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Glück ist messbar.
Der Aufholprozess nach Corona ist weitgehend abgeschlossen: Das Lebensglück der Deutschen stabilisiert sich und kehrt auf das Niveau der Vor-Pandemie-Jahre zurück. Zwar sind die direkten Folgen der Krise überwunden, doch neue Herausforderungen hinterlassen ihre Spuren im Lebensgefühl. Auffällig ist, dass die emotionale Zufriedenheit stärker schwankt – die Deutschen erleben heute häufiger intensive Glücksmomente, zugleich aber auch mehr Ängste und depressive Stimmungen.
Vielfältige Einblicke in diese Entwicklungen bietet der neue SKL Glücksatlas 2025. Er misst fortlaufend, wie zufrieden die Menschen in Deutschland sind, und eröffnet so eine einzigartige Perspektive auf das, was sie bewegt – im Gesamten ebenso wie in den einzelnen Regionen des Landes. Wie steht es um die Zufriedenheit mit Einkommen, Arbeit, Familie und Gesundheit? Und wie unterscheiden sich Ost und West, Männer und Frauen, Junge und Ältere?
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 192
Veröffentlichungsjahr: 2025
Autoren: Professor Dr. Dominik Enste, TH Köln Professor Dr. Bernd Raffelhüschen, Universität Freiburg Dr. Timon Renz, Universität Freiburg
Konzeption und Redaktion:Max A. Höfer, höfermedia
Projektverantwortliche SKL:Cornelia Friedrich
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Copyright © 2025 Penguin Verlag
in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,
Neumarkter Straße 28, 81673 München
Umschlagmotiv: Oliver Schmitt
Gesamtgestaltung und Satz: Oliver Schmitt
ISBN 978-3-641-34401-6V002
www.penguin-verlag.de
Vorwort SKL Glücksatlas 2025
von Bettina Rothärmel
Zusammenfassung der Ergebnisse
Die ultimative Glücksformel: Kapital macht glücklich!
von Dominik Enste
Lebenszufriedenheit 2025: Deutsche auf hohem Glücksniveau
von Bernd Raffelhüschen und Timon Renz
Allgemeine Lebenszufriedenheit steigt leicht, die Emotionen nehmen zu
Frauen erstmals seit 2019 wieder leicht zufriedener als Männer
Senioren heute unzufriedener als vor zehn Jahren
Ost-West-Unterschiede sinken, weil der Osten glücklicher wird
Landbewohner zufriedener als Städter
Glück in verschiedenen Lebensbereichen
von Bernd Raffelhüschen und Timon Renz
Die Zufriedenheiten mit den Bereichen des Lebens: Ein Überblick über die Ergebnisse
Einkommenszufriedenheit sinkt, ihre Ungleichheit steigt
Familienzufriedenheit nimmt wieder zu, Geschiedene heute weniger unglücklich als vor 15 Jahren
Steigende Arbeitszufriedenheit, mehr Homeoffice, weniger Pendeln und geringere Arbeitszeit
Freizeitzufriedenheit bleibt unter Vor-Corona-Niveau; Nichtstun macht glücklich
Glück in den verschiedenen Regionen Deutschlands
von Bernd Raffelhüschen und Timon Renz
Das Bundesländer-Ranking: Rheinland-Pfalz steigt auf, Schleswig-Holstein ab
Das Glücksranking der 32 Regionen: Nordrhein-Düsseldorf, Hamburg und Südbaden an der Spitze
Das Ranking der Lebensqualität: Lebensumstände in Bayern am besten, Hamburg nur Mittelfeld
1. Hamburg
2. Bayern
3. Rheinland-Pfalz
4. Nordrhein-Westfalen
5. Schleswig-Holstein
6. Thüringen
7. Brandenburg
8. Niedersachsen
9. Baden-Württemberg
10. Hessen
11. Sachsen-Anhalt
12. Sachsen
13. Bremen
14. Berlin
15. Saarland
16. Mecklenburg-Vorpommern
Anmerkungen
Literaturverzeichnis
Autoren 2025
von Bettina Rothärmel
Manchmal ist der Fortschritt eine Schnecke: Die Lebenszufriedenheit der Deutschen hat sich im Vergleich zum Vorjahr nur minimal um 0,03 Punkte auf aktuell 7,09 Punkte verbessert. Es scheint, als habe sich das Glücksniveau nach dem Corona-Aufholprozess vorerst auf einem stabilen Plateau eingependelt. Angesichts der zahlreichen globalen Krisen ist diese Entwicklung vielleicht gar nicht so überraschend.
