Star Trek - The Next Generation: Absturz - Dayton Ward - E-Book

Star Trek - The Next Generation: Absturz E-Book

Dayton Ward

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Beschreibung

Beim Vermessen eines Nebels stoßen Captain Jean-Luc Picard und die Mannschaft des Raumschiffs Enterprise auf einen Einzelgängerplaneten. Auf der Oberfläche der unwirtlichen Welt messen sie Lebenszeichen und erhalten plötzlich eine verstümmelte Botschaft: eine unvollständige Warnung, um jeden Preis fernzubleiben. Entschlossen, seine Hilfe anzubieten, schickt Picard Commander Worf und ein Außenteam los, um die Angelegenheit zu untersuchen, doch ihr Shuttle wird zu einer Notlandung auf der Oberfläche gezwungen, jeder Kontakt bricht ab und dann verschwindet der Planet komplett.

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STAR TREK

THE NEXT GENERATION™

ABSTURZ

DAYTON WARD

Based on

Star Trek

and

Star Trek: The Next Generation

created by Gene Roddenberry

Ins Deutsche übertragen von

Stephanie Pannen

Die deutsche Ausgabe von STAR TREK – THE NEXT GENERATION: ABSTURZwird herausgegeben von Amigo Grafik, Teinacher Straße 72, 71634 Ludwigsburg. Herausgeber: Andreas Mergenthaler und Hardy Hellstern, Übersetzung: Stephanie Pannen; verantwortlicher Redakteur und Lektorat: Markus Rohde; Lektorat: Kerstin Feuersänger Korrektorat: André Piotrowski; Cover Artwork: Doug Drexler und Ali Ries, Satz: Rowan Rüster/Amigo Grafik; Print-Ausgabe gedruckt von CPI Moravia Books s.r.o., CZ-69123 Pohorelice. Printed in the Czech Republic.

Titel der Originalausgabe: STAR TREK – THE NEXT GENERATION: HEADLONG FLIGHT

German translation copyright © 2019 by Amigo Grafik GbR.

Original English language edition copyright © 2017 by CBS Studios Inc. All rights reserved.

TM & © 2019 CBS Studios Inc. STAR TREK and related marks and logos are trademarks of CBS Studios Inc. All Rights Reserved.

This book is published by arrangement with Pocket Books, a Division of Simon & Schuster, Inc., pursuant to an exclusive license from CBS Studios Inc.

Print ISBN 978-3-95981-960-2 (Mai 2019) · E-Book ISBN 978-3-95981-961-9 (Mai 2019)

WWW.CROSS-CULT.DE · WWW.STARTREKROMANE.DE · WWW.STARTREK.COM

Gewidmet der Erinnerungan den langjährigen STAR TREK-Leser und FanEric Cone*29. Juni 1966 · †19. September 2016

INHALT

HISTORISCHE ANMERKUNG

PROLOG

KAPITEL 1

KAPITEL 2

KAPITEL 3

KAPITEL 4

KAPITEL 5

KAPITEL 6

KAPITEL 7

KAPITEL 8

KAPITEL 9

KAPITEL 10

KAPITEL 11

KAPITEL 12

KAPITEL 13

KAPITEL 14

KAPITEL 15

KAPITEL 16

KAPITEL 17

KAPITEL 18

KAPITEL 19

KAPITEL 20

KAPITEL 21

KAPITEL 22

KAPITEL 23

KAPITEL 24

KAPITEL 25

KAPITEL 26

KAPITEL 27

EPILOG

DANKSAGUNGEN

HISTORISCHE ANMERKUNG

Diese Geschichte spielt im Jahr 2386, sieben Jahre nach der Konfrontation der U.S.S. Enterprise-E mit dem romulanischen Praetor Shinzon (STAR TREK – NEMESIS) und ungefähr zwei Monate nach den Ereignissen um die Föderation, das Klingonische Reich und den abtrünnigen klingonischen Kult bekannt als die Unbesungenen (STAR TREK – PREY).

PROLOG

U.S.S. Enterprise, NCC-1701-DSternzeit 44853,6 · Erdenjahr 2367

Geordi La Forge fühlte sich siegessicher.

Aus dem Behälter, den er mitgebracht hatte, holte er zwei Kartenstapel und einen Satz Pokerchips. Er legte die Gegenstände auf die grüne Filzdecke, die den Tisch im Sitzbereich von Commander Datas Quartier bedeckte. Die Chips landeten in der Mitte, während La Forge die Karten vor dem Platz in der Ecke des Raumes positionierte, in der Data am liebsten saß.

»Heute Abend ist es so weit«, sagte La Forge, trat vom Tisch zurück und richtete seine Uniform. »Ich werde mich für die Tracht Prügel rächen, die du mir bei unserer Partie letzte Woche verpasst hast.«

Data drehte sich in seinem Lehnstuhl von der großen Konsole weg, die ihm als Schreibtisch diente. Er trug immer noch seine Sternenflottenuniform, hatte sich dazu aber noch einen grünen Augenschirm aufgesetzt. Trotz seines bekannten Mangels an Emotionen verfügte der Androide dennoch über eine Auswahl von Gesichtsausdrücken, um menschliche Reaktionen zu simulieren. In diesem Fall runzelte er die Stirn, als wollte er Verwirrung oder Zweifel zur Schau stellen.

»Ich habe während unseres letzten Pokerspiels keine körperliche Bestrafung ausgeführt.«

La Forge grinste. »Data, es gibt Momente, da weiß ich wirklich nicht, ob du es ernst meinst oder dir nur einen Scherz erlaubst.«

»Und das ist jetzt einer dieser Momente?«

»Du willst mich doch auf den Arm nehmen.«

»Auf den Arm?«

Als La Forge klar wurde, dass es so den ganzen Abend weitergehen würde, wenn er es zuließ, hob er seine Hände. »Ich gebe auf.« Er sah auf den Tisch, und zum ersten Mal bemerkte er, dass dort sieben Stühle statt der üblichen sechs standen. »Haben wir heute einen zusätzlichen Spieler?«

Data nickte. »Lieutenant Worf, Counselor Troi, Wesley und der Doktor werden wie gewöhnlich dabei sein. Der Captain hat sich vorbehalten, vielleicht mal ›vorbeizuschauen‹. Ich hielt es für weise, einen Platz für ihn zu reservieren.«

»Wirklich? Das überrascht mich.« La Forge dachte über die Möglichkeit nach. »Wie lange ist es her, dass er bei einer Partie dabei war? Sieben, acht Monate?«

»Neun Monate, einundzwanzig Tage, sieben Stunden und siebenunddreißig Minuten.«

La Forge zuckte mit den Schultern. »Wie ich gesagt habe.« Er nickte zufrieden. »Es wäre natürlich toll, ihn wieder dabeizuhaben, allerdings habe ich nicht vermisst, wie er mir immer das Fell über die Ohren gezogen hat.« Als er Datas verwirrten Gesichtsausdruck sah, hob er eine Hand. »Vergiss es.«

Der Chefingenieur ging vom Tisch zu Data, der seine Aufmerksamkeit wieder auf die Monitore in seinem Schreibtisch gerichtet hatte. Von dort, wo La Forge stand, konnte er sehen, dass sein Freund über Kolonnen von Sensordaten brütete, die viel zu schnell über drei verschiedene Monitore liefen, als dass er ihnen hätte folgen können. »Was siehst du dir da an?«

»Sensormessungen von unserer Aufklärungsmission im Hekabe-Sternhaufen«, erwiderte Data. »Dies ist meine erste Gelegenheit, die gesammelten Informationen durchzusehen, sowohl von unseren eigenen Scans als auch von denen der Aufklärungssonden, die wir in die Region geschickt haben. Jetzt, wo wir unsere Erforschung der Region abgeschlossen haben, bereite ich meinen Abschlussbericht für den Captain und die Übertragung an das Sternenflottenkommando vor.«

»Das klingt aufregend. Es gab ja sonst nicht viel, worüber man nach Hause hätte schreiben können.«

La Forge gab sich keine Mühe, seinen Sarkasmus zu verbergen, obwohl er wusste, dass Data ihn wahrscheinlich nicht bemerken würde. Der Hekabe-Sternhaufen war erstmals vor mehr als einem Jahrhundert von automatisierten Aufklärungssonden im tiefen Raum katalogisiert worden und war nun zusammen mit dem umliegenden Sektor der derzeitige Forschungsfokus der Enterprise. Nach fast zwei Wochen intensiver Sensorscans schien der Sternhaufen nichts von wirklichem Interesse zu beinhalten. Dennoch war sich der Ingenieur sicher, dass Astronomen und andere Wissenschaftler fasziniert sein würden, sobald die ersten detaillierten Sensordaten zum Sternenflottenkommando übermittelt worden waren.

