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TERRA MYSTERIOSA, eine Weltreise zu den größten Mysterien unseres Planeten »Terra«, von Ägypten bis Zentralamerika, von Mexiko bis Mikronesien, von der »unvollendeten Grabkammer« unter der Cheopspyramide, bis zur Pyramide auf dem Nemrud Berg der Türkei und zur Schlange aus Licht an der Pyramide des Gottes Kukulkan, Mexico.
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Seitenzahl: 322
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Vorwort
Von der fantastischen Realität …
Kuélap ... eine geheimnisvolle Metropole der ›Chachapoyas‹
Sarkophage und Mumien
Die Toten von Chauchilla
Mit Grabräubern unterwegs
Die Tempel von Mahabalipuram
Der Mann mit Hut
Vimanas, Flugvehikel der Götter
Science-Fiction - Realität vor Jahrtausenden?
Besuch in einer Palmblattbibliothek
Mysteriöses Cusco
Unterirdische Gänge und die Monstermauer von Cusco
Das Geheimnis der Engel von Chinchero
Das Horrorkabinett des Dr. Cabrera
Dr. Cabreras gravierte Steine
Fantastische Funde oder Fälschungen?
Geheimnisvolles Nasca
Bilder für die Götter?
7 Erklärungen und ein unterirdisches Geheimnis
Der Dreizack von Pisco
Vom Kandelaber zum Riesen der Atacamawüste
Das weiße Pferd von Uffington
Am Tor zur Südsee
Vom fliegenden Gott zu John Frum
Wer war John Frum?
Von John bis Jesus
John Frum und ketzerische Gedanken über die Göttin
Das Geheimnis des Götterbergs
Was steckt in der Pyramide?
Das Geheimnis der unterirdischen Städte
Unterwegs in der Unterwelt
Vom Himmel hoch?
Das Geheimnis unter der Cheops-Pyramide
In der unvollendeten Grabkammer
Monstermumien im Alten Ägypten?
Das Geheimnis der Heiligen Stiere
Mit der Bahn in die Vergangenheit
Die verlorene Stadt in den Anden
Das Geheimnis der Glimmerkammer
In der ›Glimmerkammer‹ ...
Die Pyramide und eine Schlange aus Licht
Die Schlange, die vom Himmel steigt
Das Geheimnis der fliegenden Männer
Tulum - Tempel im Paradies
Luzifer der Südsee
Terra Mysteriosa: Platos Höhlengleichnis und Nasca ist überall
Walter-Jörg Langbein – Pionier und Weltreisender
„Sagenhafte Zeiten“ beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der „dänikenschen“ Frage: „Waren die Götter Astronauten?“ Das weltweit gelesene Blatt ehrte Walter-Jörg Langbein als „Pionier der Paläo-SETI-Forschung“ (5/2006), also als Pionier in Sachen „Haben uns in grauer Vorzeit Außerirdische besucht? Wurden die Fremden aus dem All als Götter verehrt?“
Wer ist Walter-Jörg Langbein?
Walter-Jörg Langbein, geboren am 16.08.1954 im oberfränkischen Michelau, studierte nach dem Abitur evangelische Theologie. 1979 wurde Langbein freiberuflicher Schriftsteller und hat seither über 50 national und international erfolgreiche Sachbücher verfasst. Die renommierte „Dr.-A.-Hedri-Stiftung“ zeichnete ihn 2000 mit dem „Preis für Exopsychologie“ aus. Heute lebt er mit seiner Frau im lippischen Weserbergland.
Seit fünf Jahrzehnten bereist Langbein die Welt. Er legte hunderttausende Kilometer zurück, stets auf der Suche nach den großen Geheimnissen der Geschichte – von Ägypten bis Mikronesien, von der Türkei bis zu den Neuen Hebriden, von Malta bis zur Osterinsel, von Ecuador bis Chile.
Walter-Jörg Langbein hat sich immer wieder kritisch mit theologischen, intensiv mit biblischen Themen beschäftigt. Aufsehen erregten Bestseller wie „Das Sakrileg und die Heiligen Frauen“ und der Folgeband „Maria Magdalena“. Bei Langen-Müller erschienen seine Standardwerke „Das Sphinx-Syndrom“, „Bevor die Sintflut kam“, „Das Lexikon der biblischen Irrtümer“ und „Das Lexikon der Irrtümer des Neuen Testaments“. Mit „Brot und Wein“ wendete sich Langbein einem bislang vernachlässigten Aspekt der „Heiligen Schrift“ zu. Die Bibel enthält eine Fülle von Hinweisen auf eine gesunde Ernährung und Lebensweise.
2009 erschien, pünktlich zu Langbeins 30-jährigem Autorenjubiläum, sein 30.Buch im Herbig-Verlag: „2012 – Endzeit und Neubeginn/ Die wahre Botschaft der Mayas“. Zahllose Sachbücher folgten, als Printausgaben und eBooks.
Auf den Wunsch vieler Leserinnen und Leser hat nun Langbein, Mitbegründer der Autorengemeinschaft „Ein Buch lesen“, sein neues Werk vorgelegt: „Terra Mysteriosa/Monstermauern, Südseegötter und Luzifer“. Wieder einmal nimmt er Leserinnen und Leser auf eine fantastische Weltreise zu den mysteriösesten Orten von Planet Erde. Wieder einmal bietet er ein unglaublich breites Spektrum von Themen an, die er in einem halben Jahrhundert spannend und unterhaltsam bearbeitet. Er stellt Fragen, schlägt Lösungen vor.
Rund 50 Jahre lang bereiste ich die Welt, um für meine Bücher zu recherchieren und Material zu sammeln. Auf manchen meiner Reisen nahm ich einige wenige Leserinnen und Leser mit, um gemeinsam mit ihnen die rätselhaftesten Stätten unseres Planeten zu besuchen.
Nun lade ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, zu einer fantastischen Reise ein. Folgen Sie mir an die vermeintlichen „Grenzen“ der „Realität“! Erleben Sie die fantastische Wirklichkeit, für die oftmals in der „wissenschaftlichen“ Literatur kein Platz ist! „Wissenschaft“ leitet sich von „Wissen schaffen“ ab.
Und genau das sehe ich als meine wichtigste Aufgabe an! Ich will Wissen schaffen, ohne Rücksicht auf die einengenden Grenzen der vermeintlichen „Vernunft“. In der Wirklichkeit ist nämlich viel Platz für das Fantastische, für das Unmögliche, für das Unerklärliche! Leugnen wir nicht die Existenz der fantastischen Realität!