Die Glücksforschung bereichert gesellschaftliche Diskussionen, weil sie das subjektive Erleben sichtbar macht und damit eine Perspektive eröffnet, die sich von ökonomischen Kennzahlen und politischen Themenkonjunkturen deutlich unterscheidet. Im vorliegenden SKL Glücksatlas sind einige neuere Trends dokumentiert, die nicht nur spannend sind, sondern möglicherweise auch eine breitere öffentliche Debatte verdienen.
Eine dieser Entwicklungen betrifft die Lebenszufriedenheit von Jung und Alt: Während der Corona-Zeit erlebten Jugendliche und junge Erwachsene einen deutlichen Einbruch, doch heute liegen ihre Werte sogar höher als noch vor zehn Jahren. Unerwartet bereiten nun jedoch die Älteren Sorge: Zwar hat sich auch ihr Glücksniveau erholt, es bleibt jedoch spürbar unter dem Stand von vor einem Jahrzehnt. Mögliche Gründe sind die gestiegenen Lebenshaltungskosten sowie die Tatsache, dass immer mehr Menschen schon in den frühen Seniorenjahren allein leben.
Ein weiterer Trend ist die zunehmende Emotionalisierung der Bevölkerung. Zwar wird darüber bereits im Zusammenhang mit den Folgen der Social-Media-Nutzung heftig diskutiert, doch der SKL Glücksatlas liefert dazu belastbare Daten: Seit 2023 erfasst er neben der kognitiven auch die affektive Zufriedenheit. Konkret wird erhoben, wie stark die Deutschen in den vergangenen vier Wochen Gefühle wie Ärger, Angst, Traurigkeit oder Glück empfunden haben. Auffällig ist, dass sowohl negative als auch positive Emotionen deutlich zugenommen haben: Die Deutschen berichten häufiger von Glücksmomenten, erleben zugleich aber auch mehr Ärger und Angst als noch vor zwei Jahren. In der Gesamtbilanz überwiegen erfreulicherweise die positiven Gefühle.
Auf den folgenden Seiten des SKL Glücksatlas präsentieren Professor Bernd Raffelhüschen und Timon Renz von der Universität Freiburg solche Trends und viele weitere spannende Ergebnisse zur Lebenszufriedenheit. Inzwischen umfasst die Gesamtstichprobe mehr als 100.000 Befragte; jährlich kommen über 12.000 weitere hinzu. Diese große Fallzahl erlaubt es, selbst kleinere Bevölkerungsgruppen statistisch zuverlässig zu analysieren und zugleich die regionale Perspektive kontinuierlich zu vertiefen. Wir freuen uns, dass die SKL als assoziierter Partner dazu beiträgt, dass die stetig wachsende Datenbasis des SKL Glücksatlas immer tiefere Einblicke in die vielfältigen Facetten der Zufriedenheit eröffnet.
Zu den festen Bestandteilen des SKL Glücksatlas zählt der jährliche Vergleich der Lebensqualität in den Bundesländern und Regionen. In dieser regionalen Perspektive wird sichtbar, welche lokalen Veränderungen stattfinden und wie sie sich auf die jeweilige Lebenszufriedenheit auswirken. Dass Hamburg im vergangenen Jahr Schleswig-Holstein als Spitzenreiter ablöste, war eine kleine Sensation. In diesem Jahr fällt Schleswig-Holstein sogar auf den 5. Rang zurück. Hier treten auf einmal die Strukturprobleme eines norddeutschen Flächenlands zutage. Hamburg dagegen hat seinen erfolgreichen Kurs erneut bestätigt.
