Team Arzt und Helferin - Sandra Schäberle - E-Book

Team Arzt und Helferin E-Book

Sandra Schäberle

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Beschreibung

Dieses Buch beschäftigt sich mit vielen verschiedenen Fragen des Berufsalltags einer MFA (Medizinische Fachangestellte). Welche Fragen sollte man sich stellen, BEVOR man diesen Beruf erwählt? Was sind genau die Anforderungen einer MFA?Es beschreibt die schönen und die schattigen Seiten. Aber auch die Frage, sind denn MFA´s und Ärzte EIN Team? Arbeiten sie Seite an Seite und haben stets das gleiche Ziel im Auge, oder sind es doch eher zwei Parteien die manchmal auch gegeneinander sind? Und was würde sich verändern wenn Ärzte und MFA wieder am gleichen Strang ziehen, wenn man neues Verständnis füreinander schafft und die Kommunikation verbessert?

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Seitenzahl: 258

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Danksagung

Mama, Papa, euch beiden Danke ich als Erstes. Dafür, dass ihr alle meine fixen Ideen die ich schon hatte, mitgemacht habt, mich dabei unterstützt und es geduldig ertragt ;). Auf die nächsten verrückten Ideen.

Ich danke vor allem Caro, dass du mich auf dieser wundervollen, anstrengenden und doch so großartigen Reise begleitet und unterstützt hast.

Danke Susanne und Anke, denn ihr habt diese Reise erst abgerundet und immer ein offenes Ohr gehabt.

Danke auch an Martin und Georg, die auf alle meine Fragen ganz großartige Antworten gefunden und mir ihre Zeit geschenkt haben.

Meine liebe Yvi, danke dass du seit dem ersten Tag so mitgefiebert hast und mir als Interviewpartner auch noch Rede und Antwort gestanden hast. Ich danke auch mir selbst, für meinen Mut diesen Weg zu gehen, die Erfahrung und den Wachstum den ich mir dadurch geschenkt habe.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Wie dieses Buch entstanden ist – mein Antrieb inkl. Anekdoten aus dem Praxisleben

Wie Sie mit dem Buch arbeiten können - die 3 Teile im Überblick

Teil 1- Die MFA: mehr als das Mädchen für alles

MFA´s trinken den ganzen Tag Kaffee und tratschen, oder etwa nicht?

ShortCut: Was medizinische Fachangestellte wirklich sind

Zitatseite

Was macht eine Arzthelferin wirklich?

Intrinsische Faktoren

Beispiele aus meinem Alltag als MFA – Gleiches zieht Gleiches an

Wir sind Menschen – Bad Mood Days

Die Grundvoraussetzungen

Zitatseite

Anekdoten aus einer Krankenhaus-Ambulanz

Wie du als MFA dein Fachgebiet findest

Shortcut: Fachgebiet finden

Liste der möglichen Fachgebiete

Wie werde ich als MFA gut?

Shortcut: eine gute MFA sein

Theorie und Praxis: zwei Paar Schuhe?

Zitatseite

Beispiele aus dem Arbeitsalltag einer gutlaufenden Praxis:

Praxen verbessern: Ask a MFA

Teil 2– Ärzte – mehr als nur Chefs

Die Ärzte - ein Perspektivenwechsel

ShortCut: Praxen verbessern? Ask the doc

Teil 3-Gemeinsam Stark

Praktische Tipps und Übungen für direkte Veränderungen im Praxisalltag

Die Zusammenarbeit - ein gemeinsames Konzept entwickeln

Do it by yourself! – Abstecken des Handlungsspielraums

Optimale Arbeitsplatzeinteilung, um unnötige Belastungen zu vermeiden

Ist das schon Psychohygiene?

Praxis-Essential: Selbstreflexion, aber konkret

REFLEXION für MFAs und Ärzte – jeder für sich & gemeinsam

TEAM TIPP: Tages-Reflexion

TIPP FÜR BAD-MOOD-TAGE: Finden Sie das Positive!

Communication is key! –regelmäßige Meetings

Learning by doing –der Rotationsplan

Zum Abschluss: Wie geht es nun weiter?

Einleitung

Vorab ist es mir wichtig zu erwähnen, dass in dem Buch von „Ärzten“ und „medizinischen Fachangestellten“ gesprochen wird, beides dient der Verallgemeinerung und schließt natürlich Ärztinnen als auch besonders die weiblichen MFA Kollegen ein.

Mein Name ist Sandra Schäberle, ich bin 29 Jahre alt und seit über 12 Jahren mit Leib und Seele medizinische Fachangestellte – und jetzt Beraterin für Ärzte und meine Kolleginnen, die gemeinsam eine neue Arbeitsatmosphäre, höhere Praxisqualität und wertschätzendes Miteinander für sich, das Team und die Patienten zugleich schaffen wollen.

Im Lauf der letzten 12 Jahre sind mir viele verzweifelte MFAs begegnet, Ärzte, denen das Team nur bedingt wichtig ist, solange die Sprechstunde irgendwie läuft, und Kolleginnen, die selbst ganz vergessen hatten, wie wichtig ihre Arbeit am Menschen eigentlich ist.

