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Enthüllungsjournalismus in seiner spektakulärsten Form ist genau der Stil, den Barbara Langenberg ablehnt und vor dem sie ›ihr‹ Magazin bewahren will. Und doch hat ihr Vater, der Herausgeber von »Das Neueste«, ausgerechnet Alexius Buchner engagiert, einen Journalisten, dem dieser Ruf vorauseilt.
Für Barbara steht der Untergang des Abendlandes kurz bevor, als sie den Auftrag erhält, mit Alexius Buchner einem Riesenumweltskandal nachzuspüren. Und das als Ehepaar! Aber so, wie sie einander angiften, können sie nur glaubwürdig sein. Doch da sind auch noch die Abende - und die Nächte. Und die Erkenntnis, dass es offenbar zwei Alexius Buchner gibt - den mit dem legendären Ruf und den, der so zärtlich küssen kann ...
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Seitenzahl: 106
Veröffentlichungsjahr: 2021
Cover
Seine Erfolgsstory
Vorschau
Impressum
Seine Erfolgsstory
Wie ein Mann seinen größten Sieg errang
Von Claudia von Hoff
Enthüllungsjournalismus in seiner spektakulärsten Form ist genau der Stil, den Barbara Langenberg ablehnt und vor dem sie ›ihr‹ Magazin bewahren will. Und doch hat ihr Vater, der Herausgeber von »Das Neueste«, ausgerechnet Alexius Buchner engagiert, einen Journalisten, dem dieser Ruf vorauseilt.
Für Barbara steht der Untergang des Abendlandes kurz bevor, als sie den Auftrag erhält, mit Alexius Buchner einem Riesenumweltskandal nachzuspüren. Und das als Ehepaar! Aber so, wie sie einander angiften, können sie nur glaubwürdig sein. Doch da sind auch noch die Abende – und die Nächte. Und die Erkenntnis, dass es offenbar zwei Alexius Buchner gibt – den mit dem legendären Ruf und den, der so zärtlich küssen kann ...
»Haben Sie etwas zu verzollen?«, wollte der Beamte in Uniform natürlich wissen.
»Nein, nichts.« Nachdrücklich schüttelte Barbara Langenberg den Kopf.
»Gut. Der Nächste.«
Barbara nahm ihren Koffer und die Reisetasche und ging zum Ausgang. Draußen setzte sie für einen Augenblick beides ab. Ihr Vater hatte ihr versprochen, sie abzuholen, falls er es eben einrichten konnte. Dann brauchte sie nicht um ein Taxi zu kämpfen, denn die waren am Flughafen oft ausgebucht.
Noch einmal sah sie sich um. Nein, offensichtlich hatte er es nicht geschafft. Die Suche nach einem Taxi konnte beginnen.
Es ging jedoch diesmal schneller als erwartet. Als der Fahrer sie nach ihrem Ziel fragte, überlegte sie kurz, denn zu gerne wäre sie nach drei Wochen Abwesenheit erst einmal in die Redaktion gefahren. Doch dann entschied sie sich, zunächst zu Hause nach dem Rechten zu sehen und sich frisch zu machen. Sie wusste, ihr Vater legte allergrößten Wert auf ein gepflegtes Aussehen.
Knapp drei Stunden später betrat Barbara Langenberg die Eingangshalle des Redaktionsgebäudes. Das wöchentlich erscheinende Nachrichtenmagazin »Das Neueste« war der ganze Stolz ihres Vaters. In den letzten Jahren war es auch für sie zum Lebensinhalt geworden, sodass sie jetzt erst das Gefühl hatte, wieder zu Hause zu sein.
Die Empfangssekretärin begrüßte sie mit einem lauten »Guten Tag, Frau Langenberg!«
Barbara ging zu ihr und zwinkerte ihr verschmitzt zu.
»Hallo, Frau Sachs. Wie geht es Ihnen?«
»Danke, gut. Und Sie sehen auch ausgezeichnet aus. Sie haben sich bestimmt gut erholt?«
Barbara lachte. »Natürlich. Drei Wochen lang habe ich nur gefaulenzt und mich von meiner Mutter verwöhnen lassen. Am liebsten wäre ich in Spanien geblieben. Das können Sie mir glauben.«
»Ja, ich glaub's gerne. Und haben Sie Ihre Frau Mutter endlich wieder einmal mitgebracht? Ich habe sie seit fast einem Jahr nicht mehr gesehen.«
»Nein. Wahrscheinlich kommt sie im Herbst für ein paar Wochen nach München. Aber im Augenblick denkt sie nicht im Traum daran. Würden wir wohl auch nicht, wenn wir die Möglichkeit hätten, im sonnigen Süden zu leben, nicht wahr?«
Frau Sachs nickte bestätigend, und ihre braunen Locken wippten dabei.
