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Wie ein heruntergefallener Spiegel den Autor zum Schreiben brachte! Die Geschwister Carolyn und Tom entdecken eines Tages auf dem Dachboden ein altes Buch und einen geheimnisvollen Spiegel, hinter dem sich eine andere Welt auftut. Dabei treffen sie auf ihren Onkel Hans, der von einem Troll begleitet wird, Gemeinsam begeben sie sich auf eine gefahrvolle Reise und geraten dabei in Welten, die ihre Vorstellungskraft bei Weitem sprengen. Sie begegnen sonderbaren Wesen, die ihre Hilfe im Kampf gegen das Böse dringend benötigen.
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Seitenzahl: 258
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Spiegelwelten
Ein Fantasyroman von
Rolf Glöckner
© Rolf Glöckner
Coverfotos:© determined – Fotolia.com
© SimFan – Fotolia.com
© Katharina Wieland Müller / pixelio.de
© Rolf Glöckner / Rückseite
Creator:© Tom Jay
Der Abend schlich dahin.
Im alten Gebäude war es ruhig, nur das gelegentliche Knacken des Dachgebälks und das Rauschen der Blätter der großen Pappeln draußen am Graben, der den Garten abschloss, waren zu hören. Im angrenzenden Buchenwald spielte der Wind mit den Zweigen und trug mannigfaltige Geräusche und Tierlaute zum Haus hinüber.
Die Kinder Carolyn und Tom lagen in Toms kleinem, gemütlichem Zimmer auf dem uralten Perserteppich und schmökerten in Büchern, die sie vor noch gar nicht langer Zeit auf dem Speicher gefunden hatten. Plötzlich erschütterte ein lauter Knall, vom Dachboden ausgehend, das Haus in seinen Grundfesten.
Tom, ein Junge von etwa vierzehn Jahren, für sein Alter relativ groß, mit kurzem, wirbeligem, blondem Haar, schaute überrascht auf. Auch seine Schwester, ein wenig jünger als er und ebenfalls blond, aber langhaarig, fuhr von ihrer Lektüre, in die sie gerade vertieft war, erschrocken hoch. Die Kindern fühlten sich ein wenig beklommen Ihre Eltern hatten ihnen, als sie gemeinsam das Haus verließen, mitgeteilt, dass sie alte Bekannte besuchen wollten und es aus diesem Grund spät werden könne, bis sie wieder zurückkämen. Nun fühlten sich die Geschwister ein bisschen allein und Carolyn fragte ihren Bruder ängstlich: „Was war denn das eben?“
„Ach, da werden wir wohl vorhin beim Bücherkramen etwas unvorsichtig gewesen sein. Es ist irgendetwas auf dem Speicher umgefallen, wir waren wohl etwas unvorsichtig. Wir können ja mal gemeinsam hinaufgehen, nachschauen und es wieder hinstellen, damit die Eltern nicht bemerken, dass wir oben gestöbert haben. Du weißt, sie mögen nicht, dass wir allein auf dem Dachboden herumwühlen“, antwortete Tom und fuhr, fast wie zu sich selbst, nachdenklich fort: „Manchmal denke ich wirklich, sie haben irgendetwas zu verbergen.“
Tom war sich sicher, dass die Eltern nicht einverstanden waren, wenn sie sich in deren Abwesenheit dort aufhielten. Ihr Vater hatte dazu sehr deutliche Worte verlauten lassen. Allerdings bestätigte das Tom wieder in seiner Ansicht, auf dem Speicher sei unter Umständen etwas Geheimnisvolles versteckt, und manchmal glaubte er sogar, dass es auf dem alten Hausboden spuke.
Beispielsweise waren seine Mutter und sein Vater einmal gemeinsam hinaufgestiegen, aber schon nach kurzer Zeit kamen sie in einer Kleidung, die besser ins Mittelalter gepasst hätte, wieder herunter. Das war doch wirklich äußerst seltsam! Was war dort oben wohl vor sich gegangen? Auf Nachfragen der Kinder antworteten die Eltern aber nur sehr ausweichend und erklärten auch mit keinem Wort ihre unterschiedliche Kleidung.
„Na ja, gehen wir eben einmal nachsehen“, antwortete Carolyn widerstrebend, obwohl ihr überhaupt nicht wohl bei dieser Angelegenheit war. Sie mochte nämlich den alten Speicher mit seinen dunklen Ecken und auch die alte knarrende Holztreppe, die steil ins Dunkel führte, nicht sonderlich.
Vorsichtig, fast auf Zehenspitzen und möglichst ohne irgendwelche Geräusche zu verursachen, stiegen die Kinder die steile Bodentreppe hinauf und öffneten die mit rostigen eisernen Bändern beschlagene Tür. Diese schwang knarrend auf und die Geschwister tauchten ein in das Dunkel des alten, staubigen und mit Spinnweben durchzogenen Raumes. Dieser war bis in den letzten Winkel vollgefüllt mit Kisten, Sperrmüll und was man sonst noch auf einem Boden zu deponieren pflegt.
