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Das zweite Abenteuer aus der Kristallkrieg-Serie. Wissenschaft und Magie arbeiten eing zusammen, um die Gefahr, die der Erde durch die roten Kristallwesen droht, gemeinsam abzuwenden. Viele fantastische und auch merkwürdige Wesen helfen dabei und letztendlich werden die Erde und auch der Kristallplanet gerettet.
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Seitenzahl: 220
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Spiegelwelten
Der Kristallkrieg
Ein Fantasyroman von
Rolf Glöckner
Auflage April 2017
© Rolf Glöckner
Coverfotos:
© Günther Gumhold / pixelio.de
© innovari - Fotolia.com
© 3dmentat - Fotolia.com
© Rolf Glöckner
Creator: © Tom Jay
Über den Autor
Rolf Glöckner, geboren 1945 in Georgsmarienhütte, lebt in Oldenburg und genießt seinen wohlverdienten Ruhestand. Er befasst sich nun mit der Astronomie, Astrophysik, der Fotografie und natürlich und vor allem mit dem Schreiben. Er ist verheiratet und hat einen Sohn. „Spiegelwelten Der Kristallkrieg“ ist sein zweiter Fantasy-Roman. Er schließ nahtlos an „Spiegelwelten Die zwölf Bücher“ an.
Kapitel 1
Ein Jahr später
Ein Jahr war seit ihrem großen Abenteuer in den Spiegelwelten vergangen, ein Jahr, angefüllt mit Schule, Reisen mit den Eltern, Treffen mit Freunden, Sport, Aufgaben im Haus und was der Dinge mehr waren. Doch alles das wurde überdeckt von einer manchmal tödlichen Langeweile, Carolyn und Tom fieberten nach neuen Herausforderungen. Welch ein Abenteuer hatten sie doch gemeinsam mit ihren Eltern, ihrem Onkel und seinen Trollen, der geheimnisvollen Betty und den vielen Freunden erlebt.
Oft saßen sie am Abend mit ihren Eltern vor dem flackernden Kaminfeuer und unterhielten sich über das, welches sie gemeinsam erlebt hatten, bis endlich ihre Eltern, June und Marc, ein Machtwort sprachen und die Kinder ins Bett schickten.
An einem Abend, es regnete heftig und Sturmwinde heulten um das Haus. Alles war wie damals, als sie unvermutet in ihr großes Abenteuer hineinschlitterten. Carolyn und Tom waren gerade dabei, nach einer freundlichen Ermahnung ihrer Eltern, ihre Zimmer aufzuräumen, als Carolyn plötzlich laut aufschrie, zu ihrem Bruder ins Zimmer rannte und außer Atem ausstieß: „Tom, komm bitte, ich habe“, sie stockte und fuhr dann, etwas ruhiger, fort: „Ich glaube, ich habe Lanudas gesehen!
Er erschien mir in dem großen alten Bild, welches über meinem Schreibtisch hängt.“ „Du spinnst!“, antwortete ihr Bruder, „wir haben in der letzten Zeit wohl zu viel über unsere Erlebnisse und Abenteuer gesprochen und nun siehst du schon Gespenster! Na gut, wir gehen jetzt gemeinsam hinüber und dann schauen wir uns das Bild noch einmal genau an, vielleicht war es nur Licht der Straßenlaterne, das von draußen durch das Fenster fiel oder du hast dir etwas eingebildet.“
Sie gingen zusammen in Carolyns Zimmer. Tom betrachtete aufmerksam das alte Bild, welches dort unverändert über dem Schreibtisch hing. „Siehst du, alles nur pure Einbildung, lass uns jetzt weitermachen, sonst müssen wir uns nachher von unseren Eltern erneut Ermahnungen anhören.“ „Aber“, entgegnete Carolyn, „ich habe ihn wirklich ganz ganz deutlich gesehen!“ „Ach, Quatsch!“, entgegnete Tom, „Du weißt doch, wo er wohnt, bei Onkel Hans in einer der Jackentaschen, da kann er doch nicht aus einem Bild herausschauen, das glaube ich einfach nicht!“
Er grinste über das ganze Gesicht und wollte noch etwas sagen, aber er wurde abrupt durch ein von unten kommendes Geräusch unterbrochen. An der Haustür klingelte es Sturm. Sie hörten, wie jemand den Flur entlangging, die Tür öffnete und erstaunt, es war June, ausrief: „Bruder, wo kommst denn Du her? Komm schnell herein, Du bist ja ganz nass! Was treibt Dich denn bei diesem schrecklichen Wetter hierher?“
Die Kinder schauten sich sprachlos an.
