Sterben können - Lisa Freund - E-Book

Sterben können E-Book

Lisa Freund

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Beschreibung

Dem Tod das Ungewisse nehmen Die erfahrene Sterbebegleiterin Lisa Freund vermittelt wichtiges Basiswissen im Umgang mit Sterben und Tod für Betroffene, Angehörige und alle, die sich mit dem Thema auseinandersetzen wollen. Sie verbindet auf respektvolle und mitfühlende Weise praktische und emotionale Aspekte der Vorbereitung auf das Lebensende. Lisa Freund ist eine sozial engagierte Buddhistin, die seit mehr als zwanzig Jahren aktiv in der Hospizbewegung tätig ist. Sie hat viele Menschen ehrenamtlich auf ihrem letzten Weg begleitet. Die Autorin, Schülerin von Sogyal Rinpoche, dem Autor von "Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben", hat ein eigenes Seminarprogramm entwickelt, das sie in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien lehrt.

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Seitenzahl: 238

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Lisa Freund

Sterben können

Wie wir uns darauf vorbereiten wie wir Abschied nehmen wie wir Nahestehende begleiten

Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.

Über dieses Buch

Was wissen wir über den Tod? Wie können wir uns auf das Sterben einstellen? Lisa Freund ist seit vielen Jahren in der Hospizarbeit und als Sterbebegleiterin tätig. Sie vermittelt wichtiges Basiswissen im Umgang mit Sterben und Tod für Betroffene, Angehörige und alle, die sich mit dem Thema auseinandersetzen wollen.

Inhaltsübersicht

Einführung

Mein Leben mit Sterben und Tod

Danke

Sterben im Wandel

Es geht nicht ohne Ethik

Der Schwellenprozess

Als Gast auf der Welt

Über das Leben nachdenken

Nachdenken über Vergänglichkeit

Themen des Schwellenprozesses

Aufbau des Schwellenprozesses

Alles loslassen

Die Seifenblase

Materialien zum Schwellenprozess

Die letzte Lebensphase

Das Leben ist eigentlich genug

Großzügig sein

Schenken

Das Loslassen von Besitz

Ein Testament verfassen

Die Patientenverfügung

Annehmen

Die Betreuungsverfügung

Die Vorsorgevollmacht

Vertrauen stärken

Organspende

Die Bestattungsverfügung

Das spirituelle Testament

Fragebogen zum spirituellen Testament

Die letzten Dinge regeln

Gut für sich sorgen und den Geist vorbereiten

Beziehungen und Konzepte loslassen

Unheilbar krank – emotionale Erfahrungen

Mit der Krankheit leben

Die innere Einstellung ist wichtig

Mit körperlichen Einschränkungen leben lernen

Der Selbstablehnung mit Freundlichkeit begegnen

Sich selbst annehmen

Zu den eigenen Bedürfnissen stehen

Joshus letzter Hilferuf

Jedes Leben ist ein Schatz

Sich und anderen vergeben

Einander verzeihen – Franz und Nadja

Anderen vergeben – Beziehungsknoten lösen

Klärende Begegnungen

Rollenspiel

Kreative Wege

Abschied vom Leben

Das Abschiedsfest – Hannelore

Lösung der Beziehung zu Familienmitgliedern

Loslassen von Konzepten

Wertvolle Augenblicke

Da sein

Kleines Glück – die Hühnersuppe

Negative Gedanken transformieren

Sterbenskranke begleiten – Basiswissen für Angehörige und Helfende

Abschied

Geschäftigkeit am Lebensende

Rat einholen

Das private Netzwerk

Füreinander da sein

Das professionelle Netzwerk

Ambulante Hospize

Stationäre Hospize

Palliativstationen

Das Akutkrankenhaus

Die Intensivstation

Pflegeheime und Wohngemeinschaften

Hilfen für Begleiter

Warum will ich helfen?

Entschleunigung

Emotionale Achtsamkeit

Kraftquellen

Zuhören

Aufrichtigkeit

Atmosphärisches

Humor

Dankbarkeit

Ekel

Letzte Wunscherfüllung

Außergewöhnliche Bewusstseinszustände

Entwürfe loslassen

Verwirrung

Koma

Spirituelle Begleitung

Gedanken über eine neue Sterbe- und Trauerkultur

Gemeinschaften gründen

Sterben gehört zum Leben

Sterben und die virtuelle Welt

Anhang

Wo finde ich Hilfe?

