Selbstsichere Menschen denken positiv von sich und setzen sich sinnvolle und für sie erreichbare Ziele, sie haben also ein realistisches Anspruchsniveau. Selbstverwirklichung ist ihnen meist wichtiger als Erfolg bei jeder ihrer Unternehmungen.

Die Humanistische Psychologie sieht den Menschen als aktives Lebewesen, das sein Verhalten bewusst steuern, beeinflussen und auch ändern kann. Sie geht davon aus, dass der grundlegende Antrieb des menschlichen Organismus auf Selbstverwirklichung zielt – also auf die Entfaltung der eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Dieser Antrieb gerät zeitweilig in Konflikt mit dem Bedürfnis nach Anerkennung und positiver Beachtung sowohl durch das Selbst wie durch andere. Wird das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung stark eingeengt, werden überwiegend solche Verhaltensweisen gezeigt, die von der Umwelt erwartet und akzeptiert werden, und die tatsächlichen Bedürfnisse und Gefühle werden verleugnet.

Der Psychologe Abraham H. Maslow – zusammen mit Carl Rogers einer der wichtigsten Vertreter der Humanistischen Psychologie – entwarf ein hierarchisch aufgebautes Modell der Bedürfnisse (Motive) des Menschen (vgl. Abbildung 1).

Abbildung 1: Bedürfnispyramide nach Abraham H. Maslow

Nach dieser Lehrmeinung kommt ein bestimmter Antrieb erst dann ins Spiel, wenn in der Rangfolge weiter unten stehende Bedürfnisse befriedigt wurden. Der Antrieb, aggressiv zu handeln, zeigt sich demnach nur dann, wenn angeborene Bedürfnisse verleugnet oder frustriert werden. Die Spanne der Motive reicht nach dieser Theorie von Bedürfnissen, die von der Sorge ums nackte Überleben geprägt sind, bis hin zu dem höchstpersönlichen, ganzheitlichen Motiv eines Menschen, seine Fähigkeiten, Fertigkeiten, Wünsche und Bestrebungen in gegebenen Situationen – im Sinne eines für ihn sinnvollen Lebens – zu integrieren und zu realisieren. „Von den Menschen auf diesem Niveau der Motivationsentwicklung kann man sagen, dass ihre Handlungen und Schöpfungen in hohem Maß spontan, arglos, offen, selbstenthüllend, unredigiert und deshalb expressiv sind.“ 3