Spiegelwelten Das Hexenschloss - Rolf Glöckner - E-Book

Spiegelwelten Das Hexenschloss E-Book

Rolf Glöckner

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Beschreibung

Carolyn, Tom, ihr Onkel Hans mit seinen Trollen, ihre Eltern und viele seltsame Wesen geraten unvermittelt in eine Auseinandersetzung zwischen schwarzen und weißen Magiern. Die Hexenkönigin will Rache nehmen an denen, die sie einst von der Erde verbannten. So richtete sie ihren Feldzug gegen die Bewohner des kleinen Kontinents Mu, den sie im Meer versinken ließ. Aber auch die Menschheit ist bedroht.Die Freunde, unterstützt von der geheimnisvollen Elisabeth, nehmen den Kampf auf und auch dieses Mal steht ihnen die Wissenschaft zur Seite. Ein spannendes Abenteuer nimmt seinen Lauf.

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Seitenzahl: 247

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Rolf Glöckner

Spiegelwelten Das Hexenschloss

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Über den Autor

Drachenfeuer

Auswahl

Hexentanz

Die letzte Bedrohung wird enttarnt.

Kapitel 11

Kapitel 15

Kapitel 22

Kapitel 33

Impressum neobooks

Über den Autor

Spiegelwelten

Das Hexenschloss

Ein Fantasyroman von

Rolf Glöckner

© Rolf Glöckner

2. Auflage

Coverfotos: © Fotolia

© Geoff Chester (Hale Bopp)

© NASA/JPL-Caltech (Vesta)

© Rolf Glöckner privat

Creator: © Tom Jay

Rolf Glöckner, geboren 1945 in Georgsmarienhütte, lebt in Oldenburg. Er genießt seinen wohlverdienten Ruhestand und befasst sich nun mit Astronomie, Astrophysik, Fotografie und natürlich und vor allem mit dem Schreiben. Er ist verheiratet und hat einen Sohn. „Spiegelwelten – Das Hexenschloss" ist nach „Spiegelwelten – Die zwölf Bücher“ und „Spiegelwelten – Der Kristallkrieg“ Glöckners dritter Fantasyroman.

Kapitel 1
Rückblick

Nachdem die Familie immer wieder vor der Presse, im Rundfunk und im weltweiten Fernsehen über ihre Abenteuer zu berichten hatte, zog sie sich in ihr altes herrschaftliches Haus an der Südküste Englands zurück, um Luft zu holen und ein wenig Abstand vom Trubel zu gewinnen.1 Zwischen den einzelnen Auftritten lagen immer wieder Veranstaltungen, an denen sie teilzunehmen hatte. Schließlich waren alle Familienmitglieder nun öffentliche Personen. Das Privatleben der Kinder, ihrer Eltern June und Marc und ihres Onkels Hans mit seinem Troll und ihrem bärigen Freund Sulass vom Volk der Rucks war mehr oder weniger auf der Strecke geblieben.

Bei öffentlichen Auftritten rief Lanudas, der Troll von Hans, immer wieder Begeisterungsstürme hervor und auch Sulass war bekannter geworden, als ihm lieb war. Fast sieben Monate waren vergangen, seit sie das letzte Kristallmonster besiegt und ihre Heimatwelt vor einer großen Gefahr bewahrt hatten.

Auf der Erde hatte sich in diesen Monaten einiges Bemerkenswertes ereignet. Verschiedene Staaten hatten erkannt, was gemeinsames Handeln bewirkt hatte, und planten langfristig ihren Zusammenschluss. Es war, als ob der Einsatz der Familie und derer Freunde eine Lawine der Verständigung ausgelöst hatte. Auch war man bereit, den Weltraumvagabunden eine Heimstatt zu gewähren. Viele Länder würden sie gern aufnehmen, versprach man sich doch davon, von ihnen etwas lernen zu können.

Das ließ Tom, durch das Erlebte inzwischen sehr erwachsen wirkend, die Bemerkung in die Runde geben: „Die Menschen werden sich wohl nie ändern, erhoffen sie sich doch nur Vorteile durch die Übernahme von dem technischem Wissen der Vagabunden.“

Hans – natürlich war Lanudas der Troll bei ihm geblieben – nickte ihm bestätigend zu. „Wir können ja Tahona rufen und mit ihr darüber reden“, meinte Marc. „Kinder, ihr habt doch von ihr solch ein Kommunikationsgerät bekommen, ruft sie doch an!“ Carolyn sprang auf und stürmte die Treppe zu ihrem Zimmer hinauf. Wenig später kam sie mit dem kleinen Kästchen in der Hand wieder herab.