Die Frage, die sich in mir auftat, will ich an andere MFAs oder Ärzte, Verbände, Krankenkassen-Mitarbeiter oder Heiler, Träger und angehende Ärzte weitergeben:

Ist eine Sprechstunde, die „irgendwie läuft“ ausreichend? Ist ein Arbeitsalltag, der nur noch diesem Basisanspruch gerecht wird, befriedigend?

Ist es ausreichend, Dienst nach Vorschrift zu machen und nur noch über die Checklisten-Punkte nachzudenken, statt über die interne Kommunikation, Patientenfürsorge und Weiterbildung?

Gehen viele Menschen nach einem Tag, der „irgendwie vorbeigegangen“ ist, mit einem guten Gefühl nach Hause und gehen sie am nächsten Morgen wieder motiviert und vorfreudig zur Arbeit?

Und was passiert mit einem Team, das weder Freude noch eine wertschätzende Kommunikation lebt? Welche Auswirkungen hat das auf die Personalfluktuation? Welche Auswirkungen hat die dauerhafte Unzufriedenheit am Ende auf die mentale und körperliche Gesundheit sowohl von Ärzten als auch MFAs?

Was passiert mit Mitarbeitern, die keinen richtigen Sinn mehr hinter ihrem Sein sehen, langfristig? Wie bewerten Patienten Praxen und Ambulanzen, die nach diesem Prinzip arbeiten, und würden Patienten in solchen Praxen auch Zusatzleistungen mit Freude kaufen?

Wahrscheinlich nicht.

Würdest du als Arzt und würdest du als MFA diese Situation auch sofort verbessern, wenn jetzt schon klar ist, dass die Veränderung nur einen Katzensprung entfernt und gar nicht schwierig ist?

MFAs und Ärzte können genau das gemeinsam schaffen, dafür braucht es nur ein wenig Hintergrundwissen und die Offenheit, sich selbst zu hinterfragen und möglicherweise eingefahrene Routinen zu erneuern.

Wenn du schon MFA bist, hilft dir dieses Buch, einen neuen Blickwinkel für ein besseres Miteinander, den Wert deiner Arbeit und auf deine eigenen Möglichkeiten, all das mitzugestalten, zu bekommen. Du kannst dieses Buch deinem Arzt weitergeben und ihn bitten, euren Praxis-Alltag mit euch zu verändern.

Wenn du MFA werden möchtest, kann dir dieses Buch helfen, valide zu entscheiden, ob der Beruf wirklich etwas für dich ist und dich mittel- und langfristig glücklich macht. Denn ich plädiere dafür, dass du ihn weise wählst.

Wenn Sie Arzt sind, schauen Sie mithilfe dieses Buchs wohlwollend auf Ihr Team und kritisch auf Ihre aktuelle Situation. Wenn Sie schließlich für sich selbst und Ihre Mitarbeiter, den Erfolg Ihrer Praxis und die Zufriedenheit Ihrer Patienten etwas nachhaltig verändern wollen, erinnern Sie sich an mich und kommen gerne auf mich zu.

Wenn Sie Mitarbeiter einer Krankenkasse, eines Trägers oder Verbandes sind und interessiert an mehr Informationen und Vorträgen von mir sind, sprechen Sie mich ebenfalls gerne an.

Ich möchte mit meiner Arbeit nicht nur die Lücken aufzeigen, die wir alle im Arbeitsalltag gerne übersehen, sondern auch konkrete Lösungen für die individuelle Praxis-Situation bieten und gesamtgesellschaftlich, aber auch auf Praxis-Ebene wieder den Wert der Arbeit, die sowohl Ärzte als auch MFAs täglich leisten, deutlich machen, während auch die Ökonomie einer Praxis berücksichtigt wird.

Dieses Buch ist der Anfang eines neuen Zusammenseins, für mehr Erfolg, Zuverlässigkeit und Freude bei der Arbeit im medizinischen Bereich.

Es ist der Anfang für glücklichere Patienten, weniger Überlastung und Burn-Outs und eine Wiedervereinigung des Teams Arzt und Helferin.

Wenn Sie es wollen.

Wenn du es willst.

Wie dieses Buch entstanden ist – mein Antrieb inkl. Anekdoten aus dem Praxisleben

Dieses Buch soll sowohl dabei helfen, den Beruf der medizinischen Fachangestellten im Allgemeinen wieder attraktiver zu machen, als auch eine Hilfe sein für alle (angehenden) MFAs und Ärzte, die den Arbeitsalltag erleichtern und Abläufe so optimieren wollen, dass alle Parteien (Arzt – Patient – MFA) davon profitieren.

Ich teile bewusst meine Erfahrungen und füge ihnen ein Augenzwinkern hinzu, weil Humor ebenfalls eine Qualität ist, die durch manchmal stressige Praxistage trägt, und Weiterentwicklung, Selbsterkenntnis und Verbesserung Spaß machen dürfen.

Die Idee für dieses Buch entwickelte sich im Lauf der letzten Jahre. Mit jedem Schwung neuer Bewerbungen für Ausbildungsplätze oder auch Festanstellungen wurde mir der Trend deutlich, dass die meisten diesen Beruf eben „einfach so“ machen wollen.

Zunehmend bewarben sich Quereinsteiger ohne Ausbildung im medizinischen Bereich, die dachten, mit ihrer Erfahrung im Einzelhandel wird das schon passen.