»Obwohl wir keinen ungewöhnlichen stellaren Phänomenen begegnet sind«, sagte Data, »zeigt einer der Planeten im Polydorus-System erstaunliche Parallelen zur Erde während ihrer paläoproterozoischen Ära. Die Hinweise auf eukaryotische Organismen gleichen dem, was sich vor ungefähr eins Komma acht Milliarden Jahren auf der Erde entwickelt hat. Es mag noch andere Ähnlichkeiten geben, aber solche Entdeckungen werden wahrscheinlich ein engagiertes Wissenschaftsteam über einen längeren Zeitraum erfordern.«

»Allerdings denke ich«, sagte La Forge, »dass wir viel Zeit haben, um jemanden dorthin zu schicken.«

»Stimmt.«

»Außerdem müssen wir so schnell wie möglich zur Sternbasis 198. Der Captain hat mir versprochen, dass wir nach dieser letzten Forschungsmission dort vorbeischauen würden. Ich möchte das Schiff einer Baryonensäuberung unterziehen, bevor wir auf eine längerfristige Sache geschickt werden.« Die Prozedur, das Schiff von Baryonpartikeln zu befreien – Rückständen, die sich als Resultat von längeren Reisen bei Warpgeschwindigkeit auf und in einem Raumschiff ablagerten –, war in vielerlei Hinsicht Routine, auch wenn man sich dafür zu einer Sternbasis mit Spezialausstattung begeben musste, um den Prozess durchzuführen. Und es erforderte, dass die Mannschaft das Schiff für die Dauer der Säuberung verließ. Normalerweise musste sich kein so neues Schiff dieser Prozedur unterziehen, doch obwohl sich die Enterprise noch nicht so lange im aktiven Einsatz befand, hatte sie doch viel mehr Stunden im Warp auf dem Buckel als jedes andere vergleichbare Schiff. Basierend auf den Projektionen, die er gestaltet hatte, und in Anbetracht des atypischen Einsatztempos ging La Forge davon aus, dass die Enterprise etwa alle drei Jahre eine Baryonensäuberung benötigen würde.

Blieb nur noch die Frage, wie sich die Mannschaft während dieser erzwungenen Landurlaube die Zeit vertreiben konnte.

Wem mache ich etwas vor? Sternbasis 198 hat doch mindestens ein funktionierendes Holodeck, oder?

Während La Forge sich noch für den Gedanken tadelte, holte ihn das Geräusch des Gelben Alarms wieder in die Wirklichkeit zurück. Einen Moment später erklang die Stimme von Lieutenant Worf.

»Achtung an alle. Die Sensoren zeigen eine ungeklärte stellare Anomalie an. Alle diensthabenden Besatzungsmitglieder werden an ihre Stationen beordert. Alle anderen halten sich bereit. Seniorstab, auf der Brücke melden.«

Während Data seinen Augenschirm abnahm und sich aus seinem Sessel erhob, berührte La Forge seinen Kommunikator. »La Forge an Brücke. Data und ich sind auf dem Weg.«

»Bestätigt«, antwortete Worf über den offenen Kanal.

La Forge beäugte seinen Freund. »Irgendeine Idee, was es sein könnte?«

Der Androide schüttelte den Kopf. »Ohne weitere Informationen ist es schwer, eine Hypothese zu formen.«

»Ich wette, dass es kein Nebel ist.«

»Das wäre die logische Annahme, da ich nicht glaube, dass der Captain für so etwas in der Art einen Alarm auslösen und den Seniorstab auf die Brücke beordern würde.«

La Forge schüttelte den Kopf, während die beiden das Quartier verließen und zum nächsten Turbolift gingen. »Du nimmst mich wieder auf den Arm, oder?«

»Auf den was?«

KAPITEL 1

HIERU.S.S. Enterprise, NCC-1701-EErdenjahr 2386

Jean-Luc Picard rieb sich immer noch den Schlaf aus den Augen, als der Turbolift langsamer wurde und seine Ankunft auf der Brücke ankündigte. Es blieb ihm nur ein Moment, um seine Uniformjacke zu richten und sich zu fassen, bevor sich die Türen öffnen und die Geräuschkulisse des Nervenzentrums des Schiffes die Kabine erfüllte.

»Captain auf der Brücke«, sagte Commander Worf, der als Erster bemerkte, wie Picard aus dem Lift stieg. Als Picard auf ihn zukam, erhob sich der Erste Offizier der Enterprise zu voller beeindruckender Größe. Rechts neben Worf stand auch Commander Aiden Lynley, Wachoffizier der Gamma-Schicht, auf.

»Nummer eins«, sagte Picard als Begrüßung und musste dabei ein plötzliches Bedürfnis zu gähnen unterdrücken.

Der Klingone nickte. »Ich entschuldige mich für die Störung, Sir, aber angesichts dessen, was unsere Sensoren entdeckt haben, war ich der Meinung, dass Sie sich das persönlich ansehen wollen würden.«

Davon war Picard bereits aufgrund des Alarms ausgegangen, der ihn vor Worfs Durchsage aufgeweckt hatte. Es war praktisch ausgeschlossen, dass ihn sein Stellvertreter mitten in der Nacht für eine Routineangelegenheit rufen würde. Tatsächlich war der Klingone wahrscheinlich von Commander Lynley informiert worden, und Worf hatte sich entscheiden müssen, ob die Sache dringlich genug war, um Picard zu alarmieren.

»Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen.« Er bemerkte die blinkenden Statusanzeigen auf der Brücke. »Wir behaltenden Gelben Alarm erst mal bei. Was haben Sie gefunden?«

Worf nickte Lynley zu, der sagte: »Wir haben, wie angeordnet, unsere Sensordurchläufe von NGC 8541 durchgeführt. Die ersten paar Stunden nach Beginn der Gamma-Schicht gab es nichts Ungewöhnliches, aber dann stellten wir eine Veränderung der Sensormessungen fest.« Er sah über seine Schulter zu den Brückenstationen an Steuerbord. »Lieutenant Elfiki, zeigen Sie es uns.«

Dina Elfiki drehte sich in ihrem Sessel um, und ihre rechte Hand bewegte sich über ihre Konsole. »Aye, Sir.«

Das Bild auf dem Hauptschirm änderte sich von einer Ansicht des Weltraums zu der riesigen wirbelnden Masse ionisierter Gase und interstellaren Staubs, die im New General Catalogue als Objekt Nummer 8541 verzeichnet war. Es war das siebte stellare Phänomen dieser Art, dem die Enterprise seit Beginn ihrer Erforschung des Odysseeischen Passes vor ein paar Monaten begegnet war. Wie die vorigen sechs Nebel schien dieser, fand Picard, ebenfalls nicht weiter bemerkenswert zu sein, auch wenn die Enterprise natürlich einen vollständigen Sensorscan der Region durchführte und diese Daten dann an das Sternenflottenkommando sendete. Basierend auf dem letzten Bericht der Astronomieabteilung war der Captain bereit gewesen, Kurs auf ein neues Ziel zu setzen.

Doch solche Gedanken verschwanden, als Picard den Planeten in der Mitte des Sichtschirms sah.