„Tom“, rief sie, „mach du das!“

Tom nahm ihr das Gerät wie selbstverständlich aus der Hand und drückte den Rufknopf tief in das Gehäuse. Ein Summen ertönte und ein kleiner Stab, einer Antenne ähnlich, schob sich aus dem Kästchen heraus. An der Spitze bildete sich ein blau strahlender Ring, in dessen Mitte nach nur ganz kurzer Zeit das Gesicht einer Frau erschien. Tahona!

Deutlich war ihre Stimme zu vernehmen: „Hallo, Tom, warum rufst du mich? Kann ich etwas für dich tun?“

Aufgeregt berichtete Tom davon, was sich in den vergangenen vier Monaten auf seinem Heimatplaneten zugetragen hatte und dass eine große Anzahl von Staaten übereingekommen war, den Weltraumvagabunden einen Platz auf der Welt, von der sie einst gekommen waren, zur Verfügung zu stellen. Tahona war von dieser Neuigkeit begeistert und rief aus: „Das werde ich gleich meinen Raumschiffkommandanten mitteilen, egal wo sie sich auch gerade befinden. Sicher wird es einige Zeit dauern, bis wir eintreffen können. Wir müssen dann ja auch unseren Stützpunkt auflösen und das ganze Material zur Erde bringen. Gott sei Dank ist es ja nicht besonders weit!“

Marc stutzte. „Nicht so weit? Ja, wo ist denn euer Stützpunkt?“ Tahona lächelte Marc an und sagte dann: „Im Asteroidengürtel dieses Sonnensystems. Wir haben dort einen der größten Gesteinsbrocken ausgehöhlt und uns, als wir die Erde verlassen mussten, eine Basis eingerichtet.“

Tom schoss hoch und rief: „Jetzt wird mir so einiges klar, ihr wart das mit den UFOS, die immer wieder über der Erde auftauchten und zu allerlei Spekulationen Anlass gaben.“ Tahona lächelte. „Ja, das waren wir, schon lange beobachten wir eure Entwicklung.“ Die Geschwister sahen sich erstaunt an und auch die Erwachsenen schauten verdutzt in die Runde. Tahona, die immer noch aus dem blau schimmernden Ring hervor sah, wandte sich plötzlich ab und redete mit jemandem, der hinter ihr stand. Dann blickte sie nach vorn und ihr Gesicht sah überhaupt nicht mehr fröhlich aus.

„Gerade bekomme ich eine Meldung über ein merkwürdiges Vorkommnis, welches unsere Beobachtungsstation soeben entdeckt hat. Irgendetwas passiert da draußen. Sollte ein alter Feind, dem wir in unserer fernen Vergangenheit schon einmal begegnet sind und der am Untergang unseres Inselkontinents beteiligt war, wieder aufgetaucht sein? In einem System mit einer kleinen roten Sonne, die von sechs Planeten umkreist wird, hat sich eine Welt aus ihrer Bahn gelöst und fliegt nun hinaus ins All. Nach Berechnungen wird der Planet, der sich mit einer abnorm hohen Geschwindigkeit bewegt, in einer nicht so fernen Zukunft euer Heimatsystem durchkreuzen. Wir sollten schauen, was wir bis dahin tun können, um dies zu verhindern, aber das hat ja noch genügend Zeit.“

Aufregung machte sich breit und Tom rief: „Tahona, wir sollten uns treffen, um weiter darüber zu sprechen, komm am besten zu uns.“ Tahona lächelte ihn an und sagte dann: „Ich hatte sowieso vor zu kommen. Wollte mich ein wenig umschauen, wer uns denn aufnehmen möchte, und ich habe dazu einen Vorschlag zu machen. Ich werde also in etwa zwei Tagen bei euch sein.“ Das Gesicht verschwand und der blaue Ring erlosch.

Carolyn, die regungslos und in Gedanken versunken in einem der alten Ledersessel saß, sagte ganz plötzlich und wie zu sich selbst: „Ich denke, vielleicht hat das mit einem Traum zu tun, der mich seit einigen Nächten quält.

Hört alle zu, ich will versuchen, euch von diesem Traum zu erzählen. Ob er aber mit dem, was uns Tahona eben mitteilte, in einem Zusammenhang steht, das kann ich noch nicht mit Sicherheit sagen.“

Gespannt wandten ihr ihre Eltern und ihre Freunde die Gesichter zu, und selbst Lanudas kroch aus der Jackentasche von Hans und setzte sich auf seine Schulter, um von dort aus auch ganz bestimmt nichts zu versäumen.