Hans, ihr Onkel? Was für ein Zufall! Erst behauptete Carolyn, Lanudas, den Troll gesehen zu haben, und nun tauchte ihr Onkel auf? Seltsam! Gab es da einen Zusammenhang? Unten wurde gesprochen und trotz angestrengten Lauschens konnten Carolyn und Tom nur Bruchstücke verstehen, dann hörten sie schwere Schritte auf der Treppe, ihr Onkel kam zu ihnen herauf.
Lachend sah er die beiden an und sagte: „Na, wie geht es denn meinen beiden Spiegelreisenden?“ „Hans!“, rief Carolyn, sprang hoch und fiel ihrem Onkel um den Hals. Der strich ihr über das Haar, begrüßte dann Tom mit einem kräftigen Händedruck und fragte, während ein schelmisches Lächeln über sein Gesicht ging: „Hat jemand von Euch Lanudas gesehen? Ihr wisst schon, den kleinen Troll, der mich auf meinen Reisen stets begleitete.“ „Ja“, rief Carolyn, eben gerade schaute er aus dem Bild in meinem Zimmer hervor.“ Sie wies in die Richtung des Bildes, welches durch die noch geöffnete Tür deutlich zu sehen war. Ihr Onkel schüttelte, vielleicht ein wenig ungläubig, den Kopf.
„Ich will Dir glauben, aber jetzt ist er nicht da, mal sehen, ob ich eine Verbindung zu ihm herstellen kann.“ Er wandte sich um, trat vor das Bild und nahm dann einen kleinen grünen Kristall aus einem dunkelbraunen ledernen Beutel, den er aus einer seiner unzähligen Jackentaschen hervorgezogen hatte. Er begann, den kleinen grünen Stein zwischen seinen Handballen zu reiben, schnell und immer schneller.
Ein schneidendes Geräusch entwickelte sich und Carolyn hielt sich entsetzt die Ohren zu.
An der Decke des Zimmers erschien eine helle Linie, die sich immer mehr ausweitete. Unvermutet tat sich laut kreischend ein schwarz schillernder Spalt auf und eine kleine Gestalt, sich überschlagend und laut mit einer den Kindern sehr bekannten hohen Stimme schimpfend, fiel zappelnd auf den weichen Teppich von Carolyns Kinderzimmer.
Lanudas der Troll! Noch immer laut krakeelend rappelte sich die Gestalt auf, stellte sich auf seine dürren Beinchen, zupfte seine Kleidung zurecht und giftete los: „Hans, Du Tölpel, wann endlich wirst du es fertigbringen, mich auch nur einmal vernünftig landen zu lassen? Jedes Mal hole ich mir einige Beulen, irgendwann werde ich mir bei solch einem Sturz den Hals brechen! Oh, mein Kopf, mein armer Kopf! Aber du bist jedenfalls gekommen, so wie ich es gewünscht hatte.“
Tom, der dem seltsamen Treiben des kleinen Trolls zugeschaut hatte, konnte nun nicht mehr an sich halten und rief, viele Fragezeichen in den Augen: „Was wollt Ihr hier, ich verlange eine Erklärung!“ Hans wandte sich ihm zu und sah ihn lächelnd an.
„Lass und nach unten gehen, ich habe wohl wieder einmal viel zu erzählen und Lanudas sicherlich um Einiges mehr. Er war es, der mich rief und mich, ich konnte mich dagegen nicht wehren, hierher lenkte. Das kann er gut, mein kleiner Freund.“
Er beugte sich vor, schnappe mit einem schnellen Griff den Troll an seinem Gürtel und stopfte ihn etwas unsanft in eine seiner großen Brusttaschen, verließ das Zimmer und begann, die Treppe hinabzusteigen.