Ein seltsames Licht entströmte dem hinteren Bereich des Speichers. Dort, von wo das Licht zu ihnen herüber schien, hatten ihre Eltern eine Menge alter Möbel und anderes Gerümpel abgestellt, welche in der Mehrzahl wohl noch aus der Zeit der Ururgroßmutter stammten. Aus Erzählungen ihrer Großmutter wussten die Kinder von recht absonderlichen und geheimnisvollen Gerüchten um diese merkwürdige, schon lang verstorbene Ahne. Manche Menschen, die einige der so unglaublich erscheinenden Geschichten von ihren Vorfahren erzählt bekommen hatten, munkelten sogar, sie sei einmal eine in ihren Kreisen sehr geachtete weiße Hexe gewesen.
Den Kindern war es nicht ganz geheuer, aber sie bewegten sich beide tapfer auf das Licht zu, das in der Dunkelheit des Dachbodens vor sich hin zu wallen schien. Mit einem Mal vernahmen sie ein trippelndes Geräusch hinter sich. Eine Maus, die bestimmt auf dem Speicher zu Hause war und sich von den Kindern erschreckt fühlte, lief in Richtung des Lichtes, das aus einem großen alten Spiegel hervortrat. Sie sprang direkt in das Licht hinein und war, verbunden mit einem leisen Geräusch, urplötzlich verschwunden. „Was war denn das?“, entfuhr es Tom.
Er näherte sich vorsichtig dem hell leuchtenden Spiegel. Im Vorbeigehen nahm Tom einen alten, knorrigen Stock, der an einem der Schränke lehnte, in die Hand und berührte mit diesem vorsichtig die gläsern erscheinende Oberfläche. Nichts geschah! Die Spitze des Stockes verschwand vollständig und ohne jeden Widerstand in dem aufwallenden Licht! Wie merkwürdig!
Carolyn schrie unvermittelt auf, als Tom, mutig wie er in seinem jugendlichen Alter war, seinen Kopf mitten in dieses Licht hineinsteckte. „Halt, Tom, du weißt ja gar nicht, was auf der anderen Seite auf dich wartet. Vielleicht ist es gefährlich, sei doch bitte vorsichtig!“ Tom wedelte wild mit den Armen, sein Kopf blieb aber vorerst noch verschwunden. Nach geraumer Zeit, tauchte der obere Teil des Jungen wieder auf. Er rief begeistert:
„Carolyn, so schau doch nur, dahinter liegt eine vollkommen fremdartige, geheimnisvolle Welt! Wir sollten sie uns einmal anschauen, meinst du nicht auch? Ich sehe einen dichten Wald und inmitten dieses Waldes befindet sich eine große, aus alten Steinen gebaute Burg. Komm doch mit, es ist sicher nicht gefährlich, alles sieht so friedlich aus dort drüben. Das müssen wir uns einfach näher ansehen, hinter dem Licht hier verbirgt sich, ich habe es ganz deutlich gesehen, eine neue, völlig andere Umgebung! Das ist spannend! Die Maus ist ja vorhin auch dorthin gegangen, warum sollten ausgerechnet wir das nicht können?“
Vorbereitungen
Die Kinder starrten sich an.
„Sollen wir wirklich?“, flüsterte Carolyn. „Wir wissen doch überhaupt nicht, was uns dort drüben erwartet und was passiert, wenn wir vielleicht den Rückweg nicht mehr finden. Ich habe ein bisschen Panik.“
„Ach“, meinte Tom beschwichtigend, „sei doch nicht so ängstlich, wir werden uns für dieses Abenteuer jetzt erst einmal richtig ausrüsten. Wir müssen wohl eine ganze Menge einpacken, eine Taschenlampe, Taschenmesser, eine Regenhaut, einen Rucksack und, und, und, und ...“ Tom geriet ins Aufzählen all der vielen Dinge, die er auf die Reise mitzunehmen gedachte, worauf Carolyn laut zu lachen begann und fragte: „Aber wer, glaubst du, soll denn das alles tragen?“
Tom, der stets praktisch dachte und handelte, antwortete rasch: „Jeder nimmt einen Rucksack, oh, und vielleicht auch ein Seil, falls wir irgendwo klettern müssen, sowie eine Wurst, Brot, eine große Flasche Wasser und etwas Süßes.“ „Und gute Schuhe und warme Kleidung“, fügte Carolyn aufgeregt hinzu. „Also, lass uns schnell alles einpacken.“
Eilig verließen sie den unheimlichen Ort und stiegen wieder die dunkle, laut knarrende Stiege hinunter, um alles das, was sie gedachten, mitzunehmen und in ihre Rucksäcke zu packen. Als alles gut verstaut war, machten sie sich, beladen mit ihrem Gepäck, auf den Weg die Treppe hinauf und betraten, nun doch mit reichlich Herzklopfen abermals den rabenschwarzen, fast völlig dunklen Dachboden.