Vermeintlich „primitive“ Steinzeitvölker schufen weltweit mysteriöse Bauten gigantischen Ausmaßes. Hatten sie alle gemeinsame Lehrmeister? Im Wüstensand Südamerikas vergrabene Mumien warten seit Jahrtausenden auf ihre „Wiedergeburt“, auf ihre „Auferstehung“. In archäologischen Sammlungen schlummern geheimnisvolle Objekte, die es gar nicht geben dürfte. Mysteriöse Kulte geben Rätsel auf. Indische Tempel stellen die fliegenden Vehikel der Götter dar ... Die Wirklichkeit hat so viele Facetten, die uns staunen lassen.
So verdanken wir Hans-Joachim Ulbrich eine erstaunliche Erkenntnis: Auf Fuerteventura gibt es eine riesige pistenartige Scharrzeichnung, vergleichbar mit jenen von Nasca, Peru! Siehe Seite 275 bis 277! Quelle: „Ulbrich, Hans-Joachim (2025): Auf den Kanaren waren sie bislang unbekannt – bronzezeitliche Scharrbilder als religiöser Ausdruck. – Almogaren Nr. 56 (Institutum Canarium), Korb (BRD), 39-44 (online)“
2001 führte ich eine kleine Gruppe ins Reich der Chachapoyas in den nördlichen Anden Perus. Auf der strapaziösen Reise wollten wir gemeinsam das Erbe eines der geheimnisvollsten Völker unseres Planeten kennen lernen. Woher kamen die Chachapoyas? Niemand vermag das zu sagen. Rätselhaft ist auch ihr Verschwinden aus der Geschichte.
Folgen Sie mir auf meinen Forschungsreisen in die entlegensten Regionen unseres Globus – von Europa bis in die Südsee. Den Anfang macht Kuélap, die Ruinenstadt der „Chachapoyas“, hoch in den Anden gelegen. Kuélap ist eine echte Sensation. Die Stadt könnte eine Massenattraktion für Touristen sein, wenn sie nicht so abgelegen und nur auf beschwerlichen Wegen zu erreichen wäre! Vielleicht ist das die Chance für Kuélap: Touristenmassen könnten Schäden anrichten, bevor wissenschaftliche Ausgrabungen möglich sind. Dazu fehlt immer noch das Geld.
Von Cuencea in Ecuador fliegen wir nach Piura im Norden Perus. Von der Wüstenmetropole Piura – fast 300.000 Einwohner – bekommen wir nichts zu sehen. Unser Zeitplan ist zu knapp. Die Gluthitze der „Desierto Sechura“-Wüste macht uns zu schaffen. Wir werden in den winzigen „VIP Bereich“ des Flughafens geführt. Angenehme Kühle umfängt uns. Freundliche Angestellte erledigen die Passformalitäten. Flüchtig wird unser Gepäck kontrolliert. „Ihr habt Glück!“ lacht eine Stewardess. „Im Augenblick vertragen wir uns mit Ecuador ... sonst würde sich die Einreise aus Ecuador höchst kompliziert erweisen ...“ Kopfschütteln ernten wir für unsere Reise um den halben Globus in den Norden Perus. Da gibt es doch nur alte Ruinen. Für die Regierenden sind Bodenschätze sehr viel wichtiger. Sie verheißen Reichtum. Und deshalb streiten sich Ecuador und Peru seit vielen Jahren immer wieder um den Grenzverlauf.
Per Bus geht es weiter bis nach Olmos. 168 Kilometer auf der imposanten Pan Americana legen wir in zwei Stunden zurück. In Olmos warten bereits fünf Geländewagen auf uns. „Nur“ 302 Kilometer liegen noch vor uns. Aber die Straßen machen das Weiterkommen mehr als mühsam. Nach acht Stunden (!) kommen wir endlich in „Lagina Pomocochas“ an: Um 1.30 nachts stehen wir vor unserem Hotel. Wir sind erschöpft und übermüdet.
Endlich gelingt es uns, auf uns aufmerksam zu machen. Einige Hotelangestellte lassen uns ein. Laguna Pomacochas liegt im Tal des Rio Utcumbamba. Es ist traumhaft schön. Wir haben aber leider keine Zeit, die herrliche Andenlandschaft zu erkunden ... denn am Morgen geht es schon wieder weiter – nach Chillo bei Tingo. Die Fahrt bis nach Magdalena ist abenteuerlich. Die Straße ist wesentlich schlechter als man das in heimischen Gefilden von Feldwegen gewohnt ist. Wir haben März ... und Regenzeit. Gewaltige Schlaglöcher – sie ähneln manchmal eher Kratern – machen die Fahrt zur Tortur. Die Straße schlängelt sich an steil emporragenden Felswänden entlang. Zum Glück sind wir mit geländegängigen Vehikeln unterwegs. Eigentlich hätten es auch drei getan. Wir wollen aber möglichst kein Risiko eingehen. Falls zwei der wendigen Fahrzeuge ausfallen, muss die Reise nicht unterbrochen werden. Tatsächlich haben wir mehrfach Autopannen. Wir fahren mit den fahrtüchtigen Autos weiter, die defekten werden notdürftig repariert ... und holen uns wieder ein!
Mitten in den Anden wartet das spartanische „Hostal el Chillo“ auf uns. Es besteht aus zwei Haupthäusern und bungalowartigen kleineren Gebäuden. Mehrere Bungalows teilen sich eine Dusche. Der Chef, Oscar, hat die kleine Anlage mit seiner Familie selbst gebaut. Schon das Heranschaffen der Steine war eine Meisterleistung in der abgelegenen Region. Man sieht es den einzelnen Gebäuden an, wann sie gebaut wurden. Haus Nr.1 ist inzwischen baufällig. Der Frühstücksraum ist noch intakt.
Oscar reicht zur Begrüßung einen selbst gebrannten Zuckerrohrschnaps - ein wahres Feuerwasser! Selbst gebaut ist auch ein Wasserrad, angetrieben von einem eisigen Gebirgsbach. So erzeugt Oscar eigenen Strom. Eiskalt sind auch die Duschen. Aber wir suchen keinen Luxus ... wir möchten Kuélap, eine geheimnisvolle Ruinenstadt, besichtigen. Gebaut wurde sie als gewaltige Wehranlage von dem Volk der „Chachapoyas“. Der Name stammt von den Inkas, den Feinden der Erbauer der Monstermauern hoch in den Anden.
Ob die archäologischen Funde in Oscars Sammlung aus Zeiten der „Chachapoyas“ echt sind? Wir wissen es nicht. Echt ist jedenfalls die warmherzige Freundlichkeit, mit der wir von Oscar und seiner Familie behandelt werden. „Fremde kommen selten in unsere Gegend ...“, meint ein wenig enttäuscht Oscar. Er hat auf Touristenströme gehofft. Vielleicht wird ja Kuélap eines Tages touristisch erschlossen ... und Oscar weiß nicht, wohin mit den Gästen.