Hat ja auch mit Menschen zu tun.

Unzählige Probearbeiter, deren Motivation und Arbeitsmoral direkt im Bett geblieben sind, ausgelernte Fachkräfte mit einem ausgeprägten Mangel an Fachwissen sowie keinerlei Ehrgeiz dies zu ändern, wurden häufiger und irgendwann das neue „Normal“.

Funktioniert ja auch ohne irgendwie.

Als Patientin war ich oft erschrocken über das Desinteresse, die fehlende Motivation und den Mangel an Einfühlungsvermögen und Empathie, der mir entgegengebracht wurde. Zu häufig hätte ich gerne selbst eingegriffen, wenn ich den Eindruck hatte, die Angestellte hinter der Theke hatte keine Ressourcen, die Probleme und Aufgaben zu lösen. Oder einfach keine Lust.

Der Arzt sagt einem ja schon, was zu tun ist, und alles andere spielt keine Rolle.

Einmal stand ich mit einer akuten Kehlkopfentzündung und ohne Termin in einer HNO-Praxis.

Mit einer akuten Kehlkopfentzündung ist Sprechen eher schwierig oder gar nicht möglich, weshalb ich zuvor nicht in der Praxis angerufen hatte, sondern jetzt versuchte vor Ort deutlich zu machen, was mein Problem war.

„Normalerweise müssen Sie vorher anrufen, ohne Termin geht hier eigentlich nichts“, war die wenig hilfreiche Reaktion, die ich mit abfälligem Tonfall und halbem Augenrollen erntete.

So geht es jeden Tag Hunderten Patienten, die sich in einer Notlage befinden, die genau wie ich damals wissen, dass normalerweise ein Anruf in einer Arztpraxis notwendig ist, und die in ihrer Situation keine andere Möglichkeit sehen, als direkt vorbeizukommen.

Empathie und Kommunikationsgeschick können auch in diesen Momenten dem Patienten das Gefühl vermitteln, dass er gesehen wird und willkommen ist. Das schließt nämlich keineswegs aus, dem Patienten auch zu sagen, dass er in der Regel anrufen oder alternativ eine E-Mail senden darf, ihm in seiner Situation jetzt aber natürlich trotzdem geholfen wird. „Beim nächsten Mal…“ oder „wenn’s sonst irgendwie geht, bitte vorher melden…“ wirken ganz anders, wenn Sie mit einem Lächeln und der Offenheit gegenüber dem Problem des Patienten geäußert werden.

Wir alle wissen als Patienten, dass medizinische Fachangestellte oft nur aufgrund von Terminstress so reagieren, wie sie reagieren.

Dennoch macht es etwas mit Menschen, wenn sie dem Stress der Mitarbeiter noch zusätzlich zu ihrem eigenen Stress ausgesetzt werden.

Am Ende vervielfachen sich chaotische Momente und Unzufriedenheit auf allen Seiten nur und zur Heilung trägt Stress auch nicht bei.

Neue Patienten, die zum ersten Mal in die Praxis kommen, suchen sich nach einer solchen Situation nicht selten einen anderen Arzt oder verfassen durchaus zu Recht negative Bewertungen online, über die sich das gesamte Team meist aufregt, statt sie sich zu Herzen zu nehmen und zu prüfen, was vielleicht anders laufen dürfte.

Was aber mitunter der wichtigste Aspekt und Anspruch an uns und diesen Job sein sollte, ist die Zukunft.

Wenn es im Gesundheitswesen so weitergeht wie bisher, werden immer weniger Menschen diese Berufe ausüben wollen.

Das mag auch an der vielfach diskutierten Bezahlung liegen, aber nicht nur. Dem Gesundheitswesen haftet weit mehr als die schlechte Bezahlung als mieser Ruf an.

Die ausbleibende gesellschaftliche und praxisinterne Wertschätzung, keine freie Wahl des Urlaubs, der Termindruck, der manchmal schlechte Teamspirit und der fehlende Halt in fachlichen Fragen und Fragen des Umgangs mit Patienten tun ihr Übriges.

Dabei muss niemand in der Praxis Einzelkämpfer sein.

Niemand muss perfekt sein.

Niemand muss alle Antworten kennen.

Niemand muss für alles verantwortlich gemacht werden.

Vielmehr kann es ein Zusammenspiel aller Teammitglieder, die Ärzte und Ärztinnen inklusive, sein, das Freude macht und weiterbringt.

Dafür dürfen wir zurück zu einem hohen Anspruch an MFAs und Ärzte kommen, das Wissen, das es braucht, aufbauen und Strukturen schaffen, in denen Teamgeist, Weiterentwicklung und eine gute Work-Life-Balance möglich werden.

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass zufriedene Mitarbeiter auch mehr und bessere Arbeit leisten.

Wie Sie mit dem Buch arbeiten können – die 3 Teile im Überblick

Im ersten Teil des Buchs gehe ich auf das Berufsbild der MFA ein. Was macht eine gute MFA aus, was sind eigentlich all die Nebenschauplätze ihrer Tätigkeit und was solltest du wissen, wenn du überlegst, MFA zu werden? Am Schluss dieses Teils findest du ein Interview mit einer langjährigen medizinischen Fachangestellten, das auch für Ärzte sehr interessant ist und zeigt, wo Verbesserungspotenziale in Praxen liegen. Denn: Diese MFA kennt verschiedene Praxen und weiß, was einen gut laufenden Praxisalltag ausmacht.