Kapitel 2
Carolyns Traum

Zögernd begann Carolyn zu sprechen. „Ich träumte – und dieser Traum verfolgt mich seit einigen Nächten – ich wäre an einem Platz, den ich noch nie zuvor gesehen hatte. Im Hintergrund stand eine Burg oder ein Schloss, umgeben von einem geheimnisvollen, rötlich schimmernden Licht. An den Seiten standen irgendwelche flachen Gebäude und plötzlich war ich in einer dieser Hallen. Ich flog durch das Dunkel, ja, ich flog! Überall ratterten Maschinen und spuckten merkwürdige Teile aus, die von Gestalten, die ich nicht erkennen konnte, abtransportiert wurden. Diese Gestalten versuche ich zu beschreiben, aber das einzige, was mir von dem Traum in Erinnerung geblieben ist, waren die langen schwarzen Kutten, in die sie sich eingehüllt hatten und die von glitzernden Ketten zusammengehalten wurden. Und dass es in dieser Halle fast dunkel war. Auf dem Kopf trugen sie spitze schwarze Hüte. Es war sehr gruselig anzuschauen, und ich hatte das Gefühl, dass von dieser merkwürdigen Fabrik und dem Schloss eine große Gefahr ausgehen könnte. Ich hörte auch Stimmen, die seltsame Sprüche vor sich hinmurmelten, und nach einer langen Zeit, die ich frei schwebend unter dem Hallendach verharrte, wurde ich ins Freie hinausgeworfen, sah wieder diesen gespenstisch leuchtenden Turm und hörte ein hämisches Gelächter, welches nicht enden wollte.

Ich kann mich nicht erinnern, was dann noch geschah, denn ich wurde schlagartig wach und war von kaltem Schweiß bedeckt. In jeder Nacht, in der mich dieser Traum heimsuchte, endete er immer genau an dieser Stelle. Was hat das denn wohl zu bedeuten? Und warum wurde er immer genau an der gleichen Stelle unterbrochen? Noch nie habe ich so deutlich geträumt!“

Ihre Mutter erhob sich und nahm ihre Tochter in den Arm, um sie zu beruhigen. „Wir werden gemeinsam versuchen herauszubekommen, was es mit diesem Traum auf sich hat“, sagte sie zu Carolyn, und Tom ergänzte: „Bestimmt hast du am Abend vorher etwas Schweres gegessen, dann träumt man so etwas!“ – „Jeden Abend?“, antwortete Carolyn schnippisch. „Ich bin doch nicht du!“

Lanudas, der immer noch auf der Schulter von Hans hockte, rieb sich seine lange spitze Nase und wisperte leise, so dass es fast nicht hörbar war: „Ich werde mal meine Freunde und vielleicht auch unsere Ältesten nach der Bedeutung des Traumes fragen, geduldet euch einem Augenblick.“ Er streckte seinen dünnen Zeigefinger aus und ein Licht bildete sich an seinem spitzen Fingernagel und stieg zur Decke. Es gab einen lauten Knall und der Troll war verschwunden. Gleich darauf erschien er mit einem ebenso lauten Knall wieder zurück, aber er war nicht allein. In seinem Schlepptau hatte er Ladina und Lakuno! Was wollte er denn mit den beiden Trollen? Konnten die Trollfreunde denn helfen, das Rätsel des Traumes zu lösen?

Hans, der seinen Gefährten gut kannte, schmunzelte und dachte: Der kleine Zwerg verbirgt mal wieder etwas vor mir.

Aber ich wundere mich doch immer wieder, über welche Fähigkeiten er verfügt und was er mir im Laufe der Zeit alles verheimlicht hat!

Lanudas erzählt

Der Troll, nun umgeben von seinen beiden Freunden, setzte sich in Positur. Seine Augen blitzten aufgeregt und er begann zu erzählen. „Ich war etwa zwei Tage in unserer Heimat und habe dort allerlei erfahren. Es hat in der Vergangenheit schon einmal jemanden gegeben, der von solchen Träumen gequält wurde, und es ist aufgeschrieben worden. Es hat etwas mit einer Hexenwelt zu tun, die irgendwo dort draußen sein soll. Wie ihr wisst, gibt es sowohl schwarze – also böse– Hexen als auch die weißen Hexen, die ihr Leben dem Guten und der Hilfe für die Menschen gewidmet haben. Die genaue Position der Hexenwelt ist uns nicht bekannt, aber es ist überliefert, dass diese Hallen aus dem Traum, in denen etwas produziert wird, ein schlimmes Geheimnis bergen. Immer dann, wenn dort etwas angefertigt wird, können große Gefahren über die Menschheit oder eine der anderen Welten hereinbrechen. Wir müssen alle Völker warnen. Es braut sich etwas zusammen, dort draußen“. Er verstummte.

Lakuno, sein Freund und Verwandter, ergänzte in knappen Worten: „In eurem Kreis gibt es jemanden, ja, eigentlich zwei Menschen, denen das Hexenwerk nicht fremd ist, und diese beiden müssen sich auf den Weg machen, die Hexenwelt zu finden.“ Ratlos schauten sich Kinder und Eltern an.