Pflegebedürftigkeit und Alter

Vorsorge

Im Sterben und im Tod

Informationen für Patienten

Lebensbedrohliche Erkrankungen

HIV

Mukoviszidose und andere lebensbedrohliche Erkrankungen

Demenzerkrankungen

Trauer

Schmerzen

Spirituelle Begleitung

Verwendete Literatur

Der Schwellenprozess

Formulare

Ratgeber der Verbraucherzentrale:

Weitere Hinweise

Beziehungen und Konzepte loslassen

Sterbenskranke begleiten – Basiswissen für Angehörige und Helfende

Spirituelle Begleitung

Gedanken über eine neue Sterbe- und Trauerkultur

Weiterführende Literatur

Einführung

Es ist ein frühlingshafter Morgen. Leo und ich schlendern an Tulpenbeeten vorbei auf einem Weg, der zum See führt. Leo schaut auf seine Schuhe, ein wenig nachdenklich. In den ausgewaschenen Jeans und mit seinem bunten Ringelshirt wirkt er grazil, fast zerbrechlich. Er wird bald elf Jahre alt. Diesmal wird sein Geburtstag ohne Oma Lillys leckere Himbeertorte stattfinden. Oma Lilly liegt im Bett in einem hellen Einzelzimmer mit weißen Gardinen vor den Fenstern. Sie ist vor einigen Stunden gestorben. Leos Eltern sind noch bei ihr, sitzen am Tisch neben dem Bett. Sie wollen mit der Verstorbenen innerlich Zwiesprache halten. Leo und ich haben uns zugenickt, dann sind wir gegangen.

Obwohl die Sonne scheint und die Natur um uns herum explodiert, fühlen wir uns von einer Wolke der Traurigkeit umhüllt. Die Aufbruchstimmung der Natur dringt nicht zu uns durch.

Ich spüre, wie Leo meine Finger berührt, bevor er sehr sanft seine Hand in meine legt. Wir halten einander fest, gehen still an noblen Villen vorbei, biegen dann ab zum See. Dort lösen wir uns voneinander, lehnen uns an ein Holzgeländer, schauen den Entenfamilien zu.

Als Leo aufblickt, sagt er zu mir: »Wenn man den Geist auf den Tod vorbereitet, ist Sterben kein Problem.« Er schaut mir durchdringend in die Augen. Ich bin erstaunt über diesen Satz aus dem Mund eines Jugendlichen. »Meinst du, Oma Lilly war vorbereitet?«, frage ich. Er nickt mit dem Kopf und formuliert ein klares »Ja«. »Woher weißt du das?« Leo antwortet: »Sie hat es mir gesagt: ›Hab keine Angst. Ich geh bald auf die Reise und passe vom Himmel aus auf dich auf.‹«

Ich frage Leo nach einer Weile: »Was, glaubst du, geschieht, wenn ein Mensch stirbt?« Ohne zu zögern, antwortet er: »Der Geist reitet auf dem Wind aus dem Körper heraus und fliegt so schnell wie eine Rakete hoch in den Himmel. Dann sucht er sich einen Platz und wird ein Stern.«

Ich bleibe still und denke nach, »Wenn man den Geist auf den Tod vorbereitet, ist Sterben kein Problem …« Leo sagt später, er habe diesen Satz in einem seiner Harry-Potter-Bücher gelesen und er sei überzeugt davon, dass er wahr ist. Er meint, die Erwachsenen bereiten sich nicht auf den Tod vor. Sie tun immer so, als gebe es nur das Leben in dieser Welt. Leo findet das nicht nur merkwürdig, sondern auch richtig dumm. Er möchte sich vorbereiten, denn der Flug in den Himmel, der sei ein Abenteuer, meint er, und betont: »Ich liebe Abenteuer … bei denen braucht man Mut, denn man weiß nie genau, was kommt … Das Leben hört doch nicht auf. Es geht weiter, nur anders. Ich wünsche Oma Lilly, dass sie es gut hat und für uns alle als Stern leuchtet, wenn es dunkel ist.«

Dieses Buch knüpft an Leos Erkenntnis an: »Wenn der Geist vorbereitet ist, ist das Sterben kein Problem.« Ob und wie wir uns auf den Tod vorbereiten, das entscheidet jeder Mensch für sich auf dem Hintergrund seiner Einstellungen und Überzeugungen. Wir können eine kreative und produktive Umgangsweise mit dem Sterben entwickeln, die auch das Leben erleichtert, indem wir uns immer wieder mit dem Thema Loslassen beschäftigen, dem Loslassen von materiellen Dingen, von Beziehungen ebenso wie unseren Konzepten. Loslassen beschreibt einen Prozess, bei dem wir aufgefordert sind, uns ins Ungewisse hinein zu öffnen und zu entspannen. Mit jedem Loslassen wächst ein Stück Freiheit, Unabhängigkeit und Leichtigkeit in uns.