Unser Ziel: Kuélap, der Festung der „Wolkenmenschen“. Mit unseren Geländewagen versuchen wir, so weit wie möglich an die mysteriöse Anlage heranzukommen. Fast dreitausend Meter über dem Meeresspiegel wurde die wahrhaft gewaltige Anlage errichtet. Die Luft ist dünn und eiskalt. Die Kameratasche wird zur Qual. Schritt für Schritt kämpfen wir uns voran ... bergan.
Auf einem schmalen Fußweg ächzen wir vorbei an unscheinbaren Mäuerchen. Sie sind Jahrhunderte alt. Wackelige kleine Holzbänkchen laden zur Rast ein. Wir stolpern an ihnen vorbei. Längst frieren wir nicht mehr ... wir schwitzen wie die Bären. Und unser „kleines Gepäck“ wird immer schwerer. Merkwürdige Steinmauern mit seltsamen Mustern verraten uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Irgendwo muss die geheimnisvolle Ruinenstadt sein. Wir schleppen uns weiter über Wurzeln und seltsam behauene Steinbrocken. „Bald sehen wir Kuélap!“ macht uns unser Guide Mut. Von der mysteriösen Stadt aber – keine Spur. Plötzlich wird es ungemütlich: „Nebelbänke“ tauchen auf, als wollten sie ein Geheimnis vor uns verbergen. Man fühlt sich in den Roman „Halloween“ – verfasst von Ursula Prem – versetzt. Im Thriller von Ursula Prem spielen Nebelbänke eine ganz zentrale, unheimliche Rolle.
Doch die wattig-weißen wabernden Schwaden verschlingen uns nicht ... so gespenstisch sie auch wirken. Sie stimmen aber nicht gerade optimistisch: Werden wir überhaupt etwas Interessantes zu sehen bekommen?
Plötzlich reißt die alles verbergende Wolkendecke auf, gibt den Blick auf eine fantastisch anmutende Anlage frei. Eine wuchtige Steinmauer taucht aus dem Nichts auf. Sie ist gut zwanzig Meter hoch. Wir staunen. Die Meisterleistung der Baumeister der „Wolkenmenschen“ macht uns sprachlos. Bis zu 200 Kilogramm wiegen die Granitblöcke, aus denen die Mauer aufgetürmt wurde. Wir gehen an diesem monumentalen Bauwerk vorbei. Aus den Steinen, so hat man berechnet, hätten leicht mehrere „Cheopspyramiden“ gebaut werden können!
1.500 Meter lang ist die Mauer. Sie umschließt das Oval der Stadt „Kuélap“. Im Schutz der Mauer lebte ein geheimnisvolles Volk, das der Chachapoyas. Bisher wurden in verschiedenen Regionen von „Kuélap“ die Fundamente von rund 400 meist ovalen Gebäuden freigelegt. Von ganz besonderer Bedeutung muss einst ein gewaltiger Turm gewesen sein. Wie groß mag er einst gewesen sein? Wie hoch mag er einst in den Himmel geragt haben? Niemand vermag das zu sagen. Heute ist nur noch ein zwölf Meter hoher Stumpf übriggeblieben. Er erinnert von seiner Form her an ein Tintenfass. Deshalb wird er „El Tintero“ (Tintenfass) genannt.
Fiel das Bauwerk einem Angriff von Feinden zum Opfer? Oder verdankt es seinen erbärmlichen Zustand, in dem es sich heute befindet, dem Zahn der Zeit, der schon seit vielen Jahrhunderten an ihm nagt? Ein seltsames Gesicht wurde von den Erbauern von Kuélap sorgsam in einen der Steine geritzt. Wen oder was zeigt es? Einen Wolkenmenschen, vielleicht einen besonders vornehmen oder wichtigen Bewohner der Stadt? Oder ist es eine Gottheit, die uns da stoisch anblickt ... störende Besucher aus dem fernen Europa?
Welchem Zweck diente das kuriose Bauwerk? Angeblich war es einst eine Art Sternobservatorium. Von einem kleinen Raum im Inneren – so heißt es – sollen die Sterne durch einen zum Himmel ausgerichteten Schacht beobachtet worden sein. Waren die „Wolkenmenschen“ Anhänger einer Religion, in deren Zentrum die Sterne standen? Wir wissen es nicht. Wir kennen ja nicht einmal den Namen, den sich das geheimnisvolle Volk der Andenbewohner selbst gab.
Weitere Türme standen einst im Inneren der Anlage, an der Nord- und an der Südseite. Es soll sich um Wachtürme gehandelt haben. Von den Türmen aus konnte man offenbar alle weitaus tiefer gelegenen Dörfer beobachten. Fürchtete man Angriffe? Von astronomischer Bedeutung könnte ein anderes Bauwerk gewesen sein, vielleicht eine Art Observatorium? Das „Castillo“ hatte, wie Ausgrabungen ergeben haben, einst ein rechteckiges Fundament und bestand aus drei plattformartigen Stockwerken. Oder war das „Castillo“ eine Verteidigungsanlage, innerhalb des gewaltigen Mauerwerks? Das macht wenig Sinn: Befindet sich die vermeintliche „Verteidigungsanlage“ doch eher im mittleren Bereich von Kuélap. Feinde, die erst einmal so weit in das Innere der Stadt vorgedrungen waren, konnten kaum noch abgewehrt werden, hatten sie doch dann das Zentrum von Kuélap bereits erobert! Die riesige Mauer um den Komplex herum, sie war ein riesiges Bollwerk zur Verteidigung, aber doch keine Gebäude im Zentrum!
Drei „Tore“ führen in die Stadt, zwei an der Ostseite und eines an der Westseite. „Tore“ … der Begriff führt in die Irre. Es sind eigentlich nur schmale Spalten in der mächtigen Steinmauer. Eine Vorrichtung zum Verschließen dieser Eingänge gab es nicht. Angreifer, die sich einem dieser „Risse“ der Mauer näherten, konnten von den Verteidigern mit Steinen bombardiert werden. Hatten sie die schmalen Türen erreicht, mussten sie feststellen, dass sich kein offener Blick auf das Innere der Stadtanlage bot, sobald sie sich durch den schmalen Spalt gezwängt hatten. Vielmehr mussten sie erkennen, dass sie sich einzeln und hintereinandergehend durch einen engen, steinernen Korridor quälen mussten, und zwar eine steinerne Treppe empor. Ein Ende dieses schmalen Gangs, der zudem in einer Kurve verläuft, war nicht auszumachen. Und Krieger, die sich durch diese Enge zwängten, ihre Waffen so gut wie nicht einsetzen konnten, wurden von oben bombardiert. Die Verteidiger von Kuélap konnten den Angreifern hart zusetzen, ohne selbst verwundbar zu sein.