Aufgeregt folgten ihm die Kinder hinunter in das große Wohnzimmer, in dem ihre Eltern sie schon erwarteten. Schnell setzten sie sich vor den alten Kamin, in dem ein munteres Feuer flackerte, und harrten der Dinge, die da kommen würden. Kam da ein neues Abenteuer auf sie zu?
Was hatten ihr Onkel und der kleine Troll wohl zu berichten? Carolyn hüpfte aufgeregt immer wieder von ihrem Sessel hoch und rief: „Nun sag schon, was wollt ihr hier, was ist geschehen?“
Hans sah sie lächelnd an. „Noch immer ungeduldig, meine Kleine? Sei geduldig, unser kleiner Freund ist derjenige, der allerlei zu berichten hat.“
Kapitel 2
Deja Vu
Carolyn schauderte es, als sie endlich in ihrer großen Wohnstube zur Ruhe gekommen waren. Es gab allerdings einige kleine Unterschiede zu damals: Ihre Eltern, Lakuno mit seiner Partnerin und Betty, die ihnen so unterschiedlich alt erschien, waren nicht dabei gewesen. Nun müsste nur noch Sulass aus dem Volk der Rucks auftauchen und alles wäre fast wie damals gewesen. Carolyn beschlich ein leises Gefühl der Angst, welches sie sich nicht erklären konnte. Es war, als hätte sie das alles schon einmal geträumt. Tom, ihr Bruder dagegen, schaute neugierig und abenteuerlustig in die Runde, als der Troll Lanudas das Wort ergriff. „Gefahr droht, eure Hilfe ist von Nöten!“
Kaum hatte er diesen Satz ausgesprochen, war von oben, ganz von oben, vom Boden nämlich, ein lautes Gerumpel zu vernehmen. Dann gab es einen heftigen Bums, als ob sich jemand an etwas Hartem gestoßen hätte und als dann noch ein lautes, schmerzerfülltes Brummen ertönte, war es den Kindern sofort klar: Sulass war eingetroffen. Kurz darauf hörten sie seine schweren Schritte auf der Treppe, die Tür zum Wohnzimmer öffnete sich und Sulass trat ein, den unvermeidlichen großen Sack auf den Schultern, suchte sich einen Platz und setzte sich schmerzerfüllt brummend. Er rieb sich seinen runden Bärenschädel und rief ärgerlich: „Könnt ihr den Treppenaufgang denn nicht etwas höher bauen? Jedes Mal habe ich Mühe, die Stiege ohne mich zu verletzen, herabzusteigen“.
Alle, besonders die Geschwister, lachten laut auf. Sulass, noch immer brummend, stellte seinen großen geheimnisvollen Sack mit einem dumpfen Geräusch neben sich auf den Boden.
Aus dem Sack, der nicht besonders fest zugebunden war, sahen zwei spitze Mützen heraus und eine schrille Stimme, die von Lakuno, ertönte: „Lanudas, Du dachtest wohl, Du könntest ohne uns auf eine neue Abenteuerreise gehen, wie! Ich habe auch Ladina mitgebracht, vielleicht kann sie uns bei dem neuen Abenteuer, welches uns offensichtlich hier zusammenführte, begleiten.“
Der Angesprochene nuschelte nur etwas in seinen Spitzbart, um dann fortzufahren: „Es droht Gefahr, ich sagte es schon, ich konnte nicht direkt zu Euch springen, durch irgendeinen Umstand, den ich noch nicht kenne, wurde ich am Übergang gehindert und brauchte dazu den grünen Kristall von Hans, nur er konnte mir damit die Tür öffnen. Warum allerdings sich das mit der Gefahr schon so weit herumgesprochen hat, zeigt mir deutlich, dass die Gefahr jetzt größer ist, als ich bisher angenommen habe.“
June und auch Marc wollten, inzwischen ein wenig aufgeregt, etwas fragen, doch Carolyn und auch Tom kamen ihnen zuvor.