Auch im regionalen Vergleich zeigt sich ein erfreulicher Trend: Die Unterschiede im Lebensglück zwischen den Regionen nehmen insgesamt ab. Blendet man Mecklenburg als extremen Ausreißer nach unten aus, so hat sich der Abstand zwischen den glücklicheren und den weniger glücklichen Regionen im Ranking deutlich verringert. Das deutet darauf hin, dass die viel beschworene Spaltung der Gesellschaft womöglich weniger tief reicht, als es uns in der täglichen Medienwahrnehmung erscheint. Stattdessen zeichnet sich ab, dass die regionalen Unterschiede zwar bestehen bleiben, sich das Niveau der Lebenszufriedenheit in Deutschland insgesamt jedoch zunehmend angleicht.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine inspirierende und anregende Lektüre unseres SKL Glücksatlas 2025.
Dr. Bettina Rothärmel
Vorstandsvorsitzende GKL – Gemeinsame Klassenlotterie der Länder AöR
Veranstalterin der SKL- und NKL-Lotterien
In den letzten 20 Jahren gab es nur drei Jahre, in denen die Deutschen glücklicher waren als 2025: 2013 und 2016 mit jeweils 7,11 Punkten sowie 2019 mit 7,14 Punkten. Doch ob sich dieses Hochgefühl der Vor-Corona-Jahre künftig fortsetzen wird, ist eher unwahrscheinlich. Corona hat deutliche Spuren hinterlassen: Auf der Habenseite erleichtert beispielsweise das Homeoffice die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, andererseits leiden immer noch viele Betriebe in Gastronomie, Hotellerie und Kultur unter Nachfragerückgang, und psychische Belastungen wie Depressionen und Angststörungen haben stark zugenommen. Der minimale Anstieg von 0,03 Punkten in diesem Jahr deutet auf ein Zufriedenheitsplateau hin, auf dem sich das Lebensglück nun auf stabilem Niveau eingependelt hat.
Die Rückkehr zum Vorkrisenniveau zeigt sich auch in der Verteilung der Zufriedenheit. Der Anteil der stark Unzufriedenen (0–4 Punkte) liegt 2025 bei 8 Prozent – so niedrig wie zuletzt 2019, nachdem er in der Pandemie auf 14 Prozent gestiegen war. Gleichzeitig erreichen die Hochzufriedenen mit 48 Prozent fast wieder den Spitzenwert von 2019 (49 Prozent) und liegen deutlich über dem Pandemietief von 37 Prozent. Im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019 ist das frühere Glücksniveau damit bereits wiederhergestellt.
Normalisierung zeigt sich auch bei den Geschlechtern. Während der Corona-Pandemie waren Frauen im Durchschnitt deutlich unzufriedener mit ihrem Leben als Männer. 2020 lag ihre Lebenszufriedenheit um 0,18 Punkte unter der der Männer. Besonders stark traf es berufstätige Mütter, die zwischen Kindern, Haushalt und Beruf aufgerieben wurden. Dieser »Happiness Gap« schloss sich nur langsam und erreichte erst 2024 wieder den Nullpunkt. Im Jahr 2025 sind Frauen mit 0,03 Punkten sogar wieder leicht zufriedener als Männer, womit der frühere Normalzustand von vor Corona zurückkehrt.
Die Bundesländer bieten ein differenzierteres Bild. Einige Regionen haben die Krise überwunden und ihr Vor-Corona-Niveau wieder erreicht – darunter Hamburg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Bremen. Andere Länder hinken dagegen noch hinterher. Am deutlichsten wird das am Wechsel an der Spitze: Hamburg hat im Vorjahr den langjährigen Spitzenreiter Schleswig-Holstein abgelöst und bleibt trotz eines kleinen Rückschritts mit 7,33 Punkten auch 2025 auf Platz 1. Schleswig-Holstein (7,12) dagegen fällt auf Rang 5 zurück und liegt inzwischen rund 0,30 Punkte unter seinem Vor-Corona-Wert. Ein Grund für den Abstieg des norddeutschen Flächenlands ist, dass sich Holstein und Schleswig stark auseinanderentwickeln. Das Land hat Strukturprobleme, die nun auch bei der Lebenszufriedenheit durchschlagen und mit Corona nichts zu tun haben.
