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Spiegelwelten Der Zauberbaum Die Freunde aus den Spiegelwelten werden von einem uralten Baum vor einer großen Gefahr gewarnt. Merkwürdiges geschieht daraufhin in England. Ein gefährlicher Baum überfällt die Polizeistation. Die Freunde und ihre magischen Helfer greifen ein, doch in Oldenburg auf dem Schlossplatz setzt sich der Angriff fort. Über fremde Welten, Yellowstone Park und über die San Andreas Verwerfung in Kalifornien führ der Weg zu den San nach Namibia. Werden die Götter diese uralten Volkes helfen können, die Gefahr endgültig abzuwenden?
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Seitenzahl: 202
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Spiegelwelten Der Zauberbaum
Spiegelwelten
Der Zauberbaum
Ein Fantasyroman von
Rolf Glöckner
1. Auflage Januar 2021
© Rolf Glöckner
Coverfotos:
© Rolf Glöckner, Christian Ahlers, NASA JPL
© Rolf Glöckner privat
Creator: © Tom Jay
ISBN Print: 978-3-9820902-3-8
Rolf Glöckner, geboren 1945 in Georgsmarienhütte, lebt heute in Oldenburg. Er genießt seinen wohlverdienten Ruhestand und befasst sich nun mit Astronomie, Astrophysik, Astrofotografie, allgemeiner Fotografie und natürlich und vor allem mit dem Schreiben. Er ist verheiratet und hat einen Sohn. „Spiegelwelten der Zauberbaum" ist nach „Spiegelwelten Die zwölf Bücher“, „Spiegelwelten Der Kristallkrieg“, „Spiegelwelten Das Hexenschloss“ und „Spiegelwelten Tod im Ton“ der fünfte Fantasyroman in der Spiegelwelten-Reihe des Autors. Zwischenzeitlich hat er Erinnerungen mit dem Titel „Bist Du denn schon einen Meter groß?“ veröffentlicht.
Ein Jahr war nach den Ereignissen und Abenteuer rund um das Hexenschloss und der Aufklärung von Morden in Oldenburg und auf der Ebene von Nazca vergangen. Die Familie ging ihren Beschäftigungen nach und es war ruhig geworden an der Südküste von England.
Es geschah an einem frühen Morgen Ausgang des Sommers, als Carolyn, inzwischen schon eine hübsche junge Frau, aus dem Schlaf hochschreckte. Einen so real aussehenden Traum hatte sie überhaupt noch nicht gehabt! Ein knorriger alter Baum hatte zu ihr gesprochen. Sie versuchte, sich zu erinnern. Gedankenfetzen schossen ihr durch den Kopf. Sie sprang mit einem Satz aus ihrem Bett und stürmte in das gegenüberliegende Zimmer ihres Bruders Tom. Er schlief noch. Carolyn beugte sich zu ihm hinunter und rüttelte an seiner Schulter. Tom öffnete mürrisch ausschauend seine Augen und fragte unwirsch: „Was ist denn los, Schwester?“
Carolyn stammelte aufgeregt: „Ich hatte einen seltsamen Traum, lass uns aufstehen und beim Frühstück werde ich, so weit ich mich noch erinnern kann, alles erzählen. Zumindest will ich es versuchen!“, fügte sie hinzu. Tom rollte sich knurrend aus seinem Bett, zog sich eine Trainingshose und einen Pulli an und folgte seiner Schwester hinunter in das große Wohnzimmer.
June und Marc, die Eltern der jungen Leute und immer wieder hilfreiche Begleitung bei den vergangenen Abenteuern, saßen schon am großen Frühstückstisch und sahen die beiden jungen Leute erstaunt an. „Ihr seid ja früh dran, was treibt euch denn schon um diese Zeit aus dem Bett?“, wollte June wissen. Tom, immer hungrig, antwortete: „Wir machen uns erst unser Frühstück und dann möchte Carolyn von einem Traum erzählen, der sie heute Nacht aus dem Schlaf hochgeschreckt hat.“ Carolyn und Tom verschwanden in der Küche und rumorten dort eine Weile herum, bevor sie zurückkamen. Bald hatten sie Platz genommen. Carolyn nahm sich einen Löffel Müsli und begann zu erzählen.