„Welche Gefahr droht und was hat das mit dem grünen Kristall auf sich und an welchem Ort droht die Gefahr und wann und warum sind wir diejenigen, die helfen können?“ „Das weiß ich auch noch nicht genau“, antwortete der Troll, „jemand sprach zu mir wie in einem Traum, ich konnte ihn aber nicht genau erkennen.“ „Wegen eines Traumes hast Du mich aufgescheucht, du spitzohriger Geselle, mich hierher zitiert und das alles wegen eines Traumes?“,empörte sich Hans, „das wirst uns jetzt einmal genau erklären müssen!“
Alle setzten sich wieder auf ihre Plätze und der Troll begann zu sprechen.
Die Gefahr kommt.
„Es ist eine alte Geschichte, die bei uns Trollen schon vor langer Zeit aufgeschrieben wurde und die sich in einer fernen Vergangenheit ereignete. Dieses Ereignis hatte fast das ganze Land der Trolle zerstört und nur mit der Hilfe von anderen Völkern gelang es, unser Land zu retten und wieder aufzubauen, denn die Zerstörung, die angerichtet wurde, war ungeheuer groß. Es hat mit Kristallen zu tun und der Welt, auf der sie leben. Diese Gefahr ist nun wieder präsent und dieses Mal wird sie sich gegen eure Welt richten. So sind zumindest die Erkenntnisse, zu denen unsere Ältesten, unsere weisen Trolle, gelangt sind. Ihr seid ihr Ziel!“
Carolyn sprang auf. „Was ist es denn nun für eine Gefahr, sag es uns endlich!“, rief sie aus. Tom, von der Aussage des Trolls erschrocken, wollte ebenfalls wissen, was nun vorfallen würde und wie sie sich dagegen zur Wehr setzen könnten. Der Troll aber fuhr fort. „Es hat etwas mit dem Kristall zu tun, welcher sich im Besitz von Hans befindet und mit dem er mich hierherholen konnte, soviel weiß ich. Dieses Kristall kann Energie in unbeschränktem Umfang speichern und so seinem Träger die Möglichkeit geben, andere Personen zu sich zu holen oder aber auch sich selbst an andere Orte zu begeben.
Dieser Kristall, vielleicht kann Hans über die Herkunft nachher noch etwas berichten, fehlt denen, die auf einer geheimnisvollen Kristallwelt leben und so werde sie kommen, um sich dieses für sie eminent wichtige Mineral zu holen und das wird sicher nicht friedlich ausgehen. Und nun sollte Hans weitererzählen, wie er an den Kristall gekommen ist und was er darüber weiß.“ Hans räusperte sich etwas verlegen, aber Sulass brummte ihm etwas zu und so musste Hans klein beigeben und er begann zu erzählen.
Kapitel 3
Der Ankömmling
Kaum hatte er die ersten Worte gesprochen, als es drüben in den alten Pappeln, die am Rande des Grabens des Grundstücks standen, einen lauten Knall tat, welcher von einem Geräusch wie von splitterndem Holz gefolgt wurde. Einen Augenblick war es ganz still. Ein lautes Zischen ertönte und der dämmrige Garten wurde plötzlich hell erleuchtet. Die Kinder sahen sich an und Tom rief aus: „Was war das denn eben?“, stürzte ans Fenster, zog die schwere Samtportiere zur Seite und schaute hinaus in den Garten, der sich anschickte, in die Nacht einzutauchen. Unvermittelt begann er laut zu lachen. „Kommt schnell, das müsst ihr unbedingt sehen!“
Alle sprangen von ihren Sitzen auf und stürzten zum Fenster. „Das darf ja nicht wahr sein!“, rief Hans, „wir haben soeben Besuch bekommen, hoffentlich hat diesen Besuch niemand gesehen, das würde in unserem kleinen Örtchen einen ziemlichen Aufstand geben!“ Inzwischen war das Licht im Garten erloschen und alle konnten nun, es war fast dunkel, eine riesenhafte Gestalt sehen, die sich soeben aus einem Gewirr von Ästen hervor arbeitete, wobei helle Rauchwolken um die riesenhafte Gestalt herum waberten.