Wie schon im Vorjahr betrachten wir neben der Lebenszufriedenheit auch das emotionale Erleben und fragten die Deutschen, wie häufig sie in den letzten vier Wochen Gefühle wie Ärger, Angst, Traurigkeit oder Glück verspürt haben. Der Trend zur Emotionalisierung hält unvermindert an. Es nehmen sowohl negative wie positive Gefühle zu. Ärger nimmt spürbar zu: 30 Prozent geben an, sich oft oder sehr oft zu ärgern – deutlich mehr als die 22 Prozent im Jahr 2023. Auch die Angst erreicht neue Höhen: 22 Prozent fühlen sich regelmäßig ängstlich, ein drastischer Anstieg gegenüber 14 Prozent im Jahr 2023. Traurigkeit stagniert dagegen auf hohem Niveau: 28 Prozent berichten, häufig traurig zu sein, etwa so viele wie 2024, aber mehr als noch 2023 (21 Prozent). Aber auch auf der positiven Seite gibt es einen bemerkenswerten Aufschwung: 57 Prozent der Deutschen fühlen sich 2025 oft oder sehr oft glücklich, ein klarer Sprung gegenüber 45 Prozent im Jahr 2023. Die Deutschen erleben deutlich häufiger Glücksmomente, aber eben auch mehr Ärger und Angst als in den letzten zwei Jahren. In der Bilanz überwiegen die positiven gegenüber den negativen Emotionen.
Die zunehmende Emotionalisierung ist ein neuer Trend, ebenso wie die Verschlechterung der Zufriedenheitswerte bei Senioren. Während der Corona-Pandemie war die Zufriedenheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen stark eingebrochen. Normalerweise liegen ihre Werte um 0,50 bis 0,80 Punkte höher als bei Menschen mittleren oder höheren Alters. Inzwischen haben sich alle Altersgruppen erholt. Die Jungen stehen heute sogar besser da als vor zehn Jahren. Sorgen bereiten nun überraschend die Älteren. Bei den 61- bis 75-Jährigen ist das Lebensglück seit den 2010er-Jahren um 0,09 Punkte gesunken, bei den Hochaltrigen (75+) um 0,07 Punkte. Gründe könnten die gestiegenen Lebenshaltungskosten sein und der Umstand, dass immer mehr Menschen bereits in jüngeren Seniorenjahren (61–75) allein leben.
Wie die allgemeine Lebenszufriedenheit steigt auch die Zufriedenheit in den einzelnen Lebensbereichen 2025 nur leicht. Die Familienzufriedenheit verbessert sich zwar auf 7,61 Punkte (+0,08), bleibt aber deutlich unter dem Vorkrisenniveau der Jahre 2016 bis 2019. Der Erholungsprozess ist also noch nicht abgeschlossen. Belastend wirken weniger Hochzeiten und Geburten, mehr Alleinerziehende und pflegebedürftige Angehörige sowie seltenere Besuche zwischen Verwandten. Dazu kommen steigende Lebenshaltungskosten, die Familien besonders treffen. Strukturell hat sich der Einfluss von Ehe und Scheidung verändert: Der positive Effekt der Ehe sank seit 2011 von 0,42 auf 0,24 Punkte. Andererseits ist der negative Effekt einer Scheidung deutlich geringer geworden (–0,10 Punkte 2024 gegenüber –0,42 Punkten 2011). Gleichzeitig nimmt die Zahl der Scheidungen ab.
Problematisch ist die Einkommenszufriedenheit, denn sie fällt: 2025 auf 6,60 Punkte (–0,21 gegenüber dem Vorjahr) und damit klar unter das Niveau von 2019. Besonders betroffen sind die unteren 40 Prozent der Einkommensverteilung, während die obersten Einkommen leicht zulegen. Damit wächst die Kluft zwischen Arm und Reich auch in der subjektiven Wahrnehmung. Rund die Hälfte der Befragten empfindet ihr Einkommen als zu niedrig; bei den ärmsten 20 Prozent liegt das gewünschte Einkommen im Schnitt mehr als doppelt so hoch wie das tatsächliche. Unzufrieden sind vor allem jene, die sowohl mehr arbeiten als auch mehr verdienen möchten (4,50 Punkte). Wer mit seinem Einkommen zufrieden ist oder darüber liegt, lebt dagegen im Schnitt um 0,52 Punkte glücklicher.