Im zweiten Teil des Buchs beleuchten wir die Perspektive des Arztes, seine Tätigkeiten und im Rahmen zweier Interviews das Verbesserungspotenzial von Praxen und MFAs aus Sicht des „Chefs“.

Im dritten Teil des Buchs finden Sie konkrete Ideen für direkte Praxis-Verbesserungen, die teilweise alleine und teilweise im Team umgesetzt werden können.

Überall im Buch finden Sie außerdem die „Shortcuts“ nach den Abschnitten, die Ihnen die Essenzen des jeweiligen Kapitels zeigen und auch nach einigen Wochen nach dem Lesen des Buchs hilfreiche Erinnerungen sein können.

Teilen Sie diese oder die Zitat-Seiten gerne auch in Social Media, wenn Ihnen etwas besonders zusagt und hängen geblieben ist und Sie sich ebenfalls gut laufende Arztpraxen sowohl für Angestellte und Chefs als auch unsere Patienten wünschen.

Viel Freude und Erfolg beim Lesen und scheuen Sie sich nicht, Kontakt mit mir aufzunehmen, um nachhaltige Veränderungen in Ihrem Arbeitsalltag umzusetzen.

TEIL 1

DIE MFA: MEHR ALS DAS MÄDCHEN FÜR ALLES

Was ist eine MFA überhaupt? Ausgeschrieben bedeutet es Medizinische/r Fachangestellte/r.

Fragst du einige MFAs, bedeutet die Abkürzung Mädchen/Mann für alles. Der Praxisalltag zeigt, dass es manchmal auch so ist und eine der Qualitäten, die eine gute MFA mitbringen darf, ganz klar Flexibilität ist.

Ich habe in über einem Jahrzehnt MFA-Tätigkeit interessante, stressige, wundervolle und aufregende Situationen und Aufgaben in Teams, mit Patienten und Ärzten und auch mit mir selbst erlebt und gemeistert. Leider musste ich in all den Jahren auch feststellen, dass der Beruf, den ich immer mit Leidenschaft gelebt habe, häufig als letzte Option, wenn das Zeugnis sonst nichts hergibt, als sicherer Hafen missbraucht wurde.

Im Gesundheitswesen brauchen sie eh immer Leute ist kein guter Grund dafür, medizinische Fachangestellte zu werden.

Gerne mit Menschen zu arbeiten und ihnen mit der eigenen Präsenz Sicherheit in einer verletzlichen Situation zu geben, wäre einer von vielen besseren Gründen.

Da zu sein, auch, wenn es um ganz private Anliegen der Patienten geht, und sich auf das Abenteuer, das jedes Individuum mitbringt, einzulassen, die Leben dieser Menschen zu begleiten und ihre Sorgen und Nöte genauso kennenlernen zu wollen wie ihre freudvollen Augenblicke, wäre ein weiterer.

Wer den Beruf MFA nur wählt, weil er denkt, mit seinem Schulabschluss nichts anderes zu bekommen, macht ihn langfristig nicht von Herzen und stuft ihn als einfach und unkompliziert ein.

Er ist jedoch komplex und außerordentlich bereichernd, vielfältig und verlangt zahlreiche Qualitäten von einem, wenn man ihn wirklich mit Liebe und somit mit Freude machen will.

Mein Buch soll helfen, genau diese Fehleinschätzung von vornherein zu vermeiden und Ärzte und Schulen dabei unterstützen, gute MFAs auszubilden, die als Teil einer Praxis später großen Einfluss auf interne Abläufe, die Zufriedenheit der Patienten und das Weiterkommen im medizinischen Bereich haben – ebenso wie die Ärzte, die sie führen.

MFAs trinken den ganzen Tag Kaffee und tratschen, oder etwa nicht?

Solche Sätze drehen jedem medizinischen Fachangestellten den Magen um.

Deinen Job hätte ich gerne. Den ganzen Tag Karteikarten sortieren und mit Patienten quatschen!

Ich arbeite körperlich hart, das ist viel anstrengender als das, was du machst.

In diesem Beruf wird so viel mehr geleistet, als Karteikarten sortiert und geplaudert.

Der Wettkampf unter Bekannten, wer den anstrengenderen Job hat, ist überflüssig und doch machen viele MFAs die Erfahrung, mit solchen Sätzen konfrontiert zu werden.

Als Arzthelferin selbst hilft da nur ein gutes Mindset und das wiederum entsteht nur, wenn wir die Bewusstheit für den Beruf und all seine Facetten, die Verantwortung, die er mit sich bringt und die Skills, die dafür nötig sind, endlich wieder schaffen, verinnerlichen und sich nicht zum Zweifeln verleiten lassen.

Viele Menschen denken, nur Ärzte tragen Verantwortung und die Mädels und Jungs mit den bunten Poloshirts sitzen den ganzen Tag dekorativ in der Ecke, trinken Kaffee und tratschen.

Wenige denken darüber nach, dass sie jedoch der erste Ansprechpartner sind, wenn es um Beschwerden aller Art, das Praxismanagement, Abrechnungsmöglichkeiten und viele andere Fragen geht.