„Ich träumte von einem Baum, eigentlich war er nur noch ein alter, knorriger Stamm. Es war so deutlich und der Baumstamm sagte zu mir: „Findet mich, ich brauche eure Hilfe. Etwas kommt auf mich und auch auf euch zu, aber meine Kraft, so denke ich, reicht nicht aus, um es aufzuhalten. Allein kann ich mich dem nicht entgegenstellen, was ich so deutlich sah. Noch ist es nicht hier auf dieser Welt, aber es ist unterwegs. Es gehört nicht zu diesem Planeten auf em wir leben. Woher die Bedrohung kommt, kann ich nicht sagen.
An dieser Stelle aber fand ich auf meiner Suche nach Hilfe die stärkste Zauberkraft auf der Erde. Bitte macht euch auf den Weg und findet mich, wir werden dann eine große Reise unternehmen müssen, um Hilfe zu bringen.“ Sie fuhr fort: „Und dann war noch dieses Gewächs mit den hängenden Zweigen und einer von ihnen begann sich zu bewegen. Er zeigt auf etwas an seinem Körper, welches ich als eine Schleife aus grünen peitschenartigen Zweigen erkennen konnte. Es war mir, als solle ich dort etwas herausnehmen. Dann rauschte es laut und ich wurde schlagartig wach. Was sagt ihr zu meinem Traum? Kommt da ein neues Abenteuer auf uns zu oder wie soll ich diesen Traum verstehen.“
Tom hatte aufmerksam zugehört und meinte dann, Spott lag in seiner Stimme: „Jedes Mal, liebe Schwester, wenn Du einen Traum hattest, gerieten wir in Schwierigkeiten. Hoffentlich hat das, was du geträumt hast, nicht schon wieder eine besondere Bedeutung für uns und unsere Freunde. Allerdings hätte ich Lust, mich wieder einmal auf eine gefahrvolle Reise zu begeben.“ Eine bekannte Stimme unterbrach ihn. „Tom, sei bitte nicht so voreilig. Alles sollte, wie immer, gut überlegt sein!“ Tom fuhr herum. „Hans!“, brach es aus ihm heraus. „Wo kommst denn du plötzlich her, ich habe dich nicht kommen hören! Und was weißt du?“
Eine zweite Stimme meldete sich und keifte los: „Bloß, weil die junge Hexe einen Traum hatte, ist noch lange nicht bewiesen, dass eine Gefahr droht. Ich jedenfalls weiß bisher von nichts!“ Tom stöhnte auf. „Natürlich Lanudas! So war der vorlaute Troll natürlich auch schon wieder hier.“
Hans setzte sich, sah nachdenklich vor sich hin und sagte dann: „Etwas geht vor und jetzt möchte ich den Traum von Carolyn hören. Vielleicht kann ich dann eine Verbindung herstellen zu dem, was ich auf meiner letzten Reise erfahren und auch erlebt habe.“ Er verstummte und sah Carolyn auffordernd an. Die junge Hexe ließ sich nicht lange nötigen und erzählte ihren Traum in allen Details noch einmal. Hans, der Onkel der jungen Leute, hörte aufmerksam zu, nickte einige Male bestätigend und als Carolyn geendet hatte, sagte er: „Ich glaube, da passt einiges zusammen. Das, was ich erlebte, hatte ebenfalls mit Bäumen zu tun und es war schon sehr merkwürdig. Da gibt es jemanden, der ihnen nicht folgen will und das scheint der zu sein, welcher Carolyn im Traum erschienen ist. Ich denke, wir müssen ihn finden. Der mit den Hängezweigen wird ebenfalls eine besondere Bedeutung haben, sollte doch Carolyn etwas herausnehmen.“ Sein Gesicht wurde immer nachdenklicher.