Die Arbeitszufriedenheit liegt 2025 bei 7,20 Punkten und damit wieder auf Vorkrisenniveau. Dennoch hat sich die Arbeitswelt verändert: Das Homeoffice hat sich bei rund 30 Prozent etabliert, allerdings mit weniger Tagen pro Woche als direkt nach der Pandemie. Am zufriedensten sind jene, die zwei bis drei Tage von zu Hause arbeiten. Ganz ohne Homeoffice oder ausschließlich von zu Hause arbeiten schmälert dagegen die Arbeitszufriedenheit. Auch das Pendeln wird durch Homeoffice abgemildert: Wer mindestens einmal pro Woche daheim arbeitet, verliert bei einer Stunde Fahrzeit nur 0,40 statt 0,77 Punkte. Die Mehrheit möchte insgesamt eher weniger arbeiten. Wer das Gefühl hat, zu viel zu arbeiten, ist um fast einen Punkt unzufriedener, bei Unterbeschäftigung liegt der Rückgang bei 0,48 Punkten. Für die Mehrheit stimmen gewünschte und tatsächliche Arbeitszeit jedoch überein: Je weniger man arbeitet, desto häufiger gibt es diese Übereinstimmung.
Die Freizeitzufriedenheit steigt 2025 leicht auf 7,01 Punkte (+0,21), bleibt aber unter dem Niveau der Jahre 2016 bis 2019. Höhere Kosten für Freizeitangebote und weniger soziale Kontakte bremsen die Erholung. Ursache sind unter anderem veränderte Gewohnheiten seit Corona, etwa mehr Mediennutzung und weniger Treffen mit Freunden und Familie. 2025 besuchen nur 15 Prozent der Deutschen mindestens einmal im Monat einen Gottesdienst, doch wer regelmäßig religiöse Veranstaltungen besucht, ist im Schnitt um 0,39 Punkte zufriedener mit seiner Freizeit. Auch kleine Alltagstätigkeiten steigern das Wohlbefinden: Frauen profitieren besonders vom Spazierengehen, Kochen und Lesen, Männer vom Musizieren, Basteln oder einfach vom entspannten Nichtstun.
Die Lebenszufriedenheit in Deutschland steigt 2025 leicht um 0,03 Punkte. Dabei fällt der Zuwachs im Osten deutlich stärker aus als im Westen: Während Westdeutsche von 7,13 auf 7,15 Punkte nur um 0,02 zulegen, verzeichnen Ostdeutsche ein Plus von 0,12 Punkten (von 6,79 auf 6,91). Im bundesweiten Durchschnitt liegen die Westdeutschen damit um 0,24 Punkte über den Ostdeutschen. Dieser Abstand ist kleiner als im Vorjahr (2024: 0,34 Punkte), aber größer als während der Pandemie (2021: 0,10 Punkte). Die aktuelle »Glückslücke « entspricht damit wieder dem Niveau der späten 2010er-Jahre. Gründe für die geringere Zufriedenheit im Osten sind höhere Arbeitslosigkeit, niedrigere Einkommen, Diskriminierungserfahrungen und unterschiedliche Mentalitäten.
Im Unterschied zur Vor-Corona-Zeit, als die ostdeutschen Länder im unteren Tabellendrittel des Bundesländer-Rankings feststeckten, sind die ostdeutschen Länder nun gut im Mittelfeld vertreten. Nur die Spitzenplätze sind weiterhin westdeutsch besetzt. Auffällig ist dagegen die neue Zusammensetzung am Tabellenende: 2025 finden sich dort überwiegend westdeutsche Länder, darunter Bremen, Berlin und das Saarland. Ein Sonderfall bleibt Mecklenburg-Vorpommern: Das Land ist Schlusslicht und liegt abgeschlagen 0,72 Punkte hinter dem Vorletzten, dem Saarland – ein Abstand, der es regelrecht in eine andere Liga versetzt.