Das irisierende Licht aus dem Spiegel erhellte jetzt nur ganz schwach den hinteren Teil des Raumes. Während sie beide auf das Licht zugingen, lag plötzlich vor ihnen ein uraltes, in Leder gebundenes Buch. Carolyn betrachtete es von allen Seiten, schüttelte erstaunt den Kopf und verstaute es schließlich sorgfältig in ihrem Rucksack.
„Warum willst du dich bloß mit solch einem Wälzer von Buch abschleppen?“, fragte Tom seine Schwester erstaunt. „Ich weiß nicht, in mir war plötzlich eine Stimme, die mir sagte, ich solle dieses alte und auch ziemlich schwere Buch mitnehmen, es könnte uns auf der anderen Seite des Spiegels noch von großem Nutzen sein“, antwortete Carolyn selbst etwas verwirrt.“
„Dann gehen wir jetzt endlich, und wenn es uns auf der anderen Seite des Spiegels überhaupt nicht gefällt oder es dort zu gefährlich wird, kehren wir sofort um, das verspreche ich dir“, beruhigte Tom Carolyn. Dann begannen sie vorsichtig, sich dem schillernden Licht in der Ecke des Bodens zu nähern.
Schließlich standen die Kinder direkt vor dem Spiegel. Das Licht irisierte in den verschiedensten Farben und es kam ihnen so vor, als wenn unterschiedlichste Geräusche zu vernehmen seien. Das Herz klopfte Carolyn inzwischen bis zum Hals und auch Tom war unruhiger, als er zugeben wollte.
Gefangen
Marc und June sahen sich an und waren ratlos.
„Was sagen wir jetzt den Kindern, wenn wir nicht früh genug zurückkommen?“, fragte June ihren Mann. Der schüttelte nur den Kopf und antwortete nichts darauf. Stattdessen begann er, die aus einem metallisch schimmernden Material hergestellte Wand ihres Gefängnisses sorgfältig zu untersuchen. „Wie sollen wir hier nur jemals wieder herauskommen?“, wollte June in verzweifeltem Ton wissen.
„Geduld!“, antwortete ihr Mann. „Lass mich einmal schauen.“ Akribisch tastete er die Wände ab und bemerkte, kaum sichtbar, eine kleine unscheinbare Rille, die als ein Oval an der Wand zu sehen war.
„Hier ist etwas!“, stieß er aufgeregt hervor. Marc zog ein kleines Messer, das man ihm wohl vorher versehentlich nicht abgenommen hatte, aus der Tasche und fuhr damit vorsichtig an der dünnen Rille entlang. Plötzlich spürte er einen kleinen Widerstand und verstärkte den Druck des Messers noch ein wenig. Mit einem leisen Knirschen öffnete sich nun die Wand.
Schnell versuchten beide, hineinzugreifen. June riss ein Kissen von der Liegestatt des Raumes und presste es in den jetzt schon weit aufklaffenden Spalt. Nun konnte sich dieser wenigstens nicht mehr so leicht schließen. Mit aller Kraft drückten sie gemeinsam die Platte zur Seite.
„Nun könnte es gehen“, meinte Marc schließlich. „Gleich sehen wir, wo wir uns überhaupt befinden und ob es gleich gelingt, uns zu befreien. Uns im Schlaf einfach zu betäuben und zu verschleppen … Da waren wir wohl doch etwas zu unvorsichtig.“Sie gelangten in einen von diffusem Licht erfüllten Gang, an dessen Ende sich eine Tür zu befinden schien. Gemeinsam gingen sie darauf zu. Die Tür ließ sich ohne Schwierigkeiten öffnen.
Nachdem sie zögernd hindurchgegangen waren, fanden sie sich in einem großen Raum wieder, der angefüllt war mit den unterschiedlichsten Geräten, Skalen und etwas, das wie ein großes Steuerpult aussah. Marc näherte sich dieser Stelle, um sie genauer zu inspizieren.
„June!“, rief er, „Komm bitte mal her, ich glaube, wir befinden uns in der Luft. Von hier aus kannst du es sehen!“
Erschrocken blickten sie hinaus: Direkt vor ihnen türmten sich Wolkengebilde auf. „Und was tun wir nun?“, wollte June endlich wissen.
„Ich versuche, dieses Pult zu verstehen, und dann will ich versuchen, wieder zurück auf die Erde zu gelangen“, antwortete Marc. Sie nickten sich zu.
