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Auf einen Blick erfassen, wohin der Markt geht – mit der aus Japan stammenden Kerzenchart-Technik, den Candlesticks, kann man visuell sehr rasch die Stimmungen am Markt und das Verhältnis von Angebot und Nachfrage erfassen. Steve Nison, der »Großmeister der Candlesticks«, zeigt seinen Lesern, wie sich die Candlestick-Charts in allen handelbaren Märkten einsetzen lassen. Man sieht an Hunderten von Chartbeispielen ihre besondere Charakteristik und begreift, warum sie unkompliziert und mit allen gebräuchlichen Indikatoren kombinierbar sind. Die vorliegende überarbeitete Auflage erklärt zum ersten Mal im Detail und mit vorbildlicher Systematisierung, wie Candlestick-Techniken in allen Märkten angewendet werden können. Mit folgenden Inhalten orientiert sich diese vollständig aktualisierte Überarbeitung ganz an den Bedürfnissen des modernen Traders und Anlegers: - Komplett neue Charts, auch aus Intraday-Märkten - Neue Candlestick-Charting-Techniken und Verfeinerung der frühen Methoden - Intensive Beschäftigung mit aktivem Trading, auch in den Bereichen Online-Trading und Day-Trading - Brandneue Abschnitte über die Kombination von westlichen Methoden mit Candlestick-Techniken - Systematisierung der Candlestick-Terminologie
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Veröffentlichungsjahr: 2013
Steve Nison
Technische Analyse mit Candlesticks
Steve Nison
Technische Analyse mit Candlesticks
Alle wichtigen Formationen und ihr Praxiseinsatz
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13., unveränderte Auflage 2025
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Gesamtbearbeitung: Volk Verlag, München
Übersetzung: Christoph Klar
Layout und Satz: Manfred Zech, Landsberg
Druck: Florjancic Tisk d.o.o., Slowenien
eBook: ePubMATIC.com
ISBN (Print) 978-3-89879-843-3
ISBN (EPUB, Mobi) 978-3-86248-514-7
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www.finanzbuchverlag.de
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Vorwort
Danksagung
1. Kapitel Einleitung
Was ist neu an diesem Buch?
Warum hat die Kerzenchartmethode unter Tradern und Anlegern weltweit solches Aufsehen erregt?
Wer sollte dieses Buch lesen?
Einige Hintergrundinformationen
Was bietet mir dieses Buch?
Ein Wort der Warnung
Die Bedeutung der Technischen Analyse
2. Kapitel Die Geschichte der Candlesticks
Teil I Grundlagen
3. Kapitel Wie man Kerzendiagramme konstruiert
Wie man Kerzendiagramme zeichnet
4. Kapitel Umkehrsignale
Umbrella Lines
Hammer
Hanging Man
Engulfing Pattern
Dark-Cloud Cover
Piercing Pattern
5. Kapitel Stars
Morning Star
Evening Star
Morning Doji-Star und Evening Doji-Star
Shooting Star und Inverted Hammer
Shooting Star
Inverted Hammer
6. Kapitel Andere Umkehrsignale
Harami-Muster
Harami Cross
Tweezers Tops und Bottoms
Belt-Hold
Upside-Gap Two Crows
Three Black Crows
Three Advancing White Soldiers
Three Mountains und Three Rivers
Counterattack Lines
Dumpling Tops und Pan Bottoms
Tower Top und Tower Bottom
7. Kapitel Fortsetzungsmuster
Windows
Tasuki
High-Price Gapping
Gapping Side-by-Side White Lines
Rising und Falling Three Methods
Separating Lines
8. Kapitel Der Magische Doji
Northern Doji (Doji in Bullenmärkten)
Long-legged Doji (Rickshaw Man), Gravestone Doji und Dragonfly Doji
Tri-Star
9. Kapitel Wie man alles zusammenfügt
Teil II Konvergenz
10. Kapitel Ein Haufen Kerzen
11. Kapitel Kerzen und Trendlinien
Springs und Upthrusts
Das Prinzip der wechselnden Polarität
12. Kapitel Kerzen und Korrekturen
13. Kapitel Kerzen und gleitende Durchschnitte
Der einfache gleitende Durchschnitt
Der gewichtete gleitende Durchschnitt
Der exponentielle gleitende Durchschnitt
Wie man gleitende Durchschnitte anwendet
14. Kapitel Kerzen mit Oszillatoren
Der Relative-Stärke-Index
Wie man den RSI berechnet
Wie man den RSI anwendet
Gleitender-Durchschnitt-Oszillator
Wie man den Gleitenden-Durchschnitt-Oszillator berechnet
Wie man den Gleitenden-Durchschnitt-Oszillator anwendet
Stochastik
Wie man den Stochastik-Oszillator berechnet
Wie man die Stochastik anwendet
Moving Average Convergence-Divergence (MACD)
Wie man den MACD berechnet
Wie man den MACD anwendet
15. Kapitel Kerzen und Volumen
16. Kapitel Gemessene Bewegungen (Measured Moves)
Ausbrüche aus Boxen
Swing targets, Flaggen und Wimpel
17. Kapitel Das Beste aus Osten und Westen: Die Macht der Konvergenz
Zusammenfassung
Glossar AKerzenchartbegriffe und visuelles Wörterbuch
Glossar BWestliche Fachbegriffe der Technischen Analyse
Bibliografie
Über den Autor
Ein kluger Falke versteckt seine Klauen.
Es ist kaum zu glauben, dass die japanischen Candlestick-Diagramme, die „Klauen“ der japanischen, Technischen Analyse, im Abendland so gut wie unbekannt waren, bis ich sie 1989 auch der westlichen Hemisphäre vorgestellt habe. Die weite Verbreitung der Candlestick-Charts lässt es mittlerweile kaum vorstellbar erscheinen, dass diese wunderbare technische Methode vor der Erstveröffentlichung dieses Buches im Westen so gut wie niemandem bekannt war. Damals hatte keiner der Chartservices Kerzendiagramme im Programm. Das verwundert mich ganz besonders, wenn ich daran denke, dass mittlerweile fast alle Chart-Dienstleister Kerzendiagramme anbieten.
Es erfüllt mich mit Stolz, behaupten zu können, dass mein Buch Japanese Candlestick Charting Techniques schnell zum grundlegenden Werk aller Arbeiten wurde, die sich in der westlichen Welt mit den Kerzendiagrammen beschäftigen. Nur weil die Erstausgabe des vorliegenden Buches erschien, können Sie mittlerweile Candlestick-Diagramme im Internet finden oder an einem der vielen anderen Orte, an denen sie mittlerweile vorhanden sind. Als Bestätigung der universellen Popularität und Wirksamkeit der Kerzencharts wurde dieses Buch in sechs Sprachen übersetzt und geht mittlerweile in die 14. Auflage.
Die in der Erstausgabe angebotenen Themen, Werkzeuge und Techniken sind stets aktuell und können in allen Märkten über beliebige Zeiträume hinweg angewendet werden. Aber durch unwiderstehliche Argumente (und indem er meinen Hund entführte!) hat mich der Herausgeber der vorliegenden Ausgabe überzeugen können, dass es an der Zeit ist, eine Neuausgabe zu veröffentlichen.
Unter den aufgefrischten Aspekten dieses Buches finden sich: die aktualisierten Diagramme, ein breiteres Börsenspektrum, ein größerer Schwerpunkt auf aktiven Börsenstrategien unter Nutzung der Intraday-Charts sowie neue Weiterentwicklungen, Strategien und neuartige Kombinationsmöglichkeiten für westliche Methoden der Technischen Analyse mit den Werkzeugen der Kerzendiagramme.
In einem meiner öffentlichen Seminare bat ich mein Publikum aufzuschreiben, was es von meinem Seminar erwartet. Ein Teilnehmer schrieb daraufhin, er wolle „einen Haufen Dollars“ verdienen. Obwohl ich Ihnen diesen „Dollarberg“ nicht versprechen kann, gehe ich davon aus, dass die Instrumente, Strategien und Techniken in diesem Buch Ihnen auf Ihrem Weg zu besseren, weniger riskanten Anlagestrategien wesentlich weiterhelfen werden.
Vielen Dank an alle Leser, die die Erstausgabe dieses Buches so populär gemacht haben. Ich bin voller Vertrauen, dass Sie diese Ausgabe genauso praktisch, wertvoll und unterhaltsam finden werden.
Ich würde mich freuen, wenn Sie mich über Ihre Kommentare, Erfahrungen und Ideen bezüglich der Kerzencharts informieren würden. Ihre E-Mails sind bei [email protected] und [email protected] jederzeit willkommen, und Sie selbst sind jederzeit herzlich eingeladen, meine Webseite www.candlecharts.com zu besuchen. Ich kann Ihnen zwar leider keine Antwortgarantie geben, verspreche aber, alle E-Mails und Briefe zu lesen.