Leo hat etwas davon ganz tief in seinem Herzen verstanden, ohne viel Worte darum zu machen. Auf dem Weg zurück vom See zu Oma Lilly will ich ihn darauf vorbereiten, dass ihr Körper am Abend von einem Bestatter in einen Sarg gelegt wird und wir dann alle gemeinsam Abschied nehmen, bevor Oma Lilly hinausgetragen wird. Ich mache Leo Vorschläge. »Wenn du magst, kannst du der Omi etwas mit auf den Weg geben, einen Edelstein, ein Foto, ein Stofftier, ein selbstgemaltes Bild, einen Abschiedsbrief, eben etwas, was dir wichtig ist, was sie begleiten soll. Das kannst du auch selbst in den Sarg legen.« Leo überlegt nicht eine Sekunde, er ist ein bisschen aufgeregt, und ich spüre Empörung in seiner Stimme: »Wozu?« Er schaut mich herausfordernd an. »Sie kann nichts mitnehmen, die Omi. Im Sarg, da liegt jetzt ihr Körper. Ihre Seele ist vielleicht schon ein Stern. Wieso sollte ich sie mit Dingen belasten? Ich denke an sie und sag ihr, dass ich sie liebhabe und sie keine Angst haben soll. Das tut ihr sicher gut.« Leo findet Abschiedsgeschenke albern. »Der Omi helfen sie nicht wirklich, höchstens den Menschen, die sie mitbringen. Wenn die sich mehr mit dem Sterben beschäftigen würden, wären solche Geschenke nicht nötig.« Leo denkt da ein bisschen weiter. Sterben und Tod gehören seit Jahrtausenden zu den spirituellsten Themen der Menschheit. Der Tod galt immer als Brücke zu einer anderen Welt, wurde als Übergang oder Wandlung verstanden und war und ist bis heute ein Mysterium. Um ihn ranken sich eine Vielzahl von Jenseitsvorstellungen und Kulte. Einige der bedeutendsten Kulturdenkmäler sind Grabmale. Die Begegnung mit Sterben und Tod hat Menschen die Augen für Vanitas, die Vergänglichkeit des Lebens, geöffnet. Angesichts der Fortschritte in der Medizin und der Möglichkeiten der palliativen Medizin sowie der modernen Pflege könnten wir den Eindruck gewinnen, beim Sterben gehe es überwiegend um eine Symptomkontrolle, die die Palliativmedizin immer besser bewältigen kann. Das nährt die Hoffnung, Sterben sei ein kontrollierbarer physiologischer Akt. Wir haben zwar vielfältige Möglichkeiten, das Sterben kompetent zu begleiten, und Wahlmöglichkeiten, was Therapien und Sterbeorte anbetrifft, sowie ein ausgeprägtes Vorsorgeszenario, dennoch ist das Sterben ein zutiefst persönlicher und unberechenbarer Prozess. Es geht um die Lösung des Bewusstseins vom Körper. Spirituelle Begleitung, die in eine optimale palliativmedizinische Versorgung sowie kompetente und liebevolle Pflege eingebettet sein sollte, kann Sterbende in diesem Wandlungsprozess sanft unterstützen.

Wohin genau die Reise am Ende des Lebens geht, darüber können wir nur spekulieren. Es bleibt ein Mysterium.

Ich richte in diesem Buch den Blick darauf, wie jeder von uns sich auf das kommende Lebensende vorbereiten kann, ganz praktisch im Sinne von Vorsorge, die eingebettet ist in einen tiefgreifenden inneren Prozess. Hierbei geht es darum, der eigenen Vergänglichkeit realistisch, verantwortlich und humorvoll zu begegnen. Dafür habe ich den Schwellenprozess entwickelt, der im ersten Kapitel dieses Buchs beschrieben wird. Im Brennpunkt des Schwellenprozesses steht das Loslassen. Es geht sowohl um die Erstellung des Testamentes, einer Patientenverfügung und dazugehöriger Vollmachten, einer Bestattungsverfügung und eines spirituellen Testaments sowie das Nachdenken über Organspenden. Der Prozess holt Sterben und Tod aus der Tabuzone, stärkt Ihr Vertrauen, fordert Sie heraus, Gewohntes aufzugeben, und fördert Flexibilität. Mit Hilfe von Visualisierungen und Übungen können Sie erleben, dass es einen weiten, schützenden Raum hinter den alltäglichen Gefühlen, Gedanken und Wahrnehmungen, Ängsten gibt, in dem Sie geborgen und geschützt sind. Im nächsten Schritt geht es um das innere Loslassen von Beziehungen. Ich zeige Wege, wie Sie Unerledigtes abschließen und Abschied nehmen können und dabei innerlich wertschätzend und mitfühlend bleiben, was Ihnen viel Kraft gibt.

Für alle, die einen Menschen in der letzten Lebensphase begleiten, habe ich Hinweise für den Umgang mit Gefühlen und Übungen, die Selbstwertschätzung und Vertrauen fördern, zusammengestellt sowie Geschichten, aus denen man lernen kann. Darüber hinaus finden Sie Anregungen, wie Sie sich Hilfe holen und im Informationsdschungel zurechtfinden.