Überraschendes
„So, da wären wir!“, flüsterte Carolyn. „Und nun?“
„Ach“, antwortete Tom, „ganz einfach, wir steigen jetzt durch den Spiegel und schauen uns auf der anderen Seite um, bevor wir uns zu der Burg oder was auch immer dieses alte Gebäude sein mag, auf den Weg machen.“
„Du solltest aber vorher noch einmal hindurchschauen, damit wir auch sicher sind, dieses fremde Land ungefährdet betreten zu können. Vielleicht ist es dort inzwischen ja dunkel“, wisperte Carolyn und schüttelte sich. „Schau auch mal nach unten, wir wissen ja noch gar nicht, ob wir nicht herunterfallen oder vielleicht sogar ein Seil brauchen, um in diese fremde Welt zu gelangen. Etwas Angst habe ich schon und wenn unsere Eltern zurückkommen und wir dann nicht in unseren Zimmern sind, was werden sie dann wohl denken?“ Tom versuchte, Carolyn wieder etwas zu beruhigen und gab sich lässig: „Wird schon nichts passieren. Ich stecke zu deiner Beruhigung erst noch einmal den Kopf durch das Licht, bevor wir tatsächlich durch den alten Spiegel hindurchgehen.“
Er bewegte sich auf die leuchtende Stelle zu, legte seinen Rucksack ab, nahm die Taschenlampe in die Hand, hielt vorsichtig erst einen Finger in das wabernde Licht des Spiegels, und als bis auf ein leichtes Kribbeln nichts geschah, steckte er, wie er es ja schon einmal getan hatte, seinen Kopf hindurch. Er zog ihn mit einem lauten Aufschrei jedoch sofort wieder zurück.
„Was ist?“, fragte Carolyn nun äußerst beunruhigt.
„Das ist nicht das, was ich vorhin gesehen habe. Komm, schau du doch einmal hindurch, und dann sag mir, was du siehst.“ „Nein“, jammerte Carolyn, „ich habe Angst, lass uns lieber nicht alleine gehen. Was hast du denn überhaupt dort gesehen?“ „Ich erblickte eine Stadt, wie ich noch nie eine in meinem Leben gesehen habe, mit hohen Türmen, Flugwagen, die sich zwischen den Türmen hin und her bewegten, einem großen See am Rande der Stadt und so etwas ähnlichem wie einen Park voll seltsamer Bäume, Pflanzen und Tiere.“ Carolyn begann zu schluchzen. „Ich habe schreckliche Angst, lass uns lieber damit aufhören, du!“
Ein seltsam schmatzendes Geräusch unterbrach Tom, der noch weiter berichten wollte. Das Licht verdunkelte sich und plötzlich stand eine große Gestalt vor ihnen. Aus der Brusttasche der Jacke dieser Gestalt schaute ein kleiner Kopf mit großen runden Augen hervor, der mit piepsiger Stimme sprach:
„Ich glaube, sie haben uns und unseren Weg in die Welten des Spiegels entdeckt!“ „Onkel Hans!“, stöhnte Carolyn auf. „Wie kommst du denn hierher?“
Hans, ein Bruder ihrer Mutter und zugleich ein wenig das schwarze Schaf der Familie, nahm sie beruhigend in den Arm, strich ihr über den unbändigen Haarschopf und antwortete leise:
„Das ist eine lange Geschichte, Carolyn, ich glaube, es ist an der Zeit, euch einiges davon zu erzählen. Lasst uns also nach unten gehen. Ihr schildert mir, wie ihr den Spiegel gefunden habt, und ich werde euch dazu einige Erklärungen liefern. Und sagt doch bitte einfach ‚Hans‘ zu mir, das ‚Onkel‘ könnt ihr getrost weglassen.“
Absturz und Flucht
Marc vertiefte sich gelassen, um sie herum war es vollkommen ruhig, in die Steuerung unmittelbar vor ihm. Einige der zahlreichen Beschriftungen konnte er entziffern, andere versuchte er, so gut es ging, wenigstens zu ergründen und dabei die Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Instrumenten festzustellen.