Ein Drache! Und so groß! „Dracontor!“, rief Carolyn begeistert, denn sie mochte den großen weisen Drachen, der ihnen so viel bei ihrem letzten Abenteuer beigestanden hatte, „es ist Dracontor!“ Der hatte sich inzwischen zu seiner vollen Größe aufgerichtet und bewegte sich auf das Haus zu. Dann drehte er den Kopf zur Seite und eines seiner großen Augen schaute zu ihnen hinein.
Marc öffnete das Fenster, schaute in das große Auge und sagte: „Herzlich willkommen, was treibt dich her? Und warum musstest du wieder einmal Feuer spucken, du schreckst ja die ganze Nachbarschaft auf.“ Der Kopf drehte sich wieder und nun drang die Stimme des alten Drachen zu ihnen in das große Wohnzimmer:
„Es war wie ein Zwang, irgendetwas brachte mich hierher, wie das passieren konnte, weiß ich allerdings nicht. Ich war in unserer Welt dabei, mit den anderen meiner Art über wichtige Dinge zu sprechen, als ich unvermittelt ein Zerren und einen Sog verspürte, der mich aus ihrer Mitte riss.
Ich sehe die Kinder, Sulass, den Rucks, die Trolle, Hans, June und Mark, aber ich verstehe das Ganze nicht. Er zog sein großes Maul zurück und Carolyn sah seinen Kopf. Sie schrie auf: „Schaut, was er dort am Kopf trägt!“ Entgeistert konnten auch die anderen erkennen, dass Dracontors Kopf mit einem großen Reif geschmückt war, in dessen Mitte ein großer grüner Kristall prangte.
„Schau an“, sagte Tom, „solch einen Kristall habe ich hier doch schon bei Hans gesehen und jetzt solch ein Teil am Kopf von Dracontor, das muss eine besondere Bedeutung haben.“
Hans, der mit seinem grünen Kristall Lanudas den Eintritt in die Menschenwelt ermöglicht hatte, schüttelte erstaunt den Kopf, wandte sich an Dracontor und fragte diesen: „Wie, Dracontor, bist du an diesen grünen Stein gekommen, ich dachte, ich wäre der Einzige gewesen, dem es jemals gelang, die Welt der Kristallwesen unter Mitnahme eines ihrer Schätze leben zu verlassen!“ Der große Drache stieß eine Rauchwolke aus: „Können wir nicht zu einem Platz gehen, an welchem ich mich nicht so zusammenkauern muss, um mit euch zu sprechen? Und wenn ich meinen Schwanz entsprechend aufringeln könnte, wäre das schön.“ June, die sich bisher im Hintergrund gehalten hatte, ergriff das Wort. „Wir könnten doch in die große Scheune umziehen, die ist ja, seitdem wir keine Tiere mehr haben, leer und wohl groß genug, um uns allen Platz zu gewähren. Ich bin schon ganz neugierig, was uns Dracontor zu berichten hat und von Hans wollen wir auch noch einiges hören. Nicht noch einmal möchte ich von einem Abenteuer ins andere stolpern. Drüben in der Scheune stehen noch die alten eichenen Stühle von Großmutter, nehmt euch jeder ein weiches Kissen mit, damit ihr gut sitzen könnt. Wir werden, so glaube ich, eine lange Nacht voller Erklärungen vor uns haben.“
Und so machten sich alle auf den Weg in die große alte Scheune, die hinter ihrem Wohnhaus unter großen alten Eichen ihren Platz hatte. Vorsichtig bewegten sie sich über den dunklen Hof und Marc öffnete vorsichtig das Scheunentor, welches sich nur schwierig öffnen ließ.
Kapitel 4
Dracontor und Hans
Dracontor
Nachdem sich nun alle in der dunklen Scheune eingefunden hatten und Marc für etwas Licht gesorgt hatte, rollte Dracontor seinen langen Drachenschwanz auf und legte seinen Kopf auf einen der großen Querbalken, die das Dach trugen. Er schaute mit seinen großen Echsenaugen in die Runde, Rauch quoll aus seinen Nasenlöchern hervor und er begann zu sprechen.