»Da haben Sie recht«, erwiderte sie aufseufzend.
Barbara beugte sich weit zu ihr über die Empfangstheke.
»Sagen Sie, Frau Sachs, Sie wissen doch genau, warum ich hier stehe. Machen Sie es nicht so spannend. Was ist hier in den letzten drei Wochen passiert?«
Frau Sachs hob tadelnd den Zeigefinger ihrer rechten Hand.
»Mein Gott, Sie sind noch genauso neugierig wie früher.«
Barbara grinste verschmitzt. »Wäre ich sonst Journalistin geworden? Außerdem muss ich doch wissen, was ihr hier so alles ohne mich angestellt habt. Damit meine ich vor allem meinen Vater.«
»Tja, lassen Sie mich überlegen.« Frau Sachs tat sehr geheimnisvoll. »Da war erst einmal das große Sommerloch, das unserer Auflage mächtig zugesetzt hat. Dann war Theo eine ganze Nacht im Fahrstuhl eingesperrt.«
Theo war der sogenannte »Redaktionskater«, den Barbara vor Jahren auf der Straße aufgelesen und im Hause angesiedelt hatte, um Mäuse zu fangen. Inzwischen war er der Liebling aller und der eigentliche Boss bei »Das Neuste«.
»Und schließlich haben wir seit gestern einen neuen Reporter.« Frau Sachs kniff die Augen zusammen. »Sie werden nie erraten, wen Ihr Herr Vater für uns gewonnen hat.«
Barbara zuckte mit den Schultern. »Nun machen Sie es doch nicht so spannend.«
Sie hatte sich schon halb umgedreht, weil die Personalentscheidungen ihres Vaters sie weniger interessierten, da rief Frau Sachs ihr triumphierend hinterher:
»Es ist Alexius Buchner. Na, ist das ein Hit?«
Wie von einem Blitz getroffen, wirbelte Barbara herum.
»Wer? Alexius Buchner? Das glaube ich nicht. Wieso sollte ausgerechnet der für uns arbeiten? Und außerdem – diesen Supermann können wir gar nicht bezahlen.«
»Anscheinend doch. Zumindest hat er sich gestern hier ein Büro eingerichtet.«
»Das werden wir ja sehen.« Barbara eilte zum Fahrstuhl. Wenn das stimmte, dann konnte ihr Vater sich auf etwas gefasst machen. Immerhin hatte sie hier auch noch etwas zu sagen.
Dieser Buchner war der Letzte, der je einen Artikel für »Das Neueste« schreiben sollte. Darin waren sie sich immer einig gewesen. Er war arrogant, skrupellos und kannte keine Grenzen, wenn es um skandalöse Berichterstattung ging.
Und nun sollte ausgerechnet dieser Mensch ihr schönes Magazin verunstalten? Barbara konnte es nicht fassen.
♥♥♥
Für Ludwig Langenbergs Sekretärin hatte Barbara verständlicherweise kaum einen Blick übrig.
»Ist mein Vater da?«, fragte sie im Vorbeigehen, wartete jedoch keine Antwort ab, sondern eilte weiter in sein Büro. Er war allein und blätterte in einem uralten Lexikon.
»Guten Tag, Papa«, sagte sie, drückte ihm einen Kuss auf die Wange und ging wieder um seinen Schreibtisch herum zum Besuchersessel, blieb jedoch daneben stehen.
»Guten Tag, Babsi.« Ludwig Langenberg war sichtlich erstaunt. »Hast du etwa vor, heute schon wieder zu arbeiten? Seit wann bist du hier?«
»Gerade angekommen.« Nachdenklich betrachtete sie das Teppichmuster.
»Du bist so schweigsam. Ist etwas passiert?« Ihr Vater sah ihr forschend ins Gesicht.
»Das möchte ich dich gerne fragen. Gerade habe ich erfahren, dass du Alexius Buchner doch eingestellt hast. War das nötig?«
Ludwig Langenberg klappte das Lexikon zu und lehnte sich zurück.
»Aha, daher weht also der Wind. Ja, es war nötig«, erklärte er.