„Okay“, sagte er, „dieser Hebel hier reguliert wohl die Höhe dieses Flugkörpers; das da scheint etwas mit der Steuerung nach oben und unten zu tun zu haben, und dieser Drehschalter reguliert offensichtlich die Geschwindigkeit. Ich versuche es nun einfach mal. Er drehte ganz langsam an dem Hebel und eine Anzeige veränderte sich zu einer Instrumentenposition hin, die er als Null zu erkennen glaubte. „Jetzt versuche ich, noch ein bisschen tiefer zu gehen.“
Er bewegte wieder einen der Hebel. Auf einer großen Glasplatte, die plötzlich durchsichtig wurde, konnte er jetzt nach draußen schauen: In weiter Ferne tauchte gerade so etwas wie ein Horizont auf. Langsam bewegte Marc den Hebel weiter und der Horizont kam näher. „Musst du nicht auch die Geschwindigkeit etwas drosseln, wenn du landen willst?“, fragte June. „Ja“, erwiderte Marc, „das werde ich jetzt als nächstes versuchen. Wenn ich diesen Hebel dort betätige, ergibt das ja unter Umständen eine Richtungsänderung.“
Er versuchte es. Langsam wanderte der Horizont nach links. „Und nun zur anderen Seite, das scheint ja glücklicherweise sehr einfach zu sein. Nun versuchen wir zu landen.“ Konzentriert bewegte er die Hebel und Drehschalter, als June plötzlich ausrief: „Hier waren wir doch schon einmal! Das ist die Burg dieser beiden komischen Vögel. Versuche doch einfach, da zu landen, vielleicht können wir dort unterschlüpfen.“ Marc erhöhte noch etwas die Geschwindigkeit und rasch kam der Boden näher. Dann nahm er die Geschwindigkeit wieder zurück, denn der mögliche Landeplatz war inzwischen deutlich zu erkennen. „Ich muss dieses komische Gefährt jetzt sofort zu Boden bringen, koste es, was es wolle.“ Er betätigte entschlossen den Hebel, den er zuvor als Bremse identifiziert hatte. Plötzlich war ein lautes Poltern an der Außenseite des Fluggerätes zu hören, die Maschine drehte sich beinahe um sich selbst, sackte ab und schlug mit einem lauten Klatschen auf sumpfigem Erdboden auf. „Schnell raus hier“, schrie Marc, „bevor uns die Besitzer dieses Fliegers erwischen.“
Gemeinsam stürmten sie hinaus aus der Zentrale, durch einen gewundenen Gang hindurch und eine soeben aufgesprungene Luke, die sie direkt nach draußen führte. Aus einer Höhe von etwa zwei Metern sprangen sie in das feuchte Gelände hinab und rannten gemeinsam auf das Gebäude zu, das sich in geringer Entfernung vor ihnen erhob. Sie erreichten gerade das Tor, als sich hinter ihnen - aus dieser Entfernung nahmen sie das Flugzeug als ein nahezu kugelförmiges Gebilde wahr. Einige Luken öffneten sich und eine bis an die Zähne bewaffnete Horde von fürchterlich aussehenden Gestalten machte sich unverzüglich an ihre Verfolgung.
Marc und June erreichten schweratmend und in letzter Sekunde das Tor, das sich wie von Geisterhand bewegt vor ihnen öffnete, und sich, als sie hindurch gestürmt waren, wie von Geisterhand wieder schloss.
Sie waren gerettet!
Ein Familiengeheimnis wird gelüftet
Leise stiegen die drei, wenn man das seltsame Geschöpf dazu zählte, das aus der Brusttasche ihres Onkels hervorlugte, waren sie ja sogar vier - die steile, hölzerne Treppe hinunter. Im großen Wohnzimmer mit den schwarzen Eichenmöbeln und dem Kamin, in dem noch einige Holzscheite vor sich hin glühten, fanden sie alle ein Plätzchen.
Die Kinder warteten gespannt, was der Verwandte ihnen jetzt wohl berichten würde. Der stand aber erst einmal auf und legte zwei große Scheite Buchenholz in die fast erloschene Glut, nahm den Blasebalg und fachte das Feuer wieder an. Als die Flammen zu züngeln und die Schatten geheimnisvoll an den Wänden zu tanzen begannen, setzte er sich in den alten Lehnstuhl, der wohl noch von der Ururgroßmutter stammen mochte, und wollte zu erzählen beginnen, aber da konnte Carolyn es vor lauter Spannung schon nicht mehr länger aushalten und rief:
„Wer oder was ist denn das da in deiner Tasche?“ Hans schmunzelte und entgegnete: „Ja, ob du es glaubst oder nicht, Carolyn, der da in meiner Tasche, das ist mein Ausweis!“
Da hatte er aber etwas gesagt! Die großen Augen ärgerlich aufgerissen und mit den kleinen vierfingrigen Händen wild herumfuchtelnd, piepste das kleine Wesen los:
„Sag, was bildest du dir überhaupt ein? Ich, ein Ausweis? Du würdest doch ohne mich überhaupt nicht zurechtkommen! Überhaupt, ich bin kein Ausweis, ich bin ein Begleiter und heiße Lanudas. Ich komme … Ach was, lass doch diesen Riesen hier erzählen, er weiß doch sowieso immer alles besser.“
Lanudas verstummte und zog sich beleidigt so weit in die Brusttasche der Jacke zurück, dass nur noch die Spitze seines Hutes daraus hervor sah. Also räusperte sich Hans etwas umständlich und begann: „Eigentlich wollte ich ja nur das Buch holen, das ich dummerweise bei meinem letzten Durchgang liegengelassen hatte …“
Wie auf Kommando sprang Carolyn auf, lief zu ihrem Rucksack, öffnete ihn und nahm das Buch heraus, das eigenartigerweise plötzlich auf dem Dachboden vor ihren Füßen gelegen hatte. „Vielleicht dieses hier?“, rief sie.