„Ich hatte nie damit gerechnet, euch so bald wiederzusehen, und ich werde nun etwas Sonderbares berichten, welches mir im Drachenland vor ganz kurzer Zeit widerfuhr. Ich hatte mich schlafen gelegt, ja, wir Drachen pflegen manchmal zu schlafen, hatte ich einen Traum. Ich sah verschwommen dieses alte Haus, sah euch alle hier versammelt und eine Stimme, sie klang so merkwürdig kalt und steinern, sagte zu mir: „Gehe dort hin!“
„Ich schrak hoch und fühlte meinem Kopf etwas Ungewöhnliches. Dort saß plötzlich ein Reif, der vorn von einem grünen Kristall besetzt war, von welchem ein merkwürdiges Vibrieren ausging. Erschrocken sah ich aber auch, das Vibrieren war inzwischen in ein immer heller werdendes Klingen übergegangen, das ich mich, beginnend bei meinem Schwanz, aufzulösen begann. Auch hatte ich das Gefühl, bewusstlos zu werden, ein für uns Drachen eher seltenes Phänomen. Und als ich wieder zu mir kam, fiel ich schon hinab in die Bäume, die wohl zu eurem Haus gehören. Warum ich hier bin, kann ich nicht erklären, aber es wird schon seinen Grund haben.“ Er stieß erneut einige Rauchringe aus und schaute fragend in die Runde.
Hans
Hans, der sich wohl von dem fragenden Blick angesprochen fühlte, erhob sich von dem Strohballen, den er sich als Sitzplatz ausgewählt hatte, und schaute zu Dracontor empor.
Lange betrachtete er den Reif mit dem schillernden Kristall, der Dracontors Kopf schmückte, und sagte dann, wie zu sich selbst: „Merkwürdig, er gleicht dem Kristall, der sich in meinem Besitz befindet, in Form und Feuer genau.“ Lanudas, der kleine Troll, die zipfelige Mütze verwegen im Genick, konnte nun nicht mehr an sich halten und fistelte:
„Und mit diesem merkwürdigen Stein hast Du mir den Weg freigemacht. Irgendetwas möchte verhindern, dass wir zusammenfinden und irgendwer bringt uns dennoch zusammen. Hans nickte seinem kleinen Freund zu und fuhr fort: „Ich glaube, ein wenig weiß ich um die magischen Kräfte, die diesen Steinen innewohnen. In einer meiner vielen Reisen durch noch unentdeckte Welten landete ich, wohl versehentlich, auf einer Kristallwelt, die bedeckt war von Abermillionen grünen aber auch rotleuchtenden Steinen. In Unkenntnis der Tatsache, es könne sich dabei um mineralisches Leben handeln, griff ich einen der grünen Kristalle, der vor mir auf dem Boden lag. Einen der roten Steine wollte ich ebenfalls mitnehmen, konnte ihn aber vom Boden nicht aufheben, er schien wie verwachsen mit dem Untergrund.
So kehrte ich schleunigst zurück, denn die Welt war unwirtlich, es gab keine Pflanzen und auch kein Wasser, zumindest konnte ich in der Kürze meines Aufenthaltes keines entdecken. Aber was ist denn nun mit der Gefahr, mein kleiner Troll?“ Der so Angesprochene zog nachdenklich an seiner Mütze und schaute etwas ratlos umher. „Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, ich bin mir da aber nicht ganz sicher, betrifft die Gefahr die Welt der Menschen.“ Er stockte, denn ein rötliches Licht fiel durch die Bretterwand der Scheune und tauchte die Anwesenden in ein geheimnisvolles Licht.
„Was ist das?“, stieß Carolyn hervor und Tom sprang zur großen Dielentür, öffnete diese einen Spalt weit und sie alle sahen ein rotleuchtendes Kristallwesen, welches gerade dabei war, vor ihrem Haus zu materialisieren. Mit stampfenden Schritten bewegte es sich auf das Haus zu, stieg die große Freitreppe empor, öffnete die Tür und verschwand.