Das Thema spirituelle Begleitung wird kurz dargestellt. Es basiert auf der Erkenntnis, dass Spiritualität und Religion in der westlichen Welt nicht mehr identisch sind. Das spirituelle Selbstverständnis, das Begleitende mitbringen, spürt der Sterbenskranke, und das hilft ihm, mit seinen eigenen geistig-seelischen Bedürfnissen in Resonanz zu gehen. Beide können ganz unterschiedliche Wege gehen und dennoch miteinander kommunizieren.

 

Dieses Buch endet mit Anregungen für eine neue Sterbekultur, bei der die Übernahme von Verantwortung für das Sterben in generationsübergreifenden Lebens- und Hausgemeinschaften eine große Rolle spielt. Es folgt ein Einblick in neue Formen der Trauerbewältigung in der virtuellen Welt. Im Anhang finden Sie ein weiterführendes Literaturverzeichnis ebenso wie kommentierte Hinweise zu Hilfsangeboten und Netzwerken.

Dieses Buch ist zugleich handfest und spirituell. Es gibt eine Vielzahl von Hilfsmitteln an die Hand, wie Sie die letzten Dinge anpacken und bewältigen können.

Mein Leben mit Sterben und Tod

Von 1990 bis heute habe ich etliche Menschen am Lebensende begleiten dürfen, und zwar in unterschiedlichen Einrichtungen oder auch bei den Menschen zu Hause. Die wertvollen Erfahrungen, die ich in den Begegnungen mit Sterbenden erleben durfte, sind in dieses Buch eingeflossen. Ich bin unendlich dankbar für das Vertrauen dieser Menschen und ihrer Angehörigen, die ich beraten oder in der Trauer begleitet habe. Ohne sie wäre dieses Buch undenkbar. Seit Ende der 80er Jahre widme ich mich den Themen Sterben, Tod und Trauer, vor allem als ehrenamtliche Sterbebegleiterin. Ich habe nach einigen Praktika und angeregt durch einen Kurs bei Christine Longaker in den 90er Jahren in Berlin ein ambulantes Hospiz mit aufgebaut, dessen Vorsitzende ich einige Jahre war. Das Hospiz löste sich wieder auf, und ich begab mich in die Obhut des Ricam-Hospizes, des ersten stationären Hospizes in Berlin, dem ich bis heute eng verbunden bin. Seit der Gründung von Ricam bin ich dort in der Ausbildung von Hospizhelfern und in jüngster Zeit auch als Supervisorin tätig. Die Grundlagen der Begleitung erlernte ich im Elisabeth-Hospiz in Lohmar-Deesem von meinen Freunden Sibilla und Josef Brombach, die mich bis heute sehr inspirieren, und ich absolvierte eine Ausbildung zur Hospizhelferin im buddhistischen Zen-Hospice in San Fransisco bei Frank Ostaseski. Bei Rigpa, der Organisation des tibetischen Lehrers Sogyal Rinpoche, war ich in den 90er Jahre im Bereich spirituelle Begleitung aktiv, organisierte 1996 einen großen Internationalen Kongress zum Thema Sterben, Tod und Leben in München mit, ging dann aber, was die Hospizarbeit betrifft, eigene Wege. Ein buddhistisches ambulantes Hospiz gründete ich zusammen mit einer Ärztin und anderen Interessierten im Jahr 2004. Es ist das ambulante Hospiz von Bodhicharya, dessen spiritueller Leiter ein tibetischer Lama aus Sikkim, Ringu Tulku, ist. In diesem Hospiz arbeite ich bis heute in der Fortbildung und als Supervisorin. Aus ihm sind andere Projekte entstanden. Ein Praktikum bei einem Bestatter in Berlin hat meinen Horizont erweitert und mir Einblicke in all das, was nach dem Tod wichtig ist, gewährt. Bis heute leite ich kleine Trauerrituale auf Wunsch am Totenbett an, gestalte manchmal Trauerfeiern und berate zu den Themen Sterbebegleitung, Ritualgestaltung, Abschieds- und Trauerbewältigung. Der Schwerpunkt meiner Arbeit in all den Jahren liegt auf der spirituellen Begleitung.

Die Begleitung Sterbenskranker, egal wo und wie lange, leiste ich immer als ehrenamtliche Arbeit, daher bin ich jahrelang für meinen Lebensunterhalt einem Lehrberuf nachgegangen. Ich habe ein eigenes Curriculum zum Thema Umgehen mit Sterben, Tod und Trauer entwickelt, das ich stets erweitert habe und bis heute lehre. Auf diesem Hintergrund bin ich als Seminarleiterin und Vortragende in allen möglichen Einrichtungen und Akademien und auch in buddhistischen Zentren tätig.