Onkel Hans nahm das Buch, öffnete es, murmelte so etwas wie „Falsche Seite, falsche Zeit“, klappte das Buch energisch wieder zu und sprach weiter. „Ihr könnt vieles von Vergangenem ja nicht wissen und deshalb möchte ich euch jetzt etwas über das Buch und eure Vorfahren mütterlicherseits erzählen.
Ihr erinnert euch bestimmt nicht mehr, ihr wart noch sehr klein damals, als ich während eures ersten gemeinsamen Urlaubs mit den Eltern das Haus für sie hütete. Ich nahm während dieser Zeit aus Langeweile einige kleinere Reparaturen vor und versuchte auch, auf dem Dachboden etwas Ordnung zu schaffen.
Dabei öffnete ich einen der alten schwarzen Eichenschränke, und es war, als spränge mir das Buch plötzlich von selbst in die Hand. Dabei öffnete es sich und Lanudas fiel mir direkt vor die Füße. Ich erschrak, denn noch nie zuvor hatte ich solch ein kleines Wesen gesehen. Mein Erstaunen war dementsprechend groß.
Nun war es vorbei mit dem Aufräumen, denn Lanudas hatte mir aus Dankbarkeit, weil ich ihn aus dem Buch befreit hatte, eine Menge zu berichten. Und so erfuhr ich, dass seit Urzeiten die Frauen in unserer Familie Reisende zwischen den Welten waren und dies auch heute noch sind. Das erklärt auch“, richtete der Bruder ihrer Mutter das Wort jetzt an Carolyn, „dass das Buch ausgerechnet vor dir auf dem Boden lag. Du wirst wahrscheinlich ebenfalls eine Reisende sein, so wie deine Mutter, die sich allerdings bisher nur einmal auf ein solches Abenteuer eingelassen hat. Da das Buch dich auserwählte, wirst du wohl ihre Nachfolgerin werden.“
„Und was ist mit mir?“, fragte Tom. „Wieso habe ich im Spiegel, als ich hindurchsah, so viele seltsame Dinge wahrgenommen, erst so etwas wie das Mittelalter und dann eine hypermoderne Stadt. Wenn du nicht gekommen wärst, in welchem Land und in welcher Zeit wären wir wohl gelandet und wo hätten wir Hilfe erwarten können, wenn wir uns auf den Weg gemacht hätten? Es sind doch unterschiedliche Länder, und eigentlich müssten es auch unterschiedliche Zeiten sein, oder etwa nicht?“
„Ja, das mit den Zeiten ist richtig“, erwiderte ihr Onkel mit einem Lächeln. „Aber das Buch ist das Wichtigste von allem. Es gibt in diesem Buch viele Hinweise auf Frauen, aber nur wenige Hinweise auf Männer. Ich fand dort beispielsweise meinen Namen in Runenschrift vermerkt und ich denke, auch ein Tom und eine Carolyn sollten dort zu finden sein. Die Männer, deren Namen im Buch erscheinen, können die fremden Welten ebenfalls sehen, so wie du es vorhin durch den Spiegel vermochtest.“
„Und was hat Lanudas damit zu tun?“, wollte Carolyn wissen.
„Er präsentierte mir den Spiegel, den deine Mutter wohlweislich mit einem großen schwarzen Tuch verhüllt hatte, und zeigte mir, wie dieser Übergang in eine andere Welt und in eine andere Zeit genutzt werden kann.“
Das Feuer im Kamin war längst heruntergebrannt, als Hans noch hinzufügte: „Aber genug für heute, morgen ist auch noch ein Tag. Wir gehen jetzt alle schlafen.“
Wie zu sich selbst murmelte er: „Morgen ist sowieso die bessere Zeit, heute wäre es zu gefährlich gewesen.“
Die Kinder protestierten natürlich heftig, aber Hans ließ sich nicht erweichen. „Und wo schläfst du?“, fragte Carolyn. „Ich gehe wieder auf den Dachboden“, antwortete ihr der Onkel.
Die Kinder standen auf, um in ihre Zimmer zu gehen; Hans verschwand mit seinem Troll die Bodentreppe hinauf.
Als es im Haus endlich still geworden war, konnte Tom es nicht mehr länger aushalten. Er schlich, die Taschenlampe in der Hand, hinter seinem Onkel her auf den Dachboden, öffnete die alte Tür und schaute sich um. Alles war finster, nur das Licht der Taschenlampe stach wie ein heller Finger durch die Dunkelheit. Hans war verschwunden. Auch das Licht des Spiegels war erloschen.
Tom wurde es jetzt etwas unheimlich zumute dort oben. Auf Zehenspitzen, sich krampfhaft am Geländer festhaltend, kletterte er vorsichtig wieder hinab.
Schon bald, nachdem Tom seiner Schwester Carolyn über das, was jetzt passiert war, berichtet hatte, suchten die Kinder ihre Zimmer auf, um nach diesem aufregenden Tag noch ein wenig Ruhe zu finden.