Hinter einer augenscheinlich einfachen Terminvereinbarung steckt die Bewertung der Dringlichkeit. Wer evaluiert telefonisch, ob ein Patient ein Notfall ist oder nicht?

Hinter einer einfachen Frage eines Patienten steckt in vielen Fällen das Bedürfnis nach Intimität, Sicherheit und Halt, denn der Mensch, der fragt, wie oft er die Tabletten nochmal nehmen muss, weil er es im emotionalen Stress der Diagnose vergessen hat, ist krank. Er ist verletzlich und manchmal empfindlich.

Hinter Papierkram und Bürokratie stecken oft die Gefühle von gebundenen Händen, Langwierigkeit und Überdruss und auch die dürfen MFAs managen, während sie den Patienten bestenfalls im Blick haben und sich um ihn kümmern.

Sie hören sich die Krankengeschichten an und filtern als erste Anamnese wichtige Informationen für die Ärzte heraus, während sie auch die Familiengeschichte des Patienten erfahren und nicht selten als Motivator und Trostspender für zahlreiche Randprobleme fungieren.

Gelernt haben sie das in Ausbildungen nicht, aber mit der Zeit, denn einige Patienten haben manchmal keine Angehörigen oder Freunde mehr, denen sie sich anvertrauen können.

So entstehen menschliche Beziehungen, die vor allem dann, wenn eine tragische Diagnose gestellt oder von Verlusten berichtet wird, auch verarbeitet werden dürfen. Das gilt übrigens unabhängig von der Fachrichtung.

Selbst in der Orthopädie erlebte ich Patienten, die einen Tumor diagnostiziert bekamen oder junge Sportler, die erfahren mussten, dass durch die aktuelle Verletzung das Karriereende droht.

In solchen Augenblicken ist es egal, ob der Arzt schon alles erklärt hat. Medizinische Fachangestellte tun es nochmal.

Sie trocknen Tränen, machen Mut und antworten wiederholt auf die ängstlichen Fragen, die der Patient stellt. Sie bleiben im Sprechzimmer, bis der Mensch vor ihnen bereit ist, zu gehen.

Für den Moment.

Bis er wahrscheinlich wiederkommen muss.

Die vielfältigen Aufgaben einer MFA sind wunderschön, erfüllend und bereichernd, aber sie belasten unter Umständen auch und bedürfen, gesehen zu werden.

Von Angehörigen und Freunden nach Feierabend ebenso wie gesamtgesellschaftlich, von Ärzten und Menschen, die den Ausbildungsberuf anstreben, gleichermaßen. Wer täglich bis zu 50 Lebensgeschichten und Probleme hört, ist in seiner Freizeit nicht selten einfach geschafft und hat wenig Kapazitäten für noch mehr Probleme und erst recht keine Lust, sich vorwerfen zu lassen, den ganzen Tag nur Kaffee zu schlürfen.

Ärzte treten an vorderer Front meist dann in Erscheinung, wenn es laut und ungemütlich wird oder MFAs Hilfe einfordern, ansonsten sind die medizinischen Fachangestellten diejenigen, die all das bearbeiten und vom Arzt oder der Ärztin weghalten.

Auf der anderen Seite sind genau das auch die Gründe, warum dieser Job nie langweilig wird. Man trifft so wahnsinnig viele unterschiedliche und auf ihre Art interessante Menschen. Ich kann kaum zählen, wie viele schöne oder dramatische Lebensgeschichten ich schon hören durfte.

Wer sich sowohl als Arzt als auch als MFA darauf einlässt, dass Menschen voller Freude oder Leid ihre Geschichten erzählen, erlebt die kleinen Wunder im Alltag. Er wird auf Reisen rund um die Welt mitgenommen, sieht bildhaft Wohnungen und Häuser vor sich, spürt die Liebe eines alten Paares, das alles miteinander teilt, und bekommt vielleicht ganz unverhofft den besten Ratschlag seines Lebens für seine eigenen Beziehungen mit auf den Weg.

Andere Patienten erzählen, welche Karriere sie hatten und welche Inspirationen sie selbst erleben durften.

Selten, aber manchmal gibt es Menschen, die einen Teil ihres Lebens erzählen, den sie bisher verschwiegen haben.

Überall.

Und der Arzt oder die MFA ist die Person, die diesen Moment teilen darf. Daraus kann eine ganz besondere Verbindung entstehen, obwohl sich eigentlich zwei halbwegs Fremde begegnet sind…

Die momentane Realität ist allerdings die, des Zeitmangels. In einer vollen Sprechstunde ist keine Zeit fürs zuhören, fürs Trost spenden, keine Zeit fürs Mensch sein.

All die Rand-Skills, die es für diesen Job und ein erfülltes Privatleben braucht, können auch praxisintern und durch den persönlichen Einsatz der Angestellten aufgebaut und so ein optimales Umfeld für alle geschaffen werden, das die Arbeit als MFA über mehrere Jahrzehnte hinweg wieder attraktiver macht. In der klassischen Ausbildung lernen MFAs nicht, wie sie mit den Belastungen des Berufs bestenfalls umgehen und was in einer Praxis alles schaffbar, machbar und besser strukturierbar ist, um trotz Unplanbarkeiten eine gute Work-Life-Balance leben zu können, geschweige denn über Diagnosen, Symptome und kausale Zusammenhänge. Hintergrund-und Fachwissen stehen nicht auf dem Lehrplan und soll in der Praxis vermittelt werden. Bei dem „soll“ bleibt es nur leider all zu oft.