Insgesamt zeigt sich 2025 ein verändertes Bild. Nicht mehr die Ost-West- Differenzen wie noch vor Corona, sondern neue Strukturfragen treten in den Vordergrund. Zwar hat Deutschland im Durchschnitt wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht, doch teilt sich die Bundesländertabelle in zwei Hälften. Länder in der oberen Tabellenhälfte haben die Pandemie weitgehend hinter sich gelassen, stagnieren nun aber, weil andere Belastungen stärker ins Gewicht fallen: die anhaltende Wachstumsschwäche, hohe Inflation, die Kosten der Energiewende, Probleme in den Schlüsselindustrien sowie neuer wirtschaftlicher Druck durch die diesjährige Zollpolitik mit den USA. Besonders betroffen sind die industriellen Kernländer Bayern, Baden-Württemberg und Hessen. In der unteren Tabellenhälfte liegen dagegen fünf von acht Ländern noch immer unter dem Vor-Corona-Niveau. Während die schwächere Hälfte im Schnitt um 0,05 Punkte zulegte, kam die obere nur auf +0,03. Das deutet darauf hin, dass die glücklicheren Regionen ein Plateau erreicht haben, während die weniger zufriedenen noch im Aufholprozess sind.
Eine positive Folge dieser Entwicklung ist die abnehmende Ungleichheit im Lebensglück zwischen den Ländern: Die Abstände schrumpfen, weil die Spitzengruppe stagniert, während schwächere Regionen langsam zulegen. Sieht man von der einzigen Ausnahme Mecklenburg-Vorpommern ab, nähern sich die Bundesländer auf mittlerem Niveau an.
An der Spitze der Tabelle stehen erneut Hamburg (7,33 Punkte), Bayern (7,21) und Rheinland-Pfalz (7,21), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (7,19). Im Mittelfeld gibt es kleinere Verschiebungen: Sachsen-Anhalt (6,99) und Sachsen (6,96) belegen die Plätze 11 und 12, während Baden-Württemberg (7,09), Niedersachsen (7,10) und Hessen (7,02) trotz objektiv günstiger Bedingungen nur auf die Plätze 8 bis 10 kommen. Thüringen (+0,22 auf 7,12) gehört wie Rheinland-Pfalz zu den klaren Gewinnern des Jahres.
Auch für die Regionenanalyse steht inzwischen eine stetig wachsende Datenbasis zur Verfügung. Seit 2022 werden monatlich mindestens 1.000 Personen repräsentativ vom IfD Allensbach zur Lebenszufriedenheit befragt. So lassen sich gesamtgesellschaftliche Ereignisse und ihre Auswirkungen auf das Wohlbefinden zeitnah erfassen. Mittlerweile umfasst die Gesamtstichprobe über 100.000 Befragte, jährlich kommen mehr als 12.000 hinzu. Die große Fallzahl erlaubt es, selbst kleinere Bevölkerungsgruppen wie junge Erwachsene oder Alleinerziehende statistisch zuverlässig zu analysieren und gleichzeitig die regionale Perspektive weiter zu vertiefen.
Seit 2022 betrachten wir nicht nur die 16 Bundesländer, sondern auch die Lebenszufriedenheit in 32 Regionen. Dieser detailliertere Blick offenbart erstaunlich stabile Muster: Über die Jahre haben sich drei »Glücksregionen« herauskristallisiert, die durchweg deutlich über dem Durchschnitt liegen. Im Südosten sticht Bayern hervor – mit Bayern-Süd (7,24 Punkte), Niederbayern (7,16) und der Oberpfalz (7,19) als konstant glücklichen Regionen. Ein zweiter Glücksschwerpunkt findet sich im äußersten Norden: Hamburg erreicht mit 7,33 den Spitzenwert, flankiert von Holstein (7,18). Die dritte Hochburg des Wohlbefindens liegt im Westen, an den Rändern Nordrhein-Westfalens: Nordrhein- Düsseldorf (7,35), Nordrhein-Köln (7,18), das Münsterland (7,15) und Westfalen (7,15) bilden ein stabiles Zufriedenheitscluster.