»Bis vor fünfundfünfzig Minuten war er nicht da, Sir«, sagte Elfiki. Die junge Wissenschaftsoffizierin bewegte sich an den Rand des Kommandobereichs, und Picard überlegte kurz, vor wie langer Zeit man sie auf die Brücke gerufen hatte, nachdem sie zweifellos von Commander Lynley aufgeweckt worden war. »Basierend auf einer Durchsicht unserer Sensorscans ist er buchstäblich aus dem Nichts aufgetaucht.«

Picard sah erneut zu dem dunkelgrauen, scheinbar leblosen Objekt, das inmitten der wirbelnden Wolke violetter Gase hing, und verschränkte die Arme. »Und Sie sind sich sicher, dass es sich nicht nur um eine Sensoranomalie oder andere Störung handelt?«

Elfiki nickte. »Ja, Sir. Angesichts der Probleme, die wir bereits hatten, habe ich alles dreimal überprüft.«

»Ich habe eine Level-drei-Diagnose durchlaufen lassen, Captain«, fügte Lynley hinzu. »Nur um sicherzugehen, dass wir nicht von einem Sensorecho oder etwas anderem getäuscht werden.« Er deutete auf den Schirm. »Vor einer Stunde war dieser Planet noch nicht da, Sir.«

Picard trat näher an den Schirm heran und betrachtete die fahle, tote Welt. Seit Ankunft der Enterprise in NGC 8541 hatte der Nebel den schiffseigenen Sensoren alle möglichen Probleme bereitet. Entweder das Ionisierungsniveau blockierte die Messungen oder beeinträchtigte die Ergebnisse so stark, dass die Ingenieur- und Wissenschaftsabteilungen kontinuierliche Änderungen an der Ausrüstung vornehmen mussten, um die Störungen zu kompensieren. Die Hintergrundionisierung behinderte außerdem die Deflektorschilde und die Langstreckenkommunikation, solange sich das Schiff innerhalb ihrer Grenzen aufhielt. In einem Versuch, diese Schwierigkeiten zu überwinden, hatte Lieutenant Elfiki alles nur Erdenkliche getan, um einen Kurs durch den Nebel zu bestimmen, der Störungen der betroffenen Systeme entweder ganz vermeiden oder wenigstens mindern würde. Während sich diese Anstrengungen einigermaßen auszahlten, mussten sie sich beim Scannen des Nebels oft entscheiden, ob sie klare Daten wollten, was eine Unterbrechung der Deflektorschilde und damit vielleicht der Sicherheit vor der inhärenten Instabilität der Region bedeuten konnte. Als sie den Nebel erreicht und festgestellt hatten, in welchem Ausmaß eine Vermessung die Schiffssysteme beeinträchtigte, hatte Picard an den Briar Patch denken müssen, einen gefährlichen Bereich im Föderationsraum, der ihm und der Enterprise einige Jahre zuvor so viel Kummer bereitet hatte. Hier schienen zumindest die Antriebssysteme des Schiffs keine schädliche Wirkung zu haben.

»Könnte er getarnt gewesen sein?«, fragte Lynley. Der Commander hatte sich zusammen mit Worf hinter Picard gestellt.

»Ich werde die Sensorlogs noch mal überprüfen, Commander«, erwiderte Elfiki, bevor sie an ihre Station zurückkehrte. »Aber ich habe keine Energiewerte bemerkt, die auf eine uns bekannte Tarntechnologie hinweisen würden.« Die Wissenschaftsoffizierin wandte sich ihren Instrumenten zu und machte sich wieder an die Arbeit.

»Der erforderliche Energiebedarf, um einen ganzen Planeten zu tarnen, wäre unglaublich«, sagte Picard. »Und ich hoffe doch auch nachweisbar. Lieutenant Elfiki, was können Sie uns über den Planeten selbst erzählen?«

Elfiki sah von ihrer Konsole auf. »Er hat keine Atmosphäre, Sir, aber unsere Scans haben an einer bestimmten Stelle auf der Oberfläche künstliche Strukturen entdeckt. Und von einer unter der Oberfläche gelegenen Position kommen beträchtliche Energiewerte. Die Scans deuten darauf hin, dass es sich um einen unterirdischen Nuklearfusionsreaktor handelt. Ziemlich groß sogar, viel größer, als nötig wäre, um die Anlage an der Oberfläche zu betreiben.« Sie machte eine Pause, und Picard sah Nervosität in ihrem Gesicht aufblitzen, bevor sie sich wieder fasste. »Die Ergebnisse, die wir bekommen, wären besser, wenn wir näher dran wären, Sir.«

Picard erwog dies, während er den Planeten weiter betrachtete. Schließlich sah er zu seinem Ersten Offizier. »Nummer eins?«

»Wir könnten näher heran, Sir«, sagte Worf. »Wir befinden uns derzeit fünfhunderttausend Kilometer von der Außengrenze des Nebels entfernt. Mit den Rekonfigurationen, die wir durchgeführt haben, um die Wirkung dieser Region auf Sensoren und Schilde auszugleichen, sollten wir in der Lage sein, diese Entfernung zu halbieren, auch wenn dies das Schiff immer noch einem erhöhten Risiko aussetzen würde.«

»Und wir müssten wahrscheinlich noch näher heran, Captain«, fügte Lynley dazu und deutete auf den Sichtschirm. »Mit dieser Suppe da drin würden unsere Scans auf diese Entfernung immer noch ziemlich trübe aussehen.«

»Halten wir es erst mal einfach«, sagte Picard. »Mister Worf, halbieren Sie unsere Entfernung zur äußeren Begrenzung. Dann sehen wir weiter.«

Der Klingone nickte. »Aye, Sir.«

Commander Lynley übernahm die taktische Station, und Picard setzte sich in seinen Kommandosessel, während Worf die Arbeit von Gary Weinrib überwachte, des Piloten der Gamma-Schicht.

»Die Schilde reagieren auf den Nebel«, berichtete Lynley nach einem Moment. »Wir kompensieren die erhöhten Effekte.«

»Sehr gut«, erwiderte Picard.

Weinrib warf einen Blick über seine Schulter. »Wir halten nun die Position bei zweihundertfünfzigtausend Kilometern von der Außengrenze des Nebels entfernt, Sir.«

Picard drehte sich zu Elfiki um. »Lieutenant?«

Die Wissenschaftsoffizierin teilte ihre Aufmerksamkeit zwischen ihrer Konsole und dem Hauptsichtschirm. »Die Messungen sind besser, Sir, aber immer noch leicht verzerrt. Ich weise den Computer an, die Scanbilder zu bereinigen.« Sie runzelte die Stirn. »Diese Messungen sind seltsam. Es scheint so, als ob die Sensoren nicht richtig ausgerichtet wären, aber das ist unmöglich. Ich bin nicht sicher …« Während sie eine Pause machte, sah Picard, wie sie sich näher an einen der Monitore ihrer Station lehnte. »Das glaube ich einfach nicht.«

»Was ist denn?«, fragte Picard. Er erhob sich von seinem Platz, ging zu Elfikis Station und stellte sich neben sie. »Was sehen Sie?«

Die Wissenschaftsoffizierin deutete auf die Anzeige, die ihr Interesse geweckt hatte. »Die Sensoren empfangen Quantenfluktuationen, Sir. Der Nebel verdeckt sie größtenteils, aber wir sind nah genug, um ein paar der Effekte zu sehen. Ich habe gerade die Messungen erneut überprüft, um sicherzugehen, Captain: Sie kommen definitiv vom Planeten.«

Picard studierte die Telemetriedaten, die der Bordcomputer der Enterprise aus den Ausgangsinformationen der Sensoren in ein Format übersetzt hatte, das für lebende Wesen verständlich war. Irgendetwas an den Daten kam ihm seltsam vor. »Können Sie eine Quelle identifizieren?«

»Das ist es ja, Sir.« Elfiki drehte sich auf ihrem Platz um. »Es kommt von keiner einzelnen Position auf dem Planeten.« Sie schüttelte den Kopf. »Ich meine, sie werden von den Gebilden erzeugt, die wir bereits entdeckt haben, aber sie erstrecken sich über den gesamten Planeten.«

Worf hatte sich neben den Captain gestellt. »Wollen Sie damit sagen, dass der ganze Planet aus einer anderen Dimension gekommen ist?«

»Ich will damit sagen, dass die Sensoren darauf hindeuten, Commander.« Die Wissenschaftsoffizierin deutete ein weiteres Mal auf die Messergebnisse. »Diese Daten passen zu dem, was wir über interdimensionale Spalten wissen, aber auch zu Reisen zwischen den Dimensionen durch technische Hilfsmittel.«

»Sind Sie sicher?«, fragte Picard.