Auch von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern meiner Kurse sowie den Menschen, die zu mir in eine Beratung kamen oder mir in meiner Arbeit assistiert haben, durfte ich viel lernen. Ihnen bin ich sehr dankbar. Ihre Impulse sind in dieses Buch mit eingeflossen ebenso wie Erfahrungen mit der Krankheit und dem Sterben meines Vaters, meiner Großmutter und einiger Freundinnen.

Sterbenskranke und ihre Angehörigen habe ich immer gerne und mit ganzem Herzen unterstützt. Ich bin fest davon überzeugt, das Bewusstsein überlebt den Tod.

Ich möchte mit einer Widmung abschließen, die in meiner buddhistischen Tradition gesprochen wird. Sie verdeutlicht, dass der Sinn all dessen, was hier entstanden ist, dem Wohle aller fühlenden Wesen dienen soll. Mit dieser Widmung schließe ich gemeinhin meine Übungen und Seminare ab.

Mögen durch die Kraft und die Wahrheit unseres Tuns

alle Wesen Glück erfahren und die Ursachen von Glück.

Mögen Sie frei sein von Leid und den Ursachen von Leid.

Mögen alle niemals getrennt sein von der großen Glückseligkeit,

die frei ist von Leid.

Und mögen Sie in Gleichmut leben,

ohne Anhaftung und ohne Abneigung

sowie im Wissen um die Gleichheit von allem, was lebt.

Danke

An dieser Stelle möchte ich allen Menschen danken, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben, die ich auf ihrem Weg begleiten durfte, von denen ich gelernt habe, dazu gehören auch Hospizmitarbeiter und Seminarteilnehmer, Therapeuten und Ärzte, Familienmitglieder und Menschen, die mich als Beraterin aufgesucht haben, und all denen, die mich unterstützt haben. Ganz besonders bedanke ich mich bei meinen spirituellen Lehrern Sogyal Rinpoche, Ringu Tulku, Dzogchen Ponlop Rinpoche und allen anderen sowie bei Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten durfte, in Seminaren, bei Vorträgen, in der Veranstaltungsplanung, der Öffentlichkeitsarbeit, in unterschiedlichen Projekten. Sie haben mich geprägt und in mir Spuren hinterlassen, die in dieses Buch einfließen. Meiner Lektorin Ursula Richard danke ich für ihren klaren Blick, die gute Zusammenarbeit, ihre Kompetenz, dem Verlag für die freundliche, gute und produktive Kooperation. Meiner Mutter danke ich besonders für ihr Verständnis sowie die großzügige und liebevolle Unterstützung.

Sterben im Wandel

»Grenzen wir den Tod aus, verblasst das Leben.«

Reimer Gronemeyer

Das Thema Tod, Sterben und Trauer betrifft uns alle: So wie jeder andere, werde auch ich eines Tages sterben. Es ist das Einzige, was wirklich sicher ist im Leben.

 

Bis in die 70er Jahre waren Tod, Sterben und Trauer in Deutschland keine öffentlich verhandelten Themen. Sie galten als private Ereignisse und Erfahrungen, die jeder für sich zu bewältigen hatte, oblagen dem Zuständigkeitsbereich der Familie, der Seelsorge, der Kirchen, waren auch eine religiöse Angelegenheit. Man redete selten öffentlich darüber. Gestorben wurde, außer im Krieg, bei Katastrophe oder Unfällen, bis ins 20. Jahrhundert überwiegend zu Hause. Es gab christliche Rituale, die eine Gemeinschaft am Totenbett schufen, wie das Rosenkranzbeten in katholischen Regionen, die Letzte Ölung, die Aufbahrung Verstorbener zu Hause oder in Friedhofskapellen, die Totenwache und viele regional unterschiedliche Bräuche. Der Priester oder Pfarrer vor Ort kam ins Haus, um zu kondolieren und Riten zu vollziehen. Die Familie nahm generationsübergreifend Anteil am Tod eines ihrer Mitglieder. Es gab Gedenkgottesdienste, das Trauerjahr, in dem sich die Hinterbliebenen schwarz kleideten. All dies basierte auf über Jahrhunderte gewachsenen Traditionen, von denen heute nicht mehr viele lebendig sind.

Heute findet Sterben in Einrichtungen wie Krankenhäusern, Einrichtungen der Altenpflege, Hospizen statt. Im Zuge der gesellschaftlichen Entwicklungen ergibt sich daher die wichtige Frage: Wie versorgen wir unsere Kranken, Alten und Sterbenden ganzheitlich und gut, wenn das zu Hause nicht mehr geht? Darauf antwortete die Hospizbewegung, ins Leben gerufen von Cicely Saunders mit der Gründung des St. Christopher’s Hospice in London 1967.