Der Job medizinische Fachangestellte ist jedoch nicht der einzige Ausbildungsberuf, der im Gegensatz zu Jobs mit akademischer Ausbildung gesellschaftlich weniger anerkannt ist, aber warum eigentlich?

Eine praktische Berufsausbildung zu absolvieren, zeigt den Willen, sich langfristig für einen beruflichen Weg zu entscheiden. Sie ebnet den Weg für zahlreiche Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten und öffnet Türen und Tore für Erfolg und Erfüllung. In den letzten Jahren ist es üblich geworden, zu studieren, auch dann, wenn die eigenen Interessen vielleicht anderswo liegen.

Ich unterstütze Eltern, die ihren Kindern vermitteln, dass eine Berufsausbildung wertvoll ist und jeder Mensch mit seinem Können, seiner Leidenschaft und seinem Wissen unsere Gesellschaft bereichert.

Wir brauchen gut ausgebildete medizinische Fachangestellte, Erzieher, Krankenpfleger und Betreuer genauso wie versierte Handwerker, die aus wenigen Zutaten etwas Nahrhaftes herstellen und unsere Dächer reparieren können.

Wenn wir gesamtgesellschaftlich ganze Ausbildungsberufe abwerten, werten sich auch die Mitarbeiter in diesen Zweigen selbst ab. Die Ansprüche an die Grundausbildung und das Fachwissen wieder zu erhöhen wird umso schwerer, ist aber erstrebenswert, um eine höhere Praxisqualität auch durch zufriedene Patienten und mit weniger Stress für alle und geringerer Personalfluktuation zu haben.

Als ich 2009 meine Ausbildung begonnen habe, brauchte es als Mindesteinstiegsvoraussetzung noch die mittlere Reife mit einem guten Notendurchschnitt.

Heute erleben wir in Praxen oft, dass ein mittelmäßiger Hauptschulabschluss für die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch „reicht“.

„Wir müssen nehmen, was wir kriegen“, ist der O-Ton.

Für Berufe, in denen mit Menschenleben gearbeitet wird.

Das muss wieder anders werden.

Auch wenn Noten alleine nicht wichtig für die Arbeit in der Praxis, sondern vor allem soziale Kompetenzen gefragt sind, geben Schulzeugnisse Aufschluss über Teile des Charakters eines Menschen.

Wie viel Mühe gibt sich die Person, auch wenn sie vor Aufgaben steht, die ihr nicht liegen?

Ist sie bereit, sich in Themen einzuarbeiten, die auch mal mühsam für sie sind?

Hat sie den Anspruch, sich zu verbessern oder verliert sie auf lange Sicht die Motivation?

Welche Stärken zeichnen sich möglicherweise auch durch die Zeugnisse und Abschlüsse ab und passt das zu dem, was in der Praxis tatsächlich gebraucht wird? Vielleicht gibt es bereits Mitarbeiter, die besonders gut mit Zahlen können, aber wenige, die kommunikativ kompetent sind oder andersrum.

Wenn es schließlich zum Vorstellungsgespräch kommt, dürfen konkrete Fragen gestellt werden, abgestimmt auf die Bedürfnisse der Praxis.

Es darf mehr ausgelotet werden, ob die Personen für die tatsächlichen Anforderungen, die die Tätigkeit mit sich bringt, geeignet sind oder ob sie nur einen kleinen Teil – und den vielleicht nur kurzzeitig – erfüllen würden.

Und weil wir immer wieder von Teamarbeit sprechen, darf auch die Teamkompetenz angesehen und die bisherige Zusammenstellung der Praxis berücksichtigt werden.

Shortcut: Was medizinische Fachangestellte wirklich sind

Praktische Ausbildungsberufe sind für die gesamte Gesellschaft wichtig und für Lehrlinge erfolgsversprechend.

Eine gute, schulische Grundausbildung ist für den Job als MFA essenziell.

MFAs sind das Aushängeschild der Praxis.

Sie fungieren auch mal wie Therapeuten, Forscher, Manager und Motivatoren.

Ihre Hauptaufgaben liegen nicht in Terminen und Kaffeetrinken, sondern im Umgang mit Menschen.

„Der eigentliche Job ist es, Mensch zu sein und andere Menschen beim Menschsein zu begleiten. Ohne Wenn und Aber.

(Sandra Schäberle, Team Arzt & Helferin)

Was macht eine Arzthelferin wirklich?

Schauen wir nochmal in die Berufsbezeichnung, steht da Folgendes:

„Medizinische Fachangestellte assistieren Ärzten und Ärztinnen bei der Untersuchung, Behandlung, Betreuung und Beratung von Patienten und führen organisatorische und Verwaltungsarbeiten durch.“

So weit so gut, aber ist man mit der Beschreibung jetzt schlauer? Dröseln wir das Ganze mal alltagsspezifisch auf.