Elfiki hielt inne, als ob sie die Konsequenzen ihrer Antwort bedenken würde, bevor sie antwortete: »Ja, Sir. Das bin ich.«

Picard wandte sich von der Wissenschaftsstation ab und betrachtete erneut die geheimnisvolle Welt vor ihnen, ihre aschgraue Oberfläche, die in krassem Gegensatz zu den leuchtenden Blautönen des Nebels stand. War es möglich, dass der Planet aus einer anderen Existenzebene gekommen war? Und wenn ja, was hatte ihn hergebracht? Welchen unbekannten kosmischen Kräften war er vor seiner Ankunft hier ausgesetzt gewesen? Und aus welchem Grund war er von einer Realität in eine andere geschickt worden?

»Ein künstlicher Dimensionssprung«, sagte er nach einem Moment, fast zu sich selbst. Dann fragte er Elfiki mit lauterer Stimme: »Lieutenant, die Gebilde, die Sie auf der Oberfläche entdeckt haben – was ist mit Lebenszeichen?«

Die Wissenschaftsoffizierin konsultierte ihre Instrumente. »Die Sensoren werden immer noch gestört, Sir, aber wir erfassen unklare Lebenszeichen.«

»Captain«, sagte Commander Lynley von seinem Platz an der taktischen Station. »Wir werden gescannt. Die Sensorstrahlen kommen von einem der Gebilde.«

»Hinweise auf Waffen oder andere feindliche Handlungen?«

»Negativ.« Der Commander tippte auf ein paar Knöpfen seiner Konsole herum. »Nur die Scans, und sie sind ziemlich schwach, besonders verglichen mit unseren und selbst bei den Problemen, die wir haben.«

»Also wer auch immer da unten ist, weiß, dass wir hier sind«, stellte Picard fest.

»Sieht so aus, Sir.« Lynley warf einen Blick auf seine Instrumente. »Jetzt erfasse ich etwas, das wie eine eingehende Kommunikation aussieht. Die Übertragung ist ein wenig verstümmelt, aber ich denke, es handelt sich um eine automatische Nachricht, die ungefähr alle dreißig Sekunden wiederholt wird. Ich lasse sie jetzt durch den Übersetzungsprozessor laufen.« Einen Moment später drückte er eine weitere Abfolge von Knöpfen. »Ich habe einen Teil davon, Sir. Es handelt sich um eine Sprachnachricht.«

»Dann hören wir sie uns mal an«, sagte Picard.

Wieder gab Lynley etwas in seine Konsole ein, und das interne Kommunikationssystem der Brücke erwachte mit einem Ausbruch von Rauschen zum Leben, das nachließ, bis es Picard nur noch an Wind in einem Tunnel erinnerte. Dann verschwand auch dieses Geräusch und wurde durch eine männliche Stimme ersetzt.

»Wenn Sie diese Nachricht empfangen, befinden Sie sich wahrscheinlich nahe unserem Planeten. Wenn dies der Fall sein sollte, beachten Sie bitte Folgendes: Es ist gefährlich, diese Welt zu betreten. Wir sind hier gefangen, doch die Umstände unserer Gefangenschaft sind unsere eigene Schuld. Man kann nichts für uns tun. Uns zu helfen, ist es nicht wert, Ihr Schiff oder Ihr Leben zu riskieren. Wir …«

Was immer als Nächstes gekommen wäre, löste sich in Rauschen auf, bis Lynley die Nachricht beendete. »Der Rest der Übertragung ist zu gestört, Captain.«

Picard hatte genug gehört. »Wer immer da unten ist, hat gesagt, dass sie wegen etwas, das sie selbst getan haben, gefangen sind. Lieutenant Elfiki, ist es möglich, dass sie sich auf das beziehen, was für die von Ihnen entdeckten Quantenfluktuationen verantwortlich sein könnte?«

»Wenn sich der Planet zwischen den Dimensionen hin und her bewegt«, erwiderte die Wissenschaftsoffizierin, »dann ist es möglich, dass sie innerhalb eines Eindämmungsfelds oder etwas Ähnlichem gefangen sind, das sie während des Sprungs schützt. Es ist aus dieser Entfernung und mit den Sensorbeeinträchtigungen schwer zu sagen, Sir.«

»Captain«, sagte Worf. »Wenn wir näher heranfliegen, könnte das ein beträchtliches Risiko für das Schiff darstellen.«

Hinter sich hörte Picard, wie Lynley hinzufügte: »Ich stimme zu, Sir. Es gibt einfach zu viel, was wir nicht wissen.«

»Nun, wir können aber auch nicht hier herumsitzen und nichts tun«, wandte Picard ein. »Wer immer da unten ist, weiß, dass wir hier oben sind. Wir können uns nicht einfach abwenden und sie zurücklassen, ohne zumindest ein wenig nachzuforschen und festzustellen, ob wir irgendetwas tun können.« Er hob die Hand, bevor Worf etwas einwenden konnte. »Ich habe Ihre Sorge zur Kenntnis genommen und weiß sie zu schätzen, Nummer eins. Und wir werden jede Vorsichtsmaßnahme treffen. Aber jetzt sehen wir uns das erst mal an.«

Picard starrte auf die seltsame neue Welt auf dem Sichtschirm und hoffte, dass er keinen schweren Fehler machte.

KAPITEL 2

WOANDERSU.S.S. Enterprise-D

William Riker widerstand dem Drang, auf der Brücke hin und her zu laufen, sondern behielt stattdessen seinen Blick auf den großen Hauptschirm gerichtet, der von der orange-gelblichen Masse des Gischt-Nebels beherrscht wurde. Das räumliche Phänomen allein war schon Grund genug, um in der Region zu bleiben, während die Wissenschaftsabteilung ganze Tage damit verbrachte, ihn nach Herzenslust zu scannen und zu studieren. Riker hingegen war mehr daran interessiert, was sich bis vor ein paar Minuten im Nebel versteckt hatte und nun wieder fort zu sein schien, als hätte es niemals existiert.

Wohin zum Teufel bist du verschwunden?

Als Riker hörte, wie sich die Türen des Turbolifts öffneten, drehte er sich um und sah Data und Geordi La Forge heraustreten.

»Captain«, sagte der Androide, während er über die Rampe der Backbordseite den Kommandobereich betrat. Hinter ihm bewegte sich La Forge zu den Arbeitsstationen entlang des Heckschotts, wo bereits Lieutenant Worf stand.

»Ich fürchte, Sie haben ihn verpasst, Mister Data.« Riker deutete auf den Sichtschirm, bevor er über seine Schulter zu der Taktikstation sah. »Tasha, schauen wir uns das noch mal an.«

An der Konsole direkt hinter dem Kommandosessel nickte Natasha Yar. »Aye, Sir.«

Einen Moment später zeigte der Sichtschirm eine weitere Ansicht der Anomalie, doch dieses Mal wurde die Region aus orangefarbenen Gasen von einem trostlosen grauen Planeten dominiert.

»Hallo!«, sagte La Forge. »Wo kommt der denn her?«

Riker erwiderte: »Das versuchen wir gerade herauszufinden. Die Sensoren haben ihn vor einer Viertelstunde erfasst, aber er war in einem Bereich des Nebels, den wir bereits gestern gescannt haben.«

»Während dieser Scans haben wir keine planetaren Körper erfasst«, ergänzte Data.