Wer war denn damit gemeint? Die Trollin Ladina löste die rätselhafte Andeutung auf. „Es gab in eurer Familie eine weiße Hexe, unsere alten Trolle wissen davon. Sie war in den vergangenen Abenteuern immer wieder bei euch, um zu helfen. Auch dieses Mal sollte es so sein. Und die zweite Person?“ Mit diesen Worten sah sie Carolyn an, und diese spürte, wie sich die Haare auf ihren Armen aufrichteten und sie plötzlich eine Gänsehaut am ganzen Körper bekam.Tom schaute nachdenklich auf und meinte: „Da kann doch nur Betty gemeint sein, unsere geheimnisvolle Ahnin. Wie sollen wir uns denn mit ihr in Verbindung setzen? Sie lebt doch in einer anderen Zeit, und wie sollen wir sie denn dort erreichen?“

Elisabeth

Oben im Haus klappte eine Tür, Schritte auf der Treppe wurden hörbar und eine Frau in den besten Jahren trat in das Wohnzimmer. Sie trug einen spitzen blauen Hut und einen langen dunkelblauen Umhang, der mit goldenen Sternen besetzt war. In der Hand trug sie eine längliche silberne Schachtel. Alle schauten verdutzt, nur Marc lächelte verhalten. Er ahnte, wer da gekommen war, eine Ähnlichkeit mit seiner Frau June war unverkennbar. „Hallo, Elisabeth“, wandte er sich an den Neuankömmling, und die Frau antwortete: „Hallo, June, hallo Marc. Ich sehe, Hans ist auch da mitsamt seinen Trollen. Seid herzlich gegrüßt, Carolyn und Tom. Carolyn, die das Lächeln ihres Vaters wohl richtig gedeutet hatte, sprang auf und rief fragend: „Bist du Betty? Und warum siehst du jetzt fast wie meine Mutter aus?“

Die Frau wandte sich ihr zu und sah sie lange an. „Groß bist du geworden. Hier, nimm!“, und sie reichte Carolyn das silberne Kästchen. „Öffne es!“, sagte sie, „Du wirst darin etwas sehr wichtiges finden. Du wirst es für das, was wir jetzt gemeinsam unternehmen wollen, als dein neues Handwerkszeug dringend benötigen.“

Erstaunt drehte Carolyn das Kästchen in ihren Händen, und dann klappte sie den Deckel auf. Ein grünsilbern schillernder Stab, an dem ein fein ziselierter Schlüssel hing, kam zum Vorschein. „Was ist das?“, wandte sie sich an Betty.

„Das ist dein Zauberstab. Und der Schlüssel gehört zu einem Schrank in einem uralten Gebäude an einem fernen Ort. Diesen Platz werden wir jetzt gemeinsam besuchen, und dort wirst du allerlei lernen. Hab keine Angst, dir wird keine Zeit verlorengehen. So wie du mit mir gemeinsam gehen wirst, kehrst du nur wenig später zurück, obwohl in der Zwischenzeit allerlei geschehen wird. Als eine Reisende zwischen den Welten – ich gab dir die Fähigkeit dazu2 – müssen wir gemeinsam deine Ausbildung vollenden. Packe dir ein paar Sachen ein und dann komm, wir sollten schon bald gehen, die Zeit drängt.“ Betty sah in die Runde, sah June beruhigend an und sagte: „Keine Sorge, wir sind bald zurück.“

Carolyn hatte inzwischen hastig ihren Rucksack gepackt und sah Betty an. „Was nun?“, fragte sie, und Betty, die wie eine erwachsene Frau aussah, die etwa so alt wie ihre Mutter war, antwortete:

„Erstmals wirst du diesen Stab benutzen, er wird uns gemeinsam in eine Schule bringen. Eine Schule, in der du die Geheimnisse der weißen Hexerei lernen wirst. Und da wir ja schon bald zurückkehren werden, können die anderen ruhig noch etwas sitzen bleiben.“

Tom sprang auf. „Ich möchte auch mit, vielleicht wird ja aus mir ja einmal ein berühmter Zauberer!“ Er zögerte einen Augenblick und murmelte dann: „Ach nein, lieber studiere ich dann doch Astrophysik, ich möchte doch Neues entdecken und die Geheimnisse des Universums erforschen, so wie mein großes Vorbild, der amerikanische Astrophysiker Ralph Charles Bell.“

Betty oder besser Elisabeth schüttelte nur den Kopf und sagte zu Tom: „Nein, das wird nicht gehen, du und deine Freunde, ihr werdet dann gebraucht werden, wenn wir zurück sind. So, und nun ist es genug. Komm, Carolyn, nimm den Stab zur Hand!“ Carolyn nahm das Utensil, das sich wie von selbst in ihre Hand schmiegte, aus seiner Hülle und sah ihre Ahnin fragend an. Diese sagte nur: „Hebe ihn hoch, schwinge ihn hin und her und dann sage laut und deutlich das Wort „ALUSHI”

Carolyn folgte ihrer Anweisung, ein Licht bildete sich aus der Spitze des Stabes, und an der Zimmerdecke entstand plötzlich ein großer, glitzernder Wirbel, der um einen kleinen schwarzen Mittelpunkt rotierte.