Wie bereits erwähnt sind MFAs oft die ersten Ansprechpartner für Patienten, so auch für Notfallpatienten, die als solche auch erkannt werden müssen. Dafür musst du als MFA nicht einmal in einem speziellen Fachbereich arbeiten. Spätestens seit der Corona-Krise wissen wir: Selbst am Telefon dürfen erste Symptome eingeordnet werden – auch und erst recht in Praxen von Allgemeinmedizinern.

Die Konsequenzen von Fehleinschätzungen können im schlimmsten Falle lebensbedrohlich sein. Deshalb ist es umso wichtiger zu verstehen, dass Hintergrundwissen und regelmäßige Schulungen, Interventionen und Trainings Bestandteil dieses Berufs sein dürften. Wie das für jede einzelne Praxis umsetzbar ist, können Sie in einem Gespräch mit mir erörtern.

Die ersten Anzeichen eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls sollte jede noch so neue Mitarbeiterin erkennen können.

Dafür dürfen MFAs innerhalb kurzer Zeit in einem ersten Gespräch so spezifische Fragen stellen, dass sie entscheiden können, ob der Patient wirklich auf einen regulären Termin warten oder sofort in der Praxis erscheinen sollte.

Das sind die sogenannten „organisatorischen Aufgaben“. Machen wir weiter mit „Assistieren bei Behandlungen“.

Außenstehende oder diejenigen, die sich für den Beruf der MFA interessieren, stellen sich jetzt vor, wie sie neben dem Arzt stehen, ihm hin und wieder Werkzeuge reichen oder wie im Film die Stirn abtupfen und anschließend aufräumen.

Kleine Vorbereitungen und das Anreichen von Material gehören definitiv dazu, aber auch den Patienten dabei zu beruhigen und seine Vitalwerte und Reaktionen im Blick zu behalten. Viele Menschen reagieren auf Stress durch Diagnosen, auf Spritzen oder Blut mit Ohnmacht, einige hyperventilieren. Manche bleiben natürlich auch völlig ruhig. Dennoch kann all das passieren. Eine achtsame MFA kann in diesen Fällen helfen. Und nicht nur dann.

Einige Untersuchungen dürfen MFAs selbstständig durchführen.

Auch hierbei sind ein Adlerauge, Fachwissen und Empathie essenziell, denn werden wichtige Anzeichen oder Reaktionen übersehen, kann das schwere Konsequenzen haben. In einigen Fällen sollte eben doch ein Arzt hinzugezogen werden.

Das einzuschätzen, gehört zum Aufgabenfeld einer MFA dazu.

Und nur weil es wirklich wesentlich ist, nochmal die Erwähnung des Gehörs für die Sorgen und Ängste des Patienten, für die Softskills, die es für alles zwischen den Zeilen braucht, Feingefühl, Gespür, Empathie und die Bereitschaft, intensiven Kontakt zu teils fremden Menschen zu haben und ihnen weiterzuhelfen.

An dieser Stelle empfehle ich dir und Ihnen den Abschnitt und die Übung in Teil 3 des Buchs zur „Selbstreflexion“.

Intrinsische Faktoren

Was sind intrinsische Faktoren? Fast jeder kennt das Sprichwort Du ziehst an, was du ausstrahlst.

Gleiches zieht eben Gleiches an – positiv und negativ.

In einem späteren Kapitel habe ich ausführlicher dargelegt, wie wichtig Reflexion und vor allem Selbstreflexion ist.

Im Kontext darf sich jeder Leser fragen, was er den lieben langen Tag ausstrahlt. Vielleicht denkst du als MFA auch, dir geht es gut, du bist nicht negativ. In weiten Teilen kann das sogar sein. Aber wie sehr magst du dich wirklich? Wie zufrieden bist du mit dir persönlich, mit deinem Leben in verschiedenen Bereichen? Oder an deinem Arbeitsplatz?

Ich schreibe hier keinen Ratgeber über Selbstliebe und Zufriedenheit und doch möchte ich dich und Sie als Arzt dafür sensibilisieren, dass die Beziehung zu sich selbst und zum eigenen Leben, die persönliche Zufriedenheit auch für den Beruf und alle anderen Beziehungen – inklusive Kollegen, Vorgesetzten und – wie in unserem Fall – Patienten, wesentlich ist.

Wer mit sich selbst im Reinen ist und von innen heraus glücklich, wird genau das ausstrahlen.

Und das spürt das Gegenüber. Wer Gelassenheit, Ruhe und inneres Glück ausstrahlt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass auch der Patient gelassen und ruhig auf ihn zukommt, deutlich.

Es ist leicht zu erraten, welchen Effekt das Gegenteil auf unsere Mitmenschen hat. Unruhe, Gereiztheit, Unglück, Verunsicherung, Verwirrung oder Schuldsuche übertragen sich wie ein Virus.

Das Gute: Wir entscheiden in jedem Augenblick, in dem wir uns daran erinnern und aufmerksam sind, wieder neu, wie wir denken, handeln und wie wir uns fühlen wollen.

Beispiele aus meinem Alltag als MFA – Gleiches zieht Gleiches an

Ich kann über mich selbst sagen, dass ich Frieden mit mir geschlossen habe und mein Leben liebe. Ich habe keine Gründe unglücklich zu sein und mag mich selbst so wie ich bin. Wie jeder Mensch habe ich gute und weniger gute Tage mit verschiedenen Emotionen und gelernt, dass das wichtigste an den weniger guten Tagen ist, sie zu akzeptieren und die Emotionen ziehen zu lassen. Ein schlechter Moment, ein schlechter Tag bedeuten kein schlechtes Leben. Die heitere Gelassenheit, die ich im Lauf meines Lebens erlernt habe, spiegele ich oft nach außen.