»Ganz genau, und jetzt ist er wieder fort. Er ist verschwunden, gleich nachdem ich Worf angewiesen habe, Sie auf die Brücke zu rufen.«

»Faszinierend«, sagte Data. »Ich nehme an, eine Störung der Sensoren wurde als Ursache für das vorherige Übersehen des Planeten bereits ausgeschlossen?«

»Ja«, antwortete Riker. »Aber es kann nicht schaden, es noch mal zu überprüfen. Geordi?«

La Forge antwortete vom hinteren Bereich der Brücke: »Bin bereits dran, Captain. Bis jetzt finde ich keine Hinweise auf irgendwelche Störungen, die wir nicht bereits bemerkt haben.« Der Chefingenieur tippte auf seiner Konsole herum. »Ich gehe jetzt die Sensorlogs durch. Data, Sie sollten sich das mal ansehen.«

Riker und sein Erster Offizier wechselten einen Blick, dann folgte Riker dem Androiden zu den hinteren Stationen, wo La Forge bereits einen Abschnitt der Sensordaten isoliert hatte und nun darauf deutete. »Sehen Sie das?«

Data nickte. »Quantenfluktuationen. Solche Messungen könnten auf eine interdimensionale Verschiebung hindeuten, aber ich habe noch nie von einem solchen Vorfall auf plane-tarer Ebene gehört.«

»Da sind wir schon zwei«, antwortete La Forge.

Yar sagte: »Wir haben auf der Planetenoberfläche Bauwerke entdeckt.« Sie strich sich eine blonde Strähne aus dem Gesicht. »Außerdem sind da unten ziemlich hohe Energiewerte, die auf einen riesigen Fusionsreaktor hindeuten.«

»Und wir haben Lebenszeichen gefunden«, fügte Riker hinzu. »Die Übertragung war durch den Nebel und vielleicht diese Quantenfluktuationen ziemlich gestört, aber da unten war definitiv jemand.«

»Es ist wahrscheinlich, dass die Bewohner des Planeten zumindest ein wenig über dieses Phänomen wissen«, behauptete Data. »Dass wir nicht mit ihnen kommunizieren konnten, ist bedauerlich.«

Yar nickte in Richtung des Nebels, der auf dem Sichtschirm dargestellt wurde. »Wenn es sich tatsächlich um ein künstlich geschaffenes Phänomen handelt, würde eine solche Verschiebung eine beträchtliche Energiemenge erfordern.«

»Oder eine Macht oder andere Energiequelle von dort, woher der Planet ursprünglich stammt«, überlegte La Forge. »Etwas, das wir mit unseren Sensoren nicht erfassen können.« Er zuckte mit den Schultern. »All das setzt voraus, dass wir hier wirklich von einer Art Dimensionsverschiebung reden, die einen ganzen Planeten umfasst.« Er sah zu Riker. »Ich würde gern jede Möglichkeit einer Sensorstörung oder eines anderen Fehlers ausschließen, Captain.«

Riker nickte. »Einverstanden. Überprüfen Sie die Sensorbänke. In der Zwischenzeit haben wir bereits eine Menge Daten gesammelt. Mister Data, gehen Sie die Sensorlogs durch. Schauen Sie, ob Sie sonst etwas Interessantes finden. Was ich jetzt direkt wissen möchte, ist die Antwort auf die Frage, ob diese Quantenfluktuationen vom Planeten kommen oder von etwas anderem innerhalb des Nebels.«

»Mit anderen Worten«, sagte La Forge, »ob wir in Gefahr sind?«

»Ganz genau.«

Data erwiderte ein »Aye, Sir«, bevor er zur Konsole neben La Forges Arbeitsstation ging. Nach ein paar Momenten meldete der Androide: »Meine Durchsicht der gesammelten Sensordaten zeigt, dass die Quantenfluktuationen auf den Planeten beschränkt sind. Es gibt keine Hinweise darauf, dass sich der Effekt in den Nebel selbst erstreckt, und aktuelle Scans zeigen ebenfalls keine Anzeichen dafür. Darauf basierend würde ich sagen, dass wir nicht in Gefahr sind, Captain.«

»Gut.« Riker gestattete sich ein kleines erleichtertes Seufzen, während er den Nebel auf dem Schirm betrachtete. »Wäre es möglich, dass der Planet noch irgendwo hier ist? Könnte das, was die Quantenfluktuationen verursacht, ihn innerhalb des Nebels bewegen?«

»Angesichts unseres beschränkten Wissens über Quantenverschiebungen und transdimensionale Bewegungen«, antwortete Data, »wäre es vielleicht voreilig, eine solche Möglichkeit auszuschließen. Vielleicht sind es die Eigenschaften des Nebels, die die Verschiebung irgendwie verursachen. Natürlich ist die einzige Möglichkeit für uns, eine solche Aktivität festzustellen, unsere Erforschung dieser Region auszuweiten, was aufgrund der fortgesetzten Störungen unserer Sensoren problematisch ist.«

La Forge sagte: »Wir könnten ein paar automatisierte Erkundungssonden losschicken. Sagen wir, ein halbes Dutzend, um den ganzen Nebel zu durchsuchen.« Der Chefingenieur hielt inne, als würde er über seinen eigenen Vorschlag nachdenken. »Zusammen mit den Sensordaten, die wir selbst gesammelt haben, könnten wir wahrscheinlich in etwa vierundzwanzig Stunden ein Bild des ganzen Nebels haben, vielleicht auch schneller.«

»Was ist mit den Auswirkungen des Nebels?«, fragte Riker. »Würde das die Sensormessungen der Sonden nicht beeinträchtigen?«

»Wir könnten die Sensorsysteme jeder Sonde modifizieren, um die Störungen auszugleichen«, schlug Data vor. »Und wir könnten ihre Kommunikationssysteme verstärken, um die Übertragung der Scans zu verbessern.«

Riker drehte sich wieder zum Sichtschirm um und zuckte mit den Schultern. »Wir sind nicht in Eile, und ich bin wahrscheinlich nicht der Einzige, der neugierig ist. Wie schnell könnten Sie die Sonden einsatzbereit haben?«

»Ich kann die jetzige Schicht sofort anfangen lassen«, erwiderte La Forge. »Wenn Data und ich uns ebenfalls daransetzen, schätze ich, dass wir in drei bis vier Stunden damit fertig sind.«

Riker warf einen Blick auf das Chronometer der nächsten Arbeitsstation. »Es ist kein Notfall, aber ich würde Sie nicht abhalten, wenn Sie jetzt sofort anfangen wollen.« Er lächelte. »Wir können das Pokerspiel einfach auf morgen Abend verschieben.«

La Forge erwiderte das Lächeln und nickte. »Aye, Sir. Das können wir.«

Auch wenn er es nicht laut aussprach, hatte sich Riker wirklich sehr auf die wöchentliche Pokerpartie gefreut. Es hatte ziemlich lang gedauert, bis die anderen Mitglieder des Seniorstabs nach dem Verlust ihres ehemaligen Captains den zuvor so beliebten Zeitvertreib wieder hatten aufnehmen wollen. Die emotionale Wunde, die der Tod von Jean-Luc Picard durch die Borg geschlagen hatte, war tief und würde wahrscheinlich nie wieder ganz heilen. Seine Abwesenheit hatte wie ein Leichentuch über der gesamten Mannschaft gelegen, und erst jetzt, nach vielen Monaten und umfassenden Reparaturen am Schiff, fühlten sich die Besatzungsmitglieder langsam wieder wie sie selbst. Rikers sofortige Beförderung zum Captain nach der Ergreifung Picards durch die Borg hatte geholfen, eine gewisse Beständigkeit an Bord zu bewahren, gefolgt von seiner dauerhaften Ernennung zum kommandierenden Offizier der Enterprise, nachdem sich jede Hoffnung auf eine Rettung Picards zerschlagen hatte, doch der Schmerz des Verlustes blieb. Auch wenn Riker seine gesamte Berufslaufbahn auf diesen Posten hingearbeitet hatte, hatte er sich doch niemals gewünscht, ihn auf diese Art und Weise zu bekommen. Er hatte Picard mehr als seinen eigenen Vater bewundert. Ein zuverlässiger Freund, begabter Mentor und einer der besten Anführer, die die Sternenflotte jemals hervorgebracht hatte, war fort, und nun war es an Will Riker, das fortzuführen, was Picard als erster Captain der Enterprise begonnen hatte. Es waren große Fußstapfen, und manchmal zweifelte Riker daran, dass er sie jemals ausfüllen würde. Picards Nachfolge anzutreten, war schon an sich eine beträchtliche Herausforderung, aber ihn zu ersetzen, war unmöglich, und Riker hatte sich geschworen, es niemals zu versuchen.