In den Jahren 2023 und 2024 zählten auch die angrenzenden Regionen Nordhessen (7,01) und Niedersachsen-Hannover (7,08) noch zu dieser westlichen Glückszone. Neu hinzugekommen sind jüngst weitere Südwest-Regionen: Südbaden mit 7,32 Punkten (seit 2024) und die Pfalz mit 7,25 Punkten (seit 2025). Damit verdichtet sich das Bild: Deutschland hat zwar keine durchweg glücklichen Landstriche, doch einzelne Regionen behaupten sich Jahr für Jahr als stabile Wohlfühlinseln.
Das regionale Mittelfeld präsentiert sich 2025 weitgehend stabil: Zwar gibt es kleinere Verschiebungen, doch nur in zwei Regionen zeigt die Entwicklung seit Corona wieder nach unten: in Schleswig und Nordhessen. Deutlich problematischer sind dagegen die eigentlichen »Sorgenregionen«: das Saarland (6,78 Punkte), Vorpommern (6,75) und besonders Mecklenburg (5,88), das mit großem Abstand am Ende der Tabelle steht. Diese Werte liegen klar unterhalb des breiten Mittelfelds.
Gleichzeitig zeigt sich jedoch ein erfreulicher Trend: Die Ungleichheit im Lebensglück zwischen den Regionen nimmt insgesamt ab. Blendet man Mecklenburg als extremen Ausreißer aus und vergleicht die glücklichste mit der zweitunglücklichsten Region, so hat sich der Abstand in der durchschnittlichen Lebenszufriedenheit spürbar verringert – von 0,95 Punkten im Jahr 2022 auf nur noch 0,60 Punkte im Jahr 2025.
Dominik Enste, Technische Hochschule Köln
Die Suche nach dem Glück endet mit dem Tod. Welche Faktoren und Einflüssevorher zu einem glücklichen Leben beitragen, untersucht empirisch zum wiederholtenMale der neue SKL Glücksatlas. Dabei zeigt sich, dass viele unterschiedlicheWege zu mehr Lebenszufriedenheit führen können. Aber dennochlassen sich Faktoren identifizieren, die zum »Glück für alle« (Enste et al., 2019)beitragen. Diese lassen sich unter 7+1 Arten von Kapital für ein gelingendesLeben zusammenfassen.
In meinen Vorlesungen und Vorträgen fragen die Zuhörer und Zuhörerinnen oft, ob ich die Formel für das Glück gefunden habe. Und ja, es gibt eine sehr simple Formel, die helfen kann, den eigenen Weg zu mehr Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden zu finden, und die schon in der Antike kontrovers diskutiert wurde.
In der wissenschaftlichen Forschung, wie auch in der Empirie des SKL Glücksatlas, wird vor allem gemessen, wie zufrieden die Menschen ganz generell mit ihrem Leben sind. Dabei wird der kognitive Anteil des subjektiven Wohlbefindens gemessen. Hinzu kommt die affektive, emotionale Komponente, also wie gut die Balance im Leben zwischen positiven und negativen Gefühlen ist. Ich habe dies für meine Vorträge sehr vereinfachend so zusammengefasst:
GROW: Konzentration auf längerfristiges Wohlergehen und nachhaltige Investitionen in die Zukunft, die Anstrengungen erfordern, die sich nicht sofort auszahlen (Schul-, Hochschulbildung, Aufbau von ökonomischem Kapital etc.); Wachstum und ein sinnstiftendes Leben werden angestrebt (»Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen«, Goethe, 1986, Faust II).
FLOW: Hedonistisches, kurzfristiges Hochgefühl für ein genussvolles Leben und ohne Gedanken an die Zukunft (»Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön! Dann magst du mich in Fesseln schlagen, dann will ich gern zugrunde gehn!«, Goethe, 1986, Faust I). Wobei FLOW hier bewusst anders definiert wird als von Csíkszentmihályi (1985).