Aus diesem Mittelpunkt schnellte ein helles Licht hervor, stieß auf die beiden Personen herunter und sie begannen daraufhin zu schweben. Langsam näherten sie sich dem merkwürdigen Gebilde und mit einem Ruck wurden sie aufgesaugt und waren im Lichtwirbel verschwunden. Die Decke des großen Wohnzimmers sah aus, als wäre nichts geschehen.

Kapitel 3
In der Hexenschule

Carolyn wirbelte durch einen dunklen Tunnel. Nach einer Weile wurde es heller, bis sie schließlich auf einer regennassen Wiese vor einem großen, alten Haus landete. Sie schaute an sich herunter. Was war denn da mit ihr passiert? Vollkommen anders gekleidet war sie aus dem wirbelnden Übergang hervorgekommen. Ein langwallender weißer Umhang mit einem hochstehenden Kragen, darunter ein kratziger Pulli, eine Pumphose, halbhohe Stiefel und ein spitzer Hut schmückten sie jetzt. In der Hand trug sie noch immer das silberne Kästchen. Wo war Betty oder Elisabeth, wie sie sich zu dieser Zeit nannte, nur geblieben?

Carolyn schaute sich um und entschloss sich zum Haus hinüberzugehen, nachdem sie Betty nirgendwo entdecken konnte. Nach ein paar Schritten stand sie vor einem großen eichenen Tor. Sie nahm den schweren Messingtürklopfer zwischen ihre Hände, hob ihn hoch und ließ ihn gegen das Holz zurückfallen. Ein dumpf klingendes Pochen ertönte und die große Tür begann sich langsam zu öffnen.

Eine große Halle wurde sichtbar, und in der Mitte stand – bleiben wir doch bei der Kurzform: Betty – und sie sah Carolyn lange und ernst an. „Das wird nun für einige Zeit der Ort sein, an welchem du allerlei Geheimnisse erlernen wirst. Folge mir nun.“

Sie wartete die Reaktion von Carolyn nicht ab, drehte sich um und ging auf das Ende der großen Halle zu. Carolyn folgte ihr, mit vielen Fragezeichen in den Augen. Sie konnte sich nicht vorstellen, was in dieser merkwürdigen Schule mit ihr passieren würde.

Eine schmale, sehr hohe und mit Silber beschlagene Tür öffnete sich, sie traten hindurch und fanden sich in einem mit alten Möbeln und vielen Büchern und seltsamen Gegenständen ausgestatteten Raum wieder. In der Ecke stand, durch einen Vorhang nur halb verdeckt, eine Liegestatt, daneben ein Schrank und ein uralter Stuhl. Durch einen offenen Vorhang fiel Carolyns Blick auf ein kleines Bad mit einem gläsernen Waschbecken und eine auf barocken Füßen stehenden Badewanne. In der Mitte des Raumes befand sich ein großer runder Tisch, über dem eine Glaskugel schwebte, die ein mildes Licht ausstrahlte und den Raum erhellte, ohne einen Schatten zu werfen.

„Das wird dein Schulraum sein. Bleibe einfach hier. Alles, was du benötigst, wird dir gebracht werden, und es wird jemand kommen, der dein Lehrer sein wird. Er wird dich in die dir noch nicht bekannten Geheimnisse der Hexenkunst einweihen. So wie du als Reisende meine Nachfolgerin geworden bist, wirst du auch meine Fähigkeiten als weiße Hexe erlangen müssen. Diese Fähigkeiten wirst du dann einsetzen, um einer großen Bedrohung Herr zu werden, die auf die Welten der Spiegel und auch auf deine Welt zukommen wird. Deine Freunde und auch deine Familie werden dir dabei zur Seite stehen.“

Sie verstummte und sah Carolyn mit einem prüfenden Blick an. „Du bist ausersehen!“ Carolyn schauderte es. Viel lieber wäre sie in dem alten Haus bei ihren Eltern und Freunden geblieben, und nun musste sie etwas lernen, von dem sie nicht wusste, was es sein würde und zu was es letztlich eingesetzt werden sollte. Sie schüttelte nachdenklich den Kopf und wandte sich an ihre Vorfahrin: „Bitte, was kommt da auf uns zu? Und was ist das für eine Bedrohung, die alle Welten betrifft, die wir inzwischen kennengelernt haben?“