»Captain, Sie sollten sich das hier mal ansehen.«

Riker wurde klar, dass es Lieutenant Yar war, die ihn ansprach, und dass er für einen Moment vollkommen in seinen Gedanken versunken gewesen war. Er sah, dass La Forge und Data mit den Sensorkonfigurationen beschäftigt zu sein schienen, die der Chefingenieur vorgeschlagen hatte, und Lieutenant Worf war an die Ops-Station gegangen.

»Was gibt es?«, fragte er die Sicherheitschefin.

»Ich weiß nicht, warum es mir erst jetzt auffällt«, erwiderte Yar, die zwischen ihm und ihren Instrumenten hin- und hersah. »Aber ich bin noch mal die Logdateien durchgegangen und habe dabei einen kurzen Ausschnitt einer eingehenden Übertragung entdeckt.« Sie sah von ihrer Konsole auf. »Vom Planeten. Sie war auf einer niedrigen Frequenz, und ich denke, dass sie mir vorher durch die Nebelinterferenzen entgangen ist. Es tut mir leid, Sir.«

Riker schüttelte den Kopf. »Das passiert schnell hier drin, Lieutenant. Was ist das für eine Übertragung?«

»Es war nichts Zufälliges, Sir.« Yar drückte auf drei Knöpfe ihrer Konsole. »Wer auch immer der Absender ist, hat sie definitiv uns geschickt. Es gibt keine Hinweise darauf, dass sie gesendet wurde, bevor wir den Planeten entdeckt haben. Ich habe es durch den Computer laufen lassen, um eine Übersetzung zu bekommen, aber soweit ich sagen kann, handelt es sich nur um einen Teil davon, bevor der Planet verschwunden ist.«

Ihre Konsole piepte, und sie berührte eine weitere Steuerung. »Der Computer hat etwas, Sir.«

»Stellen Sie es durch, Lieutenant«, sagte Riker.

Einen Moment später erwachte das Kommunikationssystem zum Leben, und er hörte eine Reihe von gedämpften Knacklauten, die der Captain für Störsignale durch das schwache Signal und die Auswirkungen des Nebels hielt. Dann ließ die Verzerrung nach.

»… gefährlich, diese Welt zu betreten. Wir sind hier gefangen, doch die Umstände unserer Gefangenschaft sind unsere eigene Schuld. Man kann nichts für uns tun. Uns zu helfen, ist es nicht wert, Ihr Schiff oder Ihr Leben zu …«

»An diesem Punkt bricht die Übertragung ab«, sagte Yar. »Soweit ich feststellen kann, stimmt es zeitlich mit dem Moment überein, an dem wir den Planeten auf unseren Sensoren verloren haben.«

»Ihre eigene Schuld«, wiederholte Riker mit Blick zu seinen Offizieren. »Was denken Sie, was damit gemeint ist? Eine Art schiefgegangenes Experiment?«

La Forge nickte. »Davon gehe ich auch aus, Captain.«

»Eine plausible Annahme, basierend auf den begrenzten Informationen, die uns zur Verfügung stehen«, fügte Data hinzu. »Ich empfehle, die Angelegenheit weiter zu untersuchen, Sir.«

Der Vorschlag seines Ersten Offiziers war das Gegenteil von überraschend. Riker lächelte verständnisvoll. Es war natürlich nicht die Schuld des Androiden. Jetzt, wo seine Neugier geweckt war, würde man ihn nicht mehr aufhalten können. Riker nahm an, dass die restliche Mannschaft es ähnlich sah. Die Untersuchung des Nebels war ihre erste Forschungsmission seit Monaten, und er wusste, dass seine Leute es kaum erwarten konnten, sich in etwas anderes zu verbeißen, als Fracht zu überführen oder Diplomaten und andere hohe Vertreter der Föderation und Sternenflotte zu kutschieren. Solche Aufgaben waren gelegentlich zwar notwendig, aber nicht die Art von Missionen, für die die Enterprise geschaffen worden war.

Dann wollen wir mal ein bisschen erforschen.

Wer waren die Leute auf dem Planeten? Wie waren sie hier gelandet? Beschränkten sich die Auswirkungen dessen, was sie getan hatten, nur auf jene Welt, oder bestand größere Gefahr? Diese und etliche andere Fragen stellten sich Riker in keiner bestimmten Reihenfolge. Er wusste, dass sie ihm keine Ruhe lassen würden, bis dieses Rätsel gelöst war.

»Ein Rätsel.«

Es dauerte einen Moment, bis ihm klar wurde, dass er die Worte laut ausgesprochen hatte, und nun sah er sich den fragenden Gesichtsausdrücken seiner Senioroffiziere ausgesetzt.

»Also gut«, sagte er. »Data, Sie und Geordi machen sich an die Arbeit mit diesen Sonden und finden heraus, was wir noch tun können, um unsere Sensoren zu verstärken.« Riker nickte in Richtung des Sichtschirms. »Dann suchen wir jetzt mal diesen Planeten.«

KAPITEL 3

HIERU.S.S. Enterprise-E

Lieutenant T’Ryssa Chen lehnte sich in ihrem Sessel zurück und legte ihre Füße auf dem Rand der Konsole ab, an der sie im Computerlabor der Stellarkartografie des Schiffes gearbeitet hatte. Die Arbeitsstation war eine von zehn, die um die große runde Plattform in der Mitte des Raums positioniert waren. Vor ihr schwebte eine dreidimensionale, computergenerierte Nachbildung von Raumobjekt NGC 8541.

»Warum können sie diesen Dingern keine besseren Namen geben?«, fragte sie und änderte ihre Position so, dass sie es noch bequemer hatte. »Ich meine, irgendein Kartograf der Sternenflotte hat sich die Mühe gemacht, diese Region den Odysseeischen Pass zu nennen, also warum nicht auch ein bisschen Liebe für alles andere? Nur die wichtigen Sachen scheinen diese Art Aufmerksamkeit zu bekommen, während die kleineren und doch genauso liebenswerten Dinge wie dieser Nebel hier einfach ignoriert werden.« Sie seufzte theatralisch. »Wenn man mal darüber nachdenkt, ist es wirklich eine Tragödie.«

Neben ihr sah Lieutenant Dina Elfiki von ihrer eigenen Konsole auf und warf ihr einen misstrauischen Blick zu. »Bist du hergekommen, um mir zu helfen oder um mich mit deinen Kommentaren abzulenken?«

»Wer sagt, dass ich nicht beides gleichzeitig machen kann?« Chen grinste. »Du weißt doch, was für ein unglaublich guter Multitasker ich bin.«

Obwohl Elfiki den Kopf schüttelte, musste sie unweigerlich lächeln. »Es gibt Tage, da hasse ich dich wirklich.«

»Ist heute einer dieser Tage?«

»Noch nicht, aber es ist noch früh.« Elfiki richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihre Konsole, drückte auf dem Touchpad herum, und ein kurzer melodischer Ton erklang. Das holografische Abbild des Nebels begann sich um neunzig Grad zu drehen und bot ihr und Chen eine neue Sicht auf die Masse aus Gasen, Staub und Bruchstücken innerhalb der sich stetig verändernden Grenzen der Wolke. Von Chens Position aus befand sich im unteren linken Quadranten des Nebels eine kleine graue Kugel, die den unbekannten Planeten darstellte.