3.000 – 4.000 Menschen sollen einst in „Kuélap“ gelebt haben. Wurde die Stadt trotz der gewaltigen und ausgeklügelten Verteidigungsanlage trotzdem von den Inkas eingenommen? Wurden die „Wolkenmenschen“ getötet oder als Sklaven verschleppt? Oder wurden sie durch langanhaltende Belagerung ausgehungert? Wir wissen es nicht! So viele Fragen blieben bis heute unbeantwortet!
Im Inneren der Anlage hat man bis heute etwa 420 steinerne Fundamente runder Häuser nachweisen können. Sie sahen wie kleine Miniaturtürmchen aus. War Kuélap also eher ein Dorf als eine Stadt? Die riesenhafte Wehrmauer aber – eine Mammutleistung der Erbauer – scheint aber ganz und gar nicht zu einem Dörfchen eines südamerikanischen Völkchens á la „Asterix und Obelix“ zu passen. Siedelten sich vielleicht die Dörfler erst an, als die Metropole der Chachapoyas längst gefallen war?
Vermutlich – aber auch das ist ungewiss – tauchte das rätselhafte Volk der Wolkenmenschen im 9. Jahrhundert im Norden Perus auf. Wir wissen nichts über die Herkunft dieser Menschen, auch nichts über ihre Sprache. Warum bauten sie Kuélap? Als militärische Anlage? Als Verteidigungsbastion gegen Feinde? Bei den gewaltigen Ausmaßen der Mauer um Kuélap herum muss von sehr langer Baudauer ausgegangen werden. Die Monstermauer kann also nicht als Antwort auf eine aktuelle Krisensituation gebaut worden sein. So muss der eigentliche Zweck von Kuélap hinterfragt werden: War Kuélap kein militärisches Objekt, sondern ein religiöses Zentrum? Dienten die drei schmalen Gangkorridore ins Innere von Kuélap nicht der Abwehr von Feinden ... sondern unbekannten religiösen Riten? War Kuélap so etwas wie ein Wallfahrtszentrum eines präinkaischen Volkes? Gehörte es zu mysteriösen Riten, sich mühevoll ins Innere von Kuélap vorzukämpfen, symbolisch für den harten Weg des religiös Suchenden zur Wahrheit?
Über die Religion der „Wolkenmenschen“ wissen wir so gut wie nichts. Astronomische Beobachtungen gehörten anscheinend ebenso dazu wie die Verehrung von heiligen Schlangen. Betete man zu Muttergöttinnen? Frauen genossen bei den Chachapoyas großen Respekt. Bei Verhandlungen mit anrückenden feindlichen Truppen wurden stets Frauen zugezogen.
Abb. 2.1 Die Monstermauer von Kuélap
2.3. Autor Langbein im Reich der Wolkenmenschen Foto Ingeborg Diekmann
Abb. 2.2 Kuélap – Mauern von Kuélap
Kuélap ... manchmal erstrahlt die mächtige Mauer der einstigen Metropole der Wolkenmenschen wie eine edle Krone aus unvergänglichem Stein hoch oben in den Anden. Manchmal leuchtet sie silbern oder kupferfarben ... ganz nach Sonnenstand und Bewölkung. Stolz präsentiert sie sich dann wie ein Denkmal der Überlegenheit einer uralten rätselhaften Kultur, das sowohl die Inkas als auch die Horden der Spanier überdauert hat. Manchmal verschmelzen Wolken- und Nebelbänke mit Erde, Stein und Himmel. Dann fragt sich der Besucher, ob die mysteriöse Mauer mehr zum Himmel als zur Erde gehört.
Kuélap ... die wehrhafte Mauer mit den schmalen Eingängen trotzte nicht nur den Feinden der Chachapoyas, der Wolkenmenschen, sondern auch der Wissenschaft. Denn bis heute wissen wir so gut wie nichts über das geheimnisvolle Volk. Woher kam es? So manche Frage konnte bis heute nicht beantwortet werden - weil die finanziellen Mittel fehlen.
Im Jahr 2000, wenige Monate vor unserer Reise ins Reich der Chachapoyas, wurden 35 Chachapoya-Mumien gefunden. Ihr Alter konnte mithilfe der C-14-Methode (Radiocarbontest) bestimmt werden. Sie stammten aus dem 11. und 12. Jahrhundert. Nur acht der Mumien waren intakt. Es wurde eine genetische Untersuchung durchgeführt. Definitiv konnte festgestellt werden, dass die Chachapoyas keinerlei genetische Übereinstimmung mit den Indios des südamerikanischen Kontinents aufwiesen. Woher stammten sie dann, wenn nicht aus Südamerika?
Die Chachapoyas waren nicht mit den Inkas verwandt. Sie verwendeten auch ganz andere Mumifizierungstechniken als die Inkas. Die Inkas ließen ihre Toten austrocknen. Die Chachapoyas entfernten die Innereien der Toten. Sie waren dabei bemüht, die äußere Hülle der Leichname so unberührt wie nur möglich zu lassen. Sie nutzten die natürlichen Körperöffnungen der Verstorbenen, um die Innereien aus ihnen herauszuholen. Offenbar sollten die Toten im nächsten Leben nach der Wiedergeburt wiederzuerkennen sein. Also stopfte man in die leeren Köpfe – das Gehirn war ja sorgsam entfernt worden – Baumwolle.
Kurios: Die Chachapoyas verwendeten eine Mumifizierungstechnik, die fremd war in Südamerika, aber wohl bekannt im Land der Pharaonen, in Ägypten! Eine Verbindung zwischen Ägypten und dem Reich der Chachapoyas mutet mehr als kühn an. Es gibt keinerlei Belege dafür, dass jemals Kontakte bestanden. Warum mumifizierten aber die Chachapoyas ihre Toten wie die Ägypter?
Wurde das Volk der Chachapoyas, von wo auch immer, von Feinden zur Flucht in die Anden gezwungen? Wohin verschwanden die Wolkenmenschen? Woran glaubten sie? Welche religiösen Ansichten teilten die Erbauer von Kuélap? Wir wissen es nicht. Und wir werden es wohl nie erfahren. Es sei denn, es würden noch schriftliche Zeugnisse der Chachapoyas gefunden, die Antworten auf unsere Fragen bieten.