Es war, als ob dunkle Wolken über das Gesicht von Betty zogen. Ihre Stirn legte sich in Falten und sie antwortete: „Seit ewigen Zeiten gibt es den Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Schwarz und Weiß, zwischen dem Kreis der Hexen, dem ich angehöre und den anderen, den Bösen. Es ist so, dass sie nun aus ihrer Verbannung, in die wir sie damals schickten, aufgebrochen sind, um Rache zu üben an denen, die sie mitsamt ihrem Hexenschloss in unendliche Weiten verbannt hatten, nachdem wir sie gemeinsam besiegt hatten. Sie sind auf dem Weg hierher, und schon bald werden ihre Vorboten auf einer der Welten eintreffen, um ihr böses Werk erneut zu beginnen. Wo das sein wird kann ich zurzeit noch nicht sagen.

Das gefährliche daran ist, dass sich einige der Schwarzen genauso wie ich in der Zeit bewegen können. Es wäre ihnen möglich, Unheil in der Vergangenheit anzurichten, das dann Auswirkungen auf jene Gegenwart haben könnte, in der wir uns jetzt befinden.

Denke an Tahona, die mit ihrem Volk einst auf einem Kontinent lebte, der zwischen Nord- und Südamerika und der asiatischen Landmasse lag.

Dieser Kontinent wurde vom Bösen vernichtet und versank in den Fluten des Pazifischen Ozeans. Nein, nicht Atlantis ist hier gemeint, es handelte sich um einen kleinen Erdteil namens Mu. Uns, den weißen Magiern und den Vorfahren von Tahona gelang es damals gemeinsam mit vielen Freunden, die Zerstörung der Erde zu verhindern und die schwarzen Hexen und Zauberer mit ihren Vasallen zurückzuschlagen. Wir verbannten sie mitsamt ihrem Hexenschloss, welches sie auf der Erde bewohnten, und schickten sie in die Tiefen des Alls.

Den Vagabunden – unter diesem Namen kennt ihr sie ja – gelang es, sich in Sicherheit zu bringen. Doch die Heimat von Tahonas Volk war zerstört und von der Oberfläche unserer Welt verschwunden. Wo sie sich danach niedergelassen hatten weißt du ja nun. Jetzt aber werde ich gehen müssen, du hast noch viel zu lernen. Schon bald jedoch kehre ich zurück, um deine Ausbildung zu vollenden, und dann geht es zurück auf die Erde. Dort werden wird uns gemeinsam mit unseren Freunden der Gefahr stellen müssen.“

Sie streichelte Carolyn über den Kopf, sah sie lange an und sagte dann wie zu sich selbst: „Ich glaube, sie schafft es, sie hat so viel von mir bekommen und auch einiges von ihrer Mutter übernommen, ohne es jetzt schon zu wissen, aber sie wird es ganz bestimmt schaffen.“

Sie griff in ihren Umhang, zog einen silbernen Stab hervor, richtete ihn gegen die Decke des Raumes und sprach: „ALUSHI“.

Licht blitzte auf, etwas Spiegelndes entstand über ihr und saugte sie mit einem schnalzenden Geräusch auf. Carolyn war plötzlich ganz allein in dem gemütlichen Raum.

Kapitel 4
Der Unterricht beginnt.

Während Carolyn noch erstaunt dem erlöschenden Licht nachschaute, öffnete sich ein Teil der holzverkleideten Wand und eine seltsam anzuschauende Gestalt trat ein. Sie trug einen nicht mehr ganz weißen Umhang, eine spitze weiße Mütze, eine Pumphose und uralte Stiefel, die beim Gehen ein knarrendes Geräusch von sich gaben. Sie öffnete offenbar den Mund, oder besser, in dem grauen langen Bart tat sich ein Spalt auf und eine wunderschöne Stimme, die so gar nicht zu dem seltsamen Wesen passen wollte, sagte: „Hallo, Carolyn, ich bin Maltus, dein Lehrer. Sicher wirst du im Laufe deines Aufenthaltes noch andere Kolleginnen und Kollegen kennenlernen, aber unter meiner Anleitung werden die Fähigkeiten, die bisher noch in dir schlummern, erweckt werden. So lasst uns nun beginnen. Darf ich deinen Arm sehen? Dort hat Elisabeth, die bei uns einen herausragenden Ruf genießt, etwas hinterlassen – sie berichtete uns davon. Etwas von ihren Kräften hat sie auf dich übertragen, und diese Kräfte sollst du beherrschen lernen und auch immer wieder aufs Neue einsetzen können.“

Carolyn konnte es nun nicht mehr aushalten und rief aus: „Ich kann mir meine eigenen Spiegel erschaffen, um mit ihrer Hilfe zwischen den Welten hin- und herzureisen.