Elfiki sagte: »Wir haben erst fünfundvierzig Prozent des Nebels kartografiert, es bleibt also noch eine Menge zu erforschen.« Die Sensorscans des Bereichs waren nach Entdeckung des Planeten ausgesetzt worden. »Was diesen kleinen Kerl angeht, muss er wohl einer der langweiligsten Orte sein, die ich jemals gesehen habe. Es ist nicht mehr als ein nackter Fels. Keine Atmosphäre, keine Bodenschätze, kein gefrorenes oder eingeschlossenes Wasser. Abgesehen von dem Nuklearreaktor, der das Gebilde auf der Oberfläche mit Energie versorgt, sind Asteroiden interessanter als dieses Ding.«

»Vielleicht ist das ja gerade der Punkt«, schlug Chen vor. »Möglicherweise haben diejenigen, die sich da unten breitgemacht haben, diesen Planeten ja aus einem bestimmten Grund ausgewählt. Also vielleicht liegt es gerade daran, dass es sich um einen langweiligen toten Felsen handelt. Dort ist nichts und niemand, was man einem Risiko aussetzen könnte. Wenn also was schiefgelaufen ist, hat sich der Schaden auf die Leute begrenzt, die dort arbeiten.«

»Genau das habe ich auch schon die ganze Zeit gedacht. Oder dass es genau die Art Ort ist, an dem die Romulaner oder der Sternenflottengeheimdienst einen Außenposten oder ein Gefängnis einrichten würden. Du weißt schon, an einem Topurlaubsort.«

Chen sah ihre Freundin mit erhobener Augenbraue an. »Ich glaube, du solltest die Wahl deiner Urlaubsorte überdenken.«

Elfiki ignorierte den Kommentar und gab weitere Befehle in ihre Konsole ein. »Der Nebel stört unsere Sensoren immer noch, aber ich arbeite mit dem Maschinenraum daran, sie neu einzustellen.« Sie schüttelte den Kopf. »Es geht nur langsam voran.«

Chen deutete auf die computergenerierte Darstellung des Planeten. »Was ist mit der Einrichtung selbst? Irgendwas Interessantes?«

»Da bin ich mir sicher«, erwiderte Elfiki. »Die Energiewerte, die wir an dieser Position auf dem Planeten messen, sind unglaublich. Soweit ich sagen kann, gibt es zwei Strukturen, eine viel größer als die andere, von der die Quantenfluktuationen ausgehen, die wir festgestellt haben. Währenddessen scheinen sich alle Lebensformen auf die kleinere Struktur zu beschränken, die sich in einiger Entfernung zu ihrem größeren Vetter befindet.«

»Wer immer sie sind«, sagte Chen, »sie antworten nicht auf unsere Rufe. Das Einzige, was wir zurückbekommen haben, ist dieselbe automatische Botschaft, die sich unablässig wiederholt und uns warnt, auf Abstand zu bleiben, und dass sie das, was mit dem Planeten passiert, selbst verursacht haben. Selbst wenn sie unsere Hilfe nicht wollen oder es wirklich zu gefährlich für uns ist, näher zu kommen, was kann es schon schaden, mit uns zu reden?«

Elfiki lächelte. »Klingt, als jucke es jemanden gewaltig, als Erstkontaktspezialistin aufzutreten.«

»Na ja, sicher. Ich meine, das ist schließlich meine Aufgabe.« Chen deutete auf den Raum um sie herum und damit auch auf die übrige Enterprise. »Nach der soundsovielten Gelegenheitsarbeit in einer anderen Abteilung beginne ich mich halt zu fragen, ob es sinnvoll war, eine Kontaktspezialistin in die Mannschaft aufzunehmen, wenn ich praktisch nie Gelegenheit dazu habe, jemanden zu kontaktieren.«

Es war für Chen und auch viele andere Besatzungsmitglieder zu so etwas wie einem Dauerscherz geworden, dass ihre Hauptaufgabe als Kontaktspezialistin nur höchst selten gebraucht wurde. Sie verbrachte einen Großteil ihrer Zeit mit solch banalen Angelegenheiten wie dem Verfassen von Einsatzberichten, detaillierten Analysen, welchen neuen Spezies die Enterprise begegnen könnte, und Empfehlungen, welche nächsten Schritte die Sternenflotte und die Föderation bezüglich einer neu entdeckten Zivilisation ergreifen könnte. Wenn sich die fragliche Spezies auf einem für einen autorisierten Erstkontakt zu geringen technischen Entwicklungsstand befand, mussten Chens Berichte jedwede mögliche Auswirkung bezüglich der Obersten Direktive enthalten sowie die Konsequenzen einer Einmischung der Enterprise in die Angelegenheiten einer Gesellschaft, die noch nicht auf die Realität interstellarer Nachbarn vorbereitet war.

Diese Berichte machen immer am meisten Spaß.

»Wenn wir herausfinden, was es mit diesen Quantenfluktuationen auf sich hat«, sagte Elfiki, nachdem sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihre Konsole gerichtet hatte, »können wir sie vielleicht dazu bringen, ein wenig offener zu werden. Als Erstes werde ich sie dann fragen, was sie hier draußen im Nichts machen. Haben sie nach einem unbewohnten Planeten für ihr Projekt gesucht?«

Chen erwiderte: »Als du mir gesagt hast, dass du herkommst, hast du erwähnt, dass du auch noch nach einem anderen Planeten suchst.«

»Ich wollte hauptsächlich die Möglichkeit ausschließen.« Elfiki deutete auf die Holoprojektion des Nebels. »Ich bezweifle, dass sich irgendwo in dieser Suppe noch ein anderer Planet versteckt.« Der Wissenschaftsoffizierin war die Idee gekommen, bevor sie die Brücke verlassen hatte und lange bevor Chen in der Stellarkartografie angekommen war. Sie hatte es damit erklärt, dass sie das Offensichtliche ausschließen wolle, während die Idee gleichzeitig Grund genug für sie war, die Kartografierung der Region fortzuführen, um zu sehen, was sich noch darin verbarg.

»Es war eine dumme Idee«, fügte Elfiki hinzu. Sie ächzte frustriert, lehnte sich zurück und rieb sich die Augen. »Wow, aber ich bin erschöpft. Ich hatte erst seit einer Stunde geschlafen, bevor ich auf die Brücke gerufen wurde.« Sie seufzte. »Ich dachte, solche Dinge passieren immer nur während der Alpha-Schicht.«

Chen lächelte. »Dann würde den Nachtschichtkollegen doch der ganze Spaß entgehen. Das wäre nun wirklich nicht fair, oder?« Plötzlich musste sie gähnen, und sie drehte sich herum. »Moment mal. Ich bin gestern Abend an deinem Quartier vorbeigekommen, und du warst nicht da. Zumindest hast du nicht aufgemacht.« Sie kniff die Augen zusammen. »War nicht das erste Mal. Also raus mit der Sprache.«

Chen gab sich ahnungslos. »Was meinst du?«

»Für jemanden, der zur Hälfte Vulkanierin ist, hast du ein lausiges Pokerface.« Elfiki richtete ihren ausgestreckten Zeigefinger auf sie. »Komm schon. Außer dem Kind des Captains weiß doch jeder, dass Rennan und du wieder zusammen seid. Und wenn ich so darüber nachdenke, weiß es der Kleine wahrscheinlich auch.«

»Also, erstens … igitt!« Chen verzog ihr Gesicht und verschränkte die Arme vor der Brust. »Und zweitens, ist mein Pokerface wirklich so schlecht? Ich habe daran gearbeitet, weißt du? Vor dem Spiegel und alles.«

Elfiki trat ihrer Freundin spielerisch gegen das Bein. »Jetzt hasse ich dich. Hör auf, Zeit zu schinden, und fang an zu reden. Ich will Details. Spezifische, explizite Details. Überlasse nichts der Fantasie. Gar nichts.«

»Du bist echt ein hoffnungsloser Fall, weißt du das?«, sagte Chen. »Sammelst du Klatsch für den Rest der Mannschaft oder was?«

»Ich bin Herausgeberin des Gerüchte-Newsletters des Schiffs.« Die Wissenschaftsoffizierin winkte Chen näher heran. »Wir waren wochenlang unterwegs zurück hierher, und du verschwindest immer nach dem Dienst irgendwohin. Raus damit, sonst erfinde ich einfach was.«

Wo bleibt der Rote Alarm, wenn man ihn braucht?