Aber haben sie überhaupt jemals etwas Schriftliches hinterlassen? Wenn man die mächtige Mauer von Kuélap sieht, ist man höchst beeindruckt. Dieser gewaltige Komplex muss sorgsam geplant worden sein. Es muss Berechnungen und Baupläne oder Skizzen gegeben haben. Nichts dergleichen wurde bislang gefunden!
Kuélap, war das die Metropole der Chachapoyas? Oder ist die eigentliche Hauptstadt des verschwundenen Reiches noch irgendwo in den Bergen Nordperus versteckt? Einheimische wissen von zahllosen Mauern zu berichten, die in nur unter Lebensgefahr zu erreichenden Gefilden längst von Gestrüpp überwuchert und kaum noch zu erkennen sind ... selbst wenn man direkt vor ihnen steht.
Hoch oben an senkrechten Felswänden, gern in Felsspalten, wurden turmähnliche Steinbauten wie Schwalbennester an den Abgrund gesetzt. Wer die Felswände mit einem guten Feldstecher absucht und geduldig bleibt, wird immer wieder fündig. Waren es Totenhäuser? Oder lebten Auserwählte als Wächter bei den Toten? Wir wissen es nicht.
„Ganz in der Nähe von Tingo erbauten wagemutige Wolkenmenschen die ›Türme von Macro‹.“ So hatte ich bei meinen Vorbereitungen der Expedition ins Reich der Chachapoyas gelesen. Vor Ort zeigte es sich, dass der Begriff „in der Nähe“ unterschiedlich interpretiert werden kann. Vor Ort erfahre ich: Die Grabtürme von Macro sind höchst interessant! Sie wurden einst besonders sorgsam gebaut, dienten sie doch Priestern und hohen Würdenträgern als vorerst letzte Ruhestätte. Die einzelnen Steine sind scheinbar fugenlos zusammengefügt. Geometrische Muster aus Stein beeindrucken in ihrer Schlichtheit.
Bis „Magdalena“ im Distrikt Tingo fahren wir mit dem Jeep. Seit über drei Jahrzehnten begegnet mir bei meinen Recherchen immer wieder Maria Magdalena ... so auch im Reich der Wolkenmenschen ...
Einer uralten Legende zufolge lag einst die kleine Siedlung hoch oben auf dem Berg. Ein prophetischer Priester sah in einer Vision ein Erdbeben das Dorf auslöschen. Er warnte die Menschen, doch sie hörten nicht auf ihn. Ausgelassen feierten sie – es war der 20. Juli – das Fest der Maria Magdalena. Traurig holte der Priester die Statue der Maria Magdalena aus der Kirche und trug sie den Berg hinab. Auf halber Höhe entdeckte er eine schäbige Hütte. Dort fand der Gottesmann mit der Statue der Maria Magdalena Zuflucht. Kurz darauf schien die Welt unterzugehen. Ein gewaltiges Erdbeben apokalyptischen Ausmaßes brach über die Menschen aus, viele kamen um. Das Dorf wurde vollständig vernichtet. Die kleine Hütte aber blieb unversehrt. Die Überlebenden bauten an der Stelle, wo der Priester die Katastrophe überlebt hatte, eine Kirche zu Ehren der Maria Magdalena. Und rund um die Kirche entstand – der Überlieferung zufolge – das neue „Magdalena“.
Von „Magdalena“ aus ist es „nicht mehr weit“ bis zu den Grabtürmen von Macro ... höre ich immer wieder. Und zu verfehlen sind sie auch nicht. Man muss nur Richtung Utcubamba marschieren, dann kommt man sicher ans Ziel. Immer wieder sieht man sie, die geheimnisvollen Bauten. Und so lange man den Utcubamba-Fluss links liegen lässt ... kann nichts passieren! Voller Optimismus machen wir uns auf den Weg.
Ein sehr anstrengender Marsch von mehreren Stunden bergauf, häufig durch dichtes Gestrüpp, immer wieder an steil abfallenden Klippen vorbei, scheint kein Ende nehmen zu wollen. Das Rauschen des Flusses begleitet uns. Immer wieder sieht man ihn tief unten. Ängstlich drückt man sich dann an die Felswand, um nicht abzustürzen. Rechts geht die steinerne Felswand steil nach oben, links geht es kaum weniger steil senkrecht in die Tiefe. Und weit unten hört man das Tosen des Flusses.
Immer wieder glaubt man, endlich am Ziel zu sein ... doch dann gilt es wieder, einen Steilhang hinab zu klettern, um gleich wieder emporzusteigen. Der schmale Pfad bringt uns schließlich und endlich an die geheimnisvolle Stätte.
Die Totentürme trotzen den Jahrhunderten. Millimetergenau sind die sauber bearbeiteten Steine an- und aufeinandergereiht. Dienten sie nur als Grabstätten? Oder wohnten besondere Würdenträger ganz in der Nähe der Mumien? Man konnte nachts mit den Bewohnern von Kuélap Nachrichten austauschen, heißt es: mit Feuersignalen.
Wir wissen, dass die Chachapoyas mehrere Meter hohe Sarkophage, meist aus Lehm und Astwerk, bauten. Diese „Särge“ hatten Menschengestalt. Sie erinnern in ihrer stoischen Ruhe sehr stark an die Steinstatuen der Osterinsel. Die „Sarg-Figuren“ der Chachapoyas waren hohl. In ihrem Inneren kauerten in Embryohaltung die Toten. Ich sprach vor Ort mit Menschen, die voller Ehrfurcht der Chachapoyas gedenken. So erfuhr ich, woran die Chachapoyas vielleicht glaubten ...
Nach mehr als fünfzig Jahren intensiver Recherchen bin ich zur Überzeugung gelangt, dass die ältesten Kulturen Matriarchate waren. Die Religionen des Matriarchats handelten von der ewigen Wiederkehr des Lebens, vom zyklischen Ablauf des Weltgeschehens: Werden, Leben, Vergehen und neuerliches Geborenwerden ... das war der endlose Kreislauf des Seins. Dachten die Chachapoyas ähnlich? Tote, die in Embryohaltung im Inneren von mächtigen Sarkophag-Statuen kauern ... sie deuten darauf hin, dass der Tod als vorübergehendes Stadium angesehen wurde. Der Mensch stirbt, wird wieder zum Embryo, um in ein neues Leben geboren zu werden. Glaubten die Chachapoyas an die Wiedergeburt ihrer mumifizierten Toten: in einer „Geburt“ aus den imposanten Sarg- Statuen?