»Aber wieso?« Verzweifelt ließ Barbara sich jetzt in den Sessel fallen. »Du weißt, was ich von ihm halte.«
»Barbara, du weißt genau, dass sich unser Magazin seit Wochen nicht mehr so gut verkauft, wie wir es eigentlich gewohnt sind. Und das ist kein Wunder, denn unser Ruf als aktuelles Gesellschafts- und Nachrichtenmagazin ist so gut wie vergessen. Unsere Stories sind nicht interessant genug, und die Konkurrenz schläft nicht. Dazu kommt die Digitalisierung. Viele lesen nur noch online. Wir brauchen einen heftigen Wind, der unser Blatt wieder ordentlich zum Flattern bringt.«
»Was du meinst, ist Enthüllungsjournalismus.«
»Natürlich. Den haben wir doch immer betrieben. Was haben wir nicht alles aufgedeckt an Politskandalen und unlauteren Machenschaften!«
»Ja, aber Buchners Stil haben wir immer vermieden. Darüber waren wir uns doch einig.«
»Keine Angst. Ich werde ihn schon in Schranken halten.«
»Da bin ich aber mal gespannt.« Das klang bitter, denn daran glaubte Barbara nicht. Niemand konnte Alexius Buchner in Schranken halten.
Sie stand auf und ging zur Tür. Dort drehte sie sich noch einmal um.
»Da fällt mir ein: Können wir ihn uns überhaupt leisten?«
»Was heißt hier leisten?« Auch Ludwig Langenberg hatte sich inzwischen erhoben. »Wir können es uns nicht leisten, weitere Leser zu verlieren. Also, mach dich mit dem Gedanken vertraut, seinen Namen in unserem Magazin zu lesen. Du wirst sehen, es wird unser Schaden nicht sein.«
»Darum würde ich nicht wetten«, murmelte Barbara und verließ mit gesenktem Kopf das Büro ihres Vaters. Sie hatte das Gefühl, eine wichtige Schlacht verloren zu haben, ohne in den Kampf gegangen zu sein.
Auf dem Flur überlegte sie einen Augenblick, ob es nicht besser war, zurück nach Hause zu fahren und sich einen letzten schönen Tag zu machen, ehe der Stress wieder begann. Doch schließlich entschloss sie sich, wenigstens ihren Schreibtisch zu inspizieren, um zu wissen, was sie morgen früh hier erwartete.
♥♥♥
»Guten Abend, mein Kind. Hattest du einen schönen Tag?«
Behäbig schloss Ludwig Langenberg die Tür der Bibliothek. Dann setzte er sich in einen Sessel, streckte seine Beine aus und lächelte zufrieden.
»Es ging.« Barbara legte das Buch, in dem sie gerade gelesen hatte, zur Seite und erhob sich. »Ich hole dir einen Sherry.«
»Nein, danke. Ich habe schon Wein zum Essen getrunken. Du weißt, Jerôme hat immer so einen guten Wein – da kann ich nicht widerstehen.«
Barbara setzte sich wieder. »Du warst also bei Jerôme essen?«
Es war nicht eigentliches Interesse, aber irgendetwas musste sie ja sagen. Noch immer konnte sie es nicht verwinden, dass ihr Vater ausgerechnet den Journalisten eingestellt hatte, den sie am meisten von allen verachtete, und das auch noch während ihrer Abwesenheit.
Langenberg reagierte jedoch nicht auf ihre Frage.
»Ich habe eine Überraschung für dich.« Er sah seine Tochter erwartungsvoll an. »Und ich bin gespannt, was du dazu sagst.«
»Wozu?« Barbara verschränkte selbstbewusst ihre Arme vor der Brust.
»Deine Mutter hat heute Nachmittag angerufen.« Er grinste glücklich.
»Willst du damit sagen, sie kommt zurück?« Hoffnungsvoll blickte Barbara auf.
»Nein, leider nicht. Aber etwas anderes ist passiert. Sie beginnt wieder, sich für die Zeitung zu interessieren.« Triumph sprach aus seinem Blick. »Stell dir vor, sie hat wahrscheinlich eine Wahnsinns-Story entdeckt.«
Interesse regte sich in Barbara. »In Spanien?«
»Genau. Sie wollte am Telefon nicht viel sagen. Es handelt sich um irgendeine Müllangelegenheit. Ich denke, du solltest gleich morgen hinfliegen.«
»Ja, gerne doch, Papa.«
»Du wirst mit Alexius Buchner zusammenarbeiten.« Lauernd sah er sie an. Würde sie jetzt wieder ...?
Ja – Barbara explodierte.