Ich habe jetzt einen Stab als Hilfsmittel bekommen, der Ähnliches leisten kann, aber brauche ich ihn wirklich? Ich habe die Trolle bei mir, die ebenfalls über seltsame Kräfte verfügen und mir immer zur Seite stehen würden.

Da sind dann noch Drachen, Schwammer, Trogos, Wasserwesen und natürlich mein Onkel Hans, meine Eltern und viele andere Freunde. Ach, ich habe noch eine Unzahl von Fragen.“

„Gemach, gemach“, antwortete ihr Lehrer, „alles wird sich im Laufe der Tage, an denen du hier verweilen wirst, noch aufklären. Jetzt brauche ich allerdings deinen Arm.“ Carolyn erinnerte sich und streifte ihren Ärmel hoch. Maltus zog einen silbernen Stab, der dem von Carolyn zum Verwechseln ähnlich sah, heraus und strich ihr damit über den Arm. Merkwürdige Zeichen wurden sichtbar.

Carolyn sah sie und sagte zu ihrem Lehrer: „Die hat mir damals eine alte Frau, die uns bei unseren Abenteuern half, auf meinen Arm übertragen. Sie machte dazu merkwürdige Anmerkungen, die ich damals nicht verstand.“ Maltus nahm eine große Lupe aus einem der Schränke und schaute hindurch, kratzte sich am Kopf und sagte dann: „Alles kann ich nicht entziffern, ich hole mal unsere besten Zeichenleser.“ Er nahm eine Glocke vom Tisch und klingelte. Im Nu war der Raum von verschieden Hexen und Zauberern gefüllt, die sich um sie scharten und aufgeregt Carolyns Arm betrachteten.

Eine rege Diskussion hob an, bis eine hochgewachsene, in eine lange silberne Robe gekleidete Frau, die bisher regungslos im Hintergrund gestanden hatte, sich zu Wort meldete: „Stopp!“

Sie trat vor und betrachtete lange die Zeichen auf Carolyns Arm. Sie runzelte die Stirn und sagte mit einer glockenhellen Stimme: „Ja, das ist sie, sie wird uns allen die Rettung bringen.

Wir sollten nun dafür sorgen, dass sie erfährt, warum sie hier ist und welche Kräfte in ihr wohnen. Ich sehe aber auch deutlich, dass sie es ohne ihre Freunde und besonders ohne einen ganz speziellen jungen Mann nicht schaffen kann. Lasst uns nun unsere Kräfte konzentrieren und die Zeichen auf ihrem Arm zum Leben erwecken. Sie muss auch ganz bewusst in den Zeiten reisen können, ein einfacher Spiegel reicht für die Abwendung der Bedrohung nicht mehr aus. Carolyn, stell dich in unsere Mitte und ihr anderen bildet einen Kreis um sie herum, nehmt eure silbernen Stäbe zur Hand und sprecht mir die folgenden Worte nach „ALSAHUMR EDA FOGA“

Inzwischen

Carolyn und die geheimnisvolle Elisabeth waren verschwunden. Ein kaum messbarer Zeitraum war vergangen, als Tom – vorlaut wie immer – ausrief: „Wo bleiben sie denn, sie hätten längst zurückkehren wollen. Sie hat gesagt, sie wären unverzüglich zurück.“ –

„Ich mache mir auch Sorgen“, antwortete seine Mutter. „In welche Geschichte schlittern wir da gerade hinein?“

Hans sah ihn an, und auch die drei Trolle schauten gespannt auf Tom. „Sei gelassen, lieber Tom, wir haben gemeinsam schon so allerlei erlebt, ich denke, auch hier werden wir zusammen auf Carolyn und Elisabeth warten. Und ich glaube, deine Schwester wird allerlei zu berichten haben.“

Das Telefon unterbrach ihn mit einem schrillen Klingeln. Marc nahm ab, lauschte einen Moment und sagte dann: „Tom, es ist für dich!“

Tom nahm den Hörer entgegen, redete eine Weile mit seinem Gesprächspartner und sagte, als er das Gespräch beendete: „Das war der bekannte Astrophysiker Ralph Charles Bell, er bittet mich darum, ihm bei einer Untersuchung zu assistieren. Ein Hubschrauber ist schon unterwegs, er wird mich gleich holen kommen, mich zum nächsten Flugplatz bringen und dann geht es ab über den großen Teich!“ Er wandte sich an seine Mutter und meinte: „Du kannst ja in der Schule schon Bescheid geben, dass ich wohl für ein paar Tage nicht kommen werde, vielleicht muss ich ja wieder helfen, die Welt zu retten. Ich habe da so ein ungutes Gefühl. Ich gehe nun, um ein paar Kleinigkeiten zusammenzupacken.“