Die Hospizbewegung in Deutschland war ursprünglich mehrheitlich von Ehrenamtlichen geprägt, die auch heute noch eine wichtige Rolle spielen. Sie kämpften gegen würdelose Bedingungen für Sterbenskranke, schlossen sich zunächst in Arbeitsgemeinschaften, dann in Regionalverbänden zusammen. Heute agiert der DHPV (Deutscher Hospiz- und Palliativverband) bundesweit, gibt eine eigene Zeitschrift heraus und vertritt die Interessen der deutschen Hospizbewegung in der Öffentlichkeit.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Vorgesehen ist in Deutschland eine bessere ambulante und stationäre palliativmedizinische Versorgung von Schwerkranken zu Hause durch ein Netzwerk aus Pflegediensten, speziell ausgebildeten Ärzten, ambulanten Hospizen, stationären Einrichtungen und privaten Dienstleistern. Diese Versorgung wird von den Kassen finanziert und steht jedem zu.

Sterbenskranke haben, wenn es um die Planung der letzten Lebenszeit geht, also Alternativen, unter denen sie oder ihre Angehörigen wählen können. Man kann sich heute kostenlos beraten lassen, um eine auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnittene und finanzierbare Versorgung zu finden.

Es geht nicht ohne Ethik

Wie eine Gesellschaft mit ihren Alten und Schwachen umgeht, zeigt, wo sie ethisch steht. Wir sind herausgefordert, an einer mitfühlenden und menschenwürdigen Fürsorge mitzuwirken – und das ist letztlich auch eine Frage moralischer Maßstäbe. Vergegenwärtige ich mir, auch ich werde einmal alt und gebrechlich sein und sterben, so kann ich mich in einem alten Menschen oder einem Sterbenskranken wiedererkennen. Wir sind uns ähnlich, machen die Erfahrung von Krankheit, eventuell von Alter, sicher von Sterben und Tod, nur zeitversetzt. Das kann mich motivieren, gut und mitfühlend für diese Person zu sorgen. Dann lasse ich mich auf eine Begegnung ein, die mein Leben bereichern wird, in der ich erlebe, wie das geht: loslassen und sterben.

 

Eine neue Ethik bedeutet: Achtsamkeit und Mitgefühl im Umgang mit Kranken und Sterbenden, Wertschätzung ihrer Bedürfnisse sowie die Anwendung aller medizinischen und sonstigen Fortschritte zu ihrem Wohl, auch über die Symptomkontrolle oder Schmerztherapie hinausgehend. Das sind Ideale, für die sich die Hospizbewegung immer schon engagiert hat.

Der Schwellenprozess

»Geburt und Tod sind nur Türen, durch die wir hindurchtreten, heilige Schwellen auf unserer Reise.«

Thich Nhat Hanh

Es geht in diesem Kapitel um einen inneren Prozess des Loslassens der materiellen Dinge. Ich möchte Sie dazu anregen, bewusst die letzten Dinge zu regeln, vom Testament über die Patienten- und Betreuungsverfügung bis hin zur Bestattungsverfügung und dem spirituellen Testament. Sie widmen sich der Vorsorge und durchwandern dabei einen geistig-seelischen Prozess der Befreiung, der durch innere Widerstände führen wird.

Mit Hilfe von kleinen Übungen und Meditationen haben Sie die Möglichkeit, behutsam zu erforschen, wie es sich anfühlt, z.B. Materielles bis hin zum Körper aufzugeben. Sie ermitteln Ihre Bedürfnisse und Interessen im Hinblick auf Ihr Lebensende und erwerben Grundlagenkenntnisse zur Erstellung Ihres Testaments und der oben genannten Verfügungen. Zur Einstimmung dienen einige Gedanken zum Umgang mit Vergänglichkeit.

Als Gast auf der Welt

In der Geschichte von Janosch »Der Tod und der Gänsehirt« kommt der Tod über den Fluss, um Menschen, deren Lebenszeit zu Ende ist, abzuholen und mitzunehmen. Dabei trifft er auf einen reichen Mann, der etliche Häuser besitzt. Dieser Mann beklagt sich beim Tod, der ihm einen Strich durch die Rechnung macht, denn könnte er noch länger leben, würde er sich weitere Häuser kaufen und wäre noch reicher. Er weigert sich, mitzugehen und sich auf das Unausweichliche einzulassen, hält fest an seiner Besitzgier. So hat er immer gelebt. Das wirkt absurd, denn er hat gar keine Chance, dem Tod zu entgehen. Dieser Mann sieht die Welt als einen Ort, den er zu seinem Eigentum machen möchte.