Wir wissen, dass die Chachapoyas auf der Seite der Spanier kämpften. Fühlten sie sich den Christen im Glauben verbunden? Predigten doch auch die Christen die Auferstehung der Toten. Aber glaubten die Chachapoyas wirklich, dass die ausgetrockneten Mumien ohne „Innenleben“ wieder auferstehen würden? Vielleicht wird es tatsächlich eines Tages gelingen, die eine oder andere Mumie zu neuem Leben zu erwecken ... allerdings auf andere Art und Weise, als die Chachapoyas bieten. Per Cloning kann womöglich der eine oder andere „Zwilling“ der einen oder anderen Mumie neu geboren werden, um wieder zum Erwachsenen zu werden.
Im Verlauf der Jahrhunderte machten die Mumien viel mit ... Die Sarkophage – sie erinnern an die Statuen der Osterinsel – wurden bald gesuchte Objekte von Grabräubern. Die harte Hülle solcher Grabfiguren wurde zerschlagen. Die Mumien wurden herausgezerrt und die Grabtücher, in die sie eingewickelt waren, brutal abgerissen. Die Grabräuber suchten – und fanden – wertvolle Grabbeigaben. Die Mumien ließen sie achtlos liegen. Die Geschichte der Grabräuber ist fast so alt wie die Mumien selbst. Und auch heute noch wird das Gewerbe betrieben. Todesmutig wagen sich die Plünderer in Steilwände, um an die Grabstätten heranzukommen. Wie vor Jahrhunderten werden auch heute noch Mumien zerstört, um an Schätze zu kommen.
Sehr häufig finden Archäologen verwüstete Grabstätten vor. Sie freuen sich, wenn die Diebe etwas übersehen haben. Gelegentlich werden in unseren Tagen Grabräuber auf frischer Tat ertappt oder vertrieben. Vielleicht wollen die Ordnungshüter auch nicht wirklich jemanden verhaften. Viel leicht sind es ja Verwandte oder Bekannte. Nicht immer handeln die Polizeikräfte im Sinne der Archäologen. Manchmal „schaffen sie Ordnung“ in der Wüstenei, die die Grabräuber hinterlassen haben ... und zerstören weitere wichtige verwertbare Spuren, die den Archäologen weiterhelfen können.
Abb. 3.1 Mumiensärge der Wolkenmenschen
Abb. 3.2 Verblüffend ist die Ähnlichkeit mit Osterinselstatuen
In Leimembamba lagern zur Zeit unseres Besuchs 200 Mumien in einem angeblich „klimatisierten“ Raum. Die vielleicht fast eintausend Jahre alten Mumien sollen nicht den Temperaturveränderungen ausgesetzt sein. Sie wurden im Jahr 1996 oberhalb der Bucht „Laguna de los Condores“ („Lagune der Kondore“) entdeckt. Die Aufbewahrung der sterblichen Überreste der legendären Chachapoyas kann ganz und gar nicht als pietätvoll bezeichnet werden. In Pappkartons, Kisten aus Sperrholz und in Säcken warten die Mumien darauf, wissenschaftlich untersucht und in einem Museum ausgestellt zu werden.
Einige kurze, kritische Anmerkungen seien gestattet: ob aus Sicht der Chachapoyas der Unterschied zwischen Grabräubern und Wissenschaftlern wirklich so eklatant ist, wie wir uns das vorstellen? Die Toten wurden von wagemutigen Kletterkünstlern oftmals unter Lebensgefahr an möglichst unzugänglichen Steilwänden in Felsspalten zur letzten Ruhe gebettet: in Sarkophagen in Menschengestalt, manchmal auch in Holzsärgen. Bis zu ihrer Wiedergeburt sollten die Toten in Ruhe gelassen werden. Ohne Zweifel sind Grabräuber aus Sicht der Chachapoyas böse Frevler, denen nichts heilig ist.
Ich glaube nicht, dass die Chachapoyas einen Unterschied zwischen Dieben und Wissenschaftlern gemacht hätten. Für sie waren sie alle Plünderer: jene, die wertvolle Schätze finden und verkaufen wollen ... und jene, die die Mumien aus wissenschaftlicher Neugier und mit Pedanterie sezieren. Dabei dürfte es keine Rolle spielen, dass Archäologen meinen, sorgsamer mit den Toten umzugehen. Die Ausstellung eines Verstorbenen im wohl klimatisierten Museum in einer gläsernen Vitrine entspricht mit Sicherheit nicht der Vorstellung der Chachapoyas vom würdevollen Umgang mit Verstorbenen. Und die „Zwischenlagerung“ der Toten in einem klimatisierten Depot hätte die Chachapoyas sicher entsetzt.
Einst war die mysteriöse Hochebene von Nasca nur eine trostlose Einöde, in die sich Touristen so gut wie nie verirrten. Die gewaltigen, in den Erdboden gescharrten Zeichnungen und „Landebahnen“ interessierten allenfalls einige wenige Experten.
Maria Reiche (geboren am 15. Mai 1903 in Dresden, verstorben am 8. Juni 1998) hat einen Großteil ihres Lebens in Nasca verbracht. Sie kämpfte wie eine Löwin für die Bewahrung der uralten Riesenbilder in der Wüste. Ihr ist es zu verdanken, dass sie nicht schon längst unwiderruflich zerstört worden sind, etwa von „Sportlern“, die in der Wüste von Nasca Autorennen veranstalteten und in zwei Jahren größere Schäden anrichteten als die Unbilden der Natur in zwei Jahrtausenden.
Aber Maria Reiche lenkte nicht die Aufmerksamkeit der Welt auf das Mysterium von Nasca. Das änderte sich aber anno 1968 schlagartig! Damals erschien das erste Buch eines Schweizers, der zum erfolgreichsten Sachbuchautor der Welt wurde! Seit Erich von Dänikens Weltbestseller „Erinnerungen an die Zukunft“ ist die riesige Ebene von Nasca zu einer Touristenattraktion geworden. Unzählige Menschen strömen in das winzige Wüstendorf. Es gibt Hotels, sogar einen kleinen Flugplatz. In kleinen Propellermaschinen kann man das Wunder von Nasca wirklich erleben: aus der Luft! Mit Begeisterung fliegt man über eines der größten Geheimnisse, die unsere Erde zu bieten hat.
Nur aus der Vogelperspektive sind gewaltige Scharrzeichnungen auszumachen. Da gibt es welche von Tieren unvorstellbaren Ausmaßes. Selbst kleinste anatomische Einzelheiten sind zu erkennen ... wie etwa bei einer wirklichen „Riesenspinne“. Selbst aus Weltraumstationen machten Astronauten die imposanten „Bahnen“ aus, die im Nichts beginnen und sich kilometerweit erstrecken. Sie laufen schnurgerade durch die Wüste und enden ebenso abrupt, wie sie begonnen haben.