Stellen Sie sich vor, wie ich mit meinem durchaus auffälligen Erscheinungsbild durch gut Sichtbare Tätowierungen und Piercings, hinter dem Empfang einer Ambulanz sitze und mir ein völlig neuer Patient, der mich nicht kennt und den ich nicht kenne, erzählt, wieso er heute bei uns ist.

„Mein Arzt hat gesagt, ich habe wohl einen Bandscheibenvorfall und muss eventuell operiert werden“, antwortet der neue Patient.

„Na, da haben Sie ja den Jackpot erwischt!“, sage ich mit einem Lächeln im Gesicht und schaue ihn geradewegs an.

In neun von zehn Fällen lacht mein Gegenüber und stimmt für einen Moment in die Heiterkeit ein, die ich ihm und seinem Wohlbefinden trotz der Diagnose vermitteln möchte. Diese Intention, und auch die ist intrinsisch klar, spüren die meisten Patienten.

Was sie jedoch immer spüren, ist die Authentizität meines Humors, ob sie ihn nun alle großartig finden oder doch mal jemand dabei ist, der weniger mitlachen kann.

Authentische Freundlichkeit und Gelassenheit, Freude bei der Arbeit und Fürsorge sehen für jeden ein wenig anders aus und das ist in Ordnung. Meine Kolleginnen haben mir schon oft bestätigt, wie viel Freude ich durch mein Gemüt in den Patienten und oft auch im Team auslöse.

Stimmt. Weil ich mich nicht verstelle. Menschen schätzen Authentizität und Ehrlichkeit. Auch die Patienten.

In meiner Vergangenheit kam es schon häufiger vor, dass Patienten inmitten eines Lachanfalls des Teams in die Praxis stolperten. Ist das unangenehm? Nur, wenn wir es so bewerten und der Patient nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient.

Humor und Leichtigkeit schließen professionelle, 100-prozentige Präsenz nicht aus. In solchen Momenten kann es die Situation noch angenehmer machen, dem Patienten in einem Satz zu sagen, wieso die Aufregung herrscht und spätestens, wenn er mit Blickkontakt und der herzlichen Wärme von Menschen, die ihn fröhlich willkommen heißen, aufmerksam bedient wird, haben alle gewonnen.

Wir vergessen leicht: Patienten kommen mit Schmerzen, Sorgen und Ängsten in die Praxis. Jemand, der Annahme, Fürsorge und Freude ausstrahlt, hilft ihnen am meisten.

Nicht noch jemand, dem es schlecht geht und der seine Laune an ihnen auslässt.

Aber auch niemand, der ihr Anliegen, ihre Krankheit, ihren Zeitplan und ihre Gefühle nicht ernst nimmt und respektlos fortlaufend Privatgespräche führt, während Daten halbherzig in den PC getippt und Fragen erst nach mehrmaligem Stellen beantwortet werden…

Die Balance ist entscheidend. Und das Beste: Eine respektvolle, präsente, aber authentische und fröhliche Arbeitsweise und Kommunikation kann man lernen. Im Team sogar noch besser als allein.

Wir sind Menschen – Bad Mood Days

Wir sind alle Menschen. Etwas, das selbstverständlich sein sollte, aber doch so oft vergessen wird.

WIR sind ALLE Menschen.

Medizinische Fachangestellte, Ärzte, Patienten.

Letztere stehen in unserem Arbeitsalltag im Fokus.

Wir wissen also im besten Fall: Um die Menschlichkeit unserer Patienten geht’s tagtäglich.

Wie steht’s jedoch um dieses Bewusstsein im Kollegenkreis und im Team? Wie oft haben Sie als Arzt oder hast du als Arzthelferin im Hinterkopf: Die Person vor mir hat ein eigenes System aus Gedanken und Emotionen, in dem Irritationen, Anstrengungen, Freude, Leichtigkeit, aber auch Probleme und innere Fragen vorhanden sind?

Unsere Soft Skills als Ärzte und medizinische Fachangestellte sind es, die für unsere Patienten einen Unterschied machen. Sie können es aber auch für die Produktivität, Kreativität und Leistungsbereitschaft, Leichtigkeit und Kollegialität im Team.

Wir kennen es alle:

Schlecht geschlafen, mit dem falschen Fuß auf der eigentlich richtigen Bettseite aufgestanden, Kaffee leer, Stau und plötzliche Verspätung trotz doppelt eingeplanter Fahrzeit, kein Parkplatz und es gießt aus Eimern – der Tag ist eigentlich schon gelaufen, aber die Arbeit fängt gerade erst an.

Kurzes Durchschnaufen vor dem PC und dann? Der erste Kollege, der vor uns steht, sagt nicht mal Guten Morgen, bevor er uns anschnauzt oder überflüssige Fragen stellt, deren Antworten doch auf dem Whiteboard im Pausenraum zu finden sind.

Guckt der eigentlich nie mal selbst nach?

Spitzenmäßige Stimmung! Ruhig bleiben? Kaum möglich, aber es muss halt sein.