Kleine Gefälligkeiten sollte man nicht vergessen, an kleine Makel sich nicht erinnern.
Ich würde gerne allen Menschen danken, die mich bei meiner Mission, die Flammen des Interesses an den Kerzendiagrammen anzufachen, unterstützt haben. Das überwältigend positive Echo lässt die Kerzenflammen immer heller leuchten.
Den vielen Teilnehmern an meinen öffentlichen und privaten Seminaren sowie meinen Beratungsklienten in Büro und Internet würde ich bei dieser Gelegenheit gerne für die mir erteilte treue Unterstützung und freundliche Kritik danken.
In einem japanischen Sprichwort heißt es: „Ein Abend der ernsten Konversation mit einem überlegenen Menschen ist besser als zehn Jahre Studium.“ Es freut mich, den überlegenen Männern und Frauen meinen Dank auszusprechen, die mir so bereitwillig geholfen haben.
Viele Personen, deren Hilfe Anerkennung verdient, werden im 1. Kapitel erwähnt. Aber es gibt auch andere, denen ich gerne für das Licht danken würde, mit dem sie meinen Weg erhellt haben. Insgesamt haben so viele zu diesem Projekt beigesteuert, dass ich mich schon jetzt im Voraus dafür entschuldigen möchte, wenn ich den einen oder anderen vergessen haben sollte.
Die Grundlage all meiner Nachforschungen über Candlestick-Diagramme bilden die von Richard Solberg besorgten Übersetzungen. Seine Funde in der japanischen Literatur zum Thema Kerzendiagramme, sein Ideenreichtum und sein Fleiß bildeten das Grundgerüst meiner restlichen Anstrengungen.
Besonderen Dank verdient auch die MTA (Market Technicians Association). In der Bibliothek dieses Instituts fand ich erstmals Materialien über Candlestick-Diagramme in englischer Sprache. Diese Materialien waren zwar nicht besonders umfangreich, aber trotzdem nicht einfach zu besorgen. In der Bibliothek der MTA waren sie glücklicherweise zu finden.
Herr Yoji Inata hat viele Stunden mit der Beantwortung meiner differenzierteren Fragen verbracht. Außerdem besaß er die Freundlichkeit, seinen Bekanntenkreis um detailliertere Informationen zu bitten, sobald das erforderlich erschien.
Der Nippon Technical Analysts Association (NTAA) gebührt hohe Anerkennung für ihre Hilfestellung bei diesem Projekt. Herr Kojiiro Watanabe stellte eine Verbindung zu zwei Mitgliedern der NTAA her, die sich als außerordentlich hilfsbereit erwiesen. Es sind Herr Minoru Eda und Herr Yasushi Hayashi Nori Hayashi.
Es gibt einige Softwarepakete mit Kerzendiagrammen. In diesem Buch habe ich mich für zwei davon entschieden, da ich sie für die besten halte: Aspen Graphics (www.Aspenres.com) und CQG (www.cqg.com). Sowohl hinsichtlich ihrer Produkte als auch ihrer Dienstleistungen befinden sich diese beiden Firmen wirklich auf höchstem Niveau.
Wie im ersten Buch würde ich gerne Bruce Kamich meinen Dank aussprechen, „Mr. Eine-Idee-pro-Tag”. Bruce ist ein guter Freund und Kollege von mir, der auf mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Technischen Analyse zurückblicken kann. Er unterstützt mich auch weiterhin mit vielen wertvollen Ideen und Vorschlägen.
Mark Tunkel ist ein weiterer langjähriger Kollege und Freund, der einen tiefen Einblick in die Kerzendiagrammanalyse gewonnen hat. Seine Hilfe bei der Niederschrift dieses Buches war unersetzlich.
Susan Barry, die Lektorin der Erstausgabe, hat damals die prophetische Gabe besessen, ihren Boss davon zu überzeugen, dass die Candlestick-Diagramme populär genug sein würden, das Risiko dieser Erstveröffentlichung auf sich zu nehmen. Steigende Verkaufszahlen seit dem Erscheinungsjahr 1991 haben ihre Vermutungen bestätigt.
Bei dieser Ausgabe haben Ellen Schneid Coleman und Sybil Grace von Prentice Hall den Kohlenstaub meines Manuskripts in einen Diamanten verwandelt.
Und dann ist da natürlich noch meine Familie. Es ist schwer, zu glauben, dass mein Sohn im selben Zeitraum zur Welt kam, in dem ich die erste Ausgabe dieses Buches verfasste (mittlerweile ist er 11 Jahre alt). Ich habe ihm inzwischen erzählen können, dass ich ihn fast „Candlesticks Nison” getauft hätte. Der Name würde passen. Evan hat eine sehr schnelle Auffassungsgabe – besonders in finanzieller Hinsicht – und kann gar nicht genug von den Kerzendiagrammen bekommen. Ich glaube, wir können schon bald das Familienvermögen in seine Hände legen.
Meine Tochter Rebecca war vier Jahre alt, als die Erstausgabe herauskam, und ist mittlerweile zu einer strahlenden jungen Dame geworden. Ihr Vater zu sein erfüllt mich mit Stolz. Wenn wir unser Vermögen in ihre Hände legen würden, wären wir wahrscheinlich schnell obdachlos, könnten aber auf Unmassen von Kleidungsstücken und Kosmetikprodukten zurückgreifen.
Meine Frau Bonnie ist weiterhin unser aller Stütze. Ohne sie würde mein Leben auseinander fallen. Dann wäre dieses Buch unmöglich zustande gekommen.
Der Anfang ist am wichtigsten.
Die japanische Candlestick-Chartanalyse – so genannt, weil die verwendeten Linien wie Kerzen mit Dochten aussehen – ist im Fernen Osten über Generationen hinweg empirisch verfeinert worden. Vor Erscheinen meines Buches Japanese Candle Charting Techniques waren die „Klauen“ der japanischen Chartanalyse – also die Kerzencharts – der westlichen Welt über hundert Jahre lang verborgen geblieben. In dem erwähnten Buch wurden diese „Geheimnisse des Orients“ zum ersten Mal detailliert der westlichen Hemisphäre vorgestellt.
Da der Begriff „Candlestick“ oft auf „Kerzen“ abgekürzt wird, werde ich in diesem Buch beide Begriffe bedeutungsgleich benutzen.
Es schmeichelt mir ungemein, dass meine Arbeit für eine Revolution in der Technischen Analyse verantwortlich gemacht wird und dass alle nachfolgenden Bücher, Artikel usw. anderer Autoren die Erstausgabe dieses Buches zur Basis nehmen. Das hatte ich gehofft. Mit seinem Erscheinen sollte tatsächlich das Fundament für zukünftige Materialien über die Kerzencharts gelegt werden. Und so ist es sehr befriedigend, wenn es häufig „die Bibel der Kerzencharts“ genannt wird.
Wer hatte vor dem Erscheinungsjahr der Erstausgabe 1991 schon je von Kerzencharts gehört? Und wer hat es mittlerweile nicht? Online-Trader, Daytrader, professionelle Vermögensverwalter und Market-Maker sind nur einige der Gruppen, die ihren Enthusiasmus für die Kerzencharts entdeckt haben. Viele Websites, Echtzeit-Tradersysteme und Softwarepakete für die Technische Analyse bieten Candlestick-Charts an. Das beweist die Popularität der Kerzen und die universelle Anziehungskraft, die sie in den volatilen Märkten von heute auf Trader aller Couleur ausüben. Die Kerzen brennen heißer denn je zuvor.
Mein elfjähriger Sohn Evan (den ich kurz nach seiner Geburt fast auf den Namen „Candlesticks Nison“ getauft hätte) stieß neulich im Internet auf einen Chartservice mit Kerzendiagrammen und fragte: „Also wenn du nicht gewesen wärst, Daddy, dann gäbe es keine Kerzencharts im Internet oder sonst irgendwo in Amerika? Stimmt das?“ Ich bejahte. Er zögerte kurz und sagte dann: „Cool, dann will ich mehr Taschengeld.“
Während das Format und die grundlegenden Konzepte der Erstausgabe dieselben geblieben sind (da sie ja anscheinend gut funktioniert haben), hat sich die Marktumgebung seit dem Erscheinungsjahr genauso verändert wie die Marktteilnehmer. Neben den brandneuen Charts verfügt diese Ausgabe darum auch über:
mehr Intraday-Märkte;
mehr aktive Strategien für Swing-, Online- und Daytrader;
neue Taktiken zur optimalen Nutzung von Intraday-Charts;
neue westliche Techniken, die mit Kerzencharts kombiniert werden können;
einen größeren Schwerpunkt auf der Vermögenswahrung.