Kapitel 5
Tumult
Kurz darauf wurde es im Haus sehr laut. Es hörte sich an, als ob das Obere zuunterst gekehrt wurde. Plötzlich barsten die ersten Scheiben und Glassplitter flogen in einem hohen Bogen auf den Rasen vor dem Haus. Hans sprang auf. „Kommt, wir müssen dieses unheimliche Wesen aufhalten!“ Kaum hatte er ausgesprochen, färbte sich der in Dunkel getauchte Garten vor dem alten Haus in ein schillerndes Grün und ein weiteres Wesen, ähnlich groß wie das eben erschienene rote Kristallgebilde, stand plötzlich auf der Freitreppe des Hauses, öffnete die große eichene Tür und verschwand ebenfalls im Inneren des Hauses.
Hans rannte auf den Vorplatz der großen Scheune und sah noch gerade die an einen grünen Kristall erinnernde Gestalt ebenfalls im Haus verschwinden. Er wollte gerade den Eindringlingen nachsetzen, als ihn der große Drache zurückhielt.
„Denke erst, bevor du losstürmst, es ist sicher gefährlich dort drinnen und denke bitte zuerst an deine geschilderten Erlebnisse, die du auf dem Kristallplaneten erlebtest. Ich sehe da einen Zusammenhang, kann aber noch nicht genau erkennen, worum es geht. Lass uns also erst vorsichtig beobachten!“ Inzwischen waren die Geräusche immer lauter geworden, begleitet vom Krachen wie von umfallenden Möbeln und einem infernalischen Geheul.
Dann begann es, erst richtig laut zu werden. Es hörte sich nach einem Kampf an. Durch die zerstörten Fensterscheiben, die ein wenig Einblick gewährten, sahen sie deutlich das rote oder auch grüne Leuchten der so unterschiedlichen Wesen. Kämpften da Gut und Böse miteinander? Carolyn begann angstvoll zu zittern, ihr Bruder nahm sich beschützend in den Arm und begann, beruhigend auf sie einzureden.
Nun dehnte sich der Krach auch in das obere Stockwerk aus und Carolyn schrie auf: „Ich glaube, die beiden Kristallwesen sind nun in meinem Zimmer, was wollen sie da?“ Marc, der an der Tür stand und vorsichtig hinaus lugte, wandte sich zu Hans um und sah diesen fragend an. „Was hat das wohl mit dem grünen Kristall zu tun, welches Du auf dem fremden Planeten an dich nahmst und wie kommt ein solcher Kristall in den Reif an Dracontors Kopf?
Ich denke, ich verstehe hier einiges nicht!“
Die drei Trolle, die sich bisher im Hintergrund gehalten hatten, gesellten sich in die Runde und wandten sich an Hans und Dracontor. „Ihr zwei habt einen grünen Kristall, Hans hat seinen von einem uns nicht bekannten Planeten, du, Dracontor, fandest ihn plötzlich in einem Reif an deinem Kopf und dieser Reif oder der Kristall, wie auch immer, brachten dich hierher, um dieser Welt, in einer großen Gefahr beizustehen.
„Hans, zeige uns noch einmal den grünen Stein.“ Dieser, so aufgefordert, griff in seine Tasche und holte den grünleuchtenden Stein heraus, der plötzlich, als sei er befreit worden, in einem hellen Licht erstrahlte. Inzwischen war der Lärm im Haus ohrenbetäubend geworden und dann barst mit einem donnernden Knall ein Teil der Außenwand des Hauses und Steine stürzten auf den Rasen. Ein rotes Etwas wurde mit einer wahnwitzigen Geschwindigkeit aus dem Haus katapultiert, stürzte in die wunderschön angelegten Blumenbeete und blieb wie benommen liegen. Das rote Licht, so schien es, war etwas schwächer geworden. War die Kraft des Wesens, welches noch eben wie ein Berserker im Hause gewütet hatte, verbraucht?
Entsetzt sahen die Freunde, wie der, einem Menschen nicht unähnliche rote Kristallblock, so etwas wie ein Kopf, Arme und Beine waren vorhanden, sich langsam wieder zu bewegen begann. Was kam als Nächstes auf sie zu, was würde nun geschehen?