Es ist eine alte Weisheit: Wir können alles besitzen, müssen es nur jederzeit loslassen können. Wer alles jederzeit loslassen kann, weiß, dass er eigentlich nichts besitzt. Er begegnet allem in der Welt mit Wertschätzung und Dankbarkeit, hat Freude am Leben und ist frei vom Streben nach Eigentum, damit innerlich unabhängig, gibt und nimmt, ohne anzuhaften. Wenn wir eine solche Einstellung gegenüber materiellem Besitz entwickeln und dann auf den Körper übertragen, empfinden wir den Körper als ein Geschenk, einen Tempel für den Geist oder die Seele, die in ihn eingezogen ist. Er steht uns zur Verfügung, doch er gehört uns nicht. Beide arbeiten im Leben zusammen, sind ein Team und lassen einander los, wenn es an der Zeit ist. Körper und Geist haben eine Art Lebensvertrag miteinander, in dem sie sich gegenseitig dienen und wertschätzen.

In diesem Sinne ist jeder von uns ein Gast auf dieser Welt, die wir nicht besitzen, die sich aber mit all ihrer Fülle und all ihren Problemen vor uns ausbreitet und uns auffordert, achtsam mit ihr umzugehen und mit dem zu fließen, was gerade ist.

Über das Leben nachdenken

Während wir hier leben, ändert sich vieles, wir ändern uns, Zeit vergeht, wir werden alt, und irgendwann ist das Leben zu Ende. Ein Gefühl für das Geschenk des Wandels bekommen wir, wenn wir zurückblicken auf den Reichtum unserer Erfahrungen, auf Krisen, Hoch-Zeiten und die Wandlungen, die wir erfahren haben, also wenn wir unser Leben Revue passieren lassen.

Einen solchen Rückblick auf Ihr Leben schlage ich Ihnen als Einstieg in den Schwellenprozess vor. Je öfter Sie Ihr Leben betrachten, umso deutlicher werden Sie feststellen: Rückblick ist nicht Rückblick. Der Blickwinkel, den Sie gerade in diesem Moment einnehmen, prägt die Erinnerung. Also ist auch die Erinnerung nichts Konstantes, sie ändert sich, weil die Gedächtnisinhalte mittels neuronaler Schaltungen immer wieder neu verknüpft werden. Außerdem kommt mit jedem Atemzug ein Stück neues Leben und neuer Erfahrung und Erinnerung dazu. Das Gedächtnis speichert nicht alles. Es trifft eine winzige Auswahl aus den unzähligen Impulsen, die es aufnimmt.

Im Rückblick auf das Leben, in unserer Erinnerung, fügen wir immer neue Facetten zum Erlebten hinzu, verändern Details, verschieben Wertungen, malen bestimmte Erlebnisse bunt aus, vergessen vieles. Das hat mit der Tatsache zu tun, dass wir heute nicht dieselbe Person sind wie gestern. Es gibt eigentlich keine Kontinuität unserer Erinnerung, es gibt auch nur scheinbar eine Kontinuität unserer Persönlichkeit, aber es gibt eine Kontinuität unseres Bewusstseins. Unsere Sinneswahrnehmungen und die uns innewohnenden »Programme« binden uns an die Materie und unsere Illusionen. Ein tieferes Verständnis für das, was Bewusstsein ist oder die unsterbliche Natur, das Göttliche in uns, kann uns helfen, das Leben, aber auch den Tod besser zu verstehen. Das verändert unser Verhältnis zum Sterben, das eigentlich nur den Körper und die von ihm abhängige Persönlichkeit betrifft. Das Hotel wird nicht mehr so wichtig, sondern das, was umzieht, der Geist.

Im Lebensrückblick können wir über die äußeren Erlebnisse hinausgehen und erforschen, was wir innerlich gelernt haben, welche geistigen Entwicklungen angestoßen wurden. Gerade weil wir Erkenntnisse immer wieder neu verknüpfen, haben wir die Chance, tiefer zu schauen, hinter die Dinge zu blicken und einen Sinn zu finden.

Nachdenken über Vergänglichkeit

Die folgende Übung aus dem tibetischen Buddhismus regt dazu an, vielfältige Aspekte der Vergänglichkeit zu sehen. Im Vordergrund stehen die Kostbarkeit dieses zerbrechlichen Lebens, die Unbeständigkeit der Erscheinungen, die Endlichkeit dieses Körpers, die Kraft von Karma und die Freude, im Leben sinnvoll zu wirken für sich und andere. Nehmen Sie sich Zeit zum Nachdenken und Spüren.

 

Vergegenwärtigen Sie sich,

die Zerbrechlichkeit dieses Lebens und erkennen Sie, wie wertvoll es ist. Alles, was einen Anfang hat, hat auch ein Ende. Auch dieser Körper wird sterben. Wir sollten darauf vorbereitet sein und solange wir leben Sinnvolles tun.

Alles unterliegt dem Prozess von Ursache und Wirkung, auch Karma genannt. Deshalb ist es wichtig, achtsam zu sein, die Folgen unserer Handlungen zu überdenken und Mitgefühl zu entwickeln.

Unsere Wahrnehmungen sind so trügerisch wie die Spiegelung des Mondlichts im Wasser. Sich zu verankern im Raum hinter den Phänomenen, in dem alles miteinander verbunden ist, das macht uns frei. Das geschieht, wenn wir unsere Anhaftungen und Abneigungen überwinden.