GLOW beschreibt als Ergebnis einen Zustand des ganzheitlichen Glücks und des inneren Strahlens, das entsteht, wenn Menschen leistungsorientiertesStreben (GROW) und genussvolle Gegenwartigkeit (FLOW) in Einklang bringen. Es steht für eine tiefe, ausbalancierte Form von Glück, die nicht allein auf positiven Gefühlen oder Sinngebung beruht, sondern auf der lebenspraktischenIntegration beider Pole. Die Anteile von GROW und FLOW sind dabei je nach Person, Lebenssituation und Kultur unterschiedlich. Es kommt somit nicht nur auf die rein quantitative Erreichung des »größten Glücks der größten Zahl an«, sondern auch auf die Qualität, wie John Stuart Mill (1863) betonte: »It is better to be a human being dissatisfied than a pig satisfied; better to be Socrates dissatisfied than a fool satisfied.«
Außerdem kann sich GROW – also das Wachstum und der Zugewinn – auf ganz unterschiedliche Dimensionen des Lebens, oder wie ich es bezeichnen würde, Arten von Kapital beziehen, die vermehrt werden können, um ein glückliches Leben zu leben. Denn die ökonomische Perspektive und Erklärung, wie Wachstum und Weiterentwicklung durch die effiziente Nutzung von Zeit und anderen knappen Ressourcen gelingt, muss nicht auf das Sach- und Finanzkapital beschränkt bleiben. Ökonomische Ansätze – wie Sicherung von Eigentums- und Verfügungsrechten – können zugleich zur nachhaltigen Nutzung, zum Schutz und zur Evolution anderer Arten von Kapital beitragen (Enste/Funk/ Klös, 2025).
Geld und Einkommen macht i. d. R. glücklich, und kein Geld zu haben, macht unglücklich. Deshalb ist (1) ökonomisches Sach- und Finanzkapital wichtig für hohe Lebenszufriedenheit. Aber die Fokussierung auf materiellen Wohlstand verkennt, dass es weiteren Kapitals bedarf, um wahres Glück zu empfinden. Die Natur (2) liefert nicht nur die natürlichen Ressourcen für wirtschaftliches Wachstum, sondern stärkt nachweislich das Glücksempfinden und Erholung, wenn wir uns auf sie einlassen. Außerdem wird das (3) Humankapital (oder auch Humanvermögen) z. B. in der Bildungsökonomik als wertvoll und als für Wachstum entscheidend angesehen. Es ist die Basis für neue Erkenntnisse, aber auch Wohlstand und Wohlbefinden speisen sich aus ihr. Wenngleich immer höhere Bildung den Einzelnen nicht unbedingt zufriedener macht, ist sie eine wichtige Ressource für dauerhaftes, sinnstiftendes Tun.
Aus evolutionspsychologischer Sicht spielt zudem die physische Attraktivität oder das (4) Attraktivitätskapital bei der Suche nach einem Partner oder einer Partnerin bzw. zum Aufbau längerfristiger Paarbeziehungen eine wichtige Rolle. Der Boom der Fitnessbranche und Schönheitsindustrie sei hier als »anekdotische Evidenz« genannt.
In der Soziologie wird das (5) Sozialkapital und das damit einhergehende Vertrauen in Mitmenschen untersucht und dessen Bedeutung für Zusammenhalt und gelingende Gesellschaften betont. Menschen brauchen zum Glücklichsein andere Menschen und Beziehungen. Einsamkeit macht unglücklich. Außerdem wird das (6) kulturelle Kapital, das sich z. B. durch Musik, Museen, Sprache, Literatur, aber auch Religion auszeichnet, in empirischen Studien als weiteres wichtiges Fundament für das Wohlbefinden genannt. Die Weiterentwicklung, Pflege und Würdigung dieser Kapitalarten, die praxisnah u. a. von Bourdieu (1987) beschrieben wurden, können die Lebenszufriedenheit in ihrer ganzen Breite fördern.
In der gesellschaftlichen Debatte hat in den letzten Jahren zudem das (7) Moralkapital, das die persönliche Haltung nach außen darstellt, an Bedeutung auch für die eigene Lebenszufriedenheit gewonnen. Die moralische Überhöhung des Klimaschutzes, der fast zur Ersatzreligion geworden ist, hat aber auch seine Schattenseiten. Denn Klimaangst und die eigene Unfähigkeit, etwas Substanzielles gegen ein globales Phänomen zu tun, kann zu Frustration, Wut und Resignation führen. Wenn es dann zu einem Moralspektakel (Hübl, 2024) verkommt, das unverbunden mit den anderen Kapitalarten inszeniert wird, gefährdet es die Lebenszufriedenheit, statt notwendige Energie freizusetzen, den Wandel zu gestalten.