»O nein!« Wild schüttelte sie ihren blonden Lockenkopf. »Nein, nein, nein! Ich werde nicht mit ihm zusammenarbeiten. Ich werde die Geschichte alleine recherchieren und schreiben.«
Ludwig Langenberg erhob sich gemächlich.
»Entweder du arbeitest mit ihm zusammen, oder du schreibst die Geschichte nicht.«
»Das musst du mir schon selbst überlassen. Schließlich bin ich kein Kind mehr. Du selbst hast mich vor fünf Jahren zu deiner Partnerin gemacht. Ich kann also selbst entscheiden, was ich mache und was nicht.«
»Weißt du was? Wir reden morgen früh noch einmal darüber«, schnitt er jede Diskussion ab und ging hinaus.
»Das werden wir ja sehen«, rief Barbara ihm hinterher. Dann ging auch sie. Wenn sie morgen früh die Zehn-Uhr-Maschine nehmen wollte, musste sie heute noch packen.
♥♥♥
Es war halb eins, als Barbara strahlend den Security-Bereich des Flughafens in Barcelona passierte, ihr Handy aus der schicken Reisetasche fischte und die Nummer ihrer Mutter eintippte.
»Mum«, rief sie lauter, als es eigentlich nötig gewesen wäre. »Mum, ich bin hier am Flughafen. Holst du mich ab?«
Gisela Langenberg runzelte die Stirn und fragte einigermaßen entgeistert: »An welchem Flughafen?«
»Na hier, in Barcelona. Ich bin hier, um die Story zu recherchieren, von der du Papa gestern berichtet hast.«
»Also doch. Soeben hat mich dein Vater angerufen, weil er dich sucht. Du hast ihm also nichts von deiner Abreise gesagt?«
»Nein.« Ungeduldig trat Barbara von einem Fuß auf den anderen. Diese beiden würden sie wohl noch als Kind behandeln, wenn sie selbst schon Großmutter war! »Bitte, Mum, wir können doch gleich weiterreden.«
»Tut mir leid, Kind. Ich kann jetzt nicht, weil ich auf den Elektriker warte. Du weißt, wie schwierig es ist, in der Saison einen Fachmann für den Swimmingpool zu bekommen.«
»Schon gut«, seufzte Barbara. »Ich nehme mir ein Taxi und fahre erst einmal ins Hotel. Tschüss, bis nachher.«
»Hey, warte mal. Wieso Hotel? Wohnst du nicht bei mir?«
»Nein, Mum, lieber nicht. Ich will dich in die Sache nicht reinziehen. Und außerdem ist es ja nur für ein paar Tage. Wir sehen uns nachher.«
Gisela Langenberg gab nach. »Gut. Bis später.«
Zähneknirschend legte Barbara auf. Das klappte ja alles mal wieder gar nicht! Eigentlich hatte sie gehofft, auf der Fahrt zum Hotel von ihrer Mutter die ersten Informationen zu bekommen, um danach sowohl ihren Vater als auch Alexius Buchner auszustechen.
Das ging aber nur, wenn sie schneller war als alle anderen. Doch das konnte sie erst einmal vergessen. Na ja, immerhin war sie die erste, die hier am Ort war. So hatte sie wenigstens eine gute Startposition.
Das Hotel »La Roca«, in dem sie sich noch gestern Abend ein Zimmer gebucht hatte, lag am südlichen Stadtrand. Hier hatte sie schon zweimal gewohnt, und es hatte ihr gut gefallen. Außerdem waren es nur einige Kilometer bis zum Haus ihrer Mutter in Vilanova.
Barbara genoss die Fahrt über die zu dieser Zeit ruhige Landstraße. Ganz deutlich konnte sie landeinwärts die sanften Hügel des Penedès mit seinen ausgedehnten Weingärten erkennen. Ein sanfter Wind wehte vom nahen Meer her und brachte einen leicht salzigen Duft mit.
Die Empfangshalle war beinahe leer, als Barbara, ihren Koffer auf Rollen hinter sich herziehen, an die Theke trat.
»Buenos dias«, sagte sie. »Mein Name ist Langenberg. Ich habe ein Zimmer reservieren lassen.«
»Ah, ja, la Señora Langenberg. Zimmer Nummer 220.«
»Danke.« Gedankenverloren nahm Barbara den Schlüssel entgegen und wandte sich zum Gehen.
»Ach, Señora, ein Herr erwartet Sie in der Bar.«
Barbara runzelte überrascht die Stirn.