Wer schon einmal das Geheimnis von Nasca vom Flugzeug aus studiert hat, der kommt nicht umhin zuzugeben, dass Däniken mit seiner Hypothese recht haben könnte. Vielleicht sollten Linien und Tierbilder tatsächlich die fliegenden Götter der Vorzeit zur Rückkehr zur Erde bewegen.
Doch während heute zur Freude der Einheimischen zahlreiche Touristen von den Riesenbildern angelockt nach Nasca kommen, gibt es ein anderes, ein düsteres Geheimnis, über das viele Menschen vor Ort allenfalls nur zu flüstern wagen! Nur wenige Kilometer von Nasca entfernt soll es Zombies gegeben haben. Untote sollen die Lebenden in Angst und Schrecken versetzt haben! Wer das Vertrauen alteingesessener Menschen gewinnt, so schwer das auch ist, dem erzählen sie hinter vorgehaltener Hand Geschichten über den „Ort des Schreckens“. Heute sind es nur noch sehr wenige Wissende, die die alten Überlieferungen kennen. Oder sind weit mehr Menschen in das Mysterium eingeweiht, von denen aber die meisten schweigen wie das sprichwörtliche Grab?
Morgen oder übermorgen werden die gruseligen Überlieferungen in Vergessenheit geraten sein. Schließlich leben wir doch in einer „aufgeklärten“ Zeit. Für alten Aberglauben haben wir doch keine Zeit mehr. Oder verdrängen wir lediglich einen Teil der Wirklichkeit, nur, weil wir manches nicht zu erklären vermögen? Bilden wir uns nur ein, „alles“ zu wissen ... und leugnen penetrant eine fremdartige Realität?
Dabei ist der unheimliche Friedhof sehr einfach zu finden. Er liegt nicht verborgen irgendwo im Urwald, sondern offen in der Wüste! Man fährt vom Städtchen Nasca auf der legendären Panamericana Richtung Lima. Vier Kilometer hinter Nasca geht ein Weg ab. Folgt man ihm, dann erreicht man nach knapp fünfzehn Kilometern den „Cementario von Chauchilla“, den „Friedhof von Chauchilla“. Die Bezeichnung „Friedhof“ ist allerdings für Europäer und Amerikaner höchst irreführend. Bei einem „Friedhof“ erwartet man Gräber mit steinerner Umrandung und massivem Grabstein. Die Namen der Toten, Geburts- und Sterbedaten sind verzeichnet. Zu Ehren der Toten werden Blumen und Kränze niedergelegt. Dergleichen gibt es in Chauchilla aber nicht.
Wie groß mag das Areal von Chauchilla ursprünglich gewesen sein? Wir wissen es nicht. Die Wüste hat im Laufe der Jahrtausende die Bestattungsfelder wieder verschlungen. Einst wurden hier auf einigen Quadratkilometern Tausende, wahrscheinlich sogar Zehntausende begraben. Wer waren die Toten? Mit Sicherheit vermag das heute niemand mehr zu sagen. Einig sind sich die Archäologen freilich in der Datierung. Sie kamen zu verblüffenden Ergebnissen! Die ersten Toten wurden vor „mehreren Jahrtausenden“ beerdigt. Sie wurden also lange vor der Inka-Zeit bestattet. Welcher Kultur gehörten sie an? Wurde die uralte Zivilisation bereits von Vorgängern der Inkas vernichtet? Oder gab es sie noch zu den Zeiten der Inkas?
Hier sollen hier auf dem Friedhof von Chauchilla Zombies ihr Unwesen treiben. Zombies? Der Glaube an aus dem Reich der Toten zurückkehrende Wesen war einst in Südamerika weit verbreitet. Der österreichische Gelehrte Prof. Hans Schindler: „Mit der Christianisierung wurden Zombie Überlieferungen weitestgehend verdrängt und durch die neue Glaubenslehre ersetzt. Im Christentum ist kein Platz für solche Kreaturen der Nacht! Offiziell kennt keiner mehr die Furcht einflößenden Überlieferungen.“ Im Volksglauben haben sie sich freilich bis in unsere Tage erhalten. Nicht nur unter Grabräubern. Auch unter Grabwächtern. Nicht nur in Chile, sondern auch in Peru!
Auch hier waren und sind bis in unsere Tage Grabräuber aktiv. Hunderte Ruhestätten wurden nach und nach entdeckt und mit pietätloser Gewalt geöffnet und geplündert. Höchst respektlos ging man mit den ausgebleichten Gebeinen um. Man warf sie auf der Suche nach Grabbeigaben aus den Gräbern, wo sie oft liegen blieben. Grabräuber mit etwas mehr Taktgefühl begruben die sterblichen Überreste wieder.
Wer heute über den staubigen Friedhof geht, stellt schaudernd fest, dass überall Knochen und Knochensplitter herumliegen ... von Menschen, die hier einmal lange vor der Zeit der Inka zur letzten Ruhe gebettet worden waren. Immer noch werden Gräber entdeckt, die den Schatz suchenden Plünderern entgangen waren. Einige davon hat man geöffnet und nicht wieder zugeschüttet. In hockender Stellung kauern die Toten darin. Ihre Leiber - wohl nur noch Skelette - sind in einfache Gewänder gehüllt. Manche sehen wie gefesselt aus. Ihre Totenschädel liegen, manchmal seltsam schief, auf den Schultern. Am besten sind die Haare erhalten.
Prof. Hans Schindler zum Verfasser: „Früher wurde der Friedhof von Chauchilla bewacht, weil sich die Menschen vor Zombies fürchteten. Sie nahmen an, dass die Toten in die Welt der Lebenden zurückkehren, als lebende Leichen nur von Rachegefühlen beseelt!“ Sie suchten angeblich, so Prof. Hans Schindler, jene auf, die sie für ihren Tod verantwortlich machten. Oder die Nachkommen ihrer Mörder. Oder solche Menschen, die ihre Ruhe gestört hatten.
Jahrelang erforschte Prof. Hans Schindler archäologische Stätten in Südamerika. Er gewann das Vertrauen auch von Menschen, die sonst niemandem ihr Wissen über die Kreaturen der Nacht anvertrauten. Sie erzählen ängstlich um sich blickend leise flüsternd über Zombies. Besonders häufig soll diese Furcht einflößenden Geschöpfe direkt beim Friedhof des Schreckens aufgetreten sein. Noch 1992 wurden dem Verfasser unheimliche Storys bestätigt, die als Vorlagen für einen Horrorfilm bestens geeignet wären ...