Er zog Lanudas an seiner Zipfelmütze aus seiner Tasche, sah ihn fragend an und wollte wissen: „Was hast du nicht gehört und warum weißt du von nichts? Immer wenn du das sagst, verheimlichst du mir etwas! Also heraus damit, was hast du gehört und von wem?“
Der Troll wand sich unbehaglich in der Hand von Hans hin und her, bevor er losfistelte: „Meine Freunde aus der Welt der Schwammer, ihr kennt sie ja, haben auf ihrer Welt einige Probleme, ich habe es aber als nicht so gravierend empfunden, deshalb habe ich nichts gesagt.“
„Und was ist das vor ein Problem?“, wollte Carolyn wissen und der Troll antwortete: „Irgendwas überwuchert rasend schnell das Grasland ihrer Welt und legt Schatten über ihr Land. Sie leben zwar unter der Erde, aber sie benötigen das Gras und andere Pflanzen für ihre Ernährung. Vieles ist durch das fehlende Sonnenlicht, welches die dichten Blätter nicht mehr durchdringen kann, schon abgestorben und nun bitte sie uns um Hilfe.“ Währenddessen erschien mit einem leise klirrenden Geräusch ein leuchtender Fleck an der Wand des großen Raumes und heraus schälte sich ein Gesicht. „Maryan!“, stieß Carolyn hervor, „Was treibt dich her?“ Die junge Frau sah ihrer Freundin, die sie schon vor ihrem letzten Abenteuer kennengelernt hatte und die ihr die Grundlagen der Zauberei beigebracht hatte, lange an und sagte dann:
„Etwas passiert hier bei uns in der Stadt. An einigen Stellen wachsen plötzlich Bäume mit großer Geschwindigkeit. Bisher sieht es noch nicht gefährlich aus. Wisst ihr etwas davon?“ „Ja“, antwortete Carolyn. „Ich hatte einen seltsamen Traum, in dem mir ein uralter Baum eine Warnung übergab und uns und unsere Freunde um Hilfe bat. Er gab mir zu verstehen, dass wir ihn finden müssten. Bald, wenn unsere Freunde eingetroffen sind, werden wir uns auf die Suche machen, um mit ihm zu sprechen. Wir benötigen bestimmt noch viele Informationen.“
„Und was versprecht ihr euch von der Suche?“, wollte Maryan wissen. „Das können wir leider noch nicht sagen“, warf Tom ein. „Wir werden dich auf dem Laufenden halten.“ Maryan richtete ihren Blick an Carolyn und fragte: „Wie hat denn der Baum in deinem Traum ausgesehen? Kannst Du mir sagen, wie er aussah?“ Carolyn tat ihr den Gefallen und versuchte, ihren Traumbaum so genau wie möglich zu beschreiben. Das Mädchen dankte, das Licht erlosch und die Freundin aus Oldenburg war verschwunden. Dann geschahen mehrere Dinge fast gleichzeitig! An der schweren eichenen Haustür klingelte es. Tom öffnete und sah.... Nichts! Erst als er sich nach vorn beugte, standen da Lakuno und Ladina, die zwei Trolle auf der Fußmatte!
Sekunden später war über dem Garten ein Rauschen zu hören und auf dem Rasen landete, etwas ungeschickt, Dracontor, der weise Drache und stieß eine Feuerkugel aus seinem geöffneten Rachen in den Himmel. Inzwischen waren auf der Bodentreppe schwere Schritte zu hören und Sulass, der Rucks, natürlich mit seinem großen Sack, ging ins Wohnzimmer, legte seinen Sack hinter einen Sessel, setzte sich und sah mit seinen großen braunen Augen neugierig in die Runde. Carolyn und auch Tom, der inzwischen mit den Trollen wieder im Wohnzimmer angekommen war, sahen sich erstaunt an. Woher wussten die Freunde, dass sie benötigt wurden, und warum waren sie so gleichzeitig gekommen?