Chen seufzte resigniert. Ihre Freundin würde sie immer weiter löchern und nerven, bis sie ihr etwas über ihre neu entflammte Romanze mit Rennan Konya erzählte. Ihre Beziehung mit dem stellvertretenden Sicherheitschef der Enterprise war in den Monaten nach der Borg-Invasion merklich abgekühlt. Konya hatte sich unglaublich schuldig gefühlt, dass er den kurzen, aber verheerenden Konflikt überlebt hatte, während doch so viele seiner Freunde und Schiffskameraden dabei gestorben waren. Die Gefühle, die seinen Verstand benebelt und seine Seele verdüstert hatten, waren dafür verantwortlich gewesen, dass er sich nicht nur von seinen Freunden, sondern fast jeder Form sozialer Interaktion zurückgezogen und sich wie besessen in die Arbeit gestürzt hatte. Sein Training der Sicherheitsabteilung war so intensiv und unversöhnlich geworden, dass sich einige der Junioroffiziere bereits bei der Sicherheitschefin Lieutenant Aneta Ŝmrhová beschwert hatten. Nachdem sie eingegriffen und als seine Vorgesetzte und Freundin mit ihm geredet hatte, war Konya klar geworden, was er getan hatte. Schließlich hatte er eingewilligt, sich mit Doktor Hegol Den, dem Counselor des Schiffs, zu treffen. Das war Chens Meinung nach das Beste für Konya, da sie wusste, dass die Herangehensweise des Bajoraners sehr entspannt war und eine Atmosphäre bot, die seine Patienten ohne Druck auf einen korrektiven oder therapeutischen Weg brachte.

Chen war sich außerdem darüber bewusst, dass sich Konya immer noch gelegentlich mit Hegol traf, auch wenn diese Sitzungen nicht mehr so regelmäßig waren wie vor einem Jahr. Auch wenn die Gefühle, die ihn plagten, nicht verschwunden waren, konnte er sie nun doch zumindest in Schach halten. Und schließlich hatte Chen erfreut festgestellt, dass seine fröhlichere Persönlichkeit wieder zum Vorschein kam.

»Was gibt es da schon zu erzählen?«, fragte sie. »Du hast selbst gesagt, dass jeder auf dem Schiff bereits zu wissen glaubt, dass wir vor Monaten wieder zusammengekommen sind.«

Elfiki grinste. »Klar, aber wir wollen über das reden, was während dieser Monate passiert ist.«

»Du weißt, dass es nicht so ist.« Chen lehnte sich zurück. »Nach der Sache mit dem Waffenschiff der Raqilan und nach seiner Entschuldigung dafür, dass er mit mir Schluss gemacht hat, war er nicht darauf aus, wieder etwas anzufangen. Genauso wenig wie ich, aber wir sind immer noch Freunde, und es war schön, wieder Zeit mit ihm verbringen zu können.«

Die kürzliche Begegnung der Enterprise mit zwei neu entdeckten Gesellschaften, den Raqilan und den Golvonek, hatte dafür gesorgt, dass Chen und Konya hatten eng zusammenarbeiten müssen. Ihre Mission war es gewesen, die Poklori gil dara zu untersuchen, ein riesiges Raumschiff, das raqilanische Ingenieure in Jahrzehnten erbaut hatten, um es durch die Zeit ins späte dreiundzwanzigste Jahrhundert zurückzuschicken. Das Ziel des Schiffs dort war simpel gewesen: den Krieg zu verhindern, der beide Zivilisationen und ihre jeweiligen Heimatwelten fast ausgelöscht hatte. Dies hätte erreicht werden sollen, indem die Poklori gil dara den Heimatplaneten der Golvonek zerstört und sie so davon abgehalten hätte, in den Krieg ziehen zu können. Raqilanische Wissenschaftler und Ingenieure hatten das gigantische Schiff mithilfe einer Technologie konstruiert, die sie im Wrack eines »Planetenkillers« gefunden hatten. Es handelte sich um eine riesige autarke Maschine, die vor Jahrtausenden von einer unbekannten, hoch entwickelten Kultur geschaffen worden war. Die wenigen Begegnungen der Sternenflotte mit solchen Schiffen waren in Erinnerung geblieben, aber es war die raqilanische Wiederherstellung des antiken Automaten, die Chen so ungemein beeindruckt hatte. Konya und sie waren im ersten Außenteam an Bord gewesen und hatten das Schiff erkundet. Chen hatte über die Bauweise gestaunt sowie darüber, wie seine raqilanischen Schöpfer einige Aspekte des Designs des zerstörten Vorgängers angepasst und sogar verbessert hatten.

Es war während ihrer Erkundung des fremden Schiffs gewesen, als Konya sich für sein Verhalten bei Chen entschuldigt hatte. Später, nachdem sie und ihre Kollegin, die Sicherheitsoffizierin Lieutenant Kirsten Cruzen, an Bord der Poklori gil dara fast gestorben wären, hatte Konya seine Entschuldigung wiederholt, begleitet von seinem Wunsch zu tun, was immer nötig sei, um die Sache zwischen ihnen wieder in Ordnung zu bringen. Abgesehen davon hatte er nichts von ihr erwartet oder verlangt.

»Es war seine Aufrichtigkeit, die mich überzeugt hat«, sagte Chen, während sie sich an seine offensichtliche Erleichterung erinnerte, als er sie lebend in der Krankenstation der Enterprise gesehen hatte. »Er wirkte so verletzlich und betrübt und froh, mich zu sehen.« Sie zuckte mit den Schultern. »Was soll ich sagen? Es hat mich einfach berührt.«

»Und dann hast du ihn berührt«, antwortete Elfiki. Als Chen die Zähne zusammenbiss und ihre Wangen rot wurden, schlug die Wissenschaftsoffizierin zufrieden die Beine übereinander. »Na endlich. Jetzt kommen wir zum Punkt.«

»Jetzt hör schon auf! Es war einfach nett, wieder mit ihm reden zu können, weißt du? Mit dem alten Rennan, so wie er war, bevor … all das passiert ist.«

Elfiki nickte. »Klar, das verstehe ich.«

»Dann haben wir mit dem anderen Zeug weitergemacht.«

»Natürlich habt ihr das.«

Die beiden Frauen lachten, und Chen wurde klar, dass ihre ursprüngliche Befangenheit, was dieses empfindliche Thema anging, abgeklungen war. »Um deine Frage zu beantworten, ja. Es ist sehr schön, wieder … du weißt schon.«

»Nein, weiß ich nicht. Erzähl mir mehr.«

Chen kniff die Augen zusammen. »Einen Augenblick mal. Ich bin hier nicht die Einzige, die saftigen Tratsch zurückhält. Was höre ich von dir und diesem Steueroffizier der Gamma-Schicht?«

»Lieutenant Weinrib?« Elfiki runzelte die Stirn. »Was ist mit ihm?«

Chen verdrehte theatralisch die Augen. »Du willst mir was von schlechtem Pokerface erzählen? Du bist nicht die Einzige, die sich ihre Zeit mit ein paar außerdienstlichen Aktivitäten vertreibt.« Sie wackelte mit den Augenbrauen, um ihrer Andeutung Nachdruck zu verleihen. Nun lief auch ihre Freundin rot an. »Mhm!«

Selbst auf einem Raumschiff so groß wie die Enterprise, mit einer Besatzungsgröße von über tausend Personen, war es immer noch eine eng verbundene Gemeinschaft. Viele Wochen und Monate gemeinsam durch den Weltraum zu reisen, sorgte dafür, dass die Gerüchteküche brodelte. Eines der interessantesten Themen waren jegliche romantische Verbindungen – oder das Ende ebensolcher – zwischen Besatzungsmitgliedern, und auch wenn die meisten äußerst diskret vorgingen, war es nahezu unmöglich, solches Wissen vor den Kameraden geheim zu halten. Was Elfiki und Gary Weinrib anging, hatte Chen durch Zufall gehört, dass ihre Freundin Zeit mit dem Lieutenant verbrachte.