Im September des Jahres 1913 waren wiederholt einige Jugendliche nachts auf den Cementario geschlichen, um Gräber zu öffnen und zu plündern. Sie hofften weniger auf Keramiken als auf Gold. Mehrfach hatten sie vergeblich nach wertvollem Schmuck gesucht, als eine gespenstische Erscheinung die jungen Männer so sehr in Angst und Schrecken versetzte, dass sie sich bis ans Ende ihrer Tage nie mehr auch nur in die Nähe des antiken Friedhofs wagten. Sie waren überzeugt, von Zombies vertrieben worden zu sein. Die Toten seien in die Welt der Lebenden zurückgekehrt, um die Menschen daran zu hindern, weiterhin die uralten Grabstätten zu schänden.
Die drei jungen Burschen hatten begonnen, ein Loch auszuheben. Sie hatten eine Stelle ausgewählt, in deren Nähe sie schon mehrere Gräber entdeckt hatten. Bislang hatten sie allerdings die erhofften Schätze nicht gefunden, nur gut erhaltene Skelette in morsches Leinen gehüllt und einige Keramiken. Ihr Loch war schon mehr als mannstief, da vernahmen sie ein undefinierbares Geräusch. Sofort hörten die jungen Männer auf zu graben. Als sie aus dem Loch lugten, machten sie in einiger Entfernung so etwas wie ein Licht aus. War man ihnen auf die Schliche gekommen? Das Licht, zunächst mehrere Hundert Meter entfernt, kam immer näher. Die Gestalt war in einen langen Umhang gehüllt und trug eine flackernde Laterne. Als sich der Wind drehte, meinten die Grabräuber den Geruch von Moder wahrzunehmen und das Klappern von Knochen zu hören. Schließlich schien das Wesen sie entdeckt zu haben und kam auf ihre Grube zu. Es ächzte und stöhnte dabei.
Vor Angst wie gelähmt beteten die drei Burschen um himmlischen Beistand. Die Kreatur blieb stehen. Im Mondlicht war nun zu erkennen, dass sie nicht das Gesicht eines lebenden Menschen hatte, sondern die grinsende Fratze eines Totenschädels. Langsam hob der Zombie einen Arm und deutete mit seiner Knochenhand in Richtung der zitternden Schatzsucher. Der Zombie - und nichts Anderes konnte das Wesen nach Ansicht der Männer in der Grube sein - drehte sich um und gab einen heulenden Laut von sich. Da erhoben sich in einiger Entfernung zwei, drei ähnliche Gestalten und wankten zielstrebig in Richtung der Grabräuber. Hatte ihr letztes Stündlein geschlagen? Die Gestalten näherten sich ihnen. Waren sie den Zombies hilflos ausgeliefert? Konnten sie mit ihren einfachen Werkzeugen die Kreaturen der Nacht abwehren? Plötzlich wich die von Angst verursachte Starre von ihnen. Sie sahen nur eine Chance: Flucht vor den Unheimlichen. In Rekordgeschwindigkeit verließen die jungen Männer das Erdloch und rannten so schnell wie noch nie im Leben davon. Ihre Werkzeuge ließen sie zurück.
Einer von ihnen blickte aus sicherer Entfernung noch einmal zurück. Vier Zombies starrten in das Loch, das die Burschen ausgehoben hatten. Hinter ihnen stand der Vollmond tief am Himmel, hinter den unheimlichen Wesen. Für Sekunden meinte der entsetzte junge Mann erkennen zu können, dass es lebende Leichen waren, wandelnde Skelette, an deren Knochen Reste von mumifiziertem Fleisch hingen ... Untote aus dem Zwischenreich.
Der kompetente Prof. Hans Schindler zum Verfasser: „Für viele Menschen aus Chauchilla wurden die jugendlichen Grabräuber von Zombies vertrieben. Als moderner Wissenschaftler darf ich an eine solche Erklärung nicht glauben. Gibt es eine bessere, eine natürliche?“
Tatsächlich liegt eine realistischere Lösung auf der Hand. Aber entspricht sie auch der Wahrheit, oder nur modernem Wunschdenken, das Mysteriös-Unheimliches nicht zulassen mag? Der Friedhof von Chauchilla wird schon seit Jahrzehnten von professionellen Grabräubern heimgesucht, die mit den Archäologen eine Art Wettkampf austragen. Waren vielleicht die „Zombies“ nichts Anderes als Grabräuber, die sich unliebsame Konkurrenz vom Leibe halten wollten? Das wäre eine auch für moderne Menschen der Jetztzeit akzeptable Lösung.
In der Tat sind auch heute noch Grabräuber in dem weiten Areal aktiv. Es fehlt an finanziellen Mitteln für archäologische Ausgrabungen. Eine Rund-um-die-Uhr-Bewachung des weitläufigen Geländes mitten in der Wüste ist nicht finanzierbar. Außerdem schrecken viele Einheimische davor zurück, nachts auch nur in die Nähe des mysteriösen Friedhofs zu gehen. Dann werden die Grabräuber aktiv. Man kann sie aber am Tage antreffen. Auf den ersten und zweiten Blick sind sie nicht von Archäologen zu unterscheiden. Sie hoffen auf Grabbeigaben und graben systematisch nach weiteren Mumien, die vor Jahrtausenden der Wüste anvertraut wurden.
Wer heute das Gräberfeld von Chauchilla aufsucht, fühlt sich in eine andere, höchst fremdartige Welt versetzt. Absolute Windstille und scharfe Windböen wechseln einander ab. Der Boden blitzt weißlich auf – im gleißenden Sonnenlicht ebenso wie nachts bei Vollmond. Unzählige Gräber sind geöffnet. Ihre „Bewohner“ hocken, mit eng an den Leib gezogenen Beinen, tief unten in den Gruben. Schaut man näher hin, dann erkennt man, dass die Körper in sackartigen Gewändern stecken. Manchmal halten schmale zusätzliche Stoffbahnen die „Bekleidung“ der Mumien zusammen, manchmal sind es sauber gearbeitete Seile.
Je nach Stand des Toten ist der Stoff grob oder fein. Auch die Toten unterscheiden sich ... Arm und Reich wurden aber offenbar nebeneinander beigesetzt. Wahrscheinlich wurden unzählige Arme einfach im trockenen Wüstenboden verscharrt. Reicheren gewährte man „Grabkammern“ aus getrockneten Ziegeln. Es gab aber offenbar keine separaten Friedhöfe für Arme und Reiche.
4.1. Totenschädel von Chauchilla
4.2. Totenschädel von Chauchilla