Vor dem Haus waren plötzlich laute Motorgeräusche hörbar und ein altes Auto, dessen Polizeifarbe fast nicht mehr zu erkennen war, hielt mit lautem Geknatter und quietschenden Bremsen auf dem Kiesweg der Einfahrt. Der Polizeibeamte des Ortes, O’Donnell mit Namen, stieg aus, ging zum Haus hinüber, stieg die große Freitreppe hinauf und klopfte an die Tür. Tom, der die Ankunft des Polizisten schon gesehen hatte, öffnete und sah den Officer fragend an. „Das müsst ihr euch unbedingt anschauen!“, stieß O’Donnel aufgeregt hervor. „Mitten in meiner Wache wächst ein Baum, er hat rasiermesserscharfen Stacheln, mit einer unheimlichen Geschwindigkeit empor. Als er an der Decke angekommen war...“ Tom unterbrach ihn und sagte: „Kommen Sie herein, dann muss ich nicht alles noch einmal erzählen.“ Gemeinsam gingen sie ins Wohnzimmer und der Polizist begann erneut zu berichten und fuhr dann fort: „Als der stachelige Baum die Decke erreichte, ertönte ein schrilles Geräusch, die Decke bekam ein Loch und jetzt wächst die Pflanze durch mein Büro im ersten Stock. Wenn ich zurückkomme, so befürchte ich, hat der Baum bereits das Dach zerstört. Wer von euch könnte mich denn begleiten, um den Horrorbaum anzuschauen? Vielleicht könnt ihr mir ja helfen, ihn zu beseitigen?“
Er schaute Carolyn an, von der er wusste, dass sie etwas Besonderes war und über seltsame Kräfte verfügte und dachte: „Vielleicht verfügt sie ja über Mittel, den Baum zu beseitigen.“
Tom, die Abenteuerlust in ihm war urplötzlich erwacht, sprang auf und rief: „Hans, los komm, nimm Deine Trolle mit und Carolyn komm du bitte auch und vergiss deinen Zauberstab nicht.“ „Langsam“, antwortete Hans. „Vielleicht möchte der Rucks mit seinem Sack uns begleiten, dann müssen wir nicht unnötig Werkzeug mitnehmen. Sulass, kommst du mit uns? Wir müssten dann allerdings unseren Jeep nehmen, alle passen wir ja nicht in den Polizeiwagen.“ Der große Bär brummte eine Zustimmung und auch die Trolle hüpften und sprangen aufgeregt umher und begannen, an Hans emporzuklettern, um sich in einigen seiner Jackentaschen zurückzuziehen. Gemeinsam verliessen sie das Haus und machten sich auf den Weg. Carolyn und Tom stiegen zum Officer in sein Auto, die anderen kletterten in den alten Jeep, den Hans mit einigem guten Zureden zum Starten hatte überreden können und ihn aus der Scheune herausfahren konnte. Mit lautem Motorengeräusch folgten sie dem Polizeibeamten und schon bald erreichten sie die örtliche Polizeistation am Rande des kleinen Dorfes. Dort hatten sich schon einige der Bewohner versammelt.
Sie schauten erschreckt auf das, was sich ihnen darbot. Aus dem Dach der Polizeistation, welches zum größten Teil zerstört war, ragte ein Monster von einem Baum heraus. Die Zweige waren mit großen Stacheln besetzt, die etwa zwanzig Zentimeter lang waren und gefährlich spitz aussahen. Die Geschwister sahen sich an. „Was ist das denn“, stieß Tom hervor. Sulass brummte etwas, setzte seinen großen Sack ab, öffnete ihn und nahm eine gefährlich aussehende Lanze heraus. Er richtete sie auf den Baumwipfel, als es geschah. Die Zweige peitschten in die Richtung der Gruppe und die langen Stacheln des Baumes lösten sich mit klickenden Geräuschen und flogen mit einem auf- und abschwellenden Ton auf die Umstehenden zu. Carolyn und auch die Trolle reagierten fast gleichzeitig. Ein Zauberstab und die drei magische Mittelfinger der Trolle richteten sich empor und schufen mit einer Woge aus Licht eine undurchdringliche Wand, an der die gefährlichen Geschosse abprallten und wirkungslos zu Boden fielen.
Plötzlich übertönte ein lautes Rauschen die erregten Schreie der umstehenden Menschen. Ein riesiger Drache schwebte mit gemächlichen Flügelschlag seiner großen ledrigen Schwingen auf den gefährlichen Baum zu, schraubte sich über ihm in die Höhe, öffnete sein Drachenmaul und schoss eine grell leuchtende Feuerkugel auf den Stamm des Baumes ab.
Die Pflanze stieß einen gellenden Schrei aus und der Teil des Stammes, der getroffen wurde, löste sich in Asche und Rauch auf. Die Reste des Stammes stürzten auf das Dach der Polizeistation. Ziegel und Steine flogen umher. Noch immer stand vor ihnen die leuchtende Wand, die Carolyn und die Trolle vor sich erzeugt hatten. Nachdem sich der Staub gelegt hatte, stotterte O’Donnell: „Was soll ich denn nun tun, mein Haus ist zerstört von einem Baum. Ich verstehe das nicht! Danke, dass ihr mir geholfen habt. Wo aber soll ich denn jetzt wohnen?“ Marc, der sich bisher im Hintergrund gehalten hatte, meldete sich zu Wort.
„Du kannst bei uns unterkommen, bis deine Polizeistation wieder repariert ist, wir haben genügend Platz im großen Haus.“ „Und was mache ich mit dem kleinen Gefängnis?“, wollte der Polizeibeamte wissen und Mark antwortete lachend: „Das richten wir in unserer Scheune ein, dort sperren wir die Bösewichte ein, werden wohl so viele nicht sein.“ Die Wand aus Licht, die sie vor dem Angriff des gefährlichen Baumes geschützt hatte, war inzwischen erloschen, als die Trolle begannen, einen irrwitzigen Tanz aufzuführen. Sie fassten sich an die Hände und über ihnen bildete sich eine Glocke aus Licht, strahlend hell. Sie trieb auf die Polizeistation zu, stieg empor, wurde schwarz und stülpte sich über das stark beschädigte Haus.
Ein Rumoren begann und die Teile des Baumes, die das Feuer überstanden hatten, flogen in hohem Bogen hinter das Gebäude. Dachziegel und Steine, die auf dem Vorplatz lagen, verschwanden urplötzlich und kurze Zeit später erlosch die schwarze Haube. Das Haus stand, fast wie vorher aussehend, an seinem Platz. O’Donnel stand wie angewurzelt da und konnte nicht glauben, was er soeben miterlebt hatte.
Tom, der das Geschehen aufmerksam betrachtete, sah plötzlich überall dort, wo die gefährlichen Stacheln am leuchtenden Schirm abgeprallt waren, kleine Keimblätter aus dem Boden kommen. Laut sagte er in die immer noch starr stehende Menge: „Ich glaube, es ist noch nicht zu Ende, da regt sich gerade etwas!“
Hans zuckte zusammen. Dann sah er es auch. „Ich glaube, wir müssen noch einmal tätig werden. Sulass, hast Du etwas in Deinem Sack, was wir vielleicht verwenden könnten?“ Der große Bär brummte etwas, setzte seinen Sack ab, griff hinein und nahm eine große, aus braunem Papier bestehende Tüte heraus. Er gab sie Tom und brummte: „Auf jedes Blatt ein Korn. Die Trolle sollen Dir dabei helfen, sie sind näher am Boden und werden dafür sorgen, dass von den neuen Pflanzen nichts übersehen wird.“ Tom nahm die Tüte, rief die Trolle zu sich und gemeinsam brachten sie Korn um Korn auf die Sämlinge aus.
Ein schrilles Piepsen erfüllte die Luft, die Blätter kräuselten sich, zogen sich zusammen, wurden braun und zerfielen zu Staub, der von einem leichten Wind davon geweht wurde. Aufmerksam suchte Tom den Boden erneut ab. Er konnte keine der gerade aufgegangenen großen grünen Keimblätter mehr entdecken. Er atmete auf, wandte sich an seinen Onkel und fragte: „Und nun? Müssen wir uns jetzt nicht um Carolyns Traum und den Baum kümmern? Und was machen wir mit den Schwammern? Wie können wir dort helfen? Hier war es ein Baum, dort werden es schon viele sein. Ich denke, Dracontor sollte eine Gruppe von Drachen zusammenstellen und sich auf den Weg zu den Schwammern machen. Unser Freund hat ja hier den Baum in seine Schranken gewiesen.“ Hans nickte zustimmend.
Maryan, nachdem sie mit Carolyn gesprochen und ihr mitgeteilt hatte, was derzeit in Oldenburg vorging, versuchte, den Baum, den ihre Freundin aus England beschrieben hatte, auf ein großes Blatt Papier zu zeichnen. Immer wieder kam das Radiergummi zum Einsatz und nach einer geraumen Zeit nickte sie, legte das Blatt zur Seite und begann zu überlegen. Wo hatte sie solch einen alten Baum schon einmal gesehen? Sie dachte an die vielen Ausflüge, die sie mit der Schule oder auch mit ihrer Mutter unternommen hatte. Irgendwie kam ihr das Bild, welches sie gezeichnet hatte, immer bekannter vor. Sie war dort schon einmal gewesen! Aufgeregt stand sie auf, griff nach ihrem Telefon und rief ihre Freundin Maya an. Aufgeregt erzählte sie, was sich zugetragen hatte und schon Minuten später klingelte es an der Tür. Maryan stürmte nach unten und öffnete die Tür, ließ Maya eintreten und schon kurze Zeit später unterhielten sie sich aufgeregt darüber, was Maryan von ihrer Freundin Carolyn aus England erfahren hatte.
Ihre Freundin, sie waren seit Kindertagen befreundet und hatten die gleiche Schule besucht, ließ Touren und Ausflüge Revue passieren. Dabei schaute sie immer wieder auf die Zeichnung, die Maryan angefertigt hatte.
„Ich glaube, ich habe solch einen Baum schon einmal gesehen“, sagte sie dann nachdenklich. „Es war auf einem Ausflug und es war nicht weit von Oldenburg entfernt. Ich bin mir aber nicht sicher. Ich glaube, es war auf einem der vielen Schulausflüge in die nähere Umgebung der Stadt. Ich schaue mal, ob ich damals ein Foto gemacht habe.“ Sie begann, in einer Schublade zu kramen, und schließlich holte sie einen dicken Umschlag hervor, auf dem „Schulausflüge“ stand. Sie nahm die Bilder heraus und gemeinsam begannen sie, die Fotos anzuschauen. Plötzlich hielt sie inne, nahm ein Bild in die Hand und legte es auf den Tisch. „Das ist der Baum, der mir von Carolyn beschrieben wurde, ganz bestimmt!“, stieß sie hervor. Ihre Freundin nahm das Bild, schaute es lange an und meinte dann: „Ja, da waren wir, der Baum steht in einem kleinen Ort, lass uns das Bild zu Carolyn schicken.“ Maryan griff nach einem kleinen Kästchen, welches hinter ihr im Regal lag, öffnete das Behältnis und nahm einen Stab heraus. Sie wandte sich an ihre Freundin, sah sie an und sagte dann: „Was du jetzt siehst, darfst du unter keinen Umständen weitererzählen! Ich verrate dir jetzt mein Geheimnis!“ Sie lächelte und sprach weiter: „Maya, ich bin eine Hexe!“ Ihre Freundin schaute sie ungläubig an. Das hatte sie nicht erwartet und was war das für ein sonderbarer Stab? Noch immer schüttelte sie ungläubig den Kopf, als Maryan das Bild vor sich auf den Tisch legte.
Sie richtete den Stab auf das Bild und murmelte etwas, welches Maya nicht verstand. Aus der Spitze des Stabes fuhr ein leuchtender Funke, berührte das Bild und mit einem leisen Schmatzen war dieses verschwunden. „Wie hast du das gemacht und wo ist das Bild nun?“, wollte Maya wissen. „In England, bei meiner Hexenfreundin Carolyn“, entgegnete Maryan. Etwas Sonderbares geschah plötzlich. An der Decke bildete sich ein spiegelnder Kreis, der unversehens durchsichtig wurde. Eine junge Frau erschien im Kreis, sah Maryan an und fragte: „Wer ist das da bei dir?“ „Das ist meine Freundin“, antwortete Maryan, „ich habe ihr von unseren Künsten erzählt und sie hat mir hoch und heilig versprochen, es für sich zu behalten.“ „OK“, erwiderte Carolyn, „dann lass uns über das Bild sprechen. Es ist genau der Baum, den wir suchen. Wo steht er denn?“ „Ganz in der Nähe von Oldenburg, er wird auf eintausend Jahre geschätzt und wir haben ihn vor, glaube ich, vor zwei Jahren bei einem Schulausflug gesehen.“ Maya nickte und fügte hinzu: „Der uralte Baum steht auf dem Dorfplatz und die Straße führt um ihn herum. Die Dorfbewohner haben ein kleines Geländer angebracht, auf deren Innenseite eine Rasenfläche angelegt ist. Wenn ich mich recht erinnere, hat ein Mitschüler von uns dort ein Foto geschossen und uns dieses Bild geschenkt. Dieses Foto hast du eben hinweg gezaubert. Wie geht diese Geschichte denn nun weiter?“
Von der Decke ertönte die Stimme von Carolyn und im Hintergrund war ein junger Mann zu sehen. „Wer ist das denn?“, flüsterte Maya und Maryan antwortete: „Das ist Tom, er ist der Bruder von Carolyn.“ Maya lächelte in sich hinein. „Na, na, na“, ertönte die Stimme von Carolyn, „ihr werdet euch sicher noch kennenlernen. Aber nun müssen wir zum Baum gehen, ich schicke euch die Trolle, sie können euch in Sekundenschnelle zu eurem Ziel bringen. Ich habe ihnen gesagt, was sie tun müssen. Erschreckt nicht, wenn es gleich laut wird.“ Sie hatte es kaum ausgesprochen, als ein Knall ertönte und drei zwergenhafte Gestalten aus der Decke auf den großen Teppich fielen.
„Das sind Lanudas, Lakuno und Ladina, zwei Trollmänner und eine Trollfrau. Sie besitzen magische Kräfte und haben den Oldenburger Kommissaren bei unserem letzten Abenteuer sehr geholfen. Ich glaube, sie können uns zum Baum bringen.“ Einer der Trolle fistelte los: „Nun beeilt euch mal, das Bild habe ich wieder mitgebracht, Maryan, nimm es in die Hand und stellt euch beide eng zusammen auf, so dass wir drei uns an den Händen fassen können. Nun macht schon!“ Maryan, die die Trolle schon einige Male erlebt hatte, griff die Hand von Maya und zog sie zu sich heran. Die Trolle bildeten einen Kreis und begannen zu tanzen.
Immer schneller wurden ihre kleinen Schritte und an der Decke bildete sich ein schwarzer Trichter. Er senkte sich herab und umschloss die fünf Gestalten ganz. Die Mädchen verspürten einen starken Wind, der sie davontrug. Nur Sekunden später fielen sie aus geringer Höhe auf eine weiche Rasenfläche. „Wo sind wir?“, stotterte Maya, sah sich um und erschrak. Vor ihnen war der Baum zu sehen, den sie als Foto an Carolyn geschickt hatten und das nun Maryan wieder in der Hand trug. Die Trolle waren so schnell, wie ihre kurzen Beine es zuließen, auf den Baum zugestürmt und legten ihre langfingrigen Hände an seine Rinde.
„Was macht ihr da?“, rief Maryan und schon, wie vom Winde verweht, hörten sie die leiser werdende Antwort. „Wir bringen ihn nach England, euch holen wir danach, bitte bleibt aber nicht auf diesem Platz, geht zu der nahegelegenen Kirche und versteckt euch dort. Wir finden euch und transportieren euch dann ebenfalls nach England.“ Der Baum begann sich aufzulösen, seine langen Wurzeln entfernten sich aus dem Boden, dieser schloss sich sofort wieder, Gras wuchs hervor und es sah aus, als wenn dort niemals ein Baum gestanden hätte. Dann war der uralte Stamm mitsamt den Trollen verschwunden. Maryan sah Maya an und sagte mit leiser Stimme zu ihr: „Wir sollten tun, was die Trolle gesagt haben, lasst uns hier verschwinden, den Kirchturm sehe ich schon.“
Schnell schritten sie darauf zu, fanden eine Bank im Schatten des alten Gemäuers und setzten sich.
In der Nähe wurde es laut. Mehrere Anwohner und auch Besucher hatten das Fehlen des Baumes bereits bemerkt und diskutierten darüber, wo denn der Baum wohl geblieben sei und wie er hatte so spurlos verschwinden können. Die Freundinnen lauschten gespannt, als es hinter ihnen knisterte. Die Trolle waren zurück und baten die Mädchen, sich für den Rückweg bereitzumachen.
Wieder begannen sie zu tanzen, der schwarze Trichter bildete sich und saugte sie auf, um sie sofort wieder auf einem Rasen vor dem alten Herrenhaus in England erscheinen zu lassen, direkt vor dem Baum, der vor kurzer Zeit noch nicht weit von Oldenburg gestanden hatte.
Die große Tür des Hauses öffnete sich und Carolyn, Tom und ein merkwürdig aussehender Bär liefen die Treppe hinunter. Vor dem Baum angekommen frage Carolyn: „Baum, du hast mich gerufen und mir einen Traum geschickt. Nun möchte ich wissen, um was es geht, welches die Gefahr ist und wie wir dir helfen können.“