Der Durchgang
Plötzlich ertönte aus der Wand neben ihnen eine Stimme: „Ihr könnt hier leider nicht bleiben, von unserem Brunnen, der uns in die Zukunft blicken lässt, haben wir erfahren, dass neue Besucher kommen werden, die euch beiden sehr nahe stehen. Mehr kann ich zu diesem Zeitpunkt leider nicht sagen. Also geht schnell, hier soll nur ein Durchgang sein. Folgt diesem Gang, in dem ihr euch gerade befindet, und geht bis zum vierten Spiegel, den ihr rechts sehen werdet. Den müsst ihr als Übergang in die nächste Welt benutzen, und keinen anderen! Wartet aber am richtigen Spiegel, bis der Gong ertönt, dann erst nutzt den Übergang.“
Das Paar schaute sich verdutzt an. „Was ist das denn für ein geheimnisvolles Gerede“, fragte June. „Wir jagen jetzt schon seit drei Tagen dem geheimnisvollen Buch hinterher, wie soll es denn jetzt weitergehen?“
„Ach“, antwortete Marc, „hätten wir dieses Buch der Vorfahren nur nicht verloren! Was wird nun aus den Kindern, wenn wir nicht rechtzeitig zurückkommen?
Wir wissen doch nicht einmal, wie viel Zeit inzwischen bei ihnen vergangen ist. Du weißt ja, wir bewegen uns, und das macht die Sache nicht gerade einfach, noch in unterschiedlichen Zeitebenen. Nun komm, wir müssen weiter, du hast die Stimme ja gehört, und ich glaube daraus zu erkennen, dass es eilig sein könnte. Komm jetzt, wir sollten uns wirklich beeilen.“
Sie setzten ihren Weg durch den langen Gang fort, durchquerten einen Torbogen und gelangten in einen Raum mit vielen Spiegeln an den Wänden. Vor dem vierten Spiegel an der rechten Seite, so wie es ihnen die Stimme mitgeteilt hatte, hielten sie inne.
Unvermittelt zeigte der Spiegel das ihnen bereits wohlbekannte helle Leuchten und ein Gong ertönte in einem dumpfen Ton. Der Ton vibrierte noch lange nach und dann meldete sich die Stimme erneut: „Ihr werdet euer Ziel erreichen. Am Ende des siebenten Tages erlebt ihr eine große Überraschung. Und nun geht!“
Sie fassten sich an den Händen und traten gemeinsam durch den Spiegel, dessen Licht mit einem schmatzenden Geräusch erlosch. Sie waren verschwunden.
Wohin nur würde sie der Übergang führen?
Der Reisebegleiter
Nach einer unruhigen Nacht, Carolyn und Tom hatten die ganze Zeit vor Aufregung kaum ein Auge zugetan, wurden die Kinder schon am frühen Morgen von Schritten und vom Knarren der Bodentreppe aus ihrem unruhigen Schlummer gerissen. Schnell sprangen sie aus ihren Betten und stürmten, noch mit ihren Schlafanzügen bekleidet, in die große Küche. Dort erwartete sie eine Überraschung, denn ihr Onkel war nicht allein gekommen!
Neben dem Gnom Lanudas, der wie immer aus der Brustasche von Hans‘ Jacke herausschaute und dabei ein höchst missmutiges Gesicht machte, befand sich eine völlig unbekannte Gestalt. Gehüllt in einen dunkelbraunen Umhang, das Gesicht versteckt unter einer tief über das Gesicht fallenden Kapuze, saß sie auf dem Stuhl neben dem großen Herd. Unmittelbar neben ihr stand ein großer Sack, aus dem so manches Seltsame hervorragte.
„Kinder, langsam bitte“, bremste ihr Onkel die überschäumende Neugier der Geschwister, „gleich gibt es zuerst einmal Frühstück mit allerlei leckeren Dingen und natürlich Kakao für uns alle. Dann werden wir wieder einiges zu erklären und auch vorzubereiten haben, damit wir bald gemeinsam auf unsere erste Reise durch den Spiegel gehen können.“ Er wandte sich an die Gestalt in der Kutte und sagte mit freundlicher Stimme: „Und du, Sulass, setze deine Kapuze ab, oder besser, zieh den Umhang aus und komm zu uns an den Tisch. Ich weiß doch, wie gern du Kakao trinkst, und den gibt es nun mal nur in unserer Zeit und hier in unserer Welt.“
Geschmeidig erhob sich die Gestalt, warf mit einer schnellen Kopfbewegung die Kapuze nach hinten und ließ mit einer weiteren, sehr leicht erscheinenden Drehung des Körpers die Kutte dann ganz zu Boden gleiten. Die Kinder, vom Anblick des Wesens in Erstaunen versetzt, saßen ganz still und auch ein wenig ängstlich auf ihren Stühlen und schauten fragend zu Sulass hinüber.