Der Troll Lanudas, der wie immer in der Jackentasche von Hans hockte, steckte seinen Kopf hervor und fistelte: „Sei vorsichtig, da ist wieder etwas im Gange. Erst verschwindet Carolyn mit einem Zauberstab in der Hand und nun gehst du auch, ich weiß nicht, was das bedeuten soll.“

Hans strich ihm beruhigend über den Kopf. „Wenn man berühmt ist, dann passieren solche Dinge, allerdings wäre es mir auch recht, wenn es etwas ruhiger bleiben würde Auch ich verspüre so ein merkwürdiges Kribbeln in der Magengegend.“ Die Eltern – June und Marc – sahen sich erstaunt an und sagten unisono: „Das fängt ja schon wieder gut an.“

In der Schule

Es wurde hell und aus Carolyns Arm strahlte ein blendendes Licht empor, in dem sich schwarze Lettern tummelten wie wirbelndes Laub im Herbstwind. Sie tanzten und gruppierten sich zu einer Zeile. Die hochgewachsene Frau trat vor, studierte die Zeichen, trug sie sorgfältig in ein kleines Büchlein ein und tat dann etwas sehr Merkwürdiges. Sie zog ihren Zauberstab hervor und strich damit durch die Zeilen der Zeichen, die sich daraufhin wieder in Carolyns Arm zurückzogen und dort sofort unsichtbar wurden. Kaum war das geschehen, durchströmte das Mädchen so etwas wie ein kurzer scharfer Schmerz, der aber gleich verklang und in ihrem Körper ein angenehm warmes Gefühl zurückließ. Ihre Gestalt veränderte sich in die verschiedensten Altersstufen, sie erschien als Kind, Frau und Greisin, bis sie sich schließlich in ihrem Körper so wiederfand, wie sie ihn kannte.

Ihr Lehrer Maltus drängte sich durch die noch immer heftig diskutierende Menge und nahm sie bei der Hand. Gemeinsam verließen sie den Raum. In einer großen Halle fanden sie sich wieder. Er wandte sich ihr zu und sagte: „Hier in dieser Halle wird schon bald eine große Zusammenkunft stattfinden, und du wirst die Hauptperson sein. Alle Aufmerksamkeit wird auf dich gerichtet sein, denn du bist auserwählt. Nein, nicht du allein, ein junger Mann, der dir vielleicht einmal nahe stehen wird, ist später auch an deiner Seite und wird dich unterstützen.

Wenn du meinst, es wäre dein Bruder Tom, so irrst du dich. Er ist es nicht. Diesen jungen Mann, den ich in deiner Zukunft sehe, wirst du in der nächsten Zeit erst kennenlernen. Ich bemerke auch andere Gestalten, die bei dir sein werden. Lass uns nun in deinen Raum gehen, ich denke, die anderen sind endlich verschwunden. Ich habe dir noch einiges

mitzuteilen.“ Sie zogen sich zurück.

Kapitel 5
Erklärungen

Ein wenig verwirrt, denn so vieles war auf sie eingestürmt, folgte ihm Carolyn, schloss die Tür hinter sich und ließ sich in einem großen Ledersessel vor dem alten Kamin nieder. In ihm züngelten plötzlich lustige Flammen und strahlten dabei eine wohlige Wärme aus. Gespannt sah sie ihren Lehrer an. Viele Fragen drängten sich auf ihre Lippen, und endlich schoss es aus ihr heraus: „Was waren das für Verwandlungen, die mit mir vorgingen? Mal war ich fast ein Baby, mal fühlte ich mich alt und schwach und dann war ich wieder eine erwachsene Frau. Wie kam das?“ In dem großen Bart öffnete sich der Mund und sie vernahm folgende Worte: „Du kannst nun genau wie Elisabeth durch die Zeiten reisen. Aber es sind deine persönlichen Zeiten, die du in deinem Leben erfahren wirst. Einmal als ein Kind, dann wieder als eine Jugendliche, so wie du jetzt eine bist, oder auch als eine erwachsene Frau. Diese Fähigkeit haben nicht viele von uns, und sollten wir gemeinsam versuchen, der Bedrohung, die auf uns zukommen wird, Herr zu werden, so wird diese Fähigkeit von entscheidender Bedeutung sein.“

Ihr Lehrer drückte auf einen in der Wandverkleidung neben dem Kamin eingelassenen Knopf und ein Summen ertönte.