Jahr für Jahr lodern die Flammen des Interesses an diesen Chartinstrumenten höher. Denn Kerzencharts …
sind leicht verständlich:
Jeder kann die Macht der Kerzencharts nutzen, vom Anfänger bis zum versierten Berufsanleger. Sie sollten sich aber nicht von dieser Einfachheit täuschen lassen, denn keine andere Chartmethode kann es mit den Kerzen aufnehmen, wenn es um die Gesundheitsdiagnose im Markt geht.
deuten früher auf eine Marktumkehr hin:
Kerzencharts geben Ihnen häufig schon früh ein Umkehrsignal, lange vor den Signalen der traditionellen Indikatoren in Balkendiagrammen oder Point-and-Figure-Charts. Diese Frühwarnung führt zu optimiertem Timing beim Ein- und Ausstieg.
bieten eine einzigartige Perspektive der Märkte:
Kerzencharts zeigen nicht nur die Bewegungstendenz an, was ein Barchart auch könnte, sondern enthüllen auch die dieser Bewegung zugrunde liegenden Kräfte.
sind unterhaltsam zu lernen:
Die bildhaften Begriffe wie
Dark-Cloud Cover, Hammer
oder
Window
geben den Kerzencharts einen spielerischen Touch. Man sollte sich von den „malerischen“ Bezeichnungen jedoch nicht täuschen lassen. Bei Ihrer Schlacht mit den Märkten werden die hinter diesen Namen verborgenen Methoden zu schlagkräftigen Waffen.
bereichern die westliche Chartanalyse:
Kerzencharts sind so vielseitig, dass sie mit allen westlichen Methoden der Chartanalyse kombiniert werden können. Für unsere Klienten verschmelzen wir die Einsichten, die wir aus den Kerzencharts gewinnen, mit den wirksamsten Instrumenten der westlichen Chartanalyse. Wenn Sie sich für die Technische Analyse begeistern können, werden Sie entdecken, wie aus dem Zusammenspiel der japanischen Kerzen mit den westlichen Methoden Ihrer Wahl ein vitaler, synergetischer Effekt hervorgeht. Diese Verschmelzung von westlichen und östlichen analytischen Methoden wird Ihnen vor Anlegern, die sich ausschließlich auf die westliche Chartanalyse verlassen, einen wichtigen Vorsprung verschaffen.
optimieren die Effektivität Ihrer analytischen Verfahren:
Da die visuelle Information der Kerzencharts auf einen Blick aufzunehmen ist, wird Ihre Marktanalyse schneller und effizienter.
Ein orientalisches Sprichwort sagt: „Auch eine Reise von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt.“ Dieses Kapitel ist dieser erste Schritt auf dem Weg zur Kerzenchartanalyse und daher äußerst wichtig. Doch schon nach der Lektüre dieses einleitenden Kapitels werden Sie merken, wie Ihnen die Kerzen dabei helfen, Ihre Marktanalyse effektiver zu gestalten, Ihr Timing beim Ein- und Ausstieg zu verbessern und neue, fruchtbare und einzigartige Gebiete der Technischen Analyse zu erschließen.
In der Erstausgabe dieses Buches habe ich mich weit aus dem Fenster gelehnt. Ich hatte gesagt: „In naher Zukunft werden die Kerzencharts vielleicht genauso gebräuchlich werden wie Balkendiagramme. Sobald die Analysten sich mit der Benutzung der Kerzendiagramme vertraut gemacht haben, werden sie die Barcharts beiseite legen.“ Diese Vorhersage scheint sich im Moment zu erfüllen.
Am Ende meiner öffentlichen und privaten Seminare stelle ich meinem Publikum oft folgende Frage: „Wer unter Ihnen wird von jetzt an noch Barcharts benutzen?“ Von den tausenden von Tradern, die an meinen Lehrgängen teilgenommen haben, hat nie auch nur ein einziger seine Hand erhoben. Wenn Ihnen die Kerzendiagramme neu sind, werden Sie den Grund für dieses Phänomen spätestens am Ende dieses Buches verstehen – oder vielleicht schon nach den ersten Kapiteln.
Es kann eigentlich nur Vorteile bringen, Balkendiagramme durch Kerzencharts zu ersetzen. Wie wir im Kapitel über die Anfertigung der Kerzendiagramme sehen werden, gehen beide Formen der grafischen Darstellung von denselben Daten aus (Eröffnungs- und Schlussnotierung, Tageshoch und Tagestief). Diesen Sachverhalt sollte man nicht unterschätzen. Denn er bedeutet, dass alle Methoden der Technischen Analyse, die an Barcharts vorgenommen werden können (wie zum Beispiel gleitende Durchschnitte, Trendlinien, Korrekturebenen etc.), auch auf Kerzendiagramme angewendet werden können. Aber die Kerzencharts, und das ist der springende Punkt, können Signale liefern, die ein Balkendiagramm einfach nicht hergeben kann. Diese Eigenschaft der Kerzen wird Ihnen vor allen Tradern, die sich ausschließlich auf die westlichen Methoden der Technischen Analyse stützen, einen Vorsprung verschaffen. Wenn Sie Kerzencharts anstelle der Barcharts verwenden, können Sie also genau wie vorher auf alle Chartinstrumente zurückgreifen, die Sie auch mit Barcharts anwenden. Aber die Kerzendiagramme werden Ihnen einen Einblick in den Zustand der Märkte eröffnen, den Sie so tief mit keiner anderen Methode nehmen können.
Dieses Buch ist genau richtig für Sie, wenn:
Ihr Chartservice Kerzencharts anbietet und Sie deren volles Potenzial kennenlernen wollen.
Sie einen Vorsprung vor der Konkurrenz haben möchten.
Sie Ihr Timing beim Ein- und Ausstieg verbessern wollen.
Sie nach Techniken suchen, Ihre derzeitigen Anlagemethoden aufzuwerten.
Sie Spaß beim Lernen haben möchten.
Sie gerade erst anfangen, sich mit Kerzencharts zu beschäftigen.
Sie bereits ein alter Hase sind.
Ich habe mir schon oft die Frage gestellt, warum ein System, das schon so lange existiert, im Westen so gut wie unbekannt bleiben konnte? Haben die Japaner vielleicht versucht, ein Geheimnis daraus zu machen? Ich weiß auch keine Antwort auf diese Fragen, aber es hat mich jahrelange Nachforschungen gekostet, alle Teile dieses Puzzles zusammenzufügen. Dabei habe ich in vieler Hinsicht noch Glück gehabt. Vielleicht war diese Kombination aus Beharrlichkeit und glücklichen Zufällen genau die Eigenschaft, die allen anderen Menschen fehlte.
Im Jahre 1987 machte ich die Bekanntschaft einer japanischen Dame, die sich als Brokerin betätigte. Als wir eines Tages zusammen in ihrem Büro waren, betrachtete sie gerade ein japanisches Buch mit Aktiennotierungen (in Japan sind alle derartigen Bücher in Kerzenform). Plötzlich rief sie: „Ach, da ist ja ein Fenster!“ Ich fragte sie, was sie damit meine. Sie erklärte mir, dass das Wort „Fenster“ der Kurslücke in der westlichen Analyse entspricht. Dann erklärte sie mir, dass die Japaner vom „Schließen des Fensters“ sprechen, wenn westliche Börsenexperten vom „Füllen einer Lücke“ reden. Dann benutzte sie andere Ausdrücke wie „Doji“ oder „Dark-Cloud Cover“. Ich war sofort fasziniert und verbrachte einen großen Teil der nächsten drei Jahre damit, alle verfügbaren Informationen über Kerzencharts ausfindig zu machen, zu erforschen und analysieren.
Das war gar nicht so einfach. Erste Schritte konnte ich mit Hilfe eines japanischen Börsenmaklers machen und indem ich meine eigenen Kerzencharts zeichnete und analysierte. Dann fand ich in der Bibliothek der Market Technicians Association (MTA)1 in New York ein Buch mit dem Titel Analysis of Stock Price in Japan, das von der Nippon Technical Analysts Association herausgegeben worden war. Es handelte sich um die englische Übersetzung dieses ursprünglich auf Japanisch erschienenen Buches. Leider enthielt es insgesamt nur zehn Seiten, die sich mit der Interpretation von Kerzendiagrammen befassten. Trotzdem hatte ich endlich Material über die Kerzencharts in englischer Sprache gefunden.
Einige Monate später bekam ich wieder Gelegenheit, ein Buch über die Grundlagen der Kerzencharts und ihrer Analyse auszuleihen. Und wieder hatte ich es in der Bibliothek der MTA gefunden. Der Büroleiter von MTA, Shelley Lebeck, hatte dieses Buch mit dem Titel The Japanese Chart of Charts von Seiki Shimizu in der englischen Übersetzung von Greg Nicholson aus Japan mitgebracht (Herausgeber ist die Tokyo Futures Trading Publishing Company). Das war ein wichtiger Fund, denn in diesem Buch fand ich ungefähr siebzig Seiten, die sich mit den Kerzendiagrammen befassten, und das in Englisch.
Während sich dieses Füllhorn von Informationen ausschüttete, musste ich entdecken, dass es wohl einiger Zeit und Anstrengung bedurfte, sich mit den Konzepten der Kerzencharts wirklich vertraut zu machen. Alles war so neu und anders. Außerdem musste ich mich an die japanische Terminologie gewöhnen. Der Sprachstil war manchmal unklar, was an Übersetzungsschwierigkeiten gelegen haben mag. Ursprünglich war dieses Buch nämlich schon vor 25 Jahren für ein japanisches Publikum geschrieben worden. Und wie ich bei der Übersetzung meiner eigenen Materialien erfahren musste, ist es extrem schwierig, diese Art von Fachtext vom Japanischen ins Englische zu übertragen.
Aber trotz aller Schwierigkeiten hatte ich wenigstens endlich eine schriftliche Informationsquelle gefunden. Ich schleppte das Buch monatelang mit mir herum, las es gleich mehrmals durch und machte mir Unmengen von Notizen, wobei ich die analytischen Methoden der Kerzendiagramme auf hunderte eigenhändig gezeichnete Kerzencharts anwendete (da es keine Software für Kerzencharts gab, mussten meine Charts allesamt von Hand gezeichnet werden). Ich beschäftigte mich unablässig mit der neuen Terminologie und den noch ungewohnten Ideen. Dabei hatte ich das Glück, bei der Beantwortung meiner Fragen auf die Hilfestellung des Autors, Seiki Shimizu, zählen zu können. Da Herr Shimizu kein Englisch spricht, erklärte sich der Übersetzer des Buches, Greg Nicholson, freundlicherweise bereit, unsere Diskussionen per Fax zu dolmetschen. Herr Shimizus Buch The Japanese Chart of Charts bildet die Grundlage all meiner späteren Nachforschungen zum Thema Kerzencharts.
Um meine neu gewonnenen Fähigkeiten im breiten Feld der Kerzenchartanalyse weiter auszubauen, habe ich dann versucht, japanische Kerzenexperten ausfindig zu machen, die bereit waren und die Zeit aufbringen konnten, sich mit mir über dieses Thema auszutauschen. So machte ich die Bekanntschaft eines japanischen Börsentraders, Morihiko Goto, der selbst Kerzendiagramme benutzte und sich bereit erklärte, seine wertvolle Zeit und seine Einsichten mit mir zu teilen. Das wäre schon an sich äußerst spannend gewesen! Doch dann eröffnete er mir, dass seine Familie schon über Generationen hinweg Kerzendiagramme benutzt hatte! Wir verbrachten unzählige Stunden mit Diskussionen über Geschichte und Anwendung der Kerzencharts. Herr Goto erwies sich dabei als schier unerschöpfliche Quelle wertvollen Wissens.
Aber die wahre Schatzkiste für Informationen war die japanische Literatur zum Thema Kerzendiagramme, die ich langsam übersetzen ließ. Dabei hatte ich das große Glück, einen hervorragenden Übersetzer zu finden, Herrn Richard Solberg. Seine Fähigkeiten beim Aufstöbern japanischer Bücher über Kerzencharts (meines Wissens besitze ich die größte Sammlung dieser Bücher außerhalb Japans) und sein übersetzerisches Können waren von unschätzbarem Wert.
Im Dezember 1989 verfasste ich einen ersten, zweiseitigen Artikel über Kerzencharts. Dieser Artikel enthielt die allerersten Informationen zu diesem Thema, die jemals außerhalb Japans veröffentlicht wurden. Anfang 1990 schrieb ich dann einen ausführlicheren Beitrag über Kerzencharts als Diplomarbeit bei der MTA. Dies war der erste detaillierte Artikel, der je von einer Person aus dem Westen über japanische Kerzencharts verfasst wurde. Schon bald folgte dieser Arbeit eine Broschüre für Merrill Lynch (die über 10.000 Leser fand).
Japanese Candlestick Charting Techniques wurde 1991 veröffentlicht; kurz darauf folgte das Buch Beyond Candlesticks. Im Moment der Niederschrift dieser Einleitung sind diese Bücher in acht Sprachen übersetzt und mehrfach neu aufgelegt worden.
Meine Arbeit wurde in den Finanzmedien weltweit besprochen, unter anderem im Wall Street Journal, dem Japanese Economic Journal, in Barron’s, Worth Magazine, Institutional Investor und in zahlreichen anderen Zeitschriften. Mein Auftritt bei FNN (dem Vorgänger von CNBC) brachte dem Sender die höchsten Zuschauerzahlen, die er bis dahin verzeichnen konnte.
Ich hatte seither das Privileg, meine Börsenstrategien tausenden von Tradern und Analysten in über 17 Ländern erklären zu dürfen, darunter ironischerweise auch in Hanoi, Vietnam. Außerdem hatte ich die Ehre, vor der World Bank und der Federal Reserve zu sprechen.
Im Jahr 1997 gründete ich Nison Research International, um professionell analytische Dienstleistungen und ortsspezifische, auf den jeweiligen Bedarf zugeschnittene Seminare durchführen zu können.
Im Jahr 2000 folgte die Gründung von Candlecharts.com mit einem Angebot von Seminaren, Videos und anderen Dienstleistungen im Internet. Natürlich sind auch Sie herzlich eingeladen, unsere Webseite unter www.candlecharts.com zu besuchen.
Im ersten Teil können Sie herausfinden, wie man Candlestick-Charts zeichnet und wie man dutzende von Kerzendiagrammen mitsamt ihren Formationen interpretiert. So wird langsam, aber sicher eine solide Grundlage für den zweiten Teil gelegt, in dem Sie sich über die Vorteile informieren können, die durch eine Kombination von Kerzencharts und westlichen Analysemethoden entstehen. Ich beabsichtige dabei allerdings nicht, Sie zum allwissenden Anleger zu machen. Vielmehr hoffe ich durch die in diesem Buch enthaltenen Ideen zu zeigen, wie japanische Kerzendiagramme den Trader und Anleger „erleuchten“ können. Die Funktionsweise eines Indikators ist am besten anhand von Börsenbeispielen zu erklären. Die Japaner sagen: „Einmal sehen ist besser als hundertmal hören.“ Aus diesem Grunde habe ich allen angeführten Techniken mehrere Beispiele aus dem wirklichen Börsengeschehen beigefügt.
Dabei habe ich einen Schwerpunkt auf die US-Märkte gelegt, obwohl die beschriebenen Instrumente und Techniken auf jeden beliebigen Markt innerhalb eines jeden beliebigen Zeitraums angewendet werden können. Tatsächlich werden Kerzencharts auf Wochen- (von Hedgern) und Tagesbasis (von Swing- und mittelfristigen Tradern) sowie intraday benutzt (von Swing- und Daytradern). Die Taktiken, die ich in diesem Buch beschreibe, können sowohl für Aktiendepots als auch den Termin-, Options- und Devisenhandel benutzt werden – in aller Welt und innerhalb aller Zeitrahmen, auf die sie angewendet werden sollen.
Zur Unterstützung des Lernprozesses habe ich unzählige Illustrationen zur Demonstration der Kerzenformationen und -muster gezeichnet. Diese Illustrationen sind nur aus diesem einen Grund entstanden und sollten nur innerhalb ihres eigenen Kontextes zur Erläuterung gewisser Prinzipien und Richtlinien betrachtet werden. Die Muster, die in der wirklichen Welt auftreten, müssen nicht in allen Einzelheiten genauso aussehen wie in den Abbildungen, um Ihnen ein glaubwürdiges Signal zu geben. Dieser Merksatz wird Ihnen bei der Lektüre dieses Buches noch öfter begegnen, während Sie sich mit den vielen Chartbeispielen beschäftigen. Sie werden sehen, dass auch die verschiedenen Variationen der Originalmuster wichtige Auskünfte über den Gesamtzustand des jeweiligen Markts erteilen können.
Bei der Entscheidung, ob ein bestimmtes Kerzenmuster noch mit den Richtlinien für die betreffende Formation übereinstimmt oder nicht, kommt also eine gewisse Subjektivität ins Spiel, die allerdings bei anderen Chartmethoden gleichermaßen besteht. Wenn die Unterstützung einer Aktie zum Beispiel bei 100 US-Dollar liegt, ist diese Unterstützung dann schon wertlos geworden, sobald die Notierungen im Tagesgeschäft kurzfristig unter die 100-US-Dollar-Marke sinken, oder ist sie erst dann durchbrochen worden, wenn sie auch unter dieser Marke schließen? Ist ein 50%iger Ausbruch durch diese 100-US-Dollar-Marke als endgültiges Ende der Unterstützung zu betrachten oder wäre dazu ein größerer Ausbruch nötig? Diese Fragen werden Sie selbst entscheiden müssen, wobei Sie sich dabei von Ihrem persönlichen Temperament, Ihrem Risikoverhalten und Ihrer Börsenphilosophie leiten lassen sollten. So werde ich Ihnen mit Texten, Illustrationen und Kursbeispielen aus dem wirklichen Marktgeschehen nur die grundlegenden Prinzipien und Richtlinien erläutern können. Auf keinen Fall sollten Sie jedoch erwarten, dass die Muster aus der wirklichen Welt immer genau diesem Idealbild entsprechen.
Am Ende dieses Buches finden Sie zwei Glossare. Im ersten befinden sich Erläuterungen der Kerzenbegriffe und im zweiten Erklärungen der in diesem Buch verwendeten, westlichen Fachbegriffe. Dem Kerzenglossar ist ein visuelles Glossar aller Kerzenmuster beigefügt.
Wie bei jeder subjektiven Form der Technischen Analyse treten manchmal variable Definitionen auf, deren Bedeutung sich der Erfahrung und Neigung des Anwenders entsprechend wandeln kann. Das gilt für die einen Kerzenmuster mehr als für die anderen. Je nachdem, welche Quelle ich benutzt habe, konnte ich manchmal verschiedene Definitionskriterien für das eine oder andere Muster finden. Diese Unterschiede waren glücklicherweise immer sehr geringfügig. Ein japanischer Autor schreibt zum Beispiel: Der Eröffnungskurs müsse sich unbedingt oberhalb der Schlussnotierung des Vortages befinden, um wirklich als Muster der „Dark-Cloud Cover“ zu gelten. Andere schriftliche und mündliche Aussagen neigen hingegen eher zu der Auffassung, der Eröffnungskurs solle sich bei diesem Muster oberhalb des Tageshochs vom Vortag befinden.
In solchen Fällen einander widersprechender Definitionen habe ich diejenigen Regeln gewählt, die die Trefferquote des Musters erhöhen. Zum Beispiel ist das im vorigen Absatz erwähnte Muster ein Umkehrsignal, das bei Höchstkursen erscheint. Darum habe ich mich für die Definition entschieden, der zufolge die Eröffnungsnotierung oberhalb des vorherigen Tageshochs liegen sollte. Denn der Markt verfügt über ein größeres Bärenpotenzial, wenn er über dem vorherigen Tageshoch eröffnet und dann wieder abflaut, als wenn er oberhalb der vorhergehenden Schluss notierung eröffnet und dann einbricht.
Ein Großteil der Materialien, die ich aus dem Japanischen ins Amerikanische übertragen ließ, war nicht besonders spezifisch. Vielleicht hat das etwas mit der japanischen Vorliebe für das Vage, Ungefähre zu tun. Diese Vorliebe entstammt vielleicht noch den Zeiten der Feudalherrschaft, in denen es einem Samurai erlaubt war, jeden Normalbürger zu köpfen, der sich ihm gegenüber nicht erwartungsgemäß verhielt. Der einfache Mann von der Straße wusste aber nicht immer, welche Taten, Antworten oder Verhaltensweisen der Samurai erwartete. So hat die vage Ausdrucksweise viele Köpfe gerettet. Aber der eigentliche und vielleicht wichtigere Grund für die stellenweise etwas undeutlichen Erklärungen hat wahrscheinlich eher mit der Tatsache zu tun, dass die Technische Analyse nicht als Wissenschaft aufgefasst wird, sondern als eine Kunst.
Man sollte also keine starren Regeln erwarten. Die meisten Formen der Technischen Analyse können nützliche Richtlinien bieten, nicht mehr und nicht weniger. Wenn ein japanischer Text also sagt, eine Kerzenlinie müsse überschritten werden, um die nächste Bullenbewegung anzuzeigen, habe ich „überschritten“ mit „höherem Schlusskurs“ übersetzt. Denn eine Schlussnotierung erscheint mir persönlich bedeutender als eine Intraday-Bewegung, die über oder unter ein gewisses Unterstützungs- oder Widerstandsniveau führt. Und noch ein Beispiel für meine eigene Subjektivität: In der japanischen Fachliteratur werden viele Kerzenmuster als bedeutend beschrieben, sobald sie um die Höchst- oder Tiefstände auftreten. Aber was genau diese Höchst- oder Niedrigstkurse definiert, hängt offensichtlich von der jeweiligen Interpretationsweise ab. Eine der von mir empfohlenen Methoden, die „Höhe“ oder „Tiefe“ einer Notierung zu bewerten, ist ein Oszillator, der anzeigt, ob ein Markt von Käufen oder Verkäufen überlastet ist. Das ist übrigens ein gutes Beispiel für diejenigen Fälle, in denen es nützlich sein kann, klassische Instrumente der westlichen Analyse (wie Oszillatoren) mit den Kerzencharts zu kombinieren.
Die Kerzencharts sind dem persönlichen Interpretationswillen des Anwenders unterworfen wie alle anderen Chartmethoden auch. Nur eine langjährige Erfahrung in der Anwendung der Kerzencharts wird Ihnen zeigen, welches Muster oder welche Variation eines Musters Ihnen an der Börse die besten Resultate bringt. Deshalb ist die Subjektivität der Interpretation auch nicht unbedingt nur ein Nachteil. Ganz im Gegenteil: Sie könnte Ihnen vor anderen Tradern, die weniger Zeit und Energie in die praktische Anwendung der Kerzenmuster gesteckt haben als Sie, einen Vorteil verschaffen.
Wie wir im Kapitel 3 sehen werden, muss man immer eine Schlussnotierung abwarten, bis man die einzelnen Kerzen zeichnen kann. Aus diesem Grund müssen Sie oft bis Marktschluss warten, damit Sie ein glaubwürdiges Börsensignal erhalten. Das könnte jedoch bedeuten, dass Sie einen Markt brauchen, in dem Sie nach dem Schlusskurs noch Aufträge erteilen können, oder Sie müssen den Schlusskurs vorherzusagen versuchen und dann ein paar Minuten vor dem tatsächlichen Börsenschluss Ihre Aufträge erteilen. Natürlich können Sie immer noch auf den Eröffnungskurs des nächsten Tages warten und dann Ihre Order platzieren.
Dieses Warten auf den Schlusskurs ist nicht nur bei den Kerzencharts zu finden. Es gibt viele technische Systeme (insbesondere solche, die auf dem gleitenden Durchschnitt der Schlussnotierungen basieren), die erst ein Signal bilden können, wenn der Schlusskurs einbezogen wird. Darum kommt es auch oft in den letzten Minuten vor Marktschluss zu einem starken Andrang, weil die computergesteuerten Börsensignale, die von den Schlusskursen abhängen, plötzlich ins Spiel gebracht werden. Manche Analysten betrachten ein Kaufsignal nur dann als wirklich gültig, wenn der Schlusskurs oberhalb des Widerstands liegt, und warten deshalb bis Marktschluss, um ihre Theorie zu bestätigen.
Die Kerzendiagramme können viele nützliche Börsensignale liefern. Eines können sie allerdings nicht tun. Sie geben uns keinerlei Kursvorgaben. Aus diesem Grund ist es auch so wichtig, sie mit den westlichen Methoden der Technischen Analyse zu kombinieren. Im zweiten Teil werden wir uns auf diese Kombinationsmöglichkeiten konzentrieren.
Sie sollten sich nicht wundern, wenn Sie in den Charts in diesem Buch manchmal Muster erkennen können, die ich verpasst habe, denn es sind buchstäblich hunderte von Diagrammen. Außerdem werden Sie Beispiele für Muster finden, die manchmal nicht funktioniert haben. Kein technisches Werkzeug ist vollkommen, und die Kerzencharts sind da keine Ausnahme.
Die Kerzendiagramme sind nie als komplettes und umfassendes System angelegt worden, sondern nur als einzelne Waffe, die Sie in Ihren Scharmützeln mit den Märkten einsetzen können. Als solche ist ihre Wirkungskraft jedoch nicht zu unterschätzen.
Bevor ich nun aber endlich damit anfange, mich dem eigentlichen Thema dieses Buches – den Kerzencharts – zu widmen, möchte ich noch kurz den Stellenwert der Technischen Analyse als separate Disziplin diskutieren. Der folgende Abschnitt soll allen Lesern, denen dieser Themenbereich noch neu ist, erklären, warum die Technische Analyse so überaus wichtig ist. Natürlich kann ich dieses umfangreiche Thema hier nicht erschöpfend darstellen. Wenn Sie bereits Gelegenheit hatten, sich mit den Vorteilen der Technischen Analyse vertraut zu machen, können Sie diesen Abschnitt getrost überspringen. Auch sollten Sie sich keine Sorgen machen, wenn Sie ihn nicht gelesen haben, denn diese Unterlassung wird den nachfolgenden Informationen über die Kerzenanalyse in keiner Weise abträglich sein.
Viele verschiedene Aspekte wirken auf den Stellenwert der Technischen Analyse ein. Obwohl die Analyse der Fundamentaldaten uns dabei helfen kann, das Verhältnis von Angebot zu Nachfrage (also das Kurs/Gewinn-Verhältnis, statistische Wirtschaftsdaten etc.) und andere Markteigenschaften zu beurteilen, beinhaltet sie keinerlei psychologische Komponente.
Trotzdem werden die Märkte manchmal in großem Ausmaß von emotionalen Zuständen beeinflusst. Schon John Maynard Keynes hat gesagt: „Es gibt nichts Schlimmeres als eine rationale Investitionsstrategie in einer irrationalen Welt.“2 Die Technische Analyse ist der einzige mir bekannte Mechanismus, mit dem man die „irrationalen“ (emotionalen) Einflüsse messen kann, die in allen Märkten gegenwärtig sind.
Zu diesem Thema – wie sehr die Psychologie auf die Märkte einwirkt – kann ich eine amüsante Anekdote erzählen. Sie entstammt dem Buch The New Gatsbys3 und hat sich an der Chicagoer Börse ereignet.
Sojabohnen waren deutlich gestiegen. Im Soja-Gürtel um Illinois hatte es eine Dürre gegeben. Und wenn diese nicht bald zu Ende ginge, würden die Sojabohnen verknappen ... Plötzlich liefen ein paar Tropfen Wasser am Fenster herunter. „Seht mal“, rief irgendeine Stimme, „es regnet!“ Über 500 Augenpaare (der Trader – Anmerkung des Herausgebers) richteten sich gespannt auf die großen Fenster. ... Die Tropfen wurden zu einem stetigen Nieselregen, der sich in einen Wolkenbruch verwandelte. Es regnete in der Innenstadt von Chicago.
Verkaufen. Kaufen. Kaufen. Verkaufen. Die Rufe der Trader erschollen mit einem Donner, der es mit dem da draußen durchaus aufnehmen konnte. Und die Soja-Kurse fielen langsam, aber sicher. Dann brachen sie aus wie ein tropisches Fieber.
Es regnete zwar tatsächlich in Chicago, aber kein Mensch baut in Chicago Sojabohnen an. Im Herzen des Anbaugebiets, etwa 300 Meilen südlich von Chicago, war der Himmel immer noch blau, sonnig und außerordentlich trocken. Aber obwohl es in den Sojafeldern keine Niederschläge gab, regnete es doch in den Köpfen der Trader, und das ist alles, was zählte. Denn in den Märkten haben nur diejenigen Dinge eine Bedeutung, auf die die Märkte reagieren. Das Spiel wird mit den Gedanken und Emotionen gespielt.
Um meine Aussage über den Stellenwert der Massenpsychologie zu erhärten, sollten Sie selbst darüber nachdenken, was passiert, wenn ein Stück Papier namens „Geld“ gegen irgendein Objekt, sei es Kleidung oder Nahrung, eingetauscht wird. Wie kann es sein, dass Papier, selbst eigentlich nur von sehr geringem Eigenwert, gegen Dinge mit bedeutend höherem Eigenwert eingetauscht werden kann? Der Grund ist in der Psychologie zu suchen, die allen Menschen gemein ist. Alle Menschen glauben nämlich, der Papierfetzen werde als Geld akzeptiert, und deshalb ist es auch so. Sobald diese weit verbreitete, psychologische Grundhaltung nicht mehr bestünde, sobald die Menschen also ihren Glauben an das Geld verlören, wäre es jedoch wertlos.
Die Technische Analyse ist zweitens einer der wichtigsten Bestandteile der disziplinierten Vermögensanlage. Denn nur die Disziplin kann den größten Feind aller Trader, die Emotionen, im Zaume halten. Sobald das Geld in den Märkten angelegt ist, sitzen diese Emotionen am Steuer. Objektivität und Rationalität müssen sich mit dem Beifahrersitz begnügen. Wenn Sie es schwer finden, mir das zu glauben, sollten Sie eine Zeit lang nur Papier traden und dann erst mit Ihrem eigenen Geld. Sie werden schon bald herausfinden, wie tief greifend und kontraproduktiv sich die damit verbundene Anspannung, Furcht und Nervosität auf Ihre Methoden auswirken und Ihre Sichtweise der Marktsituation verändern können – normalerweise direkt proportional zur Höhe der investierten Summe. Die Technische Analyse kann der rationalen Vernunft dazu verhelfen, wieder ihren Platz am Steuer einzunehmen. Sie liefert uns Mechanismen zur Festsetzung von Ein- und Ausstiegspunkten, zur Bemessung des Verhältnisses von Risiko zu Gewinnmöglichkeiten oder auch nur für die optimale Platzierung unserer Stopps. Durch die Technische Analyse können Sie so eine vernünftige Vorgehensweise hinsichtlich Ihres Risikoniveaus und Ihrer Geldverwaltung kultivieren.
Wie ich eben schon kurz erwähnt habe, fördern die technischen Instrumente eine objektive Sichtweise der Märkte. Denn es entspricht der menschlichen Natur, die Märkte so zu sehen, wie man sie sehen will und nicht wie sie wirklich sind. Wie oft passiert zum Beispiel Folgendes? Ein Trader kauft. Der Markt fällt sofort nach diesem Einstieg. Nimmt der Trader seinen Verlust hin? Normalerweise nicht.
Obwohl die Hoffnung im Markt keinen Raum findet, wird er sich auf alle verfügbaren, grundsätzlich bullishen Daten stürzen, nur um seiner Hoffnung, der Markt werde wieder steigen, Nahrung zu geben. (Oder wie es einer unserer Klienten ausgedrückt hat: Man sucht nach Gründen für die eigene Position.) Währenddessen setzt sich der Kursverfall fort. Vielleicht versucht der Markt damit, dem Trader etwas mitzuteilen. Denn die Märkte kommunizieren mit uns. Ihre Botschaften lassen sich mit der Technischen Analyse entschlüsseln. Unser Trader hat seine Augen und Ohren leider gegen diese Botschaften des Markts verschlossen.
Wenn er nur einen Moment lang innehalten würde und die Kursbewegungen objektiv betrachten könnte, würde sich sein Gespür für den Markt auch wieder erholen. Was passiert zum Beispiel, wenn viel versprechende Daten herauskommen, die Kurse aber trotzdem nicht steigen, sondern vielleicht sogar fallen? Diese Art von Kurssituation spricht Bände über die Psychologie der Märkte und darüber, wie man sich darin verhalten sollte.
Ich glaube, es war der berühmte Trader Jesse Livermore, der erstmals die Idee formuliert hat, man könne das Ganze besser aus der Ferne betrachten. Die Technische Analyse zwingt uns dazu, einen Schritt zurückzutreten und dadurch vielleicht eine bessere Sichtweise des Marktgeschehens zu fördern.
Drittens ist es auch dann wichtig, die technischen Charts zu beachten, wenn Sie nicht mit Haut und Haaren an deren Wirksamkeit glauben. Denn manchmal sind die darauf abgebildeten Szenarien einer der Hauptgründe für etwaige Kursbewegungen. Da sie also zu den marktbestimmenden Faktoren gehören, verdienen sie auch unsere Beachtung.
Viertens lehrt uns die Zufallstheorie, dass das Kursniveau des einen Tages keinerlei Einfluss auf die Kursbewegungen des nächsten Tages ausübt. Diese akademische Sichtweise lässt allerdings einen wichtigen Faktor außer Acht – den Menschen selbst. Denn die Menschen erinnern sich von einem Tag auf den anderen an die Kurse und verhalten sich in entsprechender Weise. Also beeinflussen die Reaktionen der Menschen die Notierungen, die dann wiederum die Reaktionen der Menschen beeinflussen. Die Notierungen selbst sind einer der wichtigsten Faktoren der Marktanalyse. Viele Menschen, die sich abfällig über die Technische Analyse äußern, vernachlässigen diese Tatsache.
Fünftens sind die Kursbewegungen die direkteste und zugänglichste Methode, das Verhältnis von Angebot und Nachfrage insgesamt zu beurteilen. Manchmal gibt es Fundamentaldaten, die der Öffentlichkeit noch nicht bekannt sind und trotzdem erwartungsgemäß auf die Notierungen einwirken. Denn alle Trader, die im Voraus von einem Markt beeinflussenden Ereignis wissen, haben wahrscheinlich so lange ge- oder verkauft, bis die derzeitigen Notierungen diese Informationen widerspiegeln.
Wenn wir das Alte hinterfragen, lernen wir das Neue.
Dieses Kapitel soll die Rahmenbedingungen erläutern, die zur Entwicklung der japanischen Candlestick-Charts geführt haben. Alle Leser, die gerne so schnell wie möglich zum Hauptthema dieses Buches vordringen möchten (also zu den Methoden der Kerzenanalyse), können dieses Kapitel komplett überspringen oder später hierher zurückkehren, sobald sie den Rest des Buches ausgelesen haben, denn die Geschichte der Kerzendiagramme ist äußerst interessant.
Einer der ersten und wahrscheinlich der berühmteste aller Japaner, die die Preisbewegungen der Vergangenheit zur Vorhersage zukünftiger Preisbewegungen nutzten, war der legendäre Munehisa Homma.1 Im 18. Jahrhundert verdiente er ein riesiges Vermögen mit dem Reishandel. Bevor ich mich aber näher mit Homma selbst beschäftige, werde ich Ihnen einen kurzen Überblick über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vermitteln, in denen er so erfolgreich sein sollte. Dabei werde ich mich auf die Periode vom frühen 16. bis Mitte des 18. Jahrhunderts beschränken, einen Zeitraum, in dessen Verlauf die 60 ursprünglichen Provinzen Japans zu einem Nationalstaat verschmolzen, in dem der Handel aufblühen konnte.
Das gesamte 16. Jahrhundert war in Japan von einem fortwährenden Kriegszustand gekennzeichnet, da die Daimyo (wörtlich übersetzt bedeutet dieser Begriff „Großer Name“, gemeint sind die Feudalherren) sich ständig gegenseitig Territorien streitig machten. So wird in der japanischen Geschichtsschreibung die hundertjährige Periode zwischen 1500 und 1600 auch gemeinhin als „Sengoku Jidai“ bezeichnet, was in der wörtlichen Übersetzung „Zeitalter des Landes im Kriegszustand“ bedeutet. Es war eine Zeit unglaublicher Wirren. Aber in den letzten Dekaden dieses Jahrhunderts vereinten drei außerordentlich fähige Generäle – Nobunaga Oda, Hideyoshi Toyotomi und Ieyasu Tokugawa – diese Provinzen zu einem einzigen Nationalgefüge, in einem Prozess, der Anfang des 17. Jahrhunderts nach rund 40 Jahren abgeschlossen war. In der japanischen Geschichtsschreibung und Folklore wird diesen Männern ein besonderer Ehrenplatz eingeräumt. Ein japanisches Sprichwort lautet zum Beispiel: „Nobunaga hat den Reis angehäuft, Hideyoshi hat den Teig geknetet und Tokugawa hat dann den Kuchen gegessen.“ In anderen Worten, alle drei Generäle haben zwar ihren eigenen Beitrag zur Vereinigung Japans geleistet, aber Tokugawa, der letzte der drei, wurde zum Shogun, dessen Familie von 1615 bis 1867 über Japan herrschen sollte. Diese Periode wird deshalb auch als Tokugawa-Dynastie bezeichnet.
Die militärischen Rahmenbedingungen, die Japan über hunderte von Jahren hinweg geformt hatten, wurden zum integralen Bestandteil der Kerzenchartterminologie. Denn wenn man darüber nachdenkt, merkt man schnell, dass der Börsenhandel viele jener Eigenschaften erfordert, die bei militärischen Auseinandersetzungen zum Sieg führen. Diese Eigenschaften und Fähigkeiten umfassen zum Beispiel eine strategische Denkweise, psychologische Fähigkeiten, Wettbewerbstauglichkeit, taktische Rückzüge und, so ist es nun mal, auch Glück. Es ist also nicht weiter verwunderlich, wenn Sie in diesem Buch des Öfteren auf Begriffe der Kerzenchartterminologie stoßen werden, die auf einer Analogie zum Kriegsgeschehen beruhen. So gibt es zum Beispiel den „Nacht- und Morgenangriff“, das „Muster der Drei Vorrückenden Soldaten“, die „Gegenangriffslinie“, den „Grabstein“ usw.
Die relative Stabilität, die das zentralisierte Feudalsystem Japans unter Tokugawa hervorbrachte, eröffnete viele neue Möglichkeiten. Die Agrarwirtschaft und – was vielleicht noch wichtiger war – der jetzt einfacher gewordene Binnenhandel expandierten. Im 17. Jahrhundert bildete sich ein nationaler Markt heraus, der das System der isolierten Lokalmärkte ersetzte. Dieses Konzept des zentralisierten Markts sollte in Japan direkt zur Entwicklung der Technischen Analyse führen.
Hideyoshi Toyotomi betrachtete Osaka als Hauptstadt Japans und förderte das Wachstum dieser Stadt als kommerzielles Zentrum. Osaka stand der Seeweg offen zu einer Zeit, als der Landweg noch sehr gefährlich, teuer und langsam war; so wurde die Stadt zum Nationaldepot für die Anhäufung, Lagerung und Verteilung von Waren. Allmählich entwickelte sie sich dabei zum kommerziellen und finanziellen Zentrum Japans. Aufgrund des resultierenden Reichtums und der riesigen Warenlager erhielt Osaka den Beinamen „Japans Küche“.
Da Osaka die regionalen Unterschiede in der Beschaffungssituation ausgleichen konnte, leistete die Stadt einen wichtigen Beitrag zur Preisstabilität des Landes. In Osaka war das Profitstreben in alle Lebensbereiche eingebunden (ganz im Gegensatz zu den anderen Städten, in denen das Geldverdienen verachtet wurde). Die Gesellschaft war damals in vier unterschiedliche Klassen oder Kasten eingeteilt. Die höchste Kaste war die der Soldaten, gefolgt von den Landwirten, dann den Künstlern und Handwerkern, die unterste Kaste war den Händlern vorbehalten. Erst im 18. Jahrhundert sollten die Händler diese soziale Trennschranke aufheben können. Auch heute noch lautet die traditionelle Grußformel in Osaka „Mokarimakka“, was so viel bedeutet wie „Machst du gute Geschäfte?“
Ebenfalls in Osaka wurde ein Mann namens Yodoya Keian zum Kriegshändler von Hideyoshi (eines der drei großen Generäle). Yodoya verfügte über ein schier unglaubliches Talent für den Transport, die Verteilung und die Preisauszeichnung von Reis. Selbst sein Vorgarten erhielt eine derartige Bedeutung, dass sich dort die erste Reisbörse Japans entwickelte. Er selbst wurde steinreich – wie sich herausstellen sollte, wurde er tatsächlich etwas zu reich. Die Bakufu (die Militärregierung unter Leitung des Shoguns) konfiszierte im Jahr 1705 sein gesamtes Vermögen unter der Anklage, er lebe in einem Luxus, der für seinen gesellschaftlichen Status unangebracht sei. Die Bakufu war generell besorgt über den Machtzuwachs mancher Händler. Eine Gruppe von Beamten und Händlern hatte schon 1642 versucht, den Reismarkt zu vereinnahmen. Die Strafe dafür war drakonisch gewesen: Ihre Kinder wurden hingerichtet, die Händler und die Beamten selbst jedoch verbannt, nachdem ihr gesamtes Vermögen konfisziert worden war.
Der Reismarkt, der sich ursprünglich in Yodoyas Vorgarten entwickelt hatte, wurde mit der Gründung der Dojima- Reisbörse in Osaka im späten 17. Jahrhundert zur öffentlichen Einrichtung. Die Händler, die an dieser Börse tätig waren, beurteilten die Reisqualität und setzten durch ihre Handelsaktivitäten dessen Preis fest. Bis zum Jahr 1710 wurde an dieser Börse nur mit bestehenden Reisvorräten gehandelt. Erst nach 1710 begann die Reisbörse damit, auch Lagerscheine zu akzeptieren und herauszugeben. Diese Lagerscheine wurden Reiskupons genannt und waren die ersten Warenterminkontrakte, die je gehandelt wurden.
Die Reisbörse und der Reishandel wurden zur Grundlage des Reichtums der Stadt Osaka, in der zeitweilig über 1300 Reishändler ihren Geschäften nachgingen. Da es keine vereinheitlichten Währungsstandards gab (frühere Versuche, eine harte Währung zu schaffen, waren an der Wertminderung der Münzen gescheitert), wurde der Reis de facto zum Austauschmedium. Wenn einer der Daimyo in Geldnot war, konnte er seinen Reisüberschuss nach Osaka schicken, wo diese Lieferung unter seinem Namen in einem Lager aufbewahrt wurde. Im Gegenzug wurde ihm ein Reiskupon als Quittung ausgehändigt. Diesen Reiskupon konnte er dann nach Belieben im ganzen Land verkaufen. Da die Daimyo ständig unter Geldmangel litten, tauschten sie ihre Reiskupons oft gegen ihre fällig werdenden Zahlungen der Reissteuer (die Steuern an die Daimyo wurden ebenfalls in Reis bezahlt – mit meistens zwischen 40 und 60 Prozent der Reisernte eines Reisbauern). So wurde manchmal die Reisernte über Jahre im Voraus verpfändet. Die Reiskupons wurden aktiv gehandelt, und als sie gegen zukünftige Reislieferungen ausgetauscht wurden, waren die ersten Terminkontrakte der Welt geboren. So wurde die Dojima-Reisbörse, an der dieser Handel stattfand, zur ersten Warenterminbörse weltweit. Die Reiskupons wurden auch als „leere Reiskupons“ bezeichnet, was bedeuten sollte, dass sich der Reis nicht im physischen Besitz der Händler befand. Um die Popularität dieser Warentermingeschäfte mit Reis zu illustrieren, möchte ich an dieser Stelle eine kleine Statistik anführen: Im Jahr 1749 allein wechselten in Osaka insgesamt 110.000 Ballen Reis in der Form der „leeren“ Reiskupons den Besitzer (damals wurde Reis in Ballen gehandelt). Zur gleichen Zeit gab es in ganz Japan jedoch nur rund 30.000 Ballen.2
Auf die Bühne dieser Geschehnisse trat nun Homma, Beiname „Gott der Märkte“. Er war 1724 als Sohn einer wohlhabenden Familie zur Welt gekommen. Tatsächlich wurde die Familie Homma als so wohlhabend angesehen, dass seinerzeit folgender Spruch die Runde machte: „Aus mir wird zwar nie ein Homma, aber ich würde mich auch mit der Stelle eines der Regionalfürsten begnügen.“ Als Homma 1750 das Familienunternehmen übernahm, konzentrierten sich seine Handelsaktivitäten noch auf die Reisbörse der Hafenstadt Sakata, seiner Heimat. Sakata war schon damals ein wichtiger Umschlagplatz für Reis. Da Homma aus Sakata stammte, werden Sie in der Kerzenchartliteratur oft auf den Begriff „Sakatas Regeln“ stoßen, der sich auf Homma bezieht.
Nach dem Tod seines Vaters war Munehisa Homma verantwortlich für die Verwaltung des Familienbesitzes, obwohl er eigentlich der jüngste Sohn war. (Zu dieser Zeit erbte normalerweise der älteste Sohn einer Familie deren Besitztümer.) Wahrscheinlich hatte er sich schon früh als besonders geschäftstüchtig hervorgetan. Er begann dann auch sofort damit, mit diesem Vermögen an der Dojima-Reisbörse in Osaka Reisterminkontrakte zu handeln.
Hommas Familie besaß riesige Reisfelder. Diese Macht ermöglichte der Familie einen privilegierten Zugriff auf Informationen über den Reismarkt. Außerdem zeichnete Homma Jahr für Jahr die Wetterbedingungen auf. Um sich in die Psychologie der Reisspekulanten einzuarbeiten, analysierte er die Kursbewegungen der Reispreise bis zu dem Zeitraum zurück, in dem die Reisbörse sich noch in Yodoyas Vorgarten befunden hatte.
Darüber hinaus gründete Homma ein eigenes Kommunikationssystem. Zu bestimmten Tageszeiten begaben sich seine Männer auf die Dächer ihrer Häuser, um Flaggensignale auszutauschen. Mit dieser Menschenkette konnte er die gesamte Distanz zwischen Osaka und Sakata überbrücken. Sobald er die Märkte Osakas dominierte, weitete er seine Handelsaktivitäten auf die regionale Reisbörse Edos aus (das mittlerweile Tokio genannt wird). Seine Klugheit und sein Informationsvorsprung verhalfen ihm zu einem riesigen Vermögen. Es wird behauptet, er habe 100 profitable Kontrakte nacheinander gehandelt.
Sein Ruf wurde so bedeutend, dass folgendes Volkslied in Edo Verbreitung fand: „Wenn in Sakata die Sonne scheint (also in Hommas Heimatstadt), ist es in Dojima bewölkt (also an der Dojima-Reisbörse in Osaka), während es in Kuramae (der Kuramae-Börse in Edo) regnet.“ In anderen Worten: Wenn in Sakata eine gute Reisernte eigefahren wurde, fielen dort die Reispreise und brachen in Edo schließlich ganz ein. Das Lied spricht Bände über Hommas außerordentlichen Einfluss auf die Reismärkte seines Landes. In seinen späteren Jahren wurde Homma zum Finanzberater der japanischen Regierung, die ihm den Ehrentitel eines Samurai verlieh. Er starb 1803. Es wird allgemein angenommen, dass Hommas Bücher über die Marktwirtschaft (Sakata Senho und Soba Sani No Den) im 18. Jahrhundert verfasst wurden. Aber die Handelsprinzipien, die er beim Reishandel perfektioniert hatte, entwickelten sich zur Methode der Candlestick-Diagramme, die sich in Japan auch heute noch weiter Verbreitung erfreut.
Auch eine Reise von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt.
Ohne Ruder kommt man im Boot nicht voran.
Die Kerzencharts gehen von denselben Daten aus wie die westlichen Balkendiagramme, nämlich dem Eröffnungs- und Schlusskurs sowie dem Tageshoch und dem Tagestief. Zur Illustration dieses Sachverhalts zeige ich Ihnen in Abbildung 3.1 ein Balkendiagramm und ein von derselben Kurssituation ausgehendes Kerzendiagramm in Abbildung 3.2.
Auf dem Candlestick-Diagramm scheinen die Notierungen über die zweidimensionale Papierebene hinauszuwachsen.
Wir sehen eine stereoskopische Ansicht des Markts, weil die zweidimensionale Darstellungsweise der Barcharts zu einer fast dreidimensional wirkenden Symbolik verdichtet wird. Das macht die Kerzencharts visuell so stimulierend. In Abbildung 3.3 sehen wir, wie dieselben Daten in einem Balkendiagramm und dann in einem Candlestick-Diagramm dargestellt werden.
Der rechteckige Teil der Kerzendiagramme in Abbildung 3.4 bis 3.6 wird als der eigentliche Körper bezeichnet. Dieser Körper stellt den Abstand zwischen der höchsten und der niedrigsten Notierung der Handelsperiode dar. Wenn der Körper schwarz (oder ausgefüllt) ist, bedeutet das einen Schlusskurs, der unterhalb des Eröffnungskurses liegt. Wenn der Körper hingegen weiß (oder leer) ist, verweist das auf einen Schlusskurs, der über dem Eröffnungsniveau liegt.
Abbildung 3.1: Tageskurse von Lucent (Barchart)
Abbildung 3.2: Tageskurse von Lucent (Candlestick-Chart)
Abbildung 3.3: Balkenchart und Kerzenchart
Die dünnen Linien ober- und unterhalb des Körpers sind die so genannten Schatten (ist das nicht fast poetisch – die Körper und ihre Schatten?). Diese Schatten repräsentieren die Kursspitzen der Handelsperiode. Der Schatten, der sich über dem eigentlichen Körper befindet, wird der obere Schatten genannt, der Schatten unterhalb des eigentlichen Körpers ist der untere Schatten. So kennzeichnet das obere Ende den Höchststand der jeweiligen Handelsperiode und das untere Ende des unteren Schattens den Tiefstand.
Wenn eine Kerze keinen oberen Schatten hat, wird das als Shaven Head („rasierter Kopf“) bezeichnet. Folgerichtig heißt eine Kerze, die über keinen unteren Schatten verfügt, Shaven Bottom („rasierte Basis“).
Sie können selbst erkennen, warum diese Diagramme Kerzencharts genannt werden, denn die individuellen Blöcke sehen manchmal wirklich so aus wie Kerzen mit Docht.
Die Japaner sagen, der Kerzenkörper sei „die Essenz der Kursbewegung“. Diese Aussage reflektiert eines der zentralen Konzepte der Körper: Schon allein durch die Höhe und Farbe der Körper können wir auf einen Blick erkennen, ob die Bullen oder die Bären das Marktgeschehen beherrschen.
Abbildung 3.4: Weiße Kerze
Durch diese Eigenschaft gestalten die Kerzen die Marktanalyse einfacher und effizienter. Wenn wir uns beispielsweise die weiße Kerze in Abbildung 3.4 anschauen: Wer kontrolliert Ihrer Meinung nach das Marktgeschehen, die Bullen oder die Bären? Es sind offensichtlich die Bullen, da der Schlusskurs in dieser Sitzung auf einem Niveau in der Nähe des Höchststandes liegt und der Eröffnungskurs in der Nähe des Tiefstandes. Genauso signalisiert eine lange schwarze Kerze (Abb. 3.5) visuell einen Markt in Bärenhand, da der Eröffnungskurs nahe am Höchststand und der Schlusskurs nahe am Tiefstand liegt.