Dieses Nachdenken kann zu tiefen Einsichten in die Vergänglichkeit der Erscheinungen und die Kontinuität des Bewusstseins führen. Man kann es mit dem Erforschen eines persönlichen Problems verknüpfen. Dieses schaut man sich an und betrachtet dabei die Entwicklung des Problems, seine Verknüpfungen mit unterschiedlichen Sachverhalten, entblättert es wie eine Rose, meist offenbart sich so ein Lösungsweg.

Themen des Schwellenprozesses

Im Schwellenprozess geht es ebenso um die konkrete Auseinandersetzung mit Alter, Krankheit, Tod wie um die spirituelle Dimension unserer Existenz. Sie füllen nicht einfach Verfügungen aus, sondern schauen tiefer in den Sinn des Lebens und Sterbens hinein. Dazu gehört auch ein realistischer Umgang mit körperlichen Veränderungen, die uns z.B. das Alter, aber auch eine lebensbedrohliche Krankheit beschert. Im Alter lassen unsere körperlichen Fähigkeiten nach, auch unser Bewusstsein sowie unsere Sinneserfahrungen können sich trüben. Vielleicht erleben wir Verwirrung und werden einmal pflegebedürftig. Einige von uns werden ihr Haus, die große Wohnung aufgeben, sich verkleinern, in eine Senioreneinrichtung einziehen und am Ende ein Bett in der Pflegeabteilung belegen. Das ist ein Prozess, bei dem wir vom Leben loslassen, und es ist wichtig, ihn für sich positiv zu gestalten, ihn selbst in die Hand zu nehmen, solange das geht. Viele Menschen entscheiden sich im Alter für einen Umzug, verkleinern ihren Aktionsradius und trennen sich von Besitztümern.

Die im Grundgesetz festgelegten Rechte auf Selbstbestimmung und Menschenwürde müssen wir heute vielfach am Lebensende selbst einfordern. Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass die Familie für Sie sorgt, wenn Sie im Sterben liegen, auch wenn noch Angehörige da sind. Immer häufiger wollen sich Kinder oder Verwandte nicht mehr um die letzten Dinge kümmern. Immer öfter sind es Freunde, die helfen, vor allem in den Städten. Das alles hat mit gesellschaftlichen Entwicklungen zu tun. Zudem sind wir eine Gesellschaft, in der persönliches Eigentum ein wesentlicher Faktor ist. Die Regelung des Erbes ist daher wichtig.

Da das Sterben heute keine rein private Angelegenheit mehr ist und überwiegend in Institutionen geschieht, die medizinische und pflegerische Betreuung gewährleisten, und der Fortschritt im Gesundheitssektor Lebensverlängerung auch ohne Berücksichtigung der Menschenwürde ermöglicht, sollten Sie Ihre letzten Dinge frühzeitig regeln. Hierzu gehört die Ausarbeitung einer Patientenverfügung, gegebenenfalls mit Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung und mehr.

Wenn Sie gestorben sind, ist der Umgang mit dem Leichnam gesetzlich geregelt. Hierbei müssen Dienstleistungen beansprucht werden. Sie können Ihren Angehörigen also nicht im Auto nach Hause transportieren, dort eine Weile liegen lassen und dann im Garten begraben. Auch die Bestattungsorte, Friedhöfe und andere letzte Ruhestätten hat der Gesetzgeber vorgeschrieben.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie gut es tut, die letzten Dinge zu regeln. Dabei setzen Sie sich mit der eigenen Sterblichkeit auseinander, was schwer und zugleich befreiend ist. Beim Verfassen des Testaments vergegenwärtigen Sie sich Ihren Besitz und rufen vielfältige Erinnerungen wach, die an ihn geknüpft sind. Daraus kann ein Rückblick auf die Fülle Ihres Lebens werden, in dem Sie all das geschaffen haben, was Sie nun abgeben werden. In der Entscheidungsfindung darüber, was Sie an welche Personen oder Stiftungen geben, denken Sie nach über Menschen und Projekte, die Sie fördern wollen, und bestimmen dann, in welche Hände Ihr Vermögen gehen soll. Sie können Großzügigkeit und Gebefreude entfalten und dabei Anflüge von Geiz oder Missgunst entdecken und überwinden. Verkneifen Sie sich kleine Boshaftigkeiten. Erst wenn Sie sich wirklich darüber im Klaren sind, was Sie wünschen, und Sie zufrieden mit Ihren Entscheidungen sind, sollten Sie das Testament schreiben. Das ist ein Prozess, der manchmal einige Zeit dauert, wenn Sie ihn innerlich vollziehen. Sie denken dabei über Ihr Leben nach und erkennen an, dass Sie nicht unsterblich sind.