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Ein Nickerchen auf dem Sofa, ein Häppchen aus dem Futternapf, gelangweilt Krallen wetzen am Kratzbaum – der Tag einer Wohnungskatze kann ganz schön öde sein. Doch jetzt kommt Leben in die Bude: Mit flotten Such- und Angelspielen für Flinke, IQ-Tests und Denksportaufgaben für Clevere und Katzen-Agility für Akrobaten. Über 50 Ideen garantieren die schönsten Spieleabende allein, zu zweit, zu dritt!
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Seitenzahl: 91
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Spielen, das scheint die einfachste Sache der Welt zu sein: ein genüsslicher Zeitvertreib, den auch Katzen zu schätzen wissen. Und es wäre nicht Mutter Natur, wenn sie der unbeschwerten Leichtigkeit des Spiels nicht einen tieferen Sinn verliehen hätte.
Ob Kätzchen, Katze im Erwachsenenalter oder Katzensenior, gespielt wird mit Hingabe, entweder allein, mit Artgenossen oder mit dem Lieblingsmenschen. Spielen ist mehr als eine willkommene Abwechslung mit Spaßfaktor. Es dient dem Kennenlernen von sozialen Partnern, unterstützt die körperliche Fitness, bringt seelische Ausgeglichenheit und motiviert zum Lernen. Katzen müssen spielen!
Mag die Wichtigkeit des Spiels auf den ersten Blick nicht gleich ersichtlich sein, so ist Spielen eine durchaus ernsthafte Sache. Denn von Kindesbeinen an trainieren Katzen mit Neugier und Freude am Erkunden unverzichtbare Fertigkeiten für das Leben als Jägerin. Im Erwachsenenalter behalten sie das Interesse an spielerischen Aktivitäten bei und leben manchmal so ihren Jagdtrieb aus.
© Tierfotoarchiv-Drewka/Kosmos
FRÜH ÜBT SICH
Toben und Balgen, Drohen und Raufen. Im Gerangel mit dem Geschwisterchen wird die soziale Kompetenz geschult.
© Tierfotoarchiv-Drewka/Kosmos
Sie balgen sich, toben umher, schlagen Haken wie Hasen, bäumen sich auf, um sich mit einem Satz auf den Spielpartner zu stürzen. So sieht das Spiel von Kätzchen aus: übertrieben und packend. Spielverhalten wird oft übertrieben gezeigt, im Gegensatz zum Verhalten im Ernstfall. Mimik und Körpersprache zeigen deutlich: Hier wird gespielt! Das ist wichtig, damit ein spielerischer Angriff nicht als ernsthafte Konfrontation verstanden wird. Die Bewegungsabläufe im Spiel werden mit größerem Kraftaufwand, höherer Geschwindigkeit und in häufigeren Wiederholungen ausgeführt. Vor allem Handlungsabläufe aus verschiedenen Verhaltensbereichen, wie aus dem Bereich des Beutefangs, werden geübt. Mit dem Perfektionieren körperlicher Fertigkeiten wird zugleich das Wahrnehmungsvermögen geschult und die Reaktionsfähigkeit verbessert.
Bei spielerischen Aktivitäten werden nützliche Erfahrungen gesammelt, neue Lösungen getestet und somit die Leistungsfähigkeit des Gehirns trainiert. Während der Spielphasen vernetzen sich die Gehirnzellen schneller miteinander und die Lernbereitschaft des Tieres ist währenddessen am größten. Spielerisch werden Lerninhalte vermittelt, die der Katze auch im Zusammenleben mit dem Menschen von Nutzen sind. Das Spiel ist jedoch nicht nur für die Entwicklung von Kätzchen in der Wachstumsphase bedeutend, sondern spielt in jedem Lebensalter eine große Rolle. Nervenzellen von Tieren, die stetig lernen und in einer anregend gestalteten Umwelt leben, sind länger und verzweigter als im Normalfall. Das wiederum bewirkt, dass die Tiere aufgeweckter, neugieriger und geistig reger sind.
© Tierfotoarchiv-Drewka/Kosmos
1. Anfangs ein zärtlicher Nasenstubs für Mama …
© Tierfotoarchiv-Drewka/Kosmos
2. … wandelt sich das Verhalten schnell zur übermütigenSpielaufforderung.
Die ersten drei Wochen im Leben eines Kätzchens sind noch sehr beschaulich und von Ruhe geprägt. Schlafen, Kuscheln und Milchtrinken stehen auf dem Tagesplan. Etwa gegen Ende der dritten Lebenswoche werden gesunde Kätzchen mobil und die Umgebung wird genau unter die Lupe genommen. Auch die ersten sozialen Spiele mit den Wurfgeschwistern beginnen ab der vierten Lebenswoche. Beliebtes Spielobjekt ist die Katzenmutter, die es anfänglich geduldig erträgt, wenn ihr Nachwuchs sie mit einem Kletterbaum verwechselt oder ihr in den Schwanz beißt. Mit ungefähr sechs Wochen ist die Bewegungskoordination so ausgeprägt, dass die Katzenkinder sich wilde Verfolgungsjagden liefern, abwechselnd Angriff und Verteidigung üben und Luftsprünge ausprobieren. Das soziale Spiel verleiht Selbstbewusstsein und lässt die Kleinen schon mal Grenzen überschreiten. Schnell gibt es jedoch Kontra von den Mitspielern oder von der Katzenmutter, wenn die nadelspitzen Zähnchen zu stark eingesetzt und die samtpfotigen Umgangsformen missachtet werden. Etwa ab der siebten und achten Woche beginnt das Spiel mit Gegenständen. Das ist der Zeitraum, wo Katzen die Bewegungsabläufe visuell koordinieren und kleine, bewegliche Objekte fangen können. Gespielt wird mit allem, was dem Kätzchen in die Pfoten fällt und sein Interesse weckt: Bewegt es sich, raschelt oder quietscht es? Oder duftet es besonders verführerisch?
© Tierfotoarchiv-Drewka/Kosmos
Katzenmütter sind geduldig und machen oft gute Miene zu wildem Spiel.
Kontakte knüpfen, Beziehungen aufbauen und festigen sind für die soziale Kompetenz unerlässlich. Spielerisch lassen sich Freundschaften knüpfen und Erfahrungen im Umgang mit Artgenossen sammeln. Auch die Kontrolle der eigenen Aggression erlernen Katzenkinder im Spiel. Wendet sich der Spielpartner ab oder reagiert gar mit einem Pfotenhieb oder Gegenbiss, begreift das Kätzchen schnell, wie weit es gehen darf, und ab wann die anderen nicht mehr mitspielen. Bestimmte soziale Fähigkeiten können nur durch Sozialkontakte während einer bestimmten Lebensphase erarbeitet werden. Katzen, die ohne Mutter und mit wenig menschlichem Kontakt aufgewachsen sind, werden sehr oft zu Einzelgängern, die ihrer Umwelt scheu gegenübertreten und soziale Kontakte vermeiden oder abbrechen. Für den Katzenhalter ist das Spiel eine Chance, das Vertrauen seines Tieres zu gewinnen und die Bindung zu festigen.
Spielen bietet Freiraum: Die Rollen von Angreifer und Verfolger wechseln sich ab, es gibt keinen Sieger oder Verlierer und es besteht kein Erfolgsdruck. Daher setzen erwachsene Tiere das Spiel als Strategie ein, um Konflikte auszutragen oder um Stress abzubauen. Im Spiel zwischen Mensch und Tier kann es auch zum Grenzentesten dienen. Der Vierbeiner lotet im Spiel aus, inwieweit er die Regeln verändern kann, um diese neue Erkenntnis auch im Alltag anzuwenden.
© Sandra Schürmans
Gesunde Kätzchen sind für Raufspiele immer zu begeistern.
Alle Katzen lieben die Jagd. Während Freilaufkatzen bis zu sechs Stunden täglich mit Lauern, Pirschen und Jagen verbringen, sind unsere Stubentiger gezwungen, ihren Jagdtrieb in der Wohnung auszuleben. Tiere in freier Wildbahn sind täglich mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Sie müssen sich auf ständig wechselnde Situationen einstellen und erarbeitete Erfahrungswerte sofort abrufbereit haben. Da dieses Gehirntraining den im Haus lebenden Katzen verwehrt bleibt, erlangt das tägliche Spiel des Menschen mit seiner Katze eine große Bedeutung. Dementsprechend ist Spieltraining als Jagdersatz die beste Möglichkeit, körperliche und geistige Fitness zu erhalten und überschüssige Energie abzubauen. So kommt dem Spiel zwischen Mensch und Tier eine bedeutende Rolle zu.
SPIELST DU NOCH?
Viele Beutefanghandlungen sind auch in den spielerischen Aktivitäten unserer Wohnungskatze zu erkennen. So kann man Mäusesprung, Fischangeln oder Vogelfangen im täglichen Spiel mit Fellmäuschen, Bällen, Federn & Co. beobachten.
© Sandra Schürmans
MÄUSESPRUNG
Mit den Hinterbeinen steht die Katze fest auf dem Boden, der Vorderkörper richtet sich auf, dreht sich leicht zur Seite und mit gestreckten Vorderpfoten springt die Katze auf die Beute. Auffallend dabei ist, dass die Katze in einem steilen Winkel abspringt und exakt landet.
VOGELHASCHEN
Die Katze versucht zunächst, sitzend mit der Vorderpfote und ausgefahrenen Krallen nach der Beute zu fassen. Kann sie das Objekt der Begierde nicht greifen, richtet sie sich auf und langt mit beiden Pfoten zu. Dann folgt der Sprung aus dem Stand in die Höhe.
FISCHANGELN
Um einen Fisch an Land zu ziehen, ist nicht nur Geduld und Ausdauer notwendig, sondern auch einiges an Geschick und Kraft. Zuerst muss dieerfahrene Jägerin geduldig am Ufer lauern, bis ein Fisch knapp unter der Wasseroberfläche erscheint. Mit ausgefahrenen Krallen und einem gezielten Schlag wird die Beute an Land geworfen, fast wie Bären dies beim jährlichen Lachsfang tun.
Mangelt es Katzen an spielerischen Aktivitäten, werden sie schnell zu unberechenbaren Alleinunterhaltern und veranstalten, wenn man Pech hat, ein wildes Durcheinander in der Wohnung. Eine Zweitkatze ist nicht immer eine Garantie, dass die Tiere miteinander spielen: Auch zu zweit kann Langeweile und Frustration aufkommen. Durch das Spiel können wir unseren Stubentigern auch Unarten abgewöhnen und ihren Tatendrang in geordnete Bahnen lenken. Durch ein individuelles Spiel- und Beschäftigungsprogramm werden die Regeln des Zusammenlebens von Mensch und Tier, aber auch von Katze zu Katze zum Positiven verändert und die sozialen Beziehungen gefestigt. Bei manchen Problemen im Zusammenleben können intensivierte spielerische Aktivitäten positive Ergebnisse erzielen und wieder für Harmonie in den vier Wänden sorgen. Ausgelastete Katzen sind zufriedene Katzen.
© Kim Indra Oehne/Kosmos
„Du siehst mich nicht!“ Verstecken und Beobachten ist angesagt, wenn Mieze etwas angestellt hat.
Vor allem junge Katzen haben viel Energie und wollen gefordert werden. Wenn sie über eine gewisse Zeitspanne keinen Spielpartner oder kein passendes Spielobjekt finden, an dem sie Dampf ablassen können, staut sich ihre Energie auf. Sie haben sicherlich auch schon einmal die „verrückten fünf Minuten“ bei Ihrer Katze erlebt. Ganz plötzlich und ohne für den Menschen erkennbare Vorzeichen springt die Katze auf, sprintet ohne Rücksicht auf Verluste durch die Wohnung, über Sofalehnen und Regale. Nach wenigen Minuten ist der Spuk vorüber und Ihr Stubentiger sitzt wieder friedlich vor Ihnen. Andere Katzen gehen noch einen Schritt weiter und rennen buchstäblich die Wände hoch oder schaukeln an Gardinen. Ebenso gibt es Stubentiger, die sich mangels eines geeigneten Jagdobjekts darauf spezialisieren, ihren Menschen als Beute anzusehen und aus dem Hinterhalt anzuspringen, oder ihm nachts mit einfallsreichen Aufweckversuchen den Schlaf rauben.
WOZU SPIELEN GUT IST
Es …
— trainiert körperliche Fertigkeiten,
— schult das Wahrnehmungs- und Reaktionsvermögen,
— unterstützt das Lernen,
— hilft, vorhandene Verhaltensweisen zu perfektionieren,
— trägt zur Aggressionsminderung und zur Kontrolle der eigenen Aggression bei (Kontrolle der Beißintensität und Erlernen der Beißhemmung),
— unterstützt die Bildung sowie Aufrechterhaltung sozialer Gruppen und Bindungen (Sozialisationsprozess),
— fördert die Kenntnis der Umwelt,
— vertreibt Langeweile und macht Spaß,
— baut angestaute Energie ab,
— kann unterstützend bei der Gewichtsabnahme helfen,
— intensiviert nicht nur Bindungen zwischen Artgenossen sondern auch die Mensch-Tier-Beziehung,
— dient zum Ausloten von Grenzen,
— kann bei erwachsenen Tieren als Strategie zum Austragen von Konflikten eingesetzt werden,
— wird unterstützend bei Verhaltensproblemen eingesetzt,
— macht Katzen glücklich!
© Tierfotoarchiv-Drewka/Kosmos
Senkrechtstarter! Oft werden die Beine des Katzenhalters als Kletterbaum benutzt.
Von Alex
Damit ist mein schwarz-weißer Stubentiger gemeint, denn genau dafür hält sie sich – für ein gefährliches Raubtier. Zoe ist eine eher zierliche, mittelgroße Hauskatze, die sich für einen bengalischen Tiger hält und sich auch gerne so benimmt. Unter dem Tisch lauert sie auf vorbeilaufende Beute (meine Beine oder die meiner Freundin), pirscht durch den Wäscheständer, als wären die Ärmel meiner Hemden Lianen im Regenwald, und bewacht die Tür, um das Revier zu verteidigen. In jeder Katze und in jedem Kater steckt noch eine ordentliche Portion Wildheit, die auch ausgelebt werden möchte.
Denn so wie ein Mensch ohne Beschäftigung schnell unausgeglichen und gereizt wird, so ist das auch bei Katzen der Fall.
Die beste Abhilfe schafft regelmäßiges Spielen mit dem pelzigen Ungeheuer. Bei Zoe funktioniert das am besten, indem man sie jagt und sich jagen lässt. Wenn ich auf allen vieren durch das Wohnzimmer krieche und sie hin und wieder liebevoll anstubse, kommt sie richtig in Fahrt. Man darf nur nicht übertreiben, denn die Krallen sind gewetzt und die Eckzähne schnell in den Arm gebohrt. Am liebsten aber jagt sie Franklin – einen Stoff-Schlüsselanhänger in Form