Kapitel 6
Der Pilot
Ein leises, brummendes Geräusch wurde am Horizont hörbar, das sich zu einem lauten Motorengeräusch entwickelte. Ein Hubschrauber, groß und gefährlich aussehend, weil voll bewaffnet, näherte sich dem Anwesen. Deutlich waren die unter den seitlichen Stummelflügeln angebrachten Raketen zu erkennen. Mit einem Male wurde es strahlend hell, der Insasse des Hubschraubers, wer auch immer es sein mochte, hatte seinen Scheinwerfer eingeschaltet. Das Licht fiel auf die rote Gestalt und der Hubschrauber verlangsamte sein Tempo, bis er in einer Entfernung von dreihundert Metern in der Luft stillzustehen begann.
Das Licht konzentrierte sich und Hans, wohl ahnend, was jetzt kommen würde, rief mit Stentorstimme: „In Deckung!“ So schnell sie konnten, liefen alle in den hintersten Winkel der Scheune und waren sich hinter allerlei Gerätschaften, die dort lagen, in Deckung. Nur das gleichmäßige Geräusch der sich drehenden Rotorblätter und das Motorengeräusch waren zu hören. Plötzlich ein anderes Geräusch, so wie sie es wohl noch nie vernommen hatten. Ein Zischen ertönte, sie hörten einen dumpfen Aufschlag und den peitschenden Knall einer Explosion. Vom Hubschrauber aus war eine der Raketen abgefeuert worden und traf den roten Eindringling, der von der Explosion in tausend Teile zerrissen wurde. Alle rannten zum Scheunentor und sahen, wie sich der Hubschrauber langsam in den großen Garten senkte. Die Rotoren liefen aus, der Motor wurde abgeschaltet und eine kleine Treppe klappte zu Boden. Der Pilot, denn ein Solcher war es, hatte die Freunde gesehen, stieg aus und kam auf sie zugelaufen, fuhr aber entsetzt zurück, als er im diffusen Licht den gefährlich aussehenden Drachenkopf bemerkte. June aber ging auf ihn zu, legte die Hand auf seine Schulter und sagte: „Danke für ihr Eingreifen, sie haben uns gerade aus einer Notsituation gerettet! Kommen sie, wir wollen wieder in die Scheune gehen, die uns nun wohl für einige Zeit als Unterkunft dienen wird, wenn ich die Schäden am Haus betrachte, denn dort ist wohl nicht mehr viel heil.“
Der Pilot folgte ihr und die Verwirrung auf seinem Gesicht nahm noch zu, als er sich der Gesellschaft, die sich in der Scheune versammelt hatte, gegenübersah. Der große Drache ergriff das Wort: „Wer sind sie, und wer hat sie hierhergebracht? Der Pilot, noch immer sehr erstaunt über die merkwürdige Gesellschaft, holte tief Luft, um dann hervorzustoßen: „Mein Name ist James Middelton und ich gehöre zu einer Hubschrauberstaffel, deren Basis sich in Florida in den USA befindet. Ich befand mich auf einem Routineflug, als mich etwas zwang, zur Basis zurückzukehren. Dort landete mein Hubschrauber eigenständig und ich sah die Kisten mit den Raketen auf dem Rollfeld. Ich stieg also aus und munitionierte meinen Schrauber, warum, weiß ich nicht.“ Er schrak auf und stöhnte: „Da war so ein grüner Kristall auf einem meiner Rotorblätter und hier sehen ich auch solch einen Stein am Kopf des großen Ungeheuers und auch dort ist noch ein Zweiter!“ Carolyn und Tom sprangen auf und liefen nach draußen, näherten sich vorsichtig dem Hubschrauber und dann sahen sie den grünen Kristall, der sich auf einem der Rotorblätter befand. Aufgeregt kehrten sie um und berichteten von dem, was sie gesehen hatten.
Der Pilot, immer noch sehr aufgeregt, begann, seine Ausführungen fortzuführen. „Ich bestieg dann wieder meinen Hubschrauber, der mit mir unverzüglich startete und hierherflog. Alle Steuerungsversuche von meiner Seite bleiben erfolglos, und als ich dann dieses rotleuchtende Ding vor dem Haus liegen sah, da habe ich auf den Knopf gedrückt. Was war das, auf das ich meine Rakete abgefeuert habe und wo bin ich hier?“