Er oder sie, so genau konnten die Kinder es nicht erkennen, hatte große dunkle Schlitzaugen, an einen Bären erinnernde runde Ohren, eine spitze Nase und einen Mund, aus dem zwei lange scharfe Eckzähne hervorragten. Der Körper war mit schwarzem Fell, das aus kurzen feinen Haaren bestand, bedeckt. An den Händen hatte der Daumen jeweils eine Kralle, die sehr gefährlich aussah und plötzlich mit einem leisen Klicken verschwand. Jetzt war der Daumen ganz mit Fell bedeckt und sah wieder völlig harmlos aus. Die Füße, behaart bis zu den drei Zehen, wiesen ebenfalls zwei scharfe Krallen auf.
Das Wesen erhob sich nun mit einer Leichtigkeit, die auf große Kraft schließen ließ, und setzte sich an den gedeckten Frühstückstisch. Nachdem sie alle Einzelheiten der Gestalt des Besuchers in sich aufgenommen hatte, stotterte Carolyn erschrocken: „Was ist das?“ „Das ist Sulass, er ist ein Rucks und kommt aus einer fremden Welt, in der sie die dominierende Spezies sind“,
antwortete Hans. „Er wird uns auf unserer ersten Reise begleiten, und dazu wird er uns noch mit allem Notwendigen versorgen, das wir als Menschen brauchen. Schütte doch, Sulass, wenn wir gegessen haben, einfach mal den Sack aus, damit wir sehen können, was genau du uns mitgebracht hast.“
Aufgeregt schlangen die Kinder ihr Frühstück herunter und auch Sulass, der nicht viel gegessen, aber umso mehr Kakao getrunken hatte, war jetzt endlich bereit, den Sack zu öffnen.
Alle warteten gespannt, was sich in dem großen Jutesack verbergen mochte, und schon polterte eine große Anzahl unterschiedlicher Gegenstände auf den Küchenfußboden hinunter. Tom sah einen Brustharnisch, ein kurzes Schwert und einen Dolch mit einem fein ziselierten Griff, eine Kappe mit einer Feder, ein Wams mit einer dreiviertel langen Hose und lederne Stiefel. Carolyn dagegen erblickte ebenfalls Hosen, eine Bluse, eine Weste, lederne Halbschuhe, einen Köcher mit Pfeilen sowie einen Bogen.
Woher hatte dieser Sulass wohl Kenntnis davon, dass sie vor etwa einem halben Jahr mit dem Bogenschießen begonnen hatte? Auch Tom war erstaunt über die Dinge, die offensichtlich für ihn bestimmt waren, da sie in der wohl richtigen Größe vorhanden waren.
Hans sagte, etwas verstimmt, zu Sulass: „Und für mich?“, um anschließend etwas in einer seltsamen, an ein Brummen in verschiedenen Höhen erinnernden Sprache Sulass anzusprechen. Der brummte etwas zurück, öffnete dann einen kleinen Beutel, nahm eine winzige Flasche heraus und gab sie den Geschwistern. Dazu machte er eine Bewegung des Trinkens.
Die Kinder schauten ihren Onkel fragend an und der nickte zustimmend. Zuerst nahm Tom, dann Carolyn einen Schluck aus der Flasche, die eine klebrig süße Flüssigkeit enthielt, die ein angenehmes Brennen auf der Zunge hervorrief. Und wie durch ein Wunder verstanden sie plötzlich die Brummlaute, die das seltsame Wesen ausstieß, ganz klar und deutlich in ihrer Sprache. Nun sprudelten die Fragen nur so aus ihnen heraus und gutmütig antwortete Sulass auf alle Dinge, die sie wissen wollten.
Nach einiger Zeit unterbrach sie ihr Onkel und meinte: „Wir wollen nun endlich unsere Reise beginnen. Nehmt die mitgebrachten Kleider, zieht sie an, und wenn ihr fertig seid, gebt mir bitte den Sack, darin ist nämlich noch etwas sehr Wichtiges für mich untergebracht. Danach steigen wir gemeinsam auf den Dachboden hinauf, und das Abenteuer kann beginnen.“
Halt
Marc und June wurden unversehens mitten in eine neue Welt hinausgeworfen. Als sie sich aufrafften und einen ersten Blick auf die neue Umgebung warfen, erblickten sie direkt vor sich eine kleine Stadt.
Ganz unvermittelt tauchte ein Mann vor ihnen auf. Er trug einen Helm, einen schon etwas rostigen Brustharnisch und darunter einem braunen Wams und einer Hose, die in hohen Lederstiefeln endete, richtete ein langes Gewehr auf sie und rief mit lauter, rauer Stimme:
„Halt! Hände auf den Kopf!“
Die Angst kroch in ihnen hoch. Was wollte dieser Mann von ihnen und warum bedrohte er sie mit einer Flinte?
„Wir sind Reisende, also nur auf der Durchreise, lassen sie uns bitte gehen“, sagte Marc mit dem freundlichsten Tonfall, zu dem er fähig